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Veröffentlicht am 13.07.2017

Eisige Kälte

Everland
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Zum hundertjährigen Jubiläum der Everland-Expedition sollen Wissenschaftler auf den Spuren ihrer Vorfahren wandeln. Zwei Frauen und ein Mann werden entsandt, um die antarktische Insel Everland erneut zu ...

Zum hundertjährigen Jubiläum der Everland-Expedition sollen Wissenschaftler auf den Spuren ihrer Vorfahren wandeln. Zwei Frauen und ein Mann werden entsandt, um die antarktische Insel Everland erneut zu erkunden. Sie sollen wissenschaftliche Daten über die Pinguine sammeln. Obwohl eine der Teilnehmerinnen über keine Expeditionserfahrung verfügt, kommen die drei voran.

Den Bestreitern, die sich hundert Jahre zuvor auf den Weg gemacht haben, ergeht es weniger gut. Schon auf dem Weg zur Insel gerät ihr Boot in einen Sturm, der ihre Ankunft um Tage verzögert und den unerfahrensten der Drei in einen derart schlechten Gesundheitszustand versetzt, dass er nichts anderes als Pflege benötigt.

Gebannt folgt man den Expeditionen zu ihrem unwirtlichen Ziel. Eisige Kälte, Wind, kaum Schutz von der rauen Landschaft. Nicht so unähnlich laufen die Expeditionen ab, deren Zeitabstand im Vergleich mit dem Wachstum einer Flechte nicht besonders hoch ist. Was geschieht während der gemeinsam verbrachten Zeit. Die Mitglieder beider Gruppen gelangen näher an ihre Grenzen als sie es zuvor vermutet hätten. Die jeweils schwächsten Mitglieder erweisen sich als Hindernis, an dem es zu bestehen gilt oder an dem das Scheitern möglich ist. Diese Enge in der Kleingruppe in einer lebensfeindlichen Umgebung, kaum vorstellbar. Eigentlich müssten sie zusammen halten, den Gefahren gemeinsam begegnen, sich den Aufgaben stellen. Doch ganz so läuft es nicht und man beginnt zu zweifeln, ob es jeder gesund in die Heimat schaffen wird.

Mit Aufmerksamkeit begegnet man diesem Buch, drei Ebenen gilt es zu folgen, die klar abgegrenzt sind und Cliffhanger unvermeidlich werden lassen. Denn manchmal wechselt die Perspektive gerade in dem Moment, wo man angespannt wissen möchte, wie es mit der vorherigen weitergeht. Mit dieser fesselnden Komposition entführt die Autorin in eine unwirtliche Region, die vornehmlich Menschen mit großem Forscherdrang aufsuchen werden. Was treibt sie dorthin, wie werden die Gruppen zusammengefügt, wie entwickeln sich die Beziehungen unter den Teilnehmern. Drei, sagt man, ist einer zu viel. Möglicherweise gilt ein solcher Spruch für diese Forschergruppen, die jeweils ein schwächstes Mitglied zu haben scheinen. Was macht diese Konstellation, verbünden sich zwei, wechseln die Bündnisse oder halten sie zusammen? Dies ist nicht das einzige Rätsel, dass die Autorin aufgibt. Mit ihrer ruhigen ausgeklügelten Erzählung fesselt sie ungemein.

Wer Bücher in eisiger Kälte mag, sollte sich dieses Werk nicht entgehen lassen.

Veröffentlicht am 01.07.2017

Stockholm - Texas

Bruderlüge
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Er hat sie wieder, seine kleine Pflegetochter Belle. Martin Benner lebt mit ihr zusammen und nach den Ereignissen der letzten Wochen auch mit der Partnerin aus seiner Anwaltskanzlei Lucy, die manchmal ...

Er hat sie wieder, seine kleine Pflegetochter Belle. Martin Benner lebt mit ihr zusammen und nach den Ereignissen der letzten Wochen auch mit der Partnerin aus seiner Anwaltskanzlei Lucy, die manchmal auch seine Freundin ist. Von den Menschen und Begebenheiten, die ihn mit so viel Drama umgeben haben, will er sich fern halten, um insbesondere Belle in weiter in Gefahr zu bringen. Doch wo ist Mio, der entführt wurde und der seitdem wie vom Erdboden verschluckt ist. Zumindest hier muss Benner Nachforschungen anstellen, zum einen für sich selbst und das Kind, zum anderen jedoch auch, weil er gezwungen wird.

Bei diesem Roman handelt es sich um den Abschlussband einer zweiteiligen Reihe. Fragen, die im ersten Band unbeantwortet bleiben mussten, werden hier erneut aufgerollt und beantwortet. Martin Benner will den Dingen auf die Spur kommen, er will aber auch seine Ziehtochter und seine Freundin Lucy schützen. Er will aber auch wissen, was tatsächlich mit Mio passiert ist und welche Verbindung es zwischen Martin selbst und Mios Vater geben kann. Martin kennt diesen Mann nicht und genau genommen kann es keine Überschneidungen in ihren Lebensläufen geben. Warum erweckt Martin also diese extreme Abneigung in dem anderen. Als Benner vom Tod eines weiteren Menschen erfährt, befürchtet er, nun gehe es ihm an den Kragen.

Hat man den ersten Band etwas unzufrieden aus der Hand gelegt, weil er doch irgendwie nach einem erleichternden Ende mittendrin aufhört, hat man hier schließlich ein wesentlich besseres Gefühl, denn bis auf Kleinigkeiten erfährt doch alles eine überraschende Auflösung, auf die man selbst so schnell nicht gekommen wäre. Nach einer kleinen Weile beginnt die Handlung, einen mitzureißen. Misstrauen, Verdacht gegen jeden und unglaubliche Verwicklungen, die Menschen dazu treiben, sich auf außergewöhnliche Art zu verhalten und damit unberechenbar zu sein. Martin Benner gerät in einen Strudel von Ereignissen und als Leser folgt man ihm gebannt. Man wünscht, er möge seinen Lieben eine sicherere Welt bringen.

Zum einen bestens mit einer spannenden Lektüre unterhalten, beginnt man zum anderen doch nachzudenken über die Wurzel des Geschehens. Welche Folgen kann es haben, wenn in Familien nicht geredet wird und häufig von Annahmen ausgegangen wird, deren Wahrheitsgehalt durch nichts belegt ist.

Veröffentlicht am 16.06.2017

Wo bin ich

Teufelskälte
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Seit er vor fast zwanzig Jahren den Mord an einer jungen Frau gestanden hat, ist Anders Rask in Sicherungsverwahrung. Doch plötzlich zieht er sein Geständnis zurück und beantrag die Wiederaufnahme seines ...

Seit er vor fast zwanzig Jahren den Mord an einer jungen Frau gestanden hat, ist Anders Rask in Sicherungsverwahrung. Doch plötzlich zieht er sein Geständnis zurück und beantrag die Wiederaufnahme seines Verfahrens. Kommissar Tommy Bergmann hat nicht viel Zeit, um zu beweisen, dass Rask doch schuldig ist. Wie passt aber die Leiche ins Bild, die auf eine Art und Weise zugerichtet wurde, wie in dem alten Fall. Ist hier ein Nachahmer am Werk oder könnte an Rasks Aussage, er habe die Jugendliche damals nicht umgebracht etwas dran sein? Es war sein erster Mordfall im Jahr 1988 und im Jahr 2004 will Tommy Bergmann unbedingt alles richtig machen.

Auch in seinem zweiten Fall hadert Tommy Bergmann mit seiner eigenen Vergangenheit, seinen Vater kennt er nicht und zu seiner Mutter hatte er nicht das beste Verhältnis. Nicht nur, um seine Stelle zu behalten, unterzieht er sich einer Therapie. Dass sein aktueller Fall in laufend an seine eigene Vergangenheit erinnert, macht die Ermittlung nicht leichter. Doch dem Mörder muss einfach das Handwerk gelegt werden. Zusammen oder vielleicht doch eher auf unterschiedlichen Pfaden machen Tommy und seine Kollegin Susanne Bech daran, den Fall aufzuklären. Zunächst scheint dabei nichts zusammen zu passen. Erst nach und nach beginnen sich Zusammenhänge zu entwickeln, in denen große Brisanz steckt.

Ein Buch, dass mit einem Paukenschlag endet. Wie Gard Sveen im Nachwort berichtet, habe eine Leserin ihm entgegengeworfen, so könne er das Buch nicht enden lassen. Doch, er könne, aber es werde eine Fortsetzung geben. Und so hat man mit diesem ersten Teil einer Geschichte, einen zum Teil aufgeklärten Fall, der fesselt, aber zwangsläufig auch etwas unbefriedigt zurücklässt. Mit dem mitreißenden ersten Fall in „Der letzte Pilger“ kann das nicht verglichen werden. Auch der vorliegende Band um Kommissar Tommy Bergmann ist gerade zum Ende hin ausgesprochen spannend und natürlich wird man ebenso neugierig wie es mit Bergmanns persönlicher Geschichte wie auch die Beantwortung der Frage „Wo bin ich?“ hergeleitet wird. Mit Überzeugung, dass der Autor eine packende Lösung finden wird, bleibt man doch etwas hängen gelassen zurück.

Ein sehr spannender Kriminalroman, der wegen der Unvollendung des erzählten Falles nicht wirklich abschließend gewürdigt werden kann.

Veröffentlicht am 14.06.2017

Käffchen geht immer

Ich schenk dir die Hölle auf Erden
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Und wer war nun diese Sekretärin, die den Koffer ihres Mannes zurückgebracht hat? Die mit den Stiefeln bis über die Knie? So sollte Carinas Mädels-Abend eigentlich nicht anfangen, aber es ist heraus, ihr ...

Und wer war nun diese Sekretärin, die den Koffer ihres Mannes zurückgebracht hat? Die mit den Stiefeln bis über die Knie? So sollte Carinas Mädels-Abend eigentlich nicht anfangen, aber es ist heraus, ihr Mann Jonas hat sie betrogen. Carina, die immer beinahe bis zur Selbstaufgabe alles getan hat, um ihre Ehe am Laufen zu halten, ist am Boden zerstört. Da kann es nur eine Lösung geben. Jonas muss gehen. So hat sich Jonas das allerdings nicht vorgestellt, er möchte weiterhin seine warmen Mahlzeiten zu hause und den Champagner in der Stadt. Während Carina endlich beginnt, auch mal an sich zu denken, erfährt Jonas bald, dass einen der Alltag manchmal schneller ereilt als einem lieb sein kann.

Puh, was für ein unsympathischer Meckerfred ist dieser Jonas. Nichts kann seine Frau ihm recht machen, alles reglementiert er und mit dem Geld hält er sie auch noch knapp. Dafür darf sie dann knechten, die Kinder betreuen, kochen, putzen, eine tolle Hausfrau und Mutter sein. Im ersten Moment denkt man, wenn man etwas nicht gebrauchen kann, ist es so eine Ehe oder sogar überhaupt eine Ehe. Da gibt es keine traute Zweisamkeit mehr, die es zu vermissen gälte. Doch kann einer alleine an allem Schuld sein? Selbst wenn es so wäre, führt diesesTrennungsereignis doch auch dazu, das Carina beginnt, darüber nachzudenken, was sie in ihrem Leben ändern könnte. Ihre Mädels besonders ihre beste Freundin Leni stehen ihr dabei treu zur Seite und haben auch so manchen Tip. Und wenn gar nichts mehr geht, dann gibt es einen Kaffee. Der baut auf.

Wie herrlich kann man sich aufregen über Jonas, der sich wie ein schlechter Sohn verhält, und auch über Carina, die sich schlechter macht als nötig und die man etwas schütteln möchte, um ihr Selbstbewusstsein wieder aufzurütteln. Auch wenn sich sie bei diesem Buch um eine eher leichtere Lektüre handelt, so sind doch ein paar ernstere Untertöne vorhanden, die durchaus anregen können, sich auch über sich selbst ein paar Gedanken zu machen. Kommt man zu sehr in eine Routine, nimmt man alles zu selbstverständlich? Wird man immer anspruchsvoller, wenn ein anderer versucht, Wünsche zu erfüllen? Reicht es nicht, wenn Sachen erledigt werden, müssen sie immer auch richtig erledigt werden? Und was, wenn alles in Scherben liegt? Was kann man selber tun, um wieder eine gute Basis in sein Leben zu bekommen.

Eine schöne heiterere Sommerlektüre mit einer gewissen Ernsthaftigkeit, die aber nie ihre Leichtigkeit verliert und die wahrhaft lehrt zu fliegen. Und wenn das nicht hilft: Käffchen geht immer!

Veröffentlicht am 11.06.2017

Cainesville

Dunkles Omen – Ein Cainsville-Thriller
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Ihr Leben verläuft in geregelten Bahnen, sie kommt aus einem wohlhabenden Elternhaus, sie leistet ehrenamtliche Tätigkeiten und in einem Monat soll die Hochzeit sein. Jäh ist es allerdings vorbei mit der ...

Ihr Leben verläuft in geregelten Bahnen, sie kommt aus einem wohlhabenden Elternhaus, sie leistet ehrenamtliche Tätigkeiten und in einem Monat soll die Hochzeit sein. Jäh ist es allerdings vorbei mit der Idylle. Olivia Taylor-Jones erfährt, dass nichts von dem stimmt, was sie für selbstverständlich erachtet hat. Reporter haben sie aufgespürt und auf einmal ist sie die Tochter von verurteilten Mördern. Olivia sieht nur eine Chance, sie muss herausfinden, ob das, was ihren leiblichen Eltern zur Last gelegt wurde, wirklich so geschehen ist. Ihr Weg führt sie nach Cainesville, ein eigenartiges kleines Städtchen, in dem sie wohlwollend aufgenommen wird.

Natürlich passiert so was nicht im richtigen Leben. Dennoch ist die Vorstellung, dass das ganze Leben zusammenstürzt, wenn man etwas erfährt, mit dem man nie gerechnet hätte, eher beängstigend. Schon allein die Mitteilung, man sei adoptiert, stellt alles auf den Kopf. Doch wenn man dann auch noch damit klarkommen soll, dass die leiblichen Eltern Schwerverbrecher sein sollen. Das scheint fast unmöglich zu ertragen zu sein. Schnell kommt Misstrauen gegenüber den Adoptiveltern auf, warum haben sie nie etwas gesagt. Haben sie die Wahrheit gekannt. Welches Erbe trägt sie von ihren leiblichen Eltern in sich. Ein Mördergen?

Auch wenn man nicht unbedingt in Sachen Horror oder Paranormal unterwegs ist, lohnt es sich diesem Buch eine Chance zu geben. In diesem ersten Band einer Reihe, von der auf Englisch in diesem Jahr noch der Abschlussband erscheint, geht es hauptsächlich irdisch zu. Die junge Olivia ist verständlicherweise am Boden zerstört als sie erfährt, dass ihr wohlbehütetes Leben auf einer Lüge basiert. Von ihrer Adoptivmutter fühlt sie sich im Stich gelassen und zum ersten Mal muss und will sie für sich selbst sorgen. Und so gerät sie nach Cainesville und gemeinsam mit dem ehemaligen Anwalt ihrer leiblichen Mutter beginnt sie mit den Nachforschungen, was sich zur Zeit der Mordserie tatsächlich zugetragen hat. Dieses Szenario bildet die Grundlage für einen packenden Thriller mit leichten paranormalen Anklängen, die gerade einen besonderen Reiz bilden wie ein außergewöhnliches Gewürz in einer so schon wohlschmeckenden Suppe. Das leichte Prickeln zwischen Olivia und Gabriel regt zusätzlich die Phantasie an.

Nach einem fesselnden Beginn und einem eher ruhigen Mittelteil nimmt die Geschichte zum Schluss hin so viel Fahrt auf, dass man nichts anderes tun kann als Seite für Seite seine Neugier zu befriedigen.