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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 24.09.2021

Komplexes und spannendes Familiendrama mit Psychothrillerelementen, das mit unerwarteten Enthüllungen überrascht, aber auch etwas überladen von Themen ist.

Die andere Tochter
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Antonia Petzold ist knapp 40 Jahre alt und von Beruf Entrümplerin. Bei einem Unfall in einer aufzulösenden Wohnung wird sie so schwer verletzt, dass sie zum Erhalt ihres Augenlichts eine Cornea-Transplantation ...

Antonia Petzold ist knapp 40 Jahre alt und von Beruf Entrümplerin. Bei einem Unfall in einer aufzulösenden Wohnung wird sie so schwer verletzt, dass sie zum Erhalt ihres Augenlichts eine Cornea-Transplantation benötigt. Aus Dankbarkeit stellt sie Kontakt zu den Angehörigen der verstorbenen Spenderin Susanne Martens her. Die Mutter Clara reagiert darauf und lädt Toni zu sich ein, wo diese unbedingt mehr über Zsazsa erfahren möchte. Je tiefer sie in die fremde, gut situierte Frankfurter Familie involviert wird, desto mehr wird sie von Clara vereinnahmt und schürt dabei den Hass der älteren Schwester von Zsazsa. Schon bald hat Toni nicht mehr nur mir einschüchternden Flashbacks zu kämpfen, sondern sieht sich und ihre Eltern ernsthaft bedroht. Die Familie Mertens scheint etwas zu verbergen zu haben, dass nicht ans Tageslicht kommen soll.
Der Roman wird auf zwei Zeitebenen aus der Perspektive von Toni geschildert. Er handelt in der Gegenwart im Oktober 2019 nach einem unfassbaren Vorfall und in der Vergangenheit in den wenigen Monaten zuvor, von der Hornhaut-Transplantation bis Vergangenheit und Gegenwart aufeinandertreffen.
Beide Erzählstränge sind spannend geschildert. In der Vergangenheit ist eine Bedrohung von Anbeginn spürbar, auch wenn nicht ganz klar ist, woher die Gefahr für Toni rührt. Auch ihre Flashbacks und der Umgang mit den psychischen Belastungen nach einer Organspende sind sehr eindringlich und nachvollziehbar geschildert.
In der Gegenwart bleibt zunächst offen, was sich Schreckliches ereignet hat und sodann fragt man sich, warum dies passiert und wer Schuld daran ist. Dabei ist spannend zu erfahren, ob der Einfluss der Familie Mertens so groß ist und dafür verantwortlich ist oder ob in Tonis Familie mehr im Argen liegt, als anfangs zu vermuten war.
Bis auf Toni, in die man sich gut hineinversetzen kann, bleiben die Charaktere undurchsichtig und scheinen alle ihre Geheimnisse zu haben.
Der Roman handelt von Organspenden und den Umgang der Betroffenen und ihrer Angehörigen, sowohl der Spender als auch der Empfänger. Es ist für alle Beteiligten eine psychisch belastende Situation, die im Extremfall dazu führen kann, dass die Tote in der Empfängerin wiedergesehen wird. Dabei wird vor allem auf die psychologischen Aspekte abgestimmt und ein unrealistisches Horrorszenario vermieden.
Ein weiterer Aspekt in der Geschichte, den ich in der Form nicht erwartet habe, lässt Toni nicht los und erklärt ihre Verbissenheit bei ihrer Recherche um die Verstorbene und führt sie in die dunkle Vergangenheit während des NS-Regimes und des Raubs wertvoller Kunstwerke.
Durch ihre Flashbacks, die sie zunächst als Folge der Transplantation bewertete, deckt sie zudem ein dunkles Geheimnis ihrer eigenen Familie auf und findet endlich eine Erklärung für das Verhalten ihrer Eltern in der Vergangenheit. Auch wenn das Ende tragisch, kann Toni so ihren Frieden finden.
"Die andere Tochter" ist ein komplexes und spannendes Familiendrama mit Psychothrillerelementen, das in Bezug auf beide Erzählstränge mit unerwarteten Enthüllungen überrascht. Die Geschichte zeigt, welche Auswirkungen die Vergangenheit auf die Gegenwart und nachfolgende Generationen haben kann und wie wichtig es ist, Erlebtes zu verarbeiten um von Traumata nicht unvermittelt eingeholt zu werden. Der Roman ist dabei so vielschichtig und behandelt gleich mehrere intensive Themen, dass der Plot auch für zwei Geschichten ausgereicht hätte und mir deshalb am Ende noch Fragen offen blieben, was bei einer stärkeren Fokussierung auf ein Thema hätte vermieden werden können.

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Veröffentlicht am 22.09.2021

Mysteriöse Familiengeschichte, die zum Rätselraten einlädt, inhaltlich vielleicht nicht allzu tiefgängig ist, aber durch die erfrischende Erzählweise einfach wunderbar unterhält.

Das Geheimnis unserer Herzen
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Die Londoner Journalistin Eleanor-Rigby Donovan erhält im Oktober 2016 einen Brief eines unbekannten Verfassers, der auf ein Verbrechen ihrer kürzlich verstorbenen Mutter Sally-Anne hindeutet. Zeitgleich ...


Die Londoner Journalistin Eleanor-Rigby Donovan erhält im Oktober 2016 einen Brief eines unbekannten Verfassers, der auf ein Verbrechen ihrer kürzlich verstorbenen Mutter Sally-Anne hindeutet. Zeitgleich wird auch George-Harrison Collins aus Kanada von dem Verfasser angeschrieben, der ebenfalls auf eine dunkle Vergangenheit seiner inzwischen an Demenz erkrankten Mutter May anspielt. Beide treffen in Baltimore aufeinander, wo der anonyme Verfasser sie hinbestellt hat. Dort versuchen sie gemeinsam herauszufinden, was ihre Mütter vor Jahren getan haben und warum sie kontaktiert wurden und von wem. Eleanor-Rigby und George-Harrison sind zunächst misstrauisch, aber von einer Neugier gepackt, denn George-Harrison möchte endlich herausfinden, wer sein Vater ist und Eleanor Rigby möchte klären, warum ihre Eltern sie all die Jahre über Ihr Kennenlernen und die Familie ihrer Mutter angelogen haben.
Die Geschichte, die im Original übersetzt "Die Letzte der Stanfields" heißt, ein Titel, der meiner Meinung nach passender ist, handelt auf drei Zeitebenen. Im Zentrum steht die Suche nach der Wahrheit in der Gegenwart im Oktober 2016. Durch Rückblenden wird man als Leser in das Jahr 1944 und die Nachkriegszeit versetzt und in das Jahr 1980, als die Mütter von Eleanor-Rigby und George-Harrison aus einer Gemengelage aus Rache und Verzweiflung eine Tat begingen, um einen Traum zu verwirklichen. Die Auswirkungen hatten jedoch derartige Folgen, dass sich die besten Freundinnen, Partnerinnen und Liebenden verkrachten und jede ihrer eigenen Wege ging. Ihr Geheimnis wurde auf Jahre bewahrt, bis der anonyme Verfasser die Vergangenheit ans Tageslicht brachte, um einen Schatz seinen rechtmäßigen Besitzern zuzuführen.
Der Roman ist sehr unterhaltsam erzählt. Die Charaktere sind individuell gezeichnet, in Bezug auf die Nebencharaktere etwas skurril und insbesondere die Dialoge sprühen vor Lebendigkeit und Witz. Gut gefallen haben mir die Familiendynamik der Donovans und der Schlagabtausch zwischen Eleanor-Rigby und George-Harrison.
Die Geschichte wird zudem spannend geschildert, denn in allen drei Erzählsträngen werden die Geheimnisse und Ungereimtheiten erst zögerlich aufgedeckt.
Es ist eine mysteriöse Familiengeschichte, die zum Rätselraten einlädt, inhaltlich vielleicht nicht allzu tiefgängig ist, aber durch die erfrischende Erzählweise einfach wunderbar unterhält.

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Veröffentlicht am 20.09.2021

Beruhend auf einem realen, ungeklärten Kriminalfall - spannend, aber mit unausgereiften Charakteren.

Das letzte Bild
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Als Eva in einer Zeitung auf einen ungeklärten Todesfall einer Frau in Norwegen stößt, die im November 1970 ums Leben gekommen ist und bisher nicht identifiziert werden konnte, wird sie stutzig ob der ...


Als Eva in einer Zeitung auf einen ungeklärten Todesfall einer Frau in Norwegen stößt, die im November 1970 ums Leben gekommen ist und bisher nicht identifiziert werden konnte, wird sie stutzig ob der Ähnlichkeit des Phantombilds mit ihrer Mutter. Als sie diese darauf anspricht und sie direkt abblockt, wird Eva misstrauisch und beginnt zu recherchieren. Sie stößt auf zerrissene Fotos und ahnt, dass sich hinter dem Schweigen ihrer Mutter ein düsteres Familiengeheimnis verbirgt. Eva begibt sich nach Norwegen und kann durch einen DNA-Test klären, dass sie mit der tot aufgefunden Frau verwandt ist. Es handelt sich um die seit ihrer Kindheit vermisste Zwillingsschwester ihrer Mutter. Eva ist fassungslos und möchte wissen, was mit Margarete geschehen ist.
Der Roman beruht auf einem realen norwegischen Kriminalfall um die "Isdal-Frau", der bis heute nicht aufgeklärt ist. Die Autorin hat sich von den Ungereimtheiten um die unbekannte, deutschstämmige Frau, die offenbar niemand vermisste, inspirieren lassen und eine fiktionale Geschichte darum verfasst.
Die Geschichte handelt auf zwei Zeitebenen und erzählt in der Vergangenheit Ende der 1960er/ Anfang der 1970er-Jahre von Margarete, die sich quer durch Europa auf die Suche nach ihrer Mutter und Schwester gemacht hat, die sie 1944 in den Kriegswirren verloren hatte.
In der Gegenwart wird die Recherche ihrer Nichte geschildert, die nicht fassen kann, dass der Todesfall ihrer Tante trotz Indizien für eine Tötung durch Fremdverschulden als Selbstmord zu den Akten gelegt wurde. Mit Hilfe eines norwegischen Polizisten und einer engagierten Übersetzerin versucht sie die letzten Lebenswege von Margarete zu rekonstruieren, ihre Tante besser kennenzulernen und herauszufinden, wie sie tatsächlich ums Leben gekommen ist.
Der Roman ist auf beiden Zeitebenen spannend geschildert. Es ist bis zum Schluss nicht vorhersehbar, wie Margarete gestorben ist und wer ein Motiv für einen Mord gehabt haben könnte. Es ist eine Mischung aus Familiendrama und (historischem) Kriminalroman, der mit vielen Details aus dem realen Kriminalfall gespickt ist. Diese Aneinanderreihung von Fakten über unterschiedliche Identitäten, Verschleierung ihrer Herkunft, Hotelaufenthalte in unterschiedlichen Orten, diverse Männerbekanntschaften und Reisewege lassen den Roman etwas überladen wirken. Für die fiktionale Geschichte hätte es dieses Festhalten an Einzelheiten aus der realen Polizeiakte nicht gebraucht und zieht die Geschichte durch häufige Wiederholungen in die Länge. Im Vergleich dazu kommen die Charaktere zu kurz. Weder Eva, noch Margarete kommt man wirklich nahe, insbesondere Margarete bleibt ein Phantom. Auch die Nebencharaktere, die in einer rein fiktionalen Geschichte sicher eine entscheidendere Rolle gespielt hätten, bleiben blass. Über Evas Mutter Ingrid und auch ihre Großmutter Resi erfährt der Leser wenig. Es bleibt unklar, wie sie mit dem Verschwinden von Margarete umgegangen sind und was sie getan haben, um dieses Aufzuklären.
In der Gegenwart agiert Eva mit größerem Spürsinn als die Polizei, was diese nicht gut aussehen lässt. Ihr Engagement ist aufgrund ihres verwandtschaftlichen Bezugs zu der Toten jedoch nachvollziehbar. Die Aufklärung des Falls sorgt zumindest in der fiktionalen Geschichte für ein befriedigendes Ende, war mir aber im Vergleich zu dem langen, detailreichen Vorlauf jedoch etwas plötzlich und übereilt.
Für meinen Geschmack hätten dem Roman mehr Fantasie der Autorin und ein weniger krampfhaftes Festhalten an harten Fakten der Geschichte gut getan. Dennoch fühlte ich mich während der spannenden Suche nach der Wahrheit gut unterhalten.

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Veröffentlicht am 15.09.2021

Gelungener Abschluss einer lebendigen Familiengeschichte um vier Schwestern von den 1940er- bis zu den 1970er-Jahren in Berlin.

Die Schwestern vom Ku'damm: Ein neuer Morgen
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Miriam Feldmann ist in den 1960er-Jahren Chef-Designerin im Modehaus Thalheim am Ku'damm in Berlin. Als uneheliche Tochter des Patriarchen Friedrich Thalheim ist sie inzwischen in die Familie integriert ...

Miriam Feldmann ist in den 1960er-Jahren Chef-Designerin im Modehaus Thalheim am Ku'damm in Berlin. Als uneheliche Tochter des Patriarchen Friedrich Thalheim ist sie inzwischen in die Familie integriert und als vierte Schwester von Rike, Silvie und Flori ohne Frage akzeptiert. Verheiratet ist sie mit dem Restaurantchef des "Schanigarten", mit dem sie eine Tochter adoptiert hat. Jenny befindet sich inzwischen in der Pubertät und ist so erstaunt wie Miri selbst, als sie mit 42 Jahren schwanger wird. Zeitgleich begegnet sie Moritz wieder, bei dem sie während des Zweiten Weltkriegs als Jüdin Zuflucht gefunden und den sie aus den Augen verloren hatte. Erinnerungen kommen hoch an eine Zeit voller Angst, als Miri als jüdisches U-Boot eine Schattenexistenz in Berlin führte.

"Ein neuer Morgen" ist Band 4 der "Die 50er-Jahre-Trilogie" und handelt dementsprechend schon nicht mehr in den 1950er-Jahren, sondern beginnt im Jahr 1966 und endet im Jahr 1971.
Im Fokus der Handlung steht nicht mehr eine der Thalheim-Schwestern, sondern ihre uneheliche Halbschwester Miri. Nachdem ihr Vater jahrelang nicht zu ihr gestanden hatte, ist sie inzwischen ein vollwertiges Mitglied der Thalheims und nicht mehr nur eine Freundin der Thalheim-Schwestern. Ihre überraschende Schwangerschaft bringt sie ein wenig aus dem Gleichgewicht, sorgt jedoch auch dafür, dass sie sich mit ihrer Vergangenheit auseinandersetzt, denn der Zweite Weltkrieg und die Folgen haben sie als jüdische Frau geprägt und traumatisiert. Durch die Wiederbegegnung mit ihrer jungen Liebe Moritz, der ihr nach dem Tod ihrer Mutter als erstes Unterschlupf gewährt hatte, überkommen sie Flashbacks. Durch den engen familiären Halt und die Liebe ihres Mannes schafft sie es jedoch, sich zu öffnen von den schrecklichen Ereignissen von damals zu berichten.

Auch wenn der Fokus in diesem Band der Reihe auf Miri liegt, erfährt man weiterhin, was sich im Leben der anderen Schwestern in der Zwischenzeit ereignet hat, die alle einen Partner und Kinder haben und selbstbewusst auf eigenen Füßen stehen. Jede hat ihren Weg gefunden und eine charakterliche Entwicklung durchgemacht, was über die Jahre anschaulich zu verfolgen war.
Durch den historischen Kontext, den die Autorin gekonnt mit der Handlung verknüpft, entwickelt man zudem ein Gefühl für die damalige Zeit und kann sich das Leben der Schwestern und die stetige Modernisierung des Kaufhauses Thalheim bildlich vorstellen. Ob relevante historische Ereignisse, Politik, Musik oder der Kleidungsstil - alle Facetten des damaligen Lebens tragen dazu bei und geben der Geschichte Authentizität sowie Lebendigkeit.
Mir fehlte allerdings ein roter Faden und Aspekte, die dem Roman mehr Spannung verliehen hätten. So bewegten mich mehr die Rückblenden in die Jahre 1943 bis 1945 und Miris Erinnerungen als ihr Leben in den späten 1960er- und frühen 1970er-Jahren.

Den vierten Roman dieser lebendigen Familiengeschichte könnte ich mir als runden Abschluss der Reihe vorstellen, da der Lebensweg aller vier weiblichen Nachkommen des Patriarchen beschrieben wurde und mit ihm eine Ära zu Ende gegangen ist. Da die Reihe aber ursprünglich als Trilogie ausgelegt wurde und so erfolgreich ist, ist nicht ausgeschlossen, dass noch weitere Teile folgen könnten. Vielleicht rückt dann noch Friedrichs Ehefrau Claire oder eine seiner Enkelinnen in den Fokus?

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Veröffentlicht am 08.09.2021

Eher Krimi als Thriller - dafür mit interessanten Charakteren und einer düsteren Leichenhallen-Atmosphäre mit Potenzial für weitere Bände.

Tote schweigen nie
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Cassie Raven ist 25 Jahre alt und arbeitet als Sektionsassistentin. Es ist ein Beruf, den sie mit Leidenschaft ausübt, denn sie hatte schon immer ein spezielles Verhältnis zum Tod. Die Menschen, die ihr ...

Cassie Raven ist 25 Jahre alt und arbeitet als Sektionsassistentin. Es ist ein Beruf, den sie mit Leidenschaft ausübt, denn sie hatte schon immer ein spezielles Verhältnis zum Tod. Die Menschen, die ihr begegnen, betrachten sie argwöhnisch, denn sie spricht nicht nur mit den Toten, sie fällt auch mit ihren Piercings und Tätowierungen durch ein für das Metier ungewöhnliches Erscheinungsbild auf.
Als Cassie bei einer Leichenschau auf eine ehemalige Lehrerin stößt, die sich ihrer angenommen und dafür gesorgt hatte, dass Cassie die Schule beendet und nicht auf die schiefe Bahn gerät, ist es für sie ein Schock. Sie kann sich nicht vorstellen, dass die gesunde 51-Jährige ohne Fremdeinwirkung in ihrer Badewanne ertrunken sein soll. Nachdem eine forensische Obduktion abgelehnt wurde und die Polizei keine Indizien für einen Mord oder Totschlag findet, beginnt Cassie aus Verbundenheit mit ihrer Mentorin mit eigenen Nachforschungen. Dabei wird sie auf Ungereimtheiten aufmerksam, die ihren Verdacht erhärten. So gelingt es ihr auch, die reservierte Detective Phyllida Flyte auf ihre Seite zu ziehen, obwohl die beiden Frauen einen schwierigen Start miteinander hatten.

"Tote schweigen nie" ist der Auftakt einer Forensik-Thriller-Reihe um die Assistentin der Rechtsmedizin Cassandra Raven, die die Sprache der Toten versteht. Da sich ein Großteil der Handlung in der Leichenhalte abspielt, erfährt man als Leser*in viele aufschlussreiche Details von der Arbeit in der Pathologie und den Möglichkeiten, eine Todesursache zu eruieren.
Darüber hinaus sind die beiden Hauptfiguren mit ihrer eigensinnigen, düsteren Art und ihren traurigen Hintergründen, die ihre Verhaltensweisen erklären, interessante Persönlichkeiten.

Die Spannung wird gemächlich aufgebaut. Zu Beginn stehen die Charakterisierung von Cassie und ihre Tätigkeit als Sektionsassistentin im Vordergrund. Die Ermittlungen in dem Kriminalfall um die verstorbene Lehrerin sowie Cassies eigenmächtiges Vorgehen, das sie selbst in unmittelbare Gefahr bringt, spielen erst im weiteren Verlauf eine Rolle. Ich würde das Buch deshalb auch nicht als Thriller, sondern eher als Kriminalroman einordnen, da die Aufklärung eines ungeklärten Todesfalls im Fokus steht. Diese ist nicht mit viel Nervenkitzeln verbunden, überzeugt jedoch durch die ein oder andere überraschende Wende.

Auch wenn mich die Fallaufklärung nicht durchgängig fesseln konnte, bin ich auf weitere Bände der (Thriller-)Reihe gespannt. Es ist insbesondere der Charme der beiden Protagonistinnen, der die Handlung interessant machte. Beide sind nicht angepasst und eher Außenseiter, aber in ihrer Arbeit akribisch und moralisch integer. Zudem bieten ihre persönlichen Hintergründe, die in diesem ersten Band angerissen werden und die Melancholie und Düsternis, die von ihnen ausgeht, Potenzial für eine Fortsetzung.

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