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Veröffentlicht am 01.03.2022

Über den Kampf für das Recht auf Bildung

Das Mädchen mit dem Drachen
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„Das Mädchen mit dem Drachen“ greift die Geschichte von Lalita auf, die ich bereits im Buch „Der Zopf“ kennenlernen durfte. Léna ist eine französische Lehrerin und sie reist nach Indien. Dort möchte sie ...

„Das Mädchen mit dem Drachen“ greift die Geschichte von Lalita auf, die ich bereits im Buch „Der Zopf“ kennenlernen durfte. Léna ist eine französische Lehrerin und sie reist nach Indien. Dort möchte sie ihren schweren Verlust verarbeiten und ihre Depression überwinden. Ein unbedachter Moment und sie schwebt in Lebensgefahr. Wie gut, dass eine junge Inderin sie findet und vor dem sicheren Tod rettet. Dieses Mädchen ist Lalita und sie lässt täglich ihren Drachen steigen. Als sie die französische Frau retten möchte, ruft sie Preeti herbei. Sie ist Kopf einer Gruppe, die sich auf Selbstverteidigung spezialisiert hat. Hier werden Mädchen und junge Frauen geschult, damit sie sich gegen Männer wehren können, die sie vergewaltigen wollen. In Indien gehört das zu den täglichen Ereignissen und wird von der Öffentlichkeit kaum beachtet.

Nachdem ich die beiden vorherigen Bücher der Autorin Laetitia Colombadi sehr gerne las, wartete ich auf ihr neuestes Werk. Und, was soll ich sagen, ich wurde nicht enttäuscht. Auch in diesem Buch schreibt die Autorin von Frauen, die gegen alle Widerstände ihrer Umgebung Großes erreichen. Indien, für viele ein Sehnsuchtsland, wenn es um Fernreisen und exklusiven Urlaub geht. Leider gibt es für Touristen nur die Sonnenseiten zu sehen. Wie es der Bevölkerung tatsächlich geht das wird ausgeblendet.

Ich habe mich noch nie mit dem Leben näher mit Indien beschäftigt und kannte die strengen Unterscheidungen zwischen den Kasten überhaupt nicht. Ich wusste nur, dass in Indien Kühe heilig sind und verehrt werden. Und auch Nachrichten über Massenvergewaltigungen las ich. Die oft völlig unangebrachten Urteile ließen mich fassungslos zurück. Nicht nur das sind Themen, die von Frau Colombadi in ihrem neuesten Buch aufgegriffen wurden. In der Hauptsache geht es um Dalit, die unterste Kaste. Wer hier hineingeboren wurde, hat kaum Chancen auf ein gutes Leben. Mädchen stehen dabei ganz unten im Rang. Sie dienen als Gebärmaschine und Arbeitstier.

Das Buch riss mich mit und gleichzeitig war ich bestürzt. Darüber, dass es noch immer Länder gibt, die Frauen so sehr demütigen. In Indien sind sie Menschen zweiter Klasse. Bildhaft und ohne Schnörkel beschreibt die Autorin das Leben dieses Subkontinents. Die Leseempfehlung ist für mich selbstverständlich.

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Veröffentlicht am 26.02.2022

Viel mehr, als ein "normaler" Liebesroman

Arabische Nächte
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Inga und ihre Freundin fliegen gemeinsam nach Dubai. Sie wollen vom anstrengenden Alltag abschalten und das Leben genießen. Wie es immer mal wieder geschieht, verliebt Inga sich Knall auf Fall in einen ...

Inga und ihre Freundin fliegen gemeinsam nach Dubai. Sie wollen vom anstrengenden Alltag abschalten und das Leben genießen. Wie es immer mal wieder geschieht, verliebt Inga sich Knall auf Fall in einen attraktiven Mann. Schon nach wenigen Tagen überlegt sie, ob sie ihren Ehemann verlassen und einen Neuanfang wagen soll. Und dann kommt das, was man das Leben nennt. Es entwickelt sich so ganz anders, als sie es sich vorstellt.
Was für mich anfangs wie ein üblicher Liebesroman daherkam, entwickelte sich zu einem ernsthaften Buch mit Tiefe. Im Laufe der Story entwickelten sich die Charaktere so ganz anders, als ich es erwartete. Inga war gar nicht diese oberflächliche, verwöhnte Frau, die sich durchs Leben tragen ließ. Nein, ihre Empathie rührte mich und ja, ich achtete sie sogar im Laufe der Geschichte. Aus dem Grund gibt es eine ausdrückliche Empfehlung für dieses außergewöhnliche Buch.

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Veröffentlicht am 22.02.2022

Fulminantes Ende einer Trilogie

Die Zeit der Jäger
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„Die Zeit der Jäger ist der spannende Abschluss der 50er-Jahre-Trilogie. Der Journalist Karl Wieners hofft auf die Rückkehr seiner großen Liebe. Sein langjähriger Freund, der Kriminalbeamte Ludwig Gruber ...

„Die Zeit der Jäger ist der spannende Abschluss der 50er-Jahre-Trilogie. Der Journalist Karl Wieners hofft auf die Rückkehr seiner großen Liebe. Sein langjähriger Freund, der Kriminalbeamte Ludwig Gruber ermittelt im Fall Blohm. Der ist nämlich spurlos verschwunden und hinterlässt eine lange Blutspur. Wurde er tatsächlich ermordet oder setzte er sich ins sichere Ausland ab? Wie verhält es sich mit dem Israelischen Geheimdienst und was hat er mit den Attentaten auf die Größen des Dritten Reiches zu tun?

Es ist wahrlich ein rasantes Ende, welches uns der Autor Andreas Götz hier präsentiert. Was ich sehr gut fand, dass sind die Blicke in die Vergangenheit. Sprich in die ersten beiden Bände. So kommt jeder sofort rein in die Geschichte. Selbst dann, wenn dies der erste Band der Serie sein sollte.

Schon erstaunlich, wie viele Größen der Nationalsozialisten in der neuen BRD wieder Macht erhielten. Kaum zu glauben, dass alle nur arme Mitläufer waren, die zum Morden und Denunzieren geradezu gezwungen wurden. So liest sich das Thema hier und es ist realistisch für alle, die sich mit der neueren Geschichte unseres Landes beschäftigten. Es gibt etliche Verwicklungen und viele spannende Momente, die eine Unterbrechung beim Lesen kaum zuließen.

Für mich eine gelungene Reihe, die viele Fakten beinhaltet und auch in das Genre Historischer Krimi passt. Das Cover ist perfekt zur Zeit und zum Thema „Kalter Krieg und Spionage“ gewählt. Eindeutige Leseempfehlung

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Veröffentlicht am 21.02.2022

"Wie zerstöre ich das Leben eines unliebsamen Journalisten?"

Die Jagd
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Der Autor schreibt dieses Mal über einen mutigen Journalisten, der sich mit den Reichen Russlands anlegt. Anton Quint ist sein Name und was dieser erlebt, ist keineswegs abwegig. In Deutschland passieren ...

Der Autor schreibt dieses Mal über einen mutigen Journalisten, der sich mit den Reichen Russlands anlegt. Anton Quint ist sein Name und was dieser erlebt, ist keineswegs abwegig. In Deutschland passieren solche Hetzjagden ebenfalls immer wieder.

„Die Jagd“ ist ein weiterer hervorragender Roman des Autors Sasha Filipenko. Der Anfang mag verwirren und wer keine Geduld hat und das Lesen abbricht, dem entgeht viel. Ich blieb dran, las auch über die vielen Personen zu Beginn und wurde belohnt. Die glasklare Botschaft ist: „Wie wird ein unliebsamer Journalist mundtot gemacht?“ Es gibt einen Auftritt im Fernsehen, wo alleine der Verdacht gegen Quint als Fakt vermittelt wird. Die Zuschauer, (die Gesellschaft?), fällen ihr Urteil, ohne die Wahrheit zu kennen. Weitere Maßnahmen für Gegner des Pressemanns: Stimmung machen im Internet, liken von Fake News und möglichst viele Befürworter dieser Falschmeldungen für sich zu gewinnen.

Der Roman wurde wie ein Konzert aufgebaut und es gibt viele Pausen dazwischen. Mich hat die Sprache mal wieder fasziniert und das verdanke ich auch der sehr guten Übersetzung von Ruth Altenhofer. Den Ursprung der hier geschriebenen Songtexte können Interessierte im „Zitatnachweis“ nachlesen. Ich bin mal wieder sehr beeindruckt und empfehle den Roman eindringlich. Dass das Cover wieder perfekt gelungen ist, das versteht sich bei Diogenes von selbst.

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Veröffentlicht am 19.02.2022

Spannende Einblicke in die Verstrickungen des Mossad

Vertrauen
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Avi Avraham gehört zu den besten Ermittler Israels. Allerdings fühlt er sich zuweilen unterfordert und hat eine Versetzung beantragt. In dem Roman "Vertrauen" vergisst er dieses aber sehr schnell. Er muss ...

Avi Avraham gehört zu den besten Ermittler Israels. Allerdings fühlt er sich zuweilen unterfordert und hat eine Versetzung beantragt. In dem Roman "Vertrauen" vergisst er dieses aber sehr schnell. Er muss zeitgleich zwei Verbrechen aufklären, die ihm sein ganzes Können abverlangen und seinen Wunsch nach Veränderung zunächst vergessen lassen. Immerhin geht es bei einem der Fälle um ein Delikt, welches im Zusammenhang mit dem Israelischen Geheimdienst steht.

Der Verlag Diogenes ist für mich ein Garant für gehobene Literatur. Das gilt auch für dieses Buch. Die vorherigen Krimis um Avi Avraham las ich nicht und konnte dennoch dem Geschehen sofort folgen. Der Autor Dror Mishani verzichtet auf blutige Verbrechen und heiße Sexszenen. Das macht ihn für mich sehr sympathisch. Hier spielen die Akteure der Fälle eine primäre Rolle. Welche Beweggründe führen dazu, dass eine Frau die eigene Tochter dazu veranlasst, ihr Erstgeborenes zu töten? Und welche Macht hat der Mossad über einen Touristen, der wenige Stunden nach seinem Eintreffen in Israel als vermisst gemeldet wird?

Dass das Cover perfekt gewählt wurde und zur Story passt, ist bei Diogenes schon selbstverständlich. Die Charaktere sind realistisch dargestellt und der Spannungsbogen hält über viele Seiten. Ein lockerer aber auch gehobener Stil fesselte mich dauerhaft. Das lag auch daran, dass für mich das Leben in Israel stets etwas Besonderes ist. Autoren, die dort leben und deren Geschichten von hier berichten, faszinieren mich immer wieder. Dror Mishanis Roman zog mich in seinen Bann und ich habe für mich einen Autor entdeckt, dessen andere Bücher ich mit Sicherheit bald lesen werde.

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