Wenn der Palast zum Käfig wird - die Geschichte einer vermeintlichen Märchenprinzessin
Sisi – Kaiserin wider Willen„Sisis Gedanken überschlugen sich. Sie würde Possenhofen verlassen und am prächtigen Wiener Hof leben. Sie würde eleganten Höflingen und Hofdamen begegnen und sehen, welche Kleidung man zurzeit trug. Das ...
„Sisis Gedanken überschlugen sich. Sie würde Possenhofen verlassen und am prächtigen Wiener Hof leben. Sie würde eleganten Höflingen und Hofdamen begegnen und sehen, welche Kleidung man zurzeit trug. Das wäre eine ganz andere Welt als das einfache Leben, das sie in Possenhofen führte. Sie begannen diesen Bildern zu schwelgen - und dann machten sie ihr plötzlich Angst.“
Die junge bayerische Prinzessin Elisabeth, Sisi, begleitet ihre Schwester Helene und ihre Mutter nach Ischl, wo Helene ihren zukünftigen Mann, den österreichischen Kaiser Franz Joseph, kennenlernen soll. Doch dann kommt alles ganz anders: Franz Joseph verliebt sich in Sisi und macht dieser einen Heiratsantrag. Sisi wird schließlich Kaiserin von Österreich. Aber das Leben am Hof, die strengen Regeln bringen Sisi an ihre Grenzen. Sisi fühlt sich bald sehr einsam…
Allison Pataki schreibt gut verständlich und flüssig. Das Buch lässt sich schnell und unkompliziert lesen. Einigen Kapiteln sind passende Original-Gedichte der Kaiserin vorangestellt, die zeigen wie sich Sisi wirklich empfand. Auch dass immer wieder Goethes Werke zitiert werden, die Sisi sehr schätzte, gefällt mir.
Sisi ist wohl die berühmteste Kaiserin der Welt. Beim Volk war die junge Frau sehr beliebt, gab sie sich doch charmant, volksnah und bodenständig. Im Buch wird sie zunächst als aufgeweckte, fröhliches Mädchen voller Gefühle beschrieben. Doch das Leben bei Hof verändert sie. Aus dem unbeschwerten Kind wird eine ernste, einsame Frau, deren Sehnsucht nach Liebe unerfüllt bleibt. Mit ihrer strengen Tante Sophie gibt es oft Konflikte.
Sisi wird bevormundet, kontrolliert, fühlt sich daher immer eingesperrt und einsam: „Sie war allein, stellte sie fest. Trotz der Menschen, die sie fortwährend umgaben, war sie vollkommen allein. Und das Gefühl war weitaus schlimmer, als auf ihre Tante eifersüchtig zu sein.“
Später entwickelt Sisi ein ungesundes Körpergefühl. Anfangs war mir Sisi sympathisch, später empfand ich ihr gegenüber eher Mitleid. Auch Franz Josephs Charakter wandelt sich, er fällt im Verlauf zunehmend unangenehm auf, scheint er doch fremdbestimmt, als hätte er keine eigenen Willen, keine eigene Persönlichkeit.
Gerade die erste Hälfte hat mir recht gut gefallen, sie liest sich flott und flüssig. Sisi wirkt am Anfang in ihrer Naivität sehr erfrischend und charmant, die Geschichte, die zu Beginn stark an die Sisi-Filme erinnert, lässt Kindheitserinnerungen an die Verfilmungen aufleben. Gegen Ende zieht sich die Handlung allerdings ein wenig. „Sisi- Kaiserin wider Willen“ ist eine Romanbiographie, einige Handlungsstränge sind daher fiktiv und der Phantasie der Autorin entsprungen. Dennoch kann ich mir gut vorstellen, dass Sisi im Buch authentisch dargestellt wird: als einsamen Frau, die sich selbst verliert, obwohl sie doch eigentlich nur lieben und geliebt werden möchte.
Insgesamt für mich daher eine kurzweilige, unterhaltsame Romanbiographie mit kleinen Schwächen im Spannungsbogen.