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Veröffentlicht am 05.04.2022

Ein aufrüttelnder, feministischer Roman

Die Wut, die bleibt
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"Der Zorn in ihr ist nicht mehr der kleine, hämmernd heiße Ball. Er hat sich über ihr Inneres gestülpt und sie vollständig ausgekleidet. Es ist still, sie schlafen ein, sie haben einen gemeinsamen Frieden, ...

"Der Zorn in ihr ist nicht mehr der kleine, hämmernd heiße Ball. Er hat sich über ihr Inneres gestülpt und sie vollständig ausgekleidet. Es ist still, sie schlafen ein, sie haben einen gemeinsamen Frieden, oder vielleicht ist es die Ruhe vor dem Sturm. Denn da ist ein Ziehen und ein feines, glühendes Simmern. Das ist die Wut, die bleibt."

Mitten in der Pandemie steht Helene eines Tages während dem Abendessen mit der Familie auf und stürzt sich 12 Meter den Balkon hinunter. Dieser Akt verändert alles unwiederbringlich: er rüttelt den Leser wach, er verändert das Leben von Helenes Familie radikal, allen voran der fünfzehnjährigen Tochter Lola, und Helenes bester Freundin Sarah. Fortan erzählen Lola und Sarah kapitelweise diesen Roman, das Leben nach diesem abrupten Halt oder Riss. Helene hinterlässt einen leeren Platz, der nur schwierig zu füllen ist. Beide Frauen realisieren nach und nach, wie viel Helene auf sich genommen hat, dass sie sich nie beschwert hat, wie schwierig dieser Stempel Mutter ist, wieviele Positionen gleichzeitig zu besetzen sind. Und wie die Männer meist alles voraussetzen und nie erkennen, wieviel Arbeit dahinter steckt. Wie hilflos sie im Umgang mit ihren eigenen Kindern sein können. Wieviel Ungleichheit da immer noch ist, selbst in 2022. Und noch so vieles mehr.

"Aber gleichzeitig hat sie verstanden: dass es gar kein Gleichgewicht war. Sondern verinnerlichter Glaube, dass die männliche Energie mehr wiegt als die weibliche, dass Männer lauter sein und mehr Platz einnehmen dürfen, ihre Wut rauslassen und ihre Aggression."

Dieses Buch ist einzigartig, wütend, zornig, laut und rüttelt wach. Ein feministisches, aktuelles Buch, welches zeigt, wie ungleich alles immer noch verteilt ist. Ich konnte mich mit beiden Protagonistinnen identifizieren, habe Teile von mir in Sarah und Teile in Lola wiedererkannt. Mit vielen der Themen habe ich mich schon auseinandergesetzt, jedoch fand ich die Themen im Roman nochmals sehr anschaulich umgesetzt. Lola war mir allerdings oft etwas zu radikal, zu impulsiv und zu kritisch, Sarah etwas zu langsam in ihrer Entwicklung. Insgesamt ein sehr interessantes, gut geschriebenes Buch zu einem nach wie vor aktuellen Thema.

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Veröffentlicht am 15.03.2022

Berührende Familiengeschichte zwischen Ost- und Westdeutschland

Die Enkelin
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"In seiner Trauer, in der er Birgit immer und überall vermisste, als sei sie immer und überall um ihn gewesen, hatte er vergessen, wie oft und wie weit sie weg gewesen war."

Birgit und Kaspar lernten ...

"In seiner Trauer, in der er Birgit immer und überall vermisste, als sei sie immer und überall um ihn gewesen, hatte er vergessen, wie oft und wie weit sie weg gewesen war."

Birgit und Kaspar lernten sich als Studenten während dem kalten Krieg in Berlin kennen. Er ist aus dem Westen, sie aus dem Osten... Sie möchten zusammen sein, und so verhilft Kaspar Birgit zur Flucht. Viele Jahre später, nach ihrem Tod, entdeckt er in ihren Aufzeichnungen, was sie im Osten alles zurücklassen musste, um bei ihm zu sein. Kurz vor der Flucht gebar sie eine Tochter, die sie im Osten zurückliess, und die sie seither finden wollte, jedoch nicht den Mut dazu hatte. Und so beschließt Kaspar, Birgits Tochter zu finden...

Ich lese sehr gerne Bernhard Schlinks Romane. Sein ruhiger, kalkulierter, aber auch poetischer Schreibstil mit historischen Details gefällt mir, und auch "Die Enkelin" ist wieder in seinem typischen Stil geschrieben. Das Thema Rechtsradikalismus steht an zentraler Stelle und war für mich nicht immer einfach zu verdauen. Tragisch und aufrüttelnd verbleiben seine Worte in mir. Ein trauriges Buch, welches noch lange nachwirken wird.

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Veröffentlicht am 20.02.2022

Gesunde Küche - gelungene Rezepte

Medical Cuisine
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Treffen sich ein Ernährungsmediziner und ein Spitzenkoch... dann ergibt sich dieses Kochbuch! Dr. Matthias Riedl und Spitzenkoch Johann Lafer haben sich zufällig an einer Kulinarikmesse in Hamburg getroffen ...

Treffen sich ein Ernährungsmediziner und ein Spitzenkoch... dann ergibt sich dieses Kochbuch! Dr. Matthias Riedl und Spitzenkoch Johann Lafer haben sich zufällig an einer Kulinarikmesse in Hamburg getroffen - es ergab sich eine Zusammenarbeit. Nun, das Ergebnis kann sich sehen lassen. "Medical Cuisine" enthält Rezepte, die die uns wieder näher an gesunde Küche bringen sollen. In der Einleitung erklären die beiden erstmal einiges zu Lebensmitteln und deren Einfluss auf unsere Gesundheit und auch auf die Umwelt. Die Rezepte im Anschluss sind in verschiedene Bereiche aufgeteilt: „Salate, Suppen, Vorspeisen“, „Hauptgerichte“ und schliesslich „Süßes“. Dabei folgt jeweils ein gesund adaptiertes klassisches Rezept und eine "noch gesündere", ähnliche Alternative. Ich war froh zu sehen, dass die Alternativen meist vegetarisch sind und so auch Vegetarier mit diesem Buch auf ihre Kosten kommen. Die Rezepte sind toll und zeigen, dass auch gesundes Essen genossen werden kann. Die meisten Zutaten sind in grösseren Supermärkten gut erhältlich. Besonders gefiel mir die vegane Misosuppe als Alternative zu Omas Hühnerbouillon. Ein wirklich gelungenes Kochbuch!

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Veröffentlicht am 09.01.2022

Ruhig und poetisch

Der perfekte Kreis
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«Die glauben an Geld, aber wir glauben an etwas Grösseres: Wahrheit und Schönheit. Das bringt uns auf die richtige Seite der Geschichte. »

Das Jahr ist 1989. Calvert und Redbone, zwei ältere Männer im ...

«Die glauben an Geld, aber wir glauben an etwas Grösseres: Wahrheit und Schönheit. Das bringt uns auf die richtige Seite der Geschichte. »

Das Jahr ist 1989. Calvert und Redbone, zwei ältere Männer im Süden Englands, verbringen ihre Sommer damit, nachts Kornkreise zu schaffen. Die Zeit verbringen sie mit Planung und der Suche einer geeigneten Lage für den nächsten Kreis. Immer weiter feilen sie an ihrer Technik, sie streben nach Perfektion. «Nähre den Mythos und strebe nach Schönheit» ist ihr Leitspruch. Dabei erleben die beiden allerhand Abenteuer.

Myers beschreibt in diesem Buch jeweils die Nächte, in denen Calvert und Redbone die Kornkreise schaffen und erzählt, was sie dabei erleben. Es bleibt nicht nur bei diesen Erlebnissen, immer wieder kommt es zu tiefgründigen Unterhaltungen. Beide Männer haben Trauma erlebt, die sie nach und nach aufarbeiten. Auch der Witz bleibt nicht auf der Strecke. Myers gelingt es, mit einer tiefen Ruhe und Poesie die Erlebnisse der beiden zu beschreiben. Ich kann dieses Buch wärmstens weiterempfehlen.

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Veröffentlicht am 19.12.2021

Ein tiefer historischer Einblick in die Schweizer Frauenrechtsbewegung

Ozelot
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Es ist das Jahr 1958. Die zwölfjährige Victoria wächst in Zürich auf. Neben der Schule verbringt sie viele Nachmittage am Arbeitsplatz der Mutter, dem Zürcher Frauensekretariat. Für die damalige Zeit ist ...

Es ist das Jahr 1958. Die zwölfjährige Victoria wächst in Zürich auf. Neben der Schule verbringt sie viele Nachmittage am Arbeitsplatz der Mutter, dem Zürcher Frauensekretariat. Für die damalige Zeit ist es unüblich, dass eine verheiratete Frau arbeitet. Gleichzeitig folgen wir Iris von Roten, Juristin in Basel und im Wallis, welche offen und laut für Frauenrechte eintritt.

«Ozelot» beruht auf historischen Gegebenheiten und ist in Montagetechnik verfasst. Die Perspektivenwechsel zwischen Victoria und Iris, zwei Frauen unterschiedlicher Generationen und an verschiedenen Orten, machen das Buch spannend, haben aber auch dafür gesorgt dass ich ein bisschen Zeit brauchte, um in die Geschichte hineinzukommen. Gerne habe ich mehr über Iris von Roten, diese unglaublich starke und kluge Frau, erfahren. Auch die Sechzigerjahre mit der Studentenbewegung sind sehr interessant dargestellt. Senn ist der Spagat zwischen Historischem Bericht und Roman bravourös gelungen. Ich bin sehr gerne in die Schweizer Geschichte eingetaucht und bin gespannt auf Rahel Senns nächstes Werk.

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