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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 17.10.2018

Verzwickte Verwirrung

Die fehlende Stunde
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In der Nähe von Potsdam werden zwei Kinder vermisst. Traute, die Mutter eines der beiden Kinder, sucht verzweifelt ihren Sohn Mark. Sie stürmt den Hundehof, auf den sie ihren Sohn vermutet und tötet im ...

In der Nähe von Potsdam werden zwei Kinder vermisst. Traute, die Mutter eines der beiden Kinder, sucht verzweifelt ihren Sohn Mark. Sie stürmt den Hundehof, auf den sie ihren Sohn vermutet und tötet im Affekt den Hundezüchter, den sie für einen Pädophilen hält, der ihrem Sohn wahrscheinlich etwas angetan hat.
Zwischenzeitlich hat ein Waldarbeiter die Kinder gefunden. Cleo, das Mädchen ist tot. Der Junge hat überlebt, ist aber nicht ansprechbar.
Hauptkommissar Sigi Kamm zieht sofort die Psychologin Alicia Behrens zu den Befragungen hinzu.
Nachdem der Hundehof in Flammen aufgeht und somit alle Beweise vernichtet werden, eröffnet sich den Ermittlern ein Verwirrspiel und riesiges Lügengeflecht.


„Die fehlende Stunde“ liefert einen interessanten, spannenden und manchmal auch verblüffenden Krimi. Einen Bezug zum Titel des Romans konnte ich allerdings nicht herstellen.

Der Hauptermittler Kamm und die Psychologin Behrens wirken sympathisch. Sie sind wechselhaft professionell, hören oft auf ihr Bauchgefühl und lassen sich hin und wieder privat beeinflussen. Das macht sie menschlich und real.

Im Umfeld des Verbrechens erleben wir allerdings sehr kuriose Gestalten. Das Verhalten der Mütter und ihrer Umgebung ist schon sehr eigenwillig und geheimniskrämerisch. Jeder hat seine Vorgeschichten, Geheimnisse und jeder einzelne ist irgendwie in diese Verbrechen involviert.

Der flüssige Schreibstil, die kurzen Kapitel, der häufige Perspektivenwechsel und die ständig wechselnden Verdachtsmomente hielten den Spannungsbogen stetig hoch, was es schwer machte, das Buch aus der Hand zu legen.

Schade fand ich, das am Ende, als nach vielen Wirrungen und Sackgassen die Lösung erkennbar war, viele offene Fragen nicht weiterverfolgt wurden.
Im privaten Bereich von Kamm und Behrens sind die noch offenen Fragen sicher einer Fortsetzung der Serie geschuldet. Bei den anderen Akteuren hätte gerne schon gewusst, wie es bei ihnen weitergeht bzw. welchen Folgen ihre Lügen und Falschaussagen haben.

Veröffentlicht am 17.09.2018

Falsche Entscheidung

Nachts in meinem Haus
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Tom und Charlotte Simon führen eine harmonische und liebevolle Ehe. Das hindert Tom allerdings nicht daran, während einer beruflichen Abwesenheit von Charlotte, diese mit ihrer besten Freundin Leslie zu ...

Tom und Charlotte Simon führen eine harmonische und liebevolle Ehe. Das hindert Tom allerdings nicht daran, während einer beruflichen Abwesenheit von Charlotte, diese mit ihrer besten Freundin Leslie zu betrügen. Tom und Charlotte wohnen sehr abgelegen. Nach einem romantischen Stelldichein mit Leslie schrecken Tom ungewohnte Geräusche im Ha auf. Aufgrund eines Gewitters ist der Strom ausgefallen. Mit einer Harpune versucht Tom erst gar nicht den Einbrecher zu stellen, sondern schießt direkt in die Dunkelheit. Mit Schrecken erkennt er, dass er Charlotte mit der Harpune an die Küchentür genagelt hat.
Tom holt René, Ehemann von Leslie und Rechtsanwalt, zur Hilfe. Dieser rät ihm Deutschland sofort zu verlassen und sich in Italien zu verstecken.
Für Tom beginnt eine Odyssee.

Der Beginn des Romans ist unheimlich spannend. Die Tat oder das Unglück katapultieren den Leser gleich in Toms Welt. Der Rückblick auf Toms erste Ehe und wie ihm da mitgespielt wurde, ist ebenfalls interessant. Danach war mir Tom einfach zu passiv. Die Szenen seiner ersten Ehe zeigen zwar, dass er andere für sich agieren lässt, aber dieses Gottvertrauen gegenüber René, den er ja auch noch mit seiner Frau betrügt, halte ich für etwas übertrieben.
Die einzelnen Figuren sind von Frau Thiesler sehr gut ausgearbeitet , sodass bei Toms Passivität sein Weg vorgezeichnet ist. Die Gruppe um Charlotte und Tom zeigt ganz besonders diese Hassliebe zwischen den Reichen und Wichtigen der Schickeria.
Die italienische Szenen zwischen Donato und Gabriella Neri empfinde ich wohltuend und unterhaltsam. Toms Leiden und Verzweiflung wäre sonst zu viel geworden.
Alles in allem ist es ein unterhaltsamer Roman/Krimi mit einigen Längen.

Veröffentlicht am 17.07.2017

Irrer Rächer

Du sollst nicht leben (Ein Marina-Esposito-Thriller 6)
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Er lässt ihnen immer eine grausame Wahl. Der Rechtsprecher bestraft unbeugsam diejenigen, die für ihre Verbrechen nie bestraft wurden. Der im Drogenrausch mit seinem Fahrzeug eine Mutter mit ihrem Kind ...

Er lässt ihnen immer eine grausame Wahl. Der Rechtsprecher bestraft unbeugsam diejenigen, die für ihre Verbrechen nie bestraft wurden. Der im Drogenrausch mit seinem Fahrzeug eine Mutter mit ihrem Kind tötete, kann jetzt entscheiden, ob seine Frau und das gemeinsame Kind getötet werden oder ob er sterben soll. Der reiche Banker kann entscheiden, ob er sein Vermögen verliert oder seine Finger.
Im Glauben einen Gleichgesinnten gefunden zu haben wendet der Rechtsprecher sich an Detective Phil Brennan, rechtfertigt seine Taten und kündigt neue an.
Brennan und seine Mannschaft liefern sich einen Wettlauf mit der Zeit um weitere Strafaktionen zu verhindern. Auf Unterstützung seiner Frau der Profilerin Marina Esposito muss Brennan diesmal verzichten. Sie ist in einen anderen Fall involviert, der sich stark auf ihr Privatleben auswirkt.

Ich wusste nicht, dass es sich bei diesem Thriller bereits um den 6. Fall eines Ermittler/Profiler-Ehepaares handelt. Zahlreiche Andeutungen und Erklärungen machten deutlich, dass das Paar schon einige schwierige und gefährliche Fälle gemeinsam gelöst hatten. Irritierend und verwunderlich erschien mir, dass Marina sich schnell von einer gestörten Täterin verunsichern ließ und die Verunsicherung mit ins Privatleben nahm. Unglaubwürdig war auch, dass der Gefangenentransport dieser Irren nur von einer Person durchgeführt wurde. Die Folgen waren absehbar, aber dazu hätte es gar nicht kommen dürfen.
Der ganze Fall, den Marina in ihrer alten Heimat bewerten und analysieren sollte, ist in meinen Augen diffus. Ich hatte den Eindruck, dass mir da doch Wissen aus den vorherigen Bänden fehlte. Es wurde auch nicht geklärt, wer diese Frau war und was sie wirklich vorhatte. Ihre Rolle lief förmlich durch diesen Thriller und wird in den nächsten Bänden vielleicht weitergesponnen, für mich jetzt etwas unbefriedigend.
Der Fall des Rechtsprechers war da schon interessanter. Die Charaktere wurden sehr genau gezeichnet. Die Ermittlungsarbeit war logisch und nachvollziehbar. Die brutalen Szenen so genau und plastisch beschrieben, dass ich manchmal nicht weiterlesen wollte weil ich das Gefühl hatte zu nah dabei zu sein.
Alles in allem ist es ein spannender Thriller mit Gänsehauteffekt, aber auch einigen Macken.

Veröffentlicht am 07.11.2025

Düster und beklemmend

Welcome Home – Du liebst dein neues Zuhause. Hier bist du sicher. Oder?
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Für Ines und Marco Winkler beginnt ein neuer Lebensabschnitt. Sie beziehen mit ihrer kleinen Tochter Emilia ihr neues Heim. Aber schon nach wenigen Nächten fühlt Ines sich beobachtet und glaubt eine dunkle ...

Für Ines und Marco Winkler beginnt ein neuer Lebensabschnitt. Sie beziehen mit ihrer kleinen Tochter Emilia ihr neues Heim. Aber schon nach wenigen Nächten fühlt Ines sich beobachtet und glaubt eine dunkle Gestalt an ihrem Bett stehen zu sehen.
Die neue Siedlung Mons wirkt plötzlich für ihre Bewohner unheimlich. Panik beherrscht, als in Winklers unbewohnten Nebenhaus eine Leiche entdeckt wird. Jetzt werden Ines Beobachtungen, sie hatte auch eine dunkle Gestalt im Nachbarhaus gesehen, real und noch bedrohlicher.

Sascha Rotermund ist der richtige Erzähler für diesen düsteren Thriller. Seine spannungsgeladene Stimme verstärkt jeden Horror und Grusel um ein Vielfaches.
Eigentlich mag ich Arno Strobels Psychothriller sehr gerne. Sie entführen uns in Situationen, die eigentlich normal und erstrebenswert sind, um dann tief in einem Abgrund zu münden. Dieses Mal fand ich den Psychothriller sehr düster und beklemmend. Mit Sascha Rotermunds Stimme im Ohr konnte ich mich manchmal von dieser Düsternis nicht mehr befreien. Während einer mehrstündigen Zugfahrt nach einer mehrstündigen Wartezeit auf den Zug, habe ich das Hörbuch fast in einem Rutsch gehört und war am Ende fix und fertig. Das mag für den Autor zwar ein Erfolg sein, aber mir war es zu heftig. Das mag vielleicht damit zusammenhängen, dass ich dreifache Mutter bin und Thriller mit kleinen Kindern eh nicht so gut vertrage, aber ich hatte während der achteinhalb Stunden das Gefühl, dass alles immer schlimmer wird und kein Hoffnungsschimmer zu sehen ist. Mit dem Epilog versucht Arno Strobel offensichtlich eine gute Perspektive zu schaffen, die Verluste und Dunkelheit war meiner Meinung zu groß.

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Veröffentlicht am 02.11.2025

Habe ich mit gefremdelt

Der Pudel des Staatsführers
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Zagreb: Ein junger Mann wurde im Park einer psychiatrischen Klinik erstochen aufgefunden.
Bei den Ermittlungen stellen Inspektor Branko Rakitic und sein Kollege Marko Ancic schnell fest, dass sich alles ...

Zagreb: Ein junger Mann wurde im Park einer psychiatrischen Klinik erstochen aufgefunden.
Bei den Ermittlungen stellen Inspektor Branko Rakitic und sein Kollege Marko Ancic schnell fest, dass sich alles um Politik und Parteien dreht.
Der Ermordete war Vorsitzender einer rechtsextremen Jugendbewegung, wollte diese aber verlassen. Während der Patient, der sein Freund war und den er regelmäßig besuchte, sich einbildete, der Pudel von Ante Pavelic zu sein.
Keine leichte Aufgabe.

Es war auch keine leichte Aufgabe für mich, dieses Buch zu lesen. Die politischen Verhältnisse, auf die sich Edo Popovic ständig bezieht und die auch wichtig für die Ermittlungen waren, sind mir nicht bekannt. Auch bei den vielen für mich fremdartigen Namen fehlte mir schnell die Zuordnung. Für meine Unkenntnis kann der Autor nichts, aber es hat natürlich meinen Lesegenuss und meine Beurteilung beeinflusst.
Es hatte einen gewissen Charm, wie Inspektor Rakitic sich durch alle Beeinflussung, Einschüchterung und Druck von oben durch diese Ermittlung schlängelt. Mal übt er selbst Druck aus, mal zeigt er Verständnis und versucht eine Verbindung zu den Zeugen bzw. Verdächtigen aufzubauen.

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