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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 22.09.2022

Sehr berührend

Neun Wünsche für Archie
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Archie Crumb ist ein bemerkenswerter Junge. Seine Geschichte klingt nicht nur auf den ersten Blick im Klappentext tragisch und aufregend zugleich, sie ist es auch von der ersten bis zur letzten Seite. ...

Archie Crumb ist ein bemerkenswerter Junge. Seine Geschichte klingt nicht nur auf den ersten Blick im Klappentext tragisch und aufregend zugleich, sie ist es auch von der ersten bis zur letzten Seite. Ich habe mit ihm mitgefiebert, habe gehofft, dass sein Leben sich wandeln kann, habe geweint und habe gelacht. So ein herzzerreißendes und trotzdem humorvolles, fantasievolles Kinderbuch zu schreiben, das muss man erst einmal schaffen.

Archie hat es in keiner Beziehung leicht. Seine Eltern sind geschieden, die Familie seines Vaters scheint ihn nicht zu wollen, seine Mutter ist zu traurig, um sich um den Haushalt zu kümmern, sodass alles an Archie hängen bleibt. In der Schule wird er gemobbt und abgesehen von seiner besten Freundin Maus hat er niemanden, der sich um ihn schert. Die Lehrenden kümmern sich nicht, befreundete Eltern kümmern sich kaum, Nachbarn sind zwar neugierig, aber eingreifen will keiner. Niemand scheint Archies Elend zu sehen, was ich im Nachhinein betrachtet eine schwierige Message finde. Kinder sollten generell nicht damit allein gelassen werden.

Dafür kommen dann die Wünsche, die Archie frei hat, sehr gelegen. Natürlich gehen auch ein paar für typisch materielle Dinge wie Pizza drauf, wie Kinder halt so sind. Aber man merkt bei Archie auch eine zögerliche Veränderung. Er wird selbstbewusster und lernt stetig, dass er nicht allein ist und dass es okay ist, für sich einzustehen. Dass man den Erwachsenen sagen darf und manchmal sogar sagen muss, wie man sich fühlt.

Das Buch strotzt nur so vor Emotionen. Archie sagt oft unheimlich bedrückende Dinge in so einem lapidaren Ton, als gehörten sie für ihn schon zum Alltag, und das ist mit Abstand das traurigste an der ganzen Sache. Dass er sein Schicksal angenommen hat, dass all diese schlimmen Dinge für ihn selbstverständlich scheinen.. dafür möchte man ihn einfach nur umarmen und ihm sagen, dass man für ihn da ist. Ihm sagen, dass es nicht so sein muss.

Mein Fazit:
Eine fesselnde und zutiefst berührende Geschichte. Mir fehlt ein wenig die Bereitschaft der Erwachsenen, sich für Archie einzusetzen, daher ziehe ich einen halben Stern ab. Aber dennoch war das Buch ein Highlight für mich!

Veröffentlicht am 29.08.2022

Tief berührend

In unserem Universum sind wir unendlich
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Vor einiger Zeit noch hätte ich mich als „nahe am Wasser gebaut“ bezeichnet und in vielerlei Hinsicht stimmt das auch. Doch bei Büchern bin ich mittlerweile vergleichsweise abgestumpft. Es braucht schon ...

Vor einiger Zeit noch hätte ich mich als „nahe am Wasser gebaut“ bezeichnet und in vielerlei Hinsicht stimmt das auch. Doch bei Büchern bin ich mittlerweile vergleichsweise abgestumpft. Es braucht schon mehr als eine halbwegs traurige Szene, um meine Emotionen überlaufen zu lassen, doch Sarah Sprinz hat es geschafft, mich mit ihrem Buch dazu zu bringen, zu heulen wie ein kleines Kind, dem man seinen Lieblingsteddy weggenommen hat. Ich brauchte erstmal etwas, um mich zu sammeln, doch dass das hier eine fast-5-Sterne-Rezension wird, das war mir schon während des Lesens klar.

Ansel und Emil haben mich von der ersten Seite an eingenommen und am Ende völlig fertig wieder entlassen. Ich habe die beiden so geliebt, ihre Dynamik, die Gespräche, die Gefühle, sie beide als Figuren. Der schüchterne Ansel, der im Laufe der Zeit lernt, für sich selbst einzustehen, und Emil, der trotz seiner Diagnose eine Lebensfreude und eine Wärme ausstrahlt, die selbst ich als kerngesunder Mensch oft nicht aufbringen kann. Die zwei ergänzen sich perfekt, stärken sich gegenseitig den Rücken, sind der Fels des anderen. Ihre Liebesgeschichte hat mich tief berührt und auch wenn in puncto Plot auf jeden Fall nicht das Rad neu erfunden wurde und die Parallelen zu „Das Schicksal ist ein mieser Verräter“ offensichtlich sind, hat mich das erstaunlicherweise nicht gestört.

Was ich etwas schade fand, ist, dass recht viel Queerfeindlichkeit im Bekanntenkreis von Ansel reproduziert wird, auch wenn er sich dagegen wehrt. Es hätte, finde ich, einfach nicht Not getan und zieht zudem die Stimmung des Buches in eine andere Richtung, als „nur“ die Traurigkeit wegen Emils Diagnose abzubilden. Zudem hätte ich eine Triggerwarnung angemessen gefunden.

Der Road Trip der zwei Jungs war eine Achterbahnfahrt der Gefühle. Ich hatte die ganze Zeit diesen Stein im Magen, weil man genau weiß, das kann nicht komplett gut gehen. Es wird Hürden und Stolpersteine geben, wenn sie es denn überhaupt schaffen, das Projekt zu beenden, dachte ich mir, und genau das habe ich auch bekommen. Hürden, Stolpersteine, Tränen, Lachen, wieder ganz, ganz viele Tränen und Schmerz. Ich war aufgelöst in Trauer, doch das Ende wiederum ist erstaunlich hoffnungsvoll. Es gibt ein Licht am Ende des Tunnels und die Lesenden werden, nachdem sie das Herz in kleine Teile zerbröselt bekommen, liebevoll mit Handfeger und Schaufel ausgestattet, um die Überreste aufkehren und wieder notdürftig verkleben zu können.

Mein Fazit:
Ich wünschte so sehr, ich könnte das Buch uneingeschränkt mit vollen 5 von 5 Sternen weiterempfehlen, denn über weite Strecken hat es mich unheimlich berührt, aber die Punkte Queerfeindlichkeit und Trigger waren mir zu wichtig, als dass ich sie hätte unkommentiert lassen können. Daher werden es angeknackste 4,5 von 5 Sternen, die dennoch mit einer eindringlichen Leseempfehlung meinerseits einhergehen.

Veröffentlicht am 29.08.2022

Fantasievoll und fesselnd

Daresh – Im Herz des Weißen Waldes
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Daresh war eines dieser Bücher, an die ich im Vorfeld kaum Erwartungen hatte und die mich dann umso positiver überraschen. Von Katja Brandis hatte ich bereits viel Gutes gehört und kannte auch eins ihrer ...

Daresh war eines dieser Bücher, an die ich im Vorfeld kaum Erwartungen hatte und die mich dann umso positiver überraschen. Von Katja Brandis hatte ich bereits viel Gutes gehört und kannte auch eins ihrer Werke schon, aber dennoch scheute ich mich, mit zu vielen Highlight-Hoffnungen an die Geschichte heranzugehen. Belohnt wurde das mit einem fantasievollen und fesselnden Leseerlebnis, welches Lust auf mehr macht.

Daresh ist eine faszinierende Welt mit einem großartigen Völkersystem. Ich fand es unheimlich spannend zu sehen, welche Gilden es unter den Menschen gibt, was sie jeweils ausmacht, welche tierischen Ausprägungen unter den Halbmenschen zu finden sind und wie ihr Umgang miteinander aussieht. Daresh ist gleichermaßen geprägt von Bündnissen und Misstrauen den anderen gegenüber, doch im Laufe der Geschichte kann man langsam aber sicher verfolgen, wie die Menschen und Halbmenschen erkennen, wie stark sie zusammen sind, wenn sie ihre Vorurteile ablegen.

Die Protagonistin Rena leistet einen wichtigen Beitrag zu dieser Veränderung. Was sie als Angehörige der Erdgilde teilweise an Beleidigungen einstecken musste, hätte mich längst explodieren lassen vor Wut, aber sie bleibt meist erstaunlich besonnen, was sie, finde ich, oft ein wenig älter wirken lässt, als sie ist. Sie schafft es, ein Umdenken zu zu erwirken und das finde ich sehr beeindruckend. Ihre selbstbewusste und mutige Art macht sie für die Lesenden sympathisch und ermöglicht es einem, stets mit ihr mitzufiebern, obwohl das Buch nicht aus ihrer Ich-Perspektive geschrieben ist.

Neben den verschiedenen Völkern in Daresh mochte ich auch das Setting sehr. Rena reist viel und ich konnte mir die unterschiedlichen Städte und Landschaften wunderbar ausmalen, die Autorin hat ein lebendiges Bild in meinem Kopf gezeichnet und mich stets aufmerksam bei der Stange gehalten.
Einzig die kleine Liebesgeschichte, die sich nebenbei entwickelte, konnte ich nicht so fühlen und empfand ich dadurch stellenweise als etwas störend.

Mein Fazit:
Das runde Ende dieses schönen Buches lässt einen gedanklich vorerst einen Schlussstrich ziehen, aber ich freue mich dennoch sehr auf die Fortsetzung. Bis auf den genannten Kritikpunkt bin ich wirklich zufrieden mit der Geschichte und kann sie allen Jugendbuch-Fantasy-Begeisterten bedenkenlos ans Herz legen.
4,5 von 5 Sternen gibt es von mir.

Veröffentlicht am 17.08.2022

Einfach nur zauberhaft

Faye Fox 1. Eine Prise Wunder hilft bei jedem Fluch
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Freitag „Faye“ Fox erlebt in diesem Buch eine außergewöhnliche Geschichte, wie ich sie bisher noch nie gelesen habe. Ich bin unglaublich froh, dieses Büchlein zu mir geholt zu haben, und möchte keine Seite ...

Freitag „Faye“ Fox erlebt in diesem Buch eine außergewöhnliche Geschichte, wie ich sie bisher noch nie gelesen habe. Ich bin unglaublich froh, dieses Büchlein zu mir geholt zu haben, und möchte keine Seite davon missen! Fantastisch und spannend wird hier die Story eines fuchsohrigen Mädchens erzählt, was auf seiner Reise nicht nur Freunde und Familie, sondern auch sich selbst und seinen Frieden mit seinen Besonderheiten findet.

Freitag Fox, manchmal auch Faye genannt, hatte es in ihrem bisherigen Leben nicht leicht. Als Kind ausgesetzt musste sie in einem Wanderzirkus ausharren, bis sie befreit und von Madrigal, dem Nicht-Raben zu Miss Butterling und ihrem magischen Teesalon gebracht wird. Freitag ist eine außergewöhnliche Protagonistin. Man merkt deutlich, wie sehr ihr die Jahre in Gefangenschaft zugesetzt haben, und dass sie Probleme hat, Vertrauen zu fassen. Dass sie dazugehören möchte aber zugleich das Gefühl hat, wertlos zu sein und nicht fähig, Besonderes zu erschaffen.
Ihre Entwicklung im Laufe der Geschichte ist enorm. Wie sehr sie über sich selbst hinauswächst, selbstbewusster wird und anfängt an sich selbst zu glauben, ist einfach wundervoll und hat mich mit einer Menge Stolz erfüllt.

Der Teesalon mitsamt seiner magischen Bewohner war für mich ein Highlight. Noch nie habe ich einen so bunten, liebevoll beschriebenen und durch und durch gemütlich-magischen Ort in einem Buch gesehen, voller verrückter Details, skurriler Angewohnheiten und ganz viel Freundschaft und Vertrauen. Miss Butterling, ihr Gehilfe Jack und allen voran Pascal der Teegeist (ihr werdet ihn lieben!) haben es geschafft, zu einer Atmosphäre beizutragen, in die man sich einfach fallen lassen möchte und die man genießen kann. Wenn ich könnte, würde ich selbst die Truppe in ihrem flamingo-beinigen Laden begleiten, tagelang in der wuseligen Küche stehen, tonnenweise Kuchen futtern und Tee trinken, bis ich platze.

Die Spannung, ausgelöst durch den bösen Mr. Gram, der bereits im Klappentext erwähnt wird, zieht sich konstant durch das Buch. Freitag muss all ihren Mut zusammennehmen, sich ihrer Vergangenheit stellen und dann entscheiden, wofür es sich wirklich zu kämpfen lohnt. Es gibt viele brenzlige Situationen, in denen ich mitfiebern konnte, gebangt und gehofft habe, alles möge gut ausgehen. Langweilig wurde es zwischen diesen Buchdeckeln auf jeden Fall nicht!

Einen Kritikpunkt habe ich jedoch, und das ist der Anfang dieser Geschichte. In den ersten 30 Seiten passiert schon so viel wichtiges, Plot-relevantes dass es überstürzt wirkt. Faye trifft folgenschwere Entscheidungen und das gefühlt ohne eine Sekunde darüber nachzudenken, was in Anbetracht der Zeit in Gefangenschaft, die sie den Menschen gegenüber hätte misstrauischer werden lassen sollen, nicht realistisch erscheint. Das finde ich etwas schade, aber nach einem Moment des Ärgers kommt man schnell drüber weg, falls es einem denn überhaupt negativ auffällt.

Mein Fazit:
Der angenehme, zielgruppengerechte Schreibstil führt die Lesenden hinein in ein zauberhaftes Abenteuer, an dem sowohl Groß als auch Klein enorme Freude haben werden. Trefft Faye Fox und erlebt eine skurril-fantastische Welt, die ihr so bald nicht mehr vergessen werdet.
Wegen meines Kritikpunktes gibt es keine vollen 5, aber sehr wohlwollende 4,5 Sterne.

Veröffentlicht am 11.08.2022

Intensives Buch

Mein letzter Livestream – und alle schauen zu
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Mein letzter Livestream ist ein Buch, über dessen Schwere man sich im Vorfeld unbedingt im Klaren sein sollte. Es geht nicht nur um Suizidgedanken, sondern auch um die Planung der konkreten Umsetzung, ...

Mein letzter Livestream ist ein Buch, über dessen Schwere man sich im Vorfeld unbedingt im Klaren sein sollte. Es geht nicht nur um Suizidgedanken, sondern auch um die Planung der konkreten Umsetzung, wie aus dem Klappentext schon hervorgeht. Bitte bedenkt das, bevor ihr zu der Geschichte greift und passt währenddessen auf euch auf.

Butter und ich hatte eine interessante Reise zusammen. Ich muss gestehen, dass ich bis zum letzten Viertel oft nicht wirklich wusste, was ich von ihm, seinen Gedanken und seinem Handeln halten soll, da alles irgendwie wirkte, als würde es nicht so richtig zusammenpassen. Doch am Ende ergab es rückblickend Sinn und nahm mich dann umso intensiver für sich ein, dass ich beinahe vergaß, was mich im Vorfeld überhaupt gestört hatte.

Ich werde versuchen, das noch näher zu erläutern, möglichst ohne zu spoilern. Butter hat genug davon, er selbst in seinem übergewichtigen Körper zu sein, und möchte dem öffentlich ein Ende setzen. Dass auf dieses Vorhaben mit Begeisterung seitens seiner Mitschüler reagiert wird, kann und möchte ich mir ausschließlich damit erklären, dass keiner seinen Behauptungen Glauben schenkt und lediglich die Geste spannend findet, was ich aber fast genauso schlimm finde wie den Gedanken daran, dass sie ihm doch glauben könnten und es feiern, anstatt jemand Erwachsenen darüber zu benachrichtigen.

Butter hingegen wirkt oft so, als schwanke er in seiner Entschlossenheit, oder viel mehr, als wolle er gar nicht, dass ihm jemand glaubt. Auf den ersten Blick wirkte das sehr sprunghaft und nicht nachvollziehbar auf mich. Allerdings könnte man das damit erklären, dass wenn ihm jemand glaubte, eine Meldung an Lehrer, Eltern oder Polizei ihm einen Strich durch die Rechnung machen könnte und Butter das verhindern möchte.
Ihr merkt, es war ein Auf und Ab der Gefühle, ein stetiges „Macht er es? Oder macht er es nicht?“, was sich durch das Buch zieht und mir bis zuletzt wirklich ein Rätsel aufgab. Ich habe mitgefiebert, gegrübelt, gebangt und hätte Butter abwechselnd gern schützend in den Arm genommen und ihn geschüttelt für seine Pläne. Mir lag das Buch noch lange nach dem Beenden im Magen, ich habe viel darüber nachgedacht. Über Butter, wie er sich gefühlt hat, über mich selbst, über seine Mitschüler, über seine Eltern. Auch die Aufarbeitung der ganzen Thematik am Ende gefiel mir gut.

Dass Butter aus seiner Ich-Perspektive berichtet, verleiht dem Geschehen noch mal eine ganz andere Tiefe und sorgt oft für widerwillige Gänsehaut. Was er erleben musste, wie intensiv er seine Eindrücke schildert, das geht an die Nieren. Der lebendige, eindringliche Schreibstil hält einen konstanten Lesefluss aufrecht und ermöglicht den Lesenden wie ich finde ein müheloses Vorankommen.
Neben der Story um Butter und sein Gewicht zeichnet sich auch so etwas wie eine Liebesgeschichte ab. Eine, die mich lange nicht überzeugen konnte, zum Ende hin aber langsam die Kurze kriegt. Ich kann nicht näher darauf eingehen ohne zu spoilern, aber ihr werdet sehen, was ich meine.

Mein Fazit:
Auch wenn ich streckenweise etwas unsicher war, was ich von Butter und seiner Geschichte halten soll, so glaube ich insgesamt doch sehr gut in alles hineingefunden und es verstanden zu haben. Ich habe besonders das letzte Viertel verschlungen und intensiv mit Butter mitgefühlt. Rückblickend war das Leseerlebnis viel zu einnehmend für „nur“ 4 Sterne, aber aufgrund anfänglicher Skepsis und werden es keine vollen 5, sondern 4,5.