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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 22.10.2022

Ein krönender Abschluss der Reihe

Labyrinth der Freiheit
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Das Buch beginnt im Jahr 1922. Die Inflation ist kaum zu ertragen. Mit der heutigen Situation nicht zu vergleichen. Die drei Freunde Artur, Isi und Carl „Schneiderssohn“ können sich gerade mal vor einem ...

Das Buch beginnt im Jahr 1922. Die Inflation ist kaum zu ertragen. Mit der heutigen Situation nicht zu vergleichen. Die drei Freunde Artur, Isi und Carl „Schneiderssohn“ können sich gerade mal vor einem Mordanschlag retten. Wer ihnen nach dem Leben trachtet ist rasch aufgeklärt. Schon damals gab es rechte Gesinnungen und deren Anhänger. Die scheuten selbst vor Mord nicht zurück. Aber, wir kennen ja die drei aus den zwei vorherigen Bänden. Sie trotzen der Gefahr selbst dann, wenn es sehr brenzlig wird.

Leider, so muss ich feststellen, soll dieser dritte Band der Reihe „Wege der Zeit“ aus dem dumontbuchverlag das letzte Buch sein. Ich muss mich also schweren Herzens von den drei Freunden verabschieden. Wie schon in den beiden Büchern zuvor, war ich beim Lesen gefangen. Von der fesselnden und bildhaften Sprache. Zu keinem Zeitpunkt kam mir der Roman künstlich in die Länge gezogen vor. Immer wieder gab es Wendungen, mit denen ich nicht rechnen konnte.

Sehr wichtig für mich sind auch die historisch belegten Fakten dieser Reihe. Es sind Romane und dennoch zeugen sie von umfangreicher Recherche des Autors und das gefiel mir. Ob Artur, Isi und Carl, würden sie heute leben, ebenfalls für das Recht von „Randgruppen“ kämpfen würden? Ich denke schon. Sie handelten nicht immer gesetzestreu, aber stets für Menschen, die sich nicht alleine helfen konnten. Schade, dass mit diesem dritten Band die Reihe abgeschlossen ist. Aber ich hoffe sehr, dass Herr Izquirdo weitere Bücher veröffentlichen wird.

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Veröffentlicht am 20.10.2022

Spannender Thriller mit Gesellschaftskritik

Die Vergessene
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Mord verjährt nicht. Das weiß auch die junge Andrea Olivier. Sie bestand soeben die Prüfung zum US-Marshall und ihr erster Auftrag erinnert sie an diesen Satz. Was geschah damals mit der Tochter der Richterin, ...

Mord verjährt nicht. Das weiß auch die junge Andrea Olivier. Sie bestand soeben die Prüfung zum US-Marshall und ihr erster Auftrag erinnert sie an diesen Satz. Was geschah damals mit der Tochter der Richterin, die jetzt Morddrohungen erhält? Emily Vaughn hieß sie und ihr Mord war an Brutalität kaum zu überbieten. Niemand wurde dafür zur Rechenschaft gezogen. Die Ermittlungen eingestellt. Jetzt, 40 Jahre später begibt sich Andrea auf Spurensuche.

Karin Slaughter versteht es, ihre Leser in den Bann zu ziehen und diesen bis zum Schluss zu halten. Die Charaktere reifen nach und nach und wer zunächst harmlos scheint, wird rasch zum Verdächtigen. Die häufigen Wendungen sind nachvollziehbar und niemals langweilig.

Was mir beim Thriller „Die Vergessene“ ebenfalls zusagte, ist die Gesellschaftskritik. So zeigt die Autorin zum Beispiel, wie Macht und das Streben danach, das Familienleben belasten. Wie schwer es zuweilen ist, die harmonische Fassade für die Öffentlichkeit aufrecht zu halten. Und das nur, weil jemand auf der Karriereleiter ganz nach oben möchte.

Abhängigkeiten sind für mich Gründe, die an Unbarmherzigkeit kaum zu überbieten sind. Was Männer dann mit jungen, unschuldigen Mädchen machen können, unvorstellbar. Zum Schluss weise ich noch auf die sehr gute Arbeit des Übersetzers hin.

Mein Fazit, ein guter Thriller, der sich zu lesen lohnt.

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Veröffentlicht am 18.10.2022

Eine unterhaltsame Lehrstunde in Geschichte

Schloss Liebenberg. Hinter dem hellen Schein
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Die 18jährige Adelheid muss Geld verdienen. In ihrem Elternhaus gibt es zu viele Esser und ihr Vater verdient nicht genug, um alle satt zu bekommen. Als Tagelöhner ist sein Lohn zudem nicht konstant und ...

Die 18jährige Adelheid muss Geld verdienen. In ihrem Elternhaus gibt es zu viele Esser und ihr Vater verdient nicht genug, um alle satt zu bekommen. Als Tagelöhner ist sein Lohn zudem nicht konstant und oft ist hier Schmalhans Küchenmeister. Wie eine göttliche Fügung kommt daher die Chance, dass sie als Stubenmädchen arbeiten darf. In einem Schloss. Mit täglich drei Mahlzeiten. Endlich mal wieder satt essen und auch den Lieben zuhause mit Geld und Nahrung helfen können. Ein Traum geht für sie in Erfüllung. Dass es in einem Haus mit vielen Angestellten auch Neider gibt, das lernt Adelheid leider am eigenen Leib. Sie ist aber genügsam und findet sich mit allem ab, was ihr geboten wird.

Die Autorin Hanna Caspian ist mir bekannt. Ich las ihre Bücher gerne und auch dieses gefiel mir gut. Der Grund liegt nicht nur an ihrem angenehmen Stil. Sie recherchiert zudem sehr genau und ihre Bücher sind eine Lehrstunde in Geschichte. Schloss Liebenberg gibt es heute noch. Dass Kaiser Wilhelm hier ein und aus ging ist belegt und so mancher Skandal, der im Buch eine Rolle spielt, ebenfalls. Schon damals wurden investigative Journalisten bedroht oder gar angegriffen. Und ja, der Skandal, der ebenfalls in „Hinter dem hellen Schein“ eine Rolle spielt, ist nicht der Fantasie der Autorin entsprungen.

Ein weiterer sehr wichtiger und positiver Aspekt bei diesem Werk ist, dass Frau Caspian nicht die Reichen und „Schönen“ als Hauptakteure ihres Romans auswählte. Nein, sie schreibt aus der Sicht der vielen „guten Geister“ im Haus des Adels. Wie hart sie arbeiten und wie sie um Anerkennung kämpfen müssen. Klar, es gibt auch Intrigen. Das bleibt aber nicht aus, da alle nur eins wollen: ihr Auskommen haben. Ich freue mich auf den zweiten Band, denn dieses Buch ist der Start einer Saga.

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Veröffentlicht am 07.10.2022

Von "Nine Eleven" bis Salman Rushdie ist alles dabei

Die Stimme
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Es sollte ein ganz besonderer Tag werden. Endlich hatte Bor um ihre Hand angehalten und heute, am 11.09. 2001 wird geheiratet. In New York, direkt neben den Zwillingstürmen. Doch mitten in der Zeremonie ...

Es sollte ein ganz besonderer Tag werden. Endlich hatte Bor um ihre Hand angehalten und heute, am 11.09. 2001 wird geheiratet. In New York, direkt neben den Zwillingstürmen. Doch mitten in der Zeremonie ein lauter Knall. Die Zeit steht still. Ein Flugzeug fliegt in einen Turm des World Trade Centers. Nur zwei Blocks von den Jungvermählten entfernt. So beginnt das Buch
„Die Stimme“ und zeigt, welche Auswirkungen Fanatismus haben kann.

Eine junge Muslimin mit dem Namen Amal mit ausdrucksstarker Stimme, gewinnt einen Gesangswettbewerb. Gleichzeitig wendet sie sich öffentlich gegen alles, was ihr bisheriges Glaubensleben ausmacht. Sie legt während einer Fernsehsendung ihren Schleier ab. Es folgen Drohungen und Stalking. Nicht nur sie ist davon betroffen. Auch das mit ihr befreundete Ehepaar Bor und Zelda mit ihren drei Kindern.

Die Ich-Erzählerin Zelda schreibt von sich: „Meine Erinnerungen sind nicht chronologisch. Lauter Fetzen.“ Ja, das stimmt und es ist nicht immer einfach, diesen „Fetzen“ zu folgen. Das Buch ist nicht nur spannend, es zeigt ebenfalls wie gefährlich es ist, sich gegen die Lehre Mohammeds und seiner Anhänger zu stellen. Das Schicksal Amals ähnelt sehr dem des Autors Salman Rushdie. Gegen ihn gab es ebenfalls eine Fatwa. Es machte mich nachdenklich und ja, es empörte mich auch. Meine Leseempfehlung gilt ohne Einschränkung.

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Veröffentlicht am 26.09.2022

Ein außerordentlich gutes Sachbuch

Die Hohenzollern und die Nazis
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Die große „Familie“ der Hohenzollern war und ist stets bemüht, sich im rechten Licht darzustellen. Sie engagieren Journalisten, Reporter und PR-Berater. Jedoch müssen sie sich gefallen lassen, dass auch ...

Die große „Familie“ der Hohenzollern war und ist stets bemüht, sich im rechten Licht darzustellen. Sie engagieren Journalisten, Reporter und PR-Berater. Jedoch müssen sie sich gefallen lassen, dass auch ihre polierte Seite einige Macken hat. Wie war denn der Kaiser tatsächlich? Also, wie stand er zu den Nationalsozialisten und wie verbrachte er seine Zeit im „Exil“? Welche Fotografien von ihm und seinen Söhnen wurden nur für´s Volk gemacht und veröffentlicht. Eine spannende Reise in die Vergangenheit und Antworten auf viele Fragen bietet das Buch „Die Hohenzollern und die Nazis“. Der Autor Stephan Malinowski schaffte es damit auf den ersten Platz beim #DSP22. Herzlichen Glückwunsch.

Dass Kaiser Wilhelm abdanken musste und in die Niederlande floh, lernten wir in der Schule. Wie er dort seine Zeit verbrachte und was derweil die Söhne umtrieb, das kommt erst nach und nach ans Licht. Bis heute gibt es immer wieder Schriften, die auch für dieses Buch als Grundlage dienten. Es gilt als erwiesen, dass die Hohenzollern aktiv tätig waren, die Nationalsozialisten bei ihrem Streben nach Macht zu unterstützen. Der Autor nennt es gar eine „symbolisch – politische Allianz“. In dem Sachbuch werden Republikfeinde beim Namen genannt und der Aufstieg Hitlers konkretisiert.

Noch ein Zitat, welches die Verbundenheit des Kaiserhauses zu Hitler zeigt:

„Lieber Herr Hitler! ….führen Sie diese herrliche nationale Bewegung hinein in die fruchtbringende Arbeit.“ Das schrieb der Kronprinz Wilhelm an sein Vorbild.

Viele Quellen berichten davon und sie wurden von Herrn Malinowski gefunden und zur Unterstreichung der Wahrheit herangezogen. Zudem konnte er auch etliche Fotos nutzen und damit das Buch noch abwechslungsreicher gestalten.

Es gibt ja Sachbücher, die lassen sich nur mühsam lesen. Ihre Schöpfer zeigen dabei häufig, dass sie Latein lernten oder wissenschaftliche Zusammenhänge in der Quantenchemie kennen. Also, nichts für Menschen, die kein Studium abschlossen oder sich auf ein Thema fixierten.
„Die Hohenzollern und die Nazis“ hebt sich wohltuend davon ab. Die Sprache ist gehoben aber niemals abgehoben. Neben trockenen Passagen gibt es immer wieder humorvolle Abschnitte, die das Lesen zu einem Vergnügen machten. Meine Empfehlung für dieses Werk gilt ohne Abstriche. Für alle, die sich für die Historie Deutschlands ab 1918 interessieren eigentlich ein Muss.

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