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Veröffentlicht am 02.07.2022

Düster, originell, erfrischend anders

Die dunklen Geheimnisse von Heap House
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Wir befinden uns im Anwesen der Familie Iremonger, das auf einem riesigen Müllberg inmitten eines giftigen Meeres aus weggeworfenen Gegenständen thront. So merkwürdig die Umgebung ist, so komisch sind ...

Wir befinden uns im Anwesen der Familie Iremonger, das auf einem riesigen Müllberg inmitten eines giftigen Meeres aus weggeworfenen Gegenständen thront. So merkwürdig die Umgebung ist, so komisch sind auch die Bewohner. Tim Burton trifft auf Lemony Snicket - und damit voll ins Schwarze!

Wir erfahren gleich zu Beginn, dass jedes Mitglied der Familie Iremonger zur Geburt einen Gegenstand erhält, von dem es sich niemals trennen darf (im Falle von Clod, dem Protagonisten, ein Badewannenstöpsel) und begeben uns auf die Suche nach einem verloren gegangenen Türknauf, dem Geburtsobjekt seiner Tante.

Hört sich verrückt an? Ist es auch. Und obwohl ich hier so oft wie noch nie beim Lesen vor Verwunderung die Stirn gerunzelt habe, hat mich Edward Carey komplett in seinen Bann gezogen. Egal wie verrückt die Situationen mir erschienen, habe ich sie doch nicht weiter in Frage gestellt, weil sie so passend waren und im Gesamtbild absolut Sinn ergaben.

Erzählt wird aus den Perspektiven von Clod Iremonger und Lucy, die neu aus der Stadt gekommen ist. Einen Spannungsbogen im klassischen Sinne gibt es nicht, das Ende baut sich über die gesamte Story hin auf. Gegenstände, die sich verlegen; Geheimnisse, die plötzlich ans Licht kommen: Die Könige des Schimmels haben ordentlich zu tun, denn Heap House wirft düstere Schatten in die Zukunft.

Clod und Lucy zu begleiten hat mir so viel Spaß gemacht, dass ich wirklich traurig war, als die Geschichte zu Ende ging. Da dies aber der erste Teil einer Trilogie ist, freue ich mich riesig auf das, was noch kommt, und hoffe sehr, dass die nächsten beiden Teile zügig übersetzt werden.

Fazit: Eine Atmosphäre, die man durch die Seiten fühlen kann; skurille Protagonisten, die man am liebsten vor allem Unrecht beschützen möchte; eine Prise schwarzer Humor – mehr braucht es nicht, um aus einem Buch eine (herrlich makabre) Lieblingsgeschichte zu machen! Düster, einfallsreich und erfrischend originell!

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Veröffentlicht am 30.06.2022

Wow! Ganz großes (Kopf)Kino!

Das Reich der Vampire
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Wenn ihr unsterblich wärt, welche besondere Fähigkeit hättet ihr dann gerne?

Ich meine, unsterblich zu sein ist ja schon cool genug, machen wir uns nichts vor. Aber nehmen wir mal an, dass jeder Vampir ...

Wenn ihr unsterblich wärt, welche besondere Fähigkeit hättet ihr dann gerne?

Ich meine, unsterblich zu sein ist ja schon cool genug, machen wir uns nichts vor. Aber nehmen wir mal an, dass jeder Vampir noch eine weitere special ability drauf hat, dann will man ja nicht unbedingt die am wenigsten gefragte. Jemandes Blut zum Kochen bringen zu können, hört sich für mich lustig an.

Gabriel de León besitzt diese Gabe. Er ist nicht nur ein Halbvampir, sondern wird zudem als Silberwächter bezeichnet. Seine Aufgabe ist es, das Reich gegen das Böse zu verteidigen. Keine Aufgabe, die ich freiwillig übernehmen würde, denn die Kämpfe, die geführt werden, sind blutig. Grausam. Filmreiche Schlachten, über die man noch Jahrzehnte später erzählt. Auf (pompösen) ~1.000 Seiten wird hier eine Geschichte rausgeballert, die es faustdick hinter den Ohren hat. Es wird geflucht, gemetzelt und frech herumpalavert - all dies gepaart mit herrlichem Grusel-Feeling und einer Lovestory, die (Gott sei Dank) nicht viel Platz einnimmt. Wessen Höschen hier trocken bleibt, der hat kein gutes Kopfkino. Mehr Action, Drama und Tempo geht nicht! Das ist Storytelling auf ganz hohem Niveau!

Zugegeben: Der Schinken ist 'ne nice Ergänzung zum täglichen Hanteltraining, aber jede Seite ist es wert, dass man die (hüstel) Schmerzen erträgt. Es gibt so viel zwischen den Zeilen zu entdecken, dass man sich wie in einer völlig krassen Parallelwelt vorkommt. Zur Arbeit fahren? Hmpf, wenn's sein muss. Haushalt erledigen? Kann eigentlich bis morgen warten. FreundIn? Wer ist das? Kann man das essen? Was ich damit sagen will, ist, dass man trotz der hohen Seitenzahl einfach nie die Lust auf den Inhalt verliert. Es macht voll Bock, die verschiedenen Figuren zu begleiten, die Details wahrzunehmen und mehr über die vier Häuser und den heiligen Gral zu erfahren. Okay, selbst mir wurde es sprüchemäßig manchmal zu derbe - wayne! Muss man nicht mögen. Das macht die komplexe Storyline nämlich locker wieder wett. Und ey, schwarzer Humor, folks! Ich bin ja sowas von hooked, weil der Autor es geschafft hat, quasi im Minutentakt den Gefühlsschalter bei mir umzulegen. Außerdem möchte ich auch unbedingt mal Vampirblut rauchen! (Ja, richtig gelesen.)

Ick freu mir übrigens wie ein Schnitzel, dass es noch (mindestens) einen weiteren Teil geben wird! Bis dahin bleibt noch etwas Zeit, damit ihr euch diesen hier genüsslich reinpfeifen könnt. Habt genauso viel Spaß mit ihm wie ich! - Und wer sich weigert, dessen Blut wird gekocht!

Fazit: Ein ausdrucksstarkes, bildgewaltiges Meisterwerk, das einen regelrecht in die düstere Welt der (Halb)Vampire hineinschleudert. Der Autor hat 'ne coole Schreibe - und insbesondere die Charakterausarbeitung hat mich ziemlich gecatcht. Könnte man Bücher heiraten, ich würde es tun. Dieses hier. Ganz große Liebe.

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Veröffentlicht am 29.06.2022

Perfekter Nervenkitzel!

P.S. Morgen bist du tot
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Das Setting: die Adams University in Washington. Die Hauptfiguren: sieben Studenten. Diagnostizierte Psychopathen, die an einer Studie teilnehmen, ohne zu wissen, wer die anderen Teilnehmer sind. Keine ...

Das Setting: die Adams University in Washington. Die Hauptfiguren: sieben Studenten. Diagnostizierte Psychopathen, die an einer Studie teilnehmen, ohne zu wissen, wer die anderen Teilnehmer sind. Keine Ermittler, keine Polizeiarbeit.

Kurian ist eine Meisterin des psychologischen Verwirrspiels. Auf zwei Ebenen führt sie alle an der Nase herum. Ihre eigenen Figuren innerhalb der Story sowie ihre LeserInnen durch immer wieder perfekt positionierte Twists.

Die Psychologin erzählt ihre Story aus unterschiedlichen Perspektiven. Zunächst rückt die Erstsemesterstudentin Chloe in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit. Doch schnell wird klar: Ihr Plan, den Kommilitonen Will in 60 Tagen zu ermorden, steht extrem auf der Kippe. Denn ein anderer Psychopath scheint es auf die Teilnehmer der Studie abgesehen zu haben. Und nun gerät auch Chloe selbst in Gefahr. Hier beginnt das Katz-und-Maus-Spiel, welches durch die ständigen Perspektivwechsel auf die Spitze getrieben wird.

Sämtliche Charaktere sind super realistisch und psychologisch brillant gestaltet. Niemand lässt sich in die Karten schauen, keinen von ihnen kann man wirklich einschätzen. Und immer wieder stellte ich mir die Frage: Wem kann man vertrauen und wer spielt hier morbide Spielchen? Bis zum Schluss hatte ich keine Idee, welche Richtung die Story einschlagen wird.

Auch sprachlich konnte Kurian vollends überzeugen. Dabei schafft sie es, die Szenen und Orte unglaublich real zu beschreiben. Auch das trägt dazu bei, die Spannung immer wieder zu steigern und auf einem hohen Niveau zu halten.

Fazit: Endlich mal wieder ein Thriller, der mich mitgerissen hat! Kurians grandioses Verwirrspiel hat mich wirklich begeistert. Das ist der perfekte Nervenkitzel für laue Sommerabende. Erfrischend anders, spannend, grandios!

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Veröffentlicht am 28.06.2022

Ziemlich beeindruckend

Galatea
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Das erste Wort, das mir nach Beenden der Geschichte, einfiel, war: Wow!

Pygmalion-Mythos, Bildhauerei, Göttlichkeiten, Antike - ich meine, das klingt jetzt nicht sehr spannend (für den geübten Thriller-Leser ...

Das erste Wort, das mir nach Beenden der Geschichte, einfiel, war: Wow!

Pygmalion-Mythos, Bildhauerei, Göttlichkeiten, Antike - ich meine, das klingt jetzt nicht sehr spannend (für den geübten Thriller-Leser wie mich). Was mir hier jedoch auf round about 40 Seiten serviert wurde, war mehr als nur 'ne positive Überraschung. I'm hooked!

Hier geht's nämlich nicht nur um oben genannte Punkte, vielmehr wurden diese neu erzählt, mit aktuellen Themen wie Feminismus und Sexismus kombiniert, um dem Ganzen darüber hinaus noch einen völlig eigenwilligen Stempel aufzudrücken. Würde man mich fragen, womit ich GALATEA vergleiche, könnte ich die Frage nicht beantworten. Ich habe noch nie zuvor eine solch fabelhafte Erzählung genießen dürfen. Es ist erstaunlich, wie viel Ausdruck und Kraft in so wenige Seiten gelegt werden können. Das schaffen selbst die wirklich tiefgreifenden ErzählerInnen nicht immer, obwohl sie bedeutend mehr Platz zur Verfügung haben.

Ziemlich beeindruckend - Hauptprotagonistin und Storyline gleichermaßen.

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Veröffentlicht am 07.06.2022

Sprachgewaltig, intelligent

Allgemeine Panik
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Hat jemand von euch die Netflix-Miniserie „Hollywood“ gesehen? Nun, wer daran Gefallen gefunden hat und gerne noch etwas mehr schmutzige Geheimnisse, Gewalt und Verbrechen geboten bekommen möchte, dem ...

Hat jemand von euch die Netflix-Miniserie „Hollywood“ gesehen? Nun, wer daran Gefallen gefunden hat und gerne noch etwas mehr schmutzige Geheimnisse, Gewalt und Verbrechen geboten bekommen möchte, dem wird „Allgemeine Panik“ von James Ellroy ein wahrer Leckerbissen sein.

Zugegebenermaßen bin ich als erstes über das Cover gestoßen. Ist das nicht genial?! Für mich ist es eines dieser Cover, die im Bücherregal unglaublich was hermachen. Also musste ich mir das Buch etwas genauer anschauen. Der Klappentext klingt ebenso vielversprechend. Und was soll ich sagen? Das Buch ist ein Knaller!

Freddy Otash ist einer dieser Typen, von denen man sich besser fern hält, sofern man ihn nicht zu seinen „Freunden“ zählen kann. Zumindest gilt das für das Who is Who des Hollywoods der 50er Jahre wie Liz Taylor, Rock Hudson, Marilyn Monroe, James Dean und Marlon Brando. Was des einen Freud ist, wird früher oder später des anderen Leid. Und Freddy Otash findet jedes noch so dunkle Geheimnis.

Otash ist irgendwie eine sehr coold Figur mit der ich ziemlich mitgefiebert habe. Auf eine ganz eigene Weise wird er zu einem absoluten Sympathieträger, dessen Story in der Ich-Perspektive erzählt wird.

Mit unglaublich viel Wortwitz und einem intelligenten Erzählstil schafft Ellroy eine total abgefahrene Story, die durch ihre freche, ungenierte Sprache überzeugt. Dabei werden nicht nur die sexuellen Vorlieben und Machenschaften der Stars auf dem Silbertablett serviert. James Ellroy spickt das Ganze zusätzlich mit Verbrechen, die Otash aufklären muss. Dass dabei nicht immer alles mit rechten Dingen zugeht, treibt die Spannung zusätzlich voran.

Kurzum: James Ellroy hat mit „Allgemeine Panik“ ein Meisterwerk auf den Markt gehauen, das durch seine geschickte Handlung, die grandios gezeichneten Figuren, dem Charme der 50er und einem Glitzer-Glamour-Hollywood besticht, das trotz Klischees, Tratsch und Machenschaften nie zu reißerisch wird. Dieser Roman hat mich rundum überzeugt!

Fazit: Freunde, das war ganz nach meinem Geschmack! Ellroy liefert mit „Allgemeine Panik“ einen sprachgewaltigen, intelligenten und schonungslosen Roman der Extraklasse! Von mir gibt es eine Leseempfehlung mit i-Tüpfelchen und Sternchen!

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