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Veröffentlicht am 12.04.2026

Tolle Bilder, kreative und humorvolle Interpretation von Hades + Persephone - zurecht mit Triggerwarnung!

Lore Olympus - Teil 1
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Ich weiß schon gar nicht mehr, wann ich das erste Mal auf Lore Olympus aufmerksam wurde. Als das Buch auf Deutsch übersetzt wurde? Oder sind mir schon vorher Ausschnitte aus dem Webtoon online begegnet? ...

Ich weiß schon gar nicht mehr, wann ich das erste Mal auf Lore Olympus aufmerksam wurde. Als das Buch auf Deutsch übersetzt wurde? Oder sind mir schon vorher Ausschnitte aus dem Webtoon online begegnet? Ehrlich, keine Ahnung. Das Buch lag jedenfalls schon weit mehr als ein Jahr bei mir, sogar auf dem Nachttisch, damit es bei der richtigen Laune direkt griffbereit ist, weil ich soo neugierig war. Aber die richtige Stimmung für diese Graphic Novel über Hades und Persephone kam erst diese Woche. Und dann hatte ich das Buch nach nicht einmal eineinhalb Stunden plötzlich inhaliert …

Zuerst fand ich die grafische Darstellung etwas merkwürdig: sehr viel Weißraum mit wenigen kleineren Panels und Zeichnungen, die doch irgendwie ganz anders waren als erwartet. Viel Stilisierung und stellenweise Details, die mich an Animes erinnert haben. Aber dann, ganz schleichend, ergaben der Stil und die Entscheidungen, die Rachel Smythe getroffen hat, einen Sinn. Dass Lore Olympus ursprünglich ein Webtoon war, hatte ich in der Zeit seit dem Kauf des Buches ganz vergessen. Dieser Aspekt erklärt aber den Aufbau einiger Buchseiten und den Anteil des Weiß- (oder Schwarz-) Raums im Hintergrund.

Ich behaupte von mir, dass ich ein bisschen Basiswissen über griechische Mythologie habe, weil ich mich als Teenager dafür interessiert habe – die Buchreihe Mythos Academy von Jennifer Estep habe ich geliebt -, aber Vieles ist wieder aus meinem Hirn verschwunden, sodass ich eigentlich fast blind in diese Geschichte eingestiegen bin.

Grob zusammengefasst weiß ich, dass die griechischen Götter die 2. Generation sind und vor ihnen die Titanen kamen, ich kenne einige der Namen und bei noch weniger kann ich mich noch erinnern, wofür sie stehen, Hermes zum Beispiel oder Athene. Ich weiß, dass Persephone die Tochter von Demeter ist und dass sie mit Hades in die Unterwelt geht. Warum sie das tut, wie das passiert und welchen Kontext diese Geschichte hat – das wusste ich mal, aber inzwischen habe ich diese Information nicht mehr präsent.

Deshalb konnte ich ohne ständige Vergleiche mit dem Original diese halbwegs modernisierte Neuerzählung wirklich genießen. Es gibt Smartphones, teure Anzüge und flauschige Wintermäntel, gleichzeitig aber auch anmutige Gewänder und Kopfschmuck, die an die klassischen Darstellungen vom Olymp erinnern. Wer sich von dieser Mischung nicht abschrecken lässt, der könnte wirklich Gefallen an Lore Olympus finden.

Aber apropos „abschrecken“. Dieses Buch hat nicht ohne Grund eine Triggerwarnung (ich zitiere sie am Ende der Rezension, sodass Spoiler vermieden werden können)! Besonders zum Ende hin gibt es einige wenige problematische Szenen, darunter eine Vergewaltigung (nicht durch den Love Interest!) und das Einsperren durch einen Elternteil „zum Schutz“.

Ich finde es trotz der Grausamkeit der erzählten Momente wichtig, dass diese Elemente nicht romantisiert, sondern als so schrecklich dargestellt werden wie sie nun einmal sind. Sie sind, soweit ich es aktuell abschätzen kann, entscheidende Momente für die Hauptfigur und begründen den Weg ihrer Entwicklung.

Ich kann aus oben genannten Gründen nicht beurteilen, ob es entsprechende Szenen im ursprünglichen Mythos um Persephone gibt und hoffe deshalb, dass die Künstlerin nicht im Stil von Game of Thrones grundlose Grausamkeit in ihre Geschichte eingebaut hat. Im Moment, nach dem Lesen von ausschließlich Band 1, habe ich den Eindruck, dass es einen höheren Zweck erfüllen wird. Bildlich sind diese Szenen, ich habe insbesondere drei davon im Kopf – eine recht weit am Anfang, zwei gegen Ende -, sehr beeindruckend umgesetzt.

Toll umgesetzt ist auch die Farbgebung: jede Gottheit hat eine bestimmte Farbe zugeteilt bekommen, die immer dieselbe bleibt. So ist auch bei Panels mit weniger Details schnell erkennbar, wer dargestellt ist. Das ist eines der Dinge, die mich anfangs irgendwie gestört haben, weil es so ungewohnt für mich war. Gegen Ende war es aber total normal, dass Hera gelb und Athene lila sind. Dass Hades ein helles Blau bekommen hat erinnerte mich kurz an die Disney-Verfilmung von Herkules, aber ob das eine beabsichtigte Verbindung ist, weiß wohl nur die Autorin. 🤓

Fazit
Insgesamt ist Lore Olympus eine erfrischend neue Version der klassischen Geschichte um Hades und Persephone. Ich erkenne insbesondere im Jugendbuch und bei New Adult einen Trend, klassische Paare neu zu erzählen, und dabei waren Hades und Persephone ganz weit vorn mit dabei. Ob Lore Olympus dabei eine Rolle gespielt hat – immerhin war der Webtoon lange vor der Veröffentlichung und Übersetzung der Bücher online lesbar -, weiß ich nicht. Auf jeden Fall kann sich diese Graphic Novel wirklich sehen lassen, und ich bin sehr gespannt, wie die Geschichte weitergeht. Sobald ich mir die Fortsetzung anschaffe, warte ich bestimmt nicht noch einmal fast ein ganzes Jahr, bevor ich sie lese!

Veröffentlicht am 12.04.2026

Hanni und Nanni meets Steampunk

Midwatch – Schule der unerwünschten Mädchen
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Midwatch – Schule der unerwünschten Mädchen ist das erste richtige Kinderbuch, das ich seit längerer Zeit gelesen – oder in diesem Fall gehört – habe. Es war das Cover, das mich zuerst ansprach und an ...

Midwatch – Schule der unerwünschten Mädchen ist das erste richtige Kinderbuch, das ich seit längerer Zeit gelesen – oder in diesem Fall gehört – habe. Es war das Cover, das mich zuerst ansprach und an Steampunk erinnerte, bevor ich die jungen Abenteurerinnen entdeckte. Danach war es schließlich das Konzept, das mich zum Lesen bzw. Hören animierte: Mädchen stehen im Fokus und erleben all die Abenteuer, die sonst oft Jungen vorbehalten werden.

Oft erinnerte Midwatch mich an die Romane um Fünf Freunde oder, und das ganz besonders, an Hanni und Nanni: zwei Schwestern, die mit ihren neuen Freundinnen im Landschulheim eine Regel nach der nächsten brechen und ihren Lehrerinnen Streiche spielen. Derselbe Schalk steckt in Midwatch, besonders in Szenen mit der Schulleiterin. Sie könnte geradezu mit den beiden Mädchen verwandt sein. Auch die drei neuen Schülerinnen, die im Zentrum dieser Geschichte stehen, haben es faustdick hinter den Ohren und machen Hanni und Nanni alle Ehre.

Ich finde es richtig gut, wie dieses Buch nicht nur die eigenen Hauptfiguren dazu ermutigt, „nützliche Dinge“ auszuprobieren und zu lernen, sondern dass diese Botschaft auch an die junge Zielgruppe weitergegeben wird. Verschiedene Knoten, Schlösserknacken, die Orientierung in der Stadt, lautes Schreien und schnelles oder unbemerktes Laufen – oder auch einfach nur Mut – sind Fähigkeiten, die oft Jungs zugeschrieben und Mädchen nicht zugetraut werden, noch immer. Es sind Dinge, für die Mädchen oft gerügt werden: Sei leise, halt die Finger still, geh nicht allein los, sei lieber vorsichtig, …

Dass diese Fähigkeiten nun als etwas Erstrebenswertes für Mädchen dargestellt und in der Geschichte effektiv als Beispiele eingesetzt werden, um einen geheimnisvollen Fall zu lösen, finde ich wirklich sehr gut umgesetzt. Es wird trotz der eingeschobenen Auszüge aus dem Lehrbuch, die zur besseren Erkennbarkeit auch von einer anderen Sprecherin gelesen werden, nicht zu abstrakt. Dadurch ist immer direkt erkennbar, welchen Nutzen eine Fähigkeit haben könnte. Das kann so etwas Spezielles sein wie in Morsecode Geheimbotschaften zu versenden, aber auch ganz allgemein das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten und der Zusammenhalt mit Freundinnen.

Der mysteriöse Fall, den die Mädchen von Midwatch lösen müssen, ist sehr interessant und originell. Er beginnt mit dem Verschwinden einer Frau und endet mit einer rasanten Verfolgungsjagd, während gleichzeitig der Waisenhaus-Inspektor abgewehrt werden muss. Immer wieder wird es derart actionreich und spannend, dass mir zwischendurch kurz der Gedanke kam, ob das denn wirklich noch altersgemäß ist – und dann dachte ich an Die drei ??? und habe mich selbst beim Wiederholen einer gelernten Meinung erwischt, die gar nicht meine eigene ist, indem ich den lesenden Mädchen für einen Moment weniger zugetraut habe als den Jungs. Diese Geschichte ist ein großes Abenteuer mit einer wirklich tollen Botschaft an die junge Leserschaft, aus dem aber offensichtlich auch wir Erwachsenen noch etwas mitnehmen können.

Natürlich gehöre ich nicht mehr zur Hauptzielgruppe dieses Kinderbuchs. Trotzdem hatte ich große Freude beim Hören und habe die drei Mädchen gern auf ihrem Abenteuer begleitet. Die Erzählweise war sehr angenehm zu verfolgen, der Stil flüssig und Details, die später beim Lösen des Falls helfen würden, clever eingestreut. Auch die Sprecherinnen haben mit Aussprache, Betonung und der stimmlichen Charakterisierung der einzelnen Personen einen guten Job gemacht.

Für meinen Geschmack war das Hörbuch nicht schnell genug gesprochen – ich habe den größten Teil in 1,3- bis 1,5-facher Geschwindigkeit gehört -, aber das lässt sich ja inzwischen überall recht gut einstellen und für Kinder ist das langsamere Tempo wahrscheinlich besser.

Ich werde Midwatch definitiv weiterempfehlen. Noch ist meine Nichte zu klein, aber ich würde mich freuen, wenn sie mit der Message von Midwatch aufwachsen würde. Denn eines hat Midwatch (jedenfalls meiner Erinnerung nach) Hanni und Nanni voraus: Die beiden Schwestern wurden immer wieder für ihre Abenteuerlust getadelt. Die Mädchen am Midwatch-Institut dagegen gewinnen Auszeichnungen für ihre Abenteuer und werden gelobt, wenn sie auch im Geheimen agieren.

Ich bin schon sehr gespannt, ob es Fortsetzungen geben wird und welches Abenteuer die Mädchen von Midwatch als nächstes erwartet.

Veröffentlicht am 13.11.2024

Es knistert!

Die letzte erste Nacht
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Tate war schon in den beiden vorherigen Bänden eine meiner Favoritinnen: nicht auf den Mund gefallen, beugt sich nicht den Erwartungen anderer, aber unter der harten Schale hat sie doch einen verletzlichen ...

Tate war schon in den beiden vorherigen Bänden eine meiner Favoritinnen: nicht auf den Mund gefallen, beugt sich nicht den Erwartungen anderer, aber unter der harten Schale hat sie doch einen verletzlichen Kern. Deshalb habe ich mich auf ihre Geschichte mit Trevor schon lange vor der Veröffentlichung gefreut. Und ich wurde nicht enttäuscht! Hinter dem ersten Band der Reihe, der mein absoluter Favorit bleibt, ist Die letzte erste Nacht direkt auf meinen Platz 2 gehüpft. Ich mag Bianca Iosivonis Schreibstil sehr, der auch hier wieder die Chemie zwischen den beiden Hauptfiguren und ihren Freund*innen perfekt einfängt.

Veröffentlicht am 27.12.2022

Randvoll mit spannenden Infos, häppchenweise serviert

Ich zeig dir meine Welt - Entdecke, wie wir Kinder leben
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Unsere Gesellschaft ist geprägt von Vielfalt, besonders durch verstärkte Migration. Kinder erleben schon in Kita, Kindergarten und Grundschule viele unterschiedliche Menschen mit diversen Gewohnheiten ...

Unsere Gesellschaft ist geprägt von Vielfalt, besonders durch verstärkte Migration. Kinder erleben schon in Kita, Kindergarten und Grundschule viele unterschiedliche Menschen mit diversen Gewohnheiten und Kulturen. Ich zeig dir meine Welt von Nicola Edwards und Andrea Stegmaier bietet eine tolle Hilfestellung beim Überwinden von Verwirrung oder Berührungsängsten und weckt ganz nebenbei die Neugier auf andere Kulturen.

Das 64 Seiten starke Bilderbuch serviert häppchenweise “Fun Facts” und wissenswerte Informationen über verschiedenste Kulturen weltweit. Jede Doppelseite hat ein Thema, zum Beispiel “Guten Morgen! Was gibt’s zum Frühstück?” oder “Wie ist das Wetter, wo du lebst?” Die jeweiligen Texte über einzelne Länder sind sehr knapp, oft nur zwei bis drei Sätze lang. Trotzdem vermitteln sie auf so kleinem Raum viel Inhalt. Dabei bietet Nicola Edwards vielfältige Einblicke auch in solche Kulturen, die in der deutschen Bildung nicht sonderlich präsent sind. Natürlich bietet Ich zeig dir meine Welt nicht genug Platz, um wirklich alle Kulturen zu repräsentieren, aber von jedem Kontinent ist mindestens ein Land dabei.

Wir lernen, dass traditionelle koreanische Häuser Hanok heißen und idealerweise zwischen einem Fluss und einem Berg gebaut sein sollten, dass man in Äthiopien einen herzhaften Haferbrei namens Genfo zum Frühstück isst und man sich in der Ukraine mit drei Küsschen auf die Wange begrüßt – links, rechts, links.

Dazwischen finden sich immer wieder Sprachseiten, auf denen – ebenfalls thematisch eingeordnet – einfache Sätze und Floskeln in abwechselnden Sprachen dazu einladen, über den eigenen Tellerrand zu schauen. Immer dabei: eine für Laien lesbare deutsche Lautschrift. Die Sprachauswahl ist großartig und sehr vielfältig: Fidschianisch, Tamil oder Walisisch stehen direkt neben Französisch und Englisch. So sagt man für “hallo” auf Navajo “yá’át’ééh” (jah-at-A), “bitte” heißt auf Afrikaans “asseblief” (as-SEH-blief) und “beeil dich!” heißt auf Türkisch “çabuk ol!” (TSCH-buk ol).

Die farbenfrohen Illustrationen von Andrea Stegmaier sind eine gesonderte Erwähnung wert. Sie fangen die Vielfalt der Kulturen mühelos ein, stellen teilweise mit wenigen Strichen eindrucksvoll dar, was der Text beschreibt und verleihen dem ganzen Buch Charme und Wärme.

Mit Ich zeig dir meine Welt wurde eine neue Pflichtlektüre für jede Erziehungseinrichtung geschaffen. Nahbar und randvoll mit spannenden Infos senkt dieses großartige Kinder-Sachbuch die Hemmschwelle zu nicht-deutschen Kulturen vor allem für solche Kinder, die bisher nur die deutsche Kultur kennengelernt haben. Der Verlag empfiehlt das Buch ab 6 Jahren, doch zum Staunen und Entdecken können auch schon Vier- oder Fünfjährige mit einer vorlesenden Person ihre Freude daran haben.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
Veröffentlicht am 11.09.2022

Unbedingt lesen!

Die Marveller – Magie aus Licht und Dunkelheit - Das gefährliche erste Jahr
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Eine Gast-Rezension von meiner Schwester Rebekka Renken. Bis heute versinkt sie gerne in fantastischen Buchwelten. Als junge Mutter findet sie diese auch im Kinderzimmer.

Warum habe ich Die Marveller ...

Eine Gast-Rezension von meiner Schwester Rebekka Renken. Bis heute versinkt sie gerne in fantastischen Buchwelten. Als junge Mutter findet sie diese auch im Kinderzimmer.

Warum habe ich Die Marveller gelesen?
Wenn es einen Preis für das beste Buchcover 2022 gibt, schlage ich Die Marveller – Magie aus Licht und Dunkelheit von Dhonielle Clayton vor. Ein wahrer Eyecatcher, goldene, filigrane Zeichnungen, ein interessantes Portrait, das über die Schulter am Betrachter vorbeisieht, selten sind so treffend und schön die Inhalte dargestellt worden.

Gefunden habe ich Die Marveller als ich mit meiner Schwester in einem Buchladen über dieses Cover stolperte. Ihre Freundin und ehemalige Arbeitskollegin kommentierte es mit folgenden Worten: eine einzigartige Fantasy Geschichte. Das sei das erste Mal seit Harry Potter eine wirklich neue Welt. Und: die meisten Protagonist*innen seien Schwarze, ohne dass es notwendig sei, dies explizit zu betonen oder zu erklären – im Gegensatz zu vielen anderen Büchern.

Für mich genug gute Gründe, es zu lesen. Ein Dank geht an den Verlag cbj für das digitale Rezensionsexemplar – das Digitale ist auch schon meine einzige Kritik. Das ist wegen der Illustrationen definitiv ein Buch, das man in der Hand halten sollte.

Einzigartige magische Welt
Es ist wirklich nach hunderten gelesenen Varianten von Harry Potter, Der Herr der Ringe und Narnia voller einzigartiger neuer Ideen.

Das Grundmotiv „Außenseiter muss die Welt retten“ wird variiert. Aus der überall beliebten Tochter des Herrn der Unterwelt wird plötzlich eine Außenseiterin. Plötzlich Prinzessin anders herum. Die Unterwelt ist nicht per se böse sondern Ort für die Aufgabe der Fabulierer, die Seelen an ihren Bestimmungsort zu bringen – jeden, den du dir vorstellen kannst, gibt es. Man geht ganz normal in der Totenwelt ein und aus und hier und dort begegnet man verschiedensten Elementen der uns bekannten Mythologien.

Die Marveller sind in ihrer eigenen Welt, wie sie die Fabulierer daraus ausgeschlossen haben, wissen wir noch nicht und warum sie die Fabulierer nicht mögen, auch nicht. Die Muggel sind hier die Simplen und sie wissen nichts von Magie – ein für die Fabulierer verhasstes Wort.

Und zwischen all dem ist das „Ass der Anarchie“ aus dem „Kartenspiel des Todes“ ausgebrochen – wir erfahren, dass sie ihre Tochter wiederfinden will, die vor 11 Jahren versehentlich von ihr, der besten Zirkusdirektorin aller Zeiten, getötet wurde – und dass sie sich nicht an die Regeln der Marveller hält und pure Macht will.

Dann gibt es als weiteres Rätsel noch die als Kind verschwundene Tante, die Zwillingsschwester von Ellas Mutter, die diese immer noch schmerzlich vermisst. Ellas holprig begonnene Freundschaft zu Brigit, die in der Simplen-Stadt New York als Weise aufgewachsen ist und kein Interesse hat, sich einzugliedern in die neue Welt. Auch bis die Freundschaft zu Jason entstehen kann, müssen einige Hürden genommen werden.

Nicht nur ein Kinderbuch
Ich liebe es. Wie sich die Geschichte langsam aufbaut. Wie du miträtst. Wie du genau wie Ella die ganzen Vokabeln der Marveller erst lernen musst und ein allwissender Erzähler bewusst nicht vorhanden ist.

Ich mag es, wie Sternenpost und Nachrichten die Geschichte unterbrechen, wenn die Hauptperson sie liest wie in Der letzte Samurai von Helen DeWitt. Immer spannender wird es, wenn die zwei Haupthandlungsstränge beginnen, sich zu überkreuzen. Ich merke, wie ich mittendrin schon überlege, das Buch mit dem jetzigen Wissen nochmal zu lesen und nach Hinweisen auf spätere Informationen zu suchen, es anders wahrzunehmen. Ein paar Mal hat mich das Buch sehr überrascht, war unvorhersehbar.

Wertvolle Botschaften
Dass Ella erst 11 Jahre alt ist und du gerade ein Kinderbuch liest, merkst du beim Lesen nicht. Die Autorin schafft es, dich zu fesseln, dich in die Themen hineinzuziehen, die auch in unserer Welt wichtig sind. Es geht auf der Metaebene um Familie, Freundschaft, Respekt, Fairness, Unterschiede, Toleranz, Klassismus und ganz viel Mut.

Ellas Granny ist sehr weise, ihre Familie voller toller Charaktere und die Erziehungsdialoge für mich bisher einzigartig – und das in einem Kinder(!)buch.

Die meisten Hauptpersonen sind Schwarz, was klar beschrieben wird, allerdings absolut normal wirkt. Ganz anders als in vielen anderen Büchern. Schon das allein ist Grund genug, es zu lesen. Damit kommen für Weiße ganz ungewöhnliche Themen wie völlig normale Nebensächlichkeiten in dieses Kinder- und Jugendbuch: Die magischen Flechthände zum Beispiel, die im Internat anstelle der Mütter die Twists und Cornrows ordnen. Die verzauberten Zöpfe von Jason, weil seine Schwester das Haaröl verhext hat und die nun hin und her hüpfen. Ich halte es für sehr wichtig, diese „alltägliche Schwarze Lebensrealität“ in die Mitte unserer bunten Gesellschaft zu holen.

Fazit
Meinem neunjährigen Sohn und einer Freundin (8) habe ich Ellas Geschichte etwas angepasst nacherzählt. Mein Sohn hat die Geschichte an Freunde weitererzählt. Und auch meinen erwachsenen Freunden habe ich von den Marvellern und Fabulierern so viel vorgeschwärmt, dass sie auf den nächsten Geschenkelisten stehen.

Ich stelle das Buch auf eine Höhe mit oben genannten Klassikern und hoffe sehr auf eine baldige Fortsetzung. Eine mögliche Verfilmung müsste der Wahnsinn werden, falls jemand es schafft, meine Bilder im Kopf auf die Leinwand zu bekommen.

Ich denke dabei an den Flaschenbaum, die schnatternden Heiligen, die duftende gemütliche Wohnung von Ellas Familie, den majestätischen Herrn der Unterwelt, die schöne kluge Mama, die quirlige, lebendige, geliebte, kleine nervige Schwester, die unangepasste widerspenstige Brigit, den sympathischen Jason, die verknoteten Flechthände, die leuchtende Blume in der Tasche, die Elfen, das Gericht, die steife Rektorin, die sterile Arroganz der Marveller und die farbenfrohe heiße Welt der Fabulierer und der Südstaaten im Sommer. Die gruselig schöne, grausam machthungrige Gia. Sterne. Schule. Magie. Freundschaft. Die Liebe der Familie. Ella – unsere Projektionsfläche – wie sie alle Emotionen erlebt und uns auf unserer Reise in diese Welten begleitet.

Unbedingt lesen!

PS. 4 oder 5 Rechtschreibfehler habe ich gefunden – auf 300 Seiten.

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