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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 04.11.2022

Zeitsprünge

Der Leuchtturm an der Schwelle der Zeit
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Die Engländer haben die Seeschlacht bei Trafalgar verloren. England gehört zu Frankreich.
Das ist das Szenario, in dem Joe Tournier 1898 in einem Londoner Bahnhof erwacht. Er hat sein Gedächtnis vollständig ...

Die Engländer haben die Seeschlacht bei Trafalgar verloren. England gehört zu Frankreich.
Das ist das Szenario, in dem Joe Tournier 1898 in einem Londoner Bahnhof erwacht. Er hat sein Gedächtnis vollständig verloren. Nur durch eine Zeitungsanzeige findet er in den Haushalt zurück, dem er entstammt. Hinweise auf einen Leuchtturm und an eine Frau M. führen ihn schließlich nach Schottland, wo eine komplizierte Zeitreise ihren Anfang nimmt.
Joe wird um hundert Jahre zurückgeworfen, und mit ihm nimmt auch der Leser sehr intensiv an der Seeschlacht teil. Das ist nichts für Zartbesaitete.
Die Autorin Natasha Pulley ist mir noch von '"Der Uhrmacher in der Filigree Street" in bester Erinnerung. Auch hier besticht sie wieder mit ihrer bildhaften Erzählweise, die den Leser in die Geschichte bannt. Doch für mich war es ziemlich anstrengend, die Zeitsprünge logisch zu verarbeiten. Deswegen gibt es einen leichten Punktabzug. Trotzdem: ein geniales Buch!

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Veröffentlicht am 03.11.2022

Zwerge in U-Booten und vieles mehr

Schattenelfen - Der Gläserne Kaiser
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Ohne Kenntnisse des ersten Bandes hat mich der Autor mitten in seine Welt der Schattenelfen geworfen. Zuerst ist es noch ganz übersichtlich, wenn man mit Zwergen in einem U-Boot (dem Bolzenspucker) reist, ...

Ohne Kenntnisse des ersten Bandes hat mich der Autor mitten in seine Welt der Schattenelfen geworfen. Zuerst ist es noch ganz übersichtlich, wenn man mit Zwergen in einem U-Boot (dem Bolzenspucker) reist, doch schon bald gerät man mitten in die Intrigen zwischen der Elfenkönigin Emerelle und Alathaia, der Herrscherin über Langollion. Beide brauchen die Hilfe des Gläsernen Kaisers, um zu gewinnen, doch dieser entpuppt sich als gewissenloses Monster....
Es ist mir ziemlich schwergefallen, in diese komplexe Handlung hineinzufinden. Es gibt so viele Charaktere (am Ende des Buches gibt es glücklicherweise ein Glossar), einer sagenhafter als der andere. Es ist schier unmöglich, den Verlauf der Handlung vorauszuahnen. Eigentlich blättert man staunend von Seite zu Seite und ist hinterher traurig über das etwas abrupte Ende.
Man sollte nach Möglichkeit wirklich mit dem ersten Band der Schattenelfen beginnen, auch wenn ich mich nach einiger Zeit auch ohne Vorkenntnisse einlesen konnte. Für mich ist es überhaupt das erste Buch dieses Autors und ich kenne nichts Vergleichbares. Wer sich in einer Fantasy-Welt mit viel Action versenken möchte, der ist hier genau richtig.

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Veröffentlicht am 27.10.2022

Rachejagd

Rachejagd - Gequält
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Sci-Fi, Fantasy, Kinderfantasy und jetzt auch noch Thriller: Andreas Suchanek überrascht immer mit seiner Vielseitigkeit. 
In seinem neuesten Buch geht es um Anna, die vor Jahren Opfer eines Psychopathen ...

Sci-Fi, Fantasy, Kinderfantasy und jetzt auch noch Thriller: Andreas Suchanek überrascht immer mit seiner Vielseitigkeit. 
In seinem neuesten Buch geht es um Anna, die vor Jahren Opfer eines Psychopathen war und nur knapp entkommen konnte. Ihre Freundin starb damals leider. Anna ist eine starke Persönlichkeit. Sie hat sich ein gutes Leben als Journalistin aufbauen können. Doch der Täter taucht plötzlich wieder auf und stalkt sie erneut, raffiniert und brutal geht er dabei vor. Anna findet Halt und Hilfe bei ihrem guten Freund Zane, ihrem Ex-Freund Nick vom FBI und einer Psychologin. Die vier stellen sich dem Wahnsinn entgegen. Eine lebensgefährliche Jagd beginnt, die sich zum Ende sogar noch steigern kann. Dieses Ende hat es in sich. Der Fall ist im Großen und Ganzen aufgeklärt, aber dennoch bleibt ein dunkles Geheimnis bestehen, dass einen ungeduldig auf den Folgeband warten lässt.
Der Schreibstil des Autors ist wie immer gekonnt und rasant, die Story ist ein Pageturner. Mir gefällt gut, dass alle Protagonisten ohne Ausnahme sehr sympathisch sind. Selbst Anna ist nach ihrer schlimmen Vergangenheit nicht seltsam, sondern ganz im Gegenteil eine taffe junge Frau geworden. Als Leser wird man sofort in das Geschehen hineinversetzt, ohne große Erklärungen ist man mittendrin. Das Spannungslevel ist gleichbleibend hoch und erfüllt alle Erwartungen an einen Thriller. 

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Veröffentlicht am 21.10.2022

Kaffeekleckernde Kommissarin

Mörderisches Isarflimmern
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Dies ist der erste Band einer neuen Krimireihe.
In der Alten Pinakothek ist ein riesiges Rubensgemälde gestohlen worden. Hauptkommissarin Clara Liebig reißt den Fall an sich, wird aber recht schnell von ...

Dies ist der erste Band einer neuen Krimireihe.
In der Alten Pinakothek ist ein riesiges Rubensgemälde gestohlen worden. Hauptkommissarin Clara Liebig reißt den Fall an sich, wird aber recht schnell von ihrem ewigen Konkurrenten Reitmayer ausgebootet. In ihrer Hand bleibt ein zwar ebenso interessanter, aber leider weniger öffentlichkeitswirksamer Frauenmord am Isarufer. Sie findet das entscheidende Puzzleteilchen, um alles aufzuklären, gerät aber dadurch selbst in Lebensgefahr.
Für mich hebt dieses spektakuläre Finale mit den nicht vorhersehbaren Querverbindungen diesen ansonsten eher müden Krimi gerade noch mal auf 4-Lesesterne-Niveau.
Das Team um Clara Liebig ist sehr sympathisch. Vor allem der Neue ist ein cleveres Kerlchen, auch wenn ihm Clara das Leben zur Hölle macht. Überhaupt ist sie eine eher unsympathische Person, die sehr von sich eingenommen ist. Als Leser bekommt man ihre Gedankengänge als alberne Sprechblasen geschildert und sie ist nicht in der Lage, ein sauberes Oberteil länger als einen halben Tag unbekleckert zu lassen. Witzig? Nein, nervig!
Die Ermittlungen selbst werden sehr dilettantisch durchgeführt, eben so, wie sich die Autorin eine Ermittlung eben vorstellt. Wichtige Spuren werden einfach nicht ausgewertet wegen der Animositäten zwischen Kollegen. So etwas darf es einfach nicht in der Realität geben.
Wie gesagt, das Ende hat mich mit allen Schwächen ausgesöhnt, aber ich werde nicht auf Folgebände warten.


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Veröffentlicht am 11.10.2022

interessant, aber spannungsarm

Zwischen den Meeren
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Die Autorin erzählt die Geschichte von vier Frauen aus unterschiedlichen Gesellschaftsschichten, denen von den damaligen Konventionen am Ende des 19. Jahrhunderts enge Fesseln angelegt wurden. 
Alles dreht ...

Die Autorin erzählt die Geschichte von vier Frauen aus unterschiedlichen Gesellschaftsschichten, denen von den damaligen Konventionen am Ende des 19. Jahrhunderts enge Fesseln angelegt wurden. 
Alles dreht sich um den Bau des Nord-Ostseekanals, von dem sich alle Familien Wohlstand versprechen, der aber alle an den Rand des Ruins bringt:
- Mimi ist die Tochter des verwitweten Kanalplaners, die schon früh die Verantwortung für ihre Geschwister und den Haushalt übernehmen muss.
- Justine arbeitet bis zur Erschöpfung im elterlichen Kolonialwarenladen, obwohl sie künstlerisches Talent hat. Selbstständig Geschäfte zu tätigen ist ihr als Frau    untersagt.
- Sanne hat den technischen Verstand vom Vater und Großvater geerbt. Wie gerne würde sie die Schleusen des Kanals entwerfen. Doch als Frau ist ihr dieser Weg normalerweise verschlossen.
- Regina wird von ihrem Vater in eine Ehe gezwungen, um ein finanzielles Desaster abzuwenden.

Alle vier sind intelligent und wissbegierig, doch sie finden Wege, ihre Träume halbwegs zu realisieren. Es fließen interessante Fakten über den Nord-Ostseekanal in die Handlung mit ein, ebenso über die Lebensweise der Frauen im Wilhelminischen Zeitalter. Auch wenn man viel über den Charakter der vier Protagonistinnen erfährt, werden sie nicht wirklich lebendig. Leider bleibt alles einen Hauch zu trocken, als dass man sich richtig in den Roman vertiefen könnte. Dazu kommt, dass es absolut wirklichkeitsfern ist, dass Sanne sich, so wie von der Autorin beschrieben, in die Konstruktion mit einbringen könnte.
Deswegen gibt es einen Lesestern Abzug, aber vielleicht bringt der zweite Band dieser Reihe eine Steigerung. Die Sprecherin Svantje Wascher ist schon mal eine gute Wahl.

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