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Venatrix

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Veröffentlicht am 08.05.2022

Schauplatz Zürich

Der Kalmar
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In diesem 3. Fall für das Zürcher Privatermittler-Duo Marisa Greco und Bashir Berisha kreuzen sich ihre Wege nicht nur abermals mit Joy (der Prostituierten aus dem ersten Fall) sondern auch mit dem Auftragskiller ...

In diesem 3. Fall für das Zürcher Privatermittler-Duo Marisa Greco und Bashir Berisha kreuzen sich ihre Wege nicht nur abermals mit Joy (der Prostituierten aus dem ersten Fall) sondern auch mit dem Auftragskiller Herbert „Kalmar“ Russo. Der soll nämlich, nach Jahren des „Schläfertums“ den Mafioso Lorenzo Sposato, der in der Schweiz untergetaucht ist, eliminieren. Doch Russo scheint ein wenig aus der Übung zu sein, denn der umtriebige Sposato, der ohne sein Gesicht zu zeigen, in einer Kochshow auf You Tube kocht, entwischt ihm gleich mehrmals. Also Pleiten, Pech und Pannen für Russo, der um seine Familie fürchten muss, wenn es ihm nicht gelingt, seinen Auftrag auszuführen.

Es scheint, als hätte der Chef von Antonio Greco, Gelder der Mafia in Schweizer Immobiliengeschäften gewaschen und Marias Mann ist ihm auf die Schliche gekommen. Doch dann stirbt Antonio bei einem Autounfall und hinterlässt ein veritables Schlamassel. Marisa steht nun mit dem gemeinsamen Sohn Luca alleine da und muss die Scherben aufsammeln. Ihr zur Seite steht wie immer Bashir Berisha, ihr verlässlicher Partner der „Agentur für unliebsame Angelegenheiten“.

Werden sie Herbert Russo, dem Kalmar entkommen und schießt sich der Pechvogel selbst ins Knie?

Wer die Auflösung wissen will, muss diesen Krimi lesen.

Meine Meinung:

Wie es der geneigte Leser schon erahnen kann, war Antonio Greco den Mafia-Millionen auf der Spur. Es folgen mehrere Handlungsstränge, von denen einer den Umgang der ach so korrekten Schweizer mit illegalen Einwanderern pflegen: Ausgebeutet, zur Prostitution gezwungen und der Willkür der Besitzenden ausgeliefert - so sieht die „glamouröse Zukunft“ der Immigranten aus, die aus aller Herren Länder nach Europa kommen, um ein besseres Leben zu finden.

Manchmal musste ich schon recht schmunzeln, wenn dem „Kalmar“ sein Opfer wieder entwischt ist. Da klauen bekiffte Girlies sein Auto oder ein Partygast fuchtelt mit Russos Pistole herum. Doch angesichts der Lage von Joy und ihrer Schwester bleibt einem das Lachen im Hals stecken.

Ich werde mir noch die beiden Vorgänger („Der Schwur“ und „Das Gebot“) besorgen, denn dieser 3. Fall macht neugierig auf den Beginn der Reihe.

Fazit:

Ein Zürich-Krimi, bei dem man Schmunzeln kann, der aber auch ernste Töne beinhaltet. Gerne gebe ich hier 4 Sterne.

Veröffentlicht am 02.05.2022

Komplexer Krimi

Mord zur Apfelblüte
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Im Alten Land, dem riesigen Obstgarten von Hamburg wird die verstümmelte Leiche eines Mannes gefunden. Es dauert bis Berlotti und sein Team Anhaltspunkte für dieses Verbrechen finden. Die Spuren führen ...

Im Alten Land, dem riesigen Obstgarten von Hamburg wird die verstümmelte Leiche eines Mannes gefunden. Es dauert bis Berlotti und sein Team Anhaltspunkte für dieses Verbrechen finden. Die Spuren führen nach Leipzig in die Archive der Staatssicherheit und fördern gut gehütete Geheimnisse der ehemaligen DDR ans Tageslicht.

Die Ermittlungen werden durch rechtsextremistische Anfeindungen, denen Berlotti ausgesetzt ist, überschattet. Wer zieht hier die Fäden? Und warum?

Meine Meinung:

Das ist mein erster Krimi aus der Reihe Gabriele Berlotti. Berlotti stammt aus Italien, legt Wert auf die italienische Form seines Vornamens und hat privat mit allerlei Sorgen zu kämpfen. Da sind zum einem seine Eltern und zum anderen eine Vielzahl von Schicksalsschlägen, die wohl nicht ganz zufällig passieren. Wem ist Gabriele so auf die Zehen getreten, dass mehrer Anschläge auf sein bzw. die Leben seiner Lieben verübt werden? Hier in diesem zweiten Band wird das Geheimnis noch nicht gelüftet. Da müssen wir Leser wohl oder übel auf einen dritten Band warten.

Üblicherweise habe ich kein Problem, quer in eine Reihe einzusteigen, aber diesmal fehlen einfach die Hintergrundinformationen. Man erfährt nur, dass im ersten Fall („Tod im Alten Land“) während des Verhörs durch Berlotti ein Verdächtiger aus dem Fenster gesprungen ist, und dabei ums Leben gekommen ist.

Gabriele Berlotti ist ein Familienmensch. Anders kann ich es mir nicht erklären, warum ein erwachsener Mann noch immer bei seinen Eltern wohnt. Hier scheint der Autor ein wenig mit dem Klischee der überbordenden italienischen Mamma zu spielen, die unbedingt ihrem Sohn die passende Frau aussuchen will. Das sorgt für Schmunzeln.

Der Kriminalfall selbst hat ein reales Vorbild, der an Tragik kaum zu überbieten ist, zeigt er doch das unmenschliche Regime der DDR.

Fazit:

Mir hat der Krimi sehr gut gefallen. Ich muss unbedingt den ersten Band besorgen, um die Charaktere gut einordnen zu können. Gerne gebe ich hier 4 Sterne.

Veröffentlicht am 02.05.2022

Regt zum Nachdenken an

Lovely Planet
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In diesem Buch versucht sich die Autorin Maria Kapeller der Frage „Warum reist der Mensch?“ Auf den Grund zu gehen. In sieben Kapiteln bemüht sie sich, Antwort darauf zu finden.

Warum reisen wir so maßlos?
Welche ...

In diesem Buch versucht sich die Autorin Maria Kapeller der Frage „Warum reist der Mensch?“ Auf den Grund zu gehen. In sieben Kapiteln bemüht sie sich, Antwort darauf zu finden.

Warum reisen wir so maßlos?
Welche Folgen hat unsere Reiselust?
Warum dürfen wir uns in Dankbarkeit verneigen?
Wie erschaffen wir einen neuen Reiserealismus?
Welche Wege gibt es, um umweltverträglicher zu reisen?
Wie wachsen wir beim Reisen innerlich?
Was, wenn wir das Reisen neu erfinden?

Maria Kapeller nähert sich dem Thema Reisen philosophisch an. Sie beleuchtet unter anderem die Auswirkungen auf die Einheimischen, die von Touristen häufig bestaunt werden. Die Bedeutung von (Flug)Reisen auf das Klima ist bereits mehrfach erforscht und trotzdem wird munter mit dem Flugzeug verreist. Sicherlich spielen Kosten für Tickets und Zeitersparnis eine Rolle, denn wenn ein Bahnticket Wien-Brüssel gleich dreimal so teuer, und die Reise fast viermal solange dauert, steigt man eher ins Flugzeug als in den Zug.

Die Kernfrage ist, „muss“ man überhaupt verreisen? Oder wecken Hochglanzbroschüren eine Sehnsucht, die es ohne dies Bilder nicht geben würde? Die letzten beiden Jahre, die coronabedingt das Reisen eingeschränkt haben, haben deutlich gezeigt, dass vor allem Fernreisen nicht wirklich lebensnotwendig sind. Manche meiner Freunde sind total unentspannt, dass sie nicht reisen durften. Für sie ist das Reisen zum Teil eine Prestigeangelegenheit, weiter, schneller und teurer. Ich persönlich kann diesem Reisefieber wenig abgewinnen.

Das Buch ist flott und flüssig geschrieben. Es regt zum Nachdenken an und das ohne den sonst üblichen erhobenen Zeigefinger. Maria Kapeller setzt sich mit den ökologischen und ökonomischen Folgen unserer Reisegesellschaft auseinander.

Fazit:

Ein Buch, das anregt, die eigenen Reisegewohnheiten zu überdenken. Gerne gebe ich hier 4 Sterne.

Veröffentlicht am 02.05.2022

Wieviel Weltgeschichte passt in ein Menschenleben?

Die drei Emigrationen der Sonja Berg
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„Wenn du mich fragst, wo meine Heimat ist, dann muss ich dir sagen: ich weiß es nicht. Meine Familie und anderen Verwandten sind überall auf der Welt zerstreut, in Südafrika, in Israel, den USA, England ...

„Wenn du mich fragst, wo meine Heimat ist, dann muss ich dir sagen: ich weiß es nicht. Meine Familie und anderen Verwandten sind überall auf der Welt zerstreut, in Südafrika, in Israel, den USA, England und der Schweiz. Bei Heinz ist es genauso – diese Emigrationen werden ein Stück von dir!“

Daniel Becker lernte 1987, gerade einmal 18 Jahre alt, das Ehepaar Sonja und Heinz Berg kennen, als er sich in der Schule mit der Russischen Revolution beschäftigte.

Das Ehepaar, das es gemeinsam auf fünf Emigrationen bringt, erzählt detailreich in den 1980er-Jahren ihre Lebensgeschichten in zahlreichen Treffen immer „nach acht“.

Dreimal musste Sonja emigrieren. 1918 aus Russland, 1934 aus Nazideutschland und 1962 aus dem Südafrika der Apartheid. Heinz aus Deutschland und aus Südafrika.

Das Ehepaar hat niemals den Mut verloren oder Hass entwickelt. Sie haben einfach ihre Sachen gepackt, sind gegangen und haben neu angefangen. Sie haben sich nicht beklagt. Sie haben, sagen beide unisono, Dankbarkeit gelernt. Dankbarkeit jenen Menschen gegenüber, die sie unterstützt haben und auch jenem Land gegenüber, das sie aufgenommen hat.

„Man sollte kaum glauben, dass so viel Weltgeschichte in ein Menschenleben passt.“

Erst dreißig Jahre später bringt Daniel Becker diese Lebensläufe zu Papier. Sonja und ihr Mann sind bereits 1995 bzw. 1990, verstorben, doch angesichts der aktuellen Weltlage ist das Thema Flucht und Vertreibung aktuell wie nie zuvor.

Daniel Becker begibt sich auf Spurensuche. Er kontaktiert Verwandte, Nachfahren von Freunden der beiden und fördert eine schier unüberschaubare Menge von Material zutage. Das fasziniert mich ungemein! Nach 100 Jahren so viele Briefe, Dokumente und Fotos vor sich liegen zu haben, ist erstaunlich.

Die Fülle des Materials ist es aber auch, die den 5. Stern kostet. Das seitenlange Zitieren aus Briefen hat mich ein wenig ermüdet. Hier wäre weniger wohl mehr gewesen. Aber, das ist natürlich Ansichtssache. Zahlreiche Fotos zeigen längst vergangene Tage aus dem Leben von Sonja und Heinz.

Fazit:

Eine faszinierende Geschichte einer jüdischen Familie, die dreimal emigrieren musste. Gerne gebe ich hier 4 Sterne.

Veröffentlicht am 26.04.2022

Späte Aufarbeitung der Vergangenheit

Die Internationale Stiftung Mozarteum und der Nationalsozialismus
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Spät, aber doch, stellt sich die „Internationale Stiftung Mozarteum“ ihrer unrühmlichen Vergangenheit während der NS-Zeit.

„...Lange haben wir uns nicht die Frage gestellt, welche Rolle die "Stiftung ...

Spät, aber doch, stellt sich die „Internationale Stiftung Mozarteum“ ihrer unrühmlichen Vergangenheit während der NS-Zeit.

„...Lange haben wir uns nicht die Frage gestellt, welche Rolle die "Stiftung Mozarteum" eigentlich in den Jahren zwischen 1938 und 1945 im Kulturleben der Stadt Salzburg und darüber hinaus gespielt hat, welchen Zielen die damals amtierenden Herren in der Leitung der Stiftung gedient, was sie während dieser sieben Jahre tatsächlich getan und was sie unterlassen haben....“ (Dr. Johannes Honsig-Erlenburg, aktueller Präsident der Stiftung im Vorwort)

Die beiden Herausgeber Alexander Pinwinkler und Oliver Rathkolb haben nun insgesamt 13 Aufsätze von sechs Historikern und einer Historikerin in diesem Buch veröffentlicht. Damit wird eine jahrzehntelang klaffende Lücke in der Geschichte der „Internationalen Stiftung Mozarteum“ endlich geschlossen.

Anhand erstmals ausgewerteter Quellen werden so manche, vom Rassenwahn geleitete Projekte beleuchtet. Die Vereinnahmung Wolfgang Amadeus Mozarts als „Arier“ wird ebenso behandelt wie die Aktivitäten des damaligen Präsidenten Albert Reitter.

Dem Vernehmen nach ist ein zweiter Band in Arbeit, der die Entwicklung in den Nachkriegsjahren sowie die Auslandsbeziehungen aufarbeiten soll. Auch hier ist mit spannenden Enthüllungen zu rechnen.

Meine Meinung:

Das vorliegende Buch ist das Ergebnis einer wissenschaftlichen Aufarbeitung und daher entsprechend stringent aufgebaut. Es ist vermutlich nicht für das breite Publikum gedacht, sondern für jene, die sich kritisch mit Kulturvereinen und deren Verhalten in der NS-Zeit auseinandersetzen wollen. Bislang gab und gibt es hier nach wie vor einiges aufzuarbeiten.
Zahlreiche Zitate, Fotos und Faksimiles aus den Originaldokumenten ergänzen dieses Werk.

Fazit:

Eine längst fällige Auseinandersetzung einer Kulturinstitution mit ihrer unrühmlichen Vergangenheit. Gerne gebe ich hier 4 Sterne.