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Veröffentlicht am 14.06.2022

Hinter meinen Erwartungen zurückgeblieben

Schallplattensommer
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Vor geraumer Zeit hatte ich „Barbara stirbt nicht“ der Autorin gelesen, wobei mir jener Roman ausnehmend gut gefallen hat, und nachdem dort ältere Personen im Mittelpunkt standen, war ich (da mich dereinst ...

Vor geraumer Zeit hatte ich „Barbara stirbt nicht“ der Autorin gelesen, wobei mir jener Roman ausnehmend gut gefallen hat, und nachdem dort ältere Personen im Mittelpunkt standen, war ich (da mich dereinst „Der Zopf meiner Großmutter“ auch schon recht angesprochen hatte) ganz besonders neugierig auf diese Geschichte rund um jugendliche Figuren, zumal mich eine zuvor erhaltene Leseprobe nicht nur aufgrund des ungewöhnlichen Vornamens der Protagonistin fasziniert hatte, sondern auch aufgrund des schwermütigen und doch dahintreibenden Stils: Die Geschichten sind grundsätzlich unterschiedlich, aber ich muss sagen, dass mich die Atmosphäre dieses Romans in ihrer Dichte von Anfang bis Ende sehr an den Film „Sommersturm“ von 2004 erinnert hat.

„Schallplattensommer“ habe ich zudem auch eher als Momentaufnahme empfunden und gar nicht so sehr als Liebesgeschichte. Mich erinnerten Maserati und die neu Zugezogenen Caspar und Theo eher an drei, aus unterschiedlichen Gründen, teils sehr in sich gekehrten Eigenbrötler, die eine zarte Freundschaft aufbauen, in deren Rahmen sie sich etwas weniger introvertiert bewegen und sich einander gegenüber öffnen.
Der erzählerische Fokus liegt dabei klar auf Maserati, die mit ihrer Oma zusammenlebt und –arbeitet, und deren Konterfei von Theo auf einer alten Schallplatte entdeckt wird, wobei es offensichtlich ist, dass Maserati selbst aufgrund ihres Alters dort nicht abgebildet ist, sie dem Covermodell aber derart aus dem Gesicht geschnitten ist, dass außer Frage steht, dass es dort ein verwandtschaftliches Verhältnis gibt. Im Verlauf des Romans sieht sich Maserati so auch immer wieder mit ihrer Mutter und der Vergangenheit konfrontiert und dem Lesenden wird Stück für Stück offenbart, dass und warum Maserati sich jeglicher Bezugnahme in Hinblick auf ihre Mutter sperrt. Letztlich zeigt sich auch noch eine oberflächliche, aber doch weitgreifende, Verbindung zur Familie der beiden neuen Freunde.
Jene Verbindung war für mich auch das einzig überraschende Element, wobei es in meinen Augen aber nicht nötig gewesen wäre, hier noch eine Linie zwischen den beiden Familien zu ziehen; der ganz genaue Hintergrund von Maseratis Kindheit war ein kleiner „oh“-Moment, aber ich empfand „Schallplattensommer“ schon ein wenig vorhersehbar bzw. es interessierte mich ebenso wenig, was früher mit Maseratis Mutter gewesen war, wie es Maserati interessierte, was heute mit jener war.

Aufgrund der Kürze, die „Schallplattensommer“ eher Novelle als Roman sein lässt, und Bronskys kurzweiligem Erzählstil ist die Geschichte auch sehr schnell ausgelesen; mir hat sie einen netten Nachmittag auf dem Balkon, bei dem ich mich zwar leicht schwermütig, aber durchaus gut, unterhalten gefühlt habe. Allerdings gehe ich nicht davon aus, dass mir dieser Jugendroman nun groß im Gedächtnis bleiben wird und ich hatte im Vorfeld definitiv erwartet, hier doch etwas beeindruckter zurückgelassen zu werden.

Veröffentlicht am 11.06.2022

Hübsches Äußeres, wenig Inneres

Saftig vom Grill
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„Saftig vom Grill“ scheint mir eher ein passendes Accessoires zum eventuell neuangeschafften Grill zu sein als ein nützliches Koch- bzw. Grillbuch: recht GU-typisch ist der Umfang eher gering und so sind ...

„Saftig vom Grill“ scheint mir eher ein passendes Accessoires zum eventuell neuangeschafften Grill zu sein als ein nützliches Koch- bzw. Grillbuch: recht GU-typisch ist der Umfang eher gering und so sind auch nicht allzu viele Rezepte enthalten, die sich hier zudem vor Allem an Omnivore richten – der Buchrücken spricht zwar von „Mit Fleisch und Fisch, veggie oder vegan […]“, meint aber definitiv nicht dieses Buch, in dem ich zwei vegane Grillgerichte entdecken konnte, wobei es allerdings auch noch die gegrillten Süßkartoffeln gab, zu denen ein Mangosalat gereicht werden soll, der mit Fischsauce verfeinert wird und den man dabei bestimmt auch leicht frei von tierischen Produkten hätte lassen können.
Etwas unglücklich fand ich auch, dass der Mangosalat ebenso wie der Tomaten-Paprika-Salat zur gegrillten Avocado genau mitangeführt war, im Falle der türkischen Hackbällchen aber nur als „magischer Tipp“ erwähnt wurde, dass ein Bulgursalat vorzüglich hierzu passen würde. Wieso gab es da denn kein entsprechendes Rezept?

Was ich von diesem ganzen „Magic Cooking“-Drumherum halten soll, weiß ich ohnehin nicht. Die Besonderheit dieser Reihe liegt augenscheinlich darin, dass die Rezepte mit irgendeinem „magischen Hinweis“ versehen sein sollen, der dem Gericht noch mehr Zauber verleiht. Aber wenn DER Lifehack darin besteht, dass man übriggebliebenes Pesto aufbewahren und auch später noch verzehren kann, runzelt sich meine Stirn bereits automatisch und besonders kurios ist es, wenn das „magische Geheimnis für mehr Aha“ die Verwendung eines Salzsteins ist – beim Rezept „Plattes Huhn unter dem Salzstein“. Fleisch vor der Zubereitung selbst zu würzen würde ich persönlich nun auch nicht als den ganz großen Trick ansehen und da schienen mir die magischen Tricks und „Geheimnisse“ häufig ganz normales Verhalten und Wissen von Leuten zu sein, die sich bereits regelmäßig in der Küche betätigen, von daher wäre „Saftiges vom Grill“ da in meinen Augen eher für Kochneulinge geeignet, die auf der anderen Seite aber mit ihrem Grill längst vertraut sein sollten, denn außer „Fleischthermometer benutzen“ gibt es da kaum Anleitung. Das Buch ist dabei übrigens auf die Verwendung eines Gasgrills ausgelegt, wobei eingangs beteuert wird, die Gerichte ließen sich bestimmt auch auf einem Kohlegrill zubereiten, woran ich aber mitunter Zweifel habe.

Somit ist dieses Buch also für die Gasgrillbesitzenden konzipiert, die bisher in erster Linie einfach Wurst und Steak direkt aus der Verpackung auf den Grill geknallt haben und nun etwas „besonderer“ brutzeln wollen.
Da erkenne ich an, dass die enthaltenen Gerichte an keiner Stelle allzu schwierig wirken und vor Allem auch, dass es hier keine seltsamen, schwer beschaffbaren Zutaten gibt und das Buch optisch einfach sehr schön gestaltet ist.

Alles in Allem ist „Saftig vom Grill“ für mich eher ein Geschenkbüchlein, in dem vermutlich zur Grillsaison hin gerne mal geblättert werden wird, das aber nicht ständig genutzt wird. Ich habe nun zwischenzeitlich einige Leute aus meinem Umfeld meine Ausgabe durchblättern lassen und tatsächlich fanden es alle „ganz interessant“, aber niemand hat von mehr als maximal zweien der enthaltenen Rezepte gesagt, dass er das demnächst gerne auch mal nachgrillen möchte.
Das Dessert vom Grill aus der Kurzbeschreibung habe ich dabei übrigens aber auch immer noch nicht gefunden…

Veröffentlicht am 23.04.2022

Sehr oberflächlich und häufig hanebüchen

Ende in Sicht
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Ich habe im Vorfeld überlegt, ob ich mir diesen Roman psychisch zutraue, aber Neugier, deiner Name ist meiner, und da die Geschichte so schwülstig-hochtrabend damit beworben wurde, dass sie „von all den ...

Ich habe im Vorfeld überlegt, ob ich mir diesen Roman psychisch zutraue, aber Neugier, deiner Name ist meiner, und da die Geschichte so schwülstig-hochtrabend damit beworben wurde, dass sie „von all den guten Gründen zu sterben und all den viel besseren, am Leben zu bleiben“ erzählt, ging ich davon aus, dass hier letztlich das Leben quasi gefeiert wird, während der Tod eher unter „soll er halt noch etwas warten“ abgehakt werden würde. Ich vermutete also, dass der Roman psychisch nicht belastend wäre oder dass er gar als „Ruhepol“ für eine gestresste Seele dienen könnte. Nun ja: Er focht mich psychisch weder auf die eine noch die andere Weise an.
Dafür habe ich mich eingangs erst ein wenig mit Ronja von Rönnes Stimme arrangieren müssen, die mir im Verlauf zwar immer besser gefiel und es hätte wohl auch niemand sonst so genau gewusst, welche Wörter/Szenen etc. die Autorin besonders betont wissen hätte wollen, aber zunächst fand ich ihre Stimme zu gewollt akzentuiert. Da hätte ich definitiv den Eindruck als habe sie sich selbst erst während des Lesens eingrooven müssen.

„Ende in Sicht“ erzählt eigentlich nur die Geschichte eines Roadtrips; das Ende fand ich unbefriedigend und einen einfach zurücklassend: letztlich hörte die Geschichte eigentlich einfach auf, ohne irgendwelche Lösungen, Konsequenzen, Aussichten… zu bieten. Ja, genau das ist auch das typische Merkmal einer Depression, aber wurde jetzt einfach so weitergelebt? Wurde sich einfach nur mit den düsteren Gedanken arrangiert? Gab es noch echte Hilfestellungen? … da blieb so Vieles offen, dass ich einfach ratlos zurückgeblieben bin.

Der Roman beginnt damit, dass Juli, die sich eigentlich geplant in den Tod stürzen will, eher versehentlich auf die Autobahn purzelt und zwar genau vor das Auto von Hella, die auf dem Weg in die Schweiz ist, wo sie professionelle Sterbehilfe in Anspruch nehmen will. Dieses ganze Szenario war schon völlig kurios, da Juli zwar kurzzeitig das Bewusstsein verliert, letztlich aber doch nur hauptsächlich Schürfwunden davonträgt (die sie bald darauf übrigens, noch dazu im FKK-Bereich, eines Thermalbads unbekümmert einweichen wird), und Hella die Unfallstelle zwar absichert, während diverse Autos einfach an ihnen vorbeifahren – ohne dass irgendjemand sonst anhält oder zumindest mal einen Notruf tätigt? Hella bringt Juli dann höchstpersönlich ins nächste Krankenhaus, wo einen die Umstände von Julis Verletzung ebenso wie ihre Daten kaum interessieren; sie soll ihre Versichertenkarte halt nachreichen und wird ansonsten wieder larifari in Hellas „Obhut“ entlassen, die bis dahin mehrmals erklärt hat, dass sie dieses minderjährige Mädchen überhaupt nicht kennt.
Noch konstruierter hätte man diese Zwei nicht aneinanderketten können; Juli behauptet dann, ihre Mutter in Ulm aufzusuchen wollen, wo Hella sie nun absetzen will, ohne zu hinterfragen, wieso eine schulpflichtige Jugendliche wochentags einfach so durch die Gegend gondeln können sollte oder ohne, als Juli einen Anruf bei ihrer Mutter fingierte, darauf zu bestehen, wenigstens selbst auch kurz mit dieser zu sprechen.

Tja, da sind diese Zwei dann zusammen unterwegs und man könnte meinen, es entstünden tiefgreifende Gespräche; immerhin empfinden beide eine offensichtliche Todessehnsucht; aber von einigen kruden Fahrpausen und kleinen Abenteuern (Dorffeste, die offensichtlich nicht am Wochenende stattfinden, inklusive) mittendrin abgesehen habe ich persönlich schon deutlich interessantere Unterhaltungen im Rahmen von Fahrgemeinschaften, die sich über eine Mitfahrzentrale zusammengefunden hatten, geführt und da engere Kontakte geknüpft. Hier fragt niemand, was einem so auf der Seele brennt und während Juli mitunter immerhin tatsächlich in ihren eigenen Gedanken festhängend wirkt, erschien Hella mir mehr einfach nur wie ein abgehalftertes Schlagersternchen, das in der Vergangenheit aber auch nur ein paar wenige, dafür allerdings zum Evergreen gewordene Hits, hatte und jetzt einfach meint, dass es (wasauchimmer) reicht. Teils gibt es Andeutungen, dass Hella ein sehr wildes Privatleben hatte, dass sie Alkoholikerin war (oder ist), dass sie als Kind nie gegen ihre Schwester anstinken konnte – und da hätte es so viel gegeben, wozu etwas gesagt werden hätte können. Wurde es aber nicht.

Insgesamt hatte ich nur selten das Gefühl, hier ginge es wirklich um Depressionen (wie gesagt: bei Juli war das wenn noch sehr viel eher der Fall), und viel mehr den Eindruck, hier wären halt nun zwei Frauen, eine älter, eine jünger, temporär zusammen unterwegs, die einfach nur beide griesgrämig und extrem verbohrt waren. Ich habe weder einen guten Grund zu sterben erfahren noch irgendeinen, geschweige denn viele, besseren, am Leben zu bleiben.

Ich fand hier auch nichts dramatisch oder komisch; für mich plätscherte das alles eher uninteressant vor sich hin, ich habe das Hörbuch so ganz gut weghören können (deswegen dann doch drei Sterne), aber es war definitiv nicht so, dass es mich besonders in seinen Bann gezogen hätte. Ronja von Rönne kann an sich vermutlich sehr gut erzählen, aber hier krankte es letztlich halt mehr an der Geschichte als an den Psychen der Protagonistinnen.

Veröffentlicht am 27.11.2021

Zu wenig unique

Wo kommen wir denn da hin (Der Offline-Opa 1)
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Tja, mit dem Busfahrer Günter Habicht kommt man eher nirgends mehr hin, ist er doch, wenn auch eher widerwillig, in den Vorruhestand versetzt worden. In Renate Bergmanns „Ans Vorzelt kommen Geranien dran“ ...

Tja, mit dem Busfahrer Günter Habicht kommt man eher nirgends mehr hin, ist er doch, wenn auch eher widerwillig, in den Vorruhestand versetzt worden. In Renate Bergmanns „Ans Vorzelt kommen Geranien dran“ war man ihm allerdings schon auf dem Campingplatz begegnet, um später in „Und fertig ist die Laube“ erneut auf ihn zu treffen: Letzterem stand ich bereits reichlich gleichgültig gegenüber, da er mich im erstgenanntem Werk als Nebenfigur nicht so recht zu überzeugen vermocht hatte; da wusste ich weder, wieso er im Schrebergarten plötzlich erneut auftauchen musste noch wieso ausgerechnet er nun seine eigene Reihe bekommen sollte. Von daher stand ich diesem ersten Band zwar aufgeschlossen (ich liebe Renate Bergmann), aber doch auch indifferent gegenüber (Günter Habicht war mir bestenfalls egal).
Der Auftaktband startet nun mit dem Ausscheiden Günters aus dem Arbeitsleben und erklärt letztlich vor Allem, wie er zunächst auf den Campingplatz und später in die Kleingartenkolonie gelangte bzw. welche Schnittpunkte es insgesamt in seinem Leben mit Renate Bergmann gibt, die, für mich irritierenderweise, von ihm mal als Frau Bergmann, mal als Renate Bergmann und stellenweise sehr persönlich als Oma Bergmann benannt wird, ohne dass ich ein Schema hätte erkennen können, in welchem Zusammenhang eine neutralere und wann eine intimere Bezeichnung gewählt wurde.
Stellenweise konnte ich den hier beschriebenen Günter auch gar nicht so recht mit der Vorstellung in Einklang bringen, die ich mir beim Lesen/Hören der Bergmann-Bücher mit ihm von ihm gemacht hatte. Für mich war zunächst auch unklar, dass „Wo kommen wir denn da hin?“ zeitlich noch deutlich vor „Ans Vorzelt kommen Geranien dran“ spielte.

Günter Habicht ist der Proto-Typ des gelangweilten Rentners, der sich nun als Straßensheriff inszeniert, und damit und mit seinen, in ihre Richtung gehenden Belehrungen, auch seine Ehefrau auf die Palme bringt: Sehr deutlich wird, dass Günter schon immer ein ziemlicher Korinthenkacker gewesen ist, aber seine Berentung scheint ihm da noch Dünnpfiff verschafft zu haben.
Leider wurde er mir hier auch nicht weiter sympathisch; ich empfand ihn hauptsächlich als anstrengend. Gut, ich würde auch nicht im selben Haus wie Renate Bergmann leben wollen, aber sie empfinde ich zumindest als sehr vorwitzig und zudem umgibt sie sich mit einigen anderen schrägen Charakteren, ob es nun „die Gläsers“ oder ihre beste Freundin Gertrud mit ihrem Ungetüm von Hund sind. Von einem abgehalfterten Schlagersänger, von dem in diesem Buch zwar häufig die Rede ist, der aber eigentlich nie selbst in Erscheinung tritt, abgesehen, sind die Leute in Günter Habichts Umfeld eher „Durchschnitt“; mir hat da nun doch eine Figur gefehlt, die seine Extreme etwas ausbalancierte.
Zugegeben fühlte ich mich zwei, drei Mal auch ertappt, als Günter Habicht sich über Zustände/Verhaltensweisen echauffierte, über die ich mich ebenso aufregen könnte, wenn auch wohl nicht ganz so „intensiv“ wie er das tut.

Generell hat mir aber gefallen, dass man hier nun auch mal etwas über die Eindrücke erfuhr, die man ihrer eigenen Nachbarschaft von Renate Bergmann hat, und auch etwas mehr über von Frau Bergmann eher ungeliebte Nachbarinnen lernte; das fand ich perspektivisch eine schöne Abwechslung; allerdings hatte ich ab ca. Mitte des Buchs das Gefühl, dass der echte Autor hinter Habicht auch nicht mehr so recht weiterwusste, was er mit dieser Figur nun anstellen sollte, denn plötzlich ging es ständig um (vermiedene) Treffen mit Renate Bergmann und darum, was irgendwer aus deren Nachbarschaft nun wieder von der alten Dame zu berichten wusste…
Insgesamt fand ich „Wo kommen wir denn da hin?“ ein recht interessantes Buch, das Renate-Bergmann-Fans etwas mehr von ihrer „Außenwirkung“ und den Verhältnissen in ihrem Haus, wie sie von den Nachbarn gesehen werden, vermittelt, aber Günter Habicht ist mir immer noch schnurzpiepegal und ich bräuchte nun auch keinen weiteren Band, der sich um ihn dreht, obschon ich zumindest Band 2 wohl doch noch lesen würde, rein aus Neugier, ob es dort gelingt, Habicht aus dem Bergmannschen Windschatten heraustreten zu lassen. Generell gilt hier für mich: Kann man lesen, muss man aber nicht; auch nicht als erklärter Renate-Bergmann-Fan.

Veröffentlicht am 05.11.2021

Letztlich kaum was Anderes als eine Leseprobe

Survivors - Die Flucht beginnt
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Es gibt ein sehr schönes Interview des Autors, das sich zuweilen in der Buchbeschreibung bei diversen Anbietern findet, in dem er herausstellt, dass “Survivors” weniger als klassisches Kinderbuch gedacht ...

Es gibt ein sehr schönes Interview des Autors, das sich zuweilen in der Buchbeschreibung bei diversen Anbietern findet, in dem er herausstellt, dass “Survivors” weniger als klassisches Kinderbuch gedacht ist, sondern als Fabel, die den Umgang der Menschen mit der Natur spiegeln soll: Ich finde es schade, dass diese Erläuterungen nicht auch direkt im Buch enthalten sind, denn dieses Interview gibt nochmals echten Input, die Geschichte eben auch aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten und nicht einfach nur als „nette Geschichte für Kinder“ anzusehen.
Zudem hätte ich mir gerne ein kleines „Fisch-Lexikon“ gewünscht: Hier tauchen doch sehr viele verschiedene, das Riff bewohnende Fische auf und da habe auch ich mich so manches Mal schwergetan, sie voneinander abzugrenzen. Im Verlaufe der Geschichte wird zwar beiläufig erwähnt, um welche Art es sich bei dieser oder jener Figur handelte, aber die reinen Bezeichnungen halfen da bei der Einordnung auch nur wenig. So gab es letztlich nur ungefähr vier Fische, die ich als relativ einzigartig empfunden habe, während die Anderen für mich unter „wohnt halt auch im Riff“ fielen, ohne dass ich auch nur eine vage Vorstellung von ihren Besonderheiten gehabt hätte. Da hätte man meiner Meinung nach definitiv sehr viel mehr (meeresbiologisches) Wissen vermitteln können.

Nun ja, das Buch, der Auftakt zu einer Serie, hat ja bereits den Titel „Die Flucht beginnt“ und damit ist im Grunde genommen bereits der gesamte Inhalt erzählt: Urplötzlich beginnt das Korallenriff, das vielen Tieren eine Heimat ist, zu sterben, und zwar rapide, aber während die einen noch glauben, dass es sich auch ebenso rasch wieder erholen wird, drängen die Anderen, vornehmlich der Protagonistenfisch Zacky, zum raschen Verlassen des Riffs und zum Suchen eines neuen Zuhauses.
Die zugehörigen Diskussionen zu lesen können sich eigentlich sämtliche Lesende sparen, die den Titel nicht gleich wieder verdrängt haben, denn dass das Riff letztlich verlassen wird, ist durch jenen bereits klargestellt. Da sorgt dann lediglich die Frage, ob sich alle Tiere den Flüchtenden anschließen oder sich doch noch die einen oder anderen zum Ausharren im Riff entscheiden werden, noch für etwas Spannung.

Teils fand ich es auch irritierend, dass zum Beispiel „Sonne“ und „Menschen“ bildlich umschrieben wurden (klar, kennen die Riffbewohner tief unten im Meer so nicht), während andere Begriffe von „außerhalb des Wassers“ ganz selbstverständlich verwendet wurden; das war doch sehr inkonsistent und ich dachte so manches Mal, man möge doch nun einfach die übliche Bezeichnung für etwas verwenden.
Sehr gut gefallen haben mir die Illustrationen, die wohl generell schwarz-weiß sind und im Digitalformat etwas gedrungener wirken. Von der Bebilderung her dürfte da die gedruckte Ausgabe vermutlich empfehlenswerter sein, auch wenn es mich zugegeben doch etwas überrascht hat, zu lesen, dass die Illustrationen im Printbuch ebenfalls nicht coloriert wurden, was ich doch erwartet haben würde.

Insgesamt wirkte „Die Flucht beginnt“ auf mich eher wie die Leseprobe eines Romans; dieses Buch ist nun auch nicht derart lang, so dass ich es persönlich schon ein wenig als Geldmacherei empfinde, dass man die komplette Geschichte hier zu einer vierteiligen Serie gemacht hat, wobei ich jetzt schon sicher sagen kann, dass ich „Die Flucht beginnt“ vor dem zweiten Teil ohnehin nochmals lesen müsste, weil ich bis zu dessen Veröffentlichung sicher schon wieder vergessen haben werde, wer nun wer war.
Als „Leseprobe“ gesehen hat dieses Buch nun zwar in mir schon ein wenig das Interesse am weiteren Verlauf geweckt, aber so völlig überzeugt bin ich (noch) nicht und verschenken würde ich dieses Buch auch eher, eben zusammen mit den anderen Bänden, erst dann, wenn die Serie komplett veröffentlicht ist.