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Veröffentlicht am 26.05.2022

Ein neues tolles Abenteuer mit der Barfuß-Bande!

Die Barfuß-Bande und die Reise über alle Berge
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Hurra, endlich geht es mit der Barfuß-Bande weiter! Da mir der erste Band so gut gefallen hat, habe ich mich riesig über die Info gefreut, dass dieses Jahr eine Fortsetzung erscheinen wird. Diese musste ...

Hurra, endlich geht es mit der Barfuß-Bande weiter! Da mir der erste Band so gut gefallen hat, habe ich mich riesig über die Info gefreut, dass dieses Jahr eine Fortsetzung erscheinen wird. Diese musste ich natürlich unbedingt bei mir einziehen lassen.

Die Barfuß-Bande kann auf einen großartigen Sommer zurückblicken, in denen sie lauter spannende Abenteuer erlebt und so einige knifflige Fälle gelöst hat. Die Ferien neigen sich mittlerweile nur leider dem Ende zu und Taio, das neueste Mitglied, soll zurück nach München fahren. Das muss unbedingt verhindert werden! Corvin, Tanne, Ben und Kiki beschließen kurzerhand, gemeinsam mit Taio zu verduften und über die Berge nach Italien zu türmen. Obwohl die Barfüße einen genialen Plan ausgetüftelt haben, sind ihnen schon sehr bald die ersten Verfolger auf den Fersen. Zum Glück gelingt den Freunden die Flucht – ein Jahresvorrat an Kartoffelchips kann enorm hilfreich sein – doch dann verletzt sich ein Bandenmitglied auf der Reise. Oje. Ob die Barfüße ihr Ziel dennoch erreichen werden?

Den Reihenauftakt habe ich vor etwas über zwei Jahren gelesen, was nun also schon wieder ein Weilchen her ist. Obwohl mir die Geschehnisse inzwischen leider nicht mehr hundertprozentig präsent waren, habe mich dennoch dazu entschlossen, die Fortsetzung ohne einen schnellen Reread des Vorgängers zu lesen, was dann auch zum Glück kein Problem war. Die Bände bauen zwar aufeinander auf, aber da zu Beginn alles Wichtige kurz erklärt wird, kann man die beiden Bücher meinem Empfinden nach recht gut unabhängig voneinander lesen. Ich würde allerdings trotzdem raten, zuerst zu Band 1 zu greifen. Die Lesefreude ist dann einfach um einiges höher.

Was mein Lesevergnügen angeht, kann ich nur sagen, dass ich mich eindeutig zurecht so sehr auf mein Wiedersehen mit der Barfuß-Bande gefreut habe. Der erste Band hat mir persönlich zwar etwas besser gefallen – komplett überzeugen konnte mich der zweite Teil leider nicht – aber begeistert bin ich, definitiv. In meinen Augen ist Jörg Steinleitner mit „Die Barfuß-Bande und die Reise über alle Berge“ eine weitere mitreißende und höchst amüsante Feriengeschichte gelungen, die mit viel Tempo, Witz und Einfallsreichtum erzählt wird, mega gute Laune macht und die perfekte Lektüre für den Sommer ist. Ich habe die Barfüße nur zu gerne auf ihrer neuen aufregenden Mission begleitet und musste mich für meinen Geschmack viel zu schnell wieder von ihnen verabschieden.

Da es zwei Sachen gab, die mir nicht ganz so zugesagt haben, komme ich als nächstes einfach mal zu diesen.
Mir hat in diesem Band leider das Barfuß-Feeling gefehlt. Ich kann mich noch sehr gut daran erinnern, dass die große Leidenschaft der Banden-Mitglieder für das Barfußlaufen im Vorgänger äußerst bildlich beschrieben wurde, sodass man als Leser*in am liebsten sofort seine Schuhe und Socken ausgezogen hätte, um selbst mal wieder auf bloßen Füßen herumzulaufen. Dieses Mal jedoch spielt das Barfußlaufen kaum noch eine Rolle, sodass die Bande ihrem Namen eigentlich gar nicht mehr so wirklich gerecht wird. Fand ich schon ein bisschen schade, ich wäre gerne wieder in den Genuss der ulkigen barfüßigen Schilderungen gekommen.
Was ich auch etwas vermisst habe, sind die Krimielemente. Leider gibt es in diesem Teil keine detektivischen Ermittlungsarbeiten, die zum Mitraten einladen – junge Spürnasen, die auf einen neuen rätselhaften Fall gehofft haben, könnten also ein wenig enttäuscht von dem Buch sein. Da wir uns stattdessen aber mit der Barfuß-Bande auf einen abenteuerlichen Roadtrip begeben, hat mich dieser Aspekt letztendlich eigentlich nicht groß gestört.

Das war‘s dann auch schon mit meiner negativen Kritik, kommen wir nun zu den Dingen, die mir gefallen haben.
Da wären zum einen der Schreibstil und die Art und Weise wie alles geschildert wird. Jörg Steinleitner ist es meiner Ansicht nach abermals erstklassig gelungen aus dem Blickwinkel von Kindern zu schreiben. Die Sprache ist auch dieses Mal sehr lebendig und modern und enthält viel Sprachwitz, was bei der Zielgruppe garantiert richtig gut ankommen wird. Zudem ist der Erzählstil auch wieder sehr locker-leicht und flüssig und absolut passend für Kinder ab 8 Jahren zum Selberlesen geeignet. Der Altersempfehlung vonseiten des Verlags kann ich daher nur zustimmen. Zum Vorlesen für Kids ab 6 Jahren bietet sich die Reihe dank der kurzen Kapitel aber auch prima an.

Auch was die Charaktere anbelangt, wird diese Reihe bei Mädchen und Jungen ab 8 Jahren ganz bestimmt vollkommen punkten können. Da unsere fünf Hauptprotagonisten Corvin, Tanne, Ben, Kiki und Taio – sprich die Barfuß-Bande – sehr authentisch und lebensecht dargestellt werden, wird sich die Zielgruppe hervorragend mit ihnen identifizieren können. Mir, als Erwachsene, ist es allerdings auch wieder mühelos geglückt, mich in unsere Romanhelden hineinzuversetzen.
Mit den Barfüßen hat Jörg Steinleitner einfach zauberhafte Figuren erschaffen, ich habe sie alle Fünf fest in mein Herz geschlossen. Ich könnte da auch gar nicht sagen, wen ich am liebsten mag, sie sind einfach alle fünf so sympathisch und so schön aufgeweckt und abenteuerlustig drauf.
Neben der Barfuß-Bande sind nur noch sehr wenige weitere bekannte Gesichter aus dem Vorgänger mit von der Partie, was ich aber nicht schlimm fand. Wir dürfen dafür ein paar neue einmalige Gestalten kennenlernen wie eine chipsverrückte Oma zum Beispiel, oder eine freundliche Polizistin.

Wovon ich ebenfalls wieder vollauf begeistert bin, ist das Setting. Jörg Steinleitner verwöhnt uns auch diesmal mit einer wahren Wohlfühlkulisse, die zum Träumen und Entdecken einlädt und ein tolles Gefühl von Abenteuer aufkommen lässt. Am Anfang der Geschichte halten wir uns noch im idyllisch gelegenen Wolkendorf auf, allerdings wird es uns gemeinsam mit den Barfüßen sehr schnell in die Berge verschlagen, in Richtung Italien. An welche Orte uns die ereignisreiche Reise unserer Bande so mitnehmen wird, werde ich hier jedoch nicht verraten, das müsst ihr schon selbst herausfinden. Euch erwartet auf jeden Fall ganz viel traumhafte Natur und eine wundervolle Sommerstimmung.

Für eine großartige Atmosphäre sorgt dann auch wieder die Innenaufmachung. Daniela Kohl, die Illustratorin der Mein-Lotta-Leben-Reihe, hat die Erlebnisse unserer fünf Freunde auch dieses Mal köstlich in Szene gesetzt und die Geschichte mit vielen kunterbunten und stimmungsvollen Bildern versehen. Mir hat die Innengestaltung erneut wahnsinnig gut gefallen, ich liebe einfach den unverkennbaren und pfiffigen Zeichenstil von der Daniela Kohl und finde, dass er perfekt zu dieser Reihe passt.

Für mich kam beim Lesen an keiner Stelle auf, ich war durchweg am Mitfiebern und am Schmunzeln und wollte das Buch gar nicht mehr aus der Hand legen. Die Handlung kann mit jeder Menge Spannung und vielen höchst unterhaltsamen Ideen und Einfällen aufwarten und auch die Überraschungen kommen nicht zu kurz. Sehr cool fand ich auch, dass es in diesem Band viele geniale Banden-Tipps gibt. Banden-Fans kann ich die Abenteuer der Barfüße definitiv ganz besonders ans Herz legen, für die ist diese Reihe ein großes Muss!

Die Erzählung endet abgeschlossen, macht zugleich aber auch große Hoffnung, dass es weitergehen wird. Also ich würde mich sehr über einen dritten Teil freuen, ich würde unheimlich gerne noch so einige weitere schöne Abenteuer mit der Barfuß-Bande erleben.

Fazit: Spannend, originell, superwitzig. Ein neues tolles Abenteuer mit der Barfuß-Bande!
Mit dem zweiten Band ihrer gemeinsamen Kinderbuchreihe bescheren uns Autor Jörg Steinleitner und Illustratorin Daniela Kohl ein weitere wunderbare Feriengeschichte, die voller guter Sommerlaune und bandenstarker Freundschaftsmomente steckt, herrlich kreativ und lustig aufgemacht ist und große Lust auf mehr macht. Mir hat es total viel Spaß gemacht in dieses Buch einzutauchen und die Barfüße auf ihrer turbulenten Reise zu begleiten. Von mir gibt es 4,5 von 5 Sternen!

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Veröffentlicht am 13.04.2022

Ein wundervoller Auftakt, der große Lust auf mehr macht!

Violet und Bones Band 1 - Der lebende Tote von Seven Gates
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Als ich das erste Mal von dem Auftakt der Violet-und-Bones-Reihe hörte, wusste ich sofort, dass ich ihn lesen muss. Spannender Krimi- und Gruselspaß im viktorianischer Zeitalter, Geister, Gräber, eine ...

Als ich das erste Mal von dem Auftakt der Violet-und-Bones-Reihe hörte, wusste ich sofort, dass ich ihn lesen muss. Spannender Krimi- und Gruselspaß im viktorianischer Zeitalter, Geister, Gräber, eine aufgeweckte junge Detektivin mit tierischem Begleiter? Das ist einfach genau mein Ding! Da mir überdies meine beiden bisherigen Werke von Sophie Cleverly total gut gefallen haben, zögerte ich wirklich keine Sekunde lang und ließ das Buch bei mir einziehen.

Die 13-jährige Violet Veil hat es nicht leicht. Anders als ihr sechsjähriger Bruder Thomas darf sie keine Schule besuchen, muss immer brav zu Hause bleiben und wird als Mädchen einfach nicht ernst genommen. Wie gerne würde sie eines Tages das Bestattungsunternehmen ihres Vaters übernehmen, aber natürlich ziemt sich auch das nicht für ein junges Mädchen. Doch dann taucht plötzlich der Junge Oliver in ihrem Leben auf und Violet kann endlich allen zeigen, was in ihr steckt. Oliver, den zunächst alle für tot gehalten haben, der aber quicklebendig ist, hat keinerlei Erinnerung daran, was mit ihm geschehen ist. Sollte er ermordet werden? Gibt es vielleicht einen Zusammenhang zu den mysteriösen Todesfällen in der letzten Zeit? Für Violet steht sofort fest, dass sie dem Rätsel auf den Grund gehen muss. Gemeinsam mit Oliver und ihrem treuen Windhund Bones begibt sie sich auf eine spannende Spurensuche...

Von Sophie Cleverly hatte ich vor ein paar Jahren die ersten beiden Bände ihrer „Die Geheimnisse von Rookwood“ - Serie gelesen, aber da die Reihe leider nicht weiter ins Deutsche übertragen wurde, habe ich sie nicht mehr weiterverfolgt. Mal schauen, vielleicht lege ich mir die englischsprachigen Ausgaben irgendwann noch zu.
Bei „Violet und Bones“ hoffe ich nun sehr, dass es anders sein und die komplette Reihe übersetzt werden wird. Der erste Band hat mir einfach so viel Freude bereitet – für mich steht auf jeden Fall fest, dass ich auch die weiteren Bände unbedingt lesen möchte.

Mich hat die Handlung von der ersten Seite an packen und begeistern können. Von der Kulisse war ich sofort ganz angetan – der Friedhof, neben dem unsere 13-jährige Hauptprotagonistin Violet mit ihrer Familie wohnt, verleiht dem Buch so etwas herrlich Geheimnisvolles und Unheimliches, sodass eine wundervolle Atmosphäre geschaffen wird. Sehr cool fand ich auch diesen leicht mystischen Touch, der dank der besonderen, übernatürlichen Gabe von Violet zustande kommt. Da der Klappentext allerdings nichts darüber preisgibt, werde ich auch hier nicht weiter darauf eingehen. Ich möchte schließlich nicht zu viel verraten.

Violet, aus deren Sicht alles in der Ich-Perspektive geschildert wird, war mir auf Anhieb sympathisch. Sie war so eine Romanheldin, wie ich sie besonders gerne mag: Liebenswert, unerschrocken, pfiffig und gewitzt. Mich persönlich hat Violet ein wenig an Enola Holmes aus der „Enola Holmes“ - Serie von Nancy Springer erinnert. Wie diese, so ist auch Violet äußerst gewieft drauf, besitzt beeindruckend viel Mut, Entschlossenheit und Selbstbewusstsein und hält überhaupt nichts von dem damaligen Frauenbild. Ich habe Violet sehr für ihre große Willensstärke bewundert und fand es großartig zu sehen, dass sie sich nicht einfach so in die für sie vorgeschriebene Rolle drängen lässt und für ihre Träume und Ziele kämpft. Mit ihr hat die Autorin eine starke weibliche Hauptfigur erschaffen, mit der wir hoffentlich noch viele weitere tolle Abenteuer erleben werden.

Mit den Nebencharakteren hat mich Sophie Cleverly ebenfalls überzeugen können. Sie wurden allesamt glaubhaft ausgearbeitet und besitzen ihre Eigenschaften und Besonderheiten. Da hätten wir beispielsweise den Jungen Oliver, der auf eine ziemlich ungewöhnliche Weise in das Leben unserer Buchheldin stolpern wird und den ich ebenfalls sofort in mein Herz geschlossen habe. Dann wäre da natürlich noch Bones, ein bemerkenswert cleverer Windhund und Violets treuer tierischer Begleiter. Violet, Oliver und Bones haben mir eindeutig am besten gefallen. Ich habe die Drei nur zu gerne auf ihrer Suche nach dem Mörder begleitet und ganz gebannt und fasziniert verfolgt, was sie alles versuchen werden, um die Unschuld von Violets Vater zu beweisen.

Mich haben die Ermittlungsarbeiten unseres Trios durchweg mitreißen können, allerdings blieben das eifrige Miträsteln und der Aha-Moment am Schluss leider für mich aus. Wir bekommen es nur mit sehr wenigen Verdächtigen zu tun und werden kaum auf falsche Fährten gelockt. Für mich war daher schnell klar, wer der Täter ist, sodass die Auflösung keine große Überraschung für mich war. Tatsächlich hat mich das aber überhaupt nicht gestört. Die Ermittlungen unseres Detektivteams sind trotz der Vorhersehbarkeit überaus fesselnd und spannend. Die Drei haben auf ihrer Suche nach Antworten so einige Herausforderungen und Hürden zu meistern und da sie eine Menge aufregende Dinge dabei erleben, ist man dennoch die ganze Zeit über ordentlich am Mitfiebern. Bei mir zumindest war es so.

Dass ich nicht durchweg im Dunklen getappt bin, fand ich also nicht schlimm – was mir aber dafür nicht ganz so zugesagt hat, ist der Schreibstil. Er ist zwar locker-leicht und humorvoll und hat sich sehr angenehm für mich lesen lassen, aber mir persönlich war die Sprache etwas zu modern. Da das Buch im 19. Jahrhundert spielt, hätte ich eine etwas gehobenere und altmodischere Erzählweise irgendwie passender und besser gefunden. So wie es beispielsweise in der Enola-Holmes-Serie der Fall ist. Der Sprachstil liest sich zwar dann natürlich anspruchsvoller, aber er würde das viktorianische Flair des Settings sehr schön unterstreichen und der Geschichte noch mehr Authentizität verleihen. Dies wäre aber auch mein einziger negativer Kritikpunkt an das Buch.

Mir hat Sophie Cleverly mit dem Start ihrer Violet-und-Bones-Reihe zauberhafte Lesestunden bescheren können. Die Geschichte enthält einfach die perfekte Mischung aus Krimi, Humor, Mystery und Grusel und kann mit so einigen wertvollen Botschaften aufwarten. Zudem wird die Thematik Tod und Sterben sehr einfühlsam behandelt, sodass die Stimmung niemals zu düster oder beklemmend wird. Ganz im Gegenteil sogar, ich habe die Story insgesamt als richtig unterhaltsam empfunden. Ich musste des öfteren sehr schmunzeln – über die Erwähnung einer bestimmten Schule zum Beispiel. Wer die „Die Geheimnisse von Rookwood“ - Serie von Sophie Cleverly kennt, wird dieser nette kleine Gag garantiert ebenfalls sofort auffallen.

Fazit: Spannend, witzig und charmant. Ein toller Reihenauftakt, der große Lust auf mehr macht!
Sophie Cleverly hat mit „Violet und Bones – Der lebende Tote von Seven Gates“ einen gelungenen historischen Jugendkrimi ab 11 Jahren aufs Papier gebracht, den ich jedem Detektivfan, egal ob Jung oder Alt, nur empfehlen kann.
Eine toughe junge Buchheldin, die sich nicht unterkriegen lässt, ein mitreißender Fall, eine wunderbare schaurige Atmosphäre, ein Hauch von Übersinnlichem, ein viktorianisches Setting – all das und noch erwartet euch hier. Mir hat es jede Menge Spaß gemacht, Violet, Oliver und Bones auf ihrem ersten Abenteuer zu begleiten und ich freue mich schon sehr auf ihr nächstes. Von mir gibt es 4,5 von 5 Sternen!

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Veröffentlicht am 04.04.2022

Bewegend, aufwühlend, unvorhersehbar und außergewöhnlich!

More Happy Than Not
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Da meine zwei bisherigen Werke aus der Feder von Adam Silvera absolute Highlights für mich waren, war meine Freude groß als ich hörte, dass der Arctis Verlag dieses Frühjahr das Debüt des US-amerikanischen ...

Da meine zwei bisherigen Werke aus der Feder von Adam Silvera absolute Highlights für mich waren, war meine Freude groß als ich hörte, dass der Arctis Verlag dieses Frühjahr das Debüt des US-amerikanischen Autors herausbringen wird. Für mich stand natürlich sofort fest: Das Buch muss ich unbedingt lesen!

Das Leben des 16-jährigen Aarons war noch nie ein leichtes gewesen und in der letzten Zeit ist es nur noch schwerer geworden. Gemeinsam mit seiner Mutter und seinem Bruder Eric lebt er in einer kleinen Zwei-Zimmerwohnung, er muss sich mit Eric ein Zimmer teilen und das Geld ist immer knapp. Sein Vater hat sich kürzlich das Leben genommen und auch Aaron hat einen Suizidversuch hinter sich. Inzwischen hat er sich wieder gefangen und verbringt viel Zeit mit den Leuten aus seiner Clique. Über seine Gefühle kann er mit seinen Freunden jedoch nicht sprechen. Zum Glück hat er aber Genevieve, seine Freundin, die immer für ihn da ist und mit der er vor kurzem sein erstes Mal hatte. Endlich scheint wieder alles gut zu laufen, doch dann lernt er Thomas kennen. Thomas, der ständig neue Dinge ausprobiert, sie aber nie zu Ende bringt und zu dem sich Aaron immer stärker hingezogen fühlt. Aaron ist verwirrt. Ist er etwa schwul? Als er Thomas seine Gefühle für ihn gesteht, von ihm aber zurückgewiesen wird, beschließt er, sich einer neuartigen Gehirnmanipulation zu unterziehen und all seine schmerzlichen Erinnerungen löschen zu lassen. Aber kann man Gefühle wirklich vollständig ausradieren?

Wie oben bereits erwähnt, kannte ich bisher zwei Bücher von Adam Silvera („Was mir von dir bleibt“ und sein Gemeinschaftswerk mit Becky Albertalli „Was ist mit uns“). Da er mich mit diesen so richtig vom Hocker hauen konnte, habe ich mir von „More Happy Than Not“ nun natürlich enorm viel erhofft und um es kurz zu machen: Komplett erfüllt wurden meine Erwartungen leider nicht – meine Ansprüche waren dann wohl doch einen Tick zu hoch – aber begeistert von dem Buch bin ich dennoch, definitiv. Adam Silvera ist mit seinem Debüt ein ganz besonderer Roman gelungen, der in meinen Augen nicht perfekt ist, aber unheimlich wichtig.

Da ich einen negativen Kritikpunkt an „More Happy Than Not“ habe, komme ich als nächstes einfach mal zu diesem. Mir persönlich hat es etwas zu lange gedauert, bis die Story an Fahrt aufnimmt. Es passt zwar zum Handlungsaufbau und zur Entwicklung der Charaktere, aber ein bisschen mehr Tempo und Spannung hätte ich dennoch nicht schlecht gefunden, mir ist in der ersten Hälfte des Buches einfach zu wenig passiert, sodass sich einige Passagen leider etwas für mich gezogen haben.
Bis auf diesen Aspekt kann ich mich aber nur positiv zu Adam Silveras Erstlingswerk äußern. Von dem Sprachstil war ich mal wieder von den ersten Zeilen an ganz angetan, ich liebe einfach die Art und Weise wie Adam Silvera schreibt: Witzig, jugendlich und locker, zugleich aber auch sehr tiefgründig und gefühlvoll.

Auch mit der Ausarbeitung der Figuren hat das Buch bei mir punkten können. Sie wurden allesamt facettenreich gezeichnet und wirken jederzeit vollkommen echt und glaubhaft. Sympathisch waren sie mir allerdings nicht alle, mit ein paar Freunden unseres Hauptprotagonisten Aaron bin ich nicht so wirklich warmgeworden, was mich jedoch nicht gestört hat.
Unseren 16-jährigen Romanhelden Aaron dagegen, aus dessen Sicht alles in der Ich-Perspektive geschildert wird, habe ich sehr schnell in mein Herz geschlossen und da man als Leser*in einen tiefen und ehrlichen Einblick in seine Gefühls- und Gedankenwelt erhält, ist es mir mühelos gelungen, mich in ihn hineinversetzen.
Ich habe an vielen Stellen zutiefst mit Aaron mitgelitten und mitgefühlt und seinen Schmerz nur zu deutlich spüren können. Mich hat es so wütend, traurig und fassungslos gemacht zu sehen, dass sich Aaron seinen Freunden nicht anvertrauen kann und Sorge haben muss, von ihnen verspottet und verprügelt zu werden, wenn sie von seiner Homosexualität erfahren. Noch mehr erschüttert hat mich jedoch der Vater. Sein Verhalten gegenüber Aaron, als dieser ihm von seinen Gefühlen erzählt, sein kurz darauffolgender Selbstmord – einfach schlimm, was er seinem Sohn damit antut, mir tat Aaron furchtbar leid.

Die Geschichte setzt sich mit so einigen schwierigen Themen auseinander wie Suizid, Verlust, Traumata, Armut und Gewalt. Da Adam Silvera aber das große Talent besitzt, ernsten und anspruchsvollen Stoff auf eine leichte und genau richtig humorvolle Weise zu verpacken, wird die Stimmung niemals zu schwer und hoffnungslos. Ich zumindest habe sie an keiner Stelle als zu bedrückend empfunden, ich saß beim Lesen sogar öfters mit einem Schmunzeln im Gesicht da.

Neben den bereits genannten Dingen handelt das Buch noch von vielen weiteren wichtigen Themen wie Sexualität, Identitätsfindung, Diversität, Akzeptanz, Liebe und Freundschaft. Die Story besitzt eine Menge Tiefgang und regt extrem zum Nachdenken an, sie bewegt, schockiert und wühlt auf und wirkt noch sehr lange in einem nach. Ich habe mich beim Lesen immerzu gefragt, wie ich mich wohl an Aarons Stelle entschieden hätte. Würde ich unangenehme und schmerzhafte Erinnerungen aus meinem Gedächtnis löschen lassen, wenn dies möglich wäre? Aber wie würde mein Leben dann aussehen, zu was für einem Menschen würde es machen? Prägen uns die schlechten Erfahrungen nicht genauso wie die guten? Sind sie nicht von genauso großer Wichtigkeit? Oder ist so eine Gehirnmanipulation vielleicht doch etwas Positives? Ist das Vergessen und Verdrängen von belastenden Erinnerungen vielleicht die Lösung für viele Probleme?
Mich hat diese Thematik vom ersten Moment an ungemein fasziniert und von der Idee mit dem Leteo-Institut war ich sofort ganz begeistert. In meinen Augen wurde diese klasse umgesetzt. Wie Adam Silvera Leteo beschreibt, wirkt irgendwie so erschreckend real, sodass man dieses Institut für gar nicht mal so unmöglich hält.

Handlungstechnisch ist das Buch äußerst geschickt und klug aufgebaut. Wird anfangs noch sehr ausführlich auf alltägliche und scheinbar banale Dinge eingegangen und man denkt, man weiß worum es geht, kommt dann plötzlich irgendwann diese eine unerwartete Wende, die alles verändert und vieles in einem völlig anderen Licht erscheinen lässt. Ab da hat mich das Buch so richtig gepackt und gefesselt und auf die reinste emotionale Achterbahnfahrt der Gefühle mitgenommen. Ich habe die meisten Plottwtists überhaupt nicht vorhersehen können und den Antworten auf den vielen Fragen in meinem Kopf ganz gebannt entgegen gefiebert.

Fazit: Herzzerreißend, aufwühlend, unvorhersehbar. Ein außergewöhnliches und ergreifendes Debüt, das mitreißt, berührt und nachhallt.
Dies war mein drittes Werk von Adam Silvera und auch mit diesem hat mir der US-amerikanische Autor ein Leseerlebnis bescheren können, das mir ganz bestimmt sehr lange im Gedächtnis bleiben wird. „More Happy Than Not“ erzählt eine bewegende und intensive Geschichte über zahlreiche wichtige Themen wie Sexualität, Verdrängung, die Suche nach dem Glück und nach sich selbst und Liebe. Das Buch steckt voller schonungsloser Ehrlichkeit, überraschender Wendungen und Tiefgang, es ist großartig geschrieben und clever konstruiert und auch wenn es mich letztendlich dann leider doch nicht vollends überzeugen konnte, kann ich jedem nur ans Herz legen, es zu lesen. Von mir gibt es 4,5 von 5 Sternen!

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Veröffentlicht am 20.03.2022

Ein super Reihenauftakt, der große Lust auf mehr macht!

WilderReich (Band 1) - Eine schicksalhafte Prüfung
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Als ich das erste Mal vom den Auftakt der „WilderReich“ - Reihe hörte, war ich sofort Feuer und Flamme. Cover und Klappentext sprachen mich direkt an und da die englischsprachige Ausgabe äußerst positive ...

Als ich das erste Mal vom den Auftakt der „WilderReich“ - Reihe hörte, war ich sofort Feuer und Flamme. Cover und Klappentext sprachen mich direkt an und da die englischsprachige Ausgabe äußerst positive Kritiken erhalten hat, stand für mich sehr schnell fest, dass ich das Buch unbedingt lesen möchte.

Der Waisenjunge Barclay Torn lebt in der kleinen Stadt Biederford und hat schon früh gelernt, selbst für seinen Unterhalt aufzukommen. Inzwischen ist er bei dem angesehenen Pilzbauer Meister Fungus in der Lehre und versucht so gut wie möglich der perfekte Schüler zu sein. Als er eines Tages den Auftrag erhält, eine Trauermorchel zu finden – ein sehr seltener Pilz – und sich zu tief in den Düsteren Wald wagt, wird sich sein Leben schlagartig ändern. Da der Wald voller gefährlicher und bösartiger Kreaturen lauert, ist es den Bewohnerinnen von Biederford streng verboten, in zu betreten. Barclay wird bei seinem Verstoß gegen diese wichtige Regel natürlich prompt von einem Wilderbiest angegriffen und verbindet sich zu seinem großen Entsetzen mit ihm. Er ist nun ein Wilderweise, trägt ein goldenes Mal auf seiner Haut und besitzt außergewöhnliche Kräfte. Wilderweisen werden in seinem Dorf allerdings geächtet und Barclay wird aus seinem Heimatort vertrieben. Mit dem festen Entschluss, die Verbindung mit seinem Wilderbiest zu brechen, macht er sich zu der Stadt Sycomore auf, die mitten im Düsteren Wald liegt und in der Wilderweisen leben. Dort wird er nicht nur neue Freunde finden und eine schicksalhafte Prüfung antreten – er wird am Ende auch noch eine schwierige Entscheidung treffen müssen.

Dies war mein erstes Werk aus der Feder von Amanda Foody und es wird ganz bestimmt nicht mein letztes gewesen sein. Mein Riecher hat mich mal wieder nicht im Stich gelassen – mir hat der erste Band der „WilderReich“ - Reihe wundervolle Lesestunden bereiten können. In meinen Augen hat die US-amerikanische Autorin mit ihrem ersten Buch für Leser
innen ab 10 Jahren einen gelungenen und rasanten Auftaktband aufs Papier gebracht, voller Unvorhersehbarkeiten, Spannung, Spaß und Magie und der genau richtigen Portion an Ernst, Tiefe und Emotionen. Solltet ihr gerne in Fantasygeschichten eintauchen, die euch mitreißen, unterhalten, überraschen und bewegen und in eine magische Welt voller wilder Bestien, Mysterien und Gefahren mitnehmen, dann ich euch nur nahelegen, den Auftakt der „WilderReich“ - Serie bei euch einziehen zu lassen.

Ich hatte einen guten Einstieg in das Buch, muss allerdings gestehen, dass es bei mir irgendwie ein paar Seiten gedauert hat, ehe mich die Story vollends catchen konnte, trotz des temporeichen Beginns und dem packenden, flüssigen Schreibstils. Nachdem mich die Geschichte aber einmal komplett in ihren Bann ziehen und begeistern konnte, wollte ich aus ihr gar nicht mehr auftauchen und habe sie regelrecht verschlungen.

Starten tut die Geschichte im Wald, in dem unser Hauptprotagonist Barclay gemeinsam mit dem Jungen Selby gerade auf Pilzsuche ist. Beide Jungs sind bei dem angesehenen Pilzbauern Meister Fungus in der Lehre und es wird sofort deutlich, dass unser Romanheld seinen Mitlehrling nicht wirklich gut leiden kann. Sein recht unfreundliches Verhalten gegenüber Selby macht Barclay zunächst nicht allzu sympathisch, aber zum Glück ändert sich das schon nach kurzer Zeit. Als Leser*in wird einem rasch klar, dass Barclay kein wirklich schönes und leichtes Leben führt und Selby eigentlich nur darum beneidet, weil dieser eine Familie und ein behütetes Zuhause hat – anders als er, der ein Waisenkind ist. Mir tat Barclay ziemlich leid und da sich noch zeigt, was für ein toller und lieber Junge er eigentlich ist, habe ich ihn sehr schnell in mein Herz geschlossen.
Mit Barclay, aus dessen Sicht alles in der dritten Person geschildert wird, hat die Autorin einen starken Hauptprotagonisten erschaffen, der während seines Abenteuers über sich selbst hinauswachsen wird. Ich habe Barclay sehr für seine Tapferkeit und Entschlossenheit bewundert und mit ihm mitgefühlt, mitgefiebert und mitgebangt.

Die weiteren Charaktere haben mir ebenfalls überaus gut gefallen. Nett sind sie zwar nicht alle, aber egal ob Sympathieträger oder nicht – alle wurden sie facettenreich ausgearbeitet und sorgen mit ihren unterschiedlichen und teils recht skurrilen Eigenschaften und Persönlichkeiten für ein aufregendes und spaßiges Lesevergnügen. Da hätten wir zum Beispiel die Geschwister Abel und Ethel und das Mädchen Viola, die alle drei Wilderweisen sind und mit denen sich Barclay anfreunden wird. Viola, die wir bereits am Anfang der Geschichte während der Pilzsuche der Jungen kennenlernen dürfen, hat mir ganz besonders gut gefallen. Ihre schlagfertige und rebellische Art mochte ich auf Anhieb und über das Zusammenspiel zwischen ihr und Barclay habe ich mich an vielen Stellen köstlich amüsiert. Die beiden können sich zunächst nicht so wirklich riechen, müsst ihr wissen, und liefern sich so einige Schlagabtäusche.

Neben vielen menschlichen Figuren begegnet man in diesem Buch dann natürlich auch noch zahlreichen magischen und fantasievollen Wesen wie Drachen, Doppelgheistern, einem Lufthund und Greifen. Für Fantasyfreunde ist „WilderReich“ zweifellos ein echter Leckerbissen, diese kommen in dieser Reihe ganz klar völlig auf ihre Kosten. In einigen englischen Rezensionen habe ich gelesen, dass die Story für sie eine Mischung aus Harry Potter und Pokémon ist und ja, stimmt, der Vergleich mit diesen Serien ist meiner Ansicht nach nicht verkehrt. Die Harry Potter-Vibes hielten sich bei mir zwar in Grenzen, aber ein gewisses Pokémon-Feeling kommt durchaus auf. Es wirkt aber nichts abgekupfert, keine Sorge, Amanda Foody hat mit „WilderReich“ auf jeden Fall etwas vollkommen Eigenständiges und Einzigartiges geschaffen.

Auch mit dem Setting hat das Buch absolut bei mir punkten können. Das Fantasyreich, in welches uns die Autorin mitnimmt, wird so herrlich düster, stimmungsvoll und bildhaft beschrieben, sodass man durchgehend in den Genuss einer wunderbaren, geheimnisvollen Atmosphäre kommt und beim Lesen ein echtes Kopfkino hat. Also ich fand die Kulisse einfach nur genial und habe mich in Amanda Foodys fantasievoller Welt jederzeit mühelos zurechtfinden können. Eine Karte hätte ich persönlich aber dennoch gar nicht so schlecht gefunden, die habe ich trotz allem irgendwie ein klein wenig vermisst. Was es dafür aber hinten im Buch gibt: Ein ausführliches und hilfreiches Glossar, in welchem zahlreiche gefährliche Wilderbiester mit kurzen Beschreibungen aufgeführt werden.

Das Ende verschont uns erfreulicherweise mit einem fiesen Cliffhanger, aber sofort zum nächsten Band greifen und weiterlesen möchte man am liebsten dennoch. Ich zumindest bin schon unheimlich gespannt auf die Fortsetzung und hoffe sehr, dass wir uns auf die diese nicht allzu lange gedulden müssen.

Fazit: Ein fesselnder Reihenauftakt, der große Lust auf mehr macht. Für Fantasyfans ein absolutes Muss!
Amanda Foody ist mit „WilderReich – Eine schicksalhafte Prüfung“ ein richtig cooler Serienstart geglückt, welchen ich jedem, egal ob Jung oder Alt, nur empfehlen kann. Die Geschichte steckt voller Magie und wilder Kreaturen und kann mit jeder Menge Überraschungen, Geheimnisse und Action aufwarten. Sie nimmt uns an lauter faszinierende Orte mit und ist spannend, unterhaltsam und emotional zugleich. Mir hat es total viel Spaß gemacht, Barclay auf seiner Reise in den Düsteren Wald zu begleiten und mich gemeinsam mit ihm in ein magisches Abenteuer zu stürzen. Von mir gibt es 4,5 von 5 Sternen.

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Veröffentlicht am 01.03.2022

Spannend, emotional, atmosphärisch und absolut fesselnd!

Dreivierteltot
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Mit „Searching Lucy“ hat mich die deutsche Autorin Christina Stein im vergangenen Jahr so richtig vom Hocker hauen können. Auf ihren neuen Jugendthriller „Dreivierteltot“ habe ich mich daher wahnsinnig ...

Mit „Searching Lucy“ hat mich die deutsche Autorin Christina Stein im vergangenen Jahr so richtig vom Hocker hauen können. Auf ihren neuen Jugendthriller „Dreivierteltot“ habe ich mich daher wahnsinnig gefreut. Bei dem Buch habe ich mir sogar gar nicht erst den Klappentext durchlesen müssen, für mich stand einfach sofort fest, dass ich es unbedingt lesen muss.

Die 19-jährige Kim reist zusammen mit ihrem Freund Jon nach Schottland, um sich dort nach dem bestandenen Abi eine kleine Auszeit zu gönnen. Sie wollen auf dem West Highland Way entlang wandern und was eigentlich eine schöne Tour werden sollte, wird sich schon sehr bald in einen wahren Albtraum verwandeln. Jon verhält sich auf plötzlich total anders als sonst, es geschehen auf einmal lauter merkwürdige Dinge und der mysteriöse Sky, der ständig in ihrer Nähe auftaucht, ruft in ihr ein äußerst ungutes Gefühl hervor. Als sie dann auch noch sonderbare WhatsApp-Nachrichten von ihrer Freundin Emma erhält, der Kontakt zu ihr aber jäh abbricht, schrillen bei Kim sämtliche Alarmglocken. Was geht hier nur vor sich? Die Wanderung wird noch albtraumhafter werden, als sie und Jon auf ihrer Wanderung eine Leiche entdecken. Es ist ein Mädchen in einem roten Kleid – ein Kleid, das Kim nur allzu vertraut ist.

Als ich das Cover des Buches das erste Mal sah, hat es in mir sofort das ausgelöst, was bereits die Einbandgestaltung von „Searching Lucy“ bei mir bewirkt hat: Ich habe eine leichte Gänsehaut bekommen und mich von der düsteren Atmosphäre, die es ausstrahlt, wie magisch angezogen gefühlt. Die beiden Bücher ähneln sich optisch zweifellos sehr, allerdings hängen sie nicht überziehen, sie erzählen vollkommen eigenständige Geschichten. Dass man die äußere Aufmachung von „Dreivierteltot“ stark an die des Vorgängers angepasst hat, gefällt mir richtig gut. Es wird einfach auf den ersten Blick klar, dass es sich hierbei um ein Werk aus der Feder von Christina Stein handelt. Und was ebenfalls direkt deutlich wird: In diesem Buch schlummert eine Story, die man vielleicht besser nicht kurz vor dem Einschlafen lesen sollte.

Designmäßig hat „Dreivierteltot“ also schon mal bei mir punkten können. Wie aber schaut es mit dem Inhalt aus?
Um es kurz zu machen: An „Searching Lucy“ reicht der neue Jugendthriller von Christina Stein für mich persönlich nicht komplett heran, aber ich habe dennoch ganz klar das zu lesen bekommen, was ich mir erhofft habe: Eine packende, tiefgründige und äußert raffiniert aufgebaute Geschichte voller Nervenkitzel, Geheimnisse und Unvorhersehbarkeiten. Ich habe insgesamt großartige Lesestunden mit dem Buch verbracht, auch wenn der wirklich große Überraschungseffekt am Ende für mich leider ausblieb.
Obwohl die Handlung echt geschickt gemacht ist und man mit lauter Rätselhaftigkeiten konfrontiert wird, hatte ich irgendwie trotzdem recht früh eine Vermutung, worauf das Ganze in etwa hinauslaufen könnte und diese sollte sich dann tatsächlich auch als richtig erweisen. Da ich jedoch viel in diesem Genre lese und zudem vom Alter her nicht zur eigentlichen Zielgruppe dazu gehöre, kann man sich an mir vermutlich nicht orientieren. Ich gehe sehr davon aus, dass Leserinnen ab 14 Jahren um einiges länger im Dunkeln tappen werden. Dass ich einen wichtigen Teil der Auflösung früh erahnt habe, fand ich natürlich etwas schade, aber groß gestört hat es mich letztendlich nicht. Ein paar Überraschungen hat das Ende dann doch für mich bereithalten können und da mich die Story trotz allem absolut fesseln konnte und ich aus dem Buch gar nicht mehr auftauchen wollte, habe ich es innerhalb kurzer Zeit verschlungen.

Beginnen tut die Handlung allerdings ziemlich unspektakulär und ruhig. Fand ich persönlich überhaupt nicht schlimm, mich hat die Erzählung dennoch vom ersten Augenblick an packen können. Ich kann mir jedoch gut vorstellen, dass der Anfang einigen Leser
innen etwas zu langatmig sein könnte, da zunächst nichts Außergewöhnliches passiert. Da kann ich nur sagen: Bloß nicht abbrechen! Der Plot wird noch superspannend und nervenaufreibend, versprochen, ab einem gewissen Punkt kommt dieser Moment, der plötzlich alles ändert und man mit dem Lesen gar nicht mehr aufhören mag, um endlich die Antworten auf die vielen mysteriösen Geschehnisse zu erhalten. Ordentlich mitfiebern und herumrätseln ist hier definitiv angesagt und da man vieles zunächst ganz anders auffasst und deutet und es erst so nach und nach Klick in einem macht, wird garantiert so mancher öfters zurückblättern, um mit den neuen Erkenntnissen bestimmte Abschnitte noch einmal lesen.

Neben dem Handlungsaufbau hat mich Christina Stein auch mit ihrem Schreibstil wieder überzeugen können. Er ist bildlich, flüssig und mitreißend und genau richtig jugendlich gehalten. Ich jedenfalls habe die Dosierung an Jugendsprache als völlig passend empfunden und fand es zudem auch ziemlich cool, dass viele Sätze in Englisch geschrieben wurden, da dem Ganzen so noch mehr Echtheit verliehen wird.

Auch die Ausarbeitung die Charaktere fand ich ausgesprochen gelungen, allesamt wurden sie facettenreich und glaubhaft skizziert und wirken jederzeit authentisch.
Besonders gut gefallen hat mir Kim, unsere 19-jährige Hauptprotagonistin und Ich-Erzählerin. Kim war mir auf Anhieb sympathisch und da ihre Empfindungen und Gedanken sehr anschaulich und realistisch dargestellt werden, habe ich mich jederzeit mühelos in hineinversetzen können und an vielen Stellen richtig mit ihr mitgefühlt. Kims Reise durch die schottischen Highlands wird unserer Romanheldin viel abverlangen und fraglos nicht so werden, wie sie es sich ausgemalt hat. Allein schon der Beginn der Wanderung wird von einer schlechten Stimmung überschattet, da es ständig zu Streitereien zwischen Kim und ihrem Freund Jon kommt. Dies ist jedoch nichts gegen das, was noch alles folgen wird. Ich habe Kims immer größer werdende Anspannung, ihre Verwirrung und Verzweiflung nur zu deutlich spüren können und mich wie sie gefragt, was es mit den ganzen seltsamen und teils auch gruseligen Vorkommnissen bloß auf sich hat. Wieso verhält sich Jon, der sonst so ein lieber und einfühlsamer Kerl ist, während des Trips so launisch und unfreundlich? Warum ist das Verhältnis der beiden auf einmal so anders als vor der Reise? Wer genau ist eigentlich dieser gutaussehende Sky, der plötzlich auftaucht und sich ziemlich merkwürdig benimmt? Irgendetwas hat er zu verbergen, aber was? Was hat es mit den rätselhaften WhatApp-Nachrichten von Kims Freundin Emma auf sich? Und woher kommen nur Emmas Haarspangen? Hat Kim sie etwa auf die Tour mitgenommen, ohne sich daran erinnern zu können?

Tja, wie ihr seht, werden wir mit wirklich vielen Fragen und sonderbaren Ereignissen konfrontiert. Die Stimmung, die dadurch geschaffen wird, ist einfach nur brillant, so wunderbar geheimnisvoll, düster, beklemmend und schaurig. Bereits in „Searching Lucy“ hat Christina Stein unter Beweis gestellt, dass sie eine wahre Könnerin im Kreieren von bedrohlichen und drückenden Atmosphären ist und in „Dreivierteltot“ zeigt sie uns nun erneut, dass sie das echt voll drauf ist.
Schottland als Setting ist in meinen Augen zudem auch einfach die perfekte Wahl. Das raue Klima dieses Landes verstärkt dieses besondere Gänsehaut-Feeling nur noch. Dass uns die Autorin in ihrem neuen Buch in die schottischen Highlands mitnimmt, hat mich von Anfang an tierisch gefreut, ich lese total gerne Bücher, die in diesem faszinierenden Land spielen. Kulissenmäßig bin ich hier auch definitiv ganz auf meine Kosten gekommen. Die Schauplätze werden klasse beschrieben und dank des bereits erwähnten unheimlichen Ambientes sind mir des öfteren kalte Schauer über den Rücken gelaufen.

Fazit: Fesselnd, emotional, atmosphärisch. Ein echter Pageturner mit Sogwirkung!
Christina Stein hat mit „Dreivierteltot“ einen weiteren genialen Jugendthriller aufs Papier gebracht, der voller Spannung, Tiefe, Schauermomente und Überraschungen steckt und einen von Anfang bis Ende mitreißt. Ich kann das Buch nur empfehlen, ich habe es kaum mehr aus der Hand legen können und so richtig weggesuchtet. Auf die weiteren Werke der Autorin freue ich mich schon sehr!
Von mir gibt es 4,5 von 5 Sternen.

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