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Veröffentlicht am 22.09.2022

Eine Verwandlung und ihre Folgen

Der letzte weiße Mann
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Der Anfang von Mohsin Hamids neuestem Roman "Der letzte weiße Mann" erinnert an Kafka: Der Protagonist, Anders, wacht eines Morgens auf und findet sich verwandelt. Es ist nicht die allmähliche Metamorphose ...

Der Anfang von Mohsin Hamids neuestem Roman "Der letzte weiße Mann" erinnert an Kafka: Der Protagonist, Anders, wacht eines Morgens auf und findet sich verwandelt. Es ist nicht die allmähliche Metamorphose in ein Insekt, doch das Erlebnis ist nicht weniger einschneidend: Denn Anders ist auf einmal dunkelhäutig. Nicht nur er hat Schwierigkeiten, sich in seinem Spiegelbild zu erkennen. Nachbarn, Kollegen, sein Chef erleben ihn als einen anderen, einen Fremden.

Anders bekommt den unterschwelligen wie auch den offenen Rassismus zu spüren, merkt, wie er selber sich anders verhält, vorsichtiger wird - etwa wenn ihm eine Gruppe weißer Männer entgegenkommt. An seinem Arbeitsplatz, einem Fitnessstudio, scheuen die Kunden plötzlich den unmittelbaren Kontakt. "Wenn mir das passiert wäre, würde ich mich umbringen", sagt Anders´Chef. Famous last words. Denn Anders ist nicht der einzige, der sich verwandelt. Immer mehr vormals Weiße haben plötzlich eine tiefbraune Hautfarbe.

Ändert sich die Identität, wenn sich das Aussehen ändert? Das ist eine Frage, die sich wie ein roter Faden durch den mit 160 Seiten eher kompakten Roman zieht. Auf jeden Fall ändern sich die Reaktion und das gesellschaftliche Klima. Es kommt zu Aggressionen, bewaffnete Männer, darunter wohl auch ehemalige Nachbarn, vertreiben auch Anders aus seinem Haus. Er flieht zu seinem Vater, einem kranken und einsilbigen Mann, der das alles zwar nicht versteht, aber zu Anders steht. In der doppelten Krise - Anders´Verwandlung und der körperliche Verfall des Vaters - finden die beiden zu einer Nähe, die sie viele Jahre nicht hatten.

Zu den wenigen, die den verwandelten Anders interessanter finden als vorher, gehört die Yoga-Lehrerin Oona, die mit ihm auf der High School war. Ihre Mutter hängt hingegen Verschwörungstheorien an und idealisiert das Weißsein - mich erinnert sie an die Anhänger von Donald Trump in den "redneck"-Regionen.

Die Jagd auch Dunkelhäutige wird obsolet, als die Verwandlungen die Mehrheitsverhältnisse umkehren - plötzlich ist fast jeder dunkel. Anders´Vater stirbt als "der letzte weiße Mann". Und doch bleiben die Menschen gespalten in diejenigen, die sich an ihr Weißsein erinnern, teils sehnsüchtig der nächsten Generation davon erzählen, und denen, die ihr Leben lang die Erfahrung gemacht haben, schon allein äußerlich einer Minderheit anzugehören.

"Der letzte weiße Mann" lässt über Identitäten nachdenken, hat stellenweise einen surrealen Humor und stellt Gewissheiten in Frage. Trotzdem hat mich das Buch nicht so stark beeindruckt wie sein Vorgänger "Exit West". Empfehlenswert in einer Zeit, in der Diversität und Identität einen viel höheren Stellenwert bekommen, ist es dennoch.

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Veröffentlicht am 20.09.2022

Vom galizischen Stetl ins Wiener Großbürgertum

Isidor
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Ein Aufstieg aus ärmlichsten Verhältnissen, Leben in der großbürgerlichen Welt am Wiener Ring, nur um am Ende verfolgt, misshandelt und auf seine jüdische Herkunftsgeschichte reduziert zu werden - die ...

Ein Aufstieg aus ärmlichsten Verhältnissen, Leben in der großbürgerlichen Welt am Wiener Ring, nur um am Ende verfolgt, misshandelt und auf seine jüdische Herkunftsgeschichte reduziert zu werden - die Geschichte von Isidor Geller in Shelly Kupferbergs Doku-Roman "Isidor" steht für einen der sechs Millionen Opfer der Shoah. Die Autorin hat in Archiven nach der Familiengeschichte geschürft und sich vor allem auf die Geschichte ihres Urgroßonkels konzentriert.

Als Kind einer streng orthodoxen Familie in einem galizischen Stetl kannten Isidor und seine Geschwister vor allem Armut und die tiefe Frömmigkeit ihrer Eltern. Intelligent und begabt, konnten zumindest die Brüder aber einen Schulbesuch an einer weltlichen Schule und nicht nur an eine Yeshiva durchsetzen, gar das Gymnasium in der nahen Kleinstadt - und so einen Blick auf die Welt außerhalb religiöser Beschränkungen werfen, feststellen, dass es auch Juden gab, die sich von manchen alten Sitten und Traditionen getrennt hatten und aufgeschlossen für die Moderne waren.

Den jungen Isidor und seine Brüder zieht es, nach "Verweltlichung" ihrer Namen, die allzu sehr an die Chassidische Stetl-Welt erinnerten, nach Wien, das Zentrum von Lebensart und deutschsprachiger Kultur. Es ist Isidor, der am weitesten vorankommt in einer Welt, die noch so manches antisemitische Vorurteil hat, aber erfolgreiche Selfmademänner und zahlungskräftige Mäzene zu schätzen weiß. Neffe Walter, der spätere Großvater der Autorin, ist für Isidor wie ein Sohnersatz.

Ein wenig ist diese Lebens- und Familiengeschichte auch ein Zeitroman der Jeckes, der deutschsprachigen Juden, die in den 1930-er Jahren angesichts zunehmender Verfolgung und in weiser Voraussicht nach Palästina auswanderten, da aber immer fremd blieben und sich einfach nicht mit der rauen Pioniergesellschaft der Kibbuzniks und Zionisten identifizieren konnen. Die Sehnsucht nach den Opern- und Konzertbühnen in Wien oder Berlin, nach den Boulevards und Kaffeehäusern, nach höflichem Umgangston und bürgerlichem Lebensumfeld sollte sie jahrzehntelang begleiten - und im Fall von Isidor war es dieser feste Glaube an die zivilisierte österreichische Gesellschaft, die ihn alle Warnzeichen ignorieren ließ.

Je weiter die Geschichte Isidors voranschreitet, desto düsterer, erwartbarer und tödlicher entwickelt sie sich. Hätte er anders handeln sollen? Sein Leben hätte er retten können. Doch in seiner Fehleinschätzung, es werde schon nicht so schlimm kommen und die Deutschen seien doch schließlich ein Volk voller Kultur, lag Isidor nicht alleine. Die Erinnerungen aus dem Familienarchiv, Bilder aus glücklicheren Zeiten, aber auch Dokumente aus den Archivstudien lassen die Autorin einen Erzählteppich weben, der beispielhaft steht für das Schicksal Zehntausender Wiener Juden. Dass Isidor nicht auf eine Opferrolle reduziert wird, sondern ein ambivalenter und komplexer Charakter ist, dem sich Kupferberg zu nähern versucht, ist ein Gewinn für das Buch.

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Veröffentlicht am 20.09.2022

Anwaltskrimi im Clanmilieu

Pirlo - Falsche Zeugen
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Mit "falsche Zeugen" von Ingo Btt bekommen Krimi-Leser zusätzlich zu einem spannenden Fall im Clanmilieu ein bißchen juristische Aufklärung: Was ist ein Zwischenverfahren, welche Regeln gelten für Anwälte, ...

Mit "falsche Zeugen" von Ingo Btt bekommen Krimi-Leser zusätzlich zu einem spannenden Fall im Clanmilieu ein bißchen juristische Aufklärung: Was ist ein Zwischenverfahren, welche Regeln gelten für Anwälte, wenn sie sich nicht straffällig machen wollen, was ist ein Vorhalt? Kein Wunder, denn Bott ist nicht nur selbst im Hauptberuf Rechtsanwalt, er teilt diesen Beruf - ebenso wie offenbar die Frisur mit seinem Protagonisten Anton Pirlo. Wobei auch Pirlo eine schillernde Figur ist, denn nicht einmal seine Anwaltskollegin Sophie Mahler weiß, dass er eigentliche aus einer arabischen Einwandererfamilie mit Verbindungen ins Clanmilieu stammt. Die deutsche Identität habe er sich dann zugelegt, weil er mit seinem Hintergrund befürchtete, so werde es nichts mit der Juristenkarriere.

Um Clans geht es auch in dem neuen Fall von Pirlo und Mahler: Ein Juniormitglied einer einflussreichen albanischen Clanfamilie soll den Anführer einer bekannten Gruppe von Neonazi-Rockern vor einem Bordell erstochen haben. Als die Polizei am Tatort eintrifft, hat der junge Mann das Messer in der Hand. Er gibt an, er habe es aus der Wunde gezogen, um sich um den Mann kümmren zu können. Wenig überraschend gibt es dennoch einen Haftbefehl. Und der Druck auf Pirlo und Mahler steigt, der albanische Clan will nämlich nur im Erfolgsfall zahlen.

Als hätten beide Anwälte nicht genug mit den beruflichen Herausforderungen zu tun, gibt es private Verwicklungen - Pirlo lernt eine bildschöne Frau kennen und verliebt sich ganz gegen seine Gewohnheiten Hals über Kopf. Sophie wiederum fühlt sich von ihrer Langzeit-Fernbeziehung unter Druck gesetzt, als er plötzlich anreist und ihr einen Heiratsantrag macht. Ganz abgesehen vom Druck des Vaters, sie solle doch endlich als Kronprinzessin in seine renommierte internationale Kanzlei einsteigen und die Strafsachen samt ihrem mitunter chaotischen Chef vergessen.

Neben Zeugen, die der Zusammenarbeit mit der Justiz einschließlich Anwälten eher skeptisch gegenüberstehen gibt es probleme, dass bei der Staatsanwaltschaft noch ein paar Rechnungen mit Pirlo wegen eines vergangenen Falls offen sind. Da wird das Berufliche schnell persönlich. Dass ausgerechnet einer von Pirlos kriminellen Brüdern dann auch noch im Umfeld des Clans auftaucht und anfängt, sich für die blonde Rechtsanwältin Mahler zu interessieren, hätte Pirlo schon gar nicht gebraucht.

Clan- und Rockermilieu sind das eine, undurchsichtige Grundstückgeschäfte das andere. Gibt es eine dritte Partei, die Interesse an dem Gebiet hat, das die Kriminellen in den vergangenen Jahren untereinander abgesteckt haben? Die Hauptverhandlung ist schon weit fortgeschritten, bis das Anwaltsteam endlich Durchblick hat.

Mitunter ist der Fall ein bißchen konstruiert, und das Rumgefummele Pirlos in seinen Haaren gerät ins Marottenhafte. Dennoch bleibt ein positiver Gesamteindruck zurück. Düsseldorfer Lokalkolorit und rheinische Stimmungsstudien runden das Buch für alle Freunde von Regionalkrimis ab, mir hat in diesem Fall besonders der Einblick in die Anwaltsabeit gefallen - auch wenn üblicherweise bei der Vorbereitung auf einen Prozess deutlich weniger action anfallen dürfte und das Aktenstudium leserfreundlich verkürzt dargestellt wird.

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Veröffentlicht am 17.09.2022

Plot mit überraschendem Twist

The Other Black Girl
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Fängt wie ein woke-Roman an, endet mit subtilem Horror und ein wenig dystopisch: "The other Black girl" von Zakiya Dalila Harris hat mich überrascht. Was halbwegs vorhersehbar und ausgesprochen zeitgeistig ...

Fängt wie ein woke-Roman an, endet mit subtilem Horror und ein wenig dystopisch: "The other Black girl" von Zakiya Dalila Harris hat mich überrascht. Was halbwegs vorhersehbar und ausgesprochen zeitgeistig wirkte, erhielt in dem Roman über eine junge Afroamerikanerin in der Verlagswelt einen völlig überraschenden, unerwarteten Twist, der das Buch zu einem unberechenbaren Leseerlebnis machte. Das fand ich schon mal ganz großartig und will hier auch möglichst wenig rumspoilern.

Der Duft von Kakaobutter, der durch die Büroflure des New Yorker Verlagshauses wabert, ist für Nella das erste Anzeichen, dass sie nicht mehr allein ist. Genauer: die einzige Schwarze im ansonsten reinweißen Umfeld des Lektorats. Dass mit Hazel-May eine weitere Afroamerikanerin für mehr Diversität sorgt, findet sie erst mal großartig. Eine natürliche Verbündete in den versteckten Mikroaggressionen, in rassistischen Stereotypen, die stets ausgeklammert werden, in der "Farbenblindheit", die aus Nella eine Verlagsmitarbeiterin wie jede andere macht, die halt zufällig schwarz ist.

Die anfängliche Begeisterung bekommt aber schon bald einen schalen Beigeschmack: Da ist der Enthusiasmus aller Vorgesetzten, der Hazel entgegenfliegt. Die Erfolge nach kurzer Zeit, für die Nella zwei Jahre lang rackern musste. Und die eigenen Komplexe: Ist Nella überhaupt Schwarz genug? Aufgewachsen ist sie schließlich in einer überwiegend weißen Kleinstadt in Connecticut. Wie ihre Mutter ließ sie sich jahrelang die Haare glätten, erst seit sie in New York ist, lässt sie sich die Haare zu einem Afro wachsen, kennt sich mit Styling-Methoden aber nicht wirklich aus. Und obendrein hat sie einen weißen Freund, auch wenn der immerhin zwei lesbische Mütter vorweisen kann.

Wie anders ist Hazel - sie kommt aus Harlem, ihre Großeltern lernten sie auch einer Demo der Bürgerrechtsbewegung kennen und mit ihren Dreadlocks kommt sie auch optisch als woke-Galleonsfigur rüber. Klar, dass sie tief eingebunden ist in schwarze Kultur und Tradition, Warum hat Nella dennoch das Gefühl, dass hier irgend etwas nicht stimmt? Und was haben die anonymen Schreiben zu bedeuten, die sie seit der Ankunft Hazels auf ihrem Schreibtisch findet und die ihr nahelegen, den Verlag zu verlassen? Hat Hazel damit zu tun? Ist nur Platz für eine Schwarze?

Ein zweiter Erzählstrang, über den hier nicht viel verraten werden soll, wirft anfangs viele Fragen auf und führt später ein in den zweiten und ganz besonderen Plot dieses Buches. Der allmähliche Weg zur Erkenntnis führt zu manchem Aha-Effekt. Und nebenbei dürften insbesondere weiße Leser so einiges über Afro-Hair und seine Herausforderungen lernen.

Daneben hält die Autorin mit ihrem Buch den gewünscht progressiven und politisch korrekten Menschen aller Pigmentmischungen wie auch denen, die sich eigener Stereotype nicht bewusst sind, den Spiegel vor - verbunden mit einer Portion Humor und Witz, insbesondere bei den Gesprächen zwischen Nella und ihrer besten Freundin Malaika, die gewissermaßen ihr Rassismus-Kompass ist. Auch so lässt sich über Rassismus und Identität schreiben.

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Veröffentlicht am 16.09.2022

Von Liebe und Angst

Fliegen oder fallen
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Schönheit kann auch ein Fluch sein. Jedenfalls im Fall von Trudy und ihrer Familie, die Anfang der 1970-er Jahre in einer Kleinstadt am St. Lorenz-Strom in Kanada leben. Trudy lebt zusammen mit ihrer ...

Schönheit kann auch ein Fluch sein. Jedenfalls im Fall von Trudy und ihrer Familie, die Anfang der 1970-er Jahre in einer Kleinstadt am St. Lorenz-Strom in Kanada leben. Trudy lebt zusammen mit ihrer Mutter und ihrer vierjährigen Nichte, von der sie fürchtet, dass sie einmal das Schicksal von Mutter, Tante und Großmutter teilen wird: Viel zu früh einen Körper zu haben, der auf Männer wie ein Magnet wirkt. Trudys Mutter hatte mit 17 Jahren ihr erstes Kind und war mit 35 Jahren Großmutter.

Trudy selbst hat sich jahrelang völlige Enthaltsamkeit verordnet, nachdem sie beinahe das frühe Mutter-Schicksal der Mutter und Schwester geteilt hätte. Damals half ihr ein Arzt, die ungewollte und viel zu frühe Schwangerschaft zu beenden. Für ihre kleine Nichte ist Trudy in Missy Martsons Roman "Fliegen oder Fallen" dennoch eine Ersatzmutter, denn ihre Schwester hat sich mit unbekanntem Ziel verzogen. Die Mutter wieder trauert weiterhin ihrer großen Liebe nach, einem leider verheirateten Mann. Entgegen dem Ruf als Schlampen-Haushalt haben die Frauen ausgesprochen wenig mit Männern zu tun. Das ändert sich erst, als Jules in die Stadt kommt - Draufgänger, Grankokanadie und mit einem Aussehen, das in Trudys Magen sofort Schmetterlinge tanzen lässt. Er will mit einem getunten Raketenauto den zwei Kilometer breiten Fluss überfliegen.

Die Vernunft sagt Trudy: Abstand halten! Aber wer hört verliebt schon auf die Vernunft? In Trudys tristen, prekären Alltag zwischen Fabrikarbeit und Versorgung der Nichte verspricht Jules Charme und Magie, eine Leichigkeit des Seins, die in ihrem Leben fremd ist. Doch wird der Sprung gelingen? Ist Jules eine Art Schmetterling, der von Blüte zu Blüte flattert und schon bald wieder weg ist? Zudem einer, auf den die heimischen Männer schnell eifersüchtig-aggressiv reagieren?

Der leicht und witzig geschriebenen Geschichte der Frauen, die an die Liebe glauben wollen, aber von der Realität oft enttäuscht wurden, wird in der Hörbuchfassung von Julia Meier interpretiert. Sie trifft genau den richtigen Ton - mal girrend und selbstironisch, mal im Kindertonfall der kleinen Mercy, mal abgeklärt und ernüchtert.

Manchmal hat "Fliegen oder Fallen" fast etwas Märchenhaftes an sich. Die Außenseiter- und Liebesgeschichte ist locker geschrieben, ohne verkitscht zu sein. Trudys Traum von einem anderen Leben ist nachvollziehbar, ihre Zweifel, ob es jemals dazu kommt ebenso. Skurrile Kleinstadttypen werden treffend skizziert und am Ende wartet eine Überraschung. Gut geschrieben und gelesen, vorwiegend heiter mit ein paar ernsten Elementen.

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