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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 20.08.2021

Wolfgang Kaes mit interessanten Themen

Das Lemming-Projekt
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Dies ist ein Roman, bei dem es um die Auswüchse der neuen Medienkonzerne genauso geht wie um die verbrecherischen Machenschaften des Katholizismus. Außerdem gibt es viel Wissen um die Geschichte der iberischen ...

Dies ist ein Roman, bei dem es um die Auswüchse der neuen Medienkonzerne genauso geht wie um die verbrecherischen Machenschaften des Katholizismus. Außerdem gibt es viel Wissen um die Geschichte der iberischen Halbinsel in der älteren und jüngeren Vergangenheit jüngeren Vergangenheit.

Alejandro ist Historiker, konnte aber nur einen Job als Content Analyst bei einem der ortsansässigen High-Tech-Unternehmen namens CleanContent finden. In diesem Job säubert er das Internet von unerwünschten Bildern und Videos, um die Datenschutzrichtlinien der EU einhalten zu können. Die Kollegen kennt er nicht, darf er nicht kennen. Kontakte der Mitarbeiter untereinander sind verboten. Dennoch trifft er sich nach dem mitternächtlichen Schichtende mit Maria.

Außerdem erfährt Alejandro durch Zufall von einem älteren Bruder, den seine Mutter ihm und seiner Schwester verschwiegen hat. Er macht sich auf die Suche. Dabei stößt er auf erschreckende Vorkommnisse in seiner eigenen Familie und den abgrundtiefen Machenschaften der katholischen Kirche und ihrer Vertreter.

Wolfgang es hat in diesem Roman sehr viele Informationen gelegt. Es kommt mir so vor, als würde er alles präsentieren wollen, was er recherchiert hat. Das ist meines Erachtens etwas zuviel. Denn dabei hat er die Story aus dem Blick verloren. Es baut sich zwar etwas nach etlichen Seiten irgendwann auf, ist aber so zerfasert, dass man immer noch nicht das Hauptthema erkennen kann.

Es gibt mehrere Stränge, aus denen heraus sich eine spannende Geschichte entwickeln könnte. Doch mir waren diese Parallelen zu weit auseinander. Aber, das muss man sagen, es reicht, um insgesamt an dem Roman dranzubleiben. Auch, wenn alles versträut bleibt, war ich auf die Auflösungen gespannt. Ich habe diesen Roman als einen interessanten Abriss der spanischen Geschichte, des europäischen Katholizismus und der aufkeimenden Übermacht der Internetkonzerne gelesen und kann ihn als solchen empfehlen.

© Detlef Knut, Düsseldorf 2021

Veröffentlicht am 15.07.2020

humorvolle Geschichten eines Vaters

"Krieg ich schulfrei, wenn du stirbst?"
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Sehr humorvolle Geschichten eines Vaters im Zusammenleben und bei der Erziehung seines Sohnes Tom. Der größte Teil der Geschichte macht Spaß beim Lesen, wohl jede Mutter oder jeder Vater erkennen viele ...

Sehr humorvolle Geschichten eines Vaters im Zusammenleben und bei der Erziehung seines Sohnes Tom. Der größte Teil der Geschichte macht Spaß beim Lesen, wohl jede Mutter oder jeder Vater erkennen viele Szenen aus dem eigenen Leben, es wird kaum jemanden geben, der sich nicht in einer der Geschichten wiedererkennt. Bedauerlicherweise kippt dieser Spaß im dritten Drittel der Geschichten. Nahezu jede Geschichte muss ab da dafür herhalten, dass der Autor mit den bestehenden gesellschaftlichen Verhältnissen in Deutschland abrechnet. Politiker, Manager und Griechen, alle kriegen ihr Fett ab. Der erhobene Zeigefinger kommt aus seinen Höhen nicht mehr herunter. Die Sprache des Erzählers ist nicht mehr kindgerecht und die Geschichten haben auch nichts mehr mit dem Sohn zu tun, dessen Name nur noch plakativ hingeworfen wird. Der hintere Teil ist leider der verzichtbarste Teil des ansonsten überaus unterhaltsamen Buches. Zwischendurch tauchen Widersprüche in der Familie des Erzählers aus. Meist durchweg geht man als Leser von einem alleinerziehenden Vater aus. Das wird verstärkt, als er berichtet, mit einer Freundin nicht ins Kino gehen zu können. Anschließend wird dann von Ehefrau und Mutter gesprochen. Hier ist zwischen den Geschichten keine Homogenität gegeben. Die Plausibilität leidet darunter.

© Detlef Knut, Düsseldorf 2012

Veröffentlicht am 29.08.2018

für England-Fans Londoner Lokalkolorit

Blauer Montag
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Dieser Roman ist der erste aus einer neuen Reihe um die Psychiaterin Dr. Frieda Klein. In erster Linie geht es um vermisste Kinder, eine Konstellation, die bei britischen Autoren keine Seltenheit darstellt. ...

Dieser Roman ist der erste aus einer neuen Reihe um die Psychiaterin Dr. Frieda Klein. In erster Linie geht es um vermisste Kinder, eine Konstellation, die bei britischen Autoren keine Seltenheit darstellt. Der Prolog schildert das Verschwinden der kleinen Joanna Vines. Ihre neunjährige Schwester sollte damals auf die Fünfjährige aufpassen. Doch zwanzig Jahre später verschwindet der kleine Matthew Faraday. Für die Polizei kein Anlass, hier einen Zusammenhang zu dem alten Fall zu vermuten. Nur Frieda Klein, die mehr zufällig einen neuen Patienten betreut, der ihr von seinen Träumen berichtet, bekommt ein komisches Bauchgefühl. Eigentlich darf sie nicht und soll sie nicht ermitteln, doch ihre eigene Neugier treibt sie an, ihren Gefühlen auf den Grund zu gehen.

Die Grundstory ist spannend, doch die Geduld der Leser wird arg strapaziert. Es passiert zu viel im privaten Umfeld der Protagonistin, was absolut gar nichts mit der Handlung zu tun hat. Es tauchen Kollegen, Liebhaber, Handwerker, Verwandte auf. Ihre Zahl ist schier unendlich. Doch wer soll sie sich merken, wenn sie nichts mit dem Kriminalfall zu tun haben? Die privaten Teile sind auch keine parallelen Stränge, sie führen nicht auf falsche Fährten. Sie halten den Leser zwar auf, den Kriminalfall zu verfolgen, aber in die Irre leiten sie ihn nicht.

Der tatsächliche Kriminalfall um die vermissten Kinder hingegen ist ein Strang, bei dem der Leser mit Überraschungen rechnen kann. Es geht zwar schnurgerade aus und manchmal meint man, den Täter bereits zu kennen. Aber man sollte bis zum Ende durchhalten.

Der Roman ist nicht der große Wurf, vielleicht waren meine Erwartungen auch zu hoch, aber er kann trotzdem gut unterhalten und hält für England-Fans Londoner Lokalkolorit bereit.

© Detlef Knut, Düsseldorf 2018

Veröffentlicht am 04.07.2025

in Familiendrama in einer ruhigen Landschaft

Das Nest
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Dies ist ein Kriminalroman der sehr leisen Töne, den der bielefelder Pendragon-Verlag gerade hat übersetzen lassen und herausgebracht hat.

Fran lebt mit ihrer kleinen Familie im Marschland Englands. Sie ...

Dies ist ein Kriminalroman der sehr leisen Töne, den der bielefelder Pendragon-Verlag gerade hat übersetzen lassen und herausgebracht hat.

Fran lebt mit ihrer kleinen Familie im Marschland Englands. Sie betreibt dort einen Campingplatz. Die nächste Stadt ist ein ödes Provinznest. Das tägliche Jahraus und Jahrein – Essen kochen, Kinder umsorgen, Haushalt machen, Campinggäste betreuen etc. – hat Fran mittlerweile zermürbt. Sie ist dieses Lebens so überdrüssig. Hinzu kommen Probleme der Kinder in der Schule. Fran hat sich schon lange zurückgezogemn in ihre Welt der Vögel. Sie beobachtet die Vögel im Marschland.

Dann lassen sich nahe des Camplingplatzes ein ganzer Tross Reisender oder Roma nieder. Diese beobachten die Gäste auf dem Campingplatz, aber auch Fran und ihr Mann behalten die neuen „Nachbarn“ im Auge.

Doch dann fällt die trostlose Welt, in der Fran sich zu leben wähnte, plötzlich auseinander. Die Lehrerin von Bruno, Frans Sohn, ist plötzlich verschwunden. Ab jetzt werden Gerüchte und Anschludigungen verbreitet, als würde kein Stein mehr auf dem anderen bleiben. Und zwischen alldem werden Geheimnisse enthüllt, die eigentlich tief verborgen waren und besser dort hätten bleiben sollen. Fran würde ihnen am liebsten entfliehen.

Die Dramarturgie dieses Kriminalromans »Das Nest«, der sich ganz langsam zu einem Familiendrama entwickelt. ist unspektakulär. Mir war er teils zu langsam, zu langatmig. Leser, die gerne einen Pageturner wälzen, werden diesen Roman schnell aus der Hand legen, denn bis man aus der Geschichte heraus weiß, worum es geht, sind schon etliche Seiten umgeschlagen.

Die Geschichte von »Das Nest« wird von Beginn an aus zwei Perspektiven erzählt. Abwechseln aus der Sicht der Roma und aus der Sicht von Fran. Als Leser erfährt man also von dem stetigen Belauern der Campingplatzbetreiber und der neuen „Nachbarn“. Doch erst, als die Lehrerin verschwindet, wird dieses Belauern für die Leser enorm wichtig. Denn nun möchte man wissen wie es weiter fegt und was hinter dem Verschwinden der Lehrerin steckt.

Zusammengefasst kann ich sagen, dass »Das Nest« ein Roman ist, der in einer ruhigen Atmosphäre und in einer beeindruckenden Landschaft, die einer Einöde gleicht, auf ein Familiendrama zusteuert, dessen Geheimniss man so nicht erwartet hätte.

© Detlef Knut, Düsseldorf 2025

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Veröffentlicht am 27.02.2025

Iowa: Ein Ausflug nach Amerika

Iowa
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Im vergangenen Jahr wurde das Hardcover des Romans »Iowa« von Stefanie SargnagelStefanie Sargnagel für den Deutschen Buchpreis nominiert, und ab Juni dieses Jahres wird er auch als Taschenbuch erhältlich.

Stefanie ...

Im vergangenen Jahr wurde das Hardcover des Romans »Iowa« von Stefanie SargnagelStefanie Sargnagel für den Deutschen Buchpreis nominiert, und ab Juni dieses Jahres wird er auch als Taschenbuch erhältlich.

Stefanie Sargnagel tauscht 2022 widerwillig das heimische Wiener Sofa gegen ein Ticket gen USA. In Iowa wird sie künftig in der Einöde an einem College kreatives Schreiben unterrichten müssen. Hello cornfields!

Die beschauliche Kleinstadt Grinnell in Iowa – mit ihren 8000 Bewohnern bietet sie außer endlosen Maisfeldern nur Langeweile pur. Die Musikikone Christiane Rösinger aus Berlin ist mit von der Partie und begibt sich mit einem ortskundigen Einwohner auf die absurde Entdeckungsreise durch das Nirgendwo. In dieser Getreidekammer der USA stoßen sie auf übergewichtige, aber herzliche Lokalmatadore, traditionelle Klischees, gigantische Supermärkte, in denen Obdachlose die Möglichkeit zum Duschen bekommen, skurrile Würstchenkreationen und ein Glas voller eingelegter Truthahnmägen.

Witzig gedacht sind die korrigierenden Fußnoten von Christiane Rösinger. Diese Fußnoten, die im Text auftauchen und deren Inhalt man dann am Ende des Buches erfahren kann, sollen auf humorvolle Weise sowas wie einen Faktencheck darstellen. Technisch finde ich es allerdings in jedem Roman, denn dieses Buch wird so betitelt, den Einsatz von Fußnoten sehr unbrauchbar. Sie reißen den Leser aus dem aktuellen Satz weg, er muss bis zum Ende blättern, die Fußnote lesen, den Zusammenhang zum Ursprung herstellen und dann wieder zurückblättern zum eigentlichen Text. Eleganter wäre solch eine humorvolle „Korrektur“ im eigentlichen Haupttext beispielsweise in einer anderen Hervorhebung (z.B. Schriftart, farblich, etc.) einfließen zu lassen. Der Lesefluss der Leser würde nicht unterbrochen werden. Schade auf die verpatzte Chance.

Ebenso ungewöhnlich und schlecht verdaulich fand ich den Umstand, dass es quaso nur ein einzelnes Kapitel mit etwa 270 Seiten gibt. Kein einziger Absatz, an dem sich Leser mal eine Pause gönnen oder ein Lesezeichen hineinlegen oder die Augen pausieren können.

Das Buch ist eine Reisebeschreibung und als solches durchaus lesbar, wobei mir teils aber zu wenig Iowa vorkommt. Vielmehr dreht sich alles um die Autoren bzw. ihre Protagonistin gleichen Namens und deren Bauchnabel. Manche Leser mögen das und für die mag das auch witzig klingen. Mir persönlich hat einfach die Dramarturgie und der rote Faden gefehlt. Es gibt nur wenig Hochs und Tiefs, abgesehen von den Streitereien mit der Reisebegleiterin undn der Tatsache, dass sie beide feststellen,m sich nicht genug zu kennen, um überhaupt ein Gespräch führen zu können.

Wenn Sie also bereit sind, die USA nicht nur in ihrer majestätischen Weite, sondern auch mit einem Augenzwinkern zu erleben, dann ist dieses Buch für Sie genau das Richtige. Es verspricht nicht nur humorvolle Gedanken und skurrile Dialoge über die vermeintlich langweiligsten Erlebnisse, sondern auch einen Blick auf das Ungewöhnliche in der Normalität. Tauchen Sie ein in die Kornkammer der USA und lassen Sie sich von den charmanten Absurditäten mitreißen! Teilen Sie diesen Blogbeitrag in den sozialen Medien, damit noch mehr Menschen die Freiheit haben, über das Alltägliche zu lachen!

© Detlef Knut, Düsseldorf 2025