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Veröffentlicht am 26.04.2022

✎ Sabine Speer - Mathilda und Leopold

Mathilda und Leopold
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Neulich hat ein Kinderroman zu mir gefunden, der ein paar magische Momente versprach - immerhin trifft Mathilda im Roman auf Feen und Kobolde.

Doch direkt zu Anfang irritierte mich erstmal die Tatsache, ...

Neulich hat ein Kinderroman zu mir gefunden, der ein paar magische Momente versprach - immerhin trifft Mathilda im Roman auf Feen und Kobolde.

Doch direkt zu Anfang irritierte mich erstmal die Tatsache, dass man einfach in die Geschichte hineingeschmissen wird. Das ist an sich nicht schlimm, doch der Satz fängt direkt oben auf der Seite an - ohne Kapitel oder großen Anfangsbuchstaben oder irgendetwas, das mich so ein bisschen vorbereitet hätte.

So zieht sich das dann auch durch das ganze Buch. Es gibt keine Einteilungen, keine Kapitel. Nur Absätze und bei Szenenwechseln auch mal eine Leerzeile. Man bekommt als (vor)lesende Person irgendwie nicht die Möglichkeit, das Werk einfach mal zur Seite zu legen und Luft zu holen.

Auch der Umstand, dass jegliche Illustrationen fehlen, machten das Vorlesen nicht gerade einfach. Meine 4-Jährige hatte nach einiger Zeit keine Lust mehr, zuzuhören und so las ich das Buch dann alleine zu Ende.

Die Autorin hat das Werk ab 5 Jahren als Vorlesegeschichte angepriesen. Ich denke, dass es aufgrund seiner Textlänge und fehlenden Bilder eher ab 8 Jahren geeignet ist. Dann nämlich kann man die Fantasie der Zuhörenden fördern, indem man nach dem Lesen Zeichnungen der magischen Wesen anfertigt.

Der Schreibstil von Sabine Speer ist mega beschreibend. Bei mir als Erwachsene liefen ständig Bilder vor den Augen ab. Egal ob von Mathilda auf der Blumenwiese. Oder den Feen. Oder den Tanten. Alles wird mir einer enormen Ausdruckskraft in Szene gesetzt. Man denkt, man ist wahrhaftig im Geschehen drinnen.

Und genau deshalb finde ich es so schade, dass die Autorin hier einfach nur einen richtig guten Text genommen und in ein Buch gedruckt hat. Die Zusammenarbeit mit einer Illustratorin oder einem Illustrator hätte der Lektüre das gewisse Etwas gegeben.
Allein schon Kapitelüberschriften würden das Geballte ein wenig auflockern, um den Kindern die Angst zu nehmen, weiter zu lesen.

Keines der Kinder (zwischen 4 und 7 Jahre alt), denen ich "Mathilda und Leopold" angeboten habe, hat es nach einem Blick hinein mit nach Hause zum Lesen genommen. Als ich fragte warum: Es sind keine Bilder drin und es ist zu viel Text.

Bedauerlich, denn ich finde Mathilda und ihre Tanten liebenswert und würde gerne eine (Vor)Leseempfehlung aussprechen. Ich hoffe sogar, dass Mathildas Abenteuer eine kleine Reihe werden. Aber dann doch bitte mit Bildern und einem weniger abschreckenden Aufbau.

©2022 Mademoiselle Cake

Veröffentlicht am 20.04.2022

✎ David O'Connell - Die Minimes 1

Die Minimes (Band 1)
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Wir hatten uns mega auf die Minimes gefreut. Kleine, menschenähnliche Wesen, die unter der Stadt leben, klangen vielversprechend. Doch was wir bekamen, entsprach nicht so ganz unseren Erwartungen ...

Schon ...

Wir hatten uns mega auf die Minimes gefreut. Kleine, menschenähnliche Wesen, die unter der Stadt leben, klangen vielversprechend. Doch was wir bekamen, entsprach nicht so ganz unseren Erwartungen ...

Schon zu Anfang zog sich die Geschichte und meine 4-Jährige stieg ziemlich schnell aus, sodass ich das Buch im Endeffekt alleine zu Ende gelesen habe. Uns wurde ein "Leseabenteuer für Kinder ab 5 Jahren" versprochen, doch "Die Minimes" finden ihre Leserinnen eher ab ca. 8/9 Jahren.

Das Abenteuer ist gut beschrieben und stellenweise sehr spannend, doch in meinen Augen viel zu komplex und mit seinen 220 Seiten auch ein wenig lang für 5-Jährige. Hinzu kommt ein Gruselfaktor, mit dem so junge Zuhörer
innen nicht immer gut umgehen können.

Auch das Verhältnis von Schrift und Bild ist für dieses Alter nicht angemessen. Ich finde, dass es viel zu wenige Illustrationen zu der wirklich beschreibenden Geschichte gibt. Pro Kapitel, welches ca. 7-9 Seiten umfasst, gibt es 1 Bild. Das ist absolut zu wenig. Gerade 5-Jährige wollen immer wieder mal gucken und nicht seitenlang nur zuhören "müssen".

Zusätzlich gibt es ein paar Wortspiele. Für mich waren sie ganz lustig. Mein Kind konnte damit nichts anfangen. (manche Worte kannte es noch nicht und andere hat man beim reinen Vorlesen nicht unterscheiden können) Bei Leseanfänger würden sie zwar gut ankommen und sicher auch lustig sein, doch hätte ich Bedenken, dass Kinder sich die Worte dann falsch einprägen. Bei 9-Jährigen wäre dieses Risiko weitaus geringer. Daher bestätigte sich für mich das höhere Lesealter auch an dieser Stelle.

Mir als Erwachsene ist zudem aufgefallen, dass einige Illustrationen nicht mit den Beschreibungen zusammenpassen. (vor allem Beschreibungen von äußerlichen Merkmalen der Personen)

Alles in allem ist es keine Geschichte, die derzeit zu uns passt, obwohl mein Kind (fast) dem empfohlenen Vorlesealter entspricht. Deshalb gibt es von uns keine Vorleseempfehlung. Ich werde mal schauen, wie es bei unseren Kindern in der 3. und 4. Klasse ankommt.

©2022 Mademoiselle Cake

Veröffentlicht am 11.04.2022

✎ Romy Hausmann - Perfect Day

Perfect Day
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"Liebes Kind" hat mir damals recht gut gefallen. Ich mag den Schreibstil der Autorin und wie sie mit der Psyche der lesenden Person spielt. Genau das, was einen Psychothriller ausmacht.

Auch in "Perfect ...

"Liebes Kind" hat mir damals recht gut gefallen. Ich mag den Schreibstil der Autorin und wie sie mit der Psyche der lesenden Person spielt. Genau das, was einen Psychothriller ausmacht.

Auch in "Perfect Day" hat Romy Hausmann erneut ihr Können unter Beweis gestellt.
Sie legt geschickt Spuren, denen man bereitwillig folgt, nur um dann festzustellen, dass sie doch wieder eine andere Abzweigung nehmen.

Doch dieses Mal war ich teilweise ein bisschen an(n)genervt. Die Reaktionen der Protagonistin waren nicht immer ganz nachvollziehbar. Andere Charaktere handelten ebenfalls teilweise sehr überspitzt und es gab so viele Zufälle, das es für mich einfach nicht mehr gepasst hat.

Dennoch hielt mich die Schriftstellerin irgendwie am Strick, den ich nicht kappen konnte, ohne beim Ende angelangt zu sein. Mich hat sie dort nochmal überrascht, denn ich hatte ein anderes Szenario im Kopf.

Interessant fand ich den Ausflug in die verschiedenen Gefühle.

Dieses Mal gibt es nur 1 Sprecherin. Anfangs fand ich das sehr schade, denn Sandrine Mittelstädt macht ihren Job zwar super, doch ich hätte mir eine deutlichere Abgrenzung an einigen Stellen gewünscht. Doch im Endeffekt war es gut, dass es nur sie gab, denn so war ich lange Zeit auf einem Holzweg.

Ich fand den Psychothriller durchaus unterhaltsam, auch wenn er streckenweise wirklich konstruiert, ein bisschen zu gewollt, klang. Mir hat "Liebes Kind" damals mehr gefallen, weswegen ich für "Perfect Day" nur eine bedingte Hörempfehlung ausspreche.

©2022 Mademoiselle Cake

Veröffentlicht am 22.03.2022

✎ Jan Kaiser & Kai Würbs - Ein großes Herz

Ein großes Herz
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Wir Erwachsenen wissen, dass "ein großes Herz haben" nichts mit der tatsächlichen Größe eines Herzens zu tun. Wir wissen ebenfalls, dass es manchmal ein wenig dauern kann, ehe man es findet und dass sich, ...

Wir Erwachsenen wissen, dass "ein großes Herz haben" nichts mit der tatsächlichen Größe eines Herzens zu tun. Wir wissen ebenfalls, dass es manchmal ein wenig dauern kann, ehe man es findet und dass sich, wenn man es dann vor sich hat, große Gefühle in einem breit machen.

Wie jedoch bringt man dies kleinen Kindern nahe?

Man lässt sie mit einer kleinen Maus in die Welt hinausziehen, verschieden große Tiere und Menschen kennenlernen und so begreifen, dass Körpergröße nicht alles ist.

Die Illustrationen regen wunderbar zum Erzählen an. Man sieht, wem der Mäuserich begegnet und fragt erst das Kind, was es denkt: Hat das gezeigte Tier ein großes Herz?

Doch mir als Erwachsene sind die Begegnungen zu negativ besetzt.
Die Katze will will ihn fressen.
Die Ziege stinkt.
Die Frau hat Angst vor ihm.
Die Kuh kackt ihm einfach vor die Füße, dreht sich um und geht.
Die Waldame bekommt ihn gar nicht mit und taucht ab.

Und das ist nicht nur mir aufgefallen, sondern auch meiner 4-Jährigen. Sie fragte mich andauernd, warum die anderen so gemein zu Mulle sind. Ich habe ständig versucht, die Geschichte durch Erklärungen irgendwie zu drehen, doch das ist eigentlich nicht meine Intension, wenn ich mir ein bereits geschriebenes Werk anschaffe.

"Ein großes Herz" ist vom Text her leider kein Buch für uns. Es fehlt die Vielfalt, es fehlt das Positive.
Auch wenn am Schluss ein absolut wichtiger Wert vermittelt werden soll, ist der Weg dorthin nicht der, den wir uns gewünscht haben.

Doch die Illustrationen sprechen ihre eigene Sprache - und zwar eine gewaltige!

Unentdeckt vom kleinen Mäuserich - aber nicht von uns - sucht ab Seite 6 zum Beispiel noch ein anderes Tier nach der großen Liebe. In der Geschichte selbst wird es nie erwähnt, sondern ist nur durch die Aquarelle präsent. Auch über dieses Tier haben wir gesprochen und uns unsere eigene Geschichte dazu ausgedacht. Die Bilder laden einfach dazu ein.

Ich habe wirklich versucht, meine erwachsene Sicht außen vor zu lassen, weil es eben ein Bilderbuch für Kinder ab 4 Jahren ist. Doch auch meine Tochter nimmt dieses Buch nie zur Hand. Es steht im Regal neben all ihren anderen Schätzen - und bleibt dort auch stehen. Sie hat absolut kein Interesse daran, es anzuschauen oder vorgelesen zu bekommen. Vielleicht ist es auch einfach nicht ihr Thema (zur Zeit).

©2022 Mademoiselle Cake

Veröffentlicht am 17.03.2022

✎ Julie Heiland - Ikonen ihrer Zeit 5 Diana

Diana
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Ich habe 2015 schon einmal ein Buch über Diana gelesen - damals handelte es sich jedoch um die 1997 erschienene Biografie "Diana: Die Königin der Herzen", die von Weltbild in Zusammenarbeit mit Bunte & ...

Ich habe 2015 schon einmal ein Buch über Diana gelesen - damals handelte es sich jedoch um die 1997 erschienene Biografie "Diana: Die Königin der Herzen", die von Weltbild in Zusammenarbeit mit Bunte & Sat.1 herausgegeben wurde.

Die Romanbiografie von Julie Heiland empfand ich als als nicht ganz so ansprechend.

Christiane Marx hat als Sprecherin einen guten Job gemacht. Durch sie konnte ich der Geschichte mit Leichtigkeit folgen.
Hätte ich sie selbst gelesen, wäre ich wahrscheinlich nicht so enthusiastisch dabei geblieben.

Zwar hat die Autorin einen lockeren Schreibstil, doch sind die ständigen Wiederholungen nicht ganz das, was ich erwartet habe.

Auch wird hier sehr einseitig aus Dianas Sicht geschildert. Das verhindert, dass man einen allumfassenden Einblick bekommt.

Außerdem ist das ganze sehr melodramatisch und negativ besetzt. Es scheint, dass es kaum Lichtpunkte in Dianas Leben gab. Das "Königin der Herzen" kommt mir im Roman ebenfalls nicht gut genug rüber. Im Gegenteil, sie wird meist als schwach dargestellt und erst zum Schluss offenbart sich ihre wirkliche Stärke. Ich hätte mir da einfach ein wenig mehr Beteiligung vom Volk gewünscht, welches sie wirklich verehrt (hat) - und nicht wie das Königshaus, welches sie klein halten wollte.

Ich tue mich also schwer, hier eine Hörempfehlung auszusprechen. Wird nach der wahren Diana gesucht, ist man hier eher fehl am Platz. Möchte man einfach mit der Hauptfigur Diana gut unterhalten werden, dann kann man schon zugreifen.

©2022 Mademoiselle Cake