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Veröffentlicht am 31.03.2023

Robert Marasco - Burnt Offerings - Haus der toten Seelen

Burnt Offerings – Haus der toten Seelen
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Robert Marasco - Burnt Offerings - Haus der toten Seelen
(Festa Verlag)

- atmosphärischer Haunted-House-Klassiker mit unterschwelliger Spannung -

New York, in den 70ern des vergangenen Jahrhunderts. ...

Robert Marasco - Burnt Offerings - Haus der toten Seelen
(Festa Verlag)

- atmosphärischer Haunted-House-Klassiker mit unterschwelliger Spannung -

New York, in den 70ern des vergangenen Jahrhunderts. Ben Rolfe, seine Frau Marian und ihr gemeinsamer Sohn David bewohnen eine stickige, hellhörige Altbauwohnung in Queens. Stress, Kindergeschrei, unbeholfenes musizieren der Nachbarn, Straßen- und Flugzeuglärm, Parkplatzprobleme, sowie eine Mischung aus Abgasen, Ausdünstungen diverser Straßenbars, Lieferrestaurants und Supermärkte inklusive. Da kommt den Rolfes das Angebot, ein abgelegenes und freistehendes Ferienhaus, nein eher ein ganzes Anwesen mit Pool, Strand und eigenem Anleger über den gesamten Sommer zu mieten, sehr gelegen. Endlich können sie ihrem stressigen, nachgerade zermürbenden New Yorker Alltag für einige Wochen entfliehen. Das zumindest glauben die Rolfes, die Bens 74-jährige Tante Elizabeth im Schlepptau haben. So lange, bis sie alle eines Besseren belehrt werden.

Obschon das Original zu "Burnt Offerings" bereits im Jahre 1973 veröffentlicht wurde, hat der atmosphärische Haunted House Klassiker in den letzten 50 Jahren kaum Patina angesetzt. Der 1936 in den Bronx geborene und bereits im Jahre 1998 verstorbene US-amerikanische Schriftsteller Robert Marasco setzt in der Vergangenheitsform auf die empathische Einführung einer netten kleinen Familie. Er bemächtigt sich hierbei eines lebendigen, humorvollen und locker-flockigen Erzählstils, der einem runtergeht wie Öl. Der subtile, aber stete Spannungsaufbau der authentischen Geschichte wird nach und nach mit Mystery-Elementen angereichert. Auf diese Weise jongliert Marasco spielerisch mit den Ängsten seiner Protagonisten, wie auch seiner Leser.

Beim alten, in die Jahre gekommenen und stark heruntergewirtschafteten Herrenhaus angekommen, können Ben, Marian, David und Elizabeth ihr Glück kaum fassen. Das Angebot, das Ihnen die Hausherrin Mrs. Roz Allardyce und ihr Bruder Mr. Arnold Allardyce machen, ist so traumhaft günstig, dass es abzulehnen einer Farce gleichkäme. Lediglich eine Sache gilt es zu beachten. Die Rolfes sollen der 85-jährigen Mutter von Roz und Arnold dreimal am Tag ein Tablett mit einer warmen Mahlzeit auf den Tisch ihres Salons stellen. Wenn doch alles so einfach wäre, denkt Marian und ist sogleich verliebt in das Anwesen. Doch was hat es mit den alten Bildern und den leeren Blicken der Personen darauf auf sich? Warum geraten das Haus und die alte Mrs. Allardyce für Marian zur Obsession? Was macht sie nur so nervös und unruhig?

Robert Marasco setzt die verschiedenen Gefühlsregungen aus stressigem Arbeitstag, neuen, aufregenden Erfahrungen, erholsamen Urlaubstagen und Marians beginnendem Wahn exzellent in Szene. Das merkwürdige Verhalten der Rolfes, unter dem auch das Zwischenmenschliche leidet, gerät zu einem immer gefährlicheren Spiel. Die gesamte Familie, die immer weitere Wesensveränderungen an sich bemerkt, entfremdet sich allmählich. Alles wird nebulös, die Wahrnehmung verschwimmt. Halluzinationen und Trugbilder erscheinen absolut real. Das emotionale Empfinden, das sich von Anfang an einwandfrei auf den Leser überträgt, wurde vom Autor gut dosiert. Das Haus, das sich nach und nach zu verändern beginnt, vernebelt ihre Sinne und vereinnahmt die Rolfes immer mehr. Eine Flucht aus diesem wahrgewordenen Albtraum scheint schier unmöglich. Beim Lesen des charismatischen, 336-seitigen Horror-Romans "Burnt Offerings", den stets eine bedrohliche und verstörende Aura umgibt, fiel mir auf, dass ich meine, die Verfilmung von Dan Curtis, mit Karen Black, Oliver Reed und Bette Davis, aus dem Jahre 1976, schon einmal gesehen zu haben. Ich werde sie mir die nächsten Tage auf jeden Fall einmal (wieder?!?) zu Gemüte führen!

(Janko)

Brutalität/Gewalt: 10/100
Spannung: 48/100
Action: 28/100
Unterhaltung: 87/100
Anspruch: 40/100
Atmosphäre: 80/100
Emotion: 77/100
Humor: 15/100
Sex/Obszönität: 10/100

LACK OF LIES - Wertung: 83/100

Robert Marasco - Burnt Offerings - Haus der toten Seelen
Festa Verlag
Horror
Festa Must Read - Band 42
ISBN: 978-3-98676-052-6
336 Seiten
Mit Leseband, gebunden in der Festa-Lederoptik
Originaltitel: Burnt Offerings
Aus dem amerikanischen Englisch von Simona Turini
Erscheinungstermin: 23.03.2023
EUR 26,99 Euro [DE] inkl. MwSt.

Weitere Formate:
ISBN eBook: 978-3-98676-053-3
Erscheinungstermin: 08.02.2023
EUR 7,99 Euro [DE] inkl. MwSt.

"Burnt Offerings - Haus der toten Seelen" beim Festa Verlag: https://www.festa-verlag.de/burnt-offerings-haus-der-toten-seelen.html

Leseprobe: https://www.festa-verlag.de/mpattachment/file/download/id/647/

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Veröffentlicht am 17.02.2023

- origineller, skurriler und überspitzter Endzeit-Genremix mit unheimlichem Twist -

DIE BAR AM ENDE DER WELT
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Tom Abrahams - Die Bar am Ende der Welt
(Luzifer Verlag )

- origineller, skurriler und überspitzter Endzeit-Genremix mit unheimlichem Twist -

In postapokalyptischen Zeiten der Wasserknappheit und des ...

Tom Abrahams - Die Bar am Ende der Welt
(Luzifer Verlag )

- origineller, skurriler und überspitzter Endzeit-Genremix mit unheimlichem Twist -

In postapokalyptischen Zeiten der Wasserknappheit und des allgemeinen Mangels, irgendwo in der Wüste Nordamerikas, am Ende der Welt. Als Ezekiel "Zeke" Watson nach einer wilden Verfolgungsjagd mit den "Tic" in Pedros exzeptionellem und anachronistischem Etablissement "Cantina" strandet, lernt er die geheimnisvolle Uriel kennen. Zeke, den ein enormer Zeitdruck quält, hält ein unbestimmtes, nicht greifbares Gefühl an diesem eigentümlichen Ort gefangen. Doch er muss sich erneut in die Höhle des Löwen begeben, um seine Freundin Adaliah "Li" Bancroft aus den Fängen des Aquatic Collective (kurz Tic) zu retten. Da kommt es Zeke sehr gelegen, dass ihm, neben Uriel, noch ein paar weitere Bargäste großzügig und selbstlos ihre Hilfe anbieten. Somit machen sich insgesamt sechs liebenswerte und sympathische Outlaws auf, um Zekes Freundin Li zu retten.

Der erste Teil der Reihe "Die Bar am Ende der Welt", welcher am 30.09.2021 im Luzifer Verlag erschienen ist, geht von der Startsequenz an ordentlich zur Sache. Ohne große Umschweife kommt der US-amerikanische Autor und Fernsehjournalist Tom Abrahams auf den Punkt. Sein einfacher, aber durchaus origineller, skurriler und überspitzter Genremix aus Science-Fiction, Contemporary Fantasy, Dystopie und Thriller erinnert mich vom epischen Flair und der mystisch angehauchten Atmosphäre her, an einen Hybrid aus den "Mad Max"-Filmen und dem Roman "Das Buch ohne Namen" von Anonymus. Man schmeckt den Staub und die Trockenheit, riecht den Whisky- und Benzingeruch in der flirrenden Luft und hört die Motoren und die modifizierte Waffen nur so wummern. Das relativ hohe Gewaltpotenzial, das die Protagonisten in Abrahams spannenden und actionreichen Weltuntergangsfantasie an den Tag legen, wird allerdings nicht allzu explizit dargestellt.

Die Tic sind ein bunter Haufen räudiger Halunken, Diebe und Schmuggler, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, mit allem zu handeln, was sich in irgendeiner Form zu Geld machen lässt. Ihr lukrativstes Geschäft ist der Diebstahl und der Handel mit Wasser. In den einzelnen Protektoraten gehen die Aufseher nicht zimperlich mit ihnen um und so enden die Bandenmitglieder nicht selten als Mahnmal für die übrige Bevölkerung und als Futter für die zahlreichen Vögel. Oberaufseher Commander William Guilfoyle und seine Entourage lassen es sich derweil so richtig gut gehen. Sie leben in Saus und Braus, während sie ihre Untertanen mit Maßnahmen und Rationierungen sanktionieren und drangsalieren. Als das Aquatic Collective eine große Aktion zu planen scheint, ruft das den hochrangigen, sadistischen und egoistischen Aufseher des Protektorats, seine Berater, sowie deren Tactical Marine Force auf den Plan. Und so treffen Zeke, Uriel, Phil, Gabe, Raf und Barach gleich auf zweierlei Fronten.

"Die Bar am Ende der Welt" ist ohne Frage ein exzessives Endzeit-Szenerio mit viel Geballer, wilden Verfolgungsjagden und einem bunt zusammengewürfelten Haufen sympathischer Protagonisten, mit dem man gerne mitfiebert. Als Leser erfahren wir, in einer leicht zu lesenden und verständlichen Sprache, wie der sympathische Ezekiel und Adaliah ein Paar wurden. Die verschiedenen Handlungsstränge, die Tom Abrahams geschickt zu einem roten Faden verknüpft, waten im zweiten Drittel mit einem unheimlichen Twist auf. Ein Aha-Effekt, der auf irgendeine Weise, aber doch nicht in dieser Form zu erwarten war. Als Ezekiel die Wahrheit in ihrem gesamten Ausmaß erkennt und endgültig zu verstehen beginnt, was hier eigentlich die ganze Zeit über gespielt wird, kann er es beim besten Willen nicht fassen. Rinnt ihm seine Liebe zu Adaliah etwa gerade durch die Finger? Es steckt durchaus ein bisschen Warnung und Mahnung an unsere eigene aktuelle Agonie in dieser illustren Trivialliteratur. Der Autor dutzender dystopischer Sci-Fi-Techno-Thriller, Abenteuerromane und Politikthriller, dessen 2. Teil der Serie "Die Bar am Ende des Meeres" am Freitag, den 24.02.2023 ebenfalls im Luzifer Verlag erscheinen wird, lebt heute mit seiner Frau und seinen beiden Kindern am Rande von Houston im Südosten von Texas.

(Janko)

https://www.pitonpress.com/
https://www.facebook.com/profile.php?id=100011644483992
https://www.instagram.com/tomabrahams/

Brutalität/Gewalt: 63/100
Spannung: 75/100
Action: 81/100
Unterhaltung: 83/100
Anspruch: 18/100
Atmosphäre: 60/100
Humor: 16/100
Sex/Obszönität: 06/100

LACK OF LIES - Wertung: 80/100

Tom Abrahams - Die Bar am Ende der Welt
Endzeit Thriller
Luzifer Verlag
ISBN-13: 978-3-95835-613-9
340 Seiten
Taschenbuch
Originaltitel: The Bar at the End of the World
Erscheinungstermin: 30.09.2021
EUR 13,95 Euro [DE] inkl. MwSt.

Weitere Formate:
ISBN eBook: 978-3-95835-614-6
Erscheinungstermin: 30.09.2021
EUR 4,99 Euro [DE] inkl. MwSt.

"Die Bar am Ende der Welt" beim Luzifer Verlag: https://luzifer-verlag.de/titel/1664

Leseprobe: https://luzifer-verlag.de/leseprobe/1664

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Veröffentlicht am 20.05.2022

Kathrin Lange; Susanne Thiele - Probe 12

Probe 12
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Kathrin Lange; Susanne Thiele - Probe 12
(Bastei Lübbe)

- spannender Wissenschaftsthriller nach altbewährter Formel -

Tiflis, Georgien in der nahen Zukunft. Professor Georgy Anasias hat sich auf die ...

Kathrin Lange; Susanne Thiele - Probe 12
(Bastei Lübbe)

- spannender Wissenschaftsthriller nach altbewährter Formel -

Tiflis, Georgien in der nahen Zukunft. Professor Georgy Anasias hat sich auf die Bakteriophagen-Forschung spezialisiert. Vereinfacht gesagt, auf bakterienfressende Viren. In seinem Institut, dem Delbrück Phage Research Center, hat er alternative Therapien zur effektiven Bekämpfung der zwölf, von der WHO (Weltgesundheitsorganisation) am gefährlichsten eingestuften multiresistenten Bakterienstämme entwickelt. Als ihn die Wissenschaftsjournalistin Nina Falkenberg in Georgien besuchen will, kommt sie zu spät. Ihr ehemaliger Ziehvater und Mentor Georgy Anasias wurde in seinem Institut überfallen. Schwer verletzt überlebt er diesen Überfall nicht. Seine immens wichtige Forschung konnte Georgy glücklicherweise zuvor einem ehemaligen Mitarbeiter zukommen lassen. Der Name seines ehemaligen Kollegen ist daher auch das Letzte, was er Nina zuflüstern kann.

Ortswechsel. Sylvie, die Tochter des Foodhunters Tom Morell und seiner Frau Isabelle, liegt mit einer schweren, kaum heilbaren Erkrankung auf der Isolierstation des Loring-Klinikums in Berlin. Die Therapie, die Dr. Heinemann den beiden vorschlägt, ist Sylvies letzte Chance. Ein allerletzter Strohhalm, an dem es sich festzukrallen gilt. Es ist jedoch alles andere als sicher, dass diese Therapie bei seiner Tochter anschlagen wird und so wendet sich Tom in seiner Verzweiflung an Dr. Max Seifert. Sylvies behandelnder Arzt Dr. Heinemann hatte ihm selbigen unter vorgehaltener Hand bezüglich der, in Deutschland nicht zugelassenen Phagen-Forschung empfohlen. Ein Wettlauf für Sylvie und gegen die Zeit beginnt.

Nachdem Nina Falkenberg Georgy Anasias ehemaligen Mitarbeiter ausfindig gemacht hat, begibt sie sich auf den Weg nach Berlin. Dort trifft sie auf Foodhunter und Blogger Tom Morell. Zu diesem Zeitpunkt ahnen sie jedoch nicht, dass sich bereits eine Gruppe Verfolger an ihre Fersen geheftet hat. Von nun an ist ihr beider Leben keinen Pfifferling mehr wert.

Zeitgleich werden diverse biochemische Anschläge auf unterschiedliche öffentliche Einrichtungen in Berlin verübt. Kriminalhauptkommissarin Christina Voss und ihr junger Kollege Lukas Lau werden darauf angesetzt. Jemand oder eine Gruppe, die sich Prometheus nennt, scheint hinter den Anschlägen zu stecken. Was will Prometheus damit bezwecken und wie passt das alles zusammen...?

Der neue Edutainment-Roman "Probe 12", der beiden deutschen Autorinnen Kathrin Lange und Susanne Thiele, ist ein spannender Wissenschaftsthriller nach altbewährter Formel. Innerhalb des 496 Seiten umfassenden Storyboards sind zwar keine Innovationen zu erwarteten, dafür erzeugen die häufigen Szenenwechsel, sowie verschiedene Handlungsstränge, denen man als Leser leicht folgen kann und die von den beiden Autorinnen geschickt miteinander verwoben werden, eine enorme Vitalität, sowie ein hohes Potenzial an Action und Spannung, da man wie im Laufschritt durch die Geschichte getrieben wird. Die Dramaturgie ist stimmig, die Emotionalität wirkt nicht aufgesetzt und die immer wieder eingestreuten, scheinbar belanglosen Anekdoten hauchen der Geschichte, die hauptsächlich in Berlin angesiedelt ist, Leben ein. Kathrin Lange und Susanne Thiele werfen aber auch ethische Fragen bezüglich unseres Gesundheits- und Wirtschaftssystems auf, die zwar alles andere als neu sind, dennoch bewusst ebendiese Missstände wieder in unser Bewusstsein rücken (beispielsweise die Unrentabilität der Antibiotika-Forschung, den Ausstieg sämtlicher Pharmariesen aus eben dieser, sowie die enormen Gefahren, die dadurch für die gesamte Menschheit entstehen). Mit einer dezenten, nüchternen und politischen Einfärbung wird hier ein essenzielles Thema für unser Gesundheitssystem und die Wettbewerbsfähigkeit unserer Pharmaindustrie angegangen. Auch fachlich gesehen eine durchaus interessante Thematik.

Der rationale Science-Thriller, der hauptsächlich aus der Sicht des Foodhunters Tom Morell und der toughen Kriminalhauptkommissarin Christina Voss verfasst wurde, lebt von den Interaktionen seiner Protagonisten und dem hohen Grad an Action. Das jeweilige Lokalkolorit, wie auch die Charaktere sind ausreichend bis umfassend beschrieben, sodass sich das Kopfkino gleich zu Beginn des rasanten und solide ausgearbeiteten Plots ohne Umschweife in Gang setzen kann. Als Leser verfolgt man voller Anspannung das Geschehen und erhofft sich für die sympathischen Protagonisten einen einigermaßen glimpflichen Ausgang. Doch ob dieser für alle Beteiligte in Sichtweite bleibt?

Wer von Viren und Bakterien noch nicht genug hat und dem der Wissenschaftsthriller "Leben" von Uwe Laub gefallen hat, der sollte sich ebenfalls den spannenden Unterhaltungsroman des Autorenduos Lange/Thiele zu Gemüte führen. Es dürfte sich in jeglicher Hinsicht als lohnenswert erweisen...

(Janko)

https://www.kathrin-lange.com/
https://www.facebook.com/kathrin.lange.35/

https://susanne-thiele.de/
https://www.facebook.com/susanne.thiele.autorin/

Brutalität/Gewalt: 48/100
Spannung: 82/100
Action: 84/100
Unterhaltung: 81/100
Anspruch: 32/100
Humor: 10/100
Sex/Obszönität: 09/100

https://www.lackoflies.com - Wertung: 80/100

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Veröffentlicht am 12.09.2025

- irrationaler, unglaubwürdiger und widersprüchlicher psychologischer Noir -

Todestaufe
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Jon Bassoff - Todestaufe
(Polar Verlag)

- irrationaler, unglaubwürdiger und widersprüchlicher psychologischer Noir -

Deerfield, Michigan, Spätherbst 2018. Als Holt Davidson vom Selbstmord seiner Mutter ...

Jon Bassoff - Todestaufe
(Polar Verlag)

- irrationaler, unglaubwürdiger und widersprüchlicher psychologischer Noir -

Deerfield, Michigan, Spätherbst 2018. Als Holt Davidson vom Selbstmord seiner Mutter erfährt, kehrt er widerwillig in seinen ehemaligen Heimatort Thompsonville zurück. Stets von inneren Dämonen geplagt, betritt Holt das heruntergekommene Ranch-Style Haus, in dem er aufgewachsen ist. Unter einem abstehenden Dielenbrett, im Zimmer seiner Mutter, entdeckt der 39-jährige Feuerwehrmann einen Revolver, eine Schachtel mit einem Liebesbrief, sowie ein altes Polaroid Foto. Auf selbigem sitzt ein versehrter Mann an eine Wand gelehnt in einer Blutlache. Warum hatte seine Mutter dieses Foto versteckt oder überhaupt aufgehoben? Hatte sie etwa den offensichtlich toten Mann auf dem Bild mit dem Revolver erschossen? Und wenn ja, aus welchem Antrieb heraus? Grund genug für Holt ein wenig zu recherchieren und die Vergangenheit umzugraben.

"Beneath Cruel Waters", wie Jon Bassoffs 2022 im amerikanischen Original erschienener Kriminalroman betitelt wurde, ist ein bedrückendes, sich ganz allmählich steigerndes Sozial-Drama. Auch wenn "Todestaufe" stellenweise etwas gedankenverloren vor sich hin plänkelt, taucht man durch Bassoffs Hervorheben der unbehaglichen Kulisse augenblicklich in die Tristesse, die Resignation und die Hoffnungslosigkeit dieses Psychological Noir ein. Als stiller Beobachter erfährt man von der trostlosen Adoleszenz des damals 5-jährigen Holt und der Einweisung seiner zehn Jahre älteren, an depressiven Schüben leidenden Schwester Ophelia, in die Psychiatrie. Von den glücklosen Partnerschaften seiner Mutter Vivian, von seinem Onkel Bobby, dem ruhelosen und egozentrischen Musiker, von Joyce, der besten Freundin seiner Mutter und deren Ehemann, dem Polizisten Mike. Dabei geriet Familie Davidson in eine bösartige Spirale aus Bedrohungen, Stalking, Psychoterror, sexuellem Missbrauch, Gewalt und Mord. 1974 in New York City geboren, arbeitet der hauptberufliche Englischlehrer in "Todestaufe" mit gewissen Stereotypen und lässt Holts, Vivians und Ophelias verstörenden Albtraum wieder "aufblühen".

"Mindestens fünfzehn weitere Glas Wein wären nötig, um überhaupt daran zu denken, diese Lippen zu küssen, die wie Wiener Würstchen in seinem Gesicht klebten." Zitat S. 64

Ein zweiter Handlungsstrang behandelt die Zeit nach Vivians Beerdigung und die Erkenntnisse, die Holt anschließend gewinnt. Er spricht mit Joyce, der Freundin seiner verstorbenen Mutter, um sich seine eigene Kindheit ins Gedächtnis zu rufen und die Zeit nach seinem Auszug vor 20 Jahren zu beleuchten. Er besucht Ophelia in der psychiatrischen Einrichtung, spricht mit Ärzten und erkennt allmählich, wie es zu den unerträglichen Umständen kommen konnte, denen Familie Davidson jahrelang ausgesetzt war. Soweit, so gut. Doch ab dem Mittelteil reagieren Bassoffs Akteure, trotz Berücksichtigung der jeweiligen Extremsituation und Traumata in der sie stecken, völlig irrational und alles andere als plausibel. Darunter leidet die Glaubwürdigkeit der Erzählung und die Kraft, mit der sich die Leserschaft in die Geschehnisse hineindenken kann. Das 328-Seiten starke Konstrukt, das durchaus mehr Druck, mehr Action und mehr Authentizität hätte vertragen können, wirkt mit einem Mal künstlich zusammengestückelt und montiert. Es bleiben einfach zu viele Fragen offen. "Todestaufe" ist auf der einen Seite ein emotionales Werk, auf der anderen Seite ist es stellenweise doch arg widersprüchlich und zerfahren. Auch werden Jon Bassoffs Charaktere im weiteren Verlauf der Lektüre immer farbloser. Er konzentriert sich hier vielleicht zu sehr auf die kausalen Zusammenhänge der Begebenheiten und lässt die eigentlichen Belange seiner Protagonisten links liegen. Die gesamten Umstände geraten ab einem gewissen Zeitpunkt zu einer regelrecht nervigen und äußerst suspekten Angelegenheit. Macht es sich Bassoff da ab dem Mittelteil nicht ein wenig zu leicht, als dass es der aufmerksame und anspruchsvolle Vielleser einfach so schlucken würde? Ich denke schon. Mit "Todestaufe" beschwört Bassoff ein psychologisches Sodom um Gomorrha herauf. Leider ein höchst unglaubwürdiges!

(Janko)

https://www.jonbassoff.com
https://www.facebook.com/jon.bassoff
https://www.instagram.com/jonbassoff/

Brutalität/Gewalt: 37/100
Spannung: 60/100
Action: 42/100
Unterhaltung: 74/100
Anspruch: 32/100
Atmosphäre: 55/100
Emotion: 61/100
Humor: 03/100
Sex/Obszönität: 22/100

LACK OF LIES - Wertung: 72/100

LACK OF LIES - Altersempfehlung: ab 14 Jahren (aufgrund von sexuellem Missbrauch und Gewalt)

Jon Bassoff - Todestaufe
Polar Verlag
Kriminalroman/Psycho-Gothic-Noir-Thriller
ISBN: 978-3-910918-28-3
328 Seiten
Klappenbroschur
Originaltitel: Beneath Cruel Waters (2022)
Aus dem Amerikanischen von Sven Koch
Erscheinungstermin: 15.08.2025
EUR 17,00 Euro [DE] inkl. MwSt.

"Todestaufe" in der Herbst Vorschau beim Polar Verlag: https://polar-verlag.de/produkt/jon-bassoff-todestaufe

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Veröffentlicht am 31.01.2024

- atmosphärischer, aber langatmiger Thriller -

Der Pfad
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Megan Miranda - Der Pfad
(Penguin Verlag)

- atmosphärischer, aber langatmiger Thriller -

North Carolina, im August 2022. Der kleine, 1.000 Einwohner zählende Urlaubsort Cutter’s Pass, aus dem seit zweieinhalb ...

Megan Miranda - Der Pfad
(Penguin Verlag)

- atmosphärischer, aber langatmiger Thriller -

North Carolina, im August 2022. Der kleine, 1.000 Einwohner zählende Urlaubsort Cutter’s Pass, aus dem seit zweieinhalb Dekaden immer wieder Touristen verschwinden, soll laut Statistik eine der gefährlichsten Städte North Carolinas sein. Zumindest behauptet das die hiesige Presse, wodurch die Ortschaft, die ohne den Tourismus offensichtlich nicht überlebensfähig wäre, überhaupt erst auf die Karte gebracht wurde. Als spätabends ein Mann im Passage Inn, am Zubringer zum Appalachian Trail nach einem Hotelzimmer fragt, erkennt die herzensgute und hilfsbereite Rezeptionistin Abigail "Abby" Lovett in ihm den Bruder einer kürzlich vermissten Person. Sie weist dem Mann, der sich als Trey West ausweist, die gleiche Hütte zu, die vier Monate zuvor auch sein Bruder Landon West bewohnte, bevor selbiger spurlos verschwand. Trey gibt an, nach seinem Bruder suchen zu wollen. Und obschon sich Abby zu Recht fragt, was Treys Ansporn sei, vier Monate nach dem Verschwinden seines Bruders mit der Suche nach selbigem zu beginnen, ist das eigene Interesse, der oftmals gedankenverloren und verdammt neugierigen 28-jährigen, endgültig geweckt. Treys Bruder mit eingerechnet, waren auf den Trails rund um Cutter’s Pass in den letzten 25 Jahren fünf Männer und zwei Frauen verschwunden. Abby kann einfach nicht aus ihrer Haut und taucht, offensichtlich sehr zum Missfallen einiger alteingesessener Dorfbewohner, immer tiefer und investigativer in die Suchaktion von Trey West ein.

"Der Pfad" von Megan Miranda, welcher 2022 im amerikanischen Original unter dem Titel "The Last to Vanish" veröffentlicht wurde, kann nicht eindeutig dem Thrillergenre zugeordnet werden. Dafür mangelt es dem Roman über weite Strecken an Überzeugungskraft, Spannung und Substanz. Die Handlung, die von den Gedankengängen ihrer verkopften Protagonistin lebt, bietet wenig Action und ist mir persönlich zu emotionslos verfasst. Abby redet viel zu lange um den indes stark abgekühlten Brei herum. Die permanenten Spekulationen darüber, was aus den Vermissten geworden ist, was sich im Hotel abspielt, was die Dorfbewohner treiben, wie gefährlich die unterschiedlichen Trails sind etc. pp, ist auf Dauer einfach nur ermüdend. Das einzige, was mich an Mirandas Seiten hängen lässt, sind meine stark ausgeprägte Neugier, mein strapazierfähiges Durchhaltevermögen und das Hoffen, dass da noch die angepriesenen "atemberaubenden Twists und überraschenden Wendungen" kommen. Die US-amerikanische Autorin Megan Miranda versteht sich durchaus auf eine bildhafte und empfindsame Beschreibung des jeweiligen Ambientes, sodass man unmittelbar ins Geschehen eintaucht. Sie beschreibt die Nuancen des Augenblicks und füllt die fantasievoll ausgeschmückten Gegebenheiten mit Leben. Leider ist der gemächliche, faktenbasierte Aufbau mit seinem üppigen Personal derart ausladend geraten, dass er sich oftmals selbst im Wege steht.

Die distanzieren Dorfbewohner verhalten sich merkwürdig, geben sich Fremden gegenüber unaufgeschlossen und tragen kaum zur Klärung der Geschehnisse bei. Immer wieder kommt es zu rätselhaften, nebulösen, eigentlich als völlig lapidar zu bezeichnenden Vorfällen. Dinge verschwinden, die Telefonleitung des Hotels ist ständig gestört, die Polizei übersieht offensichtliche Verstecke. Irgendetwas Rätselhaftes geht in dem Ort und auf der Strecke des Appalachian Trails vor sich und den Einwohnern von Cutter’s Pass scheint dies durchaus in die Karten zu spielen. Irgendjemand will hier etwas vertuschen! Doch was? Erst ganz zum Ende des Unterhaltungsromans fügen sich die Geschehnisse um die vermissten Personen zu einem Gesamtbild zusammen. Abby, die niemandem trauen kann, versucht dem Ort auch noch sein letztes Geheimnis zu entreißen. Dass ihr das eigentlich nichts als Ärger einbringt, ist so klar, wie das Amen in der Kirche.

Der atmosphärische Roman, der aus der Sicht von Abby erzählt wird, bewegt sich in nur allzu gemächlichem Fahrwasser, wirkt dabei doch arg konstruiert und bleibt in seiner Gesamtbetrachtung weit hinter den Erwartungen zurück. Die Hin-tergründe zu Abbys Passion, die schon bald in eine ungesunde Obsession ausarten, werden mir von der Autorin, die mit ihrem Ehemann Luis und zwei Kindern in Davidson, North Carolina lebt, nicht deutlich genug aufgezeigt. "Der Pfad" ist meinem Empfinden nach kaum greifbar und nicht viel mehr, als eine nette Idee für eine Kurzgeschichte, die von der Autorin auf 384 Seiten aufgeplustert wurde. Einzig und allein die ansprechende Atmosphäre und der leider doch recht biegsame Spannungsbogen halten das Ganze hoch.

(Janko)

https://meganmiranda.com
https://www.facebook.com/AuthorMeganMiranda/
https://www.instagram.com/MeganLMiranda/

Brutalität/Gewalt: 10/100
Spannung: 58/100
Action: 18/100
Unterhaltung: 72/100
Anspruch: 23/100
Atmosphäre: 62/100
Emotion: 20/100
Humor: 00/100
Sex/Obszönität: 00/100

LACK OF LIES - Wertung: 70/100

LACK OF LIES - Altersempfehlung: ab 14 Jahren (aufgrund der kausalen Zusammenhänge)

Megan Miranda - Der Pfad
Penguin Verlag
Thriller
ISBN: 978-3-328-10908-2
384 Seiten
Paperback, Klappenbroschur
Originaltitel: The Last to Vanish (2022)
Aus dem amerikanischen Englisch von Melike Karamustafa
Erscheinungstermin: 11.01.2024
EUR 16,00 Euro [DE] inkl. MwSt.

Weitere Formate:
ISBN eBook (epub): 978-3-641-30846-9
Erscheinungstermin: 01.12.2023
EUR 13,99 Euro [DE] inkl. MwSt.

ISBN Hörbuch Download (Ungekürzte Lesung mit Vanida Karun): 978-3-8445-5020-7
Erscheinungstermin: 09.01.2024
EUR 21,95 Euro [DE] inkl. MwSt

"Der Pfad" beim Penguin Verlag: https://www.penguinrandomhouse.de/Paperback/Der-Pfad/Megan-Miranda/Penguin/e596759.rhd

Leseprobe: https://www.penguinrandomhouse.de/leseprobe/Der-Pfad/leseprobe_9783328109082.pdf

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