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Veröffentlicht am 26.06.2017

wenn der Showdown nicht wäre

Mitternachtsnotar
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Buchmeinung zu Bettina Kerwien – Mitternachtsnotar

„Mitternachtsnotar“ ist ein Kriminalroman von Bettina Kerwien, der 2017 im Jaron Verlag als Taschenbuch erschienen ist.

Zum Autor:
Bettina Kerwien, ...

Buchmeinung zu Bettina Kerwien – Mitternachtsnotar

„Mitternachtsnotar“ ist ein Kriminalroman von Bettina Kerwien, der 2017 im Jaron Verlag als Taschenbuch erschienen ist.

Zum Autor:
Bettina Kerwien, geb. 1967, studierte Amerikanistik und Publizistik an der FU Berlin. Nebenbei schrieb und fotografierte sie für verschiedene Zeitungen. Nach dem Abschluss gründete sie eine Werbeagentur, vermarktete Sportereignisse und gab eine Handball-Fachzeitschrift heraus. Seit 2004 ist sie als Geschäftsführerin in einem Stahlbauunternehmen mit dem Schwerpunkt Theatertechnik tätig und widmet sich in jeder freien Minute dem Schreiben von Spannungsliteratur. Bettina Kerwien lebt und arbeitet im grünen Norden Berlins.


Klappentext:
Die Bewohner der idyllischen Reihenhaussiedlung „Am Rabennest“ in Reinickendorf sind auf hundertachtzig. Eine private Immobiliengesellschaft, die fest in der Hand der Familie Trasseur ist, hat ihre denkmalgeschützte Siedlung aufgekauft und will sie luxussanieren. Den Bestandsmietern wird mit horrenden Mieterhöhungen und Kündigung gedroht. Das löst ihren Protest aus. Doch dann hängt plötzlich der Hausmeister tot am Dachbalken. Hat er sich selbst umgebracht? Privatdetektiv Martin Sanders bezweifelt das. Der ehemalige Personenschützer mit dunkler Vergangenheit hat gerade sein eigenes Büro in Moabit eröffnet, als ihn sein Vater um Hilfe bittet. Der ist einer der Investoren der Immobiliengesellschaft und erhält seit einiger Zeit Drohbriefe, in denen er zum Sanierungsstopp aufgefordert wird. Auf einer Investorenparty, bei der die Siedlungsobjekte verkauft werden und der Mitternachtsnotar, das Familienoberhaupt der Trasseurs, die fragwürdigen Kaufverträge beurkundet, trifft Sanders die durchgeknallte Liberty Vale wieder. Sanders hat Libby bei seinem letzten Fall kennengelernt. Sie hat ihr Studium geschmissen, verdient sich ihren Lebensunterhalt als Escortlady und hat sich in Sanders verliebt. Als sie von Sanders' Auftrag erfährt und zufällig in den Besitz eines Beweismittels gelangt, will sie ihn informieren. Aber dann kommt der Mitternachtsnotar ums Leben, und auch Libby gerät in Gefahr …

Meine Meinung:
Das Buch ist am Anfang etwas gewöhnungsbedürftig, weil die Autorin einen eigenwilligen und anspruchsvollen Schreibstil pflegt. Dazu kommt eine melancholische Grundstimmung und mit Martin Sanders eine Hauptfigur, die auch nicht um Sympathie buhlt. Auch die weibliche Hauptfigur Liberty Vale agiert sehr eigen und eckt gerne mal an. Sie und Martin mögen einander, schrecken aber vor einer echten Bindung zurück. Beide sind problembeladen und wirken doch sympathisch. Beide sind auch recht komplex mit Stärken und Schwächen gezeichnet. Ihren Gegenspieler täten dagegen ein paar mehr Grautöne ganz gut. Während schwedische Autoren gerne mal das Wetter detailliert beschreiben, hat Frau Kerwien sehr akkurat die jeweilige Kleidung im Blick. Auch über die Kleidung kann man Stimmungen beschreiben. Mir hat das Buch vor allem in den ruhigen Passagen gut gefallen. Auch die Hauptfiguren machen Lust auf mehr. Leider gibt es aber auch einen wesentlichen Kritikpunkt. Es gibt einen Showdown, der nicht zu den Figuren passt. Martin Sanders agiert wie ein Supermann und zwar so, dass auch James Bond neidisch werden könnte. Dafür ist das Ende wieder angenehm realitätsnah.

Fazit:
Das Buch gefällt durch die anspruchsvolle Sprache mit einigen kreativen Wortschöpfungen und den komplexen Hauptfiguren. Es wäre ein richtig guter Krimi geworden, wenn auch die Bösen etwas komplexer gestaltet worden wären und vor allem, wenn es diesen utopischen Showdown nicht gegeben hätte. So reicht es leider nur zu drei von fünf Sternen (60 / 100 Punkte). Trotzdem kann ich das Buch wegen der Sprache und den Hauptfiguren empfehlen.

Veröffentlicht am 25.06.2017

Cosy mit viel Oxford-Flair

Tödliches Blau
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Buchmeinung zu Katharina M. Mylius – Tödliches Blau

„Tödliches Blau“ ist ein Kriminalroman von Katharina M. Mylius, der 2017 im Dryas Verlag erschienen ist. Dies ist der vierte Fall für das Ermittlerduo ...

Buchmeinung zu Katharina M. Mylius – Tödliches Blau

„Tödliches Blau“ ist ein Kriminalroman von Katharina M. Mylius, der 2017 im Dryas Verlag erschienen ist. Dies ist der vierte Fall für das Ermittlerduo Heidi Green und Frederick Collins, die bei der Kriminalpolizei in Oxford arbeiten.

Zum Autor:
Katharina M. Mylius wurde 1981 geboren und wuchs in Gleisweiler an der Südlichen Weinstraße auf. Ihre Ausbildung absolvierte sie teilweise in den USA und in Italien. Nach Abschluss ihres Studiums in Köln lebte und arbeitete sie unter anderem in Oxford, wo die Idee für ihre Krimis entstand. Privat ist sie eine leidenschaftliche Sängerin und Saxophonistin.

Klappentext:
Der Trainer des Ruderclubs der Universität Oxford treibt tot in der Themse. Zunächst sieht es danach aus, als sei der Mann ertrunken. Doch dann verdichten sich die Hinweise, dass er hinterlistig ermordet wurde. Das Inspektoren-Duo Heidi Green und Frederick Collins ermittelt und findet heraus, dass sich der ehrgeizige Trainer mit seiner harschen Art viele Feinde gemacht hat. Dabei gerät ein Ruderer besonders ins Visier der Ermittler. Wenig später wird jedoch auch er tot aufgefunden...

Meine Meinung:
Meine erste Begegnung mit den beiden Inspektoren Heidi Green und Frederick Collins brachte keine großen Überraschungen. Ich hatte einen atmosphärisch starken Krimi mit viel Oxford-Flair und weenig Gewalt erwartet. Diese Erwartungen wurden erfüllt und die beiden Inspektoren wirken sehr sympathisch. Das Buch liest sich sehr angenehm und damit ist alles in Butter. Leider nein. Frederick stellt sich im Umgang mit Frauen recht naiv und tolpatschig an, aber seine Kollegin mutiert zur Superheldin. Sie betreut zwei kleine Kinder, arbeitet Vollzeit und findet auch noch Zeit, sich aktiv bei der Lösung der privaten Probleme ihres Kollegen einzubringen. Dazu noch ein Auftritt mit High Heels im Matsch. Das war mir dann doch zu viel. Hier wäre weniger sicher mehr gewesen.
Der Fall selber war durchaus interessant und nicht leicht zu durchschauen. Die Ermittlungen waren nachvollziehbar und zielorientiert. Zur Auflockerung dienten immer wieder humorvolle Einschübe. Bei der Charakterzeichnung fehlte mir bei den Hauptfiguren der ein oder andere Grauton, der bei den übrigen Figuren durchaus vorhanden war.

Fazit:
In Summe überwiegen die positiven Eindrücke, doch das „Superweib“ hat mein Lesevergnügen doch erheblich gestört. Insgesamt vergebe ich knappe dreieinhalb von fünf Sternen (65 / 100 Punkte ). Wer sich nicht am „Superweib“ stört, bekommt einen lesenswerten Cozy mit viel Oxford-Flair.

Veröffentlicht am 18.03.2026

Angenehmer Schreibstil und abbauende Handlung

Mord à la Lavande
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Buchmeinung zu Robert de Paca – »Mord a la Lavande«

»Mord a la Lavande« ist ein Kriminalroman von Robert de Paca, der 2025 als Book on Demand erschienen ist.

Zum Autor:
Robert de Paca lebt seit rund ...

Buchmeinung zu Robert de Paca – »Mord a la Lavande«

»Mord a la Lavande« ist ein Kriminalroman von Robert de Paca, der 2025 als Book on Demand erschienen ist.

Zum Autor:
Robert de Paca lebt seit rund dreissig Jahren in Südfrankreich. Die ersten fünfzehn Jahre davon an der Côte d’Azur, wo er unter anderem ein Tourismusportal betreute und in Monaco eine Internetkochschule samt online-shop betrieb. Seit 2012 lebt er mit seinen beiden Kindern in der Provence, zwischen Aix und dem Luberon.

Zum Inhalt:
Vor den Augen des Krimiautors Maxim Marchal wird in Aix-en-Provence ein Journalist von einem Auto überfahren. Im Gegensatz zur Polizei vemutet Maxim ein Verbrechen und beginnt zu ermitteln. Unterstützung erhält er von einer Journalistin und einer Mitarbeiterin des Tourismusbüros.

Meine Meinung:
Der Einstieg in dieses Buch ist mir durch den atmosphärischen Schreibstil leicht gefallen. Maxim Marchal wirkt sympathisch und geht die Dinge gelassen an. Er ist zudem hartnäckig und fantasievoll. Im Zuge der Ermittlungen erfährt der Leser einiges über den Lavendelanbau und die daraus entstehenden Produkte. Zwei sympathische Damen unterstützen den Krimiautor mit ihren Ideen und Kontakten. Die Geschichte wird aus wechselnden Perspektiven erzählt, meist jedoch begleiten wir Maxim. Die Figurenzeichnung ist nicht sonderlich tief und ich hätte den Figuren ein paar Ecken und Kanten gewünscht. Die Spannung ist eher moderat, aber der angenehme Schreibstil hilft darüber hinweg. Dann gibt es aus meiner Sicht einen deutlichen Bruch in der Handlung durch den Bezug zu einem Jahre zurückliegenden Gewaltverbrechen, das aus dem Nichts kommt. Nun wird es zwar spannender, aber auch hektischer und weniger atmosphärisch. Am Ende steht ein vollständig und nachvollziehbar gelöster Fall, aber gut unterhalten fühlte ich mich nur in der ersten Hälfte.

Fazit:
Ein Krimi aus der Provence, der zu Beginn mit Atmosphäre und sympathischen Figuren punktet, aber im weiteren Verlauf den Faden zu verlieren scheint. Dank des guten Starts bewerte ich den Titel mit drei von fünf Sternen (60 von 100 Punkten).

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Veröffentlicht am 27.02.2026

Ein Fall von Mobbing und seine Folgen

Kripo Nordsee – Hasserfülltes Borkum: Küstenkrimi
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Buchmeinung zu Roland Hebesberger – »Hasserfülltes Borkum«

»Hasserfülltes Borkum« ist ein Kriminalroman von Roland Hebesberger, der 2025 im Empire-Verlag erschienen ist. Dies ist der Auftakt der Reihe ...

Buchmeinung zu Roland Hebesberger – »Hasserfülltes Borkum«

»Hasserfülltes Borkum« ist ein Kriminalroman von Roland Hebesberger, der 2025 im Empire-Verlag erschienen ist. Dies ist der Auftakt der Reihe Kripo Nordsee.

Zum Autor:
Roland Hebesberger, geboren im Jahr 1986 in Tamsweg, wollte schon als Kind Drehbuchautor werden. Im Jahr 2000 begann er damit, Fanfictions zu schreiben. Ab 2004 verfasste er virtuelle Serien, die viele Awards abräumten.

Zum Inhalt:
Auf Borkum finden die Eltern die Leiche ihres Sohns Tim, der wohl Opfer eines aus dem Ruder gelaufenen Streiches wurde. Kommissarin Hanna Janssen muss mit Hauptkommissar Lasse Klaasen zusammenarbeiten, den sie aus ihrer Jugend in sehr schlechter Erinnerung hat. Eine Anschlagserie auf die Familien der mobbenden Jugendlichen lässt die Situation eskalieren.

Meine Meinung:
Dieses Buch widmet sich dem schwierigen Thema Mobbing. Der jugendliche Tim erleidet bei einem Streich einen tödlichen allergischen Schock. Hanna Janssen trifft bei den Ermittlungen auf Lasse Klaasen, den sie aus der gemeinsamen Schulzeit kennt und der sie damals gemobbt hat. Lasse Klassen hat daran keine Erinnerung, merkt aber, dass seine Kollegin ihm gegenüber Vorbehalte hat. Ein klärendes Gespräch bleibt aus. Ähnlich ist es beim aktuellen Fall. Die Jugendlichen und ihre Familien leugnen jede Form von Mobbing, schweigen eisern und weisen stattdessen auf die Außenseiterrolle der Opferfamilie hin. Selbst ein Anschlag ändert nichts. Bald wird deutlich, dass ein Rächer die Familien der Mobber im Visier hat. Diese brechen ihr Schweigen aber auch weiterhin nicht und die Ermittler tappen im Dunkeln. Es kommt zu einem Showdown in der örtlichen Sporthalle.
Die Schilderung der Vorgänge ist sehr emotional und sehr deutlich wird die unterschiedliche Bewertung der Mobbingvorgänge. Für die einen sind es harmlose Streiche ohne weitere Bedeutung, während die anderen teilweise extrem leiden und sogar Traumata erleiden. Am Beispiel der Kommissare wird deutlich, dass eigentlich niemand über das Mobbing reden will und schon gar nicht Täter und Opfer gemeinsam.
Der Fall entwickelt sich spannend und der Showdown ist angemessen. Die beiden Ermittler sind einzeln sympathisch, aber ihre Weigerung, die Vorgänge aus ihrer Vergangenheit aufzuarbeiten wurde mit der Zeit nervig. Die Geschichte wird aus mehreren Perspektiven erzählt und die Emotionen stehen im Vordergrund. Die Figur des Rächers war mir sogar sympathisch und hatte einen Hauch von Gerechtigkeitskämpfer. Auf der anderen Seite ist es schwer zu sagen, wie groß oder wie klein die Schuld der Familien ist. Es gibt nur eine Lösung und die lautet: Wehret den Anfängen!

Fazit:
Ein schwieriges Thema, dessen Umsetzung in diesem Krimi mich nur teilweise überzeugen konnte. Deshalb bewerte ich den Titel mit drei von fünf Sternen (60 von 100 Punkten), spreche aber wegen der Brisanz des Themas eine Leseempfehlung aus.

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Veröffentlicht am 10.02.2026

Tolle Grundidee mit Mängeln in der Umsetzung

Kleopatra
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Buchmeinung zu Saara El-Arifi – »Kleopatra«

»Kleopatra« ist ein Roman von Saara El-Arifi, der 2026 bei HOFFMANN UND CAMPE in der Übersetzung von Volker Oldenburg erschienen ist. Der Titel der englischen ...

Buchmeinung zu Saara El-Arifi – »Kleopatra«

»Kleopatra« ist ein Roman von Saara El-Arifi, der 2026 bei HOFFMANN UND CAMPE in der Übersetzung von Volker Oldenburg erschienen ist. Der Titel der englischen Originalausgabe lautet »Cleopatra« und ist 2026 erschienen.

Zum Autor:
Saara El-Arifi wuchs in Abu Dhabi auf , bevor sie mit ihrer Familie nach Sheffield zog. Sie ist sudanesischer und ghanaischer Abstammung. Ihr Vater war Muslim , ihre Mutter wurde christlich erzogen. Derzeit lebt sie in London.

Zum Inhalt:
Das Leben der Kleopatra aus ihrer eigenen Sicht. Angelehnt an historische Fakten begleitet der Leser die mächtigste Frau der Welt von ihrer Thronbesteigung bis zu ihrem Tod.

Meine Meinung:
Die Grundidee des Buches ist faszinierend. Kleopatra schildert ihr Leben von der Thronbesteigung bis zu ihrem Tod aus ihrer eigenen Sicht. Bekannt sind die Schilderungen ihres Lebens aus männlichen Sichten, die nicht das Wohlwollen der Herrscherin finden. Es gibt neue Seiten an Kleopatra zu entdecken, wie z. B. Ihr Interesse an Büchern und an der Heilkunst. Auch ihre Beziehungen zu Gaius Iulius Caesar und Marcus Antonius werden ausführlich dargestellt. Seit früher Kindheit prägen familiäre Machtkämpfe ihr Leben und Kleopatra wird mächtig und machtbesessen und viele Freundschaften müssen geopfert werden. Der >Ton der Erzählung ist locker und licht verständlich. Lange Zeit habe ich mit Kleopatra mitgefiebert. Die Autorin hält sich an die historischen Fakten, findet aber Freiräume für ihre Darstellung der Pharaonin. Wenn Kleopatra ihr eigenes Handeln reflektiert und dabei viele Grautöne berücksichtigt werden, bekam ich das Gefühl, ihr nahe zu kommen. Ihre Liebesbeziehungen nahmen mir zu viel Raum ein und manche Aspekte tauchten wiederholt auf. Diese Punkte trübten mein Lesevergnügen doch erheblich.

Fazit:
Kleopatra schildert ihr eigenes Leben durchaus vielschichtig, verliert sich jedoch zunehmend in Gedanken, die die Macht ihres Sohnes Caesarion sichern sollen. So nahm mein Interesse und mein Lesevergnügen kontinuierlich ab. Deshalb bewerte ich den Titel mit drei von fünf Sternen (60 von 100 Punkten), auch wenn mich die Grundidee überzeugt hat.

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