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Veröffentlicht am 31.12.2022

Die Bilanz eines Lebens: Zeugnis der Sehnsucht und Wünsche

Die Mauersegler
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Intensiv in Tiefe und Breite – „Die Mauersegler“ haben mir ein geradezu rauschhaftes Leseerlebnis geschenkt!
Tief bin ich in das (Seelen-) Leben von Toni ein- und abgetaucht, habe durch seine Augen die ...

Intensiv in Tiefe und Breite – „Die Mauersegler“ haben mir ein geradezu rauschhaftes Leseerlebnis geschenkt!
Tief bin ich in das (Seelen-) Leben von Toni ein- und abgetaucht, habe durch seine Augen die Jahre und Jahrzehnte in der Rückschau sowie das Jetzt in seiner Einsamkeit gesehen und durchlitten, erlebe seine Verzagtheit, Freudlosigkeit, Fatalismus.
Breit ist die Geschichte dabei mit über 800 Seiten in der deutschen Übersetzung angelegt, genügend Raum, Zeit und Lebensereignisse, um für mich eine starke Verbindung zu Toni aufzubauen, der weiß Gott kein Held im klassischen Sinne ist. Und aus diesem Grunde sind die Figur, sein Erleben und Empfinden auch so glaubhaft, nachvollzieh- und nachfühlbar für mich und damit mit einer Nähe zu mir als Leserin, wie ich sie nur selten erleben durfte.
Tragisch ist die Geschichte, aber nicht traurig, ernüchtert vom Leben ist Toni, doch nicht verbittert. Und so habe ich auch das Leseerlebnis wahrgenommen, mit einer gewissen Resignation, jedoch ohne Schwere und – wer hätte das gedacht! – mit viel Witz und feinem Humor, mal zwischen den Zeilen, mal direkt in diesen zu finden. Denn auch das Leben selbst hielt neben den Tiefen Momente voll Liebe, Glück und Dankbarkeit für Toni bereit, die ihn in seiner Rückschau zufrieden mit dem Erlebten und Erfahrenen stellen und ja, auch immer wieder zu amüsieren vermögen. Der Abschied vom Leben, das Sterben über 365 Tage mag auch zu erfreuen!
Nicht nur mit Blick auf meine Finger und Hände, die bei knapp einem Kilo Literatur und dem stundenlangen Abtauchen in diese schwer wurden, hätte der Geschichte durchaus ein paar Seiten weniger gut zu Gesicht gestanden. Tiefe plus Breite muss nicht zwingend gleich Länge sein. Doch wer weiß, ob meine Augen nach der letzten Zeile dann genauso groß erstaunt, mein Herz so voll und mein Kopf so wunderbar leicht gewesen wäre.

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Veröffentlicht am 18.12.2022

Explosion an Farben, Geschmäckern und Gewürzen

MEZCLA
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Fusionküche at its best! Denn die Kombination verschiedener Esskulturen, Kochstile und Traditionen ist häufig für mich eine Blackblox, die viel verspricht, mit einem unklaren Ergebnis.
Ganz anders bei ...

Fusionküche at its best! Denn die Kombination verschiedener Esskulturen, Kochstile und Traditionen ist häufig für mich eine Blackblox, die viel verspricht, mit einem unklaren Ergebnis.
Ganz anders bei Ixta Belfrage! Ihr Rezepte bringen so viel Geschmackreiches aus den Küchen v. a. Brasiliens, Italiens und Mexikos zusammen, sind eine Kombination mit ganz eigenem Schwerpunkt und Charakter und verstehen sich ganz besonders als Fest: auf die Freude am Essen, Genießen und die Einflüsse verschiedener Kulturen und Stile. Die Ergebnisse überzeugen dabei mit intensivem Geschmack, teils ungewöhnlichen Kombinationen und intensiven Farben und Gerüchen, die Tisch und Raum füllen.
Zugänglich werden die Rezepte in den verschiedenen Kategorien „Für jeden Tag“, „Entertaining (irgendwie)“ und „Zu guter Letzt“ – die ersten beiden Kapitel jeweils unterteilt in „Vegetarisch“, „Fisch“ und „Fleisch“. Übersichtlich, nachvollziehbar. Doch nicht immer konsequent, denn die vegetarischen Gerichte sind häufig eher Gemüsegerichte, in der Option auch vegetarisch zuzubereiten, wie etwa die „Gerösteten Auberginen mit Koriander-Sardellen-Salsa“, S. 77. Die Sardellen sind hier auf Wunsch durch grüne Oliven zu ersetzen. An sich völlig problemlos, doch andersrum wäre es stimmig und auch für Vegetarier zugänglich – und ein Genuss.
Und um diese aromatischen Speisen auch sättigend genießen zu können, lohnt sich ebenfalls ein genauer Blick in die Zutatenliste mit ihren Mengenangaben. Denn sonst könnte der Magen auch mal knurrend und die Familie am Tisch noch hungrig bleiben. Die sehr geschmacksreichen „Spinat-Kräuter-Klöße mit Kirschtomatensauce“, S. 49, sind pro Person mit gerade mal 50 g TK-Spinat, 15 g Polenta und 70 g Tomaten berechnet – ohne Beilage. Möglicherweise ist das Gericht eher als eine Art Mezze gedacht, aber nicht entsprechend ausgewiesen?
Bis auf diese kleinen Abstriche war „Mezcla“ für mich ein ungewöhnlich geschmackvoller, zugänglicher und abwechslungsreicher Genuss und unser persönliches Fest des Essens und Schlemmens. Meine bisher liebsten Rezepte sind übrigens das „Piri-Piri-Tofu über Knusper-Knusper-Orzo“, S. 78, und der so schnell zubereitete wie raffiniert komponierte „Mango-Käse-Salat mit Jalapeno-Chilischoten und Limette“, S. 39 – unbedingt probieren! Und ich bin mir sicher, viele der Gerichte werden noch zu meinen All-time-Favorites werden!

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Veröffentlicht am 31.10.2022

Das große Finale: Spannung, Abenteuer und eine wichtige Botschaft

Black Night Falling (Bd. 3)
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Da ist es endlich: Das große Finale! So sehr habe ich dem Abschluss der Trilogie um Tabby, den geheimnisvollen Kreis und den Fortbestand unseres Planeten entgegengefiebert – und es hat sich sehr gelohnt!
Teri ...

Da ist es endlich: Das große Finale! So sehr habe ich dem Abschluss der Trilogie um Tabby, den geheimnisvollen Kreis und den Fortbestand unseres Planeten entgegengefiebert – und es hat sich sehr gelohnt!
Teri Terry lässt den Leser keine Atempause und keinen Moment zum Luftholen – und das wortwörtlich, denn: Das Meer und seine Tiefen und Weiten nehmen natürlich auch in diesem Band eine ganz besondere Bedeutung ein. Und ich fühle mich fast wie Jules Verne, wenn es ganz tief hinabgeht. Und was „1000 Meilen unter dem Meer“ auf Tabby wartet, hat mir den Atem stocken lassen… und wird an dieser Stelle natürlich nicht verraten!
Kein Geheimnis ist dagegen, wie gut sich die Autorin darauf versteht, die Spannung in ihrer Geschichte durch unvorhersehbare Wendungen und ideenreiche Einfälle durchgängig hoch zu halten und die Leser in ihren Bann zu ziehen. Und so bin ich mit Tabby, ihren Freunden und Unterstützern unter Wasser und über Land zu den verschiedenen Schauplätzen geeilt, um nicht nur Antworten auf so viele ungelöste Fragen zu finden sondern auch die Vernichtung unseres Planeten zu stoppen.
Und gerade die Klimadebatte und die fortschreitende Vernichtung unseres Lebensraumes durch Menschenhand sind es dann auch, die für mich in diesem Band noch stärker in den Mittelpunkt gerückt und in ihrer Eindringlichkeit verstärkt werden. Das Thema ist der Autorin ein sehr drängendes, da bin ich mir sicher. Und so scheint sie ihre Leserschaft mit ihrer Geschichte nicht nur unterhalten sondern vor allem auch aufrütteln und für die bevorstehende Katastrophe sensibilisieren zu wollen – verbunden mit der Botschaft: Ihr seid der Schlüssel! Ihr könnt den Untergang noch abwenden!
Vor diesem Hintergrund sei Teri Terry auch verziehen, dass sie meiner Ansicht nach gerade im Finale zu viel will: zu viel Message, zu viel Action, zu viel Feuerwerk. Auch, wenn weniger für mich mehr gewesen wäre, so habe ich doch jede Seite genossen und bin Tabby atemlos in den großen Plot gefolgt. Und die Botschaft, ja, die ist bei mir angekommen! Und wird nicht vergessen.

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Veröffentlicht am 01.08.2022

Afrofuturismus und die entscheidende Schlacht um Sonande

A Psalm of Storms and Silence. Die Magie von Solstasia
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Große Magie und eine Reise voller Abenteuer, Schrecken und wunderbaren Geschichten – all dies habe ich mir von einem Wiedersehen mit Malik und Karina versprochen und wurde mit noch viel mehr belohnt!
Gemeinsam ...

Große Magie und eine Reise voller Abenteuer, Schrecken und wunderbaren Geschichten – all dies habe ich mir von einem Wiedersehen mit Malik und Karina versprochen und wurde mit noch viel mehr belohnt!
Gemeinsam und doch räumlich voneinander getrennt, kämpfen die beiden um ihr eigenes Überleben, für die Zukunft Sonandes sowie ihre Liebe zueinander. Und so gewaltig die Herausforderungen sind, so groß und voller Leid und Tücke sind auch die Aufgaben, denen sich Malik und Karina auf ihrem Weg dahin stellen und die Opfer, sie erbringen müssen.
Während Malik zunehmend in die Fänge Farids gerät und seinen Kräften, seinen Manipulationen und Plänen zunehmend ausgeliefert ist, durchstreift Karina gemeinsam mit ihren Gefährten Sonande auf der verzweifelten Suche nach einem Weg, das Land und seine Menschen vor dem apokalyptischen Untergang durch die Große Mutter zu bewahren. Gefahren gehen dabei nicht nur von den erzürnten Gottheiten und ehemaligen Verbündeten aus, die tiefsten Abgründe tragen Malik und Karina selbst in sich. Und sowohl die zahlreichen Feinde als auch die eigene Furcht, Ängste und Hoffnungslosigkeit erscheinen als schier unbesiegbare Gegner.
Wie schon in „A Song of Wraiths and Ruin“ erweist sich Roseanne A. Brown als großartige Griot, Geschichtenerzählerin. Sie vermag es gekonnt, die verschiedenen Fäden der Geschichte zu einem großen Netz der Magie zu verweben und damit lebendige Charakter und eine fesselnder Geschichte in einer ganz eigenen Welt zu erschaffen. Ganz besonders und ganz besonders ungewöhnlich machen diese dabei für mich die vielfältigen Elemente einer dem Afrofuturismus zugehörigen Mystik – ein Genre, das erst nach und nach seinen Siegeszug auch in Europa feiern konnte.
Den eurozentristischen Blick immer wieder zu hinterfragen, ist mit Brown nicht nur ein wunderbares Lesevergnügen sondern auch eine kulturelle und kulturgeschichtliche Entdeckungsreise in eine Erzähltradition, die bei all dem Verschiedenen, Neuen zugleich Teil unser diversen, heterogenen europäischen Gesellschaft ist. Damit sind die gemeinsamen Stunden mit Malik und Karina neben einem fantasievollen Abenteuer auch ein Eintritt in eine Welt für mich, in welcher ich gerne weitere Schritte gehen und neue Pfade betreten möchte.

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Veröffentlicht am 26.05.2022

Ein Kampf im Innen und Außen – Nordirland im Bürgerkrieg

Amelia
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Ein Krieg auf den Straßen und in den Herzen der Menschen – die Troubles in Nordirland zerreißen ein Land und dessen Bewohner, bilden einen Riss mitten durch die Gesellschaft. Die Folgen für das gegenwärtige ...

Ein Krieg auf den Straßen und in den Herzen der Menschen – die Troubles in Nordirland zerreißen ein Land und dessen Bewohner, bilden einen Riss mitten durch die Gesellschaft. Die Folgen für das gegenwärtige Leben aber auch für die Träume, Wünsche und Möglichkeiten auf eine glückliche, selbstbestimmte Zukunft sind erheblich – sowohl für den einzelnen als auch die Gesellschaft als Ganzes.
Das Grauen und die zerstörerische Kraft der Bomben, Straßenkämpfe wie auch dessen Auswirkungen auf Familien und Freundschaften schildert Anna Burns den Lesern eindringlich anhand der Figur der Amelia Boyd Lovett. Amelia, 1969 selbst noch ein Kind, erlebt die Kämpfe auf den Straßen und Vierteln Belfasts hautnah – verborgen unter dem Tisch und hinter dicken Holzbrettern vor den Fenstern und zugleich doch schutzlos ausgeliefert. Die Bomben, welche in den Wohngebieten ihrer Stadt detonieren, richten denn auch Verwüstungen in ihrer Seele an – Zerstörungen, von denen sie sich ungeachtet ihrer Kämpfe in ihrem Inneren auch in den folgen Jahrzehnten nicht zu erholen vermag.
Trotz all der Bilder des Schreckens – und davon gibt es zahlreiche in der Geschichte – gelingt es Anna Burns, sich nicht in den Grausamkeiten, der Trauer und Hoffnungslosigkeit zu verlieren. Ihr Tonfall ist oftmals ironisch, sarkastisch, die Handlung voll von teils skurrilen Figuren, Ereignissen und Momenten, dabei sich nach und nach zunehmend von der Realität entfernend – so wie auch Amelia selbst diese immer weniger zu fassen bekommt.
Eine Schwere mag während der Lektüre aus diesem Grunde auch nicht so recht aufkommen. Zugleich sind die innere Zerstörung und die Schäden, welche die jahrzehntelange Bedrohung und das Blutvergießen immer und immer wieder vor den eigenen Augen hinterlassen haben, in ihrer Tragweite nur umso deutlicher und gewaltiger in ihren Ausmaßen sicht- und spürbar. Und auch die Trauer und Betroffenheit über einen Krieg, der Europa geprägt hat und auch heute noch Teil des Lebens der Menschen in Irland und Großbritannien ist, war für mich das, was mich mit Amelia in der Geschichte verbunden hat – und auch nach der letzten Seite für mich geblieben ist.

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