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Veröffentlicht am 26.09.2022

Ein außerordentlich gutes Sachbuch

Die Hohenzollern und die Nazis
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Die große „Familie“ der Hohenzollern war und ist stets bemüht, sich im rechten Licht darzustellen. Sie engagieren Journalisten, Reporter und PR-Berater. Jedoch müssen sie sich gefallen lassen, dass auch ...

Die große „Familie“ der Hohenzollern war und ist stets bemüht, sich im rechten Licht darzustellen. Sie engagieren Journalisten, Reporter und PR-Berater. Jedoch müssen sie sich gefallen lassen, dass auch ihre polierte Seite einige Macken hat. Wie war denn der Kaiser tatsächlich? Also, wie stand er zu den Nationalsozialisten und wie verbrachte er seine Zeit im „Exil“? Welche Fotografien von ihm und seinen Söhnen wurden nur für´s Volk gemacht und veröffentlicht. Eine spannende Reise in die Vergangenheit und Antworten auf viele Fragen bietet das Buch „Die Hohenzollern und die Nazis“. Der Autor Stephan Malinowski schaffte es damit auf den ersten Platz beim #DSP22. Herzlichen Glückwunsch.

Dass Kaiser Wilhelm abdanken musste und in die Niederlande floh, lernten wir in der Schule. Wie er dort seine Zeit verbrachte und was derweil die Söhne umtrieb, das kommt erst nach und nach ans Licht. Bis heute gibt es immer wieder Schriften, die auch für dieses Buch als Grundlage dienten. Es gilt als erwiesen, dass die Hohenzollern aktiv tätig waren, die Nationalsozialisten bei ihrem Streben nach Macht zu unterstützen. Der Autor nennt es gar eine „symbolisch – politische Allianz“. In dem Sachbuch werden Republikfeinde beim Namen genannt und der Aufstieg Hitlers konkretisiert.

Noch ein Zitat, welches die Verbundenheit des Kaiserhauses zu Hitler zeigt:

„Lieber Herr Hitler! ….führen Sie diese herrliche nationale Bewegung hinein in die fruchtbringende Arbeit.“ Das schrieb der Kronprinz Wilhelm an sein Vorbild.

Viele Quellen berichten davon und sie wurden von Herrn Malinowski gefunden und zur Unterstreichung der Wahrheit herangezogen. Zudem konnte er auch etliche Fotos nutzen und damit das Buch noch abwechslungsreicher gestalten.

Es gibt ja Sachbücher, die lassen sich nur mühsam lesen. Ihre Schöpfer zeigen dabei häufig, dass sie Latein lernten oder wissenschaftliche Zusammenhänge in der Quantenchemie kennen. Also, nichts für Menschen, die kein Studium abschlossen oder sich auf ein Thema fixierten.
„Die Hohenzollern und die Nazis“ hebt sich wohltuend davon ab. Die Sprache ist gehoben aber niemals abgehoben. Neben trockenen Passagen gibt es immer wieder humorvolle Abschnitte, die das Lesen zu einem Vergnügen machten. Meine Empfehlung für dieses Werk gilt ohne Abstriche. Für alle, die sich für die Historie Deutschlands ab 1918 interessieren eigentlich ein Muss.

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Veröffentlicht am 23.09.2022

Erneut konnte mich Frau Jachina fesseln

Wo vielleicht das Leben wartet
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„Wo vielleicht das Leben wartet“ beschreibt die große Hungersnot im Wolgagebiet. Das Jahr 1923 forderte unendlich viele Tote und zahlreiche von ihnen waren Kinder. Das wollen einige Männer ändern und bestimmen ...

„Wo vielleicht das Leben wartet“ beschreibt die große Hungersnot im Wolgagebiet. Das Jahr 1923 forderte unendlich viele Tote und zahlreiche von ihnen waren Kinder. Das wollen einige Männer ändern und bestimmen den ehemaligen Soldaten Dejew, 500 Kinder mit der Eisenbahn bis nach Turkestan zu bringen. Der „Marschbefehl“ wurde am 09. Oktober 1923 unterschrieben. Die Reise geht über 4.000 Werst, das sind 4.272 km und wird 6 Wochen dauern. Eigentlich kein Problem in einem warmen Zug mit Schlafplätzen, Küche und Bädern, so wie wir uns das heute vorstellen. Dejew, der schon lange bei der Eisenbahn beschäftigt ist und bereits viele Transporte begleitete weiß, was auf ihn zukommt. Im ersten Moment zögert er daher auch, dem Auftrag zuzustimmen. Er denkt allerdings an die Kinder und will sie auf der weiten Fahrt begleiten.

Es ist der zweite Roman, den ich von Gusel Jachina las. Mir gefällt ihr eigenwilliger Stil und ihre faktenreichen Erzählungen. Wie Dejew zunächst die Wagen zusammensuchen muss, die den Kindern für etliche Wochen ein zuhause sein werden. Wie er die selbstbewusste und harte Genossin Belaja kennenlernt und immer wieder mit ihr aneinandergerät. Wie er sich große Sorgen um die Gesundheit der Schwächsten macht und immer wieder an seine Grenzen kommt.

Kaum Proviant und unterwegs durch ein Gebiet, wo Bürger aufeinander schießen. Immer wieder muss Dejew sich etwas einfallen lassen, um seine Lieben versorgen zu können. Ich fieberte mit ihm und das nur, dank der so lebendig beschriebenen Ereignisse. Wer Gusel Jachina nicht kennt, der wird eine Weile brauchen, bis er der Erzählung folgen kann. Aber für mich ist gewiss, dass es sich für jeden lohnt, dieses Buch zu lesen. Zumal im Jahr 2022 das Thema Russland leider wieder hochaktuell ist.

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Veröffentlicht am 22.09.2022

Ein wertvolles Buch über eine gefährliche Flucht

Die Nackten fürchten kein Wasser
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Omar ist jung und sieht in Afghanistan keine Perspektive. Als Übersetzer und Fahrer auch von Deutschen weiß er, dass ihn nur die Ausreise nach USA vorwärts bringen kann. Seine Anträge werden aber immer ...

Omar ist jung und sieht in Afghanistan keine Perspektive. Als Übersetzer und Fahrer auch von Deutschen weiß er, dass ihn nur die Ausreise nach USA vorwärts bringen kann. Seine Anträge werden aber immer wieder abgelehnt. Zwei Jahre kämpft er und jetzt steht sein Entschluss fest. Mit der Hilfe von Schleusern muss er sich auf den gefährlichen Weg nach Europa begeben.

Oh ja, es gibt ihn. Den Staatsangehörigkeitsbonus. Will sagen, dass es bei der Anerkennung von Geflüchteten nicht auf den Grund der Flucht ankommt, sondern darauf, aus welchem Land der Antragsteller stammt. Wer kennt diese Situation besser als jemand, der diese Situation hautnah erlebte? Matthieu Aikins ist Autor des Buches „Die Nackten fürchten kein Wasser“. Als Kriegsreporter lernte er den jungen Mann namens Omar kennen und schätzen. Ja, sie verbindet eine Freundschaft.

Beim Lesen des Buches wurde ich sehr schnell in eine Welt entführt, die so gar nicht meiner Lebenssituation entspricht. Der Autor verstand es, mir vor Augen zu führen, wie dankbar ich sein darf. Es ist nicht nachvollziehbar, dass Herr Aikins sich gemeinsam mit weiteren Flüchtlingen auf die weite und gefährliche Reise nach Europa machte. Seine Erlebnisse niederzuschreiben und das in einer Form, die mich als Leser mitzieht, verdient meine Achtung.

Das Buch liest sich wie ein Spannungsroman, ist aber bittere Wahrheit und das macht es so berührend. Aber auch das Cover wurde stimmig und zu diesem ernsten Thema passend gewählt. Fünf Sterne plus und eine klare Leseempfehlung gibt es von mir.

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Veröffentlicht am 16.09.2022

Ein Schweinchen namens Daphne

Der Tote im Zoo
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„Der Tote im Zoo“ verlangt der Ermittlerin Inga Haarmann so einiges ab. Dabei ist es ihr erster Fall in der neuen Dienststelle und so richtig kennt sie sich mit den Gegebenheiten vor Ort nicht aus. Aber ...

„Der Tote im Zoo“ verlangt der Ermittlerin Inga Haarmann so einiges ab. Dabei ist es ihr erster Fall in der neuen Dienststelle und so richtig kennt sie sich mit den Gegebenheiten vor Ort nicht aus. Aber was soll´s. Sie wollte den Wechsel und gibt ihr Bestes. Dabei ist der erste Blick auf den Toten absolut nicht für schwache Nerven geeignet. Und da gibt es auch noch einen Aufruf von Tierschützern, die mit der Haltungsform eines Zoos absolut nicht einverstanden sind.

Neben solider Spannung gefielen mir die Dialoge der Akteure gut. Der Fall war nachvollziehbar und es gab kein übertriebenes Blutvergießen. Die Autorin brachte mich immer wieder dazu, das ich voreilige Schlüsse zog und den Mörder schon sehr bald überführte. Dann kam allerdings eine Wendung, mit der ich so gar nicht rechnete. Und das war gut. Denn wenn ich schon im Mittelteil des Buches weiß, wer der Täter ist, dann lege ich das Werk zur Seite.

Sehr gut gelungen ist auch das Cover. Das kleine Schwein Daphne ist nun mal die „Hauptperson“ des Buches und perfekt in Szene gesetzt.

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Veröffentlicht am 31.08.2022

Spannender Thriller mit Tiefgang

Silent Scream – Wie lange kannst du schweigen?
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„Ihr stummer Schrei“ ist weit mehr, als ein spannender Thriller. Er beschreibt die Suche nach Mördern, die vor einem Jahrzehnt ihr Unwesen in einem Internat trieben. Hier lebten Kinder, deren Eltern nicht ...

„Ihr stummer Schrei“ ist weit mehr, als ein spannender Thriller. Er beschreibt die Suche nach Mördern, die vor einem Jahrzehnt ihr Unwesen in einem Internat trieben. Hier lebten Kinder, deren Eltern nicht für sie sorgen konnten oder wollten. Das Verbrechen wurde publik, als Archäologen bei Grabungen auf Menschenknochen stießen, die keineswegs aus dem Mittelalter stammten. Niemand weiß besser, wie es den Kindern des Internats ging, als die Ermittlerin Kim. Sie will die Täter finden und sie ihrer gerechten Strafe zuführen. Dabei gerät sie selbst in Lebensgefahr.

Kim ist ein Beispiel für Menschen, die trotz einer leidvollen Kindheit ihren Weg gehen. Darin besteht für mich die Botschaft des Thrillers. Aber das Buch hat viel mehr Aussagen. Die Spannung steigt langsam und bleibt bis zum Schluss bestehen. Auch die Auflösung ist gut durchdacht und war für mich so nicht vorhersehbar. Mir gefielen nicht nur die zahlreichen Wendungen. Auch die Darstellung menschlicher Tragödien ist gelungen. Hin und wieder waren mir die Beschreibung der Tathergänge allerdings zu brutal.

Dieses Mal gefällt mir aber auch der Titel des Thrillers besonders gut. Er passt hervorragend zur Handlung und verdeutlicht, zu welchen außerordentlichen Handlungen Menschen fähig sind. Der Übersetzerin Elvira Willems gratuliere ich zu ihrer sehr guten Arbeit. Endlich mal wieder ein Buch, welches die Bezeichnung Thriller verdient.

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