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Venatrix

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 23.03.2022

Ein gelungener Abschluss der Trilogie

Die Zeit der Jäger
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In diesem dritten Band der Trilogie um Karl Wieners, Ludwig Gruber und Magda Blohm verschwindet der despotische Ehemann Magdas beinahe spurlos. Außer einem leer geräumten Tresor, einem großen Blutfleck ...

In diesem dritten Band der Trilogie um Karl Wieners, Ludwig Gruber und Magda Blohm verschwindet der despotische Ehemann Magdas beinahe spurlos. Außer einem leer geräumten Tresor, einem großen Blutfleck und einem toten Leibwächter ist nichts zu finden. Ist Walter Blohm entführt worden? Wenn ja, von wem?

Ausgerechnet Ludwig Gruber, der nach einem Intermezzo als Berufsdetektiv wieder in den Polizeidienst zurückgekehrt ist, wird mit der Aufklärung dieses mysteriösen Falles betraut. Während sein Vorgesetzter Magda Blohm und Karl Wieners, den alle für ihren Onkel halten, als Verdächtige ansieht, geht Gruber einem anderen Hinweis nach. Er hat nämlich den Tipp erhalten, dass sich Blohms Reichtum auf geraubtem Zahngold begründet ....

„Wer nicht mit offenen Karten spielen kann, der spielt falsch. Und das ist nie der Anfang von etwas Gutem.“ (S. 110/111)

Meine Meinung:

„Die Zeit der Jäger“ ist der Abschluss der Trilogie von Andreas Götz. Wie schon in den Vorgängern beschreibt der Autor die Zeit der Neuausrichtung von Polizei, Wirtschaft und Gesellschaft im Nachkriegsdeutschland. Viele der ehemaligen Nazis sind wieder in einflussreichen Positionen, die sie um keinen Preis aufgeben wollen. Daneben steuert der Kalte Krieg langsam aber unaufhörlich seinem Höhepunkt zu. Mitarbeiter von Spionage und Gegenspionage bespitzeln die Bürger und einigen Gruppierungen geht die Aufarbeitung der NS-Verbrechen zu lasch vor sich, weshalb sie das Recht in ihre eigenen Hände nehmen.

Diese Zeit um 1958 dient Alexander Götz als Kulisse für seinen Krimi, der weniger ein klassischer Whodunit-Krimi als ein zeitgeschichtliches Dokument ist. An manchen Stellen ist das Buch spannend, andere hätten ein wenig gestrafft werden können.

Die politischen Hintergründe sind sehr gut dargestellt. Durch zahlreiche Rückblenden werden einzelne Zusammenhänge erläutert.

Eine der zentralen Fragen ist, ob man aus Liebe zum Mörder werden kann, oder ob es mehr dazu bedarf. Wie gut kennt man seine Freunde wirklich?

Die Aufklärung der Herkunft von Agota und Danuta klingt abenteuerlich. Aber, in den Wirren des Zweiten Weltkrieges ist wohl viel möglich gewesen. Ich persönlich finde dieses Happy End (wenn es eines sein sollte) ein wenig zu dick aufgetragen.

Interessant ist, wie unterschiedlich DDR und BRD bei der Aufklärung und Verfolgung von NS-Verbechen vorgegangen sind.

Fazit:

Ein gelungener Abschluss der Trilogie, der mehr zeitgeschichtlicher Roman als Krimi ist. Gerne gebe ich hier 4 Sterne.

Veröffentlicht am 17.03.2022

Düster wie seine Vorgänger

1795
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Mit diesem Buch endet die Trilogie rund um Emil Winge und Jean Michael Cardell.

Nach wie vor sind die beiden auf der Suche nach Anna Stina Knapp und dem zwielichtigen Tycho Ceton.

Anna Stina soll in ...

Mit diesem Buch endet die Trilogie rund um Emil Winge und Jean Michael Cardell.

Nach wie vor sind die beiden auf der Suche nach Anna Stina Knapp und dem zwielichtigen Tycho Ceton.

Anna Stina soll in Besitz einer Liste von Verschwörern gegen das Königshaus sein, auf die nicht nur die Regierung Jagd macht. Doch nach dem Brand ist Anna Stina verschwunden. Lebt sie überhaupt noch? Oder will sie nur nicht gefunden werden? Die Suche nach ihr wird für Winge und Cardell, wenn auch aus unterschiedlichen Grünen, zur Obsession.

Ceton wiederum, ein mehrfacher Mörder, ist noch immer nicht gefasst und hält nach weiteren Opfern Ausschau.

Wird es Winge und Cardell gelingen, den Psychopathen zur Strecke zu bringen? Und wie hoch wird der Preis sein?

Meine Meinung:

Ich halte diesen dritten Band für den schwächsten, denn er hat vor allem im Mittelteil einige Längen.

Gut gefallen hat mir wieder die Beschreibung von der Stadt Stockholm. Die Kälte, die Armut und die Depression haben die Stadt fest im Griff genauso wie die politischen Unruhen. Der Regent ist noch minderjährig und die diversen Günstlinge versuchen, ihre Schäfchen ins Trockene zu bringen. Das Gespenst der Revolution erhebt sein Haupt wie in Frankreich, wo man das Herrscherpaar und viele andere hingerichtet hat.

Man kann diesen dritten Teil nicht ohne seine beiden Vorgänger 1793 und 1794 lesen, da sonst essenzielles Wissen fehlt. Die zahlreichen Erzählstränge sind von Armut, Krankheit und Verfolgung geprägt, werden aber zum Ende hin schlüssig zusammengefügt.

Die Sprache ist der Zeit angepasst. Die Charaktere durchwegs düster. Selbst Emil Winge und Jean Michael Cardell sind keine strahlenden Helden, sondern vom Leben gezeichnete Veteranen.

Fazit:

Ein gelungener Abschluss der Trilogie, der aber trotzdem nicht ganz mit dem ersten Band („1793“) mithalten kann. Daher nur 4 Sterne.

Veröffentlicht am 11.03.2022

Ein gelungenes Krimidebüt

Gaußberg
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Kriminalhauptkommissar Wim Schneider steckt tief in einer Krise. Zum einen wird er gemeinsam mit seiner Kollegin Birgit „Biggi“ Höfgens an das Einbruchsdezernat von Hannover verliehen, weil dort Personalmangel ...

Kriminalhauptkommissar Wim Schneider steckt tief in einer Krise. Zum einen wird er gemeinsam mit seiner Kollegin Birgit „Biggi“ Höfgens an das Einbruchsdezernat von Hannover verliehen, weil dort Personalmangel herrscht, aber kein Mangel an Einbrüchen. Zum anderen treiben ihn die Schmerzen in seinem Unterleib die Wände hoch, doch zum Arzt gehen, ist keine Option.

Als dann eine weibliche Wasserleiche auftaucht, wird Schneider zu seiner Überraschung zum Leiter der städteübergreifenden Ermittlungen ernannt, weil die tote Frau aus seiner Heimatstadt Braunschweig stammt. Die Freude über die Leitungsfunktion währt nicht lange, denn er muss mit seinem Braunschweiger Ex-Kollegen Manfred Wiegand und dessen Kollegin Rosalie Helmer zusammenarbeiten.

Wenig später gibt es eine weitere Leiche, die auch nicht die Letzte bleiben wird, und die Ermittlungen kommen ins Stocken ...

Meine Meinung:

Mario Bekeschus ist hier ein vielschichtiges Krimi-Debüt gelungen. Was zunächst wie ein Kriminalfall im Umkreis von Immobilienspekulanten aussieht, entpuppt sich zu einem wahren Gordischen Knoten.

Der Autor lockt seine Leser auf zahlreiche Spuren und nicht selten enden diese in der einen oder anderen Sackgasse. Mehrere Handlungsstränge, die anfangs sogar nichts miteinanderzutun haben zu scheinen, verquicken sich im Laufe des Krimis zu einem.

Der Schreibstil gefällt mir gut, zieht sich doch feiner Humor durch das gesamte Buch. So kabbelt sich Wim stets mit Birgit, die er seit Jahrzehnten kennt und immer nur „Biggi“ ruft, wie ein altes Ehepaar.

Schmunzeln musste ich häufig über Wim, wenn er sich weigert, die modernen Helferleins wie Smartphone oder Datenbanken zu nutzen. Biggi springt hier immer helfend ein, was manchmal auch recht komisch wirkt. Schneiders Angst vor dem Arzt und einer schlimmen Diagnose ist nur allzu menschlich.

Fazit:

Ein gelungenes Krimi-Debüt, dem ich gerne 4 Sterne gebe. Ich freue mich, wenn es eine Fortsetzung gibt.

Veröffentlicht am 02.03.2022

Historisch, mystisch, geheimnisvoll - das Ausseer Land

Das Innere des Landes
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Als John erfährt, dass er das Haus seiner Großmutter in Österreich geerbt hat, reist aus den USA in das Ausseer Land, um die Immobilie in Augenschein zu nehmen. Doch nicht nur das Erbe veranlasst ihn, ...

Als John erfährt, dass er das Haus seiner Großmutter in Österreich geerbt hat, reist aus den USA in das Ausseer Land, um die Immobilie in Augenschein zu nehmen. Doch nicht nur das Erbe veranlasst ihn, die gewohnte Umgebung zu verlassen. Vielmehr flieht er vor seiner zerbrechenden Ehe und den aufkommenden Streitigkeiten.

Das Haus der Großmutter, die seinerzeit kurz nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs mit ihrer kleinen Tochter in die USA ausgewandert ist, stellt sich als renovierungsbedürftig heraus. Binnen kürzester Zeit wissen alle, dass er das Haus verkaufen will. Allerdings will man den Preis drücken. Als dann noch angeblich erbberechtigte Verwandte und menschliche Knochen unter dem Fußboden auftauchen, beginnt John, mit der Hilfe von Sarah, einer arbeitslosen Journalistin, dem Geheimnis seiner Großmutter auf den Grund zu gehen.

Dabei muss er sich mit dem Bürgermeister, einem aufdringlichen Immobilienentwickler, einer freundlichen Nachbarin und einigen ewig Gestrigen auseinandersetzen. Ein bisschen viel für jemandem, der sich in einer schwierigen Lebensphase befindet, und eigentlich nur seine Ruhe haben will.

Als er entdeckt, dass der Ehemann seiner Großmutter, der in den letzten Kriegstagen gefallen ist, ein Widerstandskämpfer gegen die Nazis war, beschließt er, diesen schönen Flecken Natur zu behalten.

Meine Meinung:

Ich kenne schon einige Bücher von Günther Marchner. Einige davon sind Sachbücher, dieses hier ist ein Roman. Ein Roman, der, wie der Autor im Nachwort bemerkt, eine vielschichtige bis unübersichtlich Angelegenheit ist. Die Region ist real, doch „historisch, literarisch, mystisch von Klischees durchtränkt und vom Tourismusmarketing durchkomponiert“ (S. 194).

Die Geschichte ist nicht ganz einfach zu lesen, was aber nicht am Inhalt, sondern an der technischen Umsetzung liegt: Der Autor verzichtet auf jegliches Redezeichen. Ein Umstand, den ich so gar nicht leiden kann. Was soll das bringen? Die fehlenden Lesezeichen erleichtern das Lesen nicht wirklich. Im Gegenteil, es erfordert erhöhte Konzentration beim Lesen.

Der Schreibstil selbst gefällt mir sehr gut. Die Gedanken des Protagonisten, der als unbedarfter Amerikaner sich noch wenig mit der Geschichte seiner Vorfahren beschäftigt hat, entwickeln sich langsam aber stetig. Zuerst will er die Immobilie so schnell wie möglich abstoßen, mit Gewinn, versteht sich. Erst nach und nach begreift er die Tragweite seines Entschlusses und muss erkennen, dass er endlich angekommen ist, bei sich selbst nämlich.

Dazu passt das Cover recht gut, das die Narzissenwiese um 180° verdreht zeigt. Ähnlich ist es John ergangen, dessen bisheriges Leben durch die Erbschaft auf den Kopf stellt.

Der Autor greift ein aktuelles Thema auf: Immobilienspekulation. Der Wunsch nach einer schönen Ecke Österreichs lässt Zweitwohnsitze wie die sprichwörtlichen Schwammerl aus dem Boden schießen. Es wird gerodet, nachträglich umgewidmet und Baugenehmigungen unter fragwürdigen Umständen erteilt ohne Rücksicht auf die Infrastruktur oder die einheimische Bevölkerung.

Der Roman könnte diesbezüglich überall in Österreich spielen, durch die historischen Ereignisse, passt er aber perfekt ins Ausseer Land.

Fazit:

Mir hat das Buch sehr gut gefallen. Die fehlenden Redezeichen kosten aber den 5. Stern, daher nur 4 Sterne.

Veröffentlicht am 27.02.2022

Eine gelungene Fortsetzung

Mostbarone
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„...Manche Menschen muss man nur reden lassen, eine alte Weisheit, die sich immer wieder bewährt hat...“

Der österreichische Krimiautor Helmut Scharner lässt nach einer längeren Pause seinen Ermittler ...

„...Manche Menschen muss man nur reden lassen, eine alte Weisheit, die sich immer wieder bewährt hat...“

Der österreichische Krimiautor Helmut Scharner lässt nach einer längeren Pause seinen Ermittler Leo Brandner, in der Zwischenzeit zum Major befördert, wieder ermitteln.

Die Leiche von Franz Haider, seines Zeichen Primus der Mostbarone, einer Vereinigung von Mostbauern, zwingt Brandner nach Neuhofen an der Ybbs ins (eh klar) Mostviertel.

Während sich der Herr Major mit der ganz und gar nicht trauernden Witwe, die ihm sofort einen Täter servieren will, unterhält, plagt sich seine Frau Eva damit, einen Urlaubsort für sich und ihre beiden Töchter zu finden. Aus den bekannten Gründen sind Destinationen am Meer wie Mallorca oder die verpönte Obere Adria buchstäblich ins Wasser gefallen. Nach langwieriger Suche findet sie in Blindenmarkt, unweit des Tatortes einen Reiterhof, der auch den Ansprüchen des pubertierenden Nachwuchses genügen sollte.

Wie es Autor und Zufall so wollen, gehört die Hotelchefin auch den Mostbaronen an und lässt sich mit „Baroness“ anreden.

Als dann der, von der Haider-Witwe als Täter verdächtigte, selbst einem Mord zum Opfer fällt, muss Leo Brandner noch ein wenig länger auf ein Wiedersehen mit seiner Familie warte.

Meine Meinung:

Ich mag Regionalkrimis und besonders jene, die in Österreich spielen, erhalte ich doch den einen oder anderen Geheimtipp zur Landschaft oder Brauchtum.

Grinsen musste ich über die eine oder andere Anspielung auf die Politiker und deren Handlungen im Sommer 2020.

“Urlaub in Österreich?“ „Den Gefallen wollte ich unseren Kanzlerbuben nicht machen.“

Nun, besagter Kanzler ist Geschichte und wir dürfen sowohl Leo als auch seine Familie durch die heißen Sommertage begleiten.

Ein nettes Stilmittel ist, die unausgesprochenen Gedanken der Protagonisten in kursiver Schrift darzustellen. Doch leider nützt sich dieser Kunstgriff recht bald ab, da er inflationär gebraucht wird. Schade, hier wäre weniger, mehr gewesen.

Sprachlich ist der Krimi gut gelungen. Nach rund 120 Seiten gibt es für mein Empfinden einen kleinen Durchhänger, bis eine unerwartete Wendung dem Krimi einen neuen „Drive“ gibt, der in einem fesselnden Showdown endet.

Die wechselnden Perspektiven ergeben ein rundes Gesamtbild der Geschichte. Die Beschreibung von Land und Leuten ist gut in die Handlung integriert. Vielleicht entdeckt der eine oder andere Leser das schöne Mostviertel als Ausflugs- oder Urlaubsziel.

Brandners Familie ist mir einen Hauch zu dominant in Szene gesetzt, aber das ist nur mein persönliches Empfinden, anderen gefällt es.

Fazit:

Wer einen Regionalkrimi mit einem unerwarteten Ende sucht, ist hier richtig. Gerne gebe ich 4 Sterne.