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Veröffentlicht am 06.05.2022

Lesen bildet

Das Land, von dem wir träumen
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Nach dem 1. Weltkrieg ist die südtiroler Familie Bruggmoser tief zerrissen. Mutter Teresa versinkt in Trauer um zwei ihrer vier Söhne, die im Krieg gefallen sind. Der Hoferbe Leopold ertränkt seine Erinnerungen ...

Nach dem 1. Weltkrieg ist die südtiroler Familie Bruggmoser tief zerrissen. Mutter Teresa versinkt in Trauer um zwei ihrer vier Söhne, die im Krieg gefallen sind. Der Hoferbe Leopold ertränkt seine Erinnerungen an den Krieg im Alkohol, den zweiten Sohn Andreas zieht es nach Amerika. Nur die einzige Tochter Franziska hält den Betrieb des Bauernhofes noch aufrecht. Dabei steht ihr der Knecht Wilhelm treu zur Seite. Als sich der Bauer Ludwig Bruggmoser auf die Seite der neuen italienischen Regierung stellt und unterwürfig den Familiennamen in "Ponte" ändert, stellt sich Franziska gegen ihn. Da sie eigentlich Lehrerin ist, ihren Beruf aber nicht ausüben darf, da sie nicht gut genug italienisch spricht, gibt sie heimlich den Kindern im Dorf auf deutsch Unterricht. Damit macht sie sich strafbar, denn die deutsche Sprache haben die neuen Machthaber verboten. Mutig stellt Franziska sich gegen die Gesetze der ungeliebten Regierung. Dabei bekommt sie unerwartet Unterstützung von Wilhelm.

In ihrem Buch "Das Land, von dem wir träumen" erzählt Anna Thaler von einem Teil europäischer Geschichte, das leider in Vergessenheit geraten ist. Wer heute nach Südtirol kommt und dort die freundlichen Menschen sieht, die zum Teil deutsch klingende Namen tragen und sich auf deutsch unterhalten können, der denkt nicht darüber nach, wie es den Vorfahren dieser Menschen ergangen ist. Durch die intensive Erzählung von Anna Thaler bekommt man aber sofort eine Vorstellung davon. Man spürt die Angst vor den Machthabern, aber auch die Wut auf alles, was italienisch ist. Bald ist klar, daß das Mißtrauen gegenüber Freunden und Verwandten immer größer wird. In solch einer Atmosphäre möchte keiner leben. Trotzdem schaffen die Leute es immer wieder, etwas Gutes aus ihrer Situation zu machen. Dafür kann man sie nur bewundern.
Anna Thaler hat mit ihrem Buch den alten Satz bestätigt: Lesen bildet! Denn ohne dieses Buch hätte ich von der Geschichte Südtirols und seiner Bewohner wenig gewußt und mir demzufolge niemals Gedanken darüber gemacht. So aber habe ich gebannt die Geschichte der Familie Bruggmoser gelesen und werde sie auch im zweiten Teil auf jeden Fall weiter verfolgen!

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Veröffentlicht am 04.05.2022

Auch Teil 3 hat mich überzeugt

Nordwestnacht
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Die Einwohner von St. Peter-Ording sind begeistert - wurde ihr Ort doch von einem Filmteam als Drehort auserwählt. Polizeiobermeister Nils Scheffler wurde sogar als Polizeiberater auserwählt. Als einer ...

Die Einwohner von St. Peter-Ording sind begeistert - wurde ihr Ort doch von einem Filmteam als Drehort auserwählt. Polizeiobermeister Nils Scheffler wurde sogar als Polizeiberater auserwählt. Als einer der Aufnahmeleiter an den Stelzen eines Pfahlbaus angekettet tot aufgefunden wird und eine Hauptdarstellerin verschwindet, ermittelt Nils zusammen mit den Kommissaren Hendrik Norberg und Anna Wagner.

"Nordwestnacht" ist der dritte Band rund um die Soko St. Peter-Ording von Svea Jensen. Da die Fälle alle in sich abgeschlossen sind, kann man diesen Band auch ohne Vorkenntnisse lesen. Natürlich entwickeln sich die Charaktere, die diese Serie prägen, immer weiter. Doch Svea Jensen vermittelt gekonnt alles Wissenswerte so ganz nebenbei. Dadurch entstehen keinerlei Verständnisprobleme. Sie beschreibt ihre Charaktere sehr lebensnah, so daß man ihre Handlungen versteht und nachvollziehen kann. Sie sind menschlich, haben ihre speziellen Eigenarten und sind durchweg sympathisch. Ebenso wunderbar beschrieben wird die herrliche Landschaft rund um diesen schönen Ort. Hier fühlt man sich direkt mit an der Nordsee und riecht förmlich das Wattenmeer und die frische Brise. Und - das Buch ist spannend. Da man immer wieder das Geschehen aus einem anderen Blickwinkel sieht, bekommt man einen viel besseren Einblick in das Geschehen und möchte einfach immer nur weiterlesen, um mehr zu erfahren. Dieser Lesespaß wird natürlich noch immens durch den fesselnden Schreibstil von Svea Jensen gefördert, der es schafft, daß man durch die Seiten fliegt und tief in die Handlung eintaucht.
Mich hat auch dieser Fall sehr begeistert und ich hoffe sehr, daß noch viele Fälle folgen werden!

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Veröffentlicht am 01.05.2022

Krindelsdorfer Geheimnisse

Edelweiß und Heckenschere
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Bei der Eröffnung des Krindelsdorfer Brauhauses geraten Felix Feuchthuber und sein Freund Franz in Streit. Am nächsten Morgen wird Felix tot auf dem Friedhof gefunden - erstochen mit seiner Heckenschere. ...

Bei der Eröffnung des Krindelsdorfer Brauhauses geraten Felix Feuchthuber und sein Freund Franz in Streit. Am nächsten Morgen wird Felix tot auf dem Friedhof gefunden - erstochen mit seiner Heckenschere. Hauptkommissar Hirschberg hat alle Hände voll zu tun, denn der Tote hatte nicht nur genug Feinde, auch dessen Familie verbirgt etwas vor ihm. Zu allem Überfluss nervt ihn auch noch Tante Isobel mit ihrer Hochzeit - gilt es doch, die perfekte Garderobe auszuwählen.

Jessica Müller macht es Hauptkommissar Hirschberg in seinem neuesten Fall "Edelweiß und Heckenschere" wieder einmal nicht leicht. Diesmal bekommt er es natürlich wieder mit einem spannenden Fall zu tun, der den Leser von Beginn an fesselt. Hier ist man sofort mitten im Geschehen und versucht, dem Mörder selbst auf die Schliche zu kommen. Was sich jedoch als schwierig gestaltet, denn man bekommt immer neue Spuren präsentiert und es kommen immer mehr Geheimnisse ans Licht. Dieser Krimi punktet bei mir mit Spannung, die ohne Action und brutale Szenen auskommt. Ganz so, wie ich es von einem guten Regionalkrimi erwarte. Dazu kommt noch eine kleine (manchmal auch größere) Prise Humor, die jedoch nie in Albernheit endet. Extrem dafür sorgt Isobel, die Hirschberg in so manch peinliche Situation bringt, aus der er sich stets nur knapp retten kann. Trotz dieser kleinen Querelen mögen sich die Charaktere und ich glaube, ohne einander wären sie nicht glücklich. Sie gehören zusammen. Auch als Leser möchte ich auf keinen dieser sympathischen Charaktere verzichten. Klar haben sie alle ihre Ecken und Kanten, aber genau diese machen sie so liebenswert und authentisch. Jessica Müller schreibt hier auf angenehm lockere Art, läßt ab und zu Dialekt reden, der aber verständlich ist und das gewisse Bayern-Flair aufkommen läßt. Ich mag diese Serie sehr, bei der übrigens jeder Band selbstständig gelesen werden kann. Natürlich entwickeln sich die Charaktere familiär weiter, jedoch wird dies für Neulinge keine Schwierigkeit darstellen.
Auch dieser Band bekommt von mir eine absolute Empfehlung!

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Veröffentlicht am 29.04.2022

Irrungen und Wirrungen

Die Ladys von Somerset – Die Liebe, der widerspenstige Ambrose und ich
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London 1807. Die junge Emma ist Waise und lebt bei ihrem Vormund. Emma hat dort ein angenehmes Leben. Sie ist begeistert vom Theater und träumt davon, einmal ein Stück zu schreiben, das auf einer Bühne ...

London 1807. Die junge Emma ist Waise und lebt bei ihrem Vormund. Emma hat dort ein angenehmes Leben. Sie ist begeistert vom Theater und träumt davon, einmal ein Stück zu schreiben, das auf einer Bühne in London aufgeführt wird. Als ihr Vormund in finanzielle Schwierigkeiten gerät, muss Emma sich eine Stelle suchen. Sie wird bei Lady Darlington als Gesellschafterin eingestellt. Emma hat von ihr den Auftrag, ihre älteste Tochter Anthea an den reichen Nachbarn Mr. Livingston zu verkuppeln. Leider stört dabei immer wieder der berüchtigte Frauenheld Ambrose Beauchamp. Da hat Emma die Idee, ein Theaterstück aufzuführen, damit Anthea und Mr. Livingston sich näher kommen und ihre Liebe zueinander entdecken. Doch bei den Proben geht einiges schief und Emma verliert bald den Überblick, welche Gefühle gespielt sind und welche echt sind. Und seltsamerweise schlägt Emmas Herz ausgerechnet bei Ambrose schneller als es sollte...

"Die Ladys von Somerset - Die Liebe, der widerspenstige Ambrose und ich" ist ein ganz bezauberndes Buch. Julie Marsh bedient sich darin einer wunderschön eleganten Sprache. Man merkt sofort, daß ihr Idol Jane Austen auf sie abgefärbt hat. Dabei sollte man aber jetzt nicht denken, daß sie Jane Austen kopiert. Julie Marsh hat trotzdem ihren eigenen Stil gefunden. Die Geschichte ist sehr vielseitig. Manchmal konnte ich lachen, ein anderes Mal bekam ich tiefes Mitgefühl für einige Personen. Die Menschen in dieser Geschichte leben in ihrer eigenen kleinen Welt und der Eine oder Andere blickt etwas naiv auf das Leben. Über ihren Tellerrand schauen sie dabei nicht. Deshalb sind sie aber nicht böse. Sie kennen es nur nicht anders. Das Buch ermöglicht einen interessanten Blick auf das Leben zu Anfang des 19. Jahrhunderts in der "besseren" Gesellschaft. Es kommt nicht gesellschaftskritisch daher, deshalb kann man es einfach nur genießen. Das tut der Seele mal so richtig gut!

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Veröffentlicht am 29.04.2022

Eine Zeitreise

Die Radioschwestern
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Frankfurt im Jahr 1927. Der Südwestdeutsche Rundfunkdienst ist neu gegründet, als die drei Freundinnen Greta, Inge und Margot dort eine Stelle antreten. Für sie liegt im Radio die Zukunft und sie träumen ...

Frankfurt im Jahr 1927. Der Südwestdeutsche Rundfunkdienst ist neu gegründet, als die drei Freundinnen Greta, Inge und Margot dort eine Stelle antreten. Für sie liegt im Radio die Zukunft und sie träumen von einer glänzenden Karriere. Gesa will Hörspielsprecherin werden, Inge als Sängerin die Bühnen erobern und Margot als Cellistin im Rundfunkorchester Anerkennung finden. Doch die drei Freundinnen müssen gegen die herrschenden Konventionen kämpfen. Ein Kampf für ihren gemeinsamen Traum: Freiheit und Glück!

Eva Wagendorfer nimmt den Leser mit ihrer Trilogie "Die Radioschwestern" mit auf eine Reise in die Geschichte des Rundfunkes. Der erste Band, "Klänge einer neuen Zeit", beginnt im Jahr 1927. Man erfährt von den Anfängen des Rundfunkes, erlebt hautnah, um wie vieles es damals schwieriger war z. B. ein Hörspiel zu senden. Dies hat mich sehr beeindruckt. Trotz dieser Lerneffekte ist das Buch interessant und kurzweilig. Sehr interessant gestalten sich die Anfänge jedes Kapitels. Denn jedes beginnt mit einer Radiomeldung aus dem Jahr 1927. Hier erfährt man Dinge, von denen man zum Teil noch nichts gehört hat. Alle drehen sich um Frauen, die in dieser Zeit etwas gravierendes geleistet haben oder Meilensteine in der Geschichte geschrieben haben. Die drei Freundinnen werden hier äußerst sympathisch beschrieben, so daß man ihren Weg sehr gern verfolgt und sich mit ihnen freut, leidet und kämpft. Geschickt verflechtet Eva Wagendorfer ihre Geschichte mit der Geschichte des Rundfunkes und schafft es, daß man beide Geschichten mit großem Interesse verfolgt. Am Ende des Buches befindet sich ein sehr interessantes Glossar mit Erläuterungen zu wichtigen Ausdrücken, Bauwerken und Persönlichkeiten.
Mir hat der Auftakt dieser Trilogie imponiert und ich bin schon sehr gespannt, wie es mit Greta, Inge und Margot weitergeht.

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