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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 17.04.2022

Erwartungen übertroffen

Blossom
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“Setz mich auf diese Liste. Von Menschen, denen gegenüber du nicht zu stolz bist, um sie um etwas zu bitten.” (S. 167)

Wer das Cover erblickt, wird möglicherweise von der pinken Staubwolke auf kitschigem ...

“Setz mich auf diese Liste. Von Menschen, denen gegenüber du nicht zu stolz bist, um sie um etwas zu bitten.” (S. 167)

Wer das Cover erblickt, wird möglicherweise von der pinken Staubwolke auf kitschigem rosa Hintergrund abgeschreckt sein. Doch das wäre ein fataler Fehler! Juns und Leiths Geschichte muss Aufmerksamkeit gewidmet werden und zwar weil es alles andere als kitschig ist. Es ist beflügelnd, herzzerreißend und leidenschaftlich zugleich.
Erzählt wird “Blossom” abwechselnd aus der Sicht der beiden Hauptfiguren. Jun hat eine tablettenabhängige Mutter, weshalb das ganze Familienleben angespannt ist. Mit Hingabe arbeitet sie an ihrer Schauspielkarriere und nicht nur beruflich setzt sich Jun für das ein, was sie will. Wenn sie etwas tut, dann mit voller Überzeugung. Sie ist eine Powerfrau. Leith ist mir ebenfalls auf Anhieb sympathisch gewesen. Er kommt aus einer langjährigen Beziehung und entpuppt sich als fürsorglicher Mann. Die Beziehung entwickelt sich langsam und authentisch.
Ein kleines Manko stellte die doch sehr jugendliche Sprache dar. Die Protagonisten besuchen das College und sind noch Anfang 20, doch es wirkte teilweise sehr gekünstelt.
Mit der unheimlich interessanten Jun und ihrer Backgroundstory habe ich mich gut unterhalten gefühlt. Zum Ende hin wurde mein Herz nochmal mit etwas Drama strapaziert. Ich freue mich auf den 2. Band, indem Leiths bester Freund Ryder die Hauptrolle übernehmen wird. 4 ½*

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 17.11.2021

Bodypositivity

The Sky in your Eyes
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Elin besucht einen veganen Kochkurs, der sie von der gescheiterten Beziehung mit Daniel ablenkt. Sie plagen große Selbstzweifel, doch ihr Kochpartner Jon scheint sie so anzunehmen wie sie ist.

Meine Meinung: ...

Elin besucht einen veganen Kochkurs, der sie von der gescheiterten Beziehung mit Daniel ablenkt. Sie plagen große Selbstzweifel, doch ihr Kochpartner Jon scheint sie so anzunehmen wie sie ist.

Meine Meinung: Kira Mohn gelingt es, verschiedene aktuelle und wichtige Themen vor dem Setting Islands zu vereinen. Die Geschichte setzt genau da an, wo viele Bücher enden: Die Protagonistin Elin ist von einer toxischen Beziehung geschändet. Dem Leser gewährt sie tiefe Einblicke in ihre Gedankenwelt, Ängste und Selbstzweifel. Jon dagegen erscheint als ausgeglichen und ein Ruhepol.
Die ersten 100 Seiten liegt der Fokus deutlich auf dem Kochkurs, den die Protagonisten besuchen. Die Beschreibungen über vegane Zutaten und deren Zubereitung muss man mögen, ansonsten wird es langatmig. Ist dieser Part überbrückt, führt uns die Autorin mit traumhaften Beschreibungen an die schönsten Ecken Islands.
Die Geschichte kommt ohne Drama aus, vielmehr steht Elins Entwicklung im Vordergrund. Aufgrund ihres Gewichts beschäftigt sie sich dauerhaft mit Bodyshaming und Bodypositivity. Kira Mohn ist es dabei gelungen, den massiven Einfluss von anderen Menschen einzufangen und zu Papier zu bringen.

Fazit: Eine ruhige Geschichte über Wertschätzung gepaart mit einer Protagonistin, die ich in mein Herz geschlossen habe.

Veröffentlicht am 05.11.2021

Toxisch

Das Archiv der Träume
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Mit diesem autobiographischen Roman gewährt Carmen Maria Machado tiefe Einblicke in das Leben einer queeren toxischen Beziehung. Sie erfasst dabei unglaublich intensiv die Ungerechtigkeiten dieser Welt ...

Mit diesem autobiographischen Roman gewährt Carmen Maria Machado tiefe Einblicke in das Leben einer queeren toxischen Beziehung. Sie erfasst dabei unglaublich intensiv die Ungerechtigkeiten dieser Welt und zieht Vergleiche von psychischer und physischer Gewalt.
Die Geschichte setzt als Setting ein “Traumhaus” an, indem Carmens Partnerin lebt. Die Besonderheit dabei ist, dass das Traumhaus nicht nur auf der Handlungsebene bleibt, sondern auch eine narrative, literarische Darstellung bietet. Dem Leser wird von Beginn an eine schwermütige Stimmung zugemutet, dann das Traumhaus darf nicht für bare Münze genommen werden. Vielmehr erzählt Carmen von ihrem Alltag mit psychischer Gewalt und stellt den Psychoterror der Freundin schonungslos dar. Die Freundin bleibt dabei namentlich unbenannt.
Durch die kurzen Kapitel, die sich meist auf einer oder zwei Seiten abspielen, werden viele verschiedene Einblicke gegeben. So werden interessante Informationen, wie beispielsweise zu queeren Beziehungen oder häuslicher Gewalt eingeschoben. Leider gibt es auch zahlreiche intertextuelle und intermediale Bezüge, die meinen Lesefluss gestört haben, da ich die Bezugsgröße vorher nicht kannte.
Bis zum Ende hin bleibt die Autorin sich selbst treu. Gefühle haben keinen An- und Ausschalter, und so lässt auch das Ende der Geschichte den Leser in einer Gedankenspirale zurück.
Fazit: Caren Maria Machado hat hiermit ein Meisterwerk geschrieben, dass die psychischen Abgründe einer toxischen Beziehung offenlegt.

Veröffentlicht am 21.10.2021

Wissenschaftlicher Schwerpunkt

Probe 12
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Der Forscher Anasias fühlt sich schon länger nicht mehr sicher in seinem Labor. Als Nina sich auf dem Weg zu ihm macht, wird sie in einen Anschlag auf den Forscher hineingezogen. Sie erfährt, dass er ein ...

Der Forscher Anasias fühlt sich schon länger nicht mehr sicher in seinem Labor. Als Nina sich auf dem Weg zu ihm macht, wird sie in einen Anschlag auf den Forscher hineingezogen. Sie erfährt, dass er ein Medikament gegen multiresistente Keime entwickelt hat. Genau das, was die schwer erkrankte Sylvie dringend nötig hätte...

Meine Meinung: Das Buch spielt in der nahen Zukunft und setzt einen wissenschaftlichen Schwerpunkt. Auch die Politik ist ein Thema und mit dem aktuellen Bezug auf das Coronavirus ging mir das Buch sehr nahe. Die Forschung an Bakterien und Viren sowie der Einsatz von Medikamenten hat eine tragende Rolle. Oft sind die Ausführungen sehr detailreich, werden aber für das Verständnis ausreichend erklärt. Ein Glossar unterstützt dies ebenfalls.
Als Leser verfolgt man mehrere Perspektiven. Mit Nina, einer Journalistin, Tom, einem Foodhunter, Sylvie, Toms schwerkranker Tochter und der Ermittlerin Voss werden verschiedenste Blickwinkel eingenommen. Jede Figur ist individuell und hat eine tragende Rolle in dem Buch.
Auf etwa 480 Seiten passiert sehr viel, es gibt Wendungen und Twists. Die Spannung bleibt stets hoch, doch die Erzählweise an sich hat manchmal zu Verwirrung geführt. Es wird sehr häufig in der Perspektive gesprungen, sodass mir teilweise gar nicht bewusst war, von wem an einigen Stellen erzählt wurde. Kaum hatte ich mich eingefunden, wechselte die Perspektive wieder. Hier hätten vorangestellte Namen geholfen, die Passagen schneller verorten zu können.

Fazit: Eine vielschichtige Geschichte, die den Leser durch einen spannungsgeladenen Plot führt und eine grausame Zukunftsvorstellung erzeugt. 4 ½*

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 10.08.2021

Tolle Charaktere

Die letzte Bibliothek der Welt
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Freya Sampson schreibt über das, was wohl zu den liebsten Orten eines Buchliebhabers gehört: Die Bücherei. Doch daraus entwickelt sich schnell ein Albtraum, denn aufgrund von Kürzungen der Gelder sollen ...

Freya Sampson schreibt über das, was wohl zu den liebsten Orten eines Buchliebhabers gehört: Die Bücherei. Doch daraus entwickelt sich schnell ein Albtraum, denn aufgrund von Kürzungen der Gelder sollen Bibliotheken in ganz County geschlossen werden. Auch die Chalcoter Bücherei steht auf der roten Liste, doch das können die Bibliothekarin June und die treuen Leser nicht zulassen!
Die Handlung scheint auf den ersten Blick recht einfach zu sein, doch mehr Bedarf es auch gar nicht. Diese Geschichte ist nicht auf die Atemlosigkeit angewiesen, sondern lebt von einer Wohlfühlatmosphäre mit außergewöhnlichen Figuren, bei der keine der anderen gleicht. Sie alle verbindet das Zwischenmenschliche und auf den Zusammenhalt nicht nur der Angehörigen der Bibliothek, sondern der ganzen Stadt kommt es an.
“Die letzte Bibliothek” ist eine sehr ruhige Geschichte, die doch an mancher Stelle die Emotionen hochkochen lässt. Besonders hat mir dabei Junes besonnene, bodenständige Art gefallen. Dieser liebevolle Mensch führt uns durch die Geschehnisse in Chalcot.
Wie es in einer Bücherei sein muss, wird oftmals auch Bezug auf andere Bücher genommen. Vorwissen ist dafür nicht nötig, aber ich konnte dafür die ein oder andere Leseempfehlung für mich mitnehmen.
Einen minimalen Abzug gibt es für ein Ereignis, dass der Leser sich im Groben schon vorher denken kann, da es für mich zu plump angedeutet wurde. Daraus hätte die Autorin auch geschickt eine Pointe erschaffen können.


Fazit:
“Die letzte Bibliothek” ist mit 4 ½ Sternen eine klare Leseempfehlung von mir. Wer eine Wohlfühlatmosphäre sucht und in einem Buch voll mit Büchern abtauchen möchte, wird hier auf seine Kosten kommen.