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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 11.09.2021

Drama mit Humor

Kleine Paläste
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Hanno kehrt nach Jahrzehnten in sein Elternhaus zurück, um sich nach dem Tod der Mutter um seinen Vater zu kümmern. Susanne, mit der er zusammen aufwuchs, lebt immer noch nebenan und beobachtet den Witwer. ...

Hanno kehrt nach Jahrzehnten in sein Elternhaus zurück, um sich nach dem Tod der Mutter um seinen Vater zu kümmern. Susanne, mit der er zusammen aufwuchs, lebt immer noch nebenan und beobachtet den Witwer. „Sie sind alle da, seine Versionen im Fernglas, eine Sammlung über dreißig Jahre hinweg. Abertausende.“
Von Anfang an brodelt etwas Unterdrücktes unter der Oberfläche, das seinen Weg nach draußen sucht. Während die Pflege eines Angehörigen und die Präsenz einer stalkenden Nachbarin schon ausreichend Erzählstoff bieten, wartet der Roman überraschenderweise noch mit einer übernatürlichen Ebene auf. Die Dramatik wird dadurch aufgelockert und erhält einen humorvollen Gegenpart.
Der Autor behandelt schwierige Themen mit Leichtigkeit und Sprachgeschick. Die ausgefallene Machart hat mich begeistert. Wer nach einem besonderen Buch sucht, sollte nach diesem greifen.

Veröffentlicht am 05.09.2021

Szenen einer Ehe

Der Brand
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In die Ehe von Rahel und Peter hat sich Gewohnheit und Sprachlosigkeit eingeschlichen. Ein Sommerurlaub auf einem Bauernhof soll zeigen, ob sie ihre Beziehung retten können.
Der ruhig erzählte Roman begleitet ...

In die Ehe von Rahel und Peter hat sich Gewohnheit und Sprachlosigkeit eingeschlichen. Ein Sommerurlaub auf einem Bauernhof soll zeigen, ob sie ihre Beziehung retten können.
Der ruhig erzählte Roman begleitet das Paar nicht nur durch jeden Tag ihres Aufenthaltes in der Uckermark, er offenbart auch ihre Beziehung zu Eltern und Kindern und damit Details über ihre Persönlichkeit.
Der unspektakuläre Tagesablauf zeugt aber auch von der Erkenntnis, was sie aneinander haben. „Wir haben nie das Interesse aneinander verloren, den Glauben daran, dass es mit uns richtig ist.“
Dieses Buch ist toll, weil es ohne den großen Knall auskommt, weil es den Blick in die menschliche Psyche nachvollziehbar gewährt und weil es Krien-typisch mit Worten zu verführen versteht.

Veröffentlicht am 29.08.2021

Die Stimme der Stadt

Träume und Kulissen
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Im Sommer 1936 herrscht im kroatischen Split noch eine gewisse Leichtigkeit vor, während sich anderswo in Europa bereits der nächste Krieg abzeichnet. Mitten im Schmelztiegel derer, die die Stadt bevölkern, ...

Im Sommer 1936 herrscht im kroatischen Split noch eine gewisse Leichtigkeit vor, während sich anderswo in Europa bereits der nächste Krieg abzeichnet. Mitten im Schmelztiegel derer, die die Stadt bevölkern, versucht ein Ermittler, ein Verbrechen aufzuklären.
Dieser Roman lässt sich in keine Schublade stecken. Er ist nur nebenher ein Kriminalroman, vielmehr schildert er, was die Menschen bewegt - von Sorglosigkeit bis zu Vorurteilen. Er vermittelt atmosphärisch das Gewusel der Stadt, in der selbige ihre eigene Stimme erhält. “Selbst die Kollonaden, Torbögen, Steinplatten, Fensterläden und Gemäuer, die ansonsten alles hörten und alles sahen, waren eingenickt.”
Auch ohne mit der Stadt oder ihrer Geschichte vertraut zu sein, hat das Buch einen Sog auf mich ausgeübt. Es ist ernst und humorvoll zugleich, sowohl anspruchsvoll als auch ungewöhnlich, noch dazu sprachlich ein Genuss. So muss ein gutes Buch sein!

Veröffentlicht am 01.08.2021

Trügerische Idylle

In diesen Sommern
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In kleinen Episoden erzählt die Protagonistin Teresa von ihrer Kindheit und Jugend. Das ist mal Mutter-Vater-Kinder-Idylle, mal Schwere durch den Umgang mit dem Vater.
Sein durch den Alkoholeinfluss verstärkter ...

In kleinen Episoden erzählt die Protagonistin Teresa von ihrer Kindheit und Jugend. Das ist mal Mutter-Vater-Kinder-Idylle, mal Schwere durch den Umgang mit dem Vater.
Sein durch den Alkoholeinfluss verstärkter Jähzorn bringt alle Familienmitglieder in eine Hab-Acht-Stellung. „Er nickt mich nur an, hallo Teresa, sagt er, sein Atem schwer. Ich weiß sofort, es wird kein guter Abend.“ Und so erwartet man als Leser schon, dass ein stiller Moment, wie die Surfschule während des Urlaubs, trügerisch sein könnte und bald der nächste Ausbruch folgt.
„In diesen Sommern“ wird als Roman geführt, hat aber trotz einer gewissen Chronologie in Bezug auf das Alter der Kinder keine zusammenhängende Handlung. Durch die Ich-Erzählerin wirkt es eher, als habe man ein Tagebuch vor sich, wo ein Eintrag mitunter nur eine halbe Seite lang ist. Dieser Eindruck wird durch die einfache Sprache noch verstärkt.
Auch wenn sie in dieser Hinsicht noch etwas mehr hätte herausholen können, ist der Autorin ein stimmiges Werk gelungen, das den Blick auf die Details lenkt, und das hat mir gut gefallen.

Veröffentlicht am 03.06.2021

Fesche Fanni

Putzt euch, tanzt, lacht
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Die 57-jährige Fanni bricht aus ihrem Alltag aus und begibt sich auf einen Roadtrip, der sie mit alten und neuen Bekannten zusammenführt.
Es ist für mich gar nicht so sehr die Handlung, die diesen Roman ...

Die 57-jährige Fanni bricht aus ihrem Alltag aus und begibt sich auf einen Roadtrip, der sie mit alten und neuen Bekannten zusammenführt.
Es ist für mich gar nicht so sehr die Handlung, die diesen Roman ausmacht, sondern die schonungslose Betrachtung des Alltäglichen durch die Augen der offenherzigen Protagonistin. „Ich bin zusätzlich schuldig geworden dem Noch-Ehemann gegenüber durch Ehebruch. Schreib‘s auf die Liste, Frau, direkt unter die dauerhafte Vernachlässigung häuslicher Pflichten.“
Das Buch ist sprachlich ein Genuss durch die pointierte Darstellung, aufgelockert durch Exkurse („Was Marek liebt“) und Listen, beispielsweise die der Trauer („Punkt für Punkt. Zum Abhaken.“). Nach meiner Begeisterung für „Putzt euch, tanzt, lacht“ möchte ich nun unbedingt auch dessen Vorgänger „FanniPold“ lesen.