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Veröffentlicht am 17.06.2017

Wallners siebter Fall

Schwarzwasser
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Opa Manfred ist seit Stunden verschwunden und da trifft Wallner fast der Schlag, als die Leiche eines alten Mannes gefunden wird. Am Tatort findet Wallner Opa Manfred dann aber quicklebendig – als Tod ...

Opa Manfred ist seit Stunden verschwunden und da trifft Wallner fast der Schlag, als die Leiche eines alten Mannes gefunden wird. Am Tatort findet Wallner Opa Manfred dann aber quicklebendig – als Tod verkleidet. Die Leiche ist Klaus Wartberg. Während der Ermittlungen stellt sich heraus, dass es gar keinen Klaus Wartberg gibt. Wer also ist der Tote wirklich – und vor allem: warum wurde er getötet und von wem? Während Kreuthner einer Tatverdächtigen zur Flucht verhilft und wie gewohnt alles verschlimmbessert, wurstelt sich Wallner durch Aussagen und Hinweise und findet Erstaunliches heraus …

Der Wechsel zwischen den verschiedenen Zeitebenen ist mir beim Hören manchmal etwas arg schwer gefallen, zumal man mit sehr vielen Charakteren und somit Namen zu tun hat. Dass man immer wieder schmunzeln oder gar lachen muss, gefällt mir sehr, lenkt mich persönlich aber auch manchmal etwas vom eigentlichen Geschehen ab. Dennoch ist das Hörbuch auch durchweg spannend – immer wieder passieren völlig unerwartete Dinge. So ein klein wenig Achterbahnfahrt ist ebenfalls integriert: nichts ist so, wie man zunächst glaubte. Das ist ganz große Kunst und gefällt mir sehr – auch wenn ich am Ende komplett durcheinander war! Klingt schräg? Ja, ist es auch – aber dennoch ist das großartig. Das muss man ja auch erst mal so hinbekommen!

Die Ereignisse von vor 20 Jahren sind die Ursache für das, was 2016 am Tegernsee geschieht. Was in diesen Jahren alles noch passierte, ist eine logische Aneinanderreihung von Reaktionen, die man recht gut nachvollziehen kann, auch wenn das Ende nicht gut ausgeht für alle daran beteiligten. Der Aufbau sowie die Grundidee sind ganz nach meinem Geschmack.

Michael Schwarzmaier liest dieses Hörbuch unbeschreiblich gut ein. Alle Charaktere haben quasi ihre eigene Stimme, dazu noch diverse Dialekte. So bringt er wirklich Lebendigkeit in die Story und man hat die Figuren sehr gut vor Augen. Es gibt viele sehr gute Sprecher, doch so gut können die wenigsten eine so große Anzahl Figuren unterschiedlich vertonen. Das ist ein absoluter Volltreffer und macht das Zuhören zu einem wahren Genuss.

Bisher habe ich die Reihe um Wallner und Kreuthner nicht verfolgt. Nur „Totensonntag“ hatte ich gehört und war davon wenig begeistert. Inzwischen weiß ich, dass dies zwar mitten in der Serie entstand, aber die Vorgeschichte dazu darstellt. Und mit solchen nachträglich aufgetauchten Vorgeschichten habe ich bisher noch nie gute Erfahrungen gemacht. Insofern freue ich mich sehr, dass ich Andreas Föhr mit „Schwarzwasser“ noch mal eine Chance gegeben hatte.

Das Private rund um die Figuren nimmt nur ein wenig Raum ein und lenkt nicht allzu sehr vom Kriminalfall ab. Ich persönlich hatte zwischendurch einen völlig falschen Verdacht und vermute, das wollte der Autor auch bezwecken. Obwohl Kreuthner ein „Schluri“ ist, sympathisiere ich mit ihm ein wenig, denn wirklich böse ist er nicht, nur eben gerissen und sehr speziell. Ähnlich ist es mit den anderen Charakteren. Sie sind alles Originale und sehr gut ausgearbeitet. Bleibt also festzuhalten, dass ich wirklich gut unterhalten worden bin und somit gebe ich dem Hörbuch vier der fünf möglichen Sterne.

Veröffentlicht am 16.06.2017

Ganz ohne Weichzeichner – ein harter Thriller

Karges Land
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Clyde Barr erhält einen Anruf von seiner Schwester. Dieser ist recht dubios, doch Clyde ist klar, er muss sie retten. Wie und wo, ist nicht klar. Umso gefährlicher wird die Jagd nach dem Drogenboss und ...

Clyde Barr erhält einen Anruf von seiner Schwester. Dieser ist recht dubios, doch Clyde ist klar, er muss sie retten. Wie und wo, ist nicht klar. Umso gefährlicher wird die Jagd nach dem Drogenboss und die Reise in die eigene Vergangenheit …

Der Ich-Stil gefällt mir immer wieder sehr gut, denn er zieht mich sehr viel intensiver ins Geschehen. Hier passt er zusätzlich zur einfachen, gut lesbaren Sprache, die teils auch brutal ist. Dies passt wiederum zum Geschehen. Ob ganz so viel Blut fließen muss, lasse ich mal dahingestellt. Insgesamt passt es aber zum Buch recht gut und für diejenigen, die Gemetzel mögen.

Spannung ist von Anfang an gegeben, diese zieht sich auch durch die ganze Story. Große Ansprüche stellt dieser Thriller nicht an den Leser, doch genau das macht den Zauber hier auch aus: man kann und darf beim Lesen einfach nur genießen. Es gibt keine pseudo-intellektuellen Verschwurbelungen, einfach nur brutalen, harten Thriller. Das hat auch mal was!

Die Charaktere sind meiner Meinung nach gut gezeichnet. Allie ist irgendwie eine ganz besondere Figur. Vor allem aber ist mir Clyde sehr sympathisch, trotz aller Gewalt und Brutalität. Ich habe ihn auf seiner Suche nach seiner Schwester sehr gern begleitet. Mich erinnert der Stil ein wenig an Joe R. Lansdale, doch fehlt mir dessen extrem großes Herz und seine Art, das Böse in sich zusammenfallen lassen zu können. Dennoch: gute Thriller-Kost!

Weniger schön finde ich, dass hier schon wieder die Geburt einer Serie gefeiert wurde. Das zwingt den Leser fast schon dazu, den nächsten Band zu kaufen. Ich möchte aber nicht eine neue Serie nach der anderen beginnen müssen. Einfach mal ein Buch gut schreiben und am Ende auch fertig sein zu lassen, das gefällt mir sehr viel besser. Das nächste Buch dann mit neuen Protagonisten und Charakteren und Schauplätzen – so kann der Leser ohne subtilen Zwang zum nächsten Buch greifen.

Alles in allem tendiere ich hier zu soliden vier Sternen!

Veröffentlicht am 08.06.2017

Morde in Mannheim

Die Bestimmung des Bösen
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Alexis Hall ist Kriminalhauptkommissarin und auf der Jagd nach einem Mörder, der seine Opfer auf eine Weise verhöhnt, die sie nur zu gut kennt. Es ist die Handschrift ihrer Eltern, die vor 23 Jahren ebenfalls ...

Alexis Hall ist Kriminalhauptkommissarin und auf der Jagd nach einem Mörder, der seine Opfer auf eine Weise verhöhnt, die sie nur zu gut kennt. Es ist die Handschrift ihrer Eltern, die vor 23 Jahren ebenfalls ihren Opfern Nagelkronen mit weißen Anemonen geschmückt haben. Kriminalbiologin Karen Hellstern versucht, anhand von Käfern und Maden den Tathergang zu rekonstruieren. Als Alexis immer öfter aufwacht, ohne sich an etwas erinnern zu können, obwohl sie eindeutig barfuß unterwegs gewesen ist, beginnt sie, an die Forschungsergebnisse ihres Onkels zu glauben. Sie trägt ein besonderes Gen in sich, das Kill:gen. Was hat sie getan, ohne es zu wissen? Alexis gerät tiefer und tiefer in den Fall, zumal ihre DNA gefunden wird …

Julia Corbin hat einen sehr detailreich erzählten Thriller geschrieben. Er spielt in Heidelberg und Mannheim. Deshalb sind mir die meisten Schauplätze gut bekannt und ich finde mich quasi blind zurecht. Die sehr genauen Schilderungen kriminalbiologischer Arbeit sind sicher für viele Leser sehr interessant. Mich persönlich haben sie ein wenig gestresst. Manches möchte ich gar nicht so genau wissen. Teils fühlte ich mich deshalb wie in einer Vorlesung.

Dafür hätten für meinen Geschmack die Blackouts von Alexis mehr Raum einnehmen dürfen. Hier wäre so viel Potenzial gewesen, das leider nicht ausgeschöpft worden ist. Viele Möglichkeiten hätten auch die Beziehungen der Kollegen untereinander und mit Alexis geboten. Gerade Oliver kam in meinen Augen auch recht kurz. Teils trat Alexis immer auf derselben Stelle, was ich schade finde. Ihre Angst vor den Auswirkungen des Kill:gens kann ich verstehen, jedoch bot genau dies eine Menge Möglichkeiten für Handlungen und Wendungen, die dann nicht kamen.

Dafür ergeben sich gegen Ende interessante Wendungen, die meine Enttäuschung teilweise wieder wettmachen. Die Erzählstränge laufen kontinuierlich aufeinander zu und ergeben am Ende einen dicken Strang, der logisch und passend, also in sich stimmig, ist.

Wirklich ins Herz geschlossen hatte ich keinen Charakter, auch nicht die Protagonistin. Sie war mir zu sehr in sich selbst gefangen und blieb daher recht flach für mich. Der Aufbau der Spannung blieb so auch unter einem für mich nötigen Level, zog aber am Ende drastisch an.

Trotz aller Kritik ist die gute Recherche aber zu loben. Gerade für realitätsliebende Leser ist das, was mir zu viel war, genau richtig: die ausführlichen Abhandlungen über die Kriminalbiologie. Deshalb ziehe ich nur einen Stern ab und gebe vier Sterne.

Veröffentlicht am 05.06.2017

Was ist Dein Geheimnis?

Nur ein kleiner Gefallen - A Simple Favor
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Stephanie ist alleinerziehende Mom des fünfjährigen Miles. Ihre beste Freundin führt ein glamouröses Leben an der Seite eines tollen Mannes und mit einem Job in der Modebranche und Stephanie nimmt ihren ...

Stephanie ist alleinerziehende Mom des fünfjährigen Miles. Ihre beste Freundin führt ein glamouröses Leben an der Seite eines tollen Mannes und mit einem Job in der Modebranche und Stephanie nimmt ihren Sohn Nicky gern zu sich, wenn Emily mal wieder wichtige Termine hat. Deshalb tut sie ihr auch diesmal gerne diesen kleinen Gefallen. Doch dann holt weder Emily noch ihr Mann Sean den kleinen Nicky ab und Stephanie macht sich Sorgen. Diese beschreibt sie u.a. auch in ihrem Blog. Solange es geht überbrückt Stephanie die Zeit, bis Sean endlich versteht, dass etwas geschehen ist. Nach und nach entdeckt sie, dass Emily nicht die Frau war, für die sie sie gehalten hat. Als Sean und sie sich näherkommen, erhält Stephanie einen erschreckenden Anruf …

Sowohl Buch als auch Hörbuch fesseln gekonnt. Seite um Seite, CD um CD verschlingt man geradezu. Jede wichtige Figur hat Geheimnisse, die mit der Zeit zutage kommen. Stärken und Schwächen der Charaktere nehmen hier ein anderes Gewicht ein, wie man es sonst kennt. Gezielt wird hier besonders mit den Schwächen gearbeitet. Genau das macht auch den Thrill des Buches aus. Gewöhnliche Thrillerspannung, wie man sie sonst gewohnt ist, findet man hier nicht. Ja, die vielen Fragen, die man automatisch hat, erzeugen einen gewissen Spannungsbogen, doch dieser ist eher auf der Basis „Neugier“ angesiedelt. Richtig unter die Haut gehen andere Dinge!

Es bleibt sehr lange fraglich, wer wem welchen kleinen Gefallen getan hat und wer die Gute und wer die Böse ist. So wirklich trauen mag man keiner Figur und schon allein das ist eine großartige Leistung von Darcy Bell.

Die Kapitel bestehen aus Blogeinträgen und Erzählung der Ereignisse durch diverse Personen. An die Blogeinträge muss man sich zunächst ein wenig gewöhnen, doch dann erkennt man rasch, wie informativ sie sind und auch, was der Unterschied zwischen realer und virtueller Welt ist. Allerdings ist es etwas problematisch, dass man nur Stephanies Einträge lesen kann, aber keine Postings der Follower. So weiß man nie, wie beliebt der Blog nun tatsächlich ist. Zwischen keinem Leser und tausender Follower ist alles denkbar, doch klar benannt wird es nicht.

Überhaupt wird vieles nur am Rande angedeutet, aber niemals überzeugend klargestellt. Das zieht sich durch das ganze Buch und betrifft auch Punkte, bei denen das so gar nicht passt. Leider kann ich kein konkretes Beispiel nennen, wenn ich nicht spoilern möchte.

Obwohl mir der Aufbau und die Wendungen gut gefallen, bin ich etwas enttäuscht vom Buch. Es sind zu viele offene Fragen übrig, zu viele Ungereimtheiten und Unstimmigkeiten. Es ist einiges so unglaubwürdig, dass ich nur staunen kann. Das ist sehr schade, denn der Plot und die Autorin haben definitiv ein großes Potenzial. Es gibt nicht wirklich eine Hauptfigur, die man besonders sympathisch finden könnte und die Figuren, die interessant und sympathisch sind, kommen nur am Rande vor. Viele gute Ansätze verlaufen sich im Sande, andere kommen dafür viel zu stark zur Geltung. Dennoch mochte ich sowohl Buch als auch Hörbuch. Doch stören mich die genannten Punkte schon arg, deshalb kann ich nicht die vollen fünf Sterne geben. Für vier Sterne reicht es aber auf alle Fälle, denn an keiner Stelle fand ich das Buch langweilig oder hatte keine Lust mehr darauf. Ich bin jedenfalls schon gespannt, wie sich diese neue Autorin weiterentwickeln wird!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Dramaturgie
  • Erzählstil
Veröffentlicht am 02.06.2017

Neuanfang mit Samtpfoten

Katzenglück und Dolce Vita
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Karla ist Ende 30 und die Arbeit in der Werbeagentur leid. Sie möchte ihren Traum verwirklichen und Bücher illustrieren. Den Urlaub in der Toskana nutzt sie, um der Verwirklichung des Traumes näher zu ...

Karla ist Ende 30 und die Arbeit in der Werbeagentur leid. Sie möchte ihren Traum verwirklichen und Bücher illustrieren. Den Urlaub in der Toskana nutzt sie, um der Verwirklichung des Traumes näher zu kommen. Doch sie hat nicht mit den Plänen des Universums gerechnet. Karla lernt viele außergewöhnliche Menschen kennen, die sie dazu bringen, ihre Einstellungen neu zu bedenken …

Ein wenig irritieren der Titel und der Klappentext. Katzen spielen eine Rolle, doch so dolce ist das vita erst mal gar nicht. Karla ist eine sehr unsichere Frau, die es mir als Leser recht schwer gemacht hat, sie wirklich zu mögen. Viele ihrer Entscheidungen kann ich einfach nicht nachvollziehen. Ihre Bereitschaft, ihre Zukunft selbst aktiv zu gestalten und ein Leben zu führen, das zu ihr passt, ist mir zu gering. Sie hat alles im Kopf, aber bei der Umsetzung braucht sie viele Menschen, die sie anschieben.

Die Gegend und die Charaktere sind zauberhaft dargestellt. Auch die kleinen Zeichnungen, die aus Karlas Feder stammen könnten und aus ihrem Skizzenblock gerissen scheinen, finde ich wunderbar. Ganz besonders schön finde ich, dass das Buch, um da es geht, im Oktober 2017 ebenfalls im Inselverlag erscheinen wird.

Nur Karlas Figur ist mir zu konstruiert. Ihre Einstellung zu Familie und Kindern stammt aus ihrer eigenen Kindheit, doch wenn man ihre Probleme kennt, möchte man sie darauf hinweisen, dass es Kinder mit echten Problemen gibt. Mich hat sie ein wenig sauer gemacht. Nicht nur, weil ich nicht ganz nachvollziehen kann, wie dramatisch sie das sieht, sondern hauptsächlich, weil Karla gern jammert, aber wenig tut. Sie kommt äußerst schwierig in die Puschen und braucht immer wieder Schützenhilfe von ihr bis dahin wildfremden Menschen.

Die drei Katzen, die quasi illegal auf dem Grundstück des Ferienhauses leben, spielen eine wichtige Rolle in Karlas Entwicklung. Deren Schicksal ist Karla schnell das Wichtigste überhaupt. Der Leser erkennt hier schon den Mutterinstinkt, Karla nicht.

Valentina und ihre Nonna sind wahre Engel, die Karla ebenso wie Fabio und seine große italienische Familie immer wieder ein Stück weiter auf den richtigen Weg bringen. Auch ein Taxifahrer entpuppt sich als Schutzengel für Karla, die nicht nur zeichnet, sondern auch im Kochen Erfüllung findet. Die Farben auf dem Papier spiegeln sich bald in Karlas Leben und Kleidung wider. So entsteht dann auch noch ganz nebenbei eine Idee für ein weiteres Projekt.

Der Stil der Autorin liest sich angenehm leicht und flüssig. Auch die immer wieder eingefügten Rückblenden und Erinnerungen passen und bremsen den Lesefluss nicht. Die Kapitel haben eine angenehme Länge, sodass man immer wieder zum Buch greifen kann und mag, um mehr von Karlas Abenteuer zu erfahren.

Ich bin, trotz meiner Kritik, gern mit Karla in ihrer Ape durch die Gegend getuckert. Für schöne Lesestunden am Pool ist dieses Buch genau richtig. Deshalb bekommt es auch vier Sterne von mir.