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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 06.07.2017

Einfach weg

Manchmal musst du einfach leben
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Maribeth ist eine Mutter von 4-jährigen Zwillingen, und eine Frau die sich sehr bemüht alles im Job und Zuhause perfekt zu organisieren. Ihre Gedanken kreisen sich immer um die noch unerledigten ...

Maribeth ist eine Mutter von 4-jährigen Zwillingen, und eine Frau die sich sehr bemüht alles im Job und Zuhause perfekt zu organisieren. Ihre Gedanken kreisen sich immer um die noch unerledigten Aufgaben, und es kostet viel Mühe alles im Gleichgewicht zu halten. Bei einer Routineuntersuchung wird festgestellt, dass sie unbemerkt einen Herzinfarkt hatte, und dann überstürzen sich die Ereignisse. Schnell ist sie im Krankenhaus auf dem OP-Tisch. Nach einer kurzen Erholungszeit im Krankenhaus erwartet ihre Umgebung, dass sie schnell wieder so funktioniert wie immer, aber damit fühlt sie sich vollkommen überfordert. Sie befürchtet einen neuen Herzinfarkt, und da sie ihrer Umgebung nicht deutlich machen kann, dass sie Hilfe braucht, verschwindet sie einfach. Sie flüchtet in die Anonymität, um sich zu erholen.
Das Buch ist sehr gut geschrieben und drückt lebensnah und echt aus, wie überfordert man sich als Mutter fühlen kann. Für viele ist ihre radikale Flucht sicher unverständlich, gerade weil ihre Kinder noch sehr klein sind, aber ich finde die Autorin zeigt glaubwürdig, dass es nach Maribeths Ansicht um das reine Überleben geht. In ihrer Einsamkeit findet sie auf einem langen, mühsamen Weg zu sich selbst und gewinnt neue Kraft.
Fazit: Überforderte Mütter werden sich hier wiederfinden, auch wenn die Wenigsten sich für einen derart radikalen Ausstieg entscheiden würden.

Veröffentlicht am 06.07.2017

Höhen und Tiefen eines Polizeipfarrers

Glaube Liebe Tod (Ein Martin-Bauer-Krimi 1)
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Dieses Buch erzählt von der Aufklärung mehrere Todesfälle durch einen Polizeipfarrer. Er ist mutig und wagt es ungewöhnliche Wege zu gehen, und der Leser spürt, dass sein Glaube dabei eine große ...

Dieses Buch erzählt von der Aufklärung mehrere Todesfälle durch einen Polizeipfarrer. Er ist mutig und wagt es ungewöhnliche Wege zu gehen, und der Leser spürt, dass sein Glaube dabei eine große Rolle spielt. Vom angeblichen Selbstmord eines Polizisten, geht es um das Leben von rumänischen Mädchen, die ungewollt ins Rotlichtmilieu der Stadt geraten sind.

Das Buch ist gut geschrieben und lässt sich gut lesen, allerdings fand ich das Buch gegen Mitte der Geschichte ein bisschen zu sehr in die Länge gezogen. Dafür steigt die Spannung dann gegen Ende sehr stark an, da erinnert die Handlung fast schon an einen aktionsgeladenen Film.

Obwohl der starke Glaube von Martin Bauer gut vermittelt wird, scheint seine Gottesbeziehung nur einseitig zu sein, ein Mensch der aus seiner Besinnung Kraft schöpft, unabhängig von der Kraftquelle. Das ist etwas enttäuschend.

Alles in allem, eine spannende Geschichte.

Veröffentlicht am 17.04.2024

Viel mehr als ein Kulturgut

Und das soll man glauben?
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Der Theologe und Journalist Andreas Malessa beschäftigt sich in diesem Buch mit dem Buch aller Bücher, der Bibel. Er geht Fragen nach, wie: Hat die Bibel in unserer heutigen, aufgeklärten Zeit noch Bedeutung? ...

Der Theologe und Journalist Andreas Malessa beschäftigt sich in diesem Buch mit dem Buch aller Bücher, der Bibel. Er geht Fragen nach, wie: Hat die Bibel in unserer heutigen, aufgeklärten Zeit noch Bedeutung? Was ist christlicher Fundamentalismus, und warum kann ein wörtliches Verstehen der Bibel zu merkwürdigen Schlüssen führen?

Während er wertschätzend von der Bedeutung dieses heiligen Buches schreibt, distanziert er sich gleichzeitig von einem Glauben, der den Verstand ausschaltet. Im Zentrum steht für ihn Christus, durch den er die Bibel verstehen möchte.

Neben wundervollen, trostreichen Worten, enthält die Bibel auch Passagen, die sehr schwer zu verstehen sind. Auf diese verweist der Autor, wenn er meint, die Bibel müsse historisch-kritisch gelesen werden. Verstanden als ein Buch, das in einer bestimmten Zeit entstanden ist. Das inspiriert ist, aber nicht diktiert wurde.

Wie das Zusammenspiel von kritischem und geistgeführtem Lesen aussieht, beschreibt der Autor so: „Das »historisch-kritische« Bibellesen im betenden Dialog mit dem Auferstandenen hilft mir, knifflige Gewissensentscheidungen nicht immer nur von meinem derzeitigen Bewusstseinsstand und meinen aktuell emotionalen Befindlichkeiten her zu treffen. Sondern? Vom »Wort«. Dem gehörten, gelesenen, aus Erfahrungen interpretierten, vom Heiligen Geist inspirierten »Wort Gottes«.“

Der Schreibstil ist unterhaltsam und auch für Laien leicht zu verstehen, wobei es meiner Meinung nach nicht nötig gewesen wäre, vor allen theologischen Fachbegriffen eine Warnung auszusprechen!

Sehr vieles ist einleuchtend und gut nachvollziehbar. Doch persönlich kann ich dem Autor an einigen Stellen des Buches nicht zustimmen. Beispielsweise die Datierung der Evangelien – warum sollte Jesus als Sohn Gottes nicht prophetisches Wissen über die Zerstörung des Tempels gehabt haben? Außerdem, was die Entstehung des Kanons betrifft, kenne ich überzeugende Argumente dafür, dass sehr schnell deutlich wurde, welche Schriften zur Heiligen Schrift gehören, lange vor der offiziellen Festlegung des Kanons, die also keineswegs beliebig war. Ich stimme auch nicht zu, dass das Alte Testament eher einen rachsüchtigen Gott beschreibt, im Gegensatz zu einem gnädigen Jesus im Neuen Testament.

Doch ein Hauptanliegen dieses Buches, dass es falsch ist, wenn die Bibel einen gottgleichen Stellenwert einnimmt, ist wichtig und wird überzeugend dargelegt. Außerdem fällt eine große Wertschätzung für die Bibel auf, die auch in den vielen Verweisen auf Bibelstellen deutlich wird.

Fazit: Dieses Buch schafft eine Verbindung zwischen Bibelkritik und der Liebe zur Schrift, und es regt zum Nachdenken über ein wertvolles und zeitloses Buch ein, die Bibel. Empfehlenswert!

Veröffentlicht am 28.01.2024

Wenn Glaube sich wandelt und neu wird

Aufwärts fallen
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Priska Lachmann ist von Anfang ihres Lebens an in einer evangelikalen Gemeinde. Obwohl Christen in der DDR benachteiligt werden, ist der Glaube ein entscheidender Bestandteil des Familienlebens in ihrer ...

Priska Lachmann ist von Anfang ihres Lebens an in einer evangelikalen Gemeinde. Obwohl Christen in der DDR benachteiligt werden, ist der Glaube ein entscheidender Bestandteil des Familienlebens in ihrer Kindheit und Jugend. Sie ist begeistert dabei … in der Kinderstunde, auf Jugendfreizeiten, bei Gebetstreffen. Doch manche Predigten und Botschaften machen ihr Angst. Sie fürchtet sich vor der Hölle, sie ist sich unsicher, ob sie in den Himmel kommen wird, und sie versucht es allen rechtzumachen.

Obwohl sie gern Psychologie studieren würde, fühlt sie sich nach einem Berufungserlebnis gedrängt Theologin zu werden. Priska heiratet jung, was in ihren Kreisen keine Seltenheit ist, denn es wird eindringlich vor vorehelichen Geschlechtsverkehr gewarnt. Eine Ehe scheint da die beste Vorsorge zu sein.

Als schon nach kurzer Zeit klar ist, dass die Eheschließung ein Fehler war, zögert Priska dennoch lange sich scheiden zu lassen. Sie weiß, was dieser Schritt ihr auch in beruflicher Hinsicht kosten wird. Doch als es soweit ist, lernt sie nach einer schweren und kummervollen Zeit, ihre neugefundene Freiheit zu genießen. Dazu gesellen sich auch neue Erkenntnisse in Bezug auf ihren Glauben. Sie lernt Gott ganz anders kennen, nicht als strengen Zuchtmeister, sondern als Liebe, unbegrenzte Liebe. Es dauert trotzdem noch lange, bis sie sich von ihren Ängsten freimachen kann.

Dieses Buch ist sehr gut geschrieben und lässt sich schnell lesen. Priska schildert Erfahrungen, die viele werden nachvollziehen können, die in freikirchlichen Gemeinden aufgewachsen sind, vor allem charismatisch geprägte. Es fällt positiv auf, wie ehrlich sie über ihr Leben berichtet, dabei reflektiert sie auch über persönliche Fehler und Irrwege.

Persönlich finde ich jedoch das Ergebnis ihrer Gottessuche besorgniserregend. Nachdem sie sich von der Vorstellung eines strafenden Gottes befreit hat, bleibt ein Gott, der einfach nur gut zu den Wünschen der Menschen passt. Er liebt immer und ohne Bedingungen, und ist mit allem einverstanden, das sich gut anfühlt. Maßstäbe wie Heiligkeit verlieren an Bedeutung.

Ganz sicher ist Gott ein Gott der Liebe, der uns trotz all unserer Schwächen und Fehler maßlos liebt. Aber ich glaube nicht, dass er mit allem einverstanden ist, was sich für uns gut anfühlt. So wie das Kind, das einen ganzen Ballen Zuckerwatte verschlingt, wissen wir manchmal nicht, was wirklich gut für uns ist. Ich denke, wer sich von einem falschen Konstrukt befreit, unter dem er gelitten hat, neigt leicht dazu zu weit in die andere Richtung zu gehen. So empfinde ich dieses Buch, darum kann ich es trotz einem wunderbaren Schreibstil, der Offenheit und vielen anderen Vorzügen, nicht guten Gewissens weiterempfehlen.

Fazit: Der persönliche Lebensbericht einer jungen Frau, die unter einem strengen Gottesbild gelitten hat und von ihrem befreiten Glaubensweg erzählt. Es ist fesselnd und authentisch geschrieben und mit Sicherheit für einige hilfreich. Doch weil mir persönlich der Glaube an einen liebevollen, aber auch gerechten und heiligen Gott so sehr am Herzen liegt, kann ich es leider nicht empfehlen.

Veröffentlicht am 02.05.2023

Und irgendwie muss das Leben weitergehen

Als Großmutter im Regen tanzte
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Juni flüchtet vor ihrem gewalttätigen Ehemann. Es trifft sich gut, dass das Haus ihrer Mutter ausgemistet werden muss, denn es befindet sich auf einer verlassenen norwegischen Insel. Überrascht findet ...

Juni flüchtet vor ihrem gewalttätigen Ehemann. Es trifft sich gut, dass das Haus ihrer Mutter ausgemistet werden muss, denn es befindet sich auf einer verlassenen norwegischen Insel. Überrascht findet Juni ein Foto, das ihre Großmutter mit einem deutschen Soldaten zeigt. Zeitlich passt dieses Bild zur Geburt ihrer Mutter. Sie spürt, dass es einige Familiengeheimnisse geben muss, sie selbst hat auch ihren Vater nie kennengelernt.

Junis Großmutter Tekla verliebt sich gegen Ende des Zweiten Weltkriegs in einen deutschen Soldaten. Als er zurückgeht nach Deutschland, begleitet sie ihn als seine Ehefrau. Doch in Deutschland ist nichts so, wie es vor dem Krieg war. Tekla muss Schreckliches durchmachen, bis sie schließlich nach vielen Schicksalsschlägen nach Norwegen zurückkehren kann.

Die Geschichte um Tekla wird abwechselnd in zwei Zeitebenen erzählt. Auf der einen Seite erforscht Juni gemeinsam mit einem Freund die Familiengeschichte und findet vieles heraus, das bisher verborgen war. Dazwischen liegen immer mehrere Kapitel, die unmittelbar erzählen, was Tekla erlebt; das Kennenlernen des Soldaten, die Verachtung, die ihr in Norwegen wegen dieser Freundschaft entgegengebracht wird, die schwierige Reise in die Heimat ihres Ehemannes, das Leid in Ostdeutschland, die Nachkriegsjahre in Berlin, und schließlich der Neuanfang in Norwegen.

Diese Erzählweise sorgt dafür, dass das Buch spannend bleibt und es schwer fällt es wegzulegen. Teklas Geschichte ist tragisch, beruht aber auf Tatsachen. Die leidvollen Nachkriegsjahre in Deutschland werden gut und anschaulich dargestellt.

Junis Geschichte in der Gegenwart ist hingegen enttäuschend. Der Leser erfährt wenig über ihr Leben, sie bleibt bis zum Ende der Geschichte unglaubhaft und blass. Dazu kommt eine merkwürdige Romanze, die nicht überzeugt und eher von den wichtigen Aspekten der Geschichte ablenkt.

Fazit: Ein spannender historischer Roman über die Ehe eines deutschen Soldaten mit einer norwegischen Frau, der einen guten Einblick in das Nachkriegsdeutschland bietet und betroffen macht. Der zweite Erzählstrang enttäuscht, trotzdem ist das Buch insgesamt empfehlenswert.