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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 02.09.2021

Durchwachsen

Mein Wille geschehe
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Ein Geistlicher, der in seiner kleinen Gemeinde angesichts leerer Kirchenbänke sowie anstrengender Kollegen und Vorgesetzter innerlich fast schon kapituliert hat. Realistisch und zeitgemäß.
Doch der brave ...

Ein Geistlicher, der in seiner kleinen Gemeinde angesichts leerer Kirchenbänke sowie anstrengender Kollegen und Vorgesetzter innerlich fast schon kapituliert hat. Realistisch und zeitgemäß.
Doch der brave Schein seiner Schäfchen trügt. Und verpflichtet nicht die Theologie, die Moral, ja das Menschsein dazu, Leid auf den Grund zu gehen ... und dann zu handeln?


Gut sichtbar bewirbt Sebastian Fitzek auf dem Cover den Inhalt des Buches: "Ein neues, sensationelles Leseerlebnis: Spannung, Tiefgang und (Bernd) Schwarzer Humor!"

Neues Leseerlebnis: Ja, neuartig. Aber nach meinem Dafürhalten noch nicht ausgereift. Das Buchinnere verrät hierzu: "Für Liebhaber ungewöhnlicher Kriminalromane mit wenig Blut und philosophischem Dreh." Lassen wir das an dieser Stelle mal so stehen.

Sensationell: Ähm, nunja.

Spannung: Keine klassische Krimispannung, da die Kriminalgeschichte gar nicht im Vordergrund steht. Es erscheint mir irreführend, das Buch als "Kriminalroman" auf den Markt zu bringen. Insgesamt erlebte ich persönlich den Spannungsbogen als mäßig.

Tiefgang: Zumindest tiefgreifende Gedanken en masse.

(Bernd) Schwarzer Humor: Kaum vorhanden.


Was mir gefiel:
Der Stil des Autors. Er beherrscht das Show don't Tell - Prinzip, schreibt bildhaft und  metaphorisch ... Man spürt schleichenden Wahn und aufziehendes Grauen im scheinbar Alltäglichen.

Was ich kritisch sehe:
Für mich ist nicht ganz klar, was der Roman sein möchte: Philosophisches Essay, aktuelle Gesellschaftskritik, Krimi, Thriller, dialogisches Instrument, ... ?

Tolle dialogische Ansätze, aber vermeintlich im falschen Genre platziert? Bzw. unter falschem Label auf den Buchmarkt geworfen? Theologie, Philosophie, Psychologie, Moral, siebter Sinn, Ratio, Wunderglaube, Poesie und nackte Emotionen prallen in diesem Roman aufeinander ... wie Teilchen in CERN. Und was entsteht daraus, für Protagonist und Leser*in? Ein schwarzes Loch?
Was kann die Leserschaft bei dieser überbordenden Horizonterweiterung letztlich mitnehmen?

Die Krimielemente jedenfalls fallen leider hinten runter. Schade. Manchmal ist weniger mehr.

Veröffentlicht am 14.04.2021

Eifert Stieg Larsson nach ...

Geiger
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... kommt aber (noch) nicht an ihn heran.

Die schwedische Kleinstadtidylle einer Familie wird durch einen rätselhafte Mord aus den Angeln gehoben. Doch was zunächst als isolierte Tragödie anmutet, stellt ...

... kommt aber (noch) nicht an ihn heran.

Die schwedische Kleinstadtidylle einer Familie wird durch einen rätselhafte Mord aus den Angeln gehoben. Doch was zunächst als isolierte Tragödie anmutet, stellt sich bald als größer heraus - bedeutend größer.

Der Aufbau des Werkes erinnert an Stieg Larssons Millennium-Trilogie: Die Leserschaft wird durch kognitive Dissonanzen en masse gezerrt. (Hier könnte weniger mehr sein.) Das bewährte Dreiergespann aus Krimielementen, diversen Protagonisten und Gesellschaftskritik - der Autor räumt mal ordentlich mit bigotten Elementen v.a. schwedischer Geschichte und Jetztzeit auf - eifert Larsson nach, kommt aber m.E. (noch) lange nicht an ihn heran.

Die inhaltliche Idee hinter dem Ganzen scheint hingegen atemberaubend.

Es handelt sich hier um den Auftakt einer Trilogie, die gleichzeitig das literarische Debüt des Schweden Gustaf Skördeman ist. Sein Stil lässt deutlich erkennen, dass Skördeman vom Film kommt: Szenisch und plastisch geschrieben, was mir persönlich sehr gut gefällt. Geht es jedoch um das Innenleben handelnder Charaktere, spürt man, wie schwer der Autor sich mit dem Romanschreiben tut: Das für mitreißende Bücher unabdingbare Prinzip des "Show, don't tell!" (dt.: "Zeigen, nicht erzählen!") wurde sträflich vernachlässigt.
Der Plot ist explizit auf eine Trilogie angelegt worden, was leider in diesem ersten Buch dazu führte, dass die Story arg in die Länge gezogen wurde und mich erst nach zwei Dritteln des Buches gepackt hat.


Fazit: Super Idee, handwerklich schlecht umgesetzt.
Man muss sich im Klaren sein, dass die komplette Trilogie gelesen werden muss und dieses erste Buch inhaltlich sehr gedehnt wirkt.
Wird bestimmt mal verfilmt werden und wurde bereits in mehrere Sprachen übersetzt.

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Veröffentlicht am 11.11.2020

Stundenlange Dysthymie ohne Spannungsbogen

Schockraum
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Im Buchhandels-Kundenmagazin „Buchjournal“ hatte ich die Hörbuchversion von Tobias Schlegls Geschichte „Schockraum“ über den jungen Notfallsanitäter Kim als Tipp entdeckt. Vor allem aufgrund der Lobeshymne ...

Im Buchhandels-Kundenmagazin „Buchjournal“ hatte ich die Hörbuchversion von Tobias Schlegls Geschichte „Schockraum“ über den jungen Notfallsanitäter Kim als Tipp entdeckt. Vor allem aufgrund der Lobeshymne im Klappentext - „Mitreißend und temporeich zeichnet Tobias Schlegl ein alarmierendes Bild von den schwierigen Arbeitsbedingungen in unserem Gesundheitssystem und teilt zugleich seine große Leidenschaft für seinen überlebenswichtigen Beruf.“ - wagte ich mich an das siebenstündige Machwerk heran.

Aber meine Überschrift sagt es schon: Ich musste mich durchquälen. Für den Autor, der vermutlich (stark) autobiografisch geschrieben hat, tut mir das leid. Aber als zahlende Leserin muss ich ehrlich sagen: Wenn Oliver Rohrbeck nicht so ein fantastischer Sprecher wäre, hätte ich das (Hör-)Buch abgebrochen.
Daher zwei Sterne für den Roman und einen für Herrn Rohrbecks gelungene Lesung.

Veröffentlicht am 25.11.2019

Krimi scheint nicht Gablés Stärke

Das Floriansprinzip
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Mark Malecki ermittelt wieder. Die in Müllschiebereien verwickelten Bösewichte schrecken scheinbar selbst vor Mord nicht zurück. Auch Marks Privat- und Familienleben wird ordentlich durchgerüttelt.

Mark ...

Mark Malecki ermittelt wieder. Die in Müllschiebereien verwickelten Bösewichte schrecken scheinbar selbst vor Mord nicht zurück. Auch Marks Privat- und Familienleben wird ordentlich durchgerüttelt.

Mark Malecki, bereits bekannt aus Rebecca Gablés Vorgängerroman "Jagdfieber", ist nach wie vor kein professioneller Ermittler.
In der Hörrunde, an der ich teilnehmen durfte, erinnerte er dennoch manche an Schimanski und mich, ob seiner unnahbaren coolen Art und seiner Fähigkeit jeden auflaufen zu lassen, an Philip Maloney.
Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass man "Jagdfieber" überhaupt nicht kennen muss um "Das Floriansprinzip" folgen zu können.

Umweltverbrechen and Sex sell in unserer derzeitigen Gesellschaft. Von beidem hat der Roman ein wenig zu bieten.
Allerdings fand ich ihn als "Krimi" nicht besonders spannend. Von Drittel zu Drittel erhöht sich die Spannung zwar, sie verläuft sich aber auch jedesmal wieder im Sande von Maleckis privaten Familienproblemchen. Möglichkeiten als Leser selbst lösungsorientiert miträtseln zu können, sind kaum vorhanden. Der Roman bleibt oberflächlich und weitschweifig.
Auch fand ich, dass der Inhalt nicht hält, was der Klappentext verspricht. Denn das Thema "Illegale Müllentsorgung" bzw. Umweltverbrechen ist gar kein aktiver Hauptbestandteil der Story. Zu diesem Thema hätte ich mir nach Lektüre des Klappentextes mehr gewünscht.

Der Sprecher Simon Jäger (man kennt ihn als Stimme von Heath Ledger, Matt Damon, u.a.) macht einen sehr guten Job. Seine wohldurchdachte Leseinterpretation verleiht jedem Charakter Individualität und jeder Situation Bildhaftigkeit.


Fazit: Nach meinem Dafürhalten hält der Roman nicht, was der Klappentext verspricht. Der Sprecher ist top, aber der Aufbau des "Krimis" merkwürdig weitschweifig und oberflächlich, so dass der Spannungsbogen eher flach bleibt.

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Veröffentlicht am 30.10.2019

Zu flach

Rückkehr nach St. Elwine
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Elizabeth Crane kehrt als Ärztin in ihr Heimatstädtchen St. Elwine zurück. Ihre heimliche Liebe lebt noch immer dort. In den vergangenen Jahren ist jedoch viel geschehen...

Das Buch lag lange auf meinem ...

Elizabeth Crane kehrt als Ärztin in ihr Heimatstädtchen St. Elwine zurück. Ihre heimliche Liebe lebt noch immer dort. In den vergangenen Jahren ist jedoch viel geschehen...

Das Buch lag lange auf meinem SuB, da ich einen 500 seitigen 08/15 Liebesroman befürchtete. Auf die erste Hälfte des Buches trifft das m.E. auch zu. Die zweite Hälfte und vor allem das letzte Drittel fallen jedoch interessanter und spannender aus; in kriminalistischer Hinsicht jedoch nicht immer nachvollziehbar. Der Epilog wirft dann so manche Frage auf, wie es im zweiten Teil (St. Elwine - Pampelmusenduft) wohl weitergehen wird.


Fazit: In der ersten Hälfte ein 08/15 Roman, bei dem man einige Passagen einfach überspringen kann. Zweite Hälfte und v.a. letztes Drittel interessanter und spannender. Eigenständiger, abgeschlossener Roman, dessen Epilog neugierig auf Teil 2 macht.