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Veröffentlicht am 23.07.2017

Schöne andere Welt

Legend - Schwelender Sturm
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Nur knapp sind Day und June entkommen und nun schließen sie sich den Patrioten an, deren Anführer Razor ihnen zunächst hilft und dann einen gefährlichen Plan verwickelt. Sie einen Anschlag auf Anden, den ...

Nur knapp sind Day und June entkommen und nun schließen sie sich den Patrioten an, deren Anführer Razor ihnen zunächst hilft und dann einen gefährlichen Plan verwickelt. Sie einen Anschlag auf Anden, den neuen Elektor, verüben, um den Kolonien Unterstützung zu geben und ihnen möglicherweise zum Sieg zu verhelfen. Dazu wird June, die ehemalige Republik-Soldatin, in Andens Reihen eingeschleust. Nach einigen intensiven Gesprächen, in denen sich Anden völlig anders darstellt als vermutet, beginnt June an ihrer Mission zu zweifeln. Doch wie soll sie Day, der in den Reihen der Patrioten geblieben ist, davon abhalten, den Plan zu vollenden.

Bei Legend - Schwelender Sturm handelt es sich um den sehr spannenden Mittelteil der Legend-Trilogie. Nachdem Day und June mit Mühe in die Reihen der Patrioten gelangt sind, die eine Art Verheißung versprechen, sind sie überzeugt, der guten Sache zu dienen, auch wenn sie dafür Dinge tun müssen, die ihnen in friedlicheren Zeiten fremd lägen. Toll beschrieben sind die sich langsam einschleichenden Zweifel an den Ansichten, die die Patrioten über die Republik und ihren neuen Elektor verbreiten. June, die ja in die direkte Umgebung Andens gelangt, beginnt darüber nachzugrübeln, ob die Voraussetzungen, unter denen sie losgeschickt wurde, wirklich den tatsächlichen Gegebenheiten entsprechen.

Mit diesem Hörbuch wird die Fortsetzung der Legende von den Sprechern Julian Greis (Day) und Patrycia Ziolkowska (June) ganz hervorragend in Szene gesetzt. Die Gedanken und Gefühle der Protagonisten werden ausdrucksstark in Worte gefasst. Die Zweifel, der leise keimende Verdacht, dass hier etwas überhaupt nicht stimmt, die Sorge, das Schlimmste nicht verhindern zu können und auch die wenigen glücklichen Momente, in den June und Day einmal innehalten können. Schließlich steht am Ende ein überraschend anderes Weltbild mit einem sehr dramatischen Cliffhanger, der ausgesprochen neugierig aber auch ängstlich macht, darüber in welche Richtung die Autorin das Ruder in dem abschließenden dritten Band lenken wird.

Veröffentlicht am 22.07.2017

Sturmböen

Das Mädchen, das schwieg
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Bei dem Fernsehsender hat Kajsa eine Auszeit genommen. Für eine lokale Zeitung beginnt sie jedoch über einen Todesfall auf der kleinen Insel zu berichten, auf der sie mit Mann und Kindern lebt. Sissel, ...

Bei dem Fernsehsender hat Kajsa eine Auszeit genommen. Für eine lokale Zeitung beginnt sie jedoch über einen Todesfall auf der kleinen Insel zu berichten, auf der sie mit Mann und Kindern lebt. Sissel, eine etwas verschroben wirkende alleinstehende junge Frau, wurde in ihrem schönsten Kleid tot aufgefunden. Die Frau, die nicht sprach, gegen die aber auch niemand etwas hatte. Und nun ist sie tot. Es stellt sich heraus, dass die Tote ihre Umgebung beobachtet hat und über Ereignisse, die ihr wichtig erschienen, genaue Aufzeichnungen geführt hat. Hat sie etwas beobachtet, das ihr zum Verhängnis wurde. Oder ist das Motiv für den Mord eher in der Vergangenheit der jungen Frau zu suchen.

Eher gemütlich geht es los mit Kajsas Nachforschungen, keiner scheint etwas gesehen zu haben, keiner kann sich ein Motiv vorstellen. Und die Tote wurde nicht sofort gefunden, es besteht also eine erhebliche Unsicherheit über das, was zu welchem Zeitpunkt geschehen ist. Die Polizei kommt offensichtlich nicht so richtig voran. Kajsa, die als Journalistin einfach gute Artikel abliefern will, kommt bei ihren Untersuchungen manchmal an die Grenze des Erlaubten. Mit den offiziellen Ermittlern will sie es sich ebensowenig verscherzen wie mit ihrem Arbeitgeber und ihren Informanten. Hin und wieder wird es also etwas heikel für sie.

Auch wenn die Journalistin und der Polizist nicht zusammenarbeiten, sind Kajsa und ihr Mann Karsten doch ein gutes Team. Und als solches funktionieren die sympathischen Protagonisten auch bestens für die Leser. In diesem zweiten Fall geht es für Kajsa und Karsten richtig zur Sache. Dieser mysteriöse Todesfall ist so vielschichtig wie eine Zwiebel und jede einzelne Schale muss vorsichtig und genau untersucht werden. Angesiedelt unter anderem in der Kultur der Gebetshäuser ist dieser Fall. Wenn man kein Kenner der Verhältnisse in Norwegen ist, fragt man sich allerdings, mit was für einer Art christlicher Religion man es hier zu tun hat, um einige Umstände des Falles besser einordnen zu können. Leider findet man im Internet keine Erklärungen, außer das Norwegen ein protestantisch geprägtes Land ist. Kajsa jedenfalls schreibt, sie habe sich in den Gebetshäusern immer wohlgefühlt. Der Fall des jungen Opfers erweist sich schließlich auch ohne genaue Kenntnis als tiefgründig und spannend. Sissels Schicksal besticht in seiner Tragik, man wünschte, sie hätte in ihrer Jugend Hilfe bekommen. Und der Showdown, zu dem die Autorin ihre handelnden Personen leitet, ist tatsächlich atemberaubend.

Veröffentlicht am 18.07.2017

Eine geschäftliche Vereinbarung

Big Rock - Sieben Tage gehörst du mir!
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Spencer Holiday ist als Playboy bekannt, von festen Beziehungen hält er nichts. Zwar möchte er als Gentleman rüberkommen, aber eben ohne Verpflichtungen. Seinen Lebensunterhalt verdient er mit einer Bar, ...

Spencer Holiday ist als Playboy bekannt, von festen Beziehungen hält er nichts. Zwar möchte er als Gentleman rüberkommen, aber eben ohne Verpflichtungen. Seinen Lebensunterhalt verdient er mit einer Bar, die er zusammen mit seiner besten Freundin Charlotte führt. Spencers Vater ist Inhaber einiger exklusiver Schmuckläden. Er will sich langsam zur Ruhe setzen und hat endlich einen Käufer für die Geschäfte aufgetan. Dieses soll bei einem gemeinsamen Abendessen der Familien gefeiert werden. Vollmundig behauptet Spencer gegenüber dem sehr konservativen Käufer, er sei seit kurzem mit Charlotte verlobt. Die Nachricht schlägt ein wie eine Bombe und Spencer begreift, in was für eine Situation er sich gebracht hat.

Welches Knistern entsteht zwischen den besten Freunden Spencer und Charlotte. Eigentlich darf es nicht sein, um nichts in der Welt soll die kostbare Freundschaft aufs Spiel gesetzt werden. Und so stellen Spencer und Charlotte ein paar Regeln auf, die auf keinen Fall gebrochen werden sollen. Kein Sex, kein Übernachten zum Beispiel. Doch Regeln sind dazu da gebrochen zu werden. Und so kommen sich Spencer und Charlotte bei ihrer Scharade immer näher. Köstliche wie Spencer in die Falle gerät, die er sich unwissentlich selbst gegraben hat. Wäre da nur nicht das schlechte Gewissen wegen des Betrugs und den Lügen die sie ihren Familien und Freunden auftischen.

Mit leichter Hand geschrieben bereitet die Autorin mit ihrem Roman einige prickelnde Lesemomente zum Dahinschmelzen. Aus Spencers Sicht geschildert und schon das ist mal ein interessanter Kniff erlebt man wie er langsam erkennt, dass er sich doch noch etwas anderes vom Leben wünscht als eine kurzzeitige Affäre nach der anderen. Charlottes Anziehungskraft tut ihr übriges zum Herbeiführen schlüpfriger Situation, die zum Regeln brechen nur so einladen. Man schmunzelt, man freut sich und manchmal leidet man mit. Zwar ist es eines der Bücher, bei denen man nach dem Lesen des Klappentextes schon weiß, welche Art von Happyend es geben wird, doch wenn der Weg dorthin so hinreißend geschildert ist, nimmt man eine gewisse Vorhersehbarkeit gerne in Kauf.

Veröffentlicht am 14.07.2017

Tiefes Band

Liebste Tess
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Sofort reist Beatrice von New York nach London als ihre Mutter ihr am Telefon mitteilt, dass ihre jüngere Schwester Tess verschwunden ist. Trotz der großen Entfernung bestand zwischen den Schwestern ein ...

Sofort reist Beatrice von New York nach London als ihre Mutter ihr am Telefon mitteilt, dass ihre jüngere Schwester Tess verschwunden ist. Trotz der großen Entfernung bestand zwischen den Schwestern ein inniges Band. Wieso hat Tess sich nicht bei ihr gemeldet? Beatrice und ihr Verlobter Todd waren nur kurz ein paar Tage auf dem Land. Dort waren die Telefonverbindungen schlecht, aber immer wenn es ihr möglich war, hat Beatrice versucht, bei Tess anzurufen und bekam nur das Besetztzeichen. Keiner scheint zu wissen, wohin Tess verschwunden sein könnte. Doch was sich mit der Zeit andeutet, kann Beatrice einfach nicht glauben.

Gegen alle Wiederstände will Beatrice herausfinden, was wirklich passiert ist. Vieles aus Tess’ Leben hat sie nicht gewusst, umso mehr ihr sie jetzt bestrebt, die Wahrheit zu kennen. Wer kann ein Interesse daran haben, dass Tess verschwindet. Die fröhliche Tess, der das Leben aus jeder Pore strahlt. Beatrice und Tess noch mehr zusammengeschweißt durch denTod ihres Bruders, den sie schon in der Kindheit verloren haben. Hat Tess ihr nicht mehr vertraut? Beatrice trägt alle Hinweise zusammen, derer sie habhaft werden kann. Es entwickelt sich ein unglaubliches Bild, so abstrus, dass die Polizei keine weiteren Ermittlungen aufnehmen will.

Harmlos zu Beginn verstrickt einen die Autorin im Lauf der Handlung in immer andere Verdächtigungen, so dass man beinahe auf Seiten der Polizei sein möchte, so klar erscheint es, dass Beatrice’ Gedanken ziemlich haltlos sind. Doch je weiter man vordringt und meint, einiges sei aber zu schön, desto mehr klebt man gebannt an den Seiten. Was kann da noch kommen? Wie löst sich das Ganze auf, wenn überhaupt. Nicht zu viel kann über das Thema verraten werden, das mit diesem Roman auf packende und intelligente Art beleuchtet wird.
Neben diesem geht es vornehmlich um die enge Beziehung zwischen den beiden Schwestern Beatrice und Tess, der die Entfernung keinen Abbruch tun konnte, obwohl Beatrice schmerzvoll erfahren muss, dass sie nicht jedes Detail aus Tess’ Leben kannte. Dieses Ziehen im Herzen, die Angst vor dem drohenden Verlust, ist in beinahe jeder Zeile gegenwärtig.

Veröffentlicht am 13.07.2017

Eisige Kälte

Everland
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Zum hundertjährigen Jubiläum der Everland-Expedition sollen Wissenschaftler auf den Spuren ihrer Vorfahren wandeln. Zwei Frauen und ein Mann werden entsandt, um die antarktische Insel Everland erneut zu ...

Zum hundertjährigen Jubiläum der Everland-Expedition sollen Wissenschaftler auf den Spuren ihrer Vorfahren wandeln. Zwei Frauen und ein Mann werden entsandt, um die antarktische Insel Everland erneut zu erkunden. Sie sollen wissenschaftliche Daten über die Pinguine sammeln. Obwohl eine der Teilnehmerinnen über keine Expeditionserfahrung verfügt, kommen die drei voran.

Den Bestreitern, die sich hundert Jahre zuvor auf den Weg gemacht haben, ergeht es weniger gut. Schon auf dem Weg zur Insel gerät ihr Boot in einen Sturm, der ihre Ankunft um Tage verzögert und den unerfahrensten der Drei in einen derart schlechten Gesundheitszustand versetzt, dass er nichts anderes als Pflege benötigt.

Gebannt folgt man den Expeditionen zu ihrem unwirtlichen Ziel. Eisige Kälte, Wind, kaum Schutz von der rauen Landschaft. Nicht so unähnlich laufen die Expeditionen ab, deren Zeitabstand im Vergleich mit dem Wachstum einer Flechte nicht besonders hoch ist. Was geschieht während der gemeinsam verbrachten Zeit. Die Mitglieder beider Gruppen gelangen näher an ihre Grenzen als sie es zuvor vermutet hätten. Die jeweils schwächsten Mitglieder erweisen sich als Hindernis, an dem es zu bestehen gilt oder an dem das Scheitern möglich ist. Diese Enge in der Kleingruppe in einer lebensfeindlichen Umgebung, kaum vorstellbar. Eigentlich müssten sie zusammen halten, den Gefahren gemeinsam begegnen, sich den Aufgaben stellen. Doch ganz so läuft es nicht und man beginnt zu zweifeln, ob es jeder gesund in die Heimat schaffen wird.

Mit Aufmerksamkeit begegnet man diesem Buch, drei Ebenen gilt es zu folgen, die klar abgegrenzt sind und Cliffhanger unvermeidlich werden lassen. Denn manchmal wechselt die Perspektive gerade in dem Moment, wo man angespannt wissen möchte, wie es mit der vorherigen weitergeht. Mit dieser fesselnden Komposition entführt die Autorin in eine unwirtliche Region, die vornehmlich Menschen mit großem Forscherdrang aufsuchen werden. Was treibt sie dorthin, wie werden die Gruppen zusammengefügt, wie entwickeln sich die Beziehungen unter den Teilnehmern. Drei, sagt man, ist einer zu viel. Möglicherweise gilt ein solcher Spruch für diese Forschergruppen, die jeweils ein schwächstes Mitglied zu haben scheinen. Was macht diese Konstellation, verbünden sich zwei, wechseln die Bündnisse oder halten sie zusammen? Dies ist nicht das einzige Rätsel, dass die Autorin aufgibt. Mit ihrer ruhigen ausgeklügelten Erzählung fesselt sie ungemein.

Wer Bücher in eisiger Kälte mag, sollte sich dieses Werk nicht entgehen lassen.