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Veröffentlicht am 11.05.2017

Warmherziger Roman über die Liebe zu den Büchern

Mein zauberhafter Buchladen am Ufer der Seine
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Manchmal braucht man zwischen Thriller oder einem historischen Roman auch mal wieder eine lockere und leichte Lektüre. Ganze besonders gerne greife ich dann zu Bücher über Bücher oder Buchhandlungen. Diese ...

Manchmal braucht man zwischen Thriller oder einem historischen Roman auch mal wieder eine lockere und leichte Lektüre. Ganze besonders gerne greife ich dann zu Bücher über Bücher oder Buchhandlungen. Diese lassen jedes büchersüchtige Leserherz alleine schon beim Titel und Cover höher schlagen. So war es auch bei mir, als ich in der Vorschau des Aufbau Verlages "Mein zauberhafter Buchladen am Ufer der Seine" gesehen habe und ich war mir sicher, dass dieser Schatz bei mir einziehen muss.

Mit Sarah, unserer Protagonistin, lernen wir eine junge, eher zurückgezogene Frau kennen, die in ihrer eigenen Welt der Bücher lebt. In der amerikanischen Kleinstadt Ashford besitzt sie ein kleine, aber feine Buchhandlung, die sie mit ihrem ganzen Herzblut führt. Doch die Liebe zu den Büchern alleine genügt nicht, wenn der Buchladen immer mehr in die roten Zahlen rutscht. Da kommt das überraschende Angebot einer ebenfalls bibliophilen Bloggerfreundin und Buchhändlerin in Paris wie gerufen: Sophie, die einen englischsprachigen Büchershop namens "Once upon a Time" führt, braucht nach einer weiteren gescheiterten Beziehung eine Auszeit. Sie bietet Sarah an, mit ihr die Buchhandlungen zu tauschen. Sophie soll Sarahs "Bookshop on the corner" wieder höhere Verkaufszahlen bringen und Sarah soll inzwischen in Paris ihre Buchhandlung führen. Sarah's Freund Ridge, ein freier Journalist, der wegen seiner Auslandsreisen kaum Zeit mit ihr verbringt, ist nicht wirklich von dieser Idee begeistert. Sarah nimmt die Herausforderung jedoch an und hofft aus dem Trott ihres vorhersehbaren Lebens auszubrechen. Und vielleicht hilft die Stadt der Liebe auch, dass Ridge und sie sich öfters sehen....

Als Sarah in Paris ankommt, bemerkt sie schnell, dass sie etwas zu unüberlegt gehandelt hat. Die berühmte englische Buchhandlung ist riesig und ist komplett anders, als ihr kleiner Bookshop. Sarah steht anfangs im "Once upan a Time" eher wie ein Lehrmädchen da. Die Angestellten und Aushilfen kommen und gehen wie es ihnen passt, keiner nimmt sie ernst und Sarah kommt kaum zum Durchschnaufen. Auch die Großstadt Paris ist für Sarah wie ein Kulturschock im Vergleich zum beschaulichen und verschlafenden Ashford. Und Ridge lässt sich noch weniger sehen, als zuvor....

Die Geschichte ist leicht und locker und lässt sich in kürzester Zeit verschlingen. Rebecca Raisin fängt den Zauber der Stadt Paris und seinen Bewohnern liebevoll ein. Schon bald möchte man selbst durch die versteckten Gassen laufen und schicke Boutiquen besuchen, im Louvre die berühmten Gemälde bewundern oder im Künstlerviertel Montmarte verweilen. Die Stadt wird sehr bildhaft und detailliert beschrieben. Sarah beginnt die frankofile Atmosphäre aufzusaugen und verändert sich langsam, aber stetig. Sie verliert mehr und mehr ihre Schüchternheit und mit Océane und TJ findet sie auch bald nette Freunde. Doch in der Kasse der Buchhandlung fehlt laufend Geld und die monatlichen Einnahmen sinken und sinken...

Einen Satz habe ich mir unbedingt notieren müssen, denn er spiegelt so wunderbar meine Situation - und ich denke, vielen von euch geht es genauso - wider:

Meinen Noch-zu-lesen Stapel würde ich zu Lebzeiten wohl nie ganz abbauen können - die Verlockung neue Bücher, neue Erzählerstimmen, neue Romanfiguren kennenzulernen, war einfach zu groß - Seite 173

Überrascht hat mich, dass Sophie nur einen kleinen Teil der Geschichte einnimmt. Eigentlich hatte ich erwartet, dass der Roman abwechselnd aus der Sicht von Sarah und Sophie erzählt wird. Doch dann würde wahrscheinlich auch der Titel des Buches anders lauten....
Gut gefallen hat mir, dass nicht die Liebesgeschichte im Vordergrund steht, sondern eindeutig die Liebe zu den Büchern und die Wandlung von Sarah von einer schüchternen Frau, die sich lieber in ihre Bücher zurückgezogen hat, zu einer offenen und mutigen Protagonistin. Die kleinen Nebenhandlungen werden geschickt miteingebunden, die Kollegen in der Buchhandlung sind liebevoll gezeichnet und nicht alle sympathisch, was authentisch rüberkommt. Besonders ins Herz geschlossen habe ich den einfühlsamen Schriftsteller Luiz, der in der Buchhandlung versteckt im Obergeschoß seine Romane schreibt und Sarah anfangs unterstützt und ihr Mut zuspricht.

Es gibt bereits einen (englischsprachigen) Nachfolgeband mit dem Titel "Little Paris Collecion", der von einem Pariser Antiquitätenladen handelt, dessen Inhaberin Anouk wir bereits in "Mein zauberhafter Buchladen an der Seine" kennenlernen durften. Ich hoffe auch Band 2 wird übersetzt...

Fazit:
Ein warmherziger und lockerer Roman über die Liebe zu den Büchern, Freundschaft und vorallem den Mut in seinem Leben etwas zu verändern und Neues kennenzulernen. Zum Zurücklehnen und Genießen....

Veröffentlicht am 02.05.2017

Die Festung am Rhein

Die Festung am Rhein
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Bewertung: 4 1/2 Sterne

Nachdem Napoleon bei Waterloo vernichtend geschlagen wurde, wird das Rheinland, das vor sieben Jahren noch zu Frankreich gehörte, den Preußen unterstellt. Die Bevölkerung ist alles ...

Bewertung: 4 1/2 Sterne

Nachdem Napoleon bei Waterloo vernichtend geschlagen wurde, wird das Rheinland, das vor sieben Jahren noch zu Frankreich gehörte, den Preußen unterstellt. Die Bevölkerung ist alles andere als glücklich darüber und viele akzeptieren die neue Regelung nicht. Die Worte von Napoleon "Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit" gelten bei den Preußen nicht und die protestantische Religion trennt sie zusätzlich von den katholischen Rheinländern. Um sich gegen eventuelle neue Angriffe der Franzosen zu schützen wird in Coblenz die Feste Ehrenbreitstein errichtet. Der beauftragte Bauingenieur ist Rudolph Harten, ein preußischer Leutnant. Der Bau dieser Festung kommt einem Lebenstraum von ihm gleich. Umso entsetzter ist er, als Teile seiner geheimen Baupläne verschwinden. Bald ist ein Verdächtiger verhaftet: der junge Halbfranzose Christian Berger, der zum Militärdienst gezwungen und beim Aufbau der Feste beteiligt ist. Er wird des Landesverrat angeklagt. Seine Schwester Franziska ist von seiner Unschuld überzeugt und beginnt Nachzuforschungen anzustellen. Dabei trifft sie immer wieder auf Rudolph Harten, der seinerseits den Befehl hat, den Landesverräter so schnell wie möglich vor Gericht zu bringen und ihn zu verurteilen. Doch auch Rudolph Harten ist nach einigen Befragungen gar nicht mehr so sicher, den wahren Verbrecher vor sich zu haben. Doch Christian schweigt beharrlich....

Besonders gelungen fand ich die Beschreibung der politischen Situation zu dieser Zeit und Gegend. Maria W. Peter gelingt es mühelos die Stimmung der Bevölkerung einzufangen und die Gegebenheiten sehr plastisch darzustellen. Denn hier prallen zwei sehr gegensätzliche Welten zusammen, die plötzlich und ungewollt Eins geworden sind....ein Zusammenleben erscheint unmöglich. So finden wir auch jede Menge Vorurteile und Antipathie auf beiden Seiten. Dabei erhält der Leser auch viel Nachhilfe in Geschichte, die so interessant und lebendig miteingewoben und erklärt wird, dass man das Gefühl hat, man sei mitten im Geschehen.
Die sehr bildhaften und lebendigen Landschaftsbeschreibungen des Gebietes entlang des Rheins sind eindrucksvoll beschrieben. Da ich selbst in einer Gegend wohne, wo sich Burgen, Schlösser und zwei große Stiftskirchen in luftigen Höhen entlang der Donau befinden, fühlte ich mich fast wie zuhause. Ich hatte die liebliche Landschaft immer vor meinen Augen und konnte die Gefühle von Franziska für ihre Heimat gut nachvollziehen und verstehen.

Die Charaktere sind wunderbar skizziert. Franziska ist eine für ihre Zeit sehr energische und moderne Frau. Sie steht hinter ihrer Meinung und hinter ihrem Bruder. Rudolph fand ich lange Zeit etwas steif und undurchschaubar. Er wurde erst nach und nach greifbarer. Trotzdem wurde ich erst ganz zum Schluss so richtig mit ihm warm.

Natürlich betragen auch die Spionagevorwürfe einen größeren Anteil in diesem historischen Roman mit leichten Krimitouch. Hier hätte ich mir allerdings ein bisschen mehr Spannung erhofft. Ebenso war mir sehr schnell klar, aus welcher Richtung die Gefahr drohte, auch wenn die Autorin am Ende noch eine Überraschung bereithielt, mit der ich so nicht gerechnet hatte.

Maria W. Peter hat zum 200-jährigen Jubiläum der Festungsstadt und der Fest Ehrenbreitstein (erbaut 1817 bis 1828) diesen hervorragenden historischen Roman geschrieben


Schreibstil:
Der Schreibstil ist der damaligen Zeit angepasst und trotzdem flüssig zu lesen. Die sehr lebendigen Beschreibungen der Charaktere und der Landschaft lassen das Kopfkino laufen. Die Geschichte wird sowohl aus der Sicht von Franziska, als auch aus der von Rudolph erzählt.
Maria W. Peter hat den Roman in fünf Teile gegliedert. Jeder Part ist mit einer Überschrift und einigen Zeilen aus einem Gedicht oder einer Schrift versehen. Danach folgen kurze Rückblenden in das Jahr 1815 und die Schlacht bei Belle-Alliance.
Die Autorin hat sehr gründlich recherchiert und man merkt, dass sie ihr ganzes Herzblut in diese Geschichte gesteckt hat.

Am Buchanfang ist eine Karte der der Rheinprovinzen und der Stadt Coblenz abgebildet. Im Glossar werden zwei Personenverzeichnisse angeführt, getrennt nach historischen und fiktiven Personen. Nützliche zusätzliche Informationen gibt es im Nachwort der Autorin.

Fazit
Ein absolut gelungener historischer Roman, sehr facettenreich erzählt und hervorragend recherchiert. Eine Verneigung der Autorin zum 200-jährigen Jubiläum der Erbauung der Feste Ehrenbreitsein und an die Stadt Koblenz. Gerne empfehle ich dieses Buch weiter!

Veröffentlicht am 02.05.2017

Bleibt weiterhin spannend

Die Wege der Macht
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Gleich zu Beginn löst sich der fiese Cliffhanger aus dem letzten Band der Reihe auf und wir alle atmen wohl erleichtert durch, dass nicht wirklich etwas Schlimmes passiert ist. So ist man auch schnell ...

Gleich zu Beginn löst sich der fiese Cliffhanger aus dem letzten Band der Reihe auf und wir alle atmen wohl erleichtert durch, dass nicht wirklich etwas Schlimmes passiert ist. So ist man auch schnell wieder mitten in der Geschichte und hofft und bangt mit den Barringtons und Cliftons fast weitere 600 Seiten lang...
Band 5 spielt in den Jahren von 1964 bis 1970 und leider gibt es auch diesmal wieder einige Zeitsprünge, die aber nicht so eklatant wie im letzten Band sind.
Gefallen hat mir am fünften Teil, dass Harry wieder etwas mehr Aufmerksamkeit bekommt, auch wenn er sich meiner Meinung nach in Russland teilweise sehr naiv benimmt. Er setzt sich als Präsident des englischen PEN-Zentrums für den russischen Autor Anatoli Babakov ein, der zu einer Strafe von 20 Jahren in Sibirien verurteilt wurde, weil er eine verboten Biografie über Stalin geschrieben hat. Harry setzt alles daran, das einzige noch existierende Exemplar zu finden und zu veröffentlichen. Jeffrey Archer versucht hier die Ära Breschnew nach Stalin zu skizzieren, was ich jedoch ein bisschen zu aufgesetzt fand.
Emma hat diesmal massive Probleme ihre Vorherrschaft bei Barrington halten zu können und Giles steht in diesem Band vor neuen Herausforderungen. Auch Sebastian hat mit einigen Problemen und Hindernissen zu kämpfen, während er versucht einen Fuß in den Vorstand einer Bank zu bekommen. Das Leben der Barringtons und Cliftons bleibt ein Wechselbad der Gefühle und genau das macht die Famliengeschichte auch weiterhin so spannend. Man weiß nie, was man als Nächstes von Jeffrey Archer vorgesetzt bekommt.

Einige Längen kamen eher dort auf, wo der Autor ähnliche Muster wie aus den Vorgängerbänden verwendet, wie die neuerliche Wahl um einen Sitz im Parlament, bei der Giles wiederum gegen seinen Erzfeind Fisher antreten muss. So sind auch die Bösewichte in "Die Wege der Macht" altbekannt und es kommen kaum neue Figuren hinzu. Auch bei den "Gutmenschen" ist dies der Fall, die sich nicht wirklich weiterentwickeln. Trotz alledem weiß der Autor wieder zu fesseln und man kann auch diesmal das Buch kaum aus der Hand legen. Der Schreibstil ist mitreißend und lässt sich wie gewohnt flüssig lesen.
Der gewohnte Cliffhanger ist auch wieder vorhanden, doch diesmal nicht ganz so drastisch wie in den beiden letzten Büchern.


Fazit :
Eine weiterhin spannende und dramatische Familiensaga, die richtig süchtig macht. Positiv fand ich, dass Harry diesmal wieder mehr im Mittelpunkt stand und alle Familienmitglieder vor neuen Herausforderungen standen. Und nun heißt es wieder warten bis September....

Veröffentlicht am 02.05.2017

Nichts für Zartbesaitete

Der Näher
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Fallanalytiker Martin Abel ist mir bereits aus Rainer Löfflers ersten Buch der Reihe "Blutsommer" bekannt. "Blutdämmerung", Band 2, steht allerdings noch in meinem SuB Regal, als ich bei der Lesejury Glück ...

Fallanalytiker Martin Abel ist mir bereits aus Rainer Löfflers ersten Buch der Reihe "Blutsommer" bekannt. "Blutdämmerung", Band 2, steht allerdings noch in meinem SuB Regal, als ich bei der Lesejury Glück hatte und Band 3, "Der Näher", als Manuskript gewonnen habe. Somit kann man auch ohne Probleme mit dem Näher einsteigen oder wie ich Band 2 auslassen. Natürlich ist es aber immer vom Vorteil die Reihenfolge einzuhalten.

Der Beginn des Thrillers fesselte mich sofort. Eine Joggerin wird von einem Mann verfolgt und stürzt bei ihrer Flucht in eine Grube. Die Entdeckung, die sie dort macht, lässt nicht nur ihr das Blut gefrieren!
Kurze Zeit später wird Fallanalytiker Martin Abel vom LKA Baden-Württemberg nach Gummersbach geholt. In einer Erdspalte wurde die Leiche einer Frau mit ihrem Neugeborenen entdeckt. In der Kreisstadt sind außerdem in den letzten Monaten zwei schwangere Frauen verschwunden. Was zu Beginn nach einem Routinefall aussieht, wird jedoch bald zu einer atemlosen Jagd. Während die Gummersbacher Polizei nur sehr langsam auf Trab kommt, taucht plötzlich eine der beiden vermissten Frauen wieder auf. Abel sieht sofort einen Zusammenhang zwischen der Toten und den vermissten Frauen und ist sich sicher, dass hier ein Serienmörder sein Unwesen treibt. Dadurch erhält er etwas Einblick in die Psyche des Täters, die sehr verstörend ist.
Auch der Leser wird hier nicht verschont, denn während den Ermittlungen hat Rainer Löffer immer wieder Rückblenden in die Vergangenheit des Mörders eingebaut. Diese fängt bei seiner Kindheit an und hat sogar mir als Thrillerleserin, der nichts so schnell zu viel wird, richtigen Ekel verursacht. Größtenteils hing es aber auch mit den Grausamkeiten an Tieren zusammen, wo ich richtig zartbesaitet bin und die ich überhaupt nicht haben kann. Ich muss zugeben, dass ich eine bestimmte Stelle der Tierquälerei bewusst nicht gelesen habe. Diese Misshandlungen, die der Näher zuvor an Tieren ausprobiert, führt er als Erwachsener bei schwangeren Frauen durch. Seine wirren Vorstellungen verursachen ein Grauen im Kopf des Lesers und der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt....

Löffler beschreibt diese Szenarien sehr detailliert, deshalb ist dieser Thriller absolut nichts für Zartbesaitete!
Der hohe Ekelfaktor bleibt aber nicht dauerhaft bestehen und so kann man zwischendurch etwas Luft holen und die Gummersdbacher Polizei bei den eher dürftigen Ermittlungen erleben. Einzig Doris Stange, eine resolute Polizistin, hilft Abel mehr über die verschwundenen Frauen herauszufinden, während der erste Hauptkommissar Thomas Borchert und sein restliches Team eher an Ehestreitereien glauben, denn alle Frauen haben Abschiedsbriefe an ihre Männer hinterlassen.

Trotz des Grauens beim Lesen klebt man an den Seiten, denn der Autor versteht es großartig Spannung aufzubauen und falsche Fährten zu legen. Keiner der Mitleser in der Leserunde hatte auch nur die leiseste Ahnung, wer der tatsächliche Killer war und wir waren alle sehr überrascht.
Leider kann ich trotzdem keine fünf Sterne geben, denn besonders zum Ende hin, gab es für mich einige unglaubwürdige Vorkommnisse, die mir weder logisch, noch realistisch durchführbar erschienen. Leider kann ich hier nicht genauer darauf eingehen, sonst würde ich spoilern, aber die beiden Szenen mit der Säure und danach mit dem Beton sind einfach zu unwahrscheinlich, dass sie so funktionieren würden....

Diese Effekthascherei führt leider besonders am Ende, dem großen Showdown, zu einigen für mich zu unrealistischen Szenen.


Schreibstil:
Der Autor schreibt fesselnd, kurzweilig und dialoglastig. Man kann sich der Geschichte kaum entziehen. Dabei schreibt Löffler aber auch sehr detailliert, weshalb das Grauen hier noch greifbarer wird. Die handelnden Personen sind alle in der 3. Person beschrieben.
Der Spannungsbogen steigt kontinuierlich an, wobei es am Ende zu einem großen Showdown kommt.

Fazit
Ein Thriller für Hartgesottene, der rasant und spannend geschrieben ist. Leider gab es für mich aber zwei Szenen, die ich zu überzogen und unrealistisch fand. Deshalb 4 Sterne und eine Empfehlung für Liebhaber von harten Thrillern mit Ekelgarant!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Handlung
  • Figuren
  • Atmosphäre
  • Spannung
Veröffentlicht am 23.04.2017

Die Unberührbare

Der Himmel über Ceylon
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Als großer Fan von Sri Lanka, dem ehemaligen Ceylon, wanderte dieses Buch sehr schnell in mein Körbchen, als ich es vor ein paar Monaten bei Weltbild gesehen habe. Als es nun bei Lovelybooks eine Leserunde ...

Als großer Fan von Sri Lanka, dem ehemaligen Ceylon, wanderte dieses Buch sehr schnell in mein Körbchen, als ich es vor ein paar Monaten bei Weltbild gesehen habe. Als es nun bei Lovelybooks eine Leserunde zum Ebook gab, habe ich die Chance genutzt mein Buch vom SuB zu holen und gemeinsam mit der Autorin mitzulesen.

Durch meine allererste englischsprachige Brieffreundin, die eben von dieser Insel im Indischen Ozean kommt, stammt meine Liebe zu Sri Lanka. Und so tauchte ich sehr schnell in die Geschichte rund um die wunderschöne Anjali, eine junge Teepflückerin, ein.
Unsere Protagonistin ist eine Dalit - eine Unberührbare aus der untersten Kaste des hinduistischen Glaubens. Gemeinsam mit ihrer Mutter Sita ist sie Teepflückerin in Nurwara Eliya, dem Hochland im Zentrum der Insel. Doch Anjali träumt von einem besseren Leben. Als sie im Tempel den Göttern Speisen darbringt und betet, lernt sie den Engländer Tom kennen. Durch ihn erhält sie tatsächlich die Chance bei einer englischen Familie in Colombo in der Küche zu arbeiten. Aber selbst ihre eigenen Landsleute stellen sich gegen das Mädchen, die daraufhin eine furchtbare Zeit durchmachen muss.....

Das Cover deutet eher auf einen romantischen Landscape-Roman hin, dies ist aber keineswegs der Fall! Bereits nach dem ersten Drittel war ich zutiefst erschüttert von Anjalis Schicksal. Vorallem wenn man sich vor Augen führt, dass dieses Kastendenken und der gesellschaftliche Unterschied in den 60-iger Jahren, also vor etwas mehr als 50 Jahren, stattfand und nicht vor einem Jahrhundert oder mehr.

Linda Cuir hat die Faszination und die landschaftliche Schönheit der Insel perfekt eingefangen. Aber auch die Probleme, die vorallem noch im Norden von Sri Lanka herrschen, wurden von der Autorin durchgehend miteinbezogen. Die Standesdünkel der Engländer, die sich teilweise noch immer als die Herrscher aus der Kolonialzeit ansehen, werden hier sehr genau aufgezeigt. Aber auch die Menschen, die zwischen den Kulturen keinen Unterschied machen, wie Sir Geoffrey und der Fotograf Fred, bleiben nicht unerwähnt und spielen im Roman größerer Rollen.

Anjali ist eine sehr starke junge Frau, die mit jedem Rückschlag über sich hinauszuwachsen scheint. Zum Ende hin waren mir allerdings ihre Fähigkeiten, die sie alle innerhalb kurzer Zeit erlernt und beherrscht, zu viel. Da wäre ja jeder Mensch der jahrelang etwas lernt ein Trottel im Vergleich zu Anjali, die zwar sehr kreativ und schön ist, aber alles aus dem kleinen Finger zu beuteln scheint. Das ist mein einziger Kritikpunkt an diesem wundervollen Roman, der mich sehr bewegt hat.

Schreibstil:
Der Schreibstil der Autorin ist sehr emotional und bildgewaltig. Die Beschreibungen der exotischen und farbenfrohen Landschaft Sri Lankas und im Vergleich der Gegensatz der armen und ausgenutzen Landbevölkerung, hat Linda Cuir grandios gemeistert. Sie verwendet hier keineswegs den erhobenen Zeigefinger, sondern weist mit viel Gespür auf die noch immer schlimme Situation in Sri Lanka - auch nach Beendigung des Bürgerkrieges - hin.
Die einzelnen Charaktere sind sehr lebendig beschrieben. Anjali konnte ich nicht immer verstehen, aber ihre innere Kraft war bemerkenswert.

Fazit:
Ein Roman, der uns die Perle des Indischen Ozeans, das heutige Sri Lanka, von beiden Seiten zeigt. Einerseits die landschaftliche Schönheit und auf der anderen Seite die ärmlichen Verhältnisse der Tamilen, einer heutzutage kleinen Minderheit, der größtenteils buddhistischen Bevölkerung. Eine bewegende und emotionale Geschichte rund um eine junge starke Frau. Empfehlenswert!