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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 19.11.2022

Anders als gedacht und doch gut

Paradox Hotel
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Stellt euch vor, ihr könntet im Urlaub statt nach Kreta ins Mittelalter oder in die Zeit der Dinosaurier fliegen. Alles, was ihr zu beachten hättet, wäre, dass ihr nichts verändern dürftet. Würdet ihr ...

Stellt euch vor, ihr könntet im Urlaub statt nach Kreta ins Mittelalter oder in die Zeit der Dinosaurier fliegen. Alles, was ihr zu beachten hättet, wäre, dass ihr nichts verändern dürftet. Würdet ihr die Chance nutzen?

Zeitreisen sind in der Welt des Paradox Hotels nichts mehr Ungewöhnliches. Zwar muss man immer noch jede Menge Geld für eine Zeitreise in die Vergangenheit zahlen, doch das Paradox Hotel ist immer gut ausgebucht.
Doch was passiert, wenn sich Passagiere nicht an die Regeln halten und versuchen die Vergangenheit zu verändern? Hier kommt January Cole ins Spiel, naja, zumindest früher. Denn da hat sie solche Passagiere aufgespürt und festgenommen. Jetzt ist sie “nur noch” für die Sicherheit im Paradox Hotel zuständig. Doch genau zu dem Zeitpunkt an dem das Hotel verkauft werden soll, passiert ein Mord und January beginnt zu ermitteln.
Das Problem dabei ist, January weiß nicht einmal wann der Mord geschehen ist, in der Vergangenheit, der Gegenwart oder tatsächlich sogar in der Zukunft? Niemand will ihr so richtig glauben, denn nur sie kann die Leiche sehen.

Zuallererst muss ich sagen, dass ich mir die Geschichte ganz anders vorgestellt habe, nachdem ich den Klappentext gelesen hatte. Mehr Fokus auf die Ermittlungen zum Mord und tatsächlich auch etwas spannender.
In Wahrheit ist der Mord nur ein Randphänomen – zwar ein wichtiges, doch im Kern geht es im Buch um January Coles Zustand des Losgelöstseins von der Zeit und dem Drumherum um den heiklen Verkauf des Paradox Hotels.
Nichtsdestotrotz hat mir das Buch ganz gut gefallen. Nach einem interessanten Start und einem etwas zähen Mittelteil konnte mich das Buch tatsächlich noch richtig fesseln. Die Charaktere bleiben leider etwas flach und bis auf January erhaschen wir kaum einen Blick auf die Eigenschaften der anderen Charaktere.
Wirkt die Protagonistin zunächst noch unfreundlich und abweisend, lernen wir sie im Laufe des Buches immer besser kennen. Ich mochte sie, trotz ihrer unfreundlichen Art, echt gern. Sie hat genau meinen Humor getroffen. Außerdem wurde schnell klar, dass January sich durch ihre Art nur schützen wollte.

Mir fällt es schwer meine Emotionen und Gedanken, die ich beim Lesen hatte in Worte zu fassen. Für mich ist das Buch weder ein Zeitreise-Krimi noch befindet es sich irgendwo im Science-Fiction Universum. Ja, es hat mit Zeitreisen und seinen Auswirkungen zu und und ja, es wird in einem Mordfall ermittelt, aber da ist noch viel mehr auf einer Ebene, die sich für mich nicht in ein Genre oder in Worte pressen lässt.

Paradox Hotel ist auf jeden Fall ein interessantes Buch. Eins, über das man auch nachdenken kann. Es ist nur semispannend und man muss mit einer, teils unsympathischen Protagonistin zurecht kommen. Kommt man damit zurecht, beschert einem das Buch ein paar interessante und außergewöhnliche Lesestunden.

Ich vergebe gerne 4 von 5 Sternen und empfehle die Leseprobe des Buches zu lesen.

Veröffentlicht am 06.09.2022

Unterhaltsames und informatives Buch, das zum Nachdenken einlädt

I Kissed Shara Wheeler
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Ich muss zugeben, dass ich eine Weile überlegt habe, ob das Buch etwas für mich sein könnte und erst danach gegriffen habe, als es mir mehrmals online über den Weg lief. Eins kann ich jetzt schon verraten: ...

Ich muss zugeben, dass ich eine Weile überlegt habe, ob das Buch etwas für mich sein könnte und erst danach gegriffen habe, als es mir mehrmals online über den Weg lief. Eins kann ich jetzt schon verraten: ich bin froh darüber, dass ich mich dazu entschieden habe das Buch zu lesen.

Chloe Green steht kurz vor ihrem Highschool-Abschluss, wahrscheinlich sogar als Jahrgangsbeste und das ausgerechnet an einer der engstirnigsten Schulen überhaupt. Nachdem Chloe mit ihren beiden Müttern vor einiger Zeit aus der Großstadt in eine Kleinstadt nach Alabama gezogen ist, kann sie es kaum erwarten diesem Kaff wieder zu entkommen.
Gottgläubigkeit und leider auch Intoleranz gegenüber queeren Menschen werden hier groß geschrieben. Als queere Schülerin mit zwei Müttern hat Chloe es nicht gerade leicht an ihrer Schule. Besonders nicht als Shara Wheeler – Ballkönigin, Kontrahentin zur Jahrgangsbesten und Tochter des erzkonservativen Schuldirektors – sie auf dem Abschlussball küsst und danach spurlos verschwindet. Kryptische Nachrichten, die Shara überall versteckt hat, schicken Chloe und zwei weitere Mitschüler auf eine Schnitzeljagd. Was hat es mit den Nachrichten und vor allem mit Sharas Kuss auf sich?

Als queere Person in den hochreligiösen Gegenden der USA aufzuwachsen, scheint wirklich nicht sehr einfach zu sein. Casey McQuiston beschreibt das in “I kissed Shara Wheeler” sehr eindrucksvoll.
Neben Chloe, die sehr offen und frei erzogen wurde, gibt es noch weitere queere Charaktere, die sich aufgrund ihrer Erziehung und dem Glauben ihrer Eltern verstecken müssen. Sie können nicht sie selbst sein und verleugnen ihr wahres Ich sogar vor sich selber. Die Autorin beleuchtet alle Facetten und das auf eine sensible Art und Weise.
Ich kann das von Casey McQuiston Beschriebene nicht nachfühlen, da ich es selber nicht erlebt habe, ich kann es allerdings sehr gut nachvollziehen und bekomme einen guten Eindruck davon, wie es sein muss in einer solch intoleranten Gegend aufzuwachsen.
Wichtig dabei zu wissen ist, dass natürlich nicht alle gläubigen Menschen so intolerant und queerfeindlich sind – auch nicht in diesem Buch.

Der Schreibstil McQuistons ist angenehm leicht zu lesen und gleichzeitig sehr bildhaft. Ich konnte mir das Geschriebene sehr gut beim Lesen vorstellen und habe auch jetzt noch ein genaues Bild der Charaktere vor Augen.
Der Anfang des Buches verlief für mich ein wenig schleppend. Ich brauchte tatsächlich ein paar mehr Seiten, um in die Geschichte zu finden. Zu Beginn passiert auch irgendwie nicht so richtig viel, es ist mehr Charakteraufbau und das Kennenlernen dieser.
Die zweite Hälfte des Buches ist jedoch umso interessanter. Es kommt richtig Leben in die Geschichte und als Leser*in bekommt man immer mehr Einblicke in die Gedankenwelt der queeren Jugendlichen.

Ich persönlich finde Bücher mit queeren Figuren – besonders als Protagonisten – sehr wichtig. Leider gibt es immer noch zu viele Menschen, die intolerant und queerfeindlich sind. Dies muss sich meiner Meinung nach ändern, daher finde ich die Präsenz queerer Figuren in Büchern und anderen Medien so wichtig. Es muss zu unserer gelebten Normalität werden.

“I kissed Shara Wheeler” ist gleichzeitig ein unterhaltsames und informatives Buch, das zum Nachdenken und hoffentlich auch Überdenken einlädt. Mir hat es sehr gut gefallen, doch da der Anfang etwas schleppend war, gibt es von mir “nur” 4 von 5 Sternen.

Veröffentlicht am 26.07.2022

Interessantes Buch für wissensdurstige Lesende ab 8 Jahren

Absolut rekordverdächtig
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Wusstet ihr, dass ihr die Erde im Laufe eures Lebens mindestens 3x umrunden werdet, wenn man all eure Schritte zusammen zählt? Oder, dass eure Haare insgesamt 12m wachsen können?
Außerdem schlägt unser ...

Wusstet ihr, dass ihr die Erde im Laufe eures Lebens mindestens 3x umrunden werdet, wenn man all eure Schritte zusammen zählt? Oder, dass eure Haare insgesamt 12m wachsen können?
Außerdem schlägt unser Herz im Durchschnitt 3,4 Milliarden Mal.
Das sind mal Zahlen, was? Solche und noch mehr rekordverdächtigen Zahlen findet man im gleichnamigen Buch “Absolut rekordverdächtig – Dein Leben in Zahlen” von Christoph Drösser und Nora Coenenberg.

Das Sachbuch ist für Leser*innen ab 8 Jahren ausgelegt und dementsprechend einfach geschrieben. Mit direkter Ansprache knüpft der Autor ein Band zu den Lesenden und wählt passenderweise Beispiele aus dem Leben seiner jungen Leserschaft.
Auch für mich als erwachsene Leserin war es wirklich sehr interessant mein Leben mal in Zahlen ausgerechnet zu bekommen. Als Durchschnittswert wurde ein in Deutschland geborener Mensch genommen, mit einer Lebenserwartung von 80 Jahren. Da kaum ein Mensch dem Durchschnitt einer Statistikabelle entspricht, können die Zahlen natürlich nur als Schätzwerte genommen werden und dienen mehr dem Wow-Effekt. Interessant ist es dennoch alle Mal und gerade für wissbegierige Kinder eine gute Ergänzung zu den sonstigen Büchern im Bücherregal.

Die Auswahl der Zahlen ist gut auf die Lebensbereiche der Zielgruppen abgestimmt und sehr vielfältig. Jeder Punkt wird auf etwa einer Seite, in leicht verständlicher Sprache, abgehandelt, so dass man auch gerne kurz einfach mal Zwischendurch zum Buch greifen kann.

Die tollen Illustrationen von Nora Coenenberg ergänzen das Geschriebene prima und passen daher ganz wunderbar zum Buch.

Fazit

Ein interessantes Buch für Lesende ab 8 Jahren, die ihren Wissensdurst mal auf andere Weise stillen möchte. Die ausgerechneten Zahlen sind wirklich rekordverdächtig und die gewählten Lebensbereiche passend zur anvisierten Zielgruppe.
Von mir gibt es daher 4 von 5 Sternen für dieses Kindersachbuch.

Veröffentlicht am 19.05.2022

Spannende Geschichte mit kleineren Kritikpunkten - knappe 4 Sterne

Die Dinoschule – Betreten für Eltern verboten! (Band 1)
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Britta Sabbag – ein Name, den viele vermutlich durch die Hummel Bommel schon kennen. In diesem Fall hat mich jedoch nicht der Name geködert, sondern die Dinos. Meine Tochter ist ein großer Dino-Fan und ...

Britta Sabbag – ein Name, den viele vermutlich durch die Hummel Bommel schon kennen. In diesem Fall hat mich jedoch nicht der Name geködert, sondern die Dinos. Meine Tochter ist ein großer Dino-Fan und verschlingt, gemeinsam mit mir, jede Menge Dino-Bücher. Eine spannende Leseprobe später war das Buch auch schon bei uns eingezogen.

Onea, Tom und Freddy haben alle drei ihren ersten Tag an der Reptilia-Schule, einer Schule für Kinder von Dino-Forschern. Aber Moment…Dinos? Sind die nicht ausgestorben? Eigentlich schon, doch auf der versteckten Insel Sauritius existieren noch welche und die werden fleißig erforscht und natürlich auch vor der Öffentlichkeit beschützt.
Während Onea sich schon vorbildlich auf ihren ersten Schultag vorbereitet hat und am liebsten jedes kleine Detail auf der Insel erforschen möchte, will Tom am liebsten sofort schon einen Tyrannosaurus Rex reiten und Freddy…tja…der wäre am liebsten gar nicht erst auf Sauritius, denn Dinos machen ihm eine Heidenangst.
So unterschiedlich die drei auch sind, ein gemeinsam bestandenes Abenteuer schweißt sie zusammen und macht sie zu Freunden, die in jeder Lage füreinander einstehen.

Ich liebe das Cover des Buches, ebenso die vielen tollen Illustrationen innerhalb des Buches. Auch die Idee hinter der Geschichte gefällt mir echt gut. Ich muss allerdings sagen, dass ich mit der Umsetzung ein paar kleine Schwierigkeiten hatte.

Punkt 1 – Die drei Freunde erinnern mich zu sehr an ein anderes, sehr bekanntes Trio der Literatur.
Onea – sehr schlau, sehr genau und wirkt ein wenig besserwisserisch. Freddy – rote Haare, ängstlich und tollpatschig. Einzig Tom fällt ein wenig aus der Reihe, was den Vergleich mit dem berühmten magischen Trio angeht.

Punkt 2 – Klischees und deren Befeuerung
Beispielsweise isst Freddy sehr gerne. Er ist ein wenig pummelig und in der Reptilia-Schule scheint es nur One Size Uniformen zu geben, denn Freddy bekommt seine Uniform nur bis zum Bauch angezogen. Außerdem wird ständig auf seine Statur hingewiesen und darauf, dass er Hunger hat oder gerade etwas isst.
Außerdem wird Onea gerne mal als zickig bezeichnet, wenn sie einfach nur für sich oder ihre Meinung einsteht. Und Tom ist der “gutaussehende” Draufgänger, der es immer höher, schneller und gefährlicher haben möchte.

Mancher mag gerade Punkt 2 vielleicht ganz lustig finden, ich finde es allerdings ein wenig problematisch. Denn das Buch ist für Kinder ab 5 Jahren gedacht, die meiner Meinung nach nicht mit so einem Weltbild (Frauen sind zickig, dicke Menschen denken nur ans Essen, etc.) in Kontakt kommen sollten. Gerade junge Kinder sind noch sehr beeinflussbar.

Warum ich dennoch 4 Sterne vergebe, obwohl ich diese Kritikpunkte äußere?
Meiner Tochter hat das Buch sehr gut gefallen und auch ich fand es angenehm zu lesen. Die Idee mit den überlebenden Dinos und den Dino-Gefährten, die jedes Kind an der Reptilia-Schule erhält, gefällt mir. Es ist spannend geschrieben – meine Tochter hing quasi an meinen Lippen – und es vermittelt, zumindest zum Ende hin, Werte, die auch mir sehr wichtig sind, wie beispielsweise Zusammenhalt, Hilfsbereitschaft und Füreinander-Einstehen.
Außerdem befinden sich hinten im Buch noch interessante Informationen über die Dinos, was für mich einen Mehrwert darstellt. Wir kannten die meisten Infos zwar schon, da wir schon ziemlich viele Dinobücher gelesen haben, machte uns aber nichts aus. Lesenswert waren sie dennoch.

Für die Folgebände würde es mich sehr interessieren, ob die drei Hauptfiguren sich weiter entwickeln und die Klischeehaftigkeit somit verloren geht. Sollte dies der Fall sein, würde mich das persönlich sehr freuen.

Ich vergeben knappe 4 von 5 Sternen für “Die Dinoschule”.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 20.03.2022

Einfühlsame Geschichten, ausdrucksstarke Bilder

Quiet Girl (deutsche Hardcover-Ausgabe)
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36 Jahre hat es gedauert bis ich, mehr durch Zufall, festgestellt habe, dass ich selber zu den eher introvertierten Menschen gehöre. Nicht ganz so introvertiert wie Debbie Tung es in ihrer Graphic Novel ...

36 Jahre hat es gedauert bis ich, mehr durch Zufall, festgestellt habe, dass ich selber zu den eher introvertierten Menschen gehöre. Nicht ganz so introvertiert wie Debbie Tung es in ihrer Graphic Novel beschreibt, doch introvertiert genug, um die Geschichten in ihrem Buch sehr gut nachvollziehen zu können.

Lieber allein in der Natur oder mit einem guten Buch zu Hause anstatt auf einer Party? Produktiver im Home-Office anstatt im lauten Büro voller Kolleginnen? Dein Energielevel steigt, wenn du alleine bist und fällt, wenn du unter Leuten bist? – Dann herzlichen Glückwunsch, du bist eine introvertierte Person. clip_image001
Vielleicht fragst du dich, was mit dir nicht stimmt oder wieso alle anderen so viel geselliger sind als du. Debbie Tung zeigt in ihrem Buch, dass mit introvertierten Personen absolut alles in Ordnung ist, auch wenn sie sich manchmal wie ein kleines, grünes Marsmännchen fühlen, in dieser Welt voller Extrovertierter.

Mit ausdrucksstarken Bildern, herzlichen und zugleich witzigen Dialogen lässt uns Debbie Tung einen Blick in ihr eigenes Leben werfen. Denn die Geschichten, die sie in ihrer Graphic Novel verarbeitet hat, haben ihren Ursprung alle in ihren eigenen Erfahrungen.
Die einfühlsamen Geschichten geben einen sehr guten Einblick in das Innenleben einer introvertierten Person und können den ein oder anderen sogar darin bestärken, dass alles gut so ist, wie es ist und sich niemand ändern muss.
Extrovertierten Personen ermöglicht das Buch einen Perspektivwechsel und damit mehr Verständnis für Menschen, die anders ticken als sie selbst.

Quiet Girl ist eindeutig ein Buch mit Mehrwert und selbst ungeübte Comic-Leser
innen werden ihre Freude haben. Ich persönlich hätte mir gewünscht, dass die einzelnen Geschichten sichtbarer voneinander getrennt gewesen wären. So wusste ich beim Lesen manchmal nicht, dass ich schon mit der nächsten kurzen Geschichte begonnen hatte.
Dies ist aber schon die einzige Kritik, die ich an das Buch habe. Daher gibt es gute 4 von 5 Sternen von mir.