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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 18.07.2022

Farbenprächtiges Familien-Epos

Terra di Sicilia. Die Rückkehr des Patriarchen
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Inhalt: Barnaba Cabonaro, genannt Nino, wächst Ende des 19. Jahrhunderts in einer armen Familie in Sizilien auf. Er will es einmal weiterbringen als sein Vater und träumt von Reichtum. Er kann weder lesen ...

Inhalt: Barnaba Cabonaro, genannt Nino, wächst Ende des 19. Jahrhunderts in einer armen Familie in Sizilien auf. Er will es einmal weiterbringen als sein Vater und träumt von Reichtum. Er kann weder lesen noch schreiben, aber hervorragend rechnen. Und tatsächlich schafft er es mit dieser Begabung, sowie durch Glück, Cleverness und Hartnäckigkeit vom bettelarmen geprügelten Jungen zum angesehenen Zitrushändler aufzusteigen. Sein Leben ist ein Auf und Ab, mal feiert er Erfolge, mal verliert er alles. Im Laufe seines Lebens zeugt er 24 Kinder mit verschiedenen Frauen, von denen nur wenige überleben.
Im Jahr 1960 reist er zu seiner Familie nach München und blickt auf sein ereignisreiches Leben zurück.

Meine Meinung: Genauso wie Barnabas Leben, so hatte dieser Roman auch für mich seine Höhen und Tiefen. Mal war ich begeistert, mal mochte ich nicht weiterlesen.
Was mich auf jeden Fall überzeugt hat, ist der ganz besondere Schreibstil von Mario Giordano. Er erzählt die Geschichte von Barnabas Leben sehr lebendig, bildhaft, intensiv, manchmal sogar poetisch und oft mit einer Prise Humor, die mich zum Schmunzeln brachte, Auch die Atmosphäre Siziliens hat er wunderbar beschrieben. Trotzdem waren mir viele Passagen zu lang und detailliert erzählt.
Die Charaktere des Romans sind vielschichtig, interessant und größtenteils authentisch beschrieben. Obwohl ich Barnaba als Kind noch sehr mochte und mit ihm mitfühlen konnte, hat diese Sympathie im Laufe der weiteren Handlung immer weiter nachgelassen. Zwar bedauerte ich ihn wegen seiner Schicksalsschläge, aber nah kam er mir irgendwann nicht mehr. Frauen üben zeit seines Lebens einen großen Einfluss auf Barnaba aus, angefangen bei seiner Mutter, die sich nach dem Tod des Vaters an ihn klammert. Dazu kommt seine Ehefrau und zahlreiche Geliebte, denn treu zu sein, fällt ihm schwer und es kommt oft anders als geplant.
„Terra di Sicilia“ ist ein atmosphärisches und farbenfrohes deutsch-italienisches Familien-Epos, bei dem mich hauptsächlich der Schreibstil und weniger die Handlung begeistert hat.

Veröffentlicht am 13.07.2022

Bewegende Geschichte

Die geheimnisvollen Briefe der Margaret Small
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Inhalt: Da Margarets Mutter bei ihrer Geburt gestorben war, lebt sie die ersten Lebensjahre bei ihrer lieblosen Großmutter, die sie dann mit sieben Jahren in die St. Marys Klinik für Menschen mit Lernschwierigkeiten ...

Inhalt: Da Margarets Mutter bei ihrer Geburt gestorben war, lebt sie die ersten Lebensjahre bei ihrer lieblosen Großmutter, die sie dann mit sieben Jahren in die St. Marys Klinik für Menschen mit Lernschwierigkeiten gibt und sich von da ab an nicht mehr um sie kümmert.
In der Klinik lebt sie eingesperrt und muss sich dem Willen der herzlosen und gemeinen Schwester Cunningham fügen. Sie lernt dort weder lesen noch schreiben, sondern muss schon als Kind hart arbeiten, ohne eine Gegenleistung dafür zu bekommen. Margaret findet Freunde und verliert sie wieder und ihr Leben ist meistens eintönig. Erst mit 41 Jahren darf sie die Klinik verlassen.
Jetzt ist sie 75 Jahre alt und lebt allein, wird aber von dem jungen Sozialarbeiter Wayne in ihrem Alltag unterstützt. Als sie plötzlich geheimnisvolle Briefe von einem unbekannten Absender bekommt, bringt sie das völlig durcheinander. Doch mit Waynes Hilfe kommt sie dem Ursprung der Briefe und somit auch ihrer Vergangenheit auf die Spur.

Meine Meinung: Ich habe eine ganze Weile gebraucht, um in die Geschichte hineinzufinden. Sie wird im Wechsel auf zwei Zeitebenen und aus Margarets Perspektive erzählt, was auch Einfluss auf den Schreibstil hat. Er ist einfach und schnörkellos - so wie Margaret. Zudem sind die Kapitel relativ kurz.
Die Geschichte in der Vergangenheit beginnt im Jahr 1947, als Margaret ins St. Marys gebracht wird. Je mehr ich gelesen habe, desto mehr hat mich Margarets Schicksal berührt. Unglaublich, wie die Bewohner damals in den sogenannten Kliniken behandelt wurden! In der Gegenwart bekommt Margaret die geheimnisvollen Briefe mit Geldscheinen darin und wird ohne ihr Wissen von dem oder der Absender*in beobachtet. Diese Geschichte bildet die Rahmenhandlung und ist deutlich kürzer. Ich fand es aber interessant zu lesen, wie Margaret ihr Leben inzwischen meistert, wenn auch mit Unterstützung.
Von der Auflösung war ich sehr überrascht, da hatte ich etwas anderes erwartet.
Irritiert hat mich etwas das Durcheinander der Jahreszahlen und Altersangaben (vor allem gegen Ende des Buches), da stimmte häufiger etwas nicht.

Fazit: Eine ruhige und bewegende Geschichte mit einer liebenswerten Protagonistin.

Veröffentlicht am 30.06.2022

Thriller mit kleinen Schwächen

Schönes Mädchen - Alle Lügen führen zu dir
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Inhalt: Die junge Altenpflegerin Una zieht in das große und prächtige Haus der McKenzies, genannt "Kuckucksnest", um dort als Gesellschafterin und Betreuerin der fast 80 Jahre alten Elsbeth zu arbeiten. ...


Inhalt: Die junge Altenpflegerin Una zieht in das große und prächtige Haus der McKenzies, genannt "Kuckucksnest", um dort als Gesellschafterin und Betreuerin der fast 80 Jahre alten Elsbeth zu arbeiten. Elsbeths Tochter Kathryn zeigt von Anfang an deutlich ihre Abneigung und ihre Missbilligung über Unas ständige Anwesenheit im Haus. Als Una erfährt, dass zwei Mädchen, die vor ihr bei den McKenzies angestellt waren, ums Leben gekommen sind, beginnt sie Nachforschungen anzustellen und begibt sich damit in große Gefahr…

Meine Meinung: Claire Douglas erzählt diese Geschichte aus verschiedenen Perspektiven und gibt Rückblicke in die Kindheit und Jugend von Kathryn. Durch den bildhaften und sehr flüssigen Schreibstil lässt sich das Buch schnell lesen und auch der Einstieg in das Buch fiel mir leicht. Doch trotz der tollen Grundidee und des atmosphärischen Schauplatzes, zieht sich die Handlung an einigen Stellen und nimmt nur langsam Fahrt auf. Die Charaktere sind gut ausgearbeitet, doch nicht übermäßig sympathisch. Una mochte ich noch am liebsten. Doch dann kommt es zu einer völlig überraschenden Wendung, die mich geschockt hat und die Spannung nimmt zu. Auch die Auflösung habe ich so nicht erahnt, obwohl ich verschiedene Theorien aufgestellt und viele (fast alle) Charaktere verdächtigt hatte.
Fazit: Auch wenn „Schönes Mädchen“ einige Schwächen hat, habe ich diesen Thriller sehr gerne gelesen und mich gut unterhalten gefühlt.

Veröffentlicht am 20.06.2022

Familiensaga mit italienischem Flair

Santo Fiore
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Inhalt: Nach der Trennung von ihrem Freund Sebastian hofft die junge Landschaftsgärtnerin Simona auf einen Neuanfang in Italien. In dem malerischen Städtchen Belmonte, in den italienischen Marken, besitzt ...

Inhalt: Nach der Trennung von ihrem Freund Sebastian hofft die junge Landschaftsgärtnerin Simona auf einen Neuanfang in Italien. In dem malerischen Städtchen Belmonte, in den italienischen Marken, besitzt sie ein Haus, das sie von Ihrer Großmutter Franca geerbt hat. Auch ihr Vater und andere Mitglieder ihrer italienischen Familie leben hier, ebenso wie der Gutsbesitzer Adriano, den Simona bereits bei ihrem letzten Aufenthalt in Belmonte kennengelernt hat. (Teil 1)
Adriano bekommt unerwünschten Besuch von der jungen Mailänderin Carla, einem bekannten Model und entfernte Verwandte, die in ihrer Kindheit einige Jahre auf dem Gut gelebt hat. Als Adriano ihr alte Tagebücher ihrer gemeinsamen Großmutter Sofia, einer russischen Gräfin, überlässt, möchte sie anhand dieser Aufzeichnungen einen Roman schreiben.

Meine Meinung: „Santo Fiore“ ist bereits der 3.Teil der Belmonte-Reihe, aber problemlos als Einzelband zu lesen, denn die Handlung ist in sich abgeschlossen.
Der Schreibstil von Antonia Riepp lässt sich absolut leicht und flüssig lesen. Er ist einnehmend, lebendig und anschaulich. Sehr schnell war ich mitten in der Geschichte und konnte mir Charaktere und Umgebung bildhaft vorstellen. Besonders die Beschreibungen der italienischen Landschaft und des Klostergartens, den Simona neu gestalten soll, haben mir gut gefallen. Auch die meisten Charaktere wuchsen mir schnell ans Herz.
Der Roman wird auf zwei Zeitebenen erzählt. Simonas Geschichte spielt in der Gegenwart und die von Adrianos und Carlas Urgroßmutter beginnt im Jahr 1914. Ich fand es allerdings etwas schade, dass die Geschichte in der Vergangenheit größtenteils in Frankreich und Russland spielt und nur gegen Ende in Italien. Dafür ist sie allerdings auch etwas spannender. Simonas Geschichte ist eher ruhig und ohne Höhen und Tiefen. Trotzdem haben mir beide Geschichten und auch die beiden Protagonistinnen gut gefallen.
Den 2. Teil der Reihe, „Villa Fortuna“, habe ich noch nicht gelesen, was ich aber ganz sicher bald nachholen werde.

Fazit: „Santo Fiore" ist eine deutsch-italienische Familiensaga, die ich sehr gerne gelesen habe. Eine Geschichte mit italienischem Flair, einem angenehmen Schreibstil und sympathischen Protagonisten. Vielleicht kein Lese-Highlight, aber eine schöne und unterhaltsame Urlaubs- oder Sommerlektüre.

Veröffentlicht am 13.06.2022

Die Hoffnung auf einen Neuanfang

Wo Himmel und Meer sich berühren
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Inhalt: Ediths Mutter starb auf der beschwerlichen Flucht aus den Ostgebieten und schließlich wurde Edith auch noch von ihrer Schwester Esther getrennt. Ganz allein kommt sie Ende Juni 1945 nach Rügen ...

Inhalt: Ediths Mutter starb auf der beschwerlichen Flucht aus den Ostgebieten und schließlich wurde Edith auch noch von ihrer Schwester Esther getrennt. Ganz allein kommt sie Ende Juni 1945 nach Rügen und findet Unterkunft und Arbeit auf einem Bauernhof. Hier fühlt sie sich zunächst sehr fremd und einsam, auch weil die Vertriebenen von den Einheimischen nicht gern in ihrer Heimat gesehen werden. Doch schon bald freundet sie sich mit Alma, der Tochter der Hofbesitzer an.
Alma wartet seit Kriegsende auf ihren Verlobten Friedrich. Als ein Brief der Wehrmachtsauskunftsstelle kommt, traut sie sich nicht, ihn zu öffnen - aus Angst vor einer Todesnachricht. Stattdessen liest sie lieber jeden Abend seine alten Briefe.

Meine Meinung: Der Schreibstil von Kathleen Freitag lässt sich schnell und flüssig lesen und gefällt mir sehr gut. Aus diesem Grund fiel mir der Einstieg in die Geschichte auch sehr leicht.
Die Kapitel werden im Wechsel aus den Perspektiven der beiden jungen Protagonistinnen Edith und Alma erzählt. Beide Frauen - ich schätze ihr Alter auf Anfang 20 - waren mir sofort sympathisch und auch einige der Nebencharaktere mochte ich gern. Die Handlung des Romans verläuft relativ ruhig und trotz einiger dramatischer Ereignisse ohne große Emotionen und Spannung, aber trotzdem sehr unterhaltsam. Durch die Kürze des Buches (304 Seiten) bleibt leider vieles an der Oberfläche und wird nur kurz erwähnt. Das Ende ist sehr vorhersehbar und etwas seicht, war für mich aber trotzdem okay.

Fazit: Ich habe „Wo Himmel und Meer sich berühren“ sehr gerne gelesen, auch wenn es nicht sehr tiefgründig ist. Gerade weil in den letzten Wochen so viele Menschen aus der Ukraine ihre Heimat verloren haben und die aktuelle Situation so dramatisch ist, bin ich froh, dass dieses Buch mich einfach nur gut unterhalten hat, ohne mich noch mehr zu bedrücken. Im Gegenteil, es macht Hoffnung auf einen Neuanfang! Gute 4 Sterne.