Profilbild von Furbaby_Mom

Furbaby_Mom

Lesejury Star
offline

Furbaby_Mom ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Furbaby_Mom über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 28.01.2022

Mitreißend und romantisch!

Die Rebellinnen von Oxford - Furchtlos
0

"Sie war strahlend wie das Licht und beschäftigte sich mit Farben; er hatte die Dunkelheit geatmet und in sich aufgenommen, so lange darin gelebt, dass sie nun in ihm lebte, ein Teil von ihm war."

Ich ...

"Sie war strahlend wie das Licht und beschäftigte sich mit Farben; er hatte die Dunkelheit geatmet und in sich aufgenommen, so lange darin gelebt, dass sie nun in ihm lebte, ein Teil von ihm war."

Ich hatte schon viel Positives über Evie Dunmores Oxford-Rebels-Reihe gehört und war unheimlich gespannt darauf, wie mein Reiheneinstieg mit dem vorliegenden 3. Band wohl verlaufen würde. Da jedes der Werke eine in sich geschlossene Geschichte darstellt, in welcher stets eine andere der 4 Freundinnen Annabelle, Lucie, Hattie und Catriona im Fokus steht, konnte ich der Handlung um die bis dato vom Glück recht verwöhnte Hattie Greenfield, die sich nach einem gesellschaftlichen Patzer in einer ungewollten Ehe mit dem von der feinen Gesellschaft verachteten Lucian Blackstone wiederfindet, prima folgen.

Bis kurz vor dem Ende des immerhin fast 550 Seiten starken Schmökers war ich mir sicher, dass ich das Buch mit 5 Sternen bewerten würde, so sehr begeisterte mich der fesselnde, durch und durch einnehmende Schreibstil, in dem bildgewaltige Landschaftsbeschreibungen ebenso Platz fanden wie scharfsinnige Beobachtungen der beiden höchst unterschiedlichen und doch gleichermaßen vielschichtig ausgearbeiteten Hauptfiguren, aus deren Perspektive abwechselnd erzählt wird. Vor allem die neckischen Vergleiche hatten es mir angetan, ich liebte Formulierungen wie "orientierungslos wie eine Eule, die man rüde aus einem Nickerchen geweckt hatte". Die witzige Charakterbeschreibung "selektiv abergläubisch" habe ich direkt in meinen Sprachgebrauch übernommen. Die sündhaft heißen Passagen zwischen Lucian und Hattie gefielen mir ausgesprochen gut; zwischenzeitlich hatte ich das Gefühl einen 1880er New-Adult-Roman (auch wenn Lucian schon 29 Jahre alt war) in den Händen zu halten - wohlerzogenes, heimlich rebellisches Mädchen aus gutem Hause hat eine schicksalhafte Begegnung mit attraktivem Bad Boy und kann ihm nicht widerstehen, herrlich! Auch mein Jane-Austen-Herz war höchst zufrieden, versprühte die Story doch gewisse "Stolz-und-Vorurteil"-Vibes – mit Betonung auf Vorurteil, insbesondere im Hinblick auf Lucians Charakter, der mir eindeutig der liebste Protagonist war. "Alarmierend. Ein Mann, der weiblichem Charme gegenüber immun war, war gefährlich, da einer Frau kaum eine andere Waffe zur Verteidigung ihrer Interessen blieb als ihr Charme."

Neben dem romantischen Aspekt nahmen zahlreiche andere Themen bedeutend viel Raum ein, z.B. der Kampf um Frauenrechte, die schändlichen Arbeitsbedingungen in Minen, Kinderarbeit und das zum damaligen Zeitpunkt noch recht umständliche Fotografie-Verfahren. Zwischenzeitlich wurden mir insbesondere die politisch angehauchten, sachlichen Passagen etwas zu viel und ich hätte mir gewünscht, dass die so wunderbar aufgebaute, prickelnd aufgeladene Stimmung zwischen Lucian und Hattie noch öfter im Vordergrund gestanden hätte. Die Reise nach Schottland und die Schilderung der dortigen Bekanntschaften und Ereignisse waren genau nach meinem Geschmack, interessant gestaltet, klug und mal humorvoll, mal ernst und die Missstände anprangernd erzählt. Auf jeden Fall wird die gründliche Recherche der Autorin deutlich.

Die Suffragistin Hattie war mir mit ihrer gütigen, unbeholfenen Art zu Beginn der Handlung deutlich lieber als gegen Ende; irgendwann hörte ich von ihr permanent nur noch 'ich, ich, ich', IHRE Wünsche, IHRE Bedürfnisse, IHRE Erwartungen, IHRE Anforderungen – auf Gefühle anderer nahm sie kaum Rücksicht. Angesichts ihrer eigensinnigen Attitüde und ihres z. T. belehrenden Tonfalls war ich immer mehr geneigt, Lucians anfängliche Meinung über sie als "verwöhntes Gör" zu teilen. Fräulein Moralapostel bog sich die Gegebenheiten immer fein zurecht, wie es ihr gerade passte. Allerdings verstand ich ihren Frust über die unfassbar ungerechte Rollenverteilung in der viktorianischen Gesellschaft, die Ausweglosigkeit, mit der Frauen konfrontiert waren - "[…] nur Weniges war empörender als Frauen, die lautstark einforderten, vor dem Gesetz wie Menschen behandelt zu werden". Sie sollten der 'Engel im Haus' sein, sich einzig um Haushalt, Gatten und Kinder kümmern, überhaupt war die Mutterschaft das allerhöchste Ziel. In der Ehe nahmen Frauen die untergeordnete Position ein, verloren beinahe sämtlichen Besitz und dadurch auch jegliche eventuelle Chance auf das daran gekoppelte Wahlrecht.

Nachfolgend ein paar Worte dazu, warum ich einen Stern abgezogen habe. Diese Beurteilung ist direkt an die Handlung geknüpft und eine nähere Erläuterung folglich leider nicht ohne SPOILER möglich, daher an dieser Stelle eine ausdrückliche SPOILER-Warnung.

** ACHTUNG, SPOILER! *
Lucians Wandel zum liebenden Ehemann verlief absolut glaubwürdig; man spürte, wie er mit sich rang und sich erst nach und nach fallen lassen konnte. Dass er gegen Ende allerdings zum vernarrten Schoßhündchen mutiert, bei dem Hattie nur mit dem Finger zu schnipsen braucht, um ihren Willen zu bekommen, und dass ihr Aufenthalt in Frankreich, der in meinen Augen nur ihrem Ego diente, noch damit belohnt wird, dass Lucian ihr nachläuft und um sie betteln muss, fand ich zu viel des Guten. Ich mochte den Roman – die spannende Handlung, die Romantik, den Schreibstil, das Setting, die Figuren – bis dahin so, so gerne, aber diese Entwicklung am Ende hat mich kalt erwischt, ernüchtert und ganz aus der Stimmung gebracht, und in Kombination mit den teilweise zu ausschweifenden Politikpassagen letztlich dafür gesorgt, dass ich nur 4 Sterne vergeben kann.
* SPOILER-ENDE **

Fazit: Abgesehen von der Figurenentwicklung ganz am Schluss hat das Werk mich begeistert und ich habe die restlichen Bände der Reihe allesamt auf meine Wunschliste gesetzt. Klare Leseempfehlung für alle, die sexy Liebesromane mögen und ein Faible für historische Romane haben.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 20.01.2022

Süßer, recht kurzer Roman - vielversprechender Reihenauftakt

Heart of Texas - Der Himmel so frei
0

U.S. Bestsellerautorin Debbie Macomber ist bekannt für ihre hochemotionalen Romane, speziell ihre Blossom-Street-Reihe habe ich verschlungen und "Eine Schachtel voller Glück" zählt sogar zu meinen Lieblingswerken ...

U.S. Bestsellerautorin Debbie Macomber ist bekannt für ihre hochemotionalen Romane, speziell ihre Blossom-Street-Reihe habe ich verschlungen und "Eine Schachtel voller Glück" zählt sogar zu meinen Lieblingswerken im Bereich Wohlfühlliteratur. In Kombination mit der Tatsache, dass ich ein Faible für die U.S. Südstaaten habe, waren es vor allem das im rustikalen Holz-Look gehaltene Cover sowie das wildromantische Setting einer texanischen Ranch, die meine Neugier auf diese neue Reihe geweckt haben. Folglich hatte ich hohe Erwartungen, welche größtenteils (- wenn auch nicht ganz -) erfüllt wurden.

Die sanftmütige Rosenliebhaberin Savannah und ihr temperamentvoller Bruder Grady hätten nach dem Unfalltod ihrer Eltern um ein Haar die Yellow Rose Ranch verloren. Ein hinterlistiger Betrug durch ihren Bruder Richard hatte damals ihre tragische Situation noch zusätzlich verschlimmert. Mittlerweile haben sie zwar das Schlimmste überstanden, doch zu welchem Preis? "Grady hatte sich seitdem völlig verändert. […] Er hatte seine Jugend geopfert, um das Land behalten zu können, das sich seit Generationen im Besitz der Familie befand. […] wahrscheinlich hätte er längst eine Familie gegründet, wenn er sich nicht voll und ganz der Ranch hätte verschreiben müssen". Er kann sich nicht erinnern, wann er das letzte Mal von Herzen gelacht hat, schuftet sich kaputt und sorgt sich in der verbleibenden Zeit um seine Schwester. Seitdem diese nämlich den dahergelaufenen Cowboy Laredo Smith von der Straße aufgegabelt, mit nach Hause gebracht und kurzerhand zur Unterstützung für die Arbeit mit ihrer Rosenzucht angestellt hat, ist die junge Frau nicht wiederzuerkennen und wandelt umher wie ein verknallter Teenager. Grady befürchtet, dass der ominöse Fremde Savannahs Herz brechen und ihre Gutmütigkeit ausnutzen wird. Ihre beste Freundin Caroline hingegen ist überzeugt davon, dass Grady mit seiner abweisenden Haltung womöglich das Lebensglück seiner Schwester gefährdet. Und mitten im größten Trubel taucht plötzlich jemand bei den Geschwistern auf, der die gesamte zwischenmenschliche Dynamik auf der Ranch gehörig auf den Kopf stellt.

Während die Hauptcharaktere sympathisch und nachvollziehbar gezeichnet und die Dialoge glaubwürdig gestaltet worden sind, fehlte mir insgesamt die Tiefe. Ich mochte die Figuren, hätte statt den knapp 200 Seiten jedoch den doppelten Umfang für sinnvoller gehalten, um ihnen (und der Story insgesamt) mehr Raum zur Entfaltung zu geben. So aber kratzte alles gerade mal an der Oberfläche. Für einen Reihenauftakt mag das okay sein (schließlich müssen auch das Setting sowie diverse Nebenfiguren vorgestellt und zukünftige Entwicklungen angeteasert werden -), in den Folgebänden erwarte ich allerdings deutlich mehr Substanz in Sachen Gefühl und einen ausgereifteren Spannungsbogen. Erzählt wird aus verschiedenen Perspektiven, jeweils in der dritten Person.

Fazit: Die Geschichte um Savannah und Laredo fand ich nett – etwas seicht, klischeebehaftet, vorhersehbar und (in Bezug auf den kurzen Zeitrahmen) leicht übertrieben, aber angenehm entschleunigend und unterhaltsam. Wenn man sich darauf einlässt und ein Buch zum entspannten Zurücklehnen sucht, ist man hiermit gut beraten. Ich freue mich schon jetzt total auf Gradys Story und hoffe, dass meine Favoritin - die alleinerziehende Caroline - seine Herzdame werden wird.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 19.01.2022

Hoffentlich wird diese Buchreihe fortgesetzt!

Highland Hope 4 - Eine Bäckerei für Kirkby
0

Mit diesem (hoffentlich nur vermeintlichen) Reihenabschluss verabschiedet sich Autorin Charlotte McGregor mit einem Feuerwerk der Emotionen und Plottwists aus Kirkby, jenem liebgewonnenen kleinen Örtchen ...

Mit diesem (hoffentlich nur vermeintlichen) Reihenabschluss verabschiedet sich Autorin Charlotte McGregor mit einem Feuerwerk der Emotionen und Plottwists aus Kirkby, jenem liebgewonnenen kleinen Örtchen in den schottischen Highlands, deren liebenswerte, verschrobene, tratschfröhliche Einwohner:innen mir über die letzten Jahre arg ans Herz gewachsen sind. Wie gerne denke ich an all die angenehmen Lesestunden zurück, die ich nun schon gemeinsam mit der Großfamilie Fraser verbringen durfte! Und so fühlt sich dieser langersehnte Band um den charismatischen Musiker und Weltenbummler Lennox Fraser wie ein bittersüßer Abschied an – zwar brannte ich seit dem Auftakt der Reihe darauf, mehr über das schwarze Schaf der Familie zu erfahren, aber nun fällt mir das Loslassen dieser sympathischen Ortsgemeinschaft doch recht schwer.

Der von klein auf hochbegabte Lennox hätte nie gedacht, dass er eines Tages freiwillig in das winzige Kaff Kirkby zurückkehren würde. Im Gegensatz zu seinen Geschwistern hat er von seinem eigensinnigen, sturen Vater Marlin nie einen Funken Anerkennung, geschweige denn Unterstützung hinsichtlich seiner beruflichen (= musikalischen) Ambitionen erhalten und fühlte sich stets außen vor. Doch ein Podcast der charmanten Ärztin Anna, die selbst erst vor einer Weile nach Kirkby gezogen ist und nun über ihr Leben dort berichtet, schafft das Unmögliche, weckt Lennox' Heimweh und seine Neugier auf die ungeheuer interessant klingende junge Frau. Als er Anna schließlich im Rahmen eines Glücks-Yoga-Workshops das erste Mal gegenübersteht, trifft ihn beinahe der Schlag – und auch sie spürt seine angestauten Emotionen. War es ein Fehler, zurückzukehren? Lennox' Geschwister jedenfalls freuen sich wie verrückt über seine Ankunft und drängen ihn, das Gespräch mit dem Familienpatriarchen zu suchen. Niemand hätte allerdings geahnt, dass Marlin ein unglaubliches Geheimnis hütet, welches ausgerechnet jetzt ans Licht drängt und die gesamte Familie bis ins Mark zu erschüttern droht.

Ich hatte mir ja einige Theorien zurechtgelegt, was es mit Marlins schier unerschöpflichen finanziellen Mitteln auf sich haben könnte, aber ich lag grandios daneben – niemals hätte ich mit solch einer Überraschung gerechnet! Seinen Kindern zieht das Ausmaß des Geheimnisses die Schuhe aus. Insbesondere Lennox erscheint das Ganze wie blanker Hohn, dennoch steckt er die Neuigkeit noch am gefasstesten weg, immerhin war das Verhältnis zu seinem Vater seit jeher miserabel. Ist jetzt womöglich die Zeit gekommen, einander endlich die Hand zu reichen?

Mal wieder hat die Autorin es geschafft, eine spannende Geschichte so zu erzählen, dass Kirkby-Neulinge ohne Hintergrundwissen zur Story sich wunderbar darin zurechtfinden, und alte Hasen direkt an die bisherige Handlung anknüpfen können, toll! Sowohl Lennox' als auch Annas Charakterzeichnung gefällt mir ausgesprochen gut; ich habe mich prima in beide Hauptfiguren hineinversetzen können, fühlte Lennox' emotionale Zerrissenheit und seinen kreativen Drang, und spürte Annas Sehnsucht nach Harmonie und Familienzugehörigkeit. Lediglich etwas mehr Romantik hätte ich mir gewünscht.

Aus meiner Sicht gibt es noch so viele Figuren, die definitiv einen eigenen Band verdient hätten, allen voran der smarte Bürgermeister Collum und Annas witzige Freundin Linda, außerdem Kristie Fraser, die mir im vorliegenden Band ganz klar zu kurz kam. Dank eines cleveren Schachzugs der Autorin liefert das Ende der Geschichte zudem eine weitere Steilvorlage für eine Fortsetzung.

Fazit: Ich drücke uns Kirkby-Fans die Daumen, dass die letzte Zeile über die Frasers noch nicht geschrieben worden ist! Und sollte dies doch der Fall sein, bedanke ich mich an dieser Stelle herzlich bei Charlotte McGregor für diese wunderschöne Buchreihe.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 15.01.2022

Ein Leben für das Wohl der Tiere

Die Frauen von Schönbrunn (Die Schönbrunn-Saga 1)
0

Ein Leben für das Wohl der Tiere - dieser Untertitel des im Januar 2022 bei Ullstein erschienenen historischen Romans von Beate Maly ist Programm in der Geschichte um jenen legendären Tiergarten, der bereits ...

Ein Leben für das Wohl der Tiere - dieser Untertitel des im Januar 2022 bei Ullstein erschienenen historischen Romans von Beate Maly ist Programm in der Geschichte um jenen legendären Tiergarten, der bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts zu den schönsten der Welt zählte und noch heute als ein berühmtes Wahrzeichen der Stadt Wien gilt.

Beginnend im Jahre 1914 (im Prolog), erleben wir den Alltag der jungen Tierpflegerin Emma in den Kriegsjahren 1917/18, die sich voller Hingabe um die Tiere der kaiserlichen Menagerie kümmert. Sie träumt davon, eines Tages in die Fußstapfen ihres Vaters zu treten, der als Tierarzt arbeitet; allerdings sind Frauen für das Studium der Veterinärmedizin in Wien nicht zugelassen, in Zürich jedoch schon. Kurz bevor der Erste Weltkrieg ausbricht, scheint Emmas Traum von einem Studium in der Schweiz bereits zum Greifen nahe; mit ihrer Arbeit im Zoo möchte sie die für ihre kühnen Zukunftspläne benötigten Ersparnisse aufbessern und erste Erfahrungen in Sachen artgerechter Tierhaltung und -betreuung sammeln. Aber dann werden ihr Vater sowie der Ehemann ihrer schwangeren Schwester Greta eingezogen, und das Grauen des Krieges trifft sie mit voller Wucht. Obwohl unter kaiserlicher Fürsorge stehend, ist der Tiergarten ebenso von Versorgungsengpässen betroffen wie der Rest der Bevölkerung. Brennholz und Lebensmittel sind knapp, jeder hungert und friert. Die Lage wird immer dramatischer, teilweise müssen sogar Tiere verfüttert werden. Die Autorin versteht es wunderbar, diese Tragik einzufangen – wir lesen von Armut, überlastetem Krankenhauspersonal, verstörten und verstümmelten Soldaten, und erleben mit, wie die Futterrationen der Tiere streng dosiert werden. Es fehlt an allem. Das triste und vom Krieg gebeutelte Straßenbild des einst prunkvollen Wiens tauchte beim Lesen vor meinem inneren Auge auf; auch das Gelände des Tiergartens, wo sich der Großteil der Handlung abspielt, ist authentisch beschrieben worden.

Für mich hätte der Roman auch ohne Liebesgeschichte prima funktioniert, da die Geschichte des Zoos mich generell interessiert, aber die Schilderungen der Arbeit mit den Tieren sind gleichermaßen präsent wie die zwischenmenschliche Beziehung zwischen Emma und dem sympathischen, vom Krieg desillusionierten Tierarzt Julius Winter. Der für die damalige Zeit in vielerlei Hinsicht recht fortschrittlich denkende Mann hinterlässt zunächst keinen sonderlich schmeichelhaften Eindruck bei Emma, entpuppt sich allerdings bald als große Hilfe im Kampf um das Wohl der Tiere.

Besonders berührt hat mich das Schicksal der einsamen Orang-Utan Dame Fanny, die sich zuckersüß über jede persönliche Zuwendung und die Spieleinheiten mit Emma freut. Auch die Passagen mit dem Zebra Charlie und dem von einem Soldaten erschossenen Eisbären gingen mir nahe.

Weniger gut gefiel mir die Tatsache, dass der Antagonist der Story, der Zoologe und stellvertretende Zoodirektor Hubert von Kochauf, recht eindimensional gezeichnet worden ist. Er ist eine wahre Hassfigur: grausam, arrogant, herablassend, herzlos, gewalttätig, schmierig - die Liste ließe sich endlos fortsetzen. Dieser Widerling kann es nicht erwarten, verstorbene Tiere zu sezieren, interessiert sich rein für ihre Anatomie, nicht für ihre Lebensumstände. Zudem hat er ein Auge auf die hübsche Emma geworfen und weigert sich, ihre Ablehnung zu akzeptieren. Mir persönlich gefällt es stets besser, wenn Figuren Ecken und Kanten haben, schließlich sind im echten Leben die wenigsten Menschen 'nur gut' bzw. 'nur böse'.

Das wunderschöne, atmosphärische, in Sepiatönen gehaltene Cover setzt sich im Innencover fort und entspricht ganz meinem Geschmack; es passt hervorragend zur Story. Erzählt wird in der dritten Person, abwechselnd aus Emmas und Julius' Perspektive. Der Schreibstil ist leicht verständlich und geprägt von authentischen Dialogen, inklusive diverser österreichischer Begriffe.

Fazit: Insgesamt liest sich das Buch durchaus angenehm, wenn auch ohne große Überraschungen und nicht ganz so stimmungsvoll, bildgewaltig und mitreißend wie mein bisheriges Lieblingswerk der Autorin, "Fräulein Mozart und der Klang der Liebe". Meine für die Grundidee und ihre schriftstellerische Umsetzung angedachten 3 ½ Sterne runde ich gerne auf, da der Roman mich gut unterhalten hat.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 08.01.2022

Nette Friends-to-Lovers-Romance, die sich gemächlich entwickelt

Anti-Boyfriend
0

Penelope Ward ist mir vor allem als Mitglied des Autorinnen-Duos mit Vi Keeland bekannt, beweist aber mit diesem Werk, dass sich auch ihre Soloprojekte durchaus sehen lassen können.

Die alleinerziehende ...

Penelope Ward ist mir vor allem als Mitglied des Autorinnen-Duos mit Vi Keeland bekannt, beweist aber mit diesem Werk, dass sich auch ihre Soloprojekte durchaus sehen lassen können.

Die alleinerziehende Carys ist hin und weg von ihrem sexy Nachbarn: Deacon sieht einfach umwerfend gut aus. Dumm nur, dass sein Schlafzimmer direkt an ihres grenzt und sie somit regelmäßig Zeugin seiner lautstarken Bettaktivitäten wird, die ihr den ohnehin schon spärlichen Schlaf rauben. Als sie all ihren Mut zusammennimmt und ihm die Meinung geigt, erlebt sie eine Überraschung: Der Womanizer zeigt sich peinlich berührt, entschuldigt sich und entpuppt sich als richtig netter Kerl, der obendrein eine beeindruckende Wirkung auf ihre sechs Monate alte Tochter Sunny hat, die mit dem Down-Syndrom zur Welt gekommen ist. Aus einer lockeren Bekanntschaft wird Freundschaft; auf mehr wagt die schöne Ex-Tänzerin, deren Karriere durch einen Unfall beendet worden war, nicht zu hoffen – immerhin scheint Deacon nicht gerade erpicht auf eine feste Beziehung zu sein und hat sie längst in die Friendzone verbannt. Oder?! Wider Erwarten kommt es zu einer folgenschweren Nacht, in der Deacon ihr ein ganz besonderes, unvergessliches, heißes Geburtstagsgeschenk macht – mit dem Resultat, dass sie einander anschließend kaum mehr in die Augen schauen können. Wie soll es nun weitergehen? Deacon hadert mit seiner Vergangenheit, er hat mit einem tragischen Erlebnis nie ganz abschließen können. Und Carys hatte nach dem Debakel mit Sunnys Vater eigentlich nicht vor, ihr Herz so schnell wieder zu verlieren. Werden sie dennoch den nächsten Schritt wagen?

Hin und wieder wirkten die Dialoge in dieser unterhaltsamen Friends-to-Lovers-Story etwas übertrieben und zu konstruiert auf mich, sind jedoch insgesamt locker und humorvoll gehalten; insbesondere im Hinblick auf Sunnys besondere Bedürfnisse schlägt die Autorin auch leise, nachdenkliche Töne an.

"» […] zuerst war ich traurig, als wäre das ein Verlust, aber das Gefühl hatte ich nur, weil ich zu dem Zeitpunkt noch nichts über das Downsyndrom wusste. Ich orientierte mich an den Reaktionen anderer Leute, die Dinge sagten wie: Das tut mir leid. […] Es tut mir leid, sagt man, wenn jemand stirbt, aber nicht, wenn ein Mensch geboren wird.«"

Ich finde es großartig, dass Carys so bedingungslos hinter ihrer Tochter steht. Man spürt, dass sie den kleinen Sonnenschein von ganzem Herzen liebt und voll in ihrer Mutterrolle aufgeht. Kein Wunder, dass sie dahinschmilzt, als sie sieht, wie einfühlsam und geduldig Deacon sich ihrer Tochter widmet. In vielen Momenten hatte ich Tränen in den Augen, z.B. als Carys die Geschichte hinter Sunnys Namen erzählt oder davon berichtet, wie sich der erste Ausdruck auf dem Gesicht fremder Menschen schnell von Entzücken zu Mitleid verwandelt, sobald sie erkennen, dass Sunny das Down-Syndrom hat. Überhaupt finde ich es großartig, dass Sunnys Eigenschaften nicht auf ihre besonderen Bedürfnisse reduziert werden. Als Deacon das erste Mal auf sie aufpasst und mit ihr vor dem Spiegel herumalbert, quoll mir schier das Herz über vor Freude.

Ein weiteres Element der Story, welches mich positiv überrascht hat, ist die Tatsache, dass Sunnys leiblicher Vater sehr menschlich dargestellt wird – seine Fehler und Versäumnisse sind natürlich nicht gutzuheißen, aber tatsächlich konnte ich irgendwie verstehen, warum er einst so gehandelt hat.

Das Tür-an-Tür-Setting ließ mich zwar kaum einen Blick auf New York erhaschen, da der Großteil der Handlung sich in den Wohnungen von Carys und Deacon abspielt, allerdings hatte ich dies nicht anders erwartet und zudem gibt es auch ein, zwei Ausflüge.

Ich hätte mir anfangs einen intensiveren Aufbau, etwas mehr flirtendes Hin und Her zwischen Carys und Deacon gewünscht; aufgrund des Klappentextes hatte ich einen Bad Boy erwartet. Stattdessen ist er von Anfang an solch ein Good Guy, der scheinbar nur auf seine Chance bei Carys gewartet zu haben schien, dass mir diese Entwicklung einen Touch zu seicht war.

Fazit: Trotz einiger Längen und (in meinen Augen unnötiger) Zeitsprünge war die Geschichte ein angenehmes Leseerlebnis und ich empfehle sie gerne weiter; speziell Fans von Slow-Burn-Romances werden hier auf ihre Kosten kommen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere