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Veröffentlicht am 10.12.2022

Eine humorvolle Weihnachtskomödie

7 Kilo in 3 Tagen
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Inhalt: Das vergangene Jahr war für Bastian nicht gerade rosig. Seine Freundin Fine hat mit ihm Schluss gemacht, sein Job lief nicht und er musste umziehen. Jetzt steht Weihnachten vor der Tür – und damit ...

Inhalt: Das vergangene Jahr war für Bastian nicht gerade rosig. Seine Freundin Fine hat mit ihm Schluss gemacht, sein Job lief nicht und er musste umziehen. Jetzt steht Weihnachten vor der Tür – und damit das alljährliche, immer gleich ablaufende Weihnachtsfest bei Bastians Eltern in der bayrischen Provinz. Eigentlich eine Zeit, um ein bisschen zur Ruhe zu kommen und in Erinnerungen zu schwelgen. Blöd nur, dass auch die neue Freundin von Bastians Bruder zum Weihnachtsessen kommt: Fine.

Persönliche Meinung: „7 Kilo in 3 Tagen“ ist eine humorvolle Weihnachtserzählung von Christian Huber. Erzählt wird die Handlung aus der Ich-Perspektive von Bastian, der leicht verpeilt ist und einen nerdigen Humor besitzt. Dementsprechend locker und flockig berichtet er auch seine Erlebnisse während der Weihnachtsfeiertage. Mehrfach kommt es dabei zu urkomischen Verwicklungen mit tollen Pointen, sodass man während der Lektüre häufig auflachen muss. Das Besondere der Komik: Trotz aller Überspitzung besitzen Bastians Erlebnisse (sei es im Zug, in der lokalen Dorfkneipe oder am Esstisch seiner Eltern) einen wahren Kern; sie erinnern an Situationen, die man in Variation selbst schon mal erlebt hat, wodurch sie unheimlich relatable sind (coole Begriffe nutzen kann ich 😎). Ähnliches gilt für die Dialoge, die geführt und von Bastian immer mit einer Spur Sarkasmus kommentiert werden. Am Ende des Romans bleiben zwar ein paar Handlungsstränge offen, allerdings ist dies nicht weiter schlimm: Diese werden im Folgeroman („Alle anderen können einpacken“) aufgegriffen und weitergeführt. Insgesamt ist „7 Kilo in 3 Tagen“ eine urkomische, luftig-locker erzählte Weihnachtskomödie, mit der man sich perfekt auf das Weihnachtsfest einstimmen kann.

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Veröffentlicht am 08.12.2022

Ein spannender, einfühlsam erzählter Fantasyroman

Hinter den Spiegeln so kalt
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Inhalt: Seit mehreren Jahren wird Finja von einer Angst vor Spiegeln geplagt, weshalb sie fast alle Spiegel in ihrem Haus abgehängt hat. Als plötzlich ihre Tochter Hannah verschwindet, wird die Angst real: ...

Inhalt: Seit mehreren Jahren wird Finja von einer Angst vor Spiegeln geplagt, weshalb sie fast alle Spiegel in ihrem Haus abgehängt hat. Als plötzlich ihre Tochter Hannah verschwindet, wird die Angst real: Hannah war zuletzt im Badezimmer, einem der wenigen Räume mit Spiegel; kurz nach ihrem Verschwinden war der Spiegel zudem mit Eiskristallen bedeckt, was eigentlich – und besonders im Juli – unmöglich ist. Finja ist sich sicher: Der Spiegel hat Hannah verschluckt. Aber niemand glaubt ihr, ihre Spiegeltheorie wird als Hirngespinst abgetan – bis Finja eine selbsternannte Hexe aufsucht…

Persönliche Meinung: „Hinter den Spiegeln so kalt“ ist ein phantastischer Roman von Liza Grimm. Erzählt wird der Roman in drei sich abwechselnden Handlungssträngen, die jeweils auf einer anderen Zeitebene spielen (Im Folgenden gehe ich ganz kurz auf den Inhalt des jeweiligen Handlungsstrangs ein, bleibe aber bewusst vage und spoilere nicht). Der Haupthandlungsstrang spielt in der Gegenwart, ein paar Wochen nach Hannahs Verschwinden. Im Fokus steht hier die verzweifelte Suche Finjas nach Hannah. Ein weiterer Handlungsstrang spielt vier Jahre zuvor und erzählt von dem geborgenen Leben, das Finja mit ihrem Mann Mika und Hannah führte. Der dritte Handlungsstrang ist chronologisch zwischen den beiden schon vorgestellten Strängen angesiedelt: Nach einem bestimmten Ereignis, das sich vier Jahre zuvor zugetragen hatte, ist Finja auf der Suche nach einem neuen Glück, nach neuer Geborgenheit – was durch Hannahs Verschwinden jäh beendet wird. In allen drei Strängen wird die Perspektive von Finja eingenommen. Sehr schön ist dabei die lebendige und anschauliche Beschreibung ihrer Gefühlswelt: Ihr Gefühl der Geborgenheit mit Mika und Hannah, der Verlust ihres persönlichen Glücks, das Hoffen, ein neues Glück gefunden zu haben, sowie ihre Verzweiflung nach Hannahs Verschwinden sind sehr gut nachzuspüren, sodass man beim Lesen unweigerlich mit ihr fühlt. Daneben trumpft „Hinter den Spiegeln so kalt“ mit einer spannenden Handlung auf: Jeder Handlungsstrang ist durchzogen von Spannungspartikeln, offenen Fragen und phantastischen Elementen, deren Tragweite und tatsächlicher Gehalt sukzessiv offenbart wird. Dementsprechend wendungsreich und überraschend ist die Handlung im Gesamten. Auch die Auflösung von „Hinter den Spiegeln so kalt“ ist besonders: Sie beinhaltet ein hartes und wichtiges Thema, wodurch der Roman einen hohen Tiefgang erhält (dieses Thema kann triggern, daher ist es wichtig, die im Buch abgedruckten Triggerwarnungen zu beachten). Der Schreibstil von Liza Grimm ist detailliert, plastisch und eingängig, sodass man den Roman sehr flüssig lesen kann. Insgesamt ist „Hinter den Spiegeln so kalt“ ein vielschichtiger, spannender und tiefgehender Fantasyroman, der einfühlsam erzählt wird.

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Veröffentlicht am 27.11.2022

Ein Buch, geschrieben für Bücherwürmer

Die Bücher, der Junge und die Nacht
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Inhalt: München, 1971. Der Buchverkäufer Robert Steinfeld erhält von seiner Kollegin Marie Ludwig einen Anruf. Marie hat bei der Auflösung der Bibliothek des kürzlich verstorbenen Buchmagnaten Konrad Pallandt ...

Inhalt: München, 1971. Der Buchverkäufer Robert Steinfeld erhält von seiner Kollegin Marie Ludwig einen Anruf. Marie hat bei der Auflösung der Bibliothek des kürzlich verstorbenen Buchmagnaten Konrad Pallandt einen besonderen Fund gemacht: Sogenannte Steinfelds, hochwertige Buchausgaben, die aus der Werkstatt von Roberts Vorfahren stammen. Das Merkwürdige: Die Werkstatt, ehemals befindlich im Graphischen Viertel Leipzigs, fiel 1943 dem Flammenmeer zum Opfer; auch Roberts Vater überlebte nicht. Dennoch finden sich in der Pallandtschen Bibliothek Ausgaben, die nach 1943 gebunden worden sind – und sich qualitativ nicht von den älteren Ausgaben unterscheiden. Gemeinsam begeben sich Robert und Marie auf die Suche nach dem Ursprung der neueren Ausgaben – und entdecken dabei, dass wenig so ist, wie sie geglaubt haben…

Persönliche Meinung: Der Inhaltsteaser greift eigentlich viel zu kurz. „Die Bücher, der Junge und die Nacht“ setzt sich nämlich aus drei Handlungssträngen zusammen, die auf unterschiedlichen Zeitebenen spielen. Der jüngste Handlungsstrang ist die in Ich-Form erzählte Suche Robert Steinfelds, die ich oben skizziert habe. Ein weiterer Handlungsstrang spielt 1943 (zunächst) in Leipzig – gerade zu dem Zeitpunkt, als Bomben auf die Stadt fallen. Hier begleiten wir (aus personaler Sicht) einen 10-jährigen Jungen, der sein ganzes Leben lang in einem Raum voller Bücher eingesperrt worden war, sich nun aber befreien konnte und von einem Bücherjäger unter seine Fittiche genommen worden ist, der ein ganz besonderes Buch sucht. Der dritte Handlungsstrang spielt 1933 in Leipzig. Die Nationalsozialisten erstarken und drangsalieren jede Person, die nicht ihrer Ideologie folgt. So auch Jakob Steinfeld, den Vater Roberts, der gemeinsam mit seinem ulkigen Angestellten Grigori eine kleine Buchhandlung/-binderei betreibt. Diese drei Handlungsstränge laufen allerdings nicht einfach parallel zueinander, sondern sind aufs Engste und sehr schön miteinander verwoben: Es finden sich immer wieder Figuren und Gegenstände, die in jedem Handlungsstrang vorkommen, wodurch ein durchdachtes Verweissystem entsteht, das sich in einer schönen Spannungskurve sukzessiv zu einem stimmigen Gesamtbild zusammensetzt. Der Schreibstil von Kai Meyer ist gewohnt bildhaft. Zügig entstehen eindrückliche Bilder im Kopf, sodass man sich stark in die Szenen hineinversetzen kann: Ein Fabulieren in seiner schönsten Form. Eine genaue Genreeinordnung möchte ich bei „Die Bücher, der Junge und die Nacht“ gar nicht vornehmen; dafür ist es zu vielfältig. Klar, es spielt in der Vergangenheit und in allen drei Erzählsträngen (besonders in dem, der 1933 stattfindet) finden sich starke Tendenzen eines historischen Romans. Allerdings geht „Die Bücher, der Junge und die Nacht“ nicht darin auf: Genauso ist das Buch – durch die vielen Mysterymomente – eine Art Spannungsroman; zudem existieren immer mal wieder phantastische Elemente bzw. Tendenzen zum Magischen Realismus. Jenseits einer spezifischen Gattung ist „Die Bücher, der Junge und die Nacht“ ein Buch über Bücher: Die Protagonisten haben alle etwas mit dem Buchgewerbe (im weiteren Sinne) zu tun, sie durchstöbern Buchhandlungen, Antiquariate und Bibliotheken, bestimmte Bücher spielen innerhalb der Handlung eine gewichtige Rolle und das im 2. Weltkrieg untergegangene Graphische Viertel Leipzigs ist ein wichtiger Handlungsort. Kurzum: „Die Bücher, der Junge und die Nacht“ ist eine Liebeserklärung an das Medium „Buch“, an die gedruckten Wörter; ein Buch, geschrieben für Bücherwürmer.

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Veröffentlicht am 27.11.2022

Eine spannende Fortführung von Irvings "Sleepy Hollow"

Die Legende von Sleepy Hollow - Im Bann des kopflosen Reiters
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Inhalt: Dreißig Jahre ist es nun her, seit der kopflose Reiter zuletzt durch Sleepy Hollow gezogen ist. Ichabod Crane ist seitdem verschwunden; Brom Van Brunt und Katrina Van Tassel haben geheiratet. Mittlerweile ...

Inhalt: Dreißig Jahre ist es nun her, seit der kopflose Reiter zuletzt durch Sleepy Hollow gezogen ist. Ichabod Crane ist seitdem verschwunden; Brom Van Brunt und Katrina Van Tassel haben geheiratet. Mittlerweile durchstromert Ben, das 14-jährige Enkelkind von Brom und Katrina, die Wälder rund um die schläfrige Schlucht. Doch plötzlich wird die Leiche eines Jungen gefunden – mit abgetrennten Händen und ohne Kopf. Der Reiter scheint zurück zu sein…

Persönliche Meinung: „Die Legende von Sleepy Hollow – Im Bann des kopflosen Reiters“ ist ein Fantasyhorrorroman von Christina Henry. Erschienen ist der Band in der Reihe „Die Dunklen Chroniken“, allerdings besitzt der Roman eine in sich abgeschlossene Handlung, sodass er unabhängig von den anderen Bänden gelesen werden kann. Wie der Titel schon sagt, knüpft der Roman an Washington Irvings Erzählung „Die Sage von der schläfrigen Schlucht“ an. Es handelt sich dabei weniger um eine Umschreibung der Geschichte Irvings als vielmehr um eine Fortsetzung dieser: Die Fäden, die Irving (mehr oder weniger) offenlässt, werden von Henry aufgegriffen und schön weitergesponnen (wie genau dies erfolgt, möchte ich hier nicht verraten 🙃). Da Henry sich ausdrücklich auf Irving bezieht, ist es sinnvoll, zunächst Irvings kurze Erzählung zu lesen. Es ist zwar kein Muss, da in Henrys Fortführung alle notwendigen Informationen gegeben werden, allerdings steigert es den Lesegenuss umso mehr, wenn man das Original kennt. Erzählt wird „Im Bann des kopflosen Reiters“ aus der Ich-Perspektive des 14-jährigen Ben Van Brunt. Durch diese Perspektivierung treten – neben den vorhandenen Fantasy- und Horrorelementen – auch Coming of Age-Elemente in die Handlung: Ben (eigentlich: Bente) ist biologisch weiblich, identifiziert sich aber als männlich – was zu einigen Konflikten mit Katrina führt, der es schwerfällt, dies zu akzeptieren (dieser Konflikt zwischen den beiden, der sich durch die Handlung zieht, wird lebendig dargestellt). Daneben trumpft „Im Bann des kopflosen Reiters“ erzählerisch mit einer düster-dichten Atmosphäre auf: Mehrmals finden sich gespenstische Szenen und besonders die Beschreibung der Wälder um Sleepy Hollow ist sehr atmosphärisch. Für eine hohe Spannungskurve sorgt ein leichter Hauch Mystery, durch den die Handlung kaum vorhersehbar ist. Insgesamt ist „Die Legende von Sleepy Hollow – Im Bann des kopflosen Reiters“ eine spannende, atmosphärisch dichte Fortführung von Irvings Original, die einen tollen Protagonisten besitzt.

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Veröffentlicht am 16.09.2022

Ein unaufgeregt erzähltes und dadurch fesselndes Locked Room Mystery

Die rätselhaften Honjin-Morde
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Inhalt: Das Dorf O. in Japan, 1937. Die Familie Ichiyanagi feiert die Hochzeit des ältesten Sohnes Kenzo und seiner Verlobten Katsuko. In der Nacht nach der Feier werden die Gäste plötzlich von markerschütternden ...

Inhalt: Das Dorf O. in Japan, 1937. Die Familie Ichiyanagi feiert die Hochzeit des ältesten Sohnes Kenzo und seiner Verlobten Katsuko. In der Nacht nach der Feier werden die Gäste plötzlich von markerschütternden Schreien geweckt, denen der Klang einer Koto folgt. Beide Geräusche scheinen aus dem Schlafzimmer Kenzos und Katsukos zu kommen, doch das Zimmer ist verschlossen und muss erst offengebrochen werden. Als dies gelingt, kann nur noch der Tod der frisch Vermählten festgestellt werden. Dem Onkel der Braut kommt der Fall seltsam vor, sodass er den Privatdetektiv Kosuke Kindaichi einschaltet.

Persönliche Meinung: „Die rätselhaften Honjin-Morde“ ist ein Kriminalroman von Seishi Yokomizo. Die japanische Originalausgabe des Romans erschien bereits 1946 und ist nun erstmals bei Blumenbar auf Deutsch erschienen. Erzählt wird die Handlung von einem namenlosen Ich-Erzähler, der sich als Autor von Kriminalromanen vorstellt (vielleicht baut sich Seishi Yokomizo hier auch selbst in die Handlung ein). Eigentlich ist dieser Ich-Erzähler aber ein allwissender Erzähler: Er schreibt 9 Jahre nach den Honjin-Morden, der Fall ist längst aufgeklärt und ihm liegen alle Dokumente zum Fall vor. Daher weiß er bereits zu Beginn der Handlung wie diese enden wird. Durch seine Allwissenheit steht dem Erzähler die Möglichkeit offen, die vierte Wand zu durchbrechen, was er auch mehrmals tut, um mit den Lesenden über den Fall zu diskutieren. Die Handlung des Romans beginnt gemächlich: So werden zunächst der Handlungsort, die auftretenden Figuren und seltsame Begebenheiten, die sich kurz vor den Morden ereignet haben, vorgestellt/erzählt. Nach ca. einem Viertel des Romans beginnen die Ermittlungen, die zunächst von Kommissar Isokawa angeführt werden, ehe Kosuke Kindaichi den Fall übernimmt. Der Fall selbst ist ein klassisches, schön konstruiertes Locked Room Mystery mit einigen falschen Fährten und einer wirklich überraschenden, nicht zu erahnenden Auflösung. Was mir ebenfalls sehr gut gefallen hat, ist, dass in „Die rätselhaften Honjin-Morde“ mehrmals reale Kriminalromane referenziert werden (z.B. Romane von Agatha Christie und Artur Conan Doyle; eine besondere Rolle spielt „Das Geheimnis des gelben Zimmers“ von Gaston Leroux). Der Ton der Erzählung ist unaufgeregt und sacht, sodass sich der Roman angenehm lesen lässt. Am Ende des Romans findet sich außerdem ein Glossar, in dem einige für die Handlung wichtige japanische Begriffe erklärt werden. Insgesamt ist „Die rätselhaften Honjin-Morde“ ein interessant erzählter, gerade durch seine Unaufgeregtheit fesselnder Kriminalroman mit einem klug durchdachten Fall.

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