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Veröffentlicht am 01.11.2022

Kunst- und anspruchsvoller Gesellschafts-Krimi im Paris der 20er Jahre

Melodie des Bösen
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"Lieutenant Vioric [steuerte] am Fuß des Montmartre eine kleine Boulangerie Ecke Rue de Clichy an, stürzte einen Kaffee noch am Tresen im Stehen hinunter und kaufte zwei Pains au chocolat." (S. 45)

Bühne ...

"Lieutenant Vioric [steuerte] am Fuß des Montmartre eine kleine Boulangerie Ecke Rue de Clichy an, stürzte einen Kaffee noch am Tresen im Stehen hinunter und kaufte zwei Pains au chocolat." (S. 45)

Bühne frei für einen nicht alltäglichen Kriminalroman. Er ist vielmehr noch eine kritische Gesellschaftsstudie. Dieses Buch liest man nicht einfach mal eben locker-flockig durch. Hier muss man ein- und abtauchen und sich definitiv darauf einlassen.

Wir befinden uns in Paris im Jahr 1925. Der Jazz erobert die Clubs. Den einen gefällt's, den anderen ist es zuwider. Als auf dem Grab von Chopin ein menschliches Herz niedergelegt wird, beschwört das bei Lieutenant Julien Vioric Bilder an einen 12 Jahre alten ungelösten Fall herauf.

Britta Habekost hat einen außergewöhnlichen Schreibstil. Bild- Und wortgewaltig. Detailverliebt. Zwischen feinster Poesie und brutalem Realismus. Hier finden sich Nonchalance und Eleganz, die ich beim Cinema Francaise schätze. Auf der einen Seite feinste Poesie. Auf der anderen brutaler Realismus. Kunst und Kultur sind im Wandel begriffen. Der Jazz wird zum Symbol für die Anerkennung Schwarzer Kultur und den Kampf für die Gleichheit aller Menschen. Freidenker setzen sich dafür ein - was der rechtsextremen Action francaise wiederum ein Dorn im Auge ist. In diesem Spannungsverhältnis begegnen sich auch Ermittler Julien Vioric und sein Bruder Edouard, der Polizeipräfekt.

Die Thematik ist und bleibt wichtig und wird in großartige Bilder verpackt. Mal bunt-schillernd und dann wieder bedrückend-düster. In diesem historischen Krimi steckt ein waschechter Zeitgeist-Roman. Der Krimi steht nicht durchgängig im Vordergrund und wird teilweise vom Gesellschafts-Szenario überlagert. Das drückt dem Buch einen unverkennbaren Stempel auf.

Fazit: "Die Melodie des Bösen" ist kein typischer Krimi - und hat mir doch gut gefallen. Das Buch bewegt sich abseits vom Mainstream. Der Roman ist kunst- und anspruchsvoll. Britta Habekost trifft damit sicherlich nicht den Geschmack von jedermann. Auf mich hat "Die Melodie des Bösen" eine besondere Faszination ausgeübt.

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Veröffentlicht am 24.10.2022

Eselflüsterer trifft Influencer-Tussi

Herbstzeitleuchten
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Holt die Kuschelsocken raus, macht euch einen Tee und dann lest „Herbstzeitleuchten“ von Lotte Römer. Der Roman bietet leichte Unterhaltung mit schönem Natur-Flair und Herz. Passend zur Jahreszeit. Es ...

Holt die Kuschelsocken raus, macht euch einen Tee und dann lest „Herbstzeitleuchten“ von Lotte Römer. Der Roman bietet leichte Unterhaltung mit schönem Natur-Flair und Herz. Passend zur Jahreszeit. Es ist eben Saison und Titel sowie Cover passen gerade einfach gut. Die Blätter verfärben sich, fallen von den Bäumen und machen bei Spaziergängen wieder dieses heißgeliebte Geräusch unter den Füßen. Dazu darf es dann gerne auch ein leichter Herbstroman sein.
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Darum geht’s: Kenneth hat sein Leben nach einer Trennung und einem Burn-Out neu geordnet und seine innere Ruhe gefunden. Bei der Geburtstagsfeier eines Freundes lernt er Jassy kennen – Influencerin und auf so ganz andere Dinge als Ruhe und Natur bedacht. Trotzdem fühlen die beiden sich zueinander hingezogen…
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Das Rezept geht auf: Zwei sympathische Protagonisten, ein niedlicher Esel, Natur, Love-Interest ein bisschen Drama und dann – ZACK – Happy End. Zwar vorhersehbar, aber schön. So einfach kann’s sein. Kenneth, der geerdete Naturbursche, ist einfach ein netter Typ. Und aus Jassy wird auf der gemeinsamen Bergtour immer mehr die Jasmin, die sie mal war. Als Leser*in genießt man mit den beiden die Landschaft, atmet tief durch und kommt ganz automatisch zur Ruhe. Die Kapitel sind im Wechsel aus Sicht von Kenneth und Jassy geschrieben. Trotzdem wird Kenneth für meinen Geschmack etwas zu oberflächlich abgefrühstückt. Ich hätte gerne noch viel mehr über den Vorher-Kenneth und seinen Weg zur inneren Ruhe erfahren. So ist die Story doch recht Jassy-lastig. Sie bekommt durch die Dinge, die sie noch aufzuarbeiten hat, deutlich mehr Tiefe als der männliche Prota. Das ist etwas schade und sorgt für ein leichtes Ungleichgewicht. Dabei hätten ein paar Seiten mehr Geschichte dem 300 Seiten-Buch gar nicht geschadet.
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Fazit: „Herbstzeitleuchten“ ist eine erholsame Auszeit vom Alltagswahnsinn. Ein Wohlfühlbuch, das einfach gut unterhält.

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Veröffentlicht am 23.10.2022

Ein tolles neues Ermittler-Gespann geht an den Start

Hinter der Dunkelheit
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Ich mag die Krimis von Anna Johannsen sehr gerne. Zwei laufende Reihen der Autorin gibt es bereits. Jetzt beginnt mit "Hinter der Dunkelheit" noch eine dritte. Hier werden die Hauptkommissarin Hanna Will ...

Ich mag die Krimis von Anna Johannsen sehr gerne. Zwei laufende Reihen der Autorin gibt es bereits. Jetzt beginnt mit "Hinter der Dunkelheit" noch eine dritte. Hier werden die Hauptkommissarin Hanna Will und der Kriminalpsychologe Jan de Bruyn als neues Team beim LKA in den Ring geworfen.
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Der Anfang ist rasant. Bei einem Banküberfall treffen Hanna und Jan zum ersten Mal aufeinander. Nachdem sie diese Herausforderung gemeistert haben, erfahren sie, dass sie auch weiterhin zusammenarbeiten sollen. Vor allem Hanna ist skeptisch gegenüber dem Psycho-Heini. Aber auch Jan weiß nicht, was er von seiner Kollegin halten soll. Das äußert sich in inflationärem Augenrollen vor allem bei Hanna und einem insgesamt sehr unterhaltsamen Schlagabtausch der beiden.
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Der Krimi lebt von seinen Protagonisten und ihren Bemühungen, sich zusammenzuraufen. Beide haben private Päckchen zu tragen, die sie eigentlich nicht preisgeben wollen. Weil sie sich aber doch irgendwie sympathisch sind, öffnen sie sich einander letztendlich. Beide Charaktere sind sehr liebevoll ausgearbeitet und bekommen im Auftakt der Reihe schon richtig Tiefe.
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Im zu lösenden Fall beißen sich Hanna und Jan schnell an einem Verdächtigen fest. Es geht scheinbar "nur" darum, diese Person zu überführen. Das geht etwas zu Lasten der Spannung. Trotzdem habe ich die akribischen Ermittlungen, die immer wieder durch unkonventionelle und spontane Aktionen aufgelockert werden, gerne verfolgt. Sehr amüsant finde ich, dass die Kommissarin mit einem Wohnmobil durch die Gegend fährt. Und allgemein mag ich die teilweise recht bissigen Dialoge, die sich die Protagonisten liefern.
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Fazit: Anna Johannsen ist mit "Hinter der Dunkelheit" ein guter Auftakt ihrer neuen Reihe gelungen. Der Fokus liegt zunächst darauf, das Ermittler-Duo einzuführen. Und das gelingt. Hanna und Jan sind mir direkt sympathisch geworden und irgendwie auch schon ans Herz gewachsen. Es hat Spaß gemacht, das Gekabbel der beiden zu verfolgen. Der Anfang ist gemacht und ich denke, dass man sich auf weitere spannende Kriminalfälle mit dem ungleichen und doch so gut zusammen arbeitenden Duo freuen kann.

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Veröffentlicht am 01.10.2022

Liebes- und Familiengeschichte in Wrihnachts-Ambiente

Love Songs in London – All I (don’t) want for Christmas
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"Weihnachten mit Liams Familie macht mich glücklich - ein Gefühl wie funkelnde Lichterketten in meinem Bauch" (Zitat S. 180).
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Eigentlich ist es nur ein Fake-Date. Liam braucht eine Freundin fürs weihnachtliche ...

"Weihnachten mit Liams Familie macht mich glücklich - ein Gefühl wie funkelnde Lichterketten in meinem Bauch" (Zitat S. 180).
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Eigentlich ist es nur ein Fake-Date. Liam braucht eine Freundin fürs weihnachtliche Familientreffen. Und Febe braucht Geld für den Ski-Trip an Silvester. Also gehen der Entwickler von Spiele-Apps und die Shakespeare-zitierende Studentin einen Deal ein…
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Gegensätze ziehen sich an. Aus Fake wird Ernst. In welche Richtung das hier läuft, ist wenig überraschend. Charmant erzählt mit sympathischen Figuren und schönem Setting ist der Roman aber genau das richtige Lesefutter für ein usseliges Herbstwochenende. Ich mochte das Buch alleine deshalb schon,weil es mich irgendwie an einen meiner Lieblingsfilme erinnert hat: "Während du schliefst" mit Sandra Bullock und Bill Pullman. In dieser Weihnachtsromanze schwärmt Lucy Moderatz erst für einen schönen Unbekannten und wird dann mit ganz viel von der chaotisch-liebenswerten Großfamilie Callaghan vereinnahmt So eine Herzens-Familie sind auch die Harrisons im Debüt-Roman von Tonia Krüger.
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Ich sag' nur: London, Shakespeare, Weihnachten. ZACK, schon bin ich lesetechnisch glücklich. Fast! "All I (don't) want for christmas" war echt auf dem Weg zum 5 Sterne Herzensbuch - ist letztendlich aber knapp daran vorbeigeschrammt. Ab der Hälfte ging bei mir so ein bisschen der Lesefluss verloren. Keine Ahnung, warum. Außerdem fand ich Liams jüngeren Bruder Matt irgendwann als Person viel zu interessant. Liam und Febe sind da bei mir etwas ins Hintertreffen geraten. Nichtsdestotrotz ist "All I (don't) want for christmas" ein schöner, stimmungsvoller und romantischer Weihnachtsroman.
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Fazit: Fallenlassen. Wohlfühlen. Genießen. Weihnachten mit den Harrisons war mir ein Fest. Und wie schön ist bitte das Cover??? Keine Frage, dass sich im Januar Band 2 der Love Songs in London-Reihe in pastellgrün dazu gesellen wird.

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Veröffentlicht am 21.09.2022

Eine wild-romantische und geheimnisvolle Geschichte

Als der Wind die Wellen rief
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Der neue Roman von Josephine Cantrell garantiert für kuschelige Lesestunden. Die Autorin entführt ihre Leser*innen ins irische Saltmore. Hier weht einem der Duft von Wind und Wellen und einem zurückliegenden ...

Der neue Roman von Josephine Cantrell garantiert für kuschelige Lesestunden. Die Autorin entführt ihre Leser*innen ins irische Saltmore. Hier weht einem der Duft von Wind und Wellen und einem zurückliegenden Geheimnis um die Nase.

Darum geht’s: Orla Donovan kehrt aus Dublin in ihre Heimat zurück. Als sie im Pub Sean Gallagher kennenlernt werden Erinnerungen wach. In ihm glaubt Orla einen Jugendfreund zu erkennen. Aber das kann gar nicht sein...

Josephine Cantrell schafft eine tolle Atmosphäre. Der Schreibstil ist angenehm und hat mich automatisch immer tiefer in die Geschichte reingezogen. Verschiedene Elemente werden miteinander verwoben: Das Buch erzählt eine Familien-, Freundschafts- und Liebesgeschichte gepaart mit etwas Mystik und einem Rätsel.

Der Roman spielt auf zwei Zeitebenen. Neben der Geschichte in der Gegenwart gibt es immer wieder eingestreute Rückblicke. Im Jahr 1997 erzählt das Traveller-Mädchen Rosie von ihren Erlebnissen in Saltmore. Zwischen den Zeitebenen entwickelt sich ein Spannungsverhältnis, dass beim Lesen 1.000 Gedanken und Gefühle in mir ausgelöst hat.

Vor dem inneren Auge entstehen Bilder einer rauen, aber doch wunderschönen Landschaft. Das passt gut zum gefühlvollen und intensiven Plot, der sich hier entwickelt. Emotionen werden spürbar und springen auf den Leser über. Fast war es mir, als würde ich Wind und Wellen rauschen hören und das Salz auf der Haut spüren. Josephine Cantrell erzählt mit sanften und trotzdem kraftvollen Tönen. Themen wie Autismus und Ausgrenzung machen das Buch zu einem intensiven Leseerlebnis. Das Gedanken- und Gefühlskarussell dreht sich auf Hochtouren.

Fazit: „Als der Wind die Wellen rief“ ist eine gelungenen Mischung aus Romantik und Spannung. Ein Buch, mit dem man sich am besten bei Regen und Sturm an einen Wohlfühlplatz verkriecht und die Story mit allen Sinnen in sich aufsaugt. Die Geschichte ist stimmig und schön erzählt. Das macht neugierig auf weitere Romane von Josephine Cantrell.

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