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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 29.03.2022

Abgedrehte Grusel-Satire mit skurrilen Typen und reichlich Situationskomik

Nazi Down, Baby!
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Nachdem mich der Autor Ulli Weckenmann bereits in seiner Trilogie um den Zeitreisenden Hans-Georg "Schorsch" Amann mit seiner abgedrehten Geschichte auf ganzer Linie begeistern konnte, war ich auf sein ...

Nachdem mich der Autor Ulli Weckenmann bereits in seiner Trilogie um den Zeitreisenden Hans-Georg "Schorsch" Amann mit seiner abgedrehten Geschichte auf ganzer Linie begeistern konnte, war ich auf sein neues Werk schon sehr gespannt. Und obwohl es diesmal thematisch in eine ganz andere Richtung geht, ist das Endergebnis erneut absolut überzeugend.

In und um Bierbach, einem kleinen Ort in Baden-Württemberg, bricht der Sturm des Jahrhunderts los. Und so findet sich auf dem Anwesen einer seltsamen Senioren-WG eine illustre Runde zusammen, um dort Schutz zu suchen. Doch schon bald sind Wind und Wetter ihr geringstes Problem, denn rund um das Anwesen gehen mysteriöse Dinge vor sich. Und so muss sich die Schicksalsgemeinschaft schon bald mit einer hungrigen und ziemlich aggressiven Wildschweinrotte herumschlagen. Und in den dunklen Gängen unter dem Anwesen lauert noch eine viel größere Bedrohung, die sich auf der Jagd nach Herrenmenschenfleich befindet.

Mit einem lockeren Schreibstil, viel Einfallsreichtum, reichlich Liebe zum Detail und einer ordentlichen Prise Humor, der auch schon mal ziemlich derbe ausfallen kann, entwirft der Autor eine bunte Welt voller unerwarteter Wendungen, skurriler Typen und abgedrehter Momente mit reichlich Situationskomik, durch die er seine Protagonisten, die durch die Bank gut gezeichnet und überraschend vielschichtig angelegt sind, stolpern lässt. Besonders die Anhänger diverser Verschwörungstheorien bekommen hier ordentlich ihr Fett weg, das nicht ganz ernstzunehmende Nachwort verteilt in dieser Hinsicht auch noch einmal den einen oder anderen ordentlichen Seitenhieb. Und für alle Fans von bösen Schlusspointen hält das Ende der Geschichte noch eine ganz besondere Note bereit.

Wer Spaß an abgedrehten Horrorgeschichten findet und auch keine Probleme mit derbem Humor und einer ordentlichen Portion Splatter hat, wird hier sehr gut bedient und unterhalten.

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Veröffentlicht am 25.03.2022

Packender und atmosphärisch dichter Thriller um das mysteriöse Geheimnis eines alten Anwesens

HOME – Haus der bösen Schatten
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Mit diesem Buch legt der Autor Riley Sager einen packenden Thriller vor, der mich mit viel Spannung und einen hohen Gruselfaktor auf ganzer Linie überzeugen und begeistern konnte.

Auf der Testamentseröffnung ...

Mit diesem Buch legt der Autor Riley Sager einen packenden Thriller vor, der mich mit viel Spannung und einen hohen Gruselfaktor auf ganzer Linie überzeugen und begeistern konnte.

Auf der Testamentseröffnung ihres erst kürzlich verstobenden Vaters Ewan erlebt Maggie Holt eine große Überraschung. Zum Nachlass gehört auch das Anwesen Baneberry Hall im Bundesstaat Vermont, das Maggie und ihre Eltern vor knapp 25 Jahren fluchtartig verlassen haben. Maggie selbst hat nur noch bruchstückhafte Erinnerungen an die Ereignisse, die zu dieser Aktion geführt haben und die ihr Vater in einem ziemlich reißerischen, aber sehr erfolgreichen Buch verarbeitet hat. Nun will Maggie das Haus für einen Verkauf herrichten und zugleich seinen Geheimnissen auf den Grund gehen, da sie die Geschichten ihres Vaters nie wirklich geglaubt hat und für reine Fiktion hält. Doch dabei scheint sie aber alte Mächte zu wecken, die immer noch über das Haus wachen.

Mit einem packenden Schreibstil und einigen überraschenden Wendungen treibt der Autor seine gut aufgebaute und atmosphärisch dichte Geschichte voran und erzählt sie auf zwei Zeitebenen. So erleben wir zum einen die aktuellen Geschehnisse durch die Augen von Maggie und bekommen im Wechsel dazu die vergangenen Ereignisse präsentiert, die Ewan ebenfalls aus der Ich-Perspektive erzählt. Dabei lässt uns der Autor lange Zeit darüber im Unklaren, ob man Ewans Erzählungen wirklich glauben kann bzw. ob es Maggie hier tatsächlich mit Geistern zu tun bekommt, oder es am Ende doch eine natürliche Erklärung für die mysteriösen Ereignisse gibt. Erst ganz zum Schluss bekommen wir eine verblüffende, aber dennoch absolut schlüssige Auflösung präsentiert, die keine wesentlichen Fragen offenlässt. Getragen wird die komplexe Geschichte von gut gezeichneten und vielschichtig angelegten Protagonisten in Haupt- und vermeintlichen Nebenrollen.

In der Summe ergibt dies einen Thriller der Extraklasse, der sich schnell zu einem echten Pageturner entwickelt. Mein erstes Buch des Autoren wird mit Sicherheit nicht mein letztes bleiben.

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Veröffentlicht am 07.03.2022

Packender Grusel-Thriller um ein altes Herrenhaus und sein dunkles Geheimnis

Die Toten von St.James
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Bei ihrem Debüt gelingt der Autorin Julia Herne gleich ein packender Grusel-Thriller, der mich zwar nicht komplett überzeugen, aber dennoch sehr gut unterhalten konnte.

Als Jared Marcus seinen Posten ...

Bei ihrem Debüt gelingt der Autorin Julia Herne gleich ein packender Grusel-Thriller, der mich zwar nicht komplett überzeugen, aber dennoch sehr gut unterhalten konnte.

Als Jared Marcus seinen Posten als neuer Sheriff der scheinbar so beschaulichen Kleinstadt St. James in West Virginia antritt, will er in erster Linie die Hektik seiner letzten Arbeitsstelle hinter sich lassen. Nach kurzer Eingewöhnungszeit kauft er sich ein altes und seit langem leerstehendes Herrenhaus, um sich in St. James endgültig eine neue Heimat zu schaffen. Doch schnell wird er mit der dunklen Geschichte dieses Hauses konfrontiert und muss dessen Geheimnis aufdecken, das auch für ihn schnell zu einer echten Bedrohung wird.

Mit einem packenden Schreibstil treibt die Autorin ihre gut aufgebaute Geschichte voran und lässt sich zu Beginn viel Zeit, um Land und Leute ausführlich vorzustellen. Doch schnell zieht auch eine zunächst unterschwellige Bedrohungslage in die Geschichte ein, die dann einen immer größeren Raum einnimmt und schlussendlich in einem krachenden Showdown mündet, der keine wesentlichen Fragen offenlässt. Getragen wird das Ganze von gut gezeichneten und vielschichtig angelegten Protagonisten in Haupt- und vermeintlichen Nebenrollen, die aber vielleicht an der einen oder anderen Stelle etwas mehr Tiefe hätten vertragen können.

Abgerundet wird das Buch am Ende durch einige kurze Bonuskapitel, die die weiteren Geschehnisse nach dem Prolog aus dem Jahr 1902 noch einmal vertiefen. Diese Kapitel hätte man durchaus auch als eingestreute Rückblenden in die Hauptgeschichte einbauen können, sie funktionieren aber auch so.

Wer auf spannende und atmosphärisch dichte Grusel-Thriller steht, wird hier insgesamt gut und spannend bedient.

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Veröffentlicht am 07.03.2022

Spannender Thriller mit einem vielschichtigen Ermittlerteam und einigen überraschenden Wendungen

Jigsaw Man - Der tote Priester
8

In diesem Thriller schickt die Autorin Nadine Matheson ihr Ermittlerteam um DI Anjelica Henley von der Serial Crimes Unit der Londoner Polizei in ihren zweiten Fall und kann sich dabei gegenüber dem ersten ...

In diesem Thriller schickt die Autorin Nadine Matheson ihr Ermittlerteam um DI Anjelica Henley von der Serial Crimes Unit der Londoner Polizei in ihren zweiten Fall und kann sich dabei gegenüber dem ersten Band noch einmal deutlich steigern.

Während DI Henley immer noch mit den Nachwirkungen ihres letzten Falles zu kämpfen hat, wartet bereits der nächste spektakuläre Einsatz auf sie und ihr Team. Der brutale Mord an einem bekannten Pastor sorgt alleine schon für ziemliches Aufsehen. Doch dann wird in der Kirche hinter einer versteckten Tür auch noch ein angeketteter, halbtoter junger Mann gefunden. Als zudem weitere Leichen auftauchen, die ähnliche Verletzungen aufweisen wie der junge Mann, werden die Ermittlungen zum Rennen gegen die Zeit. Ist hier ein religiös motivierter Serienmörder am Werk ?

Mit einem packenden Schreibstil und einigen überraschenden Wendungen treibt die Autorin ihre gut aufgebaute Geschichte voran und lässt sie schlussendlich in einem krachenden Finale münden, das in Sachen Spannung und Dramatik jede Menge zu bieten hat und so für die eine oder andere Länge im Mittelteil entschädigt. Auch die verblüffende Auflösung fällt überzeugend aus und lässt keine wesentlichen Fragen offen. Zudem packt die Autorin neben den Ermittlungen und den Ausflügen in das Privatleben der Ermittler noch einige anderer Themen, wie z.B. Rassismus in den Reihen der Polizei, in die Geschichte hinein, ohne dass diese dadurch überfrachtet wirkt. Man muss aber schon aufmerksam lesen, um hier nicht den Überblick zu verlieren.

Nachdem ich im ersten Band noch ein wenig gebraucht habe, um die etwas sperrige Anjelica Henley mit all ihren privaten und beruflichen Problemen in mein Herz zu schließen, war dies diesmal kein Problem mehr. Zudem bekommen hier neben ihrem Partner Salim Ramouter auch die übrigen Mitglieder des vielschichtigen Ermittlerteams deutlich mehr Raum zur Entfaltung, was der Geschichte insgesamt gut bekommt. Und auch die übrigen Protagonisten in Haupt- und vermeintlichen Nebenrollen sind gut gezeichnet und vielschichtig angelegt.

Ein wenig Kritik kann man aber gleich in zweifacher Hinsicht am Titel des Buches üben. Zum einen spielt der titelgebende „Jigsaw Man“ in der Geschichte überhaupt keine Rolle und wird auch nur am Rande erwähnt. Es ist zudem noch nicht einmal abschließend geklärt, ob er den Showdown in Band 1 überhaupt überlebt hat. Und obwohl im Buch sogar erklärt wird, warum der Tote ein Pastor und eben kein Priester ist, verwendet der Verlag diese falsche Bezeichnung im Titel. Der tote Pastor hätte allerdings auch etwas zu sehr nach Heimatkrimi geklungen und mit einem solchen haben wir es hier definitiv nicht zu tun. Und an der Klasse des Buches ändern diese beiden Punkte auch nichts.

Wer auf spannende und eher düster angelegte Thriller steht, wird hier insgesamt sehr gut bedient, trotz deutlicher Steigerung bleibt für die weiteren Bände der Reihe aber doch noch ein wenig Luft nach oben.

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Veröffentlicht am 28.01.2022

Schonungsloser Thriller um einen Elitesoldaten und ein monströses Forschungsprojekt

Prototyp
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Mit diesem Buch legt der Autor Matthias Clostermann einen harten und kompromisslosen Thriller vor, der zwar etwas braucht, bis er richtig auf Touren kommt, dann aber gewaltig kommt und einen förmlich überrollt. ...

Mit diesem Buch legt der Autor Matthias Clostermann einen harten und kompromisslosen Thriller vor, der zwar etwas braucht, bis er richtig auf Touren kommt, dann aber gewaltig kommt und einen förmlich überrollt. Dabei lässt der Autor in Sachen Gewalt und blutiger Einlagen wenig bis nichts aus, daher ist das Buch für etwas zartere Gemüter nicht wirklich geeignet.

Ein schrecklicher Motorradunfall, bei dem er Arme und Beine verliert, zerstört das bisherige Leben des Elitesoldaten Stefan Roth vom einen auf den anderen Moment. Und so zögert er in seiner Verzweiflung auch nicht lange, als man ihm anbietet, Testperson eines geheimen Forschungsprogramms der europäischen Union zu werden, bei dem die fehlenden Körperteile durch eine gänzlich neue Art von Neuroprothesen ersetzt werden sollen. Dabei handelt es sich um Hightech-Roboter-Gliedmaßen, die mit den Muskeln und Nerven seines Körpers verbunden sind und somit über sein Gehirn gesteuert werden können. Wenn er allerdings gewusst hätte, worauf er sich dabei wirklich einlässt, hätte er aber wahrscheinlich doch etwa länger über dieses Angebot nachgedacht.

Mit einem packenden Schreibstil treibt der Autor seine gut aufgebaute Geschichte voran und schickt seine Hauptfigur (und damit auch uns Leser) auf einen wahren Horrortrip. Das der Autor seit Jahren im Film- und Entertainmentbereich arbeitet, merkt man seinen bildhaften Beschreibungen, die das Kopfkino permanent auf Hochtouren laufen lassen, jederzeit an. Getragen wird das Ganze zudem von gut gezeichneten und vielschichtig angelegten Protagonisten in Haupt- und vermeintlichen Nebenrollen. Nach einem vergleichsweise ruhigen Beginn, der sich Zeit nimmt, die Figuren und das Setting einzuführen, legt die Geschichte ordentlich an Fahrt zu, die Spannung steigt jetzt von Seite zu Seite und entlädt sich am Ende in einem fulminanten und ziemlich blutigen Showdown, der einem beim Lesen kaum Zeit zum Luftholen lässt und zudem noch einige böse Überraschungen bereithält.

Wer auf Thriller der etwas härteten Art steht und kein Problem mit blutigen Einlagen hat, wird hier bestens bedient und unterhalten.

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