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Veröffentlicht am 30.09.2021

Die Frauen aus Zelle 3

DAFUQ
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In ihrem rasant-modernen Debütroman „DAFUQ“ verwebt Kira Jarmysch, Sprecherin von Kreml-Kritiker Nawalny, sechs bewegende Frauenschicksale im Gefängnis zu einem Bild vom heutigen Russland voller Gegensätze. ...

In ihrem rasant-modernen Debütroman „DAFUQ“ verwebt Kira Jarmysch, Sprecherin von Kreml-Kritiker Nawalny, sechs bewegende Frauenschicksale im Gefängnis zu einem Bild vom heutigen Russland voller Gegensätze. Jarmysch kann dabei auch auf eigene, persönliche Erfahrungen zurückgreifen – sie war bereits mehrfach in russischen Gefängnissen inhaftiert.

Protagonistin Anja demonstriert auf einer oppositionellen Kundgebung gegen Korruption seitens der Regierung und wird festgenommen – die 28-jährige Studentin wird im Schnellprozess verurteilt und kommt für zehn Tage in Arrest in ein Moskauer Gefängnis. In Zelle 3 stößt sie auf fünf weitere junge weibliche Insassinnen, mit denen sie die schier endlose und trostlose Zeit mit vielen Gesprächen vertreibt. Alle sehr unterschiedlichen Frauen sind wegen kleinerer Delikte hier – Natascha wegen Polizisten-Beleidigung, Irka wegen fehlender Alimenten-Zahlung und Maja, Katja und Diana wegen Fahrens ohne Führerschein. Unfreiwillig sitzen sie jetzt zusammen auf engem Raum und teilen ihre Sehnsüchte, Ängste und Auszüge aus ihrem Leben, während das russische Justizsystem mit seiner willkürlichen Härte zuschlägt. Da die Zellengenossinnen aus sehr verschiedenen Milieus stammen, ergibt sich ein vielschichtiges soziografisches Gesamtbild über weibliche Lebensentwürfe in Russland.

Anja ist die Politischste unter den Frauen, kämpft aber auch mit privaten Dämonen und Zweifeln – immer wieder blickt sie länger in die Vergangenheit: In ihre Kindheit im Dorf, in die komplizierte Pubertät, zu ihrer traumatischen Beziehung mit ihrem Vater, einer schwierig-intensiven Dreiecksbeziehung und ihre fortschreitende Politisierung, während es ihr in der Gegenwart psychisch zunehmend schlechter in der Haft geht. Halluzinationen und Tagträume vermischen sich mit der Realität, in der Kira Jarmysch mit vielen dichten Dialogen authentisch und bewegend die unterschiedlichen Biografien der Frauen ineinander laufen lässt, aber auch eindringlich-detailliert die Schikanen im Gefängnis beleuchtet und auch Nebendarsteller wie Gefängniswärter plastisch-komplex schildert.

Zwar blitzt zwischen den Zeilen immer wieder Humor auf, doch insgesamt ist es ein neben einer feinfühligen Coming-of-Age-Geschichte sowie Identitätssuche ein realitätsnaher Gefängnisroman, der ohne erhobenen Zeigefinger auf die rechtsstaatlichen Systeme und die allgemeine Lage in Russland blickt, dabei aber unterhaltsame, weibliche Standpunkte einnimmt. Das ist Jarmysch in ihrem tragikomischen Debüt präzise gelungen, bevor sie am Ende ins Mystische und Mythologische abdriftet: Anja ist alleine in ihrer Zelle und leidet an wirren, verstörenden Albträumen – zudem sinniert sie bis zum finalen Emotionsausbruch, der zum deutschen Buchtitel geführt hat, immer intensiver über Frauensymbole und anderen esoterischen Gedanken.

Wie Jarmysch, die biografische Züge mit der fiktiven Protagonistin aufweist, das heutige Russland mit seinen Spannungen und Repressionen in einem wertfreien, beklemmend-komischen Gefängnis-Kammerspiel spiegelt und dabei mit einem aufregend-vielstimmigen Schreibstil den facettenreichen Blick der russischen Frauen beleuchtet, ist erhellend und bemerkenswert!

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Veröffentlicht am 23.08.2021

Weite Wege zur eigenen Familie

Wo auch immer ihr seid
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In „Wo auch immer ihr seid“ nähert sich die ZEIT-Journalistin Khuê Phạm bewegend und lebensnah über mehrere Jahrzehnte hinweg ihrer eigenen vietnamesischen Familiengeschichte und Identität an. Sie erzählt ...

In „Wo auch immer ihr seid“ nähert sich die ZEIT-Journalistin Khuê Phạm bewegend und lebensnah über mehrere Jahrzehnte hinweg ihrer eigenen vietnamesischen Familiengeschichte und Identität an. Sie erzählt von der 30-jährigen Journalistin Kiêu, die sich einfach Kim nennt, da sie sich ihrer vietnamesischen Herkunft sowie Verwandten nie richtig angenähert hat und der Name in Deutschland leichter auszusprechen ist. Mit ihrem unabhängigen Freund Dorian lebt sie in der Berliner Gegenwart und erst ein Anruf ihres Onkels Sơn bringt einen Umschwung in ihr Leben – Kiềus Großmutter ist in Little Saigon, Kalifornien, gestorben und die Familie wird zur Testamentseröffnung den Weg in die USA, aber auch in vergrabene Geheimnisse und Verletzungen antreten, denn die Großmutter lüftet im Testament eine lange, verschwiegene (Not-)Lüge. Und auch bei Kiêu ergeben sich während der Erkundung der eigenen Wurzeln neue Wege, die eingeschlagen werden können.

Über den Globus verteilt und durch den Krieg auseinandergerissen, wurde bei den Familienmitgliedern die „geografische Distanz zur emotionalen Distanz“ – diese Entfremdung von Herkunft und Familie, aber auch das Leben zwischen zwei Kulturen fängt Khuê Phạm sehr feinfühlig und in wunderschönen Bildern auf. Präzise recherchiert zeichnet sie zudem die Geschichte von Kiêus Vater Minh und dessen Bruder Sơn in wechselnden Kapiteln und Perspektiven sehr authentisch und atmosphärisch nach – denn während Minh während dem Vietnam-Krieg 1968 nach Deutschland zum Studieren übersiedeln konnte, haben Sơn und die Eltern die traumatischen Schrecken des brutalen Krieges erlebt. Der Vater wird in ein Umerziehungslager gesteckt.

Khuê Phạms fesselnde und dicht komponierte Familiengeschichte zeigt über Kontinente, Generationen und Kulturen hinweg einen atemberaubenden Einblick in vietnamesische Erfahrungen und Geschichte, in Kriegsschrecken, Aufbruch und Leid, in Migration, Auseinanderdriften und Wiederneuzusammensetzen. Ein ergreifendes, mutiges und starkes Debüt!

„Wo kommst du her? Zum ersten Mal denke ich, dass man diese Frage auch anders begreifen könnte. Nicht als Frage, die nur der Name eines vermeintlichen Ursprungslandes beantworten kann. Sondern als Suche nach all denen, die vor mir kamen und ihre Spuren auf sichtbare und unsichtbare Weise auf dem Weg in die Gegenwart hinterlassen haben.“ S. 139

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Veröffentlicht am 15.08.2021

Das mystische Geheimnis der Maiden

Die Leuchtturmwärter
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Emma Stonex spinnt angelehnt an die wahre mysteriöse Geschichte der verschwundenen drei Leuchtturmwärter der Eilean Mòr von 1900 eine fiktive, düstere Psycho-Thriller-Geschichte, die sich puzzleartig und ...

Emma Stonex spinnt angelehnt an die wahre mysteriöse Geschichte der verschwundenen drei Leuchtturmwärter der Eilean Mòr von 1900 eine fiktive, düstere Psycho-Thriller-Geschichte, die sich puzzleartig und subtil stückchenweise entfaltet. In gewaltiger Atmosphäre, die die Unberechenbarkeit und Stärke des Meeres miteinfängt, rollt Stonex abwechselnd in den Zeiten 1972 und 1992 facettenreiche Einblicke in das Seelenleben der Protagonisten auf. 1972 sprechen jeweils die Männer auf dem Leuchtturm, der Maiden Rock – Arthur, Bill und Vince haben alle ihr Päckchen aus der Vergangenheit zu tragen: Geheimnisse, Traumata, Verbrechen, Eifersucht und Verlust. Dazu macht sie das wochenlange klaustrophobische und monotone Arbeiten auf einem engen Turm mitten im gewaltigen Meer teils psychisch zu schaffen – je weiter die Kapitel schreiten, desto mehr gesellen sich wahnsinnige und mystische Elemente sowie imaginäre Gespenster in das Erzählen von Stonex. Nach und nach bahnen sich tief liegende, starke Emotionen der Männer an die tosende Oberfläche und führen zu Spannungen – die verschwiegene Vergangenheit holt sie ein.

1992 kommen die Frauen der Wärter zu Wort: Helen, Jenny und Michelle – ein Schriftsteller nimmt sich dem mysteriösen Verschwinden der Männer nochmal an und interviewt die zurückgelassenen Frauen. Die zahlreichen Möglichkeiten, Theorien und geheimnisvollen Indizien des Verschwindens wie eine verschlossene Tür, ein für zwei Personen gedeckter Tisch und angehaltene Uhren sowie das Schweigen des Leuchtturmkonzerns Trident und Vince’ Gefängnisaufenthalt fließen subtil und galant in die Geschichte mitein – und bieten umfassend Anlass für Spekulationen und Grübeleien. Auch hier versteht es Stonex ohne wörtliche Dialoge eine düster-nachdenkliche und spannende, rätselhafte Szenerie mit den Gedanken der Frauen zu kreieren, bei der auch poetische Sätze hineingewoben werden.

„Helens Erinnerungen an ihren Mann waren nur Bruchstücke, vedorrte Schuppen, die sie umwehten wie Laub, das durch die Küchentür getrieben wurde. Manchmal bekam sie eine zu fassen und konnte sie genauer betrachten, aber meist sah sie nur, wie diese Blätter um ihre Knöchel wehten, und fragte sich, wie in aller Welt sie die Energie aufbringen sollte, sie zusammenzukehren.“ S. 38

Was ist damals wirklich passiert? Wie laufen die Fäden der verschiedenen und teils tragischen Biografien ineinander? Bis zum Schluss spielt Stonex mit verschiedenen Andeutungen, Hinweisen und tückischen Geheimnissen, die sich immer wieder überwerfen und wie ein wankendes Schiff auf stürmischer See in neue Richtungen hinauslaufen, bevor am Ende zwar etwas konstruiert alle Schichten abgedeckt und die menschliche Katastrophe offenbaren. Versiert gibt sie jedem Protagonisten seinen eigenen, präzisen Anstrich in Sprache, Gedanken und Lebenslauf, während das Meer tost und weiße, mystische Vögel ihre Kreise darüber ziehen.

„Die Leuchtturmwärter“ ist ein sprachgewaltiger, eindringlicher und packender Roman über die schwere, mittlerweile automatisierte Arbeit von Leuchtturmwärtern, aber auch über menschliche Tragödien, Ungesagtes und verdrängte Emotionen. Mit starkem Sog lässt diese düster-aufwühlende Geschichte so schnell nicht los, gräbt sich mit den Wahnsinn und der Mystik tief ins Unterbewusste. Einzig und allein die letzten Kapitel sind etwas schwächer komponiert, schmälern aber nur bedingt die Lesefreude dieser psychologisch clever konstruierten Mystery-Geschichte.

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Veröffentlicht am 05.08.2021

Loslassen und Neubeginn

Wir für uns
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Zwei unterschiedliche Frauen treffen in dem fiktiven hessischen Ort Solbach aufeinander, als sie sich am meisten brauchen – zum Loslassen, Umsortieren und für einen Neustart. Sozialarbeiterin Josie ist ...

Zwei unterschiedliche Frauen treffen in dem fiktiven hessischen Ort Solbach aufeinander, als sie sich am meisten brauchen – zum Loslassen, Umsortieren und für einen Neustart. Sozialarbeiterin Josie ist von Bengt schwanger – doch es gibt zwei Haken: Bengt ist verheiratet mit einer anderen Frau und Josie ist schon 41. Doch sie will es nicht mehr nur ihrem langjährigen „Freund“ Bengt recht machen, der für eine Abtreibung ist – Josie möchte das Kind haben. Was folgt ist eine schmerzhafte Trennung und viele ernsthafte und klug aufgefangene Gedanken über die Möglichkeit einer Chromosomenstörung wie Trisomie 21. An diesem wichtigen Punkt in ihrem Leben trifft Josie auf Kathi – diese ist schon wesentlich älter und hat auch mit schmerzhaften Gefühlen zu kämpfen: Ihr Mann ist verstorben und zu ihrem Sohn hat sie den Kontakt verloren.

Berührend, authentisch, nachdenklich, aber auch mit einer Brise Humor und vor allem Lebensmut hat Barbara Kunrath in ihrem fünfteiligen Roman „Wir für uns“ eine warmherzige, einfühlsame und mutmachende Geschichte aus dem Leben geschrieben. Aus der Ich-Perspektive von Josie taucht der Leser tief ein in die ehrlichen und wichtigen Gedanken einer Spätgebärenden und die gelernt hat, ihre Wünsche ab nun vorne anzustellen. Es sind die feinfühligen Reflektionen, in denen Josie über ihre eigene Kindheit sinniert, über das eher distanzierte Verhältnis zur Mutter sowie zum verstorbenen Vater und was sie besser machen möchte bei ihrer Erziehung, die sehr bewegen. Josie und ihre Mutter werden zudem ein Traumata der Familie wieder ans Licht bringen, während Kathi auch an ein altes Geheimnis ihres Mannes herankommt.

Die ehrliche Freundschaft zwischen den Frauen, die sich durch Zufall treffen und gemeinsam lernen, sich zu stützen, loszulassen und neu zu beginnen, ist von Kunrath berührend und sympathisch komponiert und changiert zwischen Schmerz, Optimismus und Mut, ohne rührselig zu werden. Kleine Alltagsbeobachtungen, auch zu Grünem Leben und Klimawandel, fließen in Josies Reflektionen zum anstehenden Muttersein und seine tiefgreifenden Veränderungen. Ein Neubeginn für zwei Frauen aus unterschiedlichen Generationen, der zum Wohlfühlen und eigenem Wunschträumen einlädt – leichtfüßig, warm und lebensnah.

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Veröffentlicht am 26.07.2021

Den Schmerz betäuben

Die Wütenden und die Schuldigen
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John von Düffel zeigt in „Die Wütenden und die Schuldigen“ anhand einer gespaltenen Familie, was die Corona-Pandemie im Lockdown 2020 für zwischenmenschliche Auswirkungen hatte – drastisch, lakonisch und ...

John von Düffel zeigt in „Die Wütenden und die Schuldigen“ anhand einer gespaltenen Familie, was die Corona-Pandemie im Lockdown 2020 für zwischenmenschliche Auswirkungen hatte – drastisch, lakonisch und mit einem sezierenden Blick auf die unschöneren Gefühle.

Der ehemalige Pfarrer Richard hat Krebs im Endstadium – zurückgezogen gibt er sich im Pfarrhaus in der ländlichen Ueckermark seinen traumatischen Erinnerungen und Schuldgefühlen hin, bis ihn Enkelin Selma zusammen mit der Freundin der Mutter besucht. Diese ist Kathi und Palliativmedizinerin – mit im Gepäck hat sie Fentanyl, ein sehr starkes Schmerz- und Betäubungsmittel, das Richard in fieberhafte Tagträume versetzt.

„Er dachte an den Speicher, die Enge, das unentwegte Sich-Stoßen an allen Dingen, bei jedem Gedanken. Er brauchte nichts gegen die Schmerzen, sondern etwas gegen die Erinnerung.“

Richard ist Witwer – seine Frau kam vor Jahren bei der Geburt des Sohnes um. Dieser Schmerz sitzt tief, brodelt unter der Oberfläche sowie seine Schuldgefühle zum Sohn, den er nie richtig Liebe zeigen konnte: Holger sitzt seit einem Suizidversuch in der Psychiatrie, der Kontakt ist zu allen Familienmitgliedern sehr spärlich bis abgebrochen, doch gedanklich beschäftigen sie sich alle mit dem fehlenden Familienmitglied. Derweil hat Selma innerlich auch zu kämpfen, mit dem Gefühl, immer die auffangende Wolke in der Familie zu sein, aber auch mit einer unbändigen Wut – diese verspürt auch die perspektivlose Dorfjugend im leergefegten Dorf. Die Parteien geraten gewaltvoll und mit harten Szenen aneinander. Einzig und alleine der schwarze Kater Morpheus bringt neben der Aberglauben-Mystik etwas Wärme ins Pfarrerhaus, ist aber schwerkrank und muss operiert werden.

Zuhause bekommt Mutter Maria, Anästhesistin in der Charité, die Quarantäne- und Abstandsregeln mit voller Wucht zu spüren – da sie dem frisch wieder eingezogenen Sohn und ziellosen Kunststudenten Jakob aus dem Weg gehen möchte, quartiert sie sich zufällig in die Wohnung darüber bei einem älteren Rabbi ein. Die tiefsinnigen Gespräche mit ihm, wühlen auch bei Maria alte Gefühle von Schuld auf, zeigen ihr aber auch einen neuen Weg, ihre ältere Familiengeschichte aufzuarbeiten. Währendessen erlebt Jakob Drogen- und Beziehungskrisen.

In drei Teilen nimmt John von Düffel die Gesellschaft und ihre Schwachstellen in Zeiten der Krise zwischen Nähe und Distanz anhand dieser deformierten und distanzierten Familie auseinander. Klug komponiert und präzise beobachtet laufen viele Gedanken und Ereignisse ineinander über – an manchen Stellen humorvoll, an anderen brutal und manchmal poetisch mit bildgewaltigen Landschaftszenen. Die Assoziationen zum Sterben und zum Tod während Corona, das Aufplatzen unterdrückter Gefühle wie Schuld, Wut und Scham, wenn sich körperlicher und seelischer Schmerz nicht mehr betäuben lässt, nimmt der Autor detailreich und scharfsinnig unter die Lupe. Denn am Ende gibt es für Kathi nur zwei Sorten von Sterbenden: die Wütenden und die Schuldigen. Brillant und unterhaltsam geschrieben, mitunter nicht leicht verdaulich, aber am Zahn dieser schwierigen Zeit.

„Vom Sterben – dem eigenen wie dem Sterben der anderen – schienen sich die wenigsten Menschen eine klare Vorstellung zu machen. Offenbar war dieses Wissen das Erste und Letzte im Leben, das sich ins Gedächtnis prägte im Moment der Geburt, um wieder Gestalt anzunehmen in der Stunde des Todes. Dazwischen war es in Nebel gehüllt, in eine dichte dämpfende Wolke.“ S. 50

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