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Veröffentlicht am 12.01.2022

Roboter, Intelligenz und menschliche Gefühle

Klara und die Sonne
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Diesen Roman habe ich sehr gerne gelesen, obwohl er dem von mir eigentlich vernachlässigten Genre Science Fiction zuzuordnen ist. Zu einer nicht näher bestimmbaren Zeit in der Zukunft werden mit künstlicher ...

Diesen Roman habe ich sehr gerne gelesen, obwohl er dem von mir eigentlich vernachlässigten Genre Science Fiction zuzuordnen ist. Zu einer nicht näher bestimmbaren Zeit in der Zukunft werden mit künstlicher Intelligenz ausgestattete Roboter jugendlichen, anscheinend aufgrund von Genmanipulation intelligent gemachten Amerikanern als Freunde und Wegbegleiter an die Seite gestellt. Klara aus dem gleichnamigen Buchtitel ist ein solcher Roboter. Sie hält Einzug bei der wegen ihrer Manipulation kränkelnden Josie. Klara entwickelt sich beständig fort und setzt alles daran, Josie vor dem Tod zu bewahren. Die im Mittelpunkt stehende Frage ist, ob Roboter zu menschlichen Gefühlen in der Lage sind, insbesondere lieben und geliebt werden können. Als Leser ist man oft geneigt, dass bei Klara zu bejahen, denn sie wird recht warmherzig und empathisch dargestellt im Gegensatz zu mancher menschlichen Romanfigur. Das Buch liest sich eher einfach, was an der steifen, gut zu Klara passenden Sprache liegt, die ihr unbekannte Gegenstände mit merkwürdigen Begriffen belegt; so wird aus einem „Wohnzimmer“ ein „Großraum“, aus einem „Laptop“ bzw. „Smartphone“ ein „Rechteck“.
Sehr lesenswert.

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Veröffentlicht am 26.12.2021

Bewegende autobiografische Erzählung

Welten auseinander
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Das Buch ist die sehr bewegende Autobiografie der Autorin. Ihr Schicksal zu lesen, hat mich wirklich sehr berührt. Für mich, selbst nur wenige Jahre älter als die Autorin und sehr behütet aufgewachsen, ...

Das Buch ist die sehr bewegende Autobiografie der Autorin. Ihr Schicksal zu lesen, hat mich wirklich sehr berührt. Für mich, selbst nur wenige Jahre älter als die Autorin und sehr behütet aufgewachsen, ist eine solche Kindheit bis hin zum jungen Erwachsenenalter fast unvorstellbar. Sie wird als uneheliches Kind einer Mutter mit einer Reihe weiterer unehelicher Töchter in der ehemaligen DDR geboren. Die Mutter selbst ist Mitglied einer Großfamilie mit jüdischen Wurzeln, unterhält Kontakt zu Intellektuellen, Künstlern, Studenten und lässt sich um Ende der 1970er Jahre ausbürgern, um ein Leben als Hippie und Sozialfall in Schleswig-Holstein zu führen. Die Kinder werden stets sehr vernachlässigt. Die Autorin kehrt noch als Jugendliche nach Berlin zurück.
Nicht nur das Leben der Autorin wird sehr interessant aufgearbeitet. Es gibt auch viele Informationen zu den Verhältnissen in der DDR und den jüdischen Zweig der Familie. Ist es anfangs noch schwer, sich in die familiären Verästelungen hineinzufinden, gibt sich das bald, zumal viele Episoden mehrfach wiederholt werden (und damit auch eindringlicher werden). An fehlender Chronologie sollte man auch keinen Anstoß nehmen.
Wer Familiengeschichten mag, sollte dieses Buch unbedingt lesen.

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Veröffentlicht am 05.12.2021

Hassnachrichten in den Social Media

Die Nachricht
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Das Buch hat mich wirklich packen können. Es ist so aktuell und nachdenklich stimmt, dass das, was der Protagonistin Ruth widerfährt, jeder/jedem auch passieren könnte. Diese nutzt soziale Medien und erhält ...

Das Buch hat mich wirklich packen können. Es ist so aktuell und nachdenklich stimmt, dass das, was der Protagonistin Ruth widerfährt, jeder/jedem auch passieren könnte. Diese nutzt soziale Medien und erhält einige Jahre nach dem Skiunfalltod ihres Mannes Hassnachrichten, die sich zusehends häufen und inhaltlich immer verletzender werden, sogar an Dritte aus Ruths privatem und beruflichem Umfeld gesandt werden. Statt sie zu ignorieren, will Ruth den Absender aufspüren, verdächtigt auch zwei Personen. Sie, die eigentlich das Opfer ist, findet in ihrer Umgebung kein Gehör, wird sogar als Schuldige gesehen, weil sie nicht unbedingt den gesellschaftlichen Erwartungen entspricht. Als Leser rätselt man mit, wer wohl der anonyme Beleidiger ist, und fragt sich, wie man sich selbst wohl in solch einer Situation verhalten würde. Interessant ist, wie nach und nach aufgedeckt wird, dass im Leben von Ruth und ihrem verstorbenem Mann so manches im Argen lag.
Sehr empfehlenswert.

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Veröffentlicht am 30.11.2021

Über eine langjährige Ehe

Der Brand
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Diesen Roman habe ich sehr gerne gelesen. Der ruhige, bedächtige Erzählton liest sich recht angenehm und passt gut zu dem behandelten Thema. Es geht um ein Ehepaar aus Dresden, sie 49, er 55, das nach ...

Diesen Roman habe ich sehr gerne gelesen. Der ruhige, bedächtige Erzählton liest sich recht angenehm und passt gut zu dem behandelten Thema. Es geht um ein Ehepaar aus Dresden, sie 49, er 55, das nach bald 30jähriger Ehe in den Alltagstrott verfallen ist. Das will vor allem sie nicht akzeptieren. Ein dreiwöchiger House-Sitting-Urlaub auf dem verfallenen Gehöft eines betagten befreundeten Ehepaares in der Uckermark soll Klarheit bringen, wie es mit der Ehe weiter gehen kann.
In die Personen der beiden Protagonisten wird sich bestimmt so mancher hineinversetzen können. Ihre Gespräche und das tägliche Zusammenleben werden realistisch dargestellt. Vor allem sie als Psychologin neigt zum Analysieren der Ehesituation. Außer den Eheproblemen werden noch andere interessante Themen angesprochen, wie familiäre Probleme der erwachsenen Kinder, Corona, Bombardierung Dresdens. Etwas Spannung wird in die Geschichte durch ein Geheimnis zur Herkunft der Protagonistin getragen, das sie aufdeckt. An keiner Stelle wirkt die Geschichte kitschig oder klischeehaft.

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Veröffentlicht am 21.11.2021

Die eigene Familiengeschichte

Hast du uns endlich gefunden
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Unter Schauspielern scheint es derzeit angesagt zu sein, die eigene Familiengeschichte in Buchform niederzuschreiben. Ich erinnere da etwa an Joachim Meyerhoff mit seiner sehr humorigen Buchserie. In eine ...

Unter Schauspielern scheint es derzeit angesagt zu sein, die eigene Familiengeschichte in Buchform niederzuschreiben. Ich erinnere da etwa an Joachim Meyerhoff mit seiner sehr humorigen Buchserie. In eine ähnliche Richtung geht dieses Buch. Der als Schauspieler bekannte Autor Selge erzählt autobiografisch seine Familiengeschichte. Dabei steht im Fokus die Zeit um 1960, als er etwa zwölf Jahre alt war. Aus kindgerechter Perspektive arbeitet er vor allem seine Beziehung zu seinem Vater auf, der Despot war und gewalttätig gegenüber dem Sohn, ja sich ihm sogar sexuell unzüchtig annäherte, von Edgar aber dennoch geliebt wurde. Betrachtenswert ist auch, wie Selge die Einstellung der Eltern zum Nationalsozialismus und ihre Neuorientierung in der Nachkriegszeit darstellt. In seiner Familie gab es viele Schicksalsschläge. Dennoch durchzieht den ganzen Roman ein humoriger Grundton; alles ist angefüllt mit Anekdoten, die einen immer wieder schmunzeln lassen.
Sehr lesenswert.

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