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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 18.04.2017

Sympathisch und spannend

Lost in Fuseta
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Kommissar Leander Lost kommt im Rahmen eines internationalen Austauschprogramms für ein Jahr zu einer Polizeidienststelle an der Algarve. Fuseta in Portugal. Lost ist ein Autist mit Asperger-Syndrom, er ...

Kommissar Leander Lost kommt im Rahmen eines internationalen Austauschprogramms für ein Jahr zu einer Polizeidienststelle an der Algarve. Fuseta in Portugal. Lost ist ein Autist mit Asperger-Syndrom, er hat ein fotografisches Gedächtnis, kann aber mit Menschen nur schlecht umgehen. Er denkt logisch, er kann nicht lügen und Gefühle sind ihm nur schwer verständlich. Das führt zu Missverständnissen mit seinem neuen Team, den Sub-Inspektoren Graciana und Carlos. Situationskomik und -tragik liegen dicht beieinander. Aber die Schwierigkeiten können überwunden werden, nicht zuletzt dank der sympathischen Kollegen aus Portugal. Schließlich gilt es, einen Mörder zu ermitteln. Eine gute Zusammenarbeit ist dafür die Voraussetzung.
Ein spannender Fall mit einem überraschenden Ende, sympathische Charaktere in landschaftlich beeindruckender Atmosphäre – ein guter Krimi. In der Realität würde ein Polizist wie Lost vermutlich nicht im ermittelnden Außendienst tätig sein können, in der Spurensicherung vielleicht. Aber es ist eben ein Roman, und wie ich finde, ein sehr gelungener. Die Örtlichkeiten werden sehr gut beschrieben, bei mir entstand sogar so etwas wie ein Feeling für die portugiesische Lebensart. Man merkt, dass der Autor da von etwas schreibt, was er persönlich gesehen und erlebt hat. Sehr gut rübergebracht! Mir hat das sehr gefallen, absolut lesenswert und gerne mehr von Leander und seinem neuen Team.

Veröffentlicht am 18.04.2017

Ein neues Team für alte Fälle

Die Grausamen
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Das neue Team: Er, Gabriel Dickinson, ist nach dem Tod seines Schwagers dem Alkohol verfallen. Sie, Marta Rodriguez-Johnson, hat aus Versehen ihren Kollegen im Einsatz erschossen hatte. Beide hadern mit ...

Das neue Team: Er, Gabriel Dickinson, ist nach dem Tod seines Schwagers dem Alkohol verfallen. Sie, Marta Rodriguez-Johnson, hat aus Versehen ihren Kollegen im Einsatz erschossen hatte. Beide hadern mit ihrem Schicksal, stehen kurz vor dem Ausscheiden aus dem Polizeidienst. Doch sie werden nicht entlassen. Sie werden abgeschöben in die neu eingerichtete Abteilung Cold Cases. Dort können sie nach Meinung ihrer Vorgesetzten keinen großen Schaden mehr anrichten. Alte ungelöste Fälle sichten und schauen, ob sich da neue Erkenntnisse ergeben. Und genau das passiert. Der zwanzig Jahre alte Fall eines entführten Mädchens weckt das Interesse des neuen Teams. Tessa war 13 Jahre alt, als sie auf dem Weg von ihrer Freundin nach Hause verschwand. Sie wurde nie gefunden. Marta und Gabe müssen sich zusammenreißen, jeder hat noch mit seinen eigenen Dämonen zu kämpfen. Und sie müssen sich zusammenraufen – als Team müssen sie funktionieren, um diesen alten Fall zu lösen. Der Mord an vier jungen Männern scheint mit dem Verschwinden von Tessa zusammen zu hängen. Langsam arbeiten sich die beiden Detectives in diesen Fall ein. Erstaunlicherweise scheinen ihre Vorgesetzten gar nicht interessiert an der Aufklärung zu sein. Haben sie möglicherweise etwas zu verbergen? Marta und Gabe müssen einige Felsen aus dem Weg räumen, um der Lösung näher zu kommen. Und sie sind plötzlich selbst in großer Gefahr. Was gegen Ende der Geschichte zu großer Spannung und einer Überraschung führt.
Die beiden Protagonisten sind sehr einfühlsam dargestellt, ihre Probleme, ihre Schwächen, ihre Zweifel werden gut herausgearbeitet. Die Spannung steigt kontinuierlich an, am Anfang noch verhalten, dann aber kräftig. Sehr gut zu lesen, sehr gute Unterhaltung!

Veröffentlicht am 11.11.2024

Fakten und Fiktion aus dem Mittelalter

Die steinerne Krone
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Die Geschichte beginnt mit einer Ausgrabung 1943 im Castel del Monte im Süden Italiens. Die Nazis haben einen Professor beauftragt, dort nach Artefakten zu suchen, die aus der Zeit Kaiser Friedrichs des ...

Die Geschichte beginnt mit einer Ausgrabung 1943 im Castel del Monte im Süden Italiens. Die Nazis haben einen Professor beauftragt, dort nach Artefakten zu suchen, die aus der Zeit Kaiser Friedrichs des Zweiten stammen könnten. Natürlich überwacht ein schneidiger Oberleutnant die Ausgrabungen, damit alles mit rechten Dingen zugeht.

Das Castel del Monte war nach Friedrichs Plänen erbaut worden, die Form war achteckig, mit acht Türmen an jeder Ecke. Friedrich galt als ein großer Herrscher, die Nazis wollten ihn für ihre Ideologie vereinnahmen, da könnten einige Fundstücke aus der Vergangenheit vielleicht hilfreich sein. Und tatsächlich wurde auch etwas gefunden. Ein paar Artefakte und eine Art Chronik, die Abschnitte aus dem Leben des Stauferkaisers enthielt.

Der Professor übersetzt die Schriftstücke für den Oberleutnant, und damit wird der Leser zurück ins Mittelalter geführt. Wichtige Episoden aus dem ereignisreichen Leben Friedrichs werden erzählt, der Autor lässt uns teilhaben an tatsächlichen und fiktiven Erlebnissen aus einer Zeit, die für uns heute kaum vorstellbar ist.

Viele Ereignisse sind geschichtsinteressierten Lesern vermutlich bekannt, doch es ist durchaus spannend, sie auf diese Weise geschildert zu bekommen. Auch die fiktiven Teile sind gut integriert, der Lesefluss wird nicht beeinträchtigt. Wer sich historisch nicht so gut auskennt, wird trotzdem gut unterhalten, und darauf kommt es bei einem Roman ja an. Im Nachwort nimmt der Autor dann Stellung zu Fakten und Fiktion, was ich sehr gut fand.

Meiner Ansicht nach ein gut geschriebenes Buch, welches das Interesse an jener schweren Zeit des Mittelalters wecken kann. Und ein Anstoß vielleicht, sich etwas intensiver mit unserer Vergangenheit zu befassen. Die Geschichte lehrt uns, das Vieles von dem, was wir heute bestaunen, auch damals schon vorhanden war, wenn auch in etwas anderer Gestalt. Fake-News sind keine Erfindung unserer Zeit, um nur ein Beispiel zu nennen.

Für mich eine lesenswerte Geschichte über den letzte großen Staufer und seine Zeit.

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Veröffentlicht am 08.11.2024

Die Technik setzt neue Maßstäbe

Schach-Euphorie
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Schach ist ein wunderbares Spiel, für diese Erkenntnis braucht man keine Bücher. Nur einen guten Gegner. Mit acht Jahren lernte ich das Spiel von meinem Großvater. Ich spielte schon lange vor 1972, aber ...

Schach ist ein wunderbares Spiel, für diese Erkenntnis braucht man keine Bücher. Nur einen guten Gegner. Mit acht Jahren lernte ich das Spiel von meinem Großvater. Ich spielte schon lange vor 1972, aber nur auf privater Basis. 72 war ich mit einer Jugendgruppe in Spanien, ein Land, in dem die Schachbegeisterung noch größer war als in Deutschland. Und so kam es, dass wir oft vor einer Bar saßen und auf einem Schachbrett die WM-Partien zwischen Bobby Fischer und Boris Spasski diskutierten. Mit spanischen Schachfans, deren Sprache wir nicht konnten, aber das Spiel überwand alle Grenzen.
Und hier beginnt Doggers sein Buch, bei der Würdigung dieses großen Spielers Bobby Fischer. Für mich ist er noch immer der GOAT, obwohl Kasparow und Carlsen da nicht viel nachstehen (Spasski sollte man dabei auch würdigen, aus meiner Sicht war er der sympathischste aller sowjetischen Weltmeister.).
Jedenfalls trat ich nach der WM 1972 in einen Schachklub ein und spielte unter anderem auch kleine regionale Turniere. Schachbegeistert war ich schon vorher, aber durch die WM und die Spiele von Bobby Fischer erhielt meine Begeisterung noch einmal einen Schub.
Im Schach war Fischer der beste Spieler seiner Zeit, aber leider forderte das seinen Preis. Das traurige Ende ist bekannt. Und falls nicht, kann man die Geschichte bei Doggers nachlesen.

Das Besondere an diesem Buch ist der Blick auf den Einfluss der neueren Entwicklungen. Große Spieler sind immer ein Magnet, aber Doggers beschreibt auch ausführlich die Entstehung von Internet-Schachseiten und Online-Schach. Wie kam es zu chess.com und lichess? Wie entwickelte sich das Schachspiel am Computer? Kann der Computer zum Betrug bei Turnieren benutzt werden?
Wie entstand und welche Rolle spielt das Streaming?

Die Skandale werden ebenso erwähnt wie die großen Momente. Und im Anhang findet sich eine kommentierte Auswahl von interessanten Schachpartien der Geschichte, die man durchaus nachspielen kann. Mir hat das Buch sehr gut gefallen, es ist informativ, lehrreich und gut zu lesen (auch für Nichtschachspieler).

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Veröffentlicht am 11.07.2024

Spannender Schwedenkrimi

Refugium
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Eine spannende Geschichte, ein fesselnder Schreibstil und angenehm kurze Kapitel – das hat mir sehr gefallen. Julia und Kim sind grundverschiedene Charaktere, und ich frage mich, ob das auf Dauer gut gehen ...

Eine spannende Geschichte, ein fesselnder Schreibstil und angenehm kurze Kapitel – das hat mir sehr gefallen. Julia und Kim sind grundverschiedene Charaktere, und ich frage mich, ob das auf Dauer gut gehen kann.
Ein brutales Verbrechen am Anfang, was steckt dahinter? Das wollte ich unbedingt wissen, und weitere Geheimnisse warfen ihre Schatten voraus. Was verbirgt Kim Ribbing? Er scheint unfassbar reich zu sein, was bei seinen Ermittlungen und den Reisen hilfreich ist. Julia ist als erfolgreiche Autorin auch recht wohlhabend. Durch ihren Ex hat sie Verbindungen zur Polizei, was sich ebenfalls als hilfreich erweist. Julia und Kim arbeiten effektiver als die Behörde, das ist nicht ungefährlich, aber sie kommen dem Kern des Verbrechens schnell näher. Kims Figur wirkte auf mich manchmal wie ein Superheld, obwohl er in seiner Kindheit Schlimmes erlebt hatte. Vielleicht ein klein wenig übertrieben, aber trotzdem spannend zu lesen. Insgesamt hat mir die Geschichte gut gefallen, ich bin gespannt, wie es im nächsten Band weiter geht...

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