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Veröffentlicht am 04.05.2025

Selbstfindung und intensive Gefühle

The Summer We Fell
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„The Summer We Fell“ von Elizabeth O’Roark ist der erste Band der „The-Summer-Reihe“. Die Geschichte folgt Juliet, die nach einer traumatischen Vergangenheit bei der Familie ihres Freundes Danny Zuflucht ...

„The Summer We Fell“ von Elizabeth O’Roark ist der erste Band der „The-Summer-Reihe“. Die Geschichte folgt Juliet, die nach einer traumatischen Vergangenheit bei der Familie ihres Freundes Danny Zuflucht findet. Ihre eigenen Zukunftspläne hat sie aufgegeben – bis Danny eines Tages seinen College-Freund Luke mit nach Hause bringt. Luke weckt in Juliet zum ersten Mal seit Langem den Wunsch, für ihre Träume zu kämpfen.

Elizabeth O’Roark hat mich mit ihren angenehm lesbaren, einfühlsamen und vor allem auch bildhaften sowie atmosphärischen Schreibstil überzeugt, der es leicht macht, in die Geschichte und in die Charaktere einzutauchen. Die Autorin versteht es, Emotionen und Stimmungen greifbar zu machen, ohne ins Kitschige abzurutschen.

Die Geschichte wird abwechselnd in zwei Zeitebenen erzählt – Gegenwart und Vergangenheit –, was der Handlung eine besondere Dynamik und Spannung sowie eine gewisse Tiefe und Authentizität verleiht.

Das Setting an der amerikanischen Küste, mit Stränden und Surfer-Vibes, sorgt für eine sommerliche, aber auch melancholische Grundstimmung. Die Atmosphäre ist geprägt von Sehnsucht, Schmerz und Hoffnung auf einen Neuanfang.

Im Zentrum der Geschichte stehen Juliet und Luke – zwei Figuren, die durch ihre Vergangenheit und ihre Verletzlichkeit faszinieren und deren Anziehung bereits ab dem ersten Aufeinandertreffen spürbar ist. Die Gefühle zwischen den beiden sind extrem intensiv, was mich am meisten am Buch überzeugen konnte.
Juliet ist eine vielschichtige, verletzliche, aber auch irgendwie frustrierend passive Protagonistin.
Ihre Entwicklung zieht sich – vielleicht bewusst –, und oft wollte ich sie geradezu schütteln, weil sie zu lange in toxischen Dynamiken verharrt. Dennoch ist ihre Zerrissenheit glaubhaft und tief menschlich.
Luke hingegen ist der klassische "Grumpy & Sunshine"-Held: wortkarg, impulsiv, manchmal aggressiv und dennoch charismatisch, leidenschaftlich und zutiefst loyal. Seine Reaktionen, insbesondere seine Neigung zu impulsiven und aggressiven Handlungen, waren für mich teils zu übertrieben und haben mir beim Lesen immer wieder ein Unwohlsein bereitet.

Ein Punkt, der mich persönlich gestört hat, waren die zahlreichen, sehr expliziten Sexszenen. Natürlich gehören Intimität und körperliche Nähe zur Geschichte, doch in diesem Fall hatte ich das Gefühl, dass sie zu stark im Fokus standen – teilweise auf Kosten der eigentlichen Handlung und der psychologischen Tiefe. Einige Szenen wirkten mehr voyeuristisch als emotional oder entwicklungsrelevant.

Die Handlung lebt von der Spannung zwischen Juliet und Luke sowie dem ungelösten Trauma der Vergangenheit und hält stets einige spannende und überraschende Wendungen bereit.

Thematisch ist der Roman sehr vielschichtig: Es geht um emotionale Abhängigkeit, Trauma, Schuld, Loyalität, Liebe – aber auch um Identitätsfindung in einem stark reglementierten Umfeld. Das Thema Selbstbestimmung zieht sich wie ein roter Faden durch den Roman – Juliet muss lernen, für sich selbst einzustehen, obwohl ihr Umfeld sie immer wieder in alte Rollen drängt.
Feministisch betrachtet hinterlässt der Roman jedoch gemischte Gefühle in mir. Positiv ist, dass Juliet sich – wenn auch spät – von den patriarchalen Strukturen und von toxischer Männlichkeit zu lösen beginnt. Gleichzeitig jedoch bleibt sie über weite Strecken fremdgesteuert, reagiert mehr, als dass sie agiert. Auch die Darstellung männlicher Dominanz, vor allem in Lukes Verhalten, hätte differenzierter oder reflektierter sein können. Dass aggressive Impulsivität als Teil einer „großen Liebe“ inszeniert wird, finde ich problematisch – zumal Juliet zu oft in der Rolle der Erleidenden bleibt.

Fazit

„The Summer We Fell“ von Elizabeth O’Roark ist insgesamt ein emotional aufwühlender, intensiver Roman über Liebe, Selbstfindung und die Schatten der Vergangenheit. O'Roark schreibt mit viel Feingefühl und Tiefe. Die Charaktere sind greifbar und überwiegend sympathisch. Der Roman ist für mich kein klassisches ‚Wohlfühlbuch‘, sondern eine Geschichte voller Grautöne und innerer Kämpfe, aber dennoch auch tiefer Gefühle und innerer Verbundenheit. Insgesamt ist das Buch – trotz einiger Kritikpunkt meinerseits – auf jeden Fall das Lesen wert und ich freue mich bereits auf den zweiten Band der Reihe.

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Veröffentlicht am 28.11.2022

Was ist Schuld?

Als die Welt zerbrach
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Die über 90-jährige Gretel Fernsby führt ein eher ruhiges, unspektakuläres Leben in London.
Was jedoch kaum einer weiß, damals kurz nach dem 2. Weltkrieg, nachdem ihr Vater – ein NS-Lagerkommandant – hingerichtet ...

Die über 90-jährige Gretel Fernsby führt ein eher ruhiges, unspektakuläres Leben in London.
Was jedoch kaum einer weiß, damals kurz nach dem 2. Weltkrieg, nachdem ihr Vater – ein NS-Lagerkommandant – hingerichtet wurde, floh sie mit ihrer Mutter aus Deutschland.
Doch die schreckliche Vergangenheit lässt sich nicht einfach abschütteln und verfolgt Gretel noch bis heute.
Immer noch kann sie den Namen ihres Bruders nicht aussprechen und immer noch besteht die Angst vor einer Entdeckung und den damit möglicherweise einhergehenden Konsequenzen.

Nach 16 Jahren erscheint mit dem Buch „Als die Welt zerbrach“ von John Boyne der Fortsetzungsroman von der „Der Junge im gestreiften Pyjama“.

Die Idee, an die Ereignisse aus dem vorherigen Roman anzuknüpfen – was durch die Nacherzählungen aus dem ersten Teil, nach der doch recht langen Zeit, sehr gut gelingt – und die Handlung dabei bis in die Gegenwart zu bringen, ist großartig.
Es ist extrem spannend, Gretels Leben, nach diesem einschlägigen Schicksalsschlag und ihrer kritischen Vergangenheit, mitzuerleben und so auch ein Stück weit nachempfinden zu können, wie die Deutschen (vor allem Anhänger des NS-Regimes) die Nachkriegszeit erlebten.
Die Zeit wird nicht, wie oft, aus Sicht der ‚Opfer‘, sondern vielmehr aus Sicht der ‚Täter‘ oder zumindest der Mitwisser erzählt.

Auch der Wechsel zwischen Vergangenheit und Gegenwart ist genial.
Er verleiht der ganzen Story eine gewisse Dynamik und zeigt sehr einprägsam, wie die Vergangenheit, die Zukunft (und einen Menschen) für immer prägt und beeinflusst.

Mir gefällt die Darstellung der innerlichen Zerrissenheit der Protagonistin Gretel Fernsby.
Man spürt den enormen Einfluss ihrer Vergangenheit, die tiefverwurzelte, nationalsozialistische Indoktrination und wie das Erlebte an ihr nagt und sie nach all der Zeit immer noch beschäftigt und nicht loslässt.
Als Leser/in erlebt man mit ihr einen inneren Kampf um ihre eigene Schuld an den (antisemitischen) Gräueltaten.

Gretel ist eher zynisch, distanziert, und in gewissen Teilen herzlos, was wohl ihren traumatischen Erlebnissen in ihrer schwierigen Kindheit und Jugend zuzuschreiben ist.
Auch wenn mir Gretel dadurch die meiste Zeit nicht sehr sympathisch war, konnte ich ihre Einstellung und ihren Charakter ein Stück weit nachvollziehen.
Dennoch empfand ich sie und die anderen Charaktere als nicht sehr tiefgreifend und angenehm, wodurch es mir schwerfiel, mich gänzlich auf sie einzulassen und mich mit ihnen zu identifizieren.

Der Schreibstil von John Boyne ist großartig.
Teils recht komplex und verschlüsselt, trotzdem gut zu lesen und mitreißend.
Es wird eine großartige, emotionale und nachdenkliche Atmosphäre aufgebaut, die die Leser/innen einnimmt.
Der Autor schafft, ohne eigene Wertung, klar, neutral und sachlich, eine Nachdenklichkeit über die existentielle Frage der Schuld, für die jeder Leser/jede Leserin am Ende für sich selbst eine Antwort finden muss.

Die zentrale Schuldfrage wirkt in den Köpfen nach und beschäftigt nachhaltig während des Lesens (und darüber hinaus).
Wer ist wann schuldig? Wer bestimmt über Schuld? Wie schwer wiegt eine Schuld? Und wie lebt man damit?
Jedoch verläuft sich für mich dieses Thema am Ende und kommt auf keinen richtigen Nenner.

Leider habe ich mir von der Handlung an sich mehr erhofft.
Die Richtung, in die der Handlungsstrang der Gegenwart verläuft, gefällt mir gar nicht.
Das Thema rundum die häusliche Gewalt ist mir teils zu offensichtlich, zu klischeehaft und im Vergleich zu der NS-Zeit mit der zusammenhängenden Schuldfrage einfach nicht ganz passend.
Das Ende ist meiner Meinung nach sehr abwegig und realitätsfern und trifft nicht den Kern, den der Autor wohl bezwecken wollte.
Gretel ist seit ihrer Flucht auf der Suche nach einer Antwort ihre Schuld betreffend.
Am Ende lädt sie sich eine neue Schuld auf. Doch wird damit die damalige Schuld ausgeglichen, geklärt oder aufgearbeitet? Für mich nicht ganz passend.

Der Handlungsstrang in der Vergangenheit ist dafür jedoch wirklich großartig – sehr authentisch und emotional.

Fazit

Sieht man einmal über die eher unsympathischen Charaktere, die ausbaufähige Handlung und das abwegige Ende hinweg, ist das Buch dennoch recht lesenswert, was nicht zuletzt an dem tiefgreifenden Schreibstil Boynes und der sehr interessanten, denkwürdigen Thematik, die nachhaltig beschäftigt, liegt. Gut geeignet, für ein paar nachdenkliche Lesestunden.

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Veröffentlicht am 05.01.2022

Ein besinnlicher Roman, passend zur Weihnachtszeit

Ein Hund unterm Weihnachtsbaum
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In Crossing Trails häufen sich die Probleme zur Weihnachtszeit...
...Mary Ann McCray als erste Weihnachtsfrau - ein Novum für das kleine Örtchen.
Ihr Sohn, der gerade erst zurückkehrt ist um das neue ...

In Crossing Trails häufen sich die Probleme zur Weihnachtszeit...
...Mary Ann McCray als erste Weihnachtsfrau - ein Novum für das kleine Örtchen.
Ihr Sohn, der gerade erst zurückkehrt ist um das neue Tierheim zu leiten und nun mit seiner Freundin zusammen wohnt, was natürlich einige Schwierigkeiten mit sich bringt.
Und dann auch noch die netten Nachbarn, die sich scheiden lassen.
Doch zwischen all diesen Problemen tobt die kleine quirlige Mischlingshündin Elle (Noelle), tanzt sich in die Herzen ihrer Mitmenschen und rettet damit die besinnliche Weihnachtszeit!

"Ein Hund unterm Weihnachtsbaum" war mein erstes Buch von Greg Kincaid und ich wusste nicht, dass es aus dieser Reihe bereits Bücher gibt.
Das hat allerdings die Geschichte nicht groß beeinträchtigt, es war lediglich etwas schwer hinein zu kommen.

Die Charaktere sind allesamt sehr liebenswert und schön konstruiert.
Besonders gut gefällt mir, wie Mary Ann sich als Weihnachtsfrau gegen die festgefahrenen Traditionen durchsetzt und behauptetet.
Auch finde ich es super, die Geschichte mit allen Hauptpersonen erleben zu dürfen und so vielseitig Einblicke in die Gefühls- & Gedankenwelt aller zu bekommen.
Auch wenn es dadurch am Anfang etwas schwer war, die Geschichte und die Personen zu erfassen und sich einzufinden.

Der Schreibstil war recht ruhig und angenehm, Passend zur besinnlichen Weihnachtszeit.
Zusammen mit der ebenfalls sehr lockeren, entspannten Story, hat das Buch eine absolute Wohlfühlatmosphäre kreiert.

Ein Kritikpunkt für mich sind die teils veralteten Ansichten. Heiraten - Zusammenziehen - Kind. Man ist schwanger, also MUSS man heiraten.
Da hab ich mich schon gefragt in welchem Jahrzehnt das Buch spielt, denn zur heutigen Zeit sind das wohl kaum noch moderne Ansichten.

Außerdem war ich das ganze Buch über verwirrt, wann denn nun Noelle, wie Im Klappentext angekündigt, auftritt.
Dass es sich bei "Noelle" um "Elle" handelt wurde erst zum Ende hin deutlich, was ich etwas schade fand.


FAZIT

Ein absolutes Wohlfühlbuch mit netten Charakteren und einer eher recht ruhigen Storyline, passend zur besinnlichen Weihnachtszeit und für eine gemütliche Auszeit vom stressigen Alltag!

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Veröffentlicht am 26.03.2026

Schöne Kulisse, aber wenig Spannung

Les Bouttiers – Wir sind jetzt
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In „Les Bouttiers – Wir sind jetzt“ von Antonia Wesseling kehrt Elodie nach Jahren widerwillig nach Paris zurück – in die Stadt, die sie seit dem tragischen Tod ihrer Mutter gemieden hat. Eigentlich hatte ...

In „Les Bouttiers – Wir sind jetzt“ von Antonia Wesseling kehrt Elodie nach Jahren widerwillig nach Paris zurück – in die Stadt, die sie seit dem tragischen Tod ihrer Mutter gemieden hat. Eigentlich hatte sie ihren Traum von einer Karriere in der Mode längst begraben, doch als ihr Vater das angeschlagene Familienunternehmen Bouttier retten soll, führt kein Weg an der Rückkehr vorbei. Zwischen dem traditionsreichen Modehaus, alten Erinnerungen und neuen Herausforderungen wird Elodie nicht nur mit ihrer Vergangenheit konfrontiert, sondern auch mit zwei Männern, die ihr Herz durcheinanderbringen: Gabriel, ihr Adoptivcousin und einst engster Vertrauter, und Adam Le Blanc, der charismatische Erbe des konkurrierenden Modelabels, mit dem sie bereits eine leidenschaftliche Nacht verbracht hat.
Gefangen zwischen Gefühlen, Loyalitäten und Intrigen muss Elodie herausfinden, welchen Weg sie gehen will.

Der Schreibstil von Antonia Wesseling hat mir grundsätzlich wieder sehr gut gefallen. Er ist flüssig, angenehm zu lesen und gerade in emotionaleren Szenen auch wirklich atmosphärisch. Ich mag ihre Art zu Schreiben wirklich sehr gerne.
Allerdings hat es bei mir ein bisschen gedauert, bis ich richtig in die Geschichte reingekommen bin. Gerade am Anfang hat sich alles etwas gezogen, und ich hatte das Gefühl, dass vieles eher oberflächlich bleibt, anstatt wirklich in die Tiefe zu gehen. Das fand ich schade, weil gerade das Setting so viel Potenzial bietet.

Dennoch war das Setting für mich tatsächlich eines der Highlights des Buches: Paris, die Modewelt, die Fashion Shows, das ganze Drumherum – das hat mir richtig gut gefallen. Diese Einblicke in das Modehaus Bouttier und die kreativen Prozesse haben der Geschichte für mich das gewisse Etwas gegeben. Davon hätte ich mir ehrlich gesagt noch deutlich mehr gewünscht, genauso wie generell mehr „Paris-Vibes“.

Was die Handlung angeht, war ich ein bisschen zwiegespalten. Über weite Strecken war mir das Ganze fast zu unspektakulär. Es gab einige Längen, in denen einfach nicht genug passiert ist, um mich wirklich zu fesseln. Und dann kommt am Ende plötzlich ein krasser Twist, der zwar überraschend ist, für mich aber irgendwie nicht ganz zu dem eher ruhigen Verlauf davor gepasst hat. Das wirkte fast ein bisschen unausgeglichen.

Die Charaktere haben mich ebenfalls unterschiedlich abgeholt.
Elodie mochte ich grundsätzlich – sie ist sympathisch und hat durchaus Stärke. Trotzdem hat mir bei ihr etwas gefehlt. Ich hätte mir gewünscht, dass sie mehr für sich selbst einsteht, mehr ihren eigenen Weg geht, gerade was ihre Träume im Bereich Modedesign angeht. Teilweise wirkte sie auf mich ein bisschen zu passiv.

Besonders positiv überrascht hat mich Adam. Seine Figur fand ich wirklich gelungen. Seine inneren Konflikte und sein Kampf mit den Erwartungen seines Vaters waren für mich nachvollziehbar und haben ihm Tiefe gegeben. Auch die Entwicklung, die er im Laufe der Geschichte durchmacht, mochte ich sehr. Vor allem die Beziehung zwischen ihm und Elodie hat für mich funktioniert: Man hat das Knistern gespürt, die Anziehung war greifbar, und ihre Dynamik hat mich emotional am meisten abgeholt.

Ganz anders sah es bei Gabriel aus. Die Verbindung zwischen ihm und Elodie konnte ich überhaupt nicht richtig fühlen. Zusätzlich hatte ich ein Problem mit der ganzen Konstellation – auch wenn er „nur“ ihr Adoptivcousin ist, fand ich es irgendwie seltsam und ehrlich gesagt eher abstoßend, dass sie ihn anziehend findet. Das hat es mir schwer gemacht, mich auf diese Beziehung einzulassen. Dazu kam, dass ich Gabriel als Figur generell nicht besonders mochte. Er wirkte auf mich zu angepasst, zu sehr darauf bedacht, es allen recht zu machen, und dabei irgendwie blass.

Das Liebesdreieck an sich hat mich sowieso nicht wirklich angesprochen. Für mich hat es eher gestört als die Geschichte bereichert. Dazu kommt der recht hohe Spice-Anteil – der war mir persönlich teilweise zu viel und hat für mich sogar ein bisschen von der eigentlichen Chemie und Spannung zwischen den Figuren genommen, anstatt sie zu verstärken.

Fazit

Unterm Strich war „Les Bouttiers – Wir sind jetzt“ von Antonia Wesseling für mich ein Buch mit viel Potenzial, das aber nicht ganz ausgeschöpft wurde. Es gab schöne Ansätze – vor allem im Setting, im Schreibstil und in der Figur von Adam –, aber die Handlung war mir stellenweise zu langatmig und insgesamt zu wenig packend.
Für den zweiten Band wünsche ich mir vor allem: mehr Elodie, die wirklich ihren eigenen Weg geht, mehr Fokus auf Mode, mehr Paris-Atmosphäre und eine tiefere, spannendere Handlung. Dann könnte die Reihe für mich wirklich noch deutlich gewinnen.

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Veröffentlicht am 01.03.2026

Die Vergangenheit hat mich gepackt – die Gegenwart leider nicht

Death at Morning House
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Marlow nimmt einen Ferienjob auf einer abgelegenen Insel an, wo sie gemeinsam mit anderen Teenagern Führungen durch die verfallene Morning House Villa gibt. Das Anwesen hat eine düstere Vergangenheit: ...

Marlow nimmt einen Ferienjob auf einer abgelegenen Insel an, wo sie gemeinsam mit anderen Teenagern Führungen durch die verfallene Morning House Villa gibt. Das Anwesen hat eine düstere Vergangenheit: Im Sommer 1932 lebte dort ein angesehener Arzt mit seiner Familie, doch innerhalb kurzer Zeit starben mehrere Kinder und Verwandte unter mysteriösen Umständen. Seitdem hält sich hartnäckig das Gerücht, ein Fluch habe auf der Familie gelegen.
Während in der Gegenwart zunächst alles idyllisch wirkt, kippt die Stimmung, als die Historikerin, die die Ereignisse von damals untersucht, plötzlich verschwindet. Marlow beginnt zu ahnen, dass hinter der Geschichte weit mehr steckt als eine alte Spuklegende.

„Death at Morning House“ von Maureen Johnson hat mich mit seinem Grundkonzept bekommen: eine verfallene Villa auf einer Insel, eine dunkle Familiengeschichte aus den 1930ern und ein Gegenwartsrätsel mit unterschwelliger Bedrohung. Eigentlich genau meins. Und tatsächlich hatte das Buch auch einige Aspekte, die ich wirklich mochte, aber leider auch ein paar deutliche Schwächen.

Was mir sofort positiv aufgefallen ist, war der Schreibstil. Johnson schreibt sehr locker, teilweise humorvoll und unglaublich flüssig. Ich bin nur so durch die Seiten geflogen. Gerade für jüngere Leser*innen ist das super zugänglich, weil der Ton leicht und modern wirkt, ohne zu simpel zu sein. Gleichzeitig baut sie immer wieder eine leise, unterschwellige Unruhe auf: dieses Gefühl, dass irgendetwas nicht stimmt. Das mochte ich sehr.

Besonders gelungen fand ich zudem den Vergangenheitsstrang rund um die Familie aus dem Jahr 1932. Diese Passagen waren für mich eindeutig das Highlight des Buches. Die Ereignisse wirken von Anfang an verdächtig, und man merkt die ganze Zeit: Hier steckt mehr dahinter als ein angeblicher Fluch. Ich habe richtig gerne mitgerätselt und versucht, die Puzzleteile zusammenzusetzen. Die Auflösung in diesem Handlungsstrang kam für mich auch durchaus überraschend und hat sich stimmig angefühlt. Davon hätte ich mir ehrlich gesagt noch mehr gewünscht.

Das Setting der Insel trägt ebenfalls viel zur Atmosphäre bei. Diese abgeschiedene, leicht unheimliche Sommerkulisse funktioniert grundsätzlich sehr gut und passt perfekt zur Geschichte. Gerade am Anfang hatte ich richtig Lust auf einen atmosphärischen Mystery-Plot.

Leider konnte der Gegenwartsstrang für mich da nicht mithalten. Hier hatte das Buch für mein Empfinden ziemlich viele Längen. Die Handlung braucht sehr lange, bis sie wirklich Fahrt aufnimmt, und zwischendurch passiert einfach zu wenig Spannendes. Ich habe öfter gedacht: Da müsste jetzt mehr kommen. Die Bedrohung bleibt eher schwach, und echte Mystery-Spannung wollte sich bei mir selten einstellen.

Auch die große Enthüllung am Ende hat mich nicht wirklich umgehauen. Vieles lief mir zu geradlinig und glatt, ohne größere Wendungen oder echte Überraschungsmomente. Gerade weil der historische Strang gezeigt hat, wie viel Potenzial in der Geschichte steckt, fand ich das etwas schade.

Mit Marlow als Hauptfigur bin ich ebenfalls nicht richtig warm geworden. Sie ist erst 14, was man ihrem Verhalten auch deutlich anmerkt. Vielleicht bin ich einfach nicht mehr ganz die Zielgruppe, aber mich hat es irgendwann genervt, wie sehr ihr Fokus auf Schwärmereien und Attraktivität lag. Gefühlt findet sie ständig irgendwen toll, und der Liebesaspekt nimmt mir zu viel Raum ein und zwar auf Kosten der eigentlichen Kriminalgeschichte. Für mich wirkte das stellenweise sehr vorpubertär und hat mich eher aus der Spannung rausgebracht.

Was ich außerdem etwas unrealistisch fand: Dass auf der Insel zeitweise praktisch nur Jugendliche unterwegs sind und kaum Erwachsene eine Rolle spielen. Das hat für mich die Glaubwürdigkeit ein Stück weit geschwächt.

Die Nebenfiguren bleiben leider ebenfalls recht blass. Ich hätte mir hier mehr Tiefe und stärkere Dynamiken gewünscht. Gerade in einem Mystery lebt viel von interessanten Figurenkonstellationen. Da wurde für mein Gefühl Potenzial verschenkt.

Fazit

Insgesamt ist „Death at Morning House“ von Maureen Johnson ein unterhaltsamer, schnell zu lesender YA-Mysteryroman mit einem starken historischen Handlungsstrang und angenehmen, humorvollem Schreibstil. Gleichzeitig leidet das Buch für mich unter einem zu schwachen Gegenwartsplot, einigen Längen und einem zu stark gewichteten Romance-Anteil.
Für jüngere Leserinnen, die atmosphärische Mystery mit viel Sommer-Setting mögen, funktioniert das Buch wahrscheinlich sehr gut. Ich persönlich hätte mir mehr Spannung, mehr Twists und deutlich weniger Teenie-Schwärmerei gewünscht.

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