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Veröffentlicht am 24.03.2022

Seelenbuch

Für immer und noch ein bisschen länger
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Vor sechs Jahren starb Annas Verlobter Jeremias und mit ihm auch ein Stück von ihr.
Seitdem igelt sie sich Zuhause ein, verlässt ihre Wohnung nur noch für die Arbeit und zum Einkaufen und unterhält sich ...

Vor sechs Jahren starb Annas Verlobter Jeremias und mit ihm auch ein Stück von ihr.
Seitdem igelt sie sich Zuhause ein, verlässt ihre Wohnung nur noch für die Arbeit und zum Einkaufen und unterhält sich still in Gedanken mit Jeremias.
Als dann plötzlich das Kündigungsschreiben ihrer Wohnung im Postfach liegt, bricht für sie ein zweites Mal die Welt zusammen.
Sie soll raus, aus ihrem und Jeremias Zuhause, in dem immer noch sein Geist lebt.
Schweren Herzens begibt sie sich auf Wohnungssuche und findet sich schließlich in der etwas anderen WG von Gunilla wieder.
Die imposante, alte Dame hat seit Jahren ihre Wohnung nicht mehr verlassen und auch die anderen Mitbewohner leben eher zurückgezogen.
Anna beschließt Sie alle wieder zurück ins Leben zu holen, auch wenn sie dafür erstmal ihren eigenen Verlust überwinden und ihre Vergangenheit aufarbeiten muss.

„Für immer und noch ein bisschen länger“ von Barbara Leciejewski war mein erstes Buch dieser Autorin, aber definitiv nicht mein letztes.
Die Geschichte ist absolut herzerwärmend, einfühlsam und wohltuend.
Ein Seelenbuch für schlechte Tage.

Barbara Leciejewski schreibt mit einer Hingabe und Wärme, die dem Leser zu Herzen geht.
Ihr Schreibstil ist recht ruhig und entspannt, dennoch stark und ergreifend.
Ihre Worte gehen unter die Haut und bereiten ebenso Gänsehaut wie wohltuende Wärme.

Der Einstieg ins Buch fiel mir etwas schwer, da der Anfang sich für mich etwas zog.
Als ich jedoch erstmal in der Geschichte drin war, konnte ich das Buch nicht mehr aus der Hand legen.

Die Charaktere sind alle absolute Herzensmenschen. Ruhig besonnen, mit einer großen inneren Stärke, die es teilweise jedoch erst wiederzufinden gilt.
Jeder kämpft irgendwo mit sich und seinen Konflikten, ist aber dennoch, auf seine eigene besondere Art und Weise, für seine Mitmenschen da.
Alle wollen stets nur das Beste und bereichern mit ihrer Art die Geschichte enorm.

Nicht so gut gefallen hat mir der unreflektierte Umgang mit Alkohol. Die Charaktere haben gefühlt zu jeder Tageszeit zu kleinsten Anlässen Prosecco getrunken, ohne dass dieses Verhalten irgendwie kritisch hinterfragt wurde.
Außerdem fand ich die Erwähnung des Corona-Themas etwas störend, da man mit Büchern im Normalfall den Alltag und damit auch diesem lästigen Thema ein Stück weit entfliehen möchte.
Allerdings hat die Thematisierung das Buch auch authentisch gemacht und in die aktuelle Zeit geholt, zudem war es nicht allzu präsent, sodass man gut drüber hinwegsehen kann.

Die Story macht außerdem diese Kleinigkeiten wieder wett.
Die Handlung und die Entwicklung der Charaktere ist einfach großartig und lässt niemand kalt.

FAZIT

Ein Buch für die Seele. Voller Empathie, Hoffnung und Einfühlvermögen!
Wenn man sich niedergeschlagen, traurig oder irgendwie im Ungleichgewicht fühlt ist dieses Buch perfekt.
Das Buch macht Mut, gibt Kraft und macht einfach glücklich.
Es ist auf jeden Fall allemal das Lesen wert!

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  • Charaktere
Veröffentlicht am 10.03.2022

Ein Wort, eine Diagnose -und Alles ist anders

Solange es ein Morgen gibt
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Jessicas Leben könnte nicht besser laufen.
Sie hat endlich ihren Traumjob als Chefredakteurin bei einer Frauenzeitschrift, die Arbeit macht ihr Spaß und sie ist in einer glücklichen Beziehung.
Alles könnte ...

Jessicas Leben könnte nicht besser laufen.
Sie hat endlich ihren Traumjob als Chefredakteurin bei einer Frauenzeitschrift, die Arbeit macht ihr Spaß und sie ist in einer glücklichen Beziehung.
Alles könnte perfekt sein.
Doch dann verlässt sie das Glück. Ihr Freund Johnny geht fremd und als wäre das nicht schon schlimm genug, bekommt sie auch noch die Schockdiagnose Brustkrebs.
Von einen auf den anderen Moment steht ihr Leben Kopf und sie weiß nicht, wie es weiter gehen soll.
Doch Jessica lässt sich nicht unterkriegen! Sie beendet ihre Beziehung und beginnt mit der Therapie gegen den Krebs.
Und dann ist da auch noch Annabel, die Jessica im Krankenhaus kennenlernt und die ebenfalls Krebs hat.
Sie lernt Jessica, mit der Krankheit umzugehen und ihren Lebensmut dabei nicht zu verlieren.

„So lange es Morgen gibt“ von Laura Price hat mich unglaublich berührt.
Das Buch ist ein Wechselbad der Gefühle.
Hochemotional, humorvoll, herzzerreißend und einfühlsam.

Das Thema Krebs – hier speziell Brustkrebs – ist ein so unglaublich wichtiges Thema, da es leider eine Vielzahl an Menschen betrifft. Kaum einer, der nicht selbst betroffen ist, kann wohl nachempfinden, wie der Kampf mit dieser Krankheit aussieht und sich anfühlt.
Laura Price schafft es dieses Thema weniger transparent, mehr greifbar zu machen.

Die Handlung ist extrem realistisch und detailreich und damit umso packender.
Mit dem Wissen, dass die Autorin selbst Brustkrebs hatte, wird das Buch noch emotionaler. Man spürt, die Nähe zum Thema und die persönlichen Gefühle und Erfahrungen.
Nichts wird geschönt, sondern die Krankheit mit all ihren unschönen und schmerzhaften Facetten dargestellt.

Man fühlt mit den Charakteren mit, spürt die Emotionen, die Last, das Leiden, den Schmerz, aber auch die Hoffnung, die Energie und die Lebenskraft.
Die Schwere der Krankheit mischt sich mit einer erfrischenden Leichtigkeit.
Die Autorin schafft es unglaublich gut die Gefühle zu transportieren und die Geschichte lebendig und greifbar zu machen, sodass am Ende auch kein Auge trocken bleiben konnte.

Der Einstieg ins Buch fiel mir zwar etwas schwer, da er teils etwas langatmig war und die Sprache mir teilweise etwas zu jugendlich für eine Anfang 30-Jährige erschien, wenn man sich jedoch erstmal daran gewöhnt hat, lässt sich das Buch ganz angenehm lesen.

Die Charaktere waren allesamt sehr authentisch und facettenreich.
Jeder mit seinem eigenen Päckchen, auch wenn das mir stellenweise etwas zu viel war, vor allem da die Probleme teils sehr oberflächlich abgehandelt wurden.

Jessica als Protagonistin ist eine tolle Person.
Sie ist ein Mensch, zu dem man aufblickt.
Jung, dynamisch mit Kampfgeist und Power und dazu auch noch absolut authentisch, realistisch und liebenswert.
Trotz ihrer Erkrankung verliert sie nicht den Mut und kämpft sich durch das Leben mit allen Hindernissen.
Auch wenn es bei ihr mal nicht so gut läuft und es immer wieder Rückschläge für sie gibt, lässt sie sich davon nicht aus der Bahn werfen.
Sie geht ihren Weg, komme was wolle, einfach nur bemerkenswert.


FAZIT

Laura Price hat für mich einen Roman geschaffen, der nur so vor Positivity, Hoffnung und Lebensgeist strotzt.
Kein Mensch, kein Leben ist perfekt, jeder hat seine Probleme und nicht immer läuft alles so wie man es geplant oder sich vorgestellt hat.
Das Leben kann manchmal hart sein – vor allem wenn dann noch eine solche Erkrankung hinzukommt.
Die Message ist, einfach Niemals aufzugeben, immer nach vorne zu schauen, stets das Positive im Blick zu haben und das Leben zu leben wie es kommt.

Ein Buch das wirklich Mut macht und dazu anregt einmal über unser Leben nachzudenken und auch die kleinen Momente zu schätzen.

Alles in allem ein Debütroman, der es wirklich in sich hat und das Lesen allemal wert ist.

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Veröffentlicht am 13.05.2026

leise Liebe und eine warme Atmosphäre

Picking Daisies on Sundays
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In "Picking Daisies on Sundays" von Liana Cincotti geht es um Daniella „Daisy“ Maria, die ihrem ehemaligen besten Freund Levi nach vier Jahren plötzlich wieder gegenübersteht und ausgerechnet seine Fake-Freundin ...

In "Picking Daisies on Sundays" von Liana Cincotti geht es um Daniella „Daisy“ Maria, die ihrem ehemaligen besten Freund Levi nach vier Jahren plötzlich wieder gegenübersteht und ausgerechnet seine Fake-Freundin für die Hochzeit seiner Schwester spielen soll. Früher war Levi der wichtigste Mensch in ihrem Leben, bis Daisy ihm ihre Gefühle gestand und kurz darauf mitansehen musste, wie er eine andere küsste. Seitdem hat sie nie wirklich mit ihm abgeschlossen. Während sie gemeinsam Zeit verbringen, kommen alte Gefühle, Sehnsucht und die tiefe Verbindung zwischen ihnen stärker zurück als je zuvor. Gleichzeitig kämpft Daisy mit Zukunftsängsten, Unsicherheit und der Frage, ob sie bereit ist, Levi noch einmal ihr Herz anzuvertrauen, obwohl sie Angst hat, erneut verletzt zu werden.

"Picking Daisies on Sundays" war für mich eines dieser Bücher, die gar nicht versuchen, laut oder extrem dramatisch zu sein, sondern stattdessen mit einer ganz leisen, warmen und gemütlichen Atmosphäre überzeugen. Es ist keine Geschichte voller riesiger Plot-Twists oder emotionaler Explosionen, sondern vielmehr eine Romance, die von kleinen Gesten, unausgesprochenen Gefühlen und dieser stillen, unterschwelligen Liebe lebt, die man zwischen den Seiten ständig spürt.

Der Schreibstil von Liana Cincotti trägt unglaublich viel dazu bei. Er ist leicht, flüssig und emotional, ohne zu viel Kitsch oder überdramatisch zu wirken. Die Autorin beschreibt Gefühle eher leise und zurückhaltend, aber genau dadurch haben viele Szenen eine große Wirkung. Besonders die Momente zwischen Daisy und Levi haben sich oft nicht durch große Worte stark angefühlt, sondern durch Blicke, kleine Berührungen oder Erinnerungen an ihre gemeinsame Vergangenheit. Diese stille gegenseitige Anziehung war für mich wirklich das Herzstück des Buches.

Man merkt zwar von Anfang an, wohin die Geschichte führen wird, und auch die Wendung am Ende war für mich keine wirkliche Überraschung. Trotzdem hat mich das überhaupt nicht gestört, weil das Buch gar nicht von Spannung im klassischen Sinne lebt. Vielmehr geht es um das Gefühl, das die Geschichte vermittelt. Dieses tiefe Band zwischen Daisy und Levi war so greifbar, dass man eigentlich die ganze Zeit das Gefühl hatte, dass die beiden einfach füreinander bestimmt sind. Selbst nach vier Jahren ohne Kontakt wirken sie emotional immer noch miteinander verbunden. Gerade diese Vertrautheit zwischen ihnen fand ich unglaublich schön dargestellt. Ihre Beziehung basiert nicht nur auf romantischer Anziehung, sondern auf echter Freundschaft, gemeinsamen Erinnerungen und Vertrauen.

Daisy fand ich dabei als Protagonistin sehr authentisch, auch wenn sie mich manchmal wahnsinnig gemacht hat. Ihre Unsicherheit zieht sich durch das ganze Buch, sowohl im Hinblick auf ihre Zukunft als auch auf ihr eigenes Können und ihren Selbstwert. Oft hätte ich sie am liebsten geschüttelt, weil für mich als Leser vieles so offensichtlich war, besonders Levis Gefühle. Teilweise konnte ich wirklich nicht verstehen, wie sie gewisse Dinge nicht sehen konnte. Gleichzeitig passte das aber wiederum sehr gut zu ihrem Charakter, weil ihre Selbstzweifel eben so tief sitzen, dass sie automatisch davon ausgeht, nicht „genug“ zu sein. Auch ihre Naivität gegenüber Evan fand ich manchmal etwas frustrierend. Da waren einige Situationen, bei denen man als Leser*in sofort gemerkt hat, dass etwas nicht stimmt, während Daisy vieles ausgeblendet oder schöngeredet hat. Trotzdem mochte ich ihre Entwicklung am Ende wirklich sehr. Gerade weil sie anfangs so unsicher war, hat es sich umso schöner angefühlt zu sehen, wie sie langsam beginnt, mehr an sich selbst zu glauben und für sich einzustehen.

Levi war dagegen wirklich ein absoluter Wohlfühl-Bookboyfriend. Ich mochte besonders, dass er eben nicht dieser typische toxische oder übermäßig dominante Romance-Held ist. Stattdessen ist er warmherzig, loyal und emotional unglaublich aufmerksam. Er unterstützt Daisy auf eine sehr ehrliche Weise und gibt ihr Sicherheit, ohne sie kontrollieren zu wollen. Gleichzeitig merkt man auch, wie wichtig ihm seine Familie ist und wie sehr er für die Menschen da ist, die er liebt. Gerade diese ruhige Loyalität hat ihn für mich unglaublich sympathisch gemacht. Allerdings muss ich auch sagen, dass er stellenweise fast ein bisschen zu perfekt wirkte. Ihm haben manchmal kleine Ecken und Kanten gefehlt.

Was mir ebenfalls gefallen hat, war, dass die Geschichte trotz der eher ruhigen Handlung emotionale Themen anspricht, die sich für die Charaktere sehr relevant anfühlen. Zukunftsängste, Selbstzweifel, das Gefühl nicht gut genug zu sein oder Angst davor zu haben, verletzt zu werden. Dadurch hatte das Buch trotz der eher sanften Atmosphäre trotzdem emotionale Tiefe.
Gleichzeitig wurden manche Konflikte für meinen Geschmack etwas zu schnell gelöst. Besonders der Konflikt rund um Evan hätte meiner Meinung nach noch etwas mehr Raum bekommen können, weil er letztlich relativ unkompliziert abgehandelt wurde.

Fazit

Insgesamt war "Picking Daisies on Sundays" von Liana Cincotti für mich eine unglaublich süße, warme und gefühlvolle Romance-Geschichte, die vor allem durch ihre Atmosphäre und die Verbindung zwischen den Charakteren lebt. Das Buch erfindet das Genre definitiv nicht neu und vieles ist vorhersehbar, aber genau darin liegt auch irgendwo sein Charme.

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Veröffentlicht am 28.02.2026

Ein magisches Hotel voller Geheimnisse und verlorener Zeit

Das White Octopus Hotel
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In „Das White Octopus Hotel“ von Alexandra Bell begleitet man Eve Shaw, eine Kunstgutachterin in London, deren Leben aus den Fugen gerät, als ein geheimnisvoller alter Mann in ihrem Büro auftaucht. Er ...

In „Das White Octopus Hotel“ von Alexandra Bell begleitet man Eve Shaw, eine Kunstgutachterin in London, deren Leben aus den Fugen gerät, als ein geheimnisvoller alter Mann in ihrem Büro auftaucht. Er trägt den Namen ihres längst verstorbenen Lieblingsmusikers und scheint mehr über sie zu wissen, als möglich sein dürfte. Kurz nach dem Besuch stirbt er, doch seine rätselhaften Hinweise auf das „White Octopus Hotel“ lassen Eve nicht mehr los. Ihre Nachforschungen führen sie in die Schweizer Alpen zur Ruine eines verlassenen Hotels – und von dort plötzlich ins Jahr 1935, als das Hotel noch in voller Blüte steht.
Während einer geheimnisvollen Schnitzeljagd erkennt Eve, dass der Preis weit mehr sein könnte als ein Spielgewinn: vielleicht die Chance, ihre eigene Vergangenheit zu verändern und ihre Schwester zu retten.
Doch je tiefer sie eintaucht, desto mehr verborgene Wahrheiten kommen ans Licht.

Ich bin richtig gut in dieses Buch gestartet und war überraschend schnell durch, obwohl die Geschichte alles andere als leicht oder geradlinig ist.
Der Schreibstil hat mich von Anfang an abgeholt: sehr einfühlsam, atmosphärisch dicht und voller starker Bilder. Besonders die Beschreibungen des White Octopus Hotels sind der Autorin unglaublich gelungen. Ich hatte beim Lesen eine so klare Vorstellung von diesem magischen, geheimnisvollen und zugleich prunkvollen Ort, dass ich ihn am liebsten selbst einmal besuchen würde. Gerade diese Mischung aus Eleganz, Rätselhaftigkeit und unterschwelliger Bedrohung macht einen großen Reiz des Romans aus.

Eve als Hauptfigur konnte mich emotional schnell erreichen. Ihr Schicksalsschlag ist wirklich traurig, und ich habe stark mit ihr mitgefühlt. Vor allem, weil spürbar wird, wie sehr sie die Vergangenheit auch nach so vielen Jahren noch verfolgt. Ihr innerer Zwiespalt, insbesondere zwischen ihrer wachsenden Zuneigung zu Max und dem verzweifelten Wunsch, ihre Schwester zu retten, war für mich sehr nachvollziehbar und hat viel Spannung erzeugt.
Max selbst mochte ich ebenfalls gern, auch wenn er anfangs etwas mürrisch und abweisend wirkt. Seine traumatischen Kriegserfahrungen erklären dieses Verhalten jedoch schlüssig, und ich fand, dass seine Figur mit der Zeit deutlich an Tiefe gewinnt.

Atmosphärisch bewegt sich das Buch konstant zwischen melancholisch, tragisch, mystisch und stellenweise fast schon surreal.
Die Handlung wirkt teilweise ziemlich bizarr und abgefahren, was aber durchaus zum Konzept passt. Ich hatte oft das Gefühl, dass sich hier auch Eves Psyche widerspiegelt.
Lange wusste ich nicht, wohin die Reise genau geht, hatte irgendwann eine leise Ahnung und wurde am Ende trotzdem noch einmal überrascht.

Allerdings muss ich auch sagen: Die Geschichte verlangt viel Aufmerksamkeit. Durch die häufigen Perspektivwechsel und das Hin und Her in der Zeit entsteht zwar Dynamik und Abwechslung, aber man muss wirklich konzentriert bleiben, um alles nachzuvollziehen.
An manchen Stellen hatte das Buch für mich auch kleinere Längen, die den Lesefluss kurz gebremst haben – insgesamt hielt sich das aber noch im Rahmen.

Zeitreisegeschichten finde ich grundsätzlich toll, aber auch immer anspruchsvoll. Hier mochte ich besonders, wie sich viele kleine Hinweise und Szenen am Ende zu einem größeren Ganzen zusammenfügen. Dieses Puzzlehafte hat mir gut gefallen und sorgt definitiv dafür, dass man beim Lesen ständig mitdenkt.

Das Ende selbst hat mich allerdings nicht komplett überzeugt. Ich fand es stellenweise etwas verwirrend und nicht ganz logisch nachvollziehbar; anfangs musste ich wirklich überlegen, ob ich alles richtig verstanden habe. Trotzdem hat es mich zum Nachdenken gebracht – und genau das ist letztlich auch eine Stärke des Buches.

Was mir während des Lesens zudem immer wieder durch den Kopf ging, war eine starke Parallele zu Alice im Wunderland. Diese leicht wirre, traumartige, stellenweise bewusst verwirrende Erzählweise, kombiniert mit der allgegenwärtigen Magie und den merkwürdigen Ereignissen, hat bei mir genau diese Assoziation ausgelöst und sie blieb tatsächlich bis zum Schluss bestehen.

Fazit

Unterm Strich ist „Das White Octopus Hotel“ von Alexandra Bell für mich ein sehr außergewöhnlicher, atmosphisch dichter Roman, der sicher nicht jedem gefallen wird, aber definitiv im Kopf bleibt. Wer geheimnisvolle, melancholische und etwas abgedrehte Geschichten mit Zeitsprüngen und psychologischer Tiefe mag, sollte hier unbedingt einen Blick riskieren.

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Veröffentlicht am 15.02.2026

psychologischer Nervenkitzel bis zum Morgengrauen

Five Survive
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Sechs Freunde sind mit einem Wohnmobil unterwegs zum Spring Break. Eigentlich soll es ein unbeschwerter Roadtrip werden, ein letzter gemeinsamer Ausbruch vor dem Ernst des Lebens. Doch irgendwo im Nirgendwo ...

Sechs Freunde sind mit einem Wohnmobil unterwegs zum Spring Break. Eigentlich soll es ein unbeschwerter Roadtrip werden, ein letzter gemeinsamer Ausbruch vor dem Ernst des Lebens. Doch irgendwo im Nirgendwo verfahren sie sich. Mitten in der Nacht fallen plötzlich Schüsse. Die Reifen sind zerstört, der Tank ist beschädigt – sie sitzen fest. Ein Unbekannter lauert draußen im Dunkeln und macht klar: Niemand verlässt das Wohnmobil. Und er wird erst aufhören, wenn die eine Person unter ihnen ein tief verborgenes Geheimnis preisgibt.
Was folgt, ist eine einzige Nacht voller Angst, Misstrauen und eskalierender Konflikte. Die Zeit drängt, denn mit dem Sonnenaufgang läuft auch ihr vermeintlicher Schutz ab.
Und während draußen jemand mit einem Gewehr wartet, beginnt drinnen ein psychologisches Kammerspiel: Wer lügt? Wer weiß mehr, als er zugibt? Und gibt es überhaupt einen anderen Ausweg?

Ganz im typischen Stil von Holly Jackson war ich von der ersten Seite an völlig in „Five Survive“ versunken. Spätestens in dem Moment, als die ersten Schüsse fallen und klar wird, dass sie in der Falle sitzen, hatte mich die Geschichte restlos gepackt. Diese Sogwirkung war enorm. Ich bin nur so durch die Seiten geflogen, weil ich einfach wissen musste, wie das Ganze ausgeht.

Was für mich dabei besonders gut funktioniert hat, war das Setting. Der Großteil der Handlung spielt in diesem beengten Wohnmobil, und das über nur eine einzige Nacht hinweg. Diese räumliche Enge kombiniert mit der extrem knappen Zeitspanne hat eine konstante, unterschwellige Panik erzeugt. Es war von Anfang an klar: Wenn sie das hier überleben wollen, muss vor Sonnenaufgang das Geheimnis gelüftet werden.

Holly Jacksons Schreibstil verstärkt genau diese Atmosphäre. Sie schreibt schnell, direkt, sehr nah an den Figuren. Die Dialoge wirken oft hektisch, überlappend, emotional, genau passend zur Situation. Gleichzeitig schafft sie es, dieses Misstrauen untereinander Stück für Stück aufzubauen. Man hinterfragt beim Lesen wirklich jede Person. Jede Reaktion. Jede kleine Andeutung.

Die Handlung selbst fand ich insgesamt stark. Vor allem die Plot-Twists am Ende waren wieder einmal genial konstruiert. Genau das, was ich mittlerweile von Holly Jackson erwarte: unerwartet, durchdacht und im Nachhinein logisch. Sie legt Spuren, ohne dass man sie beim ersten Lesen richtig erkennt. Als sich am Ende alles auflöst, war ich ehrlich beeindruckt. Gleichzeitig bleiben ein paar Fragen offen, gerade was die Zukunft der Charaktere betrifft. Das fand ich einerseits spannend, weil man sich selbst Gedanken machen kann bzw. muss. Andererseits hätte ich mir stellenweise noch etwas konkretere Einblicke gewünscht.

Zwischendrin hatte ich allerdings auch Phasen, in denen sich die Handlung leicht gezogen hat. Einfach deshalb, weil die Freunde gefühlt nicht wirklich vorankamen. Sie diskutieren, verdächtigen sich, streiten, aber es passiert äußerlich nicht viel Neues. Das war für mich aber noch im Rahmen und hat die Gesamtspannung nicht zerstört.

Mit den Charakteren hatte ich jedoch gemischte Gefühle.
Oliver hat mich, ehrlich gesagt, wahnsinnig gemacht. Ich musste beim Lesen so oft die Augen verdrehen. Seine Art, wie er spricht, wie er Entscheidungen trifft, wie selbstverständlich er die Führung übernimmt – das war für mich einfach unglaublich nervig. Ich habe nicht verstanden, warum die anderen ihm so bereitwillig folgen. Vielleicht, weil er der Älteste ist. Vielleicht, weil sie eingeschüchtert sind. Aber ich habe mich permanent über ihn geärgert. Und genau das spricht eigentlich wieder für die Autorin, denn er hat definitiv eine starke Reaktion in mir ausgelöst.
Red hingegen tat mir unglaublich leid. Emotional hat mich ihre Situation sehr getroffen, vor allem gegen Ende. Gleichzeitig empfand ich sie teilweise als etwas zu naiv. Ihre Gedanken waren oft sehr wirr und sprunghaft. Ich hatte beim Lesen das Gefühl, dass hier möglicherweise eine Tendenz Richtung Neurodivergenz angedeutet wird, gerade mit ihrer Vergesslichkeit und der Art, wie sie denkt. Das fand ich grundsätzlich spannend und wichtig. Aber insgesamt wirkte sie auf mich stellenweise jünger als 18, einfach sehr naiv und unsicher. Das hat es mir manchmal schwer gemacht, sie vollkommen ernst zu nehmen, obwohl ich emotional sehr mit ihr mitgefühlt habe.

Was ich Holly Jackson aber wirklich hoch anrechne, ist diese konstante Spannung. Selbst in ruhigeren Momenten war da immer diese unterschwellige Angst. Dieses Wissen: Da draußen wartet jemand. Und er meint es ernst. Diese permanente Bedrohung hat mich beim Lesen nicht losgelassen. Ich hatte wirklich dieses beklemmende Gefühl im Bauch und das bis zur letzten Seite.
Das Ende war emotional, intensiv und in gewisser Weise auch bitter. Es löst vieles auf, aber nicht alles. Und genau das bleibt hängen.

Fazit

Für mich war „Five Survive“ nicht perfekt – vor allem wegen einzelner Charaktere und kleiner Längen –, aber es war extrem spannend, atmosphärisch dicht und mit großartigen Twists versehen. Ein typischer Holly-Jackson-Thriller: psychologisch, nervenaufreibend und mit einem Finale, das einen nochmal komplett überrascht.

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