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Veröffentlicht am 12.06.2022

Klufti, ein Urzeit-Affe und die moderne Technik

Affenhitze (Ein Kluftinger-Krimi 12)
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Mit dem Skelett des Urzeitaffen „Udo“ wollte Professor Brunner beweisen, dass die Wiege der Menschheit, anders als bisher angenommen, im Allgäu liegt. Einer seiner vielen Feinde hat das nun zumindest vorerst ...

Mit dem Skelett des Urzeitaffen „Udo“ wollte Professor Brunner beweisen, dass die Wiege der Menschheit, anders als bisher angenommen, im Allgäu liegt. Einer seiner vielen Feinde hat das nun zumindest vorerst verhindert – Brunner liegt tot unterm Schaufelbagger. Kluftinger muss bei brütender Hitze die Sache aufklären. Das ist gar nicht so einfach, hat er es doch mit dem Besitzer und Betreiber der Tongrube, in der „Udo“ gefunden wurde, und einer obskuren Sekte zu tun. Und noch dazu soll seine Enkelin von einer Tagesmutter betreut werden, was Kluftinger gar nicht gefällt. Die muss also auch noch observiert werden. Und so muss er sich notgedrungen mit der Technik von Facebook und Drohnen beschäftigen, wodurch er sich mit seinem Kollegen befreunden und mit Doktor Langhammer Zeit verbringen muss. Klufti bleibt aber auch gar nix erspart!

Ich fand den Krimi schon amüsant, ganz klar. Klufti ist und bleibt Klufti, aber dennoch tritt er nicht so ganz auf der Stelle. Ist schwer zu erklären, eine Weiterentwicklung ohne echte Veränderung ist ja eigentlich nicht möglich. Tja, Klufti kann das. Er kann sogar als Interims-Polizeipräsident seinen neuen persönlichen Assistenten einerseits vor niederen Aufgaben, die ihm seine Kollegen aufdrücken wollen, retten, aber andererseits selbst ein paar unbequeme Dinge auf ihn abwälzen. Er kann sogar Flohmarkt. Und er kann Herz zeigen unter seiner ruppigen Schale.

Es gibt massig Szenen und Momente, die echt urkomisch sind. Leider wurden die dann so stark beansprucht, dass man irgendwann denkt: „ja, ja, schon gut, weiter jetzt“. So entstehen hin und wieder Längen, die gar nicht nötig gewesen wären. Bedenkt man, dass das Buch 560 Seiten und das Hörbuch mehr als 16 Stunden hat, hätte ein klein wenig Kürzen definitiv nicht geschadet. Dass die Autoren jede Menge aktuelle Themen mit verwoben haben – und das gar nicht so ungeschickt – bläht das Buch auch ein wenig auf, dennoch finde ich es gut. Gewisse Dinge darf man einfach nicht übergehen, auch in einem humorigen Krimi nicht.

Die Idee für den Fall und seine Verdächtigen gefällt mir super gut. Auch sind die Charaktere drumrum passend zum Rest echt schräg und einzigartig. Das Lösen des Falles ist, wie man das bei Klufti kennt, eine ganz besondere Sache und hat ganz viel mit Zufällen zu tun, die ihn in die richtige Richtung schubsen.

Ich bin nicht der Klufti-Fan schlechthin, aber hin und wieder tut er einfach gut. So auch hier. Man muss sich einfach fallen lassen und darf nicht erwarten, einen ernsthaften Krimi zu lesen oder zu hören. Spannung gibt es nur angedeutet, dafür aber jede Menge Kluftinger-Fettnäpfchen und Humor. Für die vollen fünf Sterne reicht es nur knapp nicht, aber es gibt vier stabile, glänzende Sterne!

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Veröffentlicht am 07.06.2022

Gleichstand

Gwendys letzte Aufgabe
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Seit ihrer Kindheit spielt der Wunschkasten eine große Rolle in Gwendys Leben. Immer wieder muss sie für Mr Farris auf ihn aufpassen, doch diesmal ist ihre Aufgabe unermesslich groß. Der Wunschkasten ist ...

Seit ihrer Kindheit spielt der Wunschkasten eine große Rolle in Gwendys Leben. Immer wieder muss sie für Mr Farris auf ihn aufpassen, doch diesmal ist ihre Aufgabe unermesslich groß. Der Wunschkasten ist zu mächtig geworden und hat eine immense Zerstörungswut. Doch nicht nur das – er hat auch mächtige Helfer gewonnen. Gwendy muss die Welt retten, doch der Preis dafür könnte hoch sein …

Ich gebe zu, der erste Band um Gwendy und den Wunschkasten hat mir am besten gefallen. Dieser letzte Band beinhaltet ein paar Punkte, die mich innerlich aufstöhnen ließen. Vermutlich werden sich viele Leser genau darüber freuen, für mich sind sie leider eher Grund zur Enttäuschung. Auch wenn das typisch für King ist und im Grunde auch die Erklärung für viele offene Fragen ist, hätte ich es mir einfach anders gewünscht. So oft sich King neu erfindet und neue Wege beschreitet, hier kehrt er an einen Punkt zurück, den ich nicht als seinen besten sehe. Doch wie gesagt, die Mehrheit der Fans wird das genau anders sehen.

Ansonsten gefällt mir sehr, wie Gwendy immer wieder Kraft und Mut findet, die ihr gestellten Aufgaben zu meistern. Ihre Entwicklung ist nicht selbstverständlich, aber großartig. Das Ende ist gleichzeitig überraschend, als auch vollkommen logisch und in sich stimmig. Im Grunde möchte ich sagen, dass man das am Anfang schon hätte wissen können oder gar müssen, wenn man wie ich alle Bücher Kings gelesen hat und seine Art, seinen Stil und seine Tricks kennt. Dennoch hat er mich völlig überrumpelt und mir den Boden unter den Füßen weggezogen. Auch das ist typisch King, oder?

Das Setting ist hier sehr speziell. Die Querverweise (wovon eben ein paar der Grund meines „Unmutes“ sind) werden King-Fans mehr oder weniger stark auffallen. Ob Neulinge etwas damit anfangen können, bezweifle ich stark. Am Ende des Buches kam mir gar nicht die auffälligste Verbindung in den Sinn, sondern „Erhebung“. Das hat mich dann sogar wieder ein wenig mit der Geschichte versöhnt. Dass King und Chizmar hier auch ein bisschen die Pandemie verarbeiten, finde ich richtig und gut.

Trotz allem freue ich mich auf weitere Werke des Autors, der mich so viele Jahre schon mit seinen Büchern begleitet und mal mehr, mal weniger begeistert, der aber immer authentisch ist. Ich gebe vier Sterne.

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Veröffentlicht am 16.05.2022

Großartige Idee, kleine Schwäche – dennoch super Unterhaltung

Schreib oder stirb
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David Dolla ist Literaturagent und gerät unvermittelt in eine kuriose Situation – ein Häftling bekennt sich der Entführung der kleinen Pia, verrät ihren Aufenthaltsort aber nur dann, wenn Dolla seine Story ...

David Dolla ist Literaturagent und gerät unvermittelt in eine kuriose Situation – ein Häftling bekennt sich der Entführung der kleinen Pia, verrät ihren Aufenthaltsort aber nur dann, wenn Dolla seine Story schreibt und einen ein-Million-Dollar-Vertrag für die Veröffentlichung an Land zieht. Dieser glaubt kein Wort und lehnt dankend ab, doch da wird seine große Liebe überfallen und liegt im Koma. Die Nachricht löst viele unerwartete Ereignisse aus und Dolla landet quasi mitten in der Geschichte, ohne zu wissen, wohin sie führt. Nur eines ist sicher – nichts ist so, wie Dolla dachte!

Ein wenig störend sind die vielen Vergleiche. Gefühlt jeder vierte Satz besteht aus einem solchen. Zwar sind sie bildhaft und schon witzig, aber in dieser inflationären Nutzung lässt es mich innerlich dann doch irgendwann nur noch aufstöhnen.

Dennoch ist „Schreib oder stirb!“ ein amüsanter und zugleich spannender Thriller mit gelungenen Ideen, Twists und Zusammenhängen. So sehr ich mich wundere, dass Fitzek schneller schreibt als andere lesen (ich bin noch immer nicht sicher, ob er tatsächlich eine Einzelperson ist oder eher „Frontmann“!) und ich staune, dass manche Bücher super, andere total daneben sind und ich nie weiß, was mich bei ihm erwartet, diesmal war es keine Zeitverschwendung, sondern – bis auf die Vergleiche – richtig gelungene Unterhaltung.

Ich fand „Der erste letzte Tag“ sehr gelungen und urkomisch, trotz aller Tragik. Deshalb hatte ich etwas Ähnliches erwartet. Hier kommt aber Beisenherz mit seinen Vergleichen zu stark durch. Das ist anfangs lustig, wird aber mit der Zeit anstrengend. Dennoch schlägt Fitzek durch mit seiner Art, Fallstricke zu legen, den Leser zu verwirren, falsche Fährten zu legen und unerwartet alles zu drehen – und das auch noch ziemlich logisch und in sich stimmig.

Ich mag Experimente und ich mag es, wenn jemand aus seiner Schiene herausgeht, sich dabei aber dennoch treu bleibt. Ich mag schrägen Humor und ich mag Thriller. Aber besonders mag ich es, überrascht zu werden. Das ist gerade im Bereich Thriller gar nicht mehr so einfach – irgendwie war immer alles schon mal da. „Schreib oder stirb!“ ist erfrischend anders, wenn auch teils nervig (aber das bin ich selbst auch – passt also bestens). Ich kann deshalb nur einen Stern abziehen und gebe damit vier Sterne. Kleiner Tipp: Einfach mal auf ein Experiment einlassen, alles andere vergessen und sich in die Story fallen lassen. Es lohnt sich!

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Veröffentlicht am 02.05.2022

Was geschah 1998 wirklich?

Violas Versteck (Tom-Babylon-Serie 4)
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Tom Babylon gibt seine Suche nicht auf. Obwohl seine Schwester Viola seit mehr als zwanzig Jahren verschwunden ist und man ihre Überreste angeblich identifiziert und beerdigt hat, glaubt er nach wie vor, ...

Tom Babylon gibt seine Suche nicht auf. Obwohl seine Schwester Viola seit mehr als zwanzig Jahren verschwunden ist und man ihre Überreste angeblich identifiziert und beerdigt hat, glaubt er nach wie vor, dass er sie finden wird – lebendig! Als er ein aktuelles Foto von ihr im Keller seines Vaters findet, ist er nicht mehr zu halten, zumal sein Vater bei einem merkwürdigen Unfall ums Leben kommt und Tom sicher ist, das kann kein Zufall sein. Er hält Bruckmann, seinen ehemaligen Mentor, für den Täter, doch der sitzt in einer psychiatrischen Anstalt ein, weit weg in den Bergen.

Wo soll man anfangen? Marc Raabe liefert hier einen genialen vierten Band um Tom Babylon und seine Suche nach Vi. Ob dies tatsächlich das Ende ist, lässt sogar der Autor offen. Im Nachwort sagt er, dass er noch nicht weiß, ob wir irgendwann noch mal auf Tom treffen werden. Auf alle Fälle findet der rote Faden einen würdigen und bombastischen Abschluss, wobei der Autor allerdings sehr weit ausholt und die eine oder andere Übertreibung und heftige (Gewalt-)Szene einbaut. Nun, es ist eben auch ein Thriller. Da kann man ihm das schlecht verübeln.

Zwischendurch gab es trotz durchgehender Spannung auch Längen und ich hatte das Gefühl, es ist nun gut und das Ende dürfe kommen. Das klingt sehr negativ, das ist mir schon klar. Es ist so viel in der gesamten Story geschehen, dass man irgendwann denkt, eine kleine Kürzung hätte auch nicht geschadet. Dennoch ist da nicht wirklich viel „Füllstoff“ verwendet worden. Schwer zu erklären, muss man lesen.

Auch wenn man nicht zwingend alle drei Vorgängerbände gelesen haben muss, schadet es doch nicht, die Reihenfolge einzuhalten. Man bekommt dann ein besseres Gespür für die Figuren. Selbst ich, die ich alle Bände gelesen habe, konnte mich nicht mehr an alle Zusammenhänge deutlich erinnern, da es doch eine weite Reise vom ersten Band bis jetzt war. Ideal ist es in meinen Augen, wenn man alle vier Bände hintereinander weg lesen kann.

In diesem Band sind die Zeitebenen etwas verschoben. Während wir Tom fast ausschließlich in der Gegenwart begleiten, startet der Faden mit Sita 28 Tage vorher. Zudem sind diese Kapitel durchweg in Kursivschrift gehalten. Mich bremst das im Lesefluss, habe ich festgestellt. Wenn Vi quasi mit Tom spricht in dessen Gedanken, dann liest sich das gut in Kursivschrift, aber ganze Kapitel ist das anstrengend für mich.

Die Entwicklungen der Geschichte selbst, aber auch der Figuren, die sich herauskristallisierenden Zusammenhänge, Drehe, Kniffe und Wendungen sind eine Art literarisches Feuerwerk. An der einen oder anderen Stelle kommen auch Gefühle ins Spiel, die die Lage nicht gerade vereinfachen. Man weiß nie, wer ein falsches Spiel treibt und wem man noch vertrauen kann. Nein, langweilig ist hier nichts, aber vielleicht ist von allem ein bisschen zu viel.

Dennoch – ein absolut lesenswerter vierter Band einer gelungenen Reihe, den ich gern gelesen habe und mit vier Sternen bewerte.

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Veröffentlicht am 01.05.2022

Ein verzwicktes, aber schlau eingefädeltes Rätsel

Der Tote aus Zimmer 12
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Das kleine Hotel auf Kreta, das Susan Ryeland und ihr Lebensgefährte führen, läuft nicht ganz so gut und glatt, wie man sich das wünschen würde. Noch dazu vermisst Susan doch das Leben in London. Als dann ...

Das kleine Hotel auf Kreta, das Susan Ryeland und ihr Lebensgefährte führen, läuft nicht ganz so gut und glatt, wie man sich das wünschen würde. Noch dazu vermisst Susan doch das Leben in London. Als dann die Trehernes die ehemalige Lektorin bitten, einen Mord in ihrem eigenen Hotel und das Verschwinden ihrer Tochter Cecily aufzuklären, nimmt sie dankbar an – nicht zuletzt, weil ihr die 10.000 Pfund sehr helfen würden, das Hotel zu retten. Dass die Trehernes ausgerechnet sie dafür auswählen, hat einen Grund: Susan hat das Buch, das Cecily kurz vor ihrem Verschwinden gelesen hat und das diese für die Lösung des Mordfalles relevant hielt, seinerzeit lektoriert. Das macht Susan neugierig und sie reist nach London …

Susan mag man einfach super schnell. Sie ist sehr liebenswert, möchte ihren Andreas nicht verletzen, aber auch selbst glücklich sein. Dass sie ihren alten Beruf vermisst, ist verständlich. Man kann auch nachvollziehen, dass es sie reizt, herauszufinden, was das von ihr lektorierte Buch tatsächlich mit den beiden Fällen zu tun hat. Die Art des Autors, reale Begebenheiten zu verwenden, hat ihn zu all seinen anderen Macken nicht sehr sympathisch gemacht. Aber wie er Hinweise versteckt hat, fand Susan interessant – und die Ideen gefallen mir auch sehr gut.

Ein wenig kompliziert wird es, als aus der Story heraus das Buch „Atticus unterwegs“ von Alan Conway zur Lektüre wird. Ich habe so sehr nach Parallelen gesucht, dass das für mich anstrengend wurde. Ab und an ein kleiner Abstecher in die Susan-Story hätte gut getan. Einige Gedanken von Susan zum Buch, quasi kleine Hinweise oder eben Erklärungen, wären super gewesen. Die gibt es aber nicht: Da wird das ganze Buch am Stück gelesen.

Die Wendungen und Überraschungen sind schon klasse gemacht. Der Leser tappt immer wieder in die ausgelegten Fallen. Auch gibt es wunderbare Stellen mit dem typischen britischen Humor. Aber auch melancholische, nachdenkliche Momente kommen vor. Das gefällt mir sehr. Das Ende ist weniger „gemütlich“, als die vorangehende Geschichte inklusive des Krimis im Krimi. Hier fährt Horowitz heftige Geschütze auf und überrascht den Leser.

Mir war nicht bewusst, dass dies ein zweiter Band ist. Das habe ich auch bis zum Ende nicht gemerkt. Man kann „Der Tote aus Zimmer 12“ also problemlos ohne Vorkenntnisse lesen und genießen. Es ist nicht mein Jahreshighlight, schon deshalb nicht, weil ich es streckenweise wirklich sehr anstrengend fand. Aber es hat mich sehr gut unterhalten. Deshalb gebe ich vier Sterne.

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