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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 30.11.2021

Spannende Familiengeschichte

Wir sind schließlich wer
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Anna von Betteray wird nach Alpen am Niederrhein beordert. Dort soll sie den erkrankten Pastor der Gemeinde vertreten. Den Bewohnern des Ortes ist dies nicht unbedingt recht, denn Anna ist geschieden, ...

Anna von Betteray wird nach Alpen am Niederrhein beordert. Dort soll sie den erkrankten Pastor der Gemeinde vertreten. Den Bewohnern des Ortes ist dies nicht unbedingt recht, denn Anna ist geschieden, adelig, jung und noch dazu eine Frau. Mit Skepsis begegnen ihr daher etliche Bürger des Ortes.
Aber nicht nur beruflich wird der jungen Pastorin einiges abverlangt, auch privat tauchen Probleme auf. Der Mann von Annas Schwester Maria, die immer die Vorzeigetochter der Familie war, wird verhaftet und sorgt somit für Schlagzeilen, Maria selbst hat ein Alkoholproplem und dann verschwindet auch noch ihr Sohn, Annas Neffe.

Die Journalistin und Autorin Anne Gesthuysen hat mit "Wer wir sind" erneut einen fesselnden Roman geschrieben, der einen ab der ersten Seite mitnimmt. Die Familiengeschichte besticht durch einen flüssigen Schreibstil, ist warmherzig, spannend und sehr bildlich erzählt. In einzelnen Kapiteln wird zwischendurch zurückgeblickt in die Vergangenheit von Anna, was der Geschichte zusätzlich Spannung verleiht. Die einzelnen Charaktere sind sehr treffend beschrieben. Jeder für sich hat sein Päckchen zu tragen.

"Wir sind schließlich wer" ist bei Kiepenheuer & Witsch erschienen und hat 416 Seiten - eine schöne Lektüre für zwischendurch, sehr empfehlenswert!

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Veröffentlicht am 21.10.2021

Der Gott des glücklichen Augenblicks

Kairos
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"War der Augenblick ein glücklicher, in dem sie damals, als neunzehnjähriges Mädchen, Hans traf?"
Das fragt sich Katharina, die Protagonistin in Jenny Erpenbecks neuem Roman "Kairos", als sie zwei Kartons ...

"War der Augenblick ein glücklicher, in dem sie damals, als neunzehnjähriges Mädchen, Hans traf?"
Das fragt sich Katharina, die Protagonistin in Jenny Erpenbecks neuem Roman "Kairos", als sie zwei Kartons bekommt - vollgepackt mit Aufzeichnungen aus ihrer Vergangenheit - und diese durchsieht.

Wir begeben uns zurück in die späten 1980er Jahre. Katharina ist 19, als sie in Ostberlin durch Zufall Hans begegnet. Er ist 53, verheiratet und hat einen Sohn. Es entsteht eine intensive Beziehung zwischen den beiden, die durch diverse Ereignisse zunehmend toxischer wird.

Vor dem Hintergrund der untergehenden DDR erzählt Jenny Erpenbeck, die selbst in Ostberlin geboren ist, meisterhaft und kraftvoll von dieser sehr speziellen Liebe zwischen den beiden Hauptfiguren und von einem Land, das dabei ist, auseinander zu brechen.

"Kairos" ist kein Roman, der sich einfach so dahinlesen lässt. Man muss sich auf die Lektüre einlassen, ganz langsam, Stück für Stück.

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Veröffentlicht am 06.10.2021

Keineswegs eine dumme Idee

Eine ganz dumme Idee
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Es gibt Bücher, die lese ich nicht zu Ende, weil sie mich einfach nicht erreichen. Dann gibt es Bücher, für die brauche ich einen zweiten Anlauf. Auch bei diesem hier habe ich nach dem ersten Viertel überlegt, ...

Es gibt Bücher, die lese ich nicht zu Ende, weil sie mich einfach nicht erreichen. Dann gibt es Bücher, für die brauche ich einen zweiten Anlauf. Auch bei diesem hier habe ich nach dem ersten Viertel überlegt, ob ich es abbrechen soll, um ihm vielleicht irgendwann mal noch eine zweite Chance zu geben. Ich habe dann aber doch einfach weitergelesen. Und das war auch gut so - sehr gut sogar - denn das Buch hat mich letztendlich richtig begeistert.

Der Roman "Eine ganz dumme Idee" erzählt von einem missglückten Banküberfall, von einer anschließenden Geiselnahme, die sich sehr ungewöhnlich entwickelt, von unterschiedlichen Menschen, die alle ihr Päckchen im Leben zu tragen haben.
Und überhaupt ist hier nichts, wie es scheint.

Fredrik Backmans Schreibstil ist etwas außergewöhnlich - skurril, witzig und gleichzeitig berührend und tiefgründig.
Die sehr unterschiedlichen Charaktere werden sehr treffend beschrieben. Durch die teilweise etwas flapsige Art der Protagonisten entstehen herrlich komische Situationen, die aber auf den zweiten Blick auch sehr anrührend sind.
"Eine ganz dumme Idee" steht derzeit verdient auf der Bestsellerliste. Es ist ein absolut gelungenes, kluges Buch, das ich jedem wärmstens empfehlen kann.

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Veröffentlicht am 06.10.2021

Eine Reise nach Marokko

Auf Basidis Dach
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Mona Ameziane ist Journalistin und moderiert unter anderem beim Radiosender 1Live.
Nun hat sie ihr erstes Buch geschrieben. "Auf Basidis Dach" erzählt von Marokko - dem Marokko, wie es Mona kennt und ...

Mona Ameziane ist Journalistin und moderiert unter anderem beim Radiosender 1Live.
Nun hat sie ihr erstes Buch geschrieben. "Auf Basidis Dach" erzählt von Marokko - dem Marokko, wie es Mona kennt und während einer Reise, die sie zusammen mit ihrem Vater unternimmt, noch intensiver kennenlernt.
Wie ist es, wenn man in zwei Ländern Wurzeln hat, in zwei Kulturen? Was bedeutet es, anders zu sein?
Das sind Fragen, die die Moderatorin aufgreift und über die sie sich Gedanken macht.

Ihr Vater kommt aus Marokko, ihre Mutter aus Deutschland. In Paris zu Studentenzeiten haben sich beide kennen und lieben gelernt.
Geboren und aufgewachsen ist Mona im Ruhrgebiet, wo die Familie lebt.
Die Autorin erzählt auf herrlich leichte Weise und gleichzeitig tiefgründig über ihre Wurzeln in Marokko, über den Alltag dort, die Gepflogenheiten, über Rituale und Feste.
Mit einer wunderbar bildlichen Sprache schafft es Mona Ameziane, den Leser mitzunehmen. Man hat das Gefühl, vor Ort zu sein, die Sonne auf der Haut zu spüren, den Duft der Märkte zu riechen. Man sieht die bunten Farben vor sich und ist mittendrin in der Medina, der Altstadt von Fès.

"Auf Basidis Dach" ist ein absolut geglücktes Debüt, das ich mit Vergnügen und großem Interesse gelesen habe  - gerne mehr davon!

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Veröffentlicht am 26.09.2021

Turbulenter Roadtrip

Drive Me Crazy – Für die Liebe bitte wenden
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Nachdem ich letztes Jahr mit großer Begeisterung von Beth O'Leary "Time To Love" gelesen habe, wollte ich nun ihren neuen Roman auch unbedingt kennenlernen.
"Drive Me Crazy" erzählt von der jungen Addie, ...

Nachdem ich letztes Jahr mit großer Begeisterung von Beth O'Leary "Time To Love" gelesen habe, wollte ich nun ihren neuen Roman auch unbedingt kennenlernen.
"Drive Me Crazy" erzählt von der jungen Addie, die mit ihrer Schwester Deb gerade auf dem Weg zu einer Hochzeit ist, als sie in einen Auffahrunfall verwickelt wird. Verursacht hat diesen Marcus, der mit Dylen, Addies Exfreund, ebenfalls unterwegs zu den Feierlichkeiten war.
Während das Auto der Frauen noch funktionstüchtig ist, streikt der Wagen der beiden Männer. So ergibt sich die Situation, dass diese sich in den Mini zu Addie und Deb zwängen müssen, in dem zusätzlich noch ein weiterer Mitfahrer sitzt, um gemeinsam die weitere Strecke zu bewältigen.

Es stehen Stunden voller Spannungen und Sticheleien bevor, durchzogen jedoch auch von humorvollen Situationen.
In Rückblenden erfahren wir in einzelnen Kapiteln jeweils aus der Sicht von Addie und Dylan wie sich die beiden kennengelernt haben.
Der Schreibstil von Beth O'Leary ist locker und flüssig, sodass sich die Geschichte leicht und schnell lesen lässt. Während ich das Geschehen in der Gegenwart sehr kurzweilig zu lesen fand, empfand ich einige Passagen der Vergangenheit allerdings doch etwas langatmig und bedrückend.
Insgesamt ist es eine nette Lektüre, die allerdings nicht an die Qualität von "Time To Love" heranreicht.

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