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Veröffentlicht am 05.01.2022

Ein besinnlicher Roman, passend zur Weihnachtszeit

Ein Hund unterm Weihnachtsbaum
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In Crossing Trails häufen sich die Probleme zur Weihnachtszeit...
...Mary Ann McCray als erste Weihnachtsfrau - ein Novum für das kleine Örtchen.
Ihr Sohn, der gerade erst zurückkehrt ist um das neue ...

In Crossing Trails häufen sich die Probleme zur Weihnachtszeit...
...Mary Ann McCray als erste Weihnachtsfrau - ein Novum für das kleine Örtchen.
Ihr Sohn, der gerade erst zurückkehrt ist um das neue Tierheim zu leiten und nun mit seiner Freundin zusammen wohnt, was natürlich einige Schwierigkeiten mit sich bringt.
Und dann auch noch die netten Nachbarn, die sich scheiden lassen.
Doch zwischen all diesen Problemen tobt die kleine quirlige Mischlingshündin Elle (Noelle), tanzt sich in die Herzen ihrer Mitmenschen und rettet damit die besinnliche Weihnachtszeit!

"Ein Hund unterm Weihnachtsbaum" war mein erstes Buch von Greg Kincaid und ich wusste nicht, dass es aus dieser Reihe bereits Bücher gibt.
Das hat allerdings die Geschichte nicht groß beeinträchtigt, es war lediglich etwas schwer hinein zu kommen.

Die Charaktere sind allesamt sehr liebenswert und schön konstruiert.
Besonders gut gefällt mir, wie Mary Ann sich als Weihnachtsfrau gegen die festgefahrenen Traditionen durchsetzt und behauptetet.
Auch finde ich es super, die Geschichte mit allen Hauptpersonen erleben zu dürfen und so vielseitig Einblicke in die Gefühls- & Gedankenwelt aller zu bekommen.
Auch wenn es dadurch am Anfang etwas schwer war, die Geschichte und die Personen zu erfassen und sich einzufinden.

Der Schreibstil war recht ruhig und angenehm, Passend zur besinnlichen Weihnachtszeit.
Zusammen mit der ebenfalls sehr lockeren, entspannten Story, hat das Buch eine absolute Wohlfühlatmosphäre kreiert.

Ein Kritikpunkt für mich sind die teils veralteten Ansichten. Heiraten - Zusammenziehen - Kind. Man ist schwanger, also MUSS man heiraten.
Da hab ich mich schon gefragt in welchem Jahrzehnt das Buch spielt, denn zur heutigen Zeit sind das wohl kaum noch moderne Ansichten.

Außerdem war ich das ganze Buch über verwirrt, wann denn nun Noelle, wie Im Klappentext angekündigt, auftritt.
Dass es sich bei "Noelle" um "Elle" handelt wurde erst zum Ende hin deutlich, was ich etwas schade fand.


FAZIT

Ein absolutes Wohlfühlbuch mit netten Charakteren und einer eher recht ruhigen Storyline, passend zur besinnlichen Weihnachtszeit und für eine gemütliche Auszeit vom stressigen Alltag!

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Veröffentlicht am 26.03.2026

Schöne Kulisse, aber wenig Spannung

Les Bouttiers – Wir sind jetzt
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In „Les Bouttiers – Wir sind jetzt“ von Antonia Wesseling kehrt Elodie nach Jahren widerwillig nach Paris zurück – in die Stadt, die sie seit dem tragischen Tod ihrer Mutter gemieden hat. Eigentlich hatte ...

In „Les Bouttiers – Wir sind jetzt“ von Antonia Wesseling kehrt Elodie nach Jahren widerwillig nach Paris zurück – in die Stadt, die sie seit dem tragischen Tod ihrer Mutter gemieden hat. Eigentlich hatte sie ihren Traum von einer Karriere in der Mode längst begraben, doch als ihr Vater das angeschlagene Familienunternehmen Bouttier retten soll, führt kein Weg an der Rückkehr vorbei. Zwischen dem traditionsreichen Modehaus, alten Erinnerungen und neuen Herausforderungen wird Elodie nicht nur mit ihrer Vergangenheit konfrontiert, sondern auch mit zwei Männern, die ihr Herz durcheinanderbringen: Gabriel, ihr Adoptivcousin und einst engster Vertrauter, und Adam Le Blanc, der charismatische Erbe des konkurrierenden Modelabels, mit dem sie bereits eine leidenschaftliche Nacht verbracht hat.
Gefangen zwischen Gefühlen, Loyalitäten und Intrigen muss Elodie herausfinden, welchen Weg sie gehen will.

Der Schreibstil von Antonia Wesseling hat mir grundsätzlich wieder sehr gut gefallen. Er ist flüssig, angenehm zu lesen und gerade in emotionaleren Szenen auch wirklich atmosphärisch. Ich mag ihre Art zu Schreiben wirklich sehr gerne.
Allerdings hat es bei mir ein bisschen gedauert, bis ich richtig in die Geschichte reingekommen bin. Gerade am Anfang hat sich alles etwas gezogen, und ich hatte das Gefühl, dass vieles eher oberflächlich bleibt, anstatt wirklich in die Tiefe zu gehen. Das fand ich schade, weil gerade das Setting so viel Potenzial bietet.

Dennoch war das Setting für mich tatsächlich eines der Highlights des Buches: Paris, die Modewelt, die Fashion Shows, das ganze Drumherum – das hat mir richtig gut gefallen. Diese Einblicke in das Modehaus Bouttier und die kreativen Prozesse haben der Geschichte für mich das gewisse Etwas gegeben. Davon hätte ich mir ehrlich gesagt noch deutlich mehr gewünscht, genauso wie generell mehr „Paris-Vibes“.

Was die Handlung angeht, war ich ein bisschen zwiegespalten. Über weite Strecken war mir das Ganze fast zu unspektakulär. Es gab einige Längen, in denen einfach nicht genug passiert ist, um mich wirklich zu fesseln. Und dann kommt am Ende plötzlich ein krasser Twist, der zwar überraschend ist, für mich aber irgendwie nicht ganz zu dem eher ruhigen Verlauf davor gepasst hat. Das wirkte fast ein bisschen unausgeglichen.

Die Charaktere haben mich ebenfalls unterschiedlich abgeholt.
Elodie mochte ich grundsätzlich – sie ist sympathisch und hat durchaus Stärke. Trotzdem hat mir bei ihr etwas gefehlt. Ich hätte mir gewünscht, dass sie mehr für sich selbst einsteht, mehr ihren eigenen Weg geht, gerade was ihre Träume im Bereich Modedesign angeht. Teilweise wirkte sie auf mich ein bisschen zu passiv.

Besonders positiv überrascht hat mich Adam. Seine Figur fand ich wirklich gelungen. Seine inneren Konflikte und sein Kampf mit den Erwartungen seines Vaters waren für mich nachvollziehbar und haben ihm Tiefe gegeben. Auch die Entwicklung, die er im Laufe der Geschichte durchmacht, mochte ich sehr. Vor allem die Beziehung zwischen ihm und Elodie hat für mich funktioniert: Man hat das Knistern gespürt, die Anziehung war greifbar, und ihre Dynamik hat mich emotional am meisten abgeholt.

Ganz anders sah es bei Gabriel aus. Die Verbindung zwischen ihm und Elodie konnte ich überhaupt nicht richtig fühlen. Zusätzlich hatte ich ein Problem mit der ganzen Konstellation – auch wenn er „nur“ ihr Adoptivcousin ist, fand ich es irgendwie seltsam und ehrlich gesagt eher abstoßend, dass sie ihn anziehend findet. Das hat es mir schwer gemacht, mich auf diese Beziehung einzulassen. Dazu kam, dass ich Gabriel als Figur generell nicht besonders mochte. Er wirkte auf mich zu angepasst, zu sehr darauf bedacht, es allen recht zu machen, und dabei irgendwie blass.

Das Liebesdreieck an sich hat mich sowieso nicht wirklich angesprochen. Für mich hat es eher gestört als die Geschichte bereichert. Dazu kommt der recht hohe Spice-Anteil – der war mir persönlich teilweise zu viel und hat für mich sogar ein bisschen von der eigentlichen Chemie und Spannung zwischen den Figuren genommen, anstatt sie zu verstärken.

Fazit

Unterm Strich war „Les Bouttiers – Wir sind jetzt“ von Antonia Wesseling für mich ein Buch mit viel Potenzial, das aber nicht ganz ausgeschöpft wurde. Es gab schöne Ansätze – vor allem im Setting, im Schreibstil und in der Figur von Adam –, aber die Handlung war mir stellenweise zu langatmig und insgesamt zu wenig packend.
Für den zweiten Band wünsche ich mir vor allem: mehr Elodie, die wirklich ihren eigenen Weg geht, mehr Fokus auf Mode, mehr Paris-Atmosphäre und eine tiefere, spannendere Handlung. Dann könnte die Reihe für mich wirklich noch deutlich gewinnen.

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Veröffentlicht am 01.03.2026

Die Vergangenheit hat mich gepackt – die Gegenwart leider nicht

Death at Morning House
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Marlow nimmt einen Ferienjob auf einer abgelegenen Insel an, wo sie gemeinsam mit anderen Teenagern Führungen durch die verfallene Morning House Villa gibt. Das Anwesen hat eine düstere Vergangenheit: ...

Marlow nimmt einen Ferienjob auf einer abgelegenen Insel an, wo sie gemeinsam mit anderen Teenagern Führungen durch die verfallene Morning House Villa gibt. Das Anwesen hat eine düstere Vergangenheit: Im Sommer 1932 lebte dort ein angesehener Arzt mit seiner Familie, doch innerhalb kurzer Zeit starben mehrere Kinder und Verwandte unter mysteriösen Umständen. Seitdem hält sich hartnäckig das Gerücht, ein Fluch habe auf der Familie gelegen.
Während in der Gegenwart zunächst alles idyllisch wirkt, kippt die Stimmung, als die Historikerin, die die Ereignisse von damals untersucht, plötzlich verschwindet. Marlow beginnt zu ahnen, dass hinter der Geschichte weit mehr steckt als eine alte Spuklegende.

„Death at Morning House“ von Maureen Johnson hat mich mit seinem Grundkonzept bekommen: eine verfallene Villa auf einer Insel, eine dunkle Familiengeschichte aus den 1930ern und ein Gegenwartsrätsel mit unterschwelliger Bedrohung. Eigentlich genau meins. Und tatsächlich hatte das Buch auch einige Aspekte, die ich wirklich mochte, aber leider auch ein paar deutliche Schwächen.

Was mir sofort positiv aufgefallen ist, war der Schreibstil. Johnson schreibt sehr locker, teilweise humorvoll und unglaublich flüssig. Ich bin nur so durch die Seiten geflogen. Gerade für jüngere Leser*innen ist das super zugänglich, weil der Ton leicht und modern wirkt, ohne zu simpel zu sein. Gleichzeitig baut sie immer wieder eine leise, unterschwellige Unruhe auf: dieses Gefühl, dass irgendetwas nicht stimmt. Das mochte ich sehr.

Besonders gelungen fand ich zudem den Vergangenheitsstrang rund um die Familie aus dem Jahr 1932. Diese Passagen waren für mich eindeutig das Highlight des Buches. Die Ereignisse wirken von Anfang an verdächtig, und man merkt die ganze Zeit: Hier steckt mehr dahinter als ein angeblicher Fluch. Ich habe richtig gerne mitgerätselt und versucht, die Puzzleteile zusammenzusetzen. Die Auflösung in diesem Handlungsstrang kam für mich auch durchaus überraschend und hat sich stimmig angefühlt. Davon hätte ich mir ehrlich gesagt noch mehr gewünscht.

Das Setting der Insel trägt ebenfalls viel zur Atmosphäre bei. Diese abgeschiedene, leicht unheimliche Sommerkulisse funktioniert grundsätzlich sehr gut und passt perfekt zur Geschichte. Gerade am Anfang hatte ich richtig Lust auf einen atmosphärischen Mystery-Plot.

Leider konnte der Gegenwartsstrang für mich da nicht mithalten. Hier hatte das Buch für mein Empfinden ziemlich viele Längen. Die Handlung braucht sehr lange, bis sie wirklich Fahrt aufnimmt, und zwischendurch passiert einfach zu wenig Spannendes. Ich habe öfter gedacht: Da müsste jetzt mehr kommen. Die Bedrohung bleibt eher schwach, und echte Mystery-Spannung wollte sich bei mir selten einstellen.

Auch die große Enthüllung am Ende hat mich nicht wirklich umgehauen. Vieles lief mir zu geradlinig und glatt, ohne größere Wendungen oder echte Überraschungsmomente. Gerade weil der historische Strang gezeigt hat, wie viel Potenzial in der Geschichte steckt, fand ich das etwas schade.

Mit Marlow als Hauptfigur bin ich ebenfalls nicht richtig warm geworden. Sie ist erst 14, was man ihrem Verhalten auch deutlich anmerkt. Vielleicht bin ich einfach nicht mehr ganz die Zielgruppe, aber mich hat es irgendwann genervt, wie sehr ihr Fokus auf Schwärmereien und Attraktivität lag. Gefühlt findet sie ständig irgendwen toll, und der Liebesaspekt nimmt mir zu viel Raum ein und zwar auf Kosten der eigentlichen Kriminalgeschichte. Für mich wirkte das stellenweise sehr vorpubertär und hat mich eher aus der Spannung rausgebracht.

Was ich außerdem etwas unrealistisch fand: Dass auf der Insel zeitweise praktisch nur Jugendliche unterwegs sind und kaum Erwachsene eine Rolle spielen. Das hat für mich die Glaubwürdigkeit ein Stück weit geschwächt.

Die Nebenfiguren bleiben leider ebenfalls recht blass. Ich hätte mir hier mehr Tiefe und stärkere Dynamiken gewünscht. Gerade in einem Mystery lebt viel von interessanten Figurenkonstellationen. Da wurde für mein Gefühl Potenzial verschenkt.

Fazit

Insgesamt ist „Death at Morning House“ von Maureen Johnson ein unterhaltsamer, schnell zu lesender YA-Mysteryroman mit einem starken historischen Handlungsstrang und angenehmen, humorvollem Schreibstil. Gleichzeitig leidet das Buch für mich unter einem zu schwachen Gegenwartsplot, einigen Längen und einem zu stark gewichteten Romance-Anteil.
Für jüngere Leserinnen, die atmosphärische Mystery mit viel Sommer-Setting mögen, funktioniert das Buch wahrscheinlich sehr gut. Ich persönlich hätte mir mehr Spannung, mehr Twists und deutlich weniger Teenie-Schwärmerei gewünscht.

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Veröffentlicht am 28.02.2026

Chaos mit Charme und kleinen Stolpersteinen

Josh and Hazel's Guide to Not Dating
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Josh und Hazel kennen sich seit dem College – ihre wenigen Begegnungen damals waren eher peinlich als vielversprechend. Jahre später laufen sie sich überraschend wieder über den Weg: Josh ist der Bruder ...

Josh und Hazel kennen sich seit dem College – ihre wenigen Begegnungen damals waren eher peinlich als vielversprechend. Jahre später laufen sie sich überraschend wieder über den Weg: Josh ist der Bruder von Hazels bester Freundin. Aus dem vorsichtigen Wiedersehen wird schnell eine enge Freundschaft. Nach Joshs schmerzhafter Trennung nimmt Hazel es sich zur Aufgabe, ihn aus seinem emotionalen Loch zu holen. Ihre Lösung: gegenseitig arrangierte Blind-Doppel-Dates. Was als freundschaftliche Ablenkung beginnt, endet regelmäßig im Chaos – und zwischen all den schrägen Dates und Katastrophen fängt es plötzlich an, zwischen Hazel und Josh zu knistern. Aber können zwei Menschen, die kaum unterschiedlicher sein könnten, wirklich zusammenpassen?

„Josh and Hazel's Guide to Not Dating“ von Christina Lauren hat mich auf eine sehr ambivalente Art unterhalten: Ich habe viel gelacht, die Seiten sind nur so verflogen und trotzdem blieb am Ende ein leicht gedämpftes Gefühl zurück.

Besonders gut gefallen, hat mir der Schreibstil der beiden Autorinnen. Dieser ist unglaublich erquicklich, selbstironisch und humorvoll. Die Dialoge sprühen vor Wortwitzen, Situationskomik und einer sehr modernen, lockeren Tonalität. Das Buch liest sich dadurch extrem schnell, fast schon wie ein Binge-Watch einer romantischen Comedy-Serie.

Hazel als Protagonistin ist für mich ganz klar das Herz des Romans. Ich habe sie von Anfang an als nicht neurotypisch, sondern neurodivergent wahrgenommen: hibbelig, aufgedreht, chaotisch, direkt, manchmal sozial ungeschickt, oft als „etwas verrückt“ abgestempelt. Sie macht Dinge auf ihre ganz eigene, sehr hazelhafte Weise. Und das Beste daran: Sie weiß das. Hazel versucht nicht, sich anzupassen oder leiser zu werden, nur um anderen zu gefallen. Sie steht zu sich – auch wenn das bedeutet, anzuecken. Diese Selbstakzeptanz fand ich unglaublich erfrischend. Hazel ist keine glattgebügelte Figur, sondern eine mit Ecken, Macken und einem riesigen Herzen.

Josh ist dagegen Hazels komplettes Gegenteil: ruhig, strukturiert, ordnungsliebend, bodenständig. Und genau hier funktioniert die Dynamik der beiden so gut. Was mir besonders gefallen hat: Josh verurteilt Hazel kein einziges Mal für ihre Art. Er versucht nicht, sie zu ändern oder zu „normalisieren“, sondern unterstützt sie genau darin, sie selbst zu sein. Diese wertschätzende Haltung habe ich als sehr wohltuend empfunden.
Zusammen harmonieren sie überraschend gut, vielleicht gerade wegen ihrer Gegensätzlichkeit. Chaos trifft Struktur, Impulsivität trifft Ruhe und daraus entsteht etwas sehr Warmes, Vertrautes.

Auch die Nebenfiguren, insbesondere Emily und ihr Mann, fügen sich angenehm in dieses Bild ein. Sie begegnen Hazel ohne Vorbehalte, ohne Bewertungen, ohne Bedingungen. Dieses akzeptierende Umfeld verstärkt die warme, grundsätzlich positive Atmosphäre des Romans und hat mir wirklich gefallen.

Und trotzdem: So sehr ich die Figuren mochte, so sehr hatte ich Probleme mit der Entwicklung ihrer Beziehung. Die Freundschaft zwischen Josh und Hazel fühlt sich für mich von Anfang an merkwürdig konstruiert an. Hazel entscheidet praktisch im Alleingang, dass sie nun beste Freunde sind und das wird von allen Beteiligten einfach akzeptiert. Besonders irritierend fand ich, dass im Text behauptet wird, sie seien bereits im College beste Freunde gewesen, obwohl sie dort kaum wirklichen Kontakt hatten. Dann vergehen sieben Jahre ohne nennenswerte Annäherung, und plötzlich sind sie wieder da – ohne vorsichtiges Herantasten, ohne Aufbau, sondern direkt auf „beste Freundschaft“. Das funktionierte für mich emotional einfach nicht und blieb schwer nachvollziehbar.

Im weiteren Verlauf störte mich außerdem, dass im letzten Drittel sehr viel Fokus auf Sex gelegt wird – gerade im Kontext von zwei Menschen, die sich selbst permanent einreden, sie würden „nichts fühlen“ und seien doch „nur Freunde“. Diese Diskrepanz zwischen Behauptung und Handlung war für mich nicht stimmig.

Besonders kritisch sehe ich zudem, dass das erste Mal zwischen Josh und Hazel stattfindet, während beide betrunken sind und sich am nächsten Tag nur bruchstückhaft erinnern können. Ja, das mag realistisch sein, aber romantisch oder schön fand ich es nicht. Für mich hatte diese Szene einen unangenehmen Beigeschmack, der nicht nötig gewesen wäre.

Zusätzlich wird im letzten Drittel ein bestimmter Trope (ohne jetzt spoilern zu wolllen) eingesetzt, den ich persönlich in Romanen absolut nicht leiden kann. Für mich wirkte er unnötig melodramatisch, fast altmodisch, und hat die zuvor so leichte, moderne Atmosphäre spürbar gedämpft. Ein ruhigerer, reiferer Abschluss hätte mir deutlich besser gefallen und hätte besser zu den Figuren gepasst.

Fazit

„Josh and Hazel’s Guide to Not Dating“ von Christina Lauren ist ein unterhaltsamer, humorvoller Roman mit einer außergewöhnlichen Protagonistin, die ich trotz aller Kritik sehr ins Herz geschlossen habe. Hazel ist laut, chaotisch, anders und genau darin liegt ihre Stärke. Die wertschätzende Dynamik zwischen ihr und Josh sowie der erfrischende Schreibstil machen das Buch lesenswert.
Gleichzeitig leidet die Geschichte für mich unter einer wenig glaubwürdigen Beziehungsentwicklung, problematischen Entscheidungen und einem Finale, das ich so nicht gebraucht hätte, was mein Leseerlebnis insgesamt etwas geschmälert hat.

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Veröffentlicht am 21.02.2026

Mehr cozy Café und Buchclub als Gefühl

Books & Coffee - An Wunder muss man glauben
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In „Books & Coffee – An Wunder muss man glauben“ (Band 2) von Ella Lindberg kehrt Emilia nach einer Reihe persönlicher Tiefschläge in ihre Heimatstadt zurück. Ohne Job, ohne Beziehung und ohne echte Perspektive ...

In „Books & Coffee – An Wunder muss man glauben“ (Band 2) von Ella Lindberg kehrt Emilia nach einer Reihe persönlicher Tiefschläge in ihre Heimatstadt zurück. Ohne Job, ohne Beziehung und ohne echte Perspektive landet sie wieder bei ihren Eltern und beginnt widerwillig im Antiquariat ihrer Tante zu arbeiten. Dort begegnet sie Lucy, der warmherzigen Besitzerin des Café Zuckerzeit, und findet im gemeinsamen Buchclubprojekt langsam wieder Halt.
Doch während sie versucht, ihr Leben neu zu ordnen, taucht nicht nur ihr Exfreund Markus wieder auf, sondern auch Lucys Bruder Florian, den sie noch aus Schulzeiten kennt, bringt Emilias Gefühlswelt durcheinander.

Ich habe mich wirklich auf „Books & Coffee – An Wunder muss man glauben“ von Ella Lindberg gefreut, weil ich den ersten Band mochte und das Setting rund um Bücher, Café und Kleinstadtflair einfach total mein Ding ist. Insgesamt war das Buch für mich auch ganz nett, aber leider hat es mich emotional nicht so gepackt, wie ich gehofft hatte.

Der Schreibstil liest sich wie gewohnt angenehm und flüssig. Ich bin schnell durch die Seiten gekommen, ohne irgendwo hängen zu bleiben. Lindberg schreibt sehr zugänglich, leicht und ruhig, was grundsätzlich gut zum cozy Setting passt. Gleichzeitig war mir der Ton stellenweise fast zu ruhig. Die Geschichte plätschert über weite Strecken sehr unaufgeregt vor sich hin. Es passiert nicht wirklich viel Spannendes, keine größeren emotionalen Peaks, keine Momente, bei denen ich dachte: Okay, jetzt muss ich unbedingt weiterlesen. Für zwischendurch war das Buch absolut okay, aber es war nichts, was ich kaum aus der Hand legen konnte.

Atmosphärisch mochte ich die Rückkehr ins Café Zuckerzeit wieder sehr. Das Setting ist einfach unglaublich süß und gemütlich beschrieben, und genau diese Wohlfühlvibes kann Lindberg wirklich gut. Besonders gefreut habe ich mich, Lucy und Clara wiederzutreffen. Die beiden bringen für mich deutlich mehr Herz in die Geschichte und sorgen für Wärme, die mir an anderer Stelle ein bisschen gefehlt hat.

Emilia als Protagonistin konnte mich leider nicht vollständig überzeugen. Ich habe zwar verstanden, dass sie an einem Tiefpunkt steht, aber sie wirkte auf mich oft sehr genervt, kraftlos und irgendwie distanziert. Mir hat bei ihr ein bisschen die emotionale Tiefe gefehlt. Viele ihrer Gedanken blieben für mich seltsam blass, sodass ich nicht richtig mit ihr mitfühlen konnte. Sympathisch war sie für mich nur phasenweise.

Auch die Liebesgeschichte — eigentlich ja das Herzstück — hat mich nicht wirklich erreicht. Die Entwicklung zwischen Emilia und Florian wirkte auf mich nicht ganz rund. Sehr lange passiert zwischen den beiden kaum etwas, sie interagieren relativ wenig, und plötzlich sind da (alte?) Gefühle. Für mich kam das ziemlich abrupt und nicht ganz authentisch. Ich konnte die Verbindung zwischen ihnen emotional leider nicht richtig nachempfinden, was schade ist, weil hier eigentlich viel Potenzial gewesen wäre.

Positiv hervorheben möchte ich den Buchclub. Die Idee und die Umsetzung fand ich wirklich schön. Besonders mochte ich, wie dort ganz unterschiedliche Menschen zusammenkommen, sich langsam annähern, Gemeinsamkeiten entdecken und als Gruppe zusammenwachsen. Diese Dynamik hatte viel Wärme und war für mich einer der stärkeren Aspekte der Geschichte. Allerdings hätte ich mir auch hier noch mehr Tiefe gewünscht. Vieles wurde eher angerissen als wirklich ausgearbeitet.

Was mich am Ende etwas nachdenklich zurückgelassen hat: Rund um Clara werden einige Konflikte und Andeutungen gestreut, die nicht vollständig aufgelöst werden. Das wirkt fast so, als wäre noch ein weiterer Band geplant. Ich bin tatsächlich neugierig, ob ihre Geschichte noch weitergeführt wird, weil hier spürbar noch offene Fäden liegen.

Fazit

Unterm Strich war das Buch für mich eine ruhige, cozy Lektüre für zwischendurch mit einem sehr schönen Setting und liebgewonnenen Nebenfiguren. Emotional konnte es mich aber weder mit der Hauptfigur noch mit der Liebesgeschichte vollständig abholen. Mir persönlich hat diesmal leider ein bisschen Spannung, Tiefe und Herzklopfen gefehlt.

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