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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 05.09.2021

Commissario Brunetti ist einfach Kult

Flüchtiges Begehren
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Zwei amerikanische Touristinnen werden in der Nacht von Unbekannten auf dem Steg des Hospitals abgelegt, bewusstlos, hilflos. Die Ermittlungen deuten zunächst auf einen Unfall, aber die Umstände sind zu ...

Zwei amerikanische Touristinnen werden in der Nacht von Unbekannten auf dem Steg des Hospitals abgelegt, bewusstlos, hilflos. Die Ermittlungen deuten zunächst auf einen Unfall, aber die Umstände sind zu mysteriös, um ad acta gelegt zu werden. Brunetti forscht weiter und muss die Kollegen der Carabinieri und der Küstenwache hinzuziehen, um einem furchtbaren Verbrechen auf die Spur zu kommen...
Brunetti ist einfach Kult, und auch sein dreißigster Fall reiht sich ein in die wunderbaren Venedig-Krimis von Donna Leon. Auch wenn Brunetti älter geworden ist – noch immer ist seine Familie zusammen, man fühlt sich vertraut mit seinen Gewohnheiten und den lieb gewordenen Kollegen, und auch wer Venedig noch nicht selbst gesehen hat, wird die traumhaften Szenen der Verfilmungen vor Augen haben.
Das Buch reißt einen zwar nicht vor lauter Spannung vom Hocker, aber es ist wieder solide gelungen und sehr unterhaltsam, und Donna Leon vergisst auch nie, auf die besondere Problematik Venedigs aufmerksam zu machen. Noch immer ankern die Kreuzfahrtriesen vor Venedig und überschwemmen die Stadt mit noch mehr Touristen, ein Drama für die verbliebenen Einheimischen. Ein angenehmer Krimi mit vertrauten Protagonisten, den man gerne empfehlen kann!

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Veröffentlicht am 02.09.2021

Facettenreiches Leben, in bruchstückhaft erzählt

Der Kolibri
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Marco Carrera ist Augenarzt – und in den Augen seiner Freunde „der Kolibri“. Was in seiner Kindheit und Jugend für seine Körpergröße stand, wird später im Leben ein Synonym dafür, dass er mit aller Kraft ...

Marco Carrera ist Augenarzt – und in den Augen seiner Freunde „der Kolibri“. Was in seiner Kindheit und Jugend für seine Körpergröße stand, wird später im Leben ein Synonym dafür, dass er mit aller Kraft versucht, an einer Stelle zu bleiben...
Sandro Veronesi kann kann hervorragend schreiben, seine Schilderungen sind ehrlich, offen und zutiefst menschlich. Einfühlsam beschreibt er das von tragischen Schicksalsschlägen getroffene Leben von Marco, seine große Liebe, seine rührende Hingabe zu Tochter und Enkelin.
Sandro Veronesi Geschichte hat mich sehr berührt und gefällt mir auch sehr, aber ich konnte den starken Zeitsprüngen in den unterschiedlichsten, zum Teil winzigen Puzzle-Teilchen zunächst nicht folgen und bin auch stets wieder in Verwirrung geraten. Leider habe ich erst am Ende gesehen, das es ein sehr übersichtliches Inhaltsverzeichnung mit Jahresangaben gibt, das mir sicher bei der Orientierung geholfen hätte. Da ich es immer vermeide, ein Buch vom Ende her aufzublättern, ist mir dieses natürlich entgangen.
Eine wunderbare, sehr beeindruckende Geschichte, leider für mich sehr „zersplittert“, womöglich zu anspruchsvoll.

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Veröffentlicht am 08.08.2021

Spannend mit hohem Gänsehautfaktor!

Hexenjäger
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Jessica Niemi ist Ermittlerin im Kommissariat in Helsinki. Als sie zu einem Todesfall gerufen werden, offenbart sich ein bizarres Szenario, für das sich keine vernünftigen Erklärungen finden lassen. Verbissen ...

Jessica Niemi ist Ermittlerin im Kommissariat in Helsinki. Als sie zu einem Todesfall gerufen werden, offenbart sich ein bizarres Szenario, für das sich keine vernünftigen Erklärungen finden lassen. Verbissen wird nach Indizien und einer Lösung gesucht, denn die Tote war die Gattin eines mehr als erfolgreichen Thriller-Autors, der mit einem „Hexenbuch“ zu ungeahntem Erfolg gelangt ist. Da finden die Ermittler einen Hinweis auf eine zweite Leiche unweit des Hauses…
Max Seeck schreibt überaus fließend und sehr spannend. Der Plot ist fesselnd; als Leser wird man einbezogen in die Ermittlungen, die geradezu einem Sog entwickeln. Parallel erfährt man mehr über Jessicas ungewöhnliche Lebensgeschichte, die ebenfalls reichlich Gänsehaut erzeugt. Einblicke in die Psychiatrie und Schwarze Magie sorgen für reichlich ungewöhnliche und bizarre Momente, die Handlung bleibt trotz fortschreitender Indizienfunde völlig unklar und undurchsichtig. Für mich hat sich bis zum bitteren Ende kein Täter herauskristallisiert, die Spannung bleibt bis zum Schluss konstant.
Die Aufarbeitung der einzelnen Geschichtsstränge am Ende war für mich dann zwar sicher erforderlich, aber etwas langatmig und melancholisch, auch den Showdown hätte ich mir vielleicht etwas rasanter gewünscht.
Alles in Allem ein sehr spannendes Buch, fesselnd bis zum unvorhersehbaren Ende!

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Veröffentlicht am 27.07.2021

Berührendes Buch über die Schicksalswege dreier Geschwister

Der Panzer des Hummers
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Sidsel ist alleinerziehende Mutter und arbeitet als Kuratorin in einem Kopenhagener Museum. Schwester Ea lebt seit langem in San Francisco, aber Bruder Niels, der ein mehr als einfaches Leben als Plakatierer ...

Sidsel ist alleinerziehende Mutter und arbeitet als Kuratorin in einem Kopenhagener Museum. Schwester Ea lebt seit langem in San Francisco, aber Bruder Niels, der ein mehr als einfaches Leben als Plakatierer in der Umgebung Kopenhagens führt, springt zur Betreuung der kleinen Laura ein, als Sidsel für wenige Tage nach London muss…
„Der Panzer des Hummer“ erzählt die Geschichte dreier Geschwister, deren Schicksalswege unterschiedlicher nicht sein können. Die sich aus den Augen verlieren – aber nicht ganz. Die sich annähern, aber nicht ganz. Eine Geschichte, die aus dem Leben gegriffen sein könnte, so alltäglich, so intensiv, sehr berührend und manchmal grotesk.
Und so ist auch der Stil von Caroline Albertine Minor. Sie schreibt sehr direkt, ohne Rücksicht auf Gefühle oder Geschmack und nimmt kein Blatt vor den Mund. Das empfand ich zwar manchmal als etwas befremdlich, aber andererseits ist es genau das, was die Geschichte ausmacht. In mehreren Erzählsträngen erfährt der Leser vom Leben der einzelnen Geschwister, wobei eine Übersicht der verschiedenen Personen den Einstieg in das Buch sehr erleichtert. Es sind drei Leben wie aus dem Alltag gegriffen, Schicksale, die auf der Kindheit basieren und bei jedem Menschen andere Auswirkungen haben. Drei Menschen, die zusammengehören und dieses Urgefühl der Zuneigung auch empfinden – aber jeder geht anders damit um. Man spürt Berührung, bleibt aber stets nur Beobachter.
Für mich ein ungewöhnliches, abgefahrenes Buch, das aber ausgesprochen realistisch und ernst erscheint, sehr direkt geschrieben ist und auch berührt.

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Veröffentlicht am 04.07.2021

Bittersüßer Tod - im wahrsten Sinne des Wortes

Adria mortale - Bittersüßer Tod
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Aufbruchszeit 1958 – Die Menschen wagen Neues und Sonja und Elke, zwei junge Freundinnen, besteigen den Roller und wagen eine abenteuerliche Ferienreise an die Adria! In der kleinen Pension von Federica ...

Aufbruchszeit 1958 – Die Menschen wagen Neues und Sonja und Elke, zwei junge Freundinnen, besteigen den Roller und wagen eine abenteuerliche Ferienreise an die Adria! In der kleinen Pension von Federica Pellegrini finden sie Unterkunft und freuen sich auf Sonne und Meer. Doch ein Schatten fällt auf die Urlaubsfreude! Signor Rossi, Lehrer und Stenz des Dorfes, wird Tod aufgefunden. Und schon bald geraten Gerüchte und Verdächtigungen außer Kontrolle…
Ein viel versprechendes Cover, aufgemacht im Stil einer alten Ansichtskarte, verspricht einen spannenden Sommerkrimi. Und der Leser wird nicht enttäuscht! Margherita Giovanni nimmt ihn mit in einen kleinen Ort am Meer, der vom Tourismus träumt, aber mit einem Toten konfrontiert wird. Und weil die Autorin sehr lebendig, sehr anschaulich und detailreich schreibt, kann man sich richtig gut vorstellen, was nun die Einwohner bewegt…
Dieser Krimi ist eine Mischung aus sehr turbulentem Dorfleben, vielen Irrungen und Wirrungen, gut gemeinten Aktionen und Aktivitäten und einer Pensionsbesitzerin, die mit dem Commissario letztendlich gemeinsame Sache macht, um der Sache auf die Spur zu kommen. Undurchsichtig bis zum tragischen Ende hatte ich den Mörder nie auf dem Plan, wurde hin- und her gerissen zwischen Verdächtigungen und Nachsicht, und war immer wieder überrascht über die unvorhergesehenen Wendungen.
Dabei sind die Charaktere wunderbar gezeichnet und gut getroffen, man darf auch gerne einmal schmunzeln. Liebevoll wird auch die Kulinarik beschrieben, die Sehnsucht nach Italien erzeugt!
Ein gelungener Sommer- und Ferienkrimi, abwechslungsreich, ansprechend und sehr spannend!

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