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Veröffentlicht am 11.06.2022

Der Kampf der Frauen geht weiter!

Die Hafenärztin. Ein Leben für das Glück der Kinder (Hafenärztin 2)
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Hamburger Hafen, März 1911:
Die Ärztin Anne Fitzpatrick und die angehende Pädagogin Helene Curtius arbeiten in Deutschlands größten Auswandererhafen und kümmern sich dort um die durchreisenden Familien.
Doch ...

Hamburger Hafen, März 1911:
Die Ärztin Anne Fitzpatrick und die angehende Pädagogin Helene Curtius arbeiten in Deutschlands größten Auswandererhafen und kümmern sich dort um die durchreisenden Familien.
Doch als sich plötzlich unnatürliche Krankheiten und damit einhergehend Todesfälle, vor allem unter den Kindern, häufen, sind die beiden sofort alarmiert und vermuten Schlimmstes. Schnell steht fest, die Opfer wurden vergiftet und Kommissar Berthold Rheydt beginnt zu ermitteln.
Doch wer sollte ein Motiv haben diesen Menschen scheinbar wahllos zu schaden und besteht eventuell ein Zusammenhang zu einem anderem Fall, bei dem ein Zuhälter erschlagen und in dessen Wohnung ein Giftkoffer gefunden wurde?
Es steht fest, die Lösung wird nicht einfach werden, zumal der Fall die drei auch schnell persönlich involviert und bedroht.

Der zweite Band der Saga von Henrike Engel „Die Hafenärztin – Ein Leben für das Glück der Kinder“ schafft es nahtlos an den ersten Teil anzuknüpfen und genau so zu begeistern und zu überzeugen!

Die Art der Autorin zu Schreiben ist schlichtweg grandios. Sie beschreibt die Szenen und Charaktere so lebendig und authentisch, dass man den Eindruck bekommt, selbst vor Ort und ein Teil der Handlung zu sein.
Ihr Schreibstil ist elaboriert und dadurch super ansprechend, aber teils auch sehr anspruchsvoll. Viele verschachtelte Sätze - die man, zugebener Weise, manchmal zweimal lesen muss, um sie zu begreifen -, ein umfangreicher Wortschatz – mit einer Palette an Fach-, Fremd- und veralteten bzw. eher seltenen Wörtern.
Zudem passt die Sprache zu der Zeit und zu Hamburg, was die ganze Atmosphäre umso realistischer macht.

Wieder einmal super gefallen, hat mir die Handlung.
Wie schon der erste Teil, ist die Geschichte keinesfalls typisch für das Genre der historischen Romane. Neben den eher dezenten Liebesgeschichten geht es vielmehr erneut um einen mysteriösen Kriminalfall sowie weiterhin um den – zunehmend auch radikalisierten – Kampf der Frauen um Recht, Emanzipation, Anerkennung und Akzeptanz.
Henrike Engel zeigt dabei abermals ein Feingefühl für eine glaubhafte und kraftvolle, emotionale Darstellung der historischen Umstände, Entwicklungen und Szenen.

Super finde ich, endlich auch mal die verletzlichere, persönliche Seite der Ärztin Anne Fitzpatrick kennenzulernen.
Im ersten Band schien sie noch ziemlich unnahbar und unantastbar zu sein. Wohingegen sie jetzt auch ihre Verletzlichkeit offenbart.
Trotz dessen behält sie stets Haltung. Negativen und denunzierenden Kommentaren oder Verhaltensweisen ihrer selbst oder ihren Ansichten gegenüber steht sie selbstbewusst entgegen. Sie behält zu meist die Oberhand über die Situation. Zudem gibt sie nie auf und hält an ihrem Standpunkt und ihren Zielen fest. Ihre Stärke und ihr Kampfgeist sind einfach bewundernswert.

Ein weiterer positiver Aspekt ist Helenes Charakterentwicklung im Laufe der zwei Bücher. Im ersten Band ist sie noch recht naiv, unbedarft und abhängig von ihrem Elternhaus.
In diesem Band hingegen entwickelt auch sie immer mehr eine eigene, starke Persönlichkeit. Auch sie kämpft für sich und ihre Emanzipation, aber auch für die Rechte der anderen. Sie ist keinesfalls mehr blauäugig den gesellschaftlichen Umständen gegenüber, sondern viel mehr realistisch. Sie sieht die Probleme und Missstände und versucht dagegen anzukämpfen.

Ein kleiner Kritikpunkt ist für mich der Charakter von Kommissar Rheydt. Ich hatte das Gefühl, dass man sich bei seiner Geschichte im Kreis dreht und nicht wirklich vorankommt. Man erfährt nicht viel Neues von ihm, sondern immer und immer wieder das gleiche. Zwar scheint am Ende auch er endlich sich zu entwickeln und sich der Liebe zu öffnen, jedoch hätte ich mir hier viel eher eine Veränderung gewünscht. Allerdings hoffe ich hierfür auf den nächsten Band.
Nichtsdestotrotz ist er ein sehr sympathischer Zeitgenosse. Er zeigt wieder einmal wie fortschrittlich und weltoffen er doch ist. Er passt gut zu den zwei anderen Charakteren, auch wenn seine Geschichte bislang etwas blass bleibt.

Komisch fand ich auch die, an manchen Stellen mal mehr, mal weniger, angedeutete Dreiecksbeziehung. Der Kommissar und Anne scheinen stellenweise sehr voneinander angezogen, zum Ende entwickeln sich jedoch scheinbar Gefühle zwischen Helene und dem Kommissar. Und auch zwischen Anne und Helene scheint zwischenzeitlich eine Art Anziehung zu herrschen. Diese Gefühle empfand ich teils als etwas verworren.

Im Laufe der Geschichte werden einige neue Handlungsstränge eröffnet, welche zum Teil am Ende offenbleiben und somit ganz klar der Intention dienen, im nächsten Band aufgegriffen zu werden.
Dadurch bleibt es nicht nur bis zum Ende, sondern auch darüber hinaus spannend.
Ich für meinen Teil, freue mich bereits jetzt auf die Fortsetzung!

FAZIT

Eine grandiose Anknüpfung, die dem ersten Band in nichts nachsteht.
Spannung von der ersten bis zur letzten Seite, mit einigen unerwarteten Wendungen und Entdeckungen.
Das Ende ist so keinesfalls vorhersehbar. Ich mag es, wie man das ganze Buch über mit grübelt und eigene Theorien aufstellt und dann doch immer wieder überrascht wird.
Auch der Kampf der Frauenrechtsbewegung und der der Charaktere selbst um Anerkennung ist wieder einmal so authentisch, greifbar und emotional dargestellt.
Das Buch ist einfach absolut dynamisch, lebendig und schafft es beim Lesen, den/die Leser*in gedanklich und emotional in eine andere Zeit an einen anderen Ort zu katapultieren.
Auch, wenn es für mich hier und da minimal ein paar Anmerkungen gab, schmälert dies nicht den Gesamteindruck des Buches.
Für mich überzeugt Henrike Engel mal wieder in allen Maßen und somit ist auch der zweite Band der Hafenärztin eine absolut Empfehlung meinerseits!

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  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 22.05.2022

Drei unterschiedliche Frauen, die das Leben zusammen führt!

Der Sommer der Blütenfrauen
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Drei Frauen, die unterschiedlicher nicht sein könnten und die dennoch das Leben zusammenführt.

Rose – aus Deutschland – hadert mit ihrem Leben. Rastlos und ohne einen Platz bzw. einen Sinn für sich in ...

Drei Frauen, die unterschiedlicher nicht sein könnten und die dennoch das Leben zusammenführt.

Rose – aus Deutschland – hadert mit ihrem Leben. Rastlos und ohne einen Platz bzw. einen Sinn für sich in der Welt gefunden zu haben, hangelt sie sich von einem zum nächsten Job bis sie eines Tages als Saisonkraft auf einem Biobauernhof anfängt und sich langsam endlich angekommen fühlt.
Nachdem sie ein altes Buch mit lauter Blütenrezepten einer verstorbenen, ehemaligen Mitarbeiterin findet, macht sie es sich zum Ziel den Traum der alten Frau zu erfüllen und die Rezepte publik zu machen.
Marguerite führt zusammen mit ihrem Mann ein Restaurant in Paris.
Als dieser sie sitzen lässt, ist sie plötzlich gezwungen ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen und ihre eigenen Vorstellungen zu verwirklichen.
Viola arbeitet als Foodjournalistin für ein bekanntes Magazin in Italien.
Sie strotzt nur so vor Selbstbewusstsein und Eleganz. Doch hinter der Fassade ist auch ihr Leben bei weitem nicht perfekt.
So hadert sie mit ihrer Familie, insbesondere ihrer Mutter, die es sich zum Ziel gesetzt hat ihre Tochter unter die Haube zu bringen, ganz zum Missfallen von Viola.
Als sich die Wege der drei zufällig kreuzen, geben sie sich ein Versprechen: Immer für einander da zu sein und sich zu unterstützen, ohne zu wissen, dass diese Hilfe schneller als erwartet benötigt würde.

Lea Santanas Roman „Der Sommer der Blütenfrauen“ hat mich von der ersten bis zur letzten Seite begeistert.

Der Einstieg fiel mir extrem leicht. Ich war direkt in der Geschichte und in den Charakteren drin.

Die Kapitel hören genau an der richtigen Stelle auf, sodass man quasi zum Weiterlesen gezwungen wird.

Zudem mag ich die Dreiteilung extrem gerne. Der Perspektivwechsel zwischen den drei Protagonistinnen macht das Buch noch dynamischer, lebendiger und letztlich auch realer.
Man ist als Leser*in damit jeden Charakter nah und bekommt kein einseitigen Blick auf die Geschichte und die Gefühle.

Außerdem ist der Zeitpunkt der Veröffentlichung perfekt.
Während des Lesens keimen noch einmal mehr Frühlingsgefühle und Freude auf.
Die Atmosphäre ist einfach herrlich wohlig und angenehm.
Es macht schlichtweg Spaß dieses Buch zu lesen, es schafft ein so wunderschönes positives Gefühl, was zuletzt auch dem Schreibstil der Autorin zu verdanken ist.
Der Schreibstil transportiert so viel Herzenswärme und Energie.
Lea Santana zaubert mit ihrer Art zu Schreiben die schönsten mentalen Bilder und lässt die Charaktere, die Orte sowie die Handlung real und greifbar werden.

Die drei Frauen sind alle so unterschiedlich, aber jede auf ihre Art besonders und liebenswert.
Rose ist eine kleine Rebellin, die Gefühle nicht so ganz zu lassen kann und eher zu der mürrischen Art Mensch zählt.
Sie ist stets realistisch und hinterfragt die Dinge gerne mehrmals, um nicht unverhofft enttäuscht werden zu können.

Im Gegensatz dazu steht Marguerite. Sie ist die pure Lebensfreude und Herzlichkeit in Person.
Wo sie ist, strahlt die Sonne.
Eine Person, die man einfach mögen muss und jeden mit ihrer positiven Art für sich einnimmt.
Auch wenn sie sicher manchmal etwas zu naiv ist und das Leben zu blumig sieht.
Dennoch, auch bei herben Rückschlägen, steckt sie den Kopf nicht in den Sand, fängt sich rasch wieder und versucht stets das Beste daraus zu machen, was ich total toll finde!

Und dann ist da noch Viola.
Sie ist der „perfekte“ Mensch. Erfolgreich, immer topgestylt und stets mit einer selbstbewussten, fast arroganten Haltung.
Doch, wenn man hinter ihre Fassade blickt, entdeckt man auch einen sehr feinfühligen, sensiblen Mensch. Anders als es manchmal scheint, liebt sie ihre Familie über alles und möchte, dass es ihnen gut.
Sie ist eine Person, auf die man sich vollkommen verlassen kann.
Und die, ebenso wie die anderen Charaktere, manchmal an sich zweifelt.

Die Handlung ist entspannt, aber nie langweilig.
Die Themen sind extrem vielseitig und reichen von Liebe, Freundschaft, Familie, über Ängste, Sorgen, Selbstzweifel hin zu Zusammenhalt, Zukunft und Selbstvertrauen.
Das Ende ist zwar in meinen Augen etwas zu vorhersehbar, dennoch perfekt für das Buch und rundet diese wunderschöne Geschichte hervorragend ab.
Obwohl mir manche Handlungsstränge zum Schluss teils zu schnell abgehandelt wurden.

FAZIT
Ein Roman zum Fallenlassen und Wohlfühlen.
Perfekt nach einen stressigen Tag um abzuschalten, herunterzukommen und den Tag gemütlich ausklingen zu lassen.
Die Stimmung, die Charaktere, die Handlung alles ist einfach total angenehm, entspannend und in sich rund.
Von mir daher eine absolute Leseempfehlung!
Ich freue mich auf weitere Romane der Autorin!

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  • Cover
Veröffentlicht am 24.03.2022

Seelenbuch

Für immer und noch ein bisschen länger
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Vor sechs Jahren starb Annas Verlobter Jeremias und mit ihm auch ein Stück von ihr.
Seitdem igelt sie sich Zuhause ein, verlässt ihre Wohnung nur noch für die Arbeit und zum Einkaufen und unterhält sich ...

Vor sechs Jahren starb Annas Verlobter Jeremias und mit ihm auch ein Stück von ihr.
Seitdem igelt sie sich Zuhause ein, verlässt ihre Wohnung nur noch für die Arbeit und zum Einkaufen und unterhält sich still in Gedanken mit Jeremias.
Als dann plötzlich das Kündigungsschreiben ihrer Wohnung im Postfach liegt, bricht für sie ein zweites Mal die Welt zusammen.
Sie soll raus, aus ihrem und Jeremias Zuhause, in dem immer noch sein Geist lebt.
Schweren Herzens begibt sie sich auf Wohnungssuche und findet sich schließlich in der etwas anderen WG von Gunilla wieder.
Die imposante, alte Dame hat seit Jahren ihre Wohnung nicht mehr verlassen und auch die anderen Mitbewohner leben eher zurückgezogen.
Anna beschließt Sie alle wieder zurück ins Leben zu holen, auch wenn sie dafür erstmal ihren eigenen Verlust überwinden und ihre Vergangenheit aufarbeiten muss.

„Für immer und noch ein bisschen länger“ von Barbara Leciejewski war mein erstes Buch dieser Autorin, aber definitiv nicht mein letztes.
Die Geschichte ist absolut herzerwärmend, einfühlsam und wohltuend.
Ein Seelenbuch für schlechte Tage.

Barbara Leciejewski schreibt mit einer Hingabe und Wärme, die dem Leser zu Herzen geht.
Ihr Schreibstil ist recht ruhig und entspannt, dennoch stark und ergreifend.
Ihre Worte gehen unter die Haut und bereiten ebenso Gänsehaut wie wohltuende Wärme.

Der Einstieg ins Buch fiel mir etwas schwer, da der Anfang sich für mich etwas zog.
Als ich jedoch erstmal in der Geschichte drin war, konnte ich das Buch nicht mehr aus der Hand legen.

Die Charaktere sind alle absolute Herzensmenschen. Ruhig besonnen, mit einer großen inneren Stärke, die es teilweise jedoch erst wiederzufinden gilt.
Jeder kämpft irgendwo mit sich und seinen Konflikten, ist aber dennoch, auf seine eigene besondere Art und Weise, für seine Mitmenschen da.
Alle wollen stets nur das Beste und bereichern mit ihrer Art die Geschichte enorm.

Nicht so gut gefallen hat mir der unreflektierte Umgang mit Alkohol. Die Charaktere haben gefühlt zu jeder Tageszeit zu kleinsten Anlässen Prosecco getrunken, ohne dass dieses Verhalten irgendwie kritisch hinterfragt wurde.
Außerdem fand ich die Erwähnung des Corona-Themas etwas störend, da man mit Büchern im Normalfall den Alltag und damit auch diesem lästigen Thema ein Stück weit entfliehen möchte.
Allerdings hat die Thematisierung das Buch auch authentisch gemacht und in die aktuelle Zeit geholt, zudem war es nicht allzu präsent, sodass man gut drüber hinwegsehen kann.

Die Story macht außerdem diese Kleinigkeiten wieder wett.
Die Handlung und die Entwicklung der Charaktere ist einfach großartig und lässt niemand kalt.

FAZIT

Ein Buch für die Seele. Voller Empathie, Hoffnung und Einfühlvermögen!
Wenn man sich niedergeschlagen, traurig oder irgendwie im Ungleichgewicht fühlt ist dieses Buch perfekt.
Das Buch macht Mut, gibt Kraft und macht einfach glücklich.
Es ist auf jeden Fall allemal das Lesen wert!

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Veröffentlicht am 10.03.2022

Ein Wort, eine Diagnose -und Alles ist anders

Solange es ein Morgen gibt
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Jessicas Leben könnte nicht besser laufen.
Sie hat endlich ihren Traumjob als Chefredakteurin bei einer Frauenzeitschrift, die Arbeit macht ihr Spaß und sie ist in einer glücklichen Beziehung.
Alles könnte ...

Jessicas Leben könnte nicht besser laufen.
Sie hat endlich ihren Traumjob als Chefredakteurin bei einer Frauenzeitschrift, die Arbeit macht ihr Spaß und sie ist in einer glücklichen Beziehung.
Alles könnte perfekt sein.
Doch dann verlässt sie das Glück. Ihr Freund Johnny geht fremd und als wäre das nicht schon schlimm genug, bekommt sie auch noch die Schockdiagnose Brustkrebs.
Von einen auf den anderen Moment steht ihr Leben Kopf und sie weiß nicht, wie es weiter gehen soll.
Doch Jessica lässt sich nicht unterkriegen! Sie beendet ihre Beziehung und beginnt mit der Therapie gegen den Krebs.
Und dann ist da auch noch Annabel, die Jessica im Krankenhaus kennenlernt und die ebenfalls Krebs hat.
Sie lernt Jessica, mit der Krankheit umzugehen und ihren Lebensmut dabei nicht zu verlieren.

„So lange es Morgen gibt“ von Laura Price hat mich unglaublich berührt.
Das Buch ist ein Wechselbad der Gefühle.
Hochemotional, humorvoll, herzzerreißend und einfühlsam.

Das Thema Krebs – hier speziell Brustkrebs – ist ein so unglaublich wichtiges Thema, da es leider eine Vielzahl an Menschen betrifft. Kaum einer, der nicht selbst betroffen ist, kann wohl nachempfinden, wie der Kampf mit dieser Krankheit aussieht und sich anfühlt.
Laura Price schafft es dieses Thema weniger transparent, mehr greifbar zu machen.

Die Handlung ist extrem realistisch und detailreich und damit umso packender.
Mit dem Wissen, dass die Autorin selbst Brustkrebs hatte, wird das Buch noch emotionaler. Man spürt, die Nähe zum Thema und die persönlichen Gefühle und Erfahrungen.
Nichts wird geschönt, sondern die Krankheit mit all ihren unschönen und schmerzhaften Facetten dargestellt.

Man fühlt mit den Charakteren mit, spürt die Emotionen, die Last, das Leiden, den Schmerz, aber auch die Hoffnung, die Energie und die Lebenskraft.
Die Schwere der Krankheit mischt sich mit einer erfrischenden Leichtigkeit.
Die Autorin schafft es unglaublich gut die Gefühle zu transportieren und die Geschichte lebendig und greifbar zu machen, sodass am Ende auch kein Auge trocken bleiben konnte.

Der Einstieg ins Buch fiel mir zwar etwas schwer, da er teils etwas langatmig war und die Sprache mir teilweise etwas zu jugendlich für eine Anfang 30-Jährige erschien, wenn man sich jedoch erstmal daran gewöhnt hat, lässt sich das Buch ganz angenehm lesen.

Die Charaktere waren allesamt sehr authentisch und facettenreich.
Jeder mit seinem eigenen Päckchen, auch wenn das mir stellenweise etwas zu viel war, vor allem da die Probleme teils sehr oberflächlich abgehandelt wurden.

Jessica als Protagonistin ist eine tolle Person.
Sie ist ein Mensch, zu dem man aufblickt.
Jung, dynamisch mit Kampfgeist und Power und dazu auch noch absolut authentisch, realistisch und liebenswert.
Trotz ihrer Erkrankung verliert sie nicht den Mut und kämpft sich durch das Leben mit allen Hindernissen.
Auch wenn es bei ihr mal nicht so gut läuft und es immer wieder Rückschläge für sie gibt, lässt sie sich davon nicht aus der Bahn werfen.
Sie geht ihren Weg, komme was wolle, einfach nur bemerkenswert.


FAZIT

Laura Price hat für mich einen Roman geschaffen, der nur so vor Positivity, Hoffnung und Lebensgeist strotzt.
Kein Mensch, kein Leben ist perfekt, jeder hat seine Probleme und nicht immer läuft alles so wie man es geplant oder sich vorgestellt hat.
Das Leben kann manchmal hart sein – vor allem wenn dann noch eine solche Erkrankung hinzukommt.
Die Message ist, einfach Niemals aufzugeben, immer nach vorne zu schauen, stets das Positive im Blick zu haben und das Leben zu leben wie es kommt.

Ein Buch das wirklich Mut macht und dazu anregt einmal über unser Leben nachzudenken und auch die kleinen Momente zu schätzen.

Alles in allem ein Debütroman, der es wirklich in sich hat und das Lesen allemal wert ist.

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Veröffentlicht am 28.02.2026

Ein magisches Hotel voller Geheimnisse und verlorener Zeit

Das White Octopus Hotel
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In „Das White Octopus Hotel“ von Alexandra Bell begleitet man Eve Shaw, eine Kunstgutachterin in London, deren Leben aus den Fugen gerät, als ein geheimnisvoller alter Mann in ihrem Büro auftaucht. Er ...

In „Das White Octopus Hotel“ von Alexandra Bell begleitet man Eve Shaw, eine Kunstgutachterin in London, deren Leben aus den Fugen gerät, als ein geheimnisvoller alter Mann in ihrem Büro auftaucht. Er trägt den Namen ihres längst verstorbenen Lieblingsmusikers und scheint mehr über sie zu wissen, als möglich sein dürfte. Kurz nach dem Besuch stirbt er, doch seine rätselhaften Hinweise auf das „White Octopus Hotel“ lassen Eve nicht mehr los. Ihre Nachforschungen führen sie in die Schweizer Alpen zur Ruine eines verlassenen Hotels – und von dort plötzlich ins Jahr 1935, als das Hotel noch in voller Blüte steht.
Während einer geheimnisvollen Schnitzeljagd erkennt Eve, dass der Preis weit mehr sein könnte als ein Spielgewinn: vielleicht die Chance, ihre eigene Vergangenheit zu verändern und ihre Schwester zu retten.
Doch je tiefer sie eintaucht, desto mehr verborgene Wahrheiten kommen ans Licht.

Ich bin richtig gut in dieses Buch gestartet und war überraschend schnell durch, obwohl die Geschichte alles andere als leicht oder geradlinig ist.
Der Schreibstil hat mich von Anfang an abgeholt: sehr einfühlsam, atmosphärisch dicht und voller starker Bilder. Besonders die Beschreibungen des White Octopus Hotels sind der Autorin unglaublich gelungen. Ich hatte beim Lesen eine so klare Vorstellung von diesem magischen, geheimnisvollen und zugleich prunkvollen Ort, dass ich ihn am liebsten selbst einmal besuchen würde. Gerade diese Mischung aus Eleganz, Rätselhaftigkeit und unterschwelliger Bedrohung macht einen großen Reiz des Romans aus.

Eve als Hauptfigur konnte mich emotional schnell erreichen. Ihr Schicksalsschlag ist wirklich traurig, und ich habe stark mit ihr mitgefühlt. Vor allem, weil spürbar wird, wie sehr sie die Vergangenheit auch nach so vielen Jahren noch verfolgt. Ihr innerer Zwiespalt, insbesondere zwischen ihrer wachsenden Zuneigung zu Max und dem verzweifelten Wunsch, ihre Schwester zu retten, war für mich sehr nachvollziehbar und hat viel Spannung erzeugt.
Max selbst mochte ich ebenfalls gern, auch wenn er anfangs etwas mürrisch und abweisend wirkt. Seine traumatischen Kriegserfahrungen erklären dieses Verhalten jedoch schlüssig, und ich fand, dass seine Figur mit der Zeit deutlich an Tiefe gewinnt.

Atmosphärisch bewegt sich das Buch konstant zwischen melancholisch, tragisch, mystisch und stellenweise fast schon surreal.
Die Handlung wirkt teilweise ziemlich bizarr und abgefahren, was aber durchaus zum Konzept passt. Ich hatte oft das Gefühl, dass sich hier auch Eves Psyche widerspiegelt.
Lange wusste ich nicht, wohin die Reise genau geht, hatte irgendwann eine leise Ahnung und wurde am Ende trotzdem noch einmal überrascht.

Allerdings muss ich auch sagen: Die Geschichte verlangt viel Aufmerksamkeit. Durch die häufigen Perspektivwechsel und das Hin und Her in der Zeit entsteht zwar Dynamik und Abwechslung, aber man muss wirklich konzentriert bleiben, um alles nachzuvollziehen.
An manchen Stellen hatte das Buch für mich auch kleinere Längen, die den Lesefluss kurz gebremst haben – insgesamt hielt sich das aber noch im Rahmen.

Zeitreisegeschichten finde ich grundsätzlich toll, aber auch immer anspruchsvoll. Hier mochte ich besonders, wie sich viele kleine Hinweise und Szenen am Ende zu einem größeren Ganzen zusammenfügen. Dieses Puzzlehafte hat mir gut gefallen und sorgt definitiv dafür, dass man beim Lesen ständig mitdenkt.

Das Ende selbst hat mich allerdings nicht komplett überzeugt. Ich fand es stellenweise etwas verwirrend und nicht ganz logisch nachvollziehbar; anfangs musste ich wirklich überlegen, ob ich alles richtig verstanden habe. Trotzdem hat es mich zum Nachdenken gebracht – und genau das ist letztlich auch eine Stärke des Buches.

Was mir während des Lesens zudem immer wieder durch den Kopf ging, war eine starke Parallele zu Alice im Wunderland. Diese leicht wirre, traumartige, stellenweise bewusst verwirrende Erzählweise, kombiniert mit der allgegenwärtigen Magie und den merkwürdigen Ereignissen, hat bei mir genau diese Assoziation ausgelöst und sie blieb tatsächlich bis zum Schluss bestehen.

Fazit

Unterm Strich ist „Das White Octopus Hotel“ von Alexandra Bell für mich ein sehr außergewöhnlicher, atmosphisch dichter Roman, der sicher nicht jedem gefallen wird, aber definitiv im Kopf bleibt. Wer geheimnisvolle, melancholische und etwas abgedrehte Geschichten mit Zeitsprüngen und psychologischer Tiefe mag, sollte hier unbedingt einen Blick riskieren.

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