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Veröffentlicht am 10.12.2021

Herrlich dramafreier, süßer NA-Roman

Step into my Heart
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Ihr größter Traum ist zum Greifen nah, sein Traum ist unwiderruflich zerstört…

Ich hatte schon viel Positives über die Move District-Reihe aus der Feder von Maren Vivien Haase gehört und fand ihre Idee, ...

Ihr größter Traum ist zum Greifen nah, sein Traum ist unwiderruflich zerstört…

Ich hatte schon viel Positives über die Move District-Reihe aus der Feder von Maren Vivien Haase gehört und fand ihre Idee, eine trendige New Yorker Tanzschule als das Hauptsetting einer Buchreihe auszuwählen, einfach genial. So sehr ich das New-Adult-Genre liebe, muss ich doch zugeben, dass die Romaninhalte sich oft wiederholen, und mit der sympathischen Clique um Olivia, Jade, Austin & Co. hat die Autorin nun etwas erfrischend anderes erschaffen. Zwar ist das Themengebiet Tanzen nicht vollkommen neu (so gibt es z.B. etliche Bücher über Ballett), wohl aber der Schwerpunkt Hip-Hop.

Ich kannte den Vorgängerband nicht, er ist erst nachträglich bei mir eingezogen, allerdings konnte ich der Story, die den 2. Band der beim Blanvalet Verlag erschienenen Reihe bildet, problemlos folgen.

Erzählt wird aus der Perspektive von Olivia, einer begnadeten, sehr ehrgeizigen Tänzerin, die drauf und dran ist, sich für die Konzert-Tour der berühmten Sängerin Lyla Sage zu qualifizieren. Das ist ihre große Chance, der Durchbruch, auf den sie immer gehofft hat, für den sie viele Jahren hart gearbeitet hat. In ihrer Familie gilt Olivia als das schwarze Schaf – im Gegensatz zu ihren Geschwistern ist ihr Lebenstraum nämlich nicht das Jurastudium an einer Elite-Uni und ein prall gefülltes Bankkonto, sondern einzig und allein das Tanzen. Einziger Wermutstropfen an ihrem neuen Engagement: der Choreograf! Ausgerechnet Dax soll sie für ihren Auftritt vorbereiten. Dax, der einst Teil ihrer Clique gewesen war. Mit dem sie noch vor ein paar Jahren Seite an Seite getanzt hatte, ehe ein schwerer Unfall sein Leben für immer verändert hatte. Dax, in den sie heimlich verknallt gewesen war und der immer noch so unverschämt gut aussieht. Leider ist aus dem warmherzigen Jungen von damals ein unnahbarer, verbitterter Mann geworden, der seine Tanzcrew bis zum Umfallen drillt, übertrieben perfektionistisch ist und Olivia von Anfang an auf dem Kieker zu haben scheint. Als sie unverhofft einen Blick hinter seine knallharte Fassade erhascht, ist es bald nicht mehr nur der Beat der Musik, der ihr Herz schneller schlagen lässt…

Ich mochte die Tatsache, dass Olivia sehr selbstbewusst ist und sich durch nichts von ihrem Traum abbringen lässt. 'Richtig so!', wollte ich ihr begeistert zurufen, als sie ihre Leidenschaft fürs Tanzen gegenüber ihren spießigen, einzig auf ihren guten Ruf bedachten Eltern verteidigte. Endlich mal eine Protagonistin, die toxische Beziehungen nicht hilflos und ergeben akzeptiert, nur weil man blutsverwandt ist. Ein Kind sollte niemals um Elternliebe betteln müssen, diese Message finde ich so wichtig.

Die jugendlich-lockere Wortwahl in den Dialogen ist dem Alter der Protagonisten angemessen, überhaupt ist der Schreibstil angenehm umgangssprachlich, nicht zu verschnörkelt, aber auch nicht zu nüchtern. Speziell die Szenen in der Tanzschule sind wunderbar authentisch ausgearbeitet worden; man bekommt richtig Lust, die Musik aufzudrehen und selbst eine Runde zu tanzen!

Abgesehen von ein, zwei kleinen Schwächen hat mir der Erzählstil sehr gefallen. Zum einen musste ich irgendwann schmunzeln über die Vielzahl von Farbadjektiven – gefühlt wurde jedes Kleidungsstück, jeder Einrichtungsgegenstand und vor allem die jeweilige Haarfarbe der Figuren permanent erwähnt. Zu Beginn mag das Sinn machen - während uns die Charaktere vorgestellt werden -, aber als Olivia zum x-ten Mal über ihre blauen Haare sinnierte à la 'ich strich mir meine HELLBLAUEN Haare zurück', wurde es mir langsam zu viel. Ja, Message angekommen, sie hat blaue Haare. Immerhin passte dies perfekt zum wunderschönen blauen, mit kleinen Glitzerpartikeln verzierten Cover.

Olivias Eltern fand ich in ihren Eigenschaften leicht überzeichnet. Mir ist schon bewusst, dass sie den 'bösen Gegenpart' darstellen sollten, allerdings erschien mir ihr Verhalten durch diese Übertreibung zu unglaubwürdig. Weiterhin genoss ich, dass es kein unnötiges Drama gab, doch ein bisschen mehr Spannung, meinetwegen durch andere, positive Entwicklungen, hätte der Roman schon beinhalten sollen. So verlief mir die ganze Handlung, von der mir insbesondere die anfängliche Kabbelei zwischen Olivia und Dax besonders intensiv in Erinnerung geblieben ist, einen Tick zu unspektakulär. So, das war jetzt Meckern auf hohem Niveau! Insgesamt hat mich das Werk herrlich unterhalten und ich fühlte mich total wohl mit den Figuren.

Fazit: Diese gefühlvolle Geschichte über Freundschaft, zweite Chancen, große Gefühle und die Liebe zum Tanzen ist ein Muss für alle Fans von süßen New-Adult-Romanen! Ich freue mich schon darauf, die anderen zwei Bände zu lesen!

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Veröffentlicht am 01.12.2021

Weihnachtlicher Wohlfühlroman für Katzen-Fans

Schneeflocke und das große Weihnachtsglück
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Wenn zwei meiner liebsten Romanfeatures aufeinandertreffen – tierische Protagonisten und Weihnachten –, gibt es für mich kein Halten mehr. Folglich freute ich mich riesig, die bezaubernde Feel-Good-Story ...

Wenn zwei meiner liebsten Romanfeatures aufeinandertreffen – tierische Protagonisten und Weihnachten –, gibt es für mich kein Halten mehr. Folglich freute ich mich riesig, die bezaubernde Feel-Good-Story "Schneeflocke und das große Weihnachtsglück" (FISCHER Taschenbuch, Sept. 2021) aus der Feder von Kristen McKanagh lesen zu dürfen, die zudem in einem meiner Lieblingsorte spielt, Estes Park in Colorado.

Bereits das in winterlichem Blau gehaltene, mit Glitzerpartikeln verzierte Cover versetzte mich in die richtige Lesestimmung und begeistert registrierte ich direkt zu Beginn der Lektüre, dass jenes im Buchtitel erwähnte Kätzchen nicht lediglich zum niedlichen Plüschknäuel degradiert wurde, das hier und da am Rande in Erscheinung treten darf, sondern aktiv in die Geschichte eingebunden worden ist. Tatsächlich ist die kleine Fellnase mit den blauen Augen das zentrale Element der Geschichte und bereichert den Roman nicht nur mit ulkigen Episoden, sondern treibt auch die Story entscheidend voran in ihrer Entwicklung. Von diesen Erlebnissen lesen wir regelmäßig in der Ich-Perspektive Schneeflöckchens (im Präsens); die Sichtweisen der beiden menschlichen Hauptfiguren, Köchin Emily und Fotograf Lukas, sind in der 3. Person (im Präteritum) geschrieben. Natürlich ahnt man von Anfang an, wie die Geschichte um ein in die Jahre gekommenes B&B und die zunächst frostige Bekanntschaft zweier Personen enden wird, aber gerade bei Wohlfühlromanen mit Happy-End-Garantie ist schließlich der Weg das Ziel.

Mit Emily wurde ich leider überhaupt nicht warm. Sie wirkte auf mich in ihrer Art oft von oben herab und war mir schlichtweg unsympathisch. Ich kann verstehen, dass sie sich der B&B-Besitzerin Tilly sehr verbunden fühlt, da diese für sie so viel mehr als nur ihre Chefin ist, nämlich Vertraute, gute Freundin und eine Art Oma-Ersatz. Mit ihrer eigenen Familie steht Emily aktuell eher auf Kriegsfuß. Ihr Wunsch, sich mit einer eigenen Bäckerei selbstständig zu machen, ist in den Augen ihrer Eltern ein zu riskantes Unterfangen, zumal Emily in der Vergangenheit bereits damit auf die Nase gefallen war, weil sie den falschen Menschen vertraut hatte. Tilly hingegen ermutigt sie, ihren Traum nicht aufzugeben. Kurz vor Weihnachten taucht Tillys Neffe Lukas auf, ein erfolgreicher Fotograf, den Emily bisher nur vom Hörensagen kennt und der sich – ihrer Meinung nach – viel zu wenig um Tilly kümmert. "»Wie schwer kann es sein, sich ein paar Tage für die Frau freizunehmen, die einen großgezogen hat?«", fragt sie sich, und in diesem Punkt stimme ich ihr zu. Allerdings ist Emily generell etwas vorschnell mit ihrem Urteil. Ahnt Lukas überhaupt, wie ernst es um Tillys Gesundheit und das renovierungsbedürftige B&B steht? Während Lukas' Gedanken auf mich durchaus nachvollziehbar wirkten (und ich seine Engelsgeduld und Höflichkeit gegenüber Emily bewunderte), konnte ich über die weibliche Hauptfigur nur den Kopf schütteln. Kaum dass sie Lukas zum ersten Mal trifft, begegnet sie ihm übertrieben kühl, ist beleidigt, dass er lieber das Kätzchen fotografieren möchte als sie und bildet sich sehr viel auf ihre eigene Unterstützung von Miss Tilly ein. "Schließlich war sie diejenige, die mit Tilly alles durchrechnete, die die lecken Wasserhähne reparierte und im Frühjahr und Sommer das riesige Grundstück mähte. Emily war diejenige, die sich um alles kümmerte. […] Und wo war er? Reiste durch die Gegend und ließ es sich gut gehen." Ja, es ist nett, dass sie Tilly mit allem hilft, aber erstens zwingt sie niemand dazu und zweitens hat Emily kein Recht, sich in Familienangelegenheiten einzumischen (vor allem, da sie selbst ganz allergisch darauf reagiert). Der arme Lukas muss wie auf Eierschalen um sie herumlaufen. Erst macht sie ihm heftige Vorwürfe, anschließend ist sie genervt von seiner Hilfsbereitschaft. "Wie oft sollte er ihr […] noch versichern und sich dafür entschuldigen, dass seine Tante von ihm unbemerkt derart in finanzielle Schwierigkeiten geraten und das Haus so verfallen war?"

Ich komme nicht gut klar mit Sarkasmus und Emily war mir mit ihrer feindseligen Gereiztheit einfach zu oft zu pampig, bissig und anstrengend. Die Art, mit der ihre Gesten beschrieben worden sind, sei es ein "hämisches Grinsen", ein "verschlagenes" Lächeln, ein schnaubendes Lachen, ein gehobenes Kinn oder ihre mal gespitzten, mal zusammengekniffenen Lippen, hat diesen Eindruck von ihr nur verstärkt.

Zum Glück haben mich die putzigen Passagen aus der Sicht von Schneeflocke immer wieder erheitert und die Story gut aufgelockert. Das Kätzchen hat sich fest vorgenommen, ihren Lieblingsmenschen zum Glück zu verhelfen. "Zwei Menschen, die ich mag, sollten sich auch gegenseitig mögen, finde ich. Vielleicht muss ich ihnen ein bisschen auf die Sprünge helfen, damit sie es selbst merken."

Schade fand ich, dass es von Estes Park kaum atmosphärische Beschreibungen gab, wo der idyllische kleine Ort und die wunderschöne umliegende Natur doch wie geschaffen dafür sind, als Backgroundkulisse eines solchen Romans zu diesen.

Fazit: Eine angenehme, eher ruhige weihnachtliche Romanze, deren Highlight ganz klar die Szenen des süßen Kätzchens sind. Ideal für Katzenliebhaber und Fans von gemütlich-leichter Lektüre.

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Veröffentlicht am 28.11.2021

Vielversprechender Auftakt

Die skandalöse Verwechslung
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Als großer Jane-Austen-Fan habe ich natürlich ein Faible für Romane, die in der Regency-Zeit angesiedelt sind und freute mich daher riesig, als der EDEL Elements Verlag mich auf die Regency-Heroes-Buchreihe ...

Als großer Jane-Austen-Fan habe ich natürlich ein Faible für Romane, die in der Regency-Zeit angesiedelt sind und freute mich daher riesig, als der EDEL Elements Verlag mich auf die Regency-Heroes-Buchreihe hinwies, deren erster Band im November 2021 erschienen ist. Für mich war es gleichzeitig auch das erste Buch aus der Feder von Autorin Sophia Farago und bereits das geschmackvoll gestaltete, in gedeckten Farben gehaltene Cover traf genau meinen Geschmack! Auch das Innencover (samt Karte) kann sich sehen lassen. Die Idee zum Buchtitel, nämlich dass die Bezeichnung H.E.R.O. auf den Namen Harold, Elliot, Reginald und Oscar basiert, ließ mich schmunzeln und erinnerte mich direkt an die L.O.V.E.-Reihe von Ivy Andrews.

Gesucht und gefunden? Wohl kaum! Harold möchte seinem Freund Oscar aus der Bredouille helfen – dessen Schwester ist nämlich auf und davon, möchte unstandesgemäß mit einem Hauslehrer durchbrennen. Schockierend! Selbstverständlich gilt es, diese Schmach zu verhindern. Dumm nur, dass die hübsche junge Dame, die er rettet, gar nicht Oscars Schwester ist. Eine Verwechslung, deren sich auch Lady Amabel Cavendish zunächst nicht bewusst ist, sie wähnt sich auf dem Rückweg zu ihrem geliebten Bruder Sebastian. Es folgen humorvolle Irrtümer, Romantik und unerwartet viel Spannung.

Mir persönlich hätte es besser gefallen, wenn das Figurenregister gleich zu Beginn des Romans eingefügt worden wäre und nicht erst im Anhang, da gerade am Anfang einer Geschichte mit einer Vielzahl von Protagonisten leicht Verwirrung aufkommen kann, aber das ist reine Geschmackssache. Die Fachbegriffe im Anhang gefielen mir auf jeden Fall super, ich habe mich sozusagen herrlich verlustiert!

Ich finde es immer großartig und gerade bei in der Vergangenheit spielenden Werken so wichtig, dass die Formulierungen, sowohl in den Beschreibungen als auch in den Dialogen zwischen den Protagonisten, authentisch wirken und tatsächlich zur betreffenden Zeit umgangssprachlich waren. Das Gleiche gilt für die allgemeinen gesellschaftlichen Normen. In beiden Fällen hat die Autorin hier alles richtig gemacht – wunderbare Wortwahl und absolut glaubwürdige Ansichten (- insbesondere im Hinblick auf die Rolle der Frau, z.B. die Empörung darüber, wenn eine junge, unverheiratete Frau ohne Anstandsdame unterwegs war oder worauf man achten muss, ehe sie in die Gesellschaft eingeführt werden darf).

Meine Lieblingsfiguren waren Reginald, dessen Pragmatismus und furztrockenen Humor ich geliebt habe, und die Mutter von Major Harold Westfield, Baronin Tetbury. Letztere war unerträglich anstrengend mit ihrer direkten, unnachgiebigen Art, aber eben auch ein echtes Unikat; und wenn man nicht in Amabels Position steckt, hätte man sich über die Sprüche ihrer Ladyschaft des Öfteren amüsieren können. Außerdem erinnerte sie mich mit ihren Kuppelambitionen teilweise an Mrs. Bennet aus "Stolz und Vorurteil".

"»Hast du eine Vorstellung davon, wie ermüdend und enttäuschend es ist, keine Tochter zu haben, deren Debüt man ausrichten und für die man einen passenden Gatten finden kann? Glaub mir, ich werde mich mit Feuereifer in die Aufgabe stürzen!« […] »Sie wollen mich schnellstmöglich unter die Haube bringen?«, wiederholte Amabel erschrocken […] »Selbstverständlich!« Ihre Ladyschaft nickte so stark, dass ihre Armbänder klimperten. »Wozu ist eine Anstandsdame denn sonst gut? Ich will all meinen Freudinnen beweisen, dass ich darin erfolgreicher und schneller bin als sie.«"

Mein einziger Kritikpunkt ist die Einleitung, die in meinen Augen nicht ganz rund war. Ich brauchte eine Weile, bis ich in die Story reinkam und mit den Figuren warm wurde.

Fazit: Wer sich für Regency-Romane interessiert und/oder ein Fan der Netflix-Serie Bridgerton ist, wird von dieser Reihe gewiss angetan sein. Aber Achtung: Am Ende wartet ein böser Cliffhanger!

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Veröffentlicht am 26.11.2021

Ich sag Sie das, wie es ist – der Günter ist ein Unikat!

Wo kommen wir denn da hin (Der Offline-Opa 1)
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Als großer Fan von Renate Bergmann kam ich an diesem Werk selbstverständlich nicht vorbei. Sowohl Covergestaltung als auch Buchtitel sind an die legendäre Bergmann-Buchreihe von Torsten Rohde angelehnt.

Günter ...

Als großer Fan von Renate Bergmann kam ich an diesem Werk selbstverständlich nicht vorbei. Sowohl Covergestaltung als auch Buchtitel sind an die legendäre Bergmann-Buchreihe von Torsten Rohde angelehnt.

Günter Habicht macht seinem Namen alle Ehre – zunächst einmal schreibt er sich ohne h, denn bereits seine Mutter war "pragmatisch veranlagt und entschieden gegen jedes überflüssige Getüddel"; eine Eigenschaft, die der pflichtbewusste und überkorrekte Zwangsruheständler gewiss von klein auf übernommen hat. Weiterhin hat er tatsächlich so scharfe Augen wie, nun ja, ein Habicht eben; nichts entgeht seinem wachsamen Kontrollblick. Er hat das Herz am rechten Fleck, aber fragen Sie mal seine Nachbarn, die er regelmäßig beim Mülltrennen beobachtet, ob sich da auch ja kein Artikel in die falsche Tonne verirrt! Oder die, die er beim Falschparken anschwärzt. Die könnten Ihnen Geschichten erzählen, höhö! Er und seine Frau Brigitte kennen sich bereits aus der Schule, sind seit über 40 Jahren verheiratet und gehen sich nun, da plötzlich beide dauerhaft zu Hause sind, gehörig auf den Keks. – "Da muss man sich erst mal dran gewöhnen, dass […] der andere dann auch da ist und vor allem, dass er bleibt." Schon bald bemerkt Günter, dass seine Frau "wirklich anstrengend sein" kann, wobei das natürlich alles eine Frage der Perspektive ist, denn eigentlich ist es der selbsterklärte passionierte Ordnungsliebhaber, der seine Gattin (wenn auch nicht wissentlich) in den Wahnsinn treibt. Ist es da verwunderlich, dass sie in ihrer Not zum Eheratgeber greift und den Günter am liebsten für ein paar Stunden am Tag aus dem Haus schicken würde? (Egal wohin, Hauptsache, er steht ihr nicht im Weg herum!) Pah, aber nicht mit ihm, denn die Nachbarn hatten sich mittlerweile "Marotten angewöhnt, die es […] zu ahnden galt." Und wenn der Günter sich nicht darum kümmert, wer denn dann, bitte? Da zieht doch ansonsten der Schlendrian ein! Brigitte schämt sich jedenfalls in Grund und Boden und wird mittlerweile von den Nachbarn geschnitten. So kann es nicht weitergehen!

"Ich sag Sie das, wie es ist", das im Plauderton verfasste Werk voller umgangssprachlicher Formulierungen ist zwar humorvoll geschrieben, kann in meinen Augen allerdings nicht ganz mit den Bergmann-Büchern mithalten, da mir schlichtweg die Leichtigkeit fehlte. Es ist eine nette Geschichte, doch ich konnte mich nicht so entspannt zurücklehnen wie bei der sympathischen Online-Oma. Nach einer Weile wurde mir der gute Günter, so gern ich ihn ja hab‘, ein wenig zu anstrengend mit seiner Pedanterie und seinem Kontrollwahn. Die ersten paar Kapitel lasen sich noch recht angenehm, dann aber dauerte es zu lange, bis mal etwas Nennenswertes passierte und viele Gedankengänge wiederholten sich.

Der Schreibstil des Autors Torsten Rohde ist großartig, einzig der Protagonist und die etwas langatmige Erzählung waren dieses Mal nicht so genial wie gewohnt. Aber psst, das bleibt unter uns, ja? Verraten Sie das bloß nicht dem Günter, sonst kann ich mir was anhören von dem, das fehlte noch!

Fazit: Kurzweilige Unterhaltung. Meiner Meinung nach hätte es diese Erweiterung des Bergmann'schen Universums nicht zwingend gebraucht, da Renate für sich allein ein Erfolgsgarant ist. Ich freue mich auf jeden Fall schon auf ihren nächsten Roman!

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Veröffentlicht am 22.11.2021

Mir gefiel nur die erste Geschichte

Wo Weihnachtsträume wahr werden
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"Wo Weihnachtsträume wahr werden" (Mira Taschenbuch/HarperCollins, September 2021) umfasst gleich zwei weihnachtlich angehauchte Romane von Bestsellerautorin Nora Roberts in einem Band: "Wünsche werden ...

"Wo Weihnachtsträume wahr werden" (Mira Taschenbuch/HarperCollins, September 2021) umfasst gleich zwei weihnachtlich angehauchte Romane von Bestsellerautorin Nora Roberts in einem Band: "Wünsche werden wahr" und "Zauber einer Winternacht".

Das hübsche (für meinen Geschmack einen Touch zu dunkel gestaltete) Cover erinnert entfernt an die zweite der beiden Kurzgeschichten, welche im verschneiten Colorado spielt – im April wohlgemerkt, weshalb ich den deutschen Titel sehr irreführend fand. Der englische Originaltitel "Gabriel’s Angel" hingegen hätte perfekt zur Story gepasst, da der männliche Protagonist Gabriel seine neue Bekanntschaft, die hochschwangere Laura, tatsächlich recht bald mit dem Kosenamen 'Engel' anspricht. Apropos Name: Bei der Covergestaltung wird ganz deutlich, dass hier hauptsächlich der große Name der berühmten Autorin im Mittelpunkt steht; in anderen Worten: Es handelt sich um ein klassisches Nora-Roberts-Werk.

Ich hatte vor vielen Jahren mal ein Buch der Autorin gelesen, erinnerte mich allerdings nur noch vage daran, dass ich es nicht schlecht gefunden hatte – und da ich Weihnachtsgeschichten sowieso liebe, dachte ich mir: Why not? Normalerweise stehe ich nicht so auf Short Stories, aber hier hat es tatsächlich ganz gut gepasst, auch wenn die erste Geschichte mir so gut gefallen hat, dass ich gerne mehr gelesen (und dafür auf die nur mittelmäßig unterhaltsame zweite Geschichte verzichtet) hätte.

Der Schreibstil der Autorin ist recht einfach, gespickt mit kurzen, sehr direkten Sätzen ohne viel Firlefanz, dafür gelingt es ihr jedoch – zumindest in "Wünsche werden wahr" hervorragend, die Figuren dermaßen lebendig und liebenswert zu gestalten, dass man sich sofort in sie (und in die Story) hineinversetzen kann. Das Small-Town-Feeling hat mir ausgesprochen gut gefallen. Zach und Zeke sind absolut entzückende Kinder und die Annäherung zwischen ihrem Dad Mac und Nell, der neuen Musiklehrerin der idyllischen Kleinstadt, ist gewürzt mit frechen Wortgefechten. Natürlich basiert das gegenseitige Interesse zunächst hauptsächlich auf dem attraktiven Aussehen, ehe sich wahre Gefühle entwickeln, und der Plot ist von Anfang an vorhersehbar, aber mal ehrlich – bei einer Weihnachtsromanze erwarte ich schließlich nicht, dass das Rad neu erfunden wird, sondern freue mich von Anfang an auf das Happy End. Und in Anbetracht der nur knapp 100 Seiten würde eine tiefergehende Charakterstudie auch zu lange dauern. Ich habe Nell direkt ins Herz geschlossen und später sogar hier und da ein paar Tränchen der Rührung verdrückt. Kurzum: Mit Geschichte Nummer 1 war ich sehr happy. Eine kleine Anmerkung für spätere Ausgaben – im Klappentext wird einer der Zwillingsjungs Zack geschrieben, doch im Buch heißt er Zach.

Einen Stern habe ich abgezogen, weil der "Zauber einer Winternacht" mich so gar nicht verzaubern konnte – blasse Charaktere, eine unrealistisch wirkende, mäßig spannende Handlung und null Weihnachtsfeeling.

Fazit: Klare Empfehlung für Fans der Autorin, die sie für ihren unverschnörkelten Schreibstil lieben und ein Faible für kürzere Romane haben.

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