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Veröffentlicht am 17.08.2017

Fünf Kurzgeschichten über Menschen, die vor einer Veränderung stehen und auf der Suche nach dem Glück sind

Ab morgen wird alles anders
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"Ab morgen wird alles anders" ist ein Band aus fünf Kurzgeschichten von Anna Gavalda, wobei die beiden Erzählungen "Mathilde" und "Yann" aufgrund ihrer Länge herausragen, meiner Meinung aber nicht die ...

"Ab morgen wird alles anders" ist ein Band aus fünf Kurzgeschichten von Anna Gavalda, wobei die beiden Erzählungen "Mathilde" und "Yann" aufgrund ihrer Länge herausragen, meiner Meinung aber nicht die zwei besten sind.

"Mein Hund wird sterben" (28 Seiten) ist eine sehr traurige Geschichte, die von einem Lkw-Fahrer handelt, der nach dem Tod seines Sohnes Ludovic Trost mit einem Hund findet, den er von der Straße aufnimmt. Mit ihm zusammen ist er auf seinen Touren unterwegs bis er eingeschläfert werden muss. Nach dem Verlust kommt Jeannot jedoch seiner Frau wieder näher.

"Mathilde" (105 Seiten) handelt von der gleichnamigen jungen Frau, die in einem Café in Paris ihre Handtasche stehen lässt, in der 10.000 € enthalten sind, die sie zur Begleichung von Handwerkerkosten in ihrer WG von den Mitbewohnern gesammelt hat. Sie hat Glück als der Finder/ Dieb (?) ihr nach vier Tagen die Handtasche mit dem gesamten Inhalt wiedergibt. Der junge Mann ist etwas seltsam. Nach dem Treffen ist Mathilde allerdings neugierig auf Jean-Baptiste, von dem sie nur weiß, dass er Koch ist und den sie aber nicht mehr erreichen kann, da sie sich seine Telefonnummer im Halbschlaf falsch notiert hatte. Sie macht sich auf die Suche nach ihm und klappert so ziemlich jedes Restaurant und Hotel der Stadt nach ihm ab.

In "Meine Kraftpunkte" (28 Seiten) wird ein Vater von der Direktorin seines Sohnes in die Schule zitiert, als dieser einem Mitschüler den Reifen seines Rollstuhls mit einem Zirkel zerstochen hat.

"Yann" (98 Seiten) handelt von einem 26-jährigen Studenten, der mit seiner Freundin zusammenwohnt und an einem Abend, als er eigentlich ins Kino wollte, seinen Nachbarn zwei Stockwerke über ihm hilft, eine Kommode hochzutragen. So lernt er die Familie kennen, die ihm bisher nur flüchtig im Hausflur aufgefallen waren. Nach dem Abend, an welchem er mit Nachbarn ein sehr intensives Gespräch bei zwei Flachen Rotwein geführt hat, überdenkt er sein Leben und trennt sich von seine Freundin, für die er dann nur noch Aggressionen übrig hat.

"Minnesang" (27 Seiten) dreht sich um die Zoohandelsangestellte Lulu, die sich bisher nur mit One-Night-Stands vergnügt hat. Auf einer Party lernt sie einen jungen Dichter kennen, der ihr romantische Zeilen aufsagt und sie damit durch die Nacht bringt.

Bis auf "Meine Kraftpunkte" handeln alle Kurzgeschichten von mehr oder minder unglücklichen, gescheiterten Existenzen, die am Schluss ihr Leben ändern oder zumindest zu einem Umdenken angeregt werden.
Es werden fünf ganz unterschiedliche Menschen in alltäglichen Situationen beschrieben, die unbewusst vor einer Veränderung stehen und auf der Suche nach ihrem persönlichen Glück sind.
Die Enden sind jeweils offen, so dass man als Leser nicht weiß, ob es für die Protagonisten ein Happy End gibt. Zumindest besteht Hoffnung: "Ab morgen wird alles anders".

Am besten gefallen hat mir "Meine Kraftpunkte", in welchem der Vater pragmatisch seinen analytischen Verstand einsetzt und dadurch beweist, dass das Leben nicht Schwarz-Weiß ist und es stets zwei Seiten einer Medaille zu betrachten gilt - eine sehr ehrliche, lehrreiche Kurzgeschichte, die zum Nachdenken anregt.

Auch "Mein Hund muss sterben" fand ich eine lesenswerte Erzählung, auch wenn sie fast schon deprimierend war. Am Ende gab es jedoch den Hoffnungsschimmer auf ein glücklicheres Leben.
Das Schicksal von Jeannot mit all seinen Verlusten im Leben hätte ich mir auch als Langfassung in Form eines Romans vorstellen können. So wirkte die Kurzgeschichte eher wie ein letztes Kapitel auf mich.

Den drei anderen Kurzgeschichten konnte ich nicht viel abgewinnen. "Mathilde" und ihre Suche nach dem Koch war mir zu eintönig und zu stark in die Länge gezogen, Yanns radikale Änderung seines Lebens aufgrund eines einzigen Abends mit einem ihm bisher fremden Nachbarn nicht nachvollziehbar und "Minnesang" zu nichtssagend,.
Auch wenn es sich bei "Mathilde" und "Yann" um die beiden mit Abstand längsten Erzählungen handelte, blieb mit der Hintergrund der Protagonisten zu wage, um ihre Gedankengänge wirklich nachvollziehen zu können.

Den Schreibstil von Anna Gavalda empfand ich zudem in den drei Kurzgeschichten aufgrund der zum Teil sehr langen, verschachtelten Sätze und der enthaltenen Poesie als anstrengend zu lesen.
Insgesamt konnte mich der Erzählband insofern weder sprachlich noch inhaltlich von sich überzeugen.

Veröffentlicht am 29.07.2017

Platter, vorhersehbarer und komplett überzeichneter Roman mit stereotypen, nervigen Protagonisten

Kopf aus, Herz an
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Lilly Swanson ist 24 Jahre alt, als sie am Tag ihrer Hochzeit von ihrem Verlobten Michael ohne eine Begründung vor dem Altar stehengelassen wird. Wut und Verzweiflung machen sich in ihr breit und sie beschließt ...

Lilly Swanson ist 24 Jahre alt, als sie am Tag ihrer Hochzeit von ihrem Verlobten Michael ohne eine Begründung vor dem Altar stehengelassen wird. Wut und Verzweiflung machen sich in ihr breit und sie beschließt trotzig, die Hochzeitsreise nach Thailand alleine anzutreten.

Bereits auf dem Flug, auf dem sie aufgrund ihrer überstürzten Abreise zerzaust, mit verschmiertem Make-up und im Schlafanzug sitzt, lernt sie den hilfsbereiten Damien kennen, der als Gothic-Typ" so rein äußerlich gar nicht ihr Fall ist und ihr sogar ein bisschen Angst macht

Den Sicherheitsbeamten am Flughafen in Bangkok kommen die beiden verdächtig vor, weshalb sie kurzzeitig wegen des Verdachts des Drogenschmuggels festgenommen werden. Da Damien nach der Bestechung der Polizei pleite ist, bietet Lilly ihm spontan an, die Nacht bei ihr in der Honeymoon-Suite zu verbringen.

Eine Reihe an Missgeschicken, zahlreiche Fettnäpfchen, in die Lilly springt und kuriose Situationen schweißen das ungleiche Paar zusammen. Schon am ersten Tag sind sie sich so vertraut, dass sie sich gegenseitig traumatische Dinge aus ihrer Vergangenheit erzählen, über die sie sonst nicht sprechen.

Bevor die beiden aber letztendlich zueinander finden, muss noch das ein oder andere Missverständnis an dem exotischen Schauplatz in Thailand umschifft werden.

"Kopf aus, Herz an" ist der erste Band der "Destination Love"-Reihe von Jo Watson und beschreibt die persönliche Entwicklung von Lilly, die bislang immer auf ihre Vernunft gehört hat und ein geordnetes, (spieß-)bürgerliches Leben geführt hat. Dass ihr Verlobter sie einfach so unvermittelt vor dem Traualtar und 500 geladenen Gästen stehen lässt, wirft sie verständlicherweise komplett aus der Bahn. Kopflos flüchtet sie auf ihre Hochzeitsreise nach Thailand, wo ihr der unkonventionelle Backpacker Damien vorlebt, spontan zu sein und auf sein Herz zu hören.

Von dem Roman hatte ich mir wahrlich keine tiefgründige oder berührende Liebesgeschichte, sondern ein lockere, amüsante Chick Lit erwartet, die eine Wende in Lillys bisher streng getaktetes Leben bringt.

Zu Beginn besteht "Kopf aus, Herz an" fast ausschließlich aus einer Aneinanderreihung aberwitziger Situationen, in die sich die offensichtlich sehr tollpatschige Lilly immer wieder im Beisein von Damien bringt. Was mir auf den ersten Seiten noch ein Schmunzeln ins Gesicht zauberte, nervte im weiteren Verlauf des Romans eher, als dass es unterhielt, da man auf jeder Seite nur auf das nächste abstruse Ereignis gewartet hat.
Lilly gebärdete sich so hysterisch überdreht, dass mir nicht wirklich nachvollziehbar war, wie sich innerhalb der Kürze der Zeit eine so vertrauensvolle Nähe zwischen ihr und "Badboy" Damien ergeben konnte. Die körperliche Anziehungskraft zwischen beiden stand dann später im Vordergrund, womit ich gemerkt habe, dass ich mit bei dem Buch im Genre vergriffen habe. Der Sex mit dem Höhepunkt zur Mondfinsternis, Damien als Lillys Lehrmeister, der die Sexualität erst in ihr erweckt, war mir zu explizit.

Der Roman ist - "Kopf aus" - schnell zu lesen, aber keine Geschichte, für die ich mich begeistern konnte und die mir länger im Gedächtnis bleiben wird. Dafür wirkte die Situationskomik zu erzwungen und stellenweise sogar unrealistisch überzogen, die Protagonisten zu einfältig und stereotyp und die ganze Geschichte zu platt und vorhersehbar. Mir fehlte das gewisse Herzblut der Autorin für ihre Figuren und kreative Highlights, die der einfach strukturierten Handlung mehr Leben eingehaucht hätten. Dass es zwischen Lilly und Damien zum Happy End kommt, empfand ich als aufgrund der Trennungsphase zwischen zwei Thailand-Aufenthalten zu unrealistisch bzw. zumindest zu abrupt.

Band 2 der "Destination Love"-Serie "Herz auf Anfang" erscheint im Dezember 2017 und handelt wieder von einer Urlaubsliebe, jedoch mit anderen Protagonisten. Jo Watson konnte mich aber mit Band 1 nicht für weitere Teile von "Destination Love" begeistern.

Veröffentlicht am 10.07.2017

Ein Thriller ohne Spannung und Nervenkitzel mit einer sehr egozentrischen Ermittlerin

Targa - Der Moment, bevor du stirbst
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Targa Hendricks ist 30 Jahre alt, Ermittlerin bei der Sondereinheit K2 beim Bundeskriminalamt und wohnt zusammen mit ihrem Hund, genannt "Hund", in einem Wohnwagen am Rande Berlins. Schwer in der frühen ...

Targa Hendricks ist 30 Jahre alt, Ermittlerin bei der Sondereinheit K2 beim Bundeskriminalamt und wohnt zusammen mit ihrem Hund, genannt "Hund", in einem Wohnwagen am Rande Berlins. Schwer in der frühen Kindheit traumatisiert und immer noch unter dem Verlust der Zwillingsschwester Yella leidend, ist Targa ein emotionsloser, egozentrischer Mensch, der keine Freunde hat oder Bindungen zulässt.

Vielleicht ist sie gerade deshalb die perfekte Undercover-Agentin, die auf Falk Sandman angesetzt wird, einem Hochschulprofessor, den das BKA in Verdacht hat,für die Morde mehrer Frauen, bevorzugt Studentinnen, verantwortlich zu sein. Er ist leidenschaftlicher Apnoe-Taucher und betreibt den Blog "Famous Last Words", der sich mit den letzten Worten von Sterbenden befasst.

Targa soll Sandman "hautnah" kommen und ihn seiner Verbrechen überführen. Sie kommt ihm dann auch gefährlich nahe, da sie sich von seiner charismatischen Art ungewohnt angezogen fühlt.

Der Thriller ist in sehr viele kurze Kapitel untergliedert und besteht zusammengefasst aus zwei Handlungssträngen. Hauptsächlich dreht sich der Roman um die Morde von Sandman und die Ermittlungen der Polizei in Berlin. Parallel verläuft dazu - scheinbar unabhängig davon - eine Handlung auf einer nicht näher bezeichneten Gefängnisinsel, wo 66 Schwerverbrecher, darunter der behinderte Schmidt, inhaftiert sind.

Für mich waren es sehr lange zwei Geschichten, die nebeneinander verliefen, ohne dass ich mir eine Verbindung hätte vorstellen können. Durch die kurzen Kapitel, die oft nur zwischen zwei und fünf Seiten umfassen, ist der Lesefluss durch den ständigen Perspektivenwechsel erschwert.

Darüber hinaus kann der Thriller durch keine einnehmenden Charaktere punkten, in die man sich hätte hineinversetzen oder gar sympathisch finden könnte. Der Serienmörder wird sehr plakativ als Killer dargestellt, der Frauen bei ihrem Erstickungstod zusehen und dabei ihre letzten Worte einfangen möchte. Auch wenn er scheinbar jede Frau leicht um den Finger wickeln kann, bleibt er als Psychopath eher blass. Bei Targa wird ihre gefühllose, kaltherzige Art penetrant hervorgehoben, als intelligente Ermittlerin kann sie bei der Fallbearbeitung nicht überzeugen. Die Nebencharaktere, insbesondere die Frauen, sind allesamt geblendet von der Ausstrahlung von Sandman, naiv, dumm und wirkten wie unter Drogeneinfluss (was sie mitunter auch waren).

"Der Moment, bevor du stirbst" ist der Auftakt einer Krimiserie um die Ermittlerin Targa Hendricks des Autorenduos Barbara und Christian Schiller. Mir war die Handlung in weiten Teilen zu plump, die Charaktere zu eindimensional. Insbesondere die Ermittlerin Targa, die unter Zwangsstörungen und möglicherweise auch dem Aspergersyndrom leidet, konnte mich nicht überzeugen, weitere Teile der "Targa"-Serie zu lesen.
Für einen Thriller fehlte mir der Nervenkitzel, überraschende Wendungen und einen Aspekt, der mich fesselte, am Ball zu bleiben. Für ein Psychogramm waren mir die Charaktere zu einfältig.

Veröffentlicht am 23.06.2017

Unrunde Mischung aus Kriminalroman und Gesellschaftskritik

Die Stadt im Nichts
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Tim Callaghan ist Ende 20 und arbeitet als Texter für die Werbeagentur Vertox in London. Als der Werbespot für die Hilfsorganisation "WorldWise" gedreht werden soll, für den er den Slogan erstellt hat, ...

Tim Callaghan ist Ende 20 und arbeitet als Texter für die Werbeagentur Vertox in London. Als der Werbespot für die Hilfsorganisation "WorldWise" gedreht werden soll, für den er den Slogan erstellt hat, darf er mit zur Produktion nach Dubai reisen.

In Dubai wird die Delegation der Werbeagentur in dem feudalen Hotel "The Village" untergebracht, wo sie den Emiraten entsprechend dekadent residieren.
Am ersten Drehtag passiert noch nicht viel, aber zum Abschluss des Tages wird dennoch exzessiv gefeiert.
Am nächsten Morgen wird der Produktionsleiter Raf Kavanagh, der nicht nur Tim unsympathisch war, tot im Whirlpool seines Hotelzimmers aufgefunden. Der Angestellte des Hotels, der ihn gefunden hat, wird daraufhin entlassen.
Trotz des überraschenden Todesfalls mit noch unklarer Todesursache beschließt das Produktionsteam, die Dreharbeiten nicht abzubrechen, sondern in Dubai zu bleiben. Tims Meinung nach geht man zu schnell zur Tagesordnung über. Verdächtigungen werden ausgesprochen und wilde Verschwörungstheorien entwickelt, warum Raf gestorben ist.
Tim und seine Kollegen zählen schon bald zu den Verdächtigen, die Raf getötet haben könnten und auch die Hilfsorganisation "WorldWise" wird verdächtigt, ihre Finger im Spiel zu haben.

Tim fühlt sich in Dubai und dem Fünf-Sterne-Hotel nicht wohl, er fühlt sich fremd, trotz all der Aufmerksamkeiten nicht willkommen und der Delegation der Werbeagentur nicht zugehörig. Der Todesfall erschüttert ihn, auch wenn er den arroganten Produktionsleiter, der ihn wie einen Untergebenen behandelt hat, nicht leiden konnte. Er würde am liebsten nach London zurückkehren, traut sich aber nicht, da er Angst hat, sich durch eine abrupte Abreise tatverdächtig zu machen. Später kann er nicht mehr abreisen, da ihm nicht nur der Zugang zum Internet verwehrt wird, sondern auch noch seine Kreditkarte gesperrt ist.

In Dubai, aber auch in England wird spekuliert, was mit dem Tod von Raf Kavanagh auf sich hat. Auch wenn die Ergebnisse der Obduktion auf Tod durch einen Drogen- und Medikamentencocktail schließen lassen, wird gemutmaßt, dass in Dubai, wo man mit Geld alles erreich könne, ein Mord vertuscht werden soll.
Die Medien, darunter Journalisten und Blogger sehen im Gegensatz zu Tim nicht die Tragödie über den Tod eines Menschen, sondern schlachten den Unterhaltungswert der Meldung aus.

Für Tim wir die Situation vor Ort unerträglich, regelrecht beklemmend. Allein kann er sich in der Stadt nicht fortbewegen und kann von seinem Hotelzimmer lediglich in Shopping Malls ausweichen. Er entwickelt eine Paranoia und befürchtet, dass er als Schlafwandler Raf getötet haben könnte, auch wenn es dafür keinen Anhaltspunkt gibt.

Mark Watson ist Kolumnist und Stand-up-Comedian, von dem ich einzig den Roman "Ich könnte am Samstag" gelesen habe, der witzig und unterhaltsam war. "Die Stadt im Nichts" wurde als Satire über die Werbeindustrie angekündigt - mir kam der Humor darin allerdings zu kurz.
Spannend ist zwar zu erfahren, wer, wie, warum den Produktionsleiter getötet hat, darüber hinaus war der Unterhaltungswert des Romans allerdings gering, die Charaktere zu emotionslos und unnahbar.

"Die Stadt im Nichts" ist eine Mischung aus Kriminalroman und einer Gesellschaftskritik, die ich nicht gelungen fand.
Meiner Meinung nach wird in dem Roman weniger die Oberflächlichkeit der Werbung in Form einer Mediensatire kritisiert, sondern vielmehr Kritik an Dubai und dem dort vorherrschenden Luxus sowie der Dekadenz und der Korruption in den Vereinigten Arabischen Emiraten geübt. Den Wechsel der Perspektive im vorletzten Kapitel zur Erklärung des Todesfalls empfand ich zudem als etwas bemühtes, hilfloses Stilmittel.

Veröffentlicht am 01.06.2026

Innerer Monolog über Einsamkeit und das Gefühl, nicht dazuzugehören - vor dem Hintergrund des sensiblen Themas erstaunlich wenig berührend

Sister, Sister
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Ausgehend vom Klappentext und beschrieben als "liebevolles Porträt von Schwesternschaft" hatte ich eine andere Art der Geschichte erwartet. Der Klappentext fasst vielleicht die Lebensumstände der beiden ...

Ausgehend vom Klappentext und beschrieben als "liebevolles Porträt von Schwesternschaft" hatte ich eine andere Art der Geschichte erwartet. Der Klappentext fasst vielleicht die Lebensumstände der beiden Schwestern knapp zusammen, nicht aber den Inhalt des Buches.

Der Roman ist in drei Teile untergliedert, wobei der erst längste Abschnitt 21 Versuche eines Abschiedsbriefes Sigrids auf der Grundlage von Tagebucheinträgen beschreibt. Ich verrate nicht zu viel, dass es sich dabei um Suizid handelt, wie auch die Triggerwarnung eingangs auf den Roman vorbereitet.
Der zweite Abschnitt ist die Reaktion Margits darauf, der letzte Sigrids Therapie-Tagebuch.

Die unterschiedlichen Perspektiven sind Erinnerungen an die Kindheit und Jugend und Versuche der Rechtfertigung oder Erklärung für die Todessehnsucht. Dabei kommt es zu Widerrufen und Offenbarungen von Lügen, die irritieren und sowohl Sigrid als auch Margit zu unzuverlässigen Erzählerinnen machen.

Der Roman besteht aus andauernden inneren Monologen und zum Teil absurden Gedankenstrudeln aufgrund der blühenden Fantasie beider Schwestern. Dabei kommt es zu zahlreichen Wiederholungen im Hinblick auf die gemeinsame Vergangenheit, was Sigrid bewegt und was möglicherweise der Auslöser für ihren Selbstmordversuch gewesen sein könnte.

Anders als gedacht, ist die Beziehung der Schwestern zu einander nur ein Randaspekt der Erzählung. Es geht vielmehr um Einsamkeit, das Gefühl, nicht "normal" zu sein, nicht dazuzugehören und den Wunsch, nicht erwachsen zu werden. Dazu kommen die äußeren Umstände in der homophoben Kleinstadt, Queerness, die Opiodkrise, eine verlorene Freundschaft und die Schuldgefühle deswegen, die Sigrid belasten.
Neben dem sensiblen Inhalten Suizid/ Selbstmordversuch sind es viele weitere bewegende Themen, die am Ende erschreckend wenig berühren können, macht es der Erzählstil doch schwer, Zugang zur Hauptfigur zu erhalten.

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