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Veröffentlicht am 13.02.2023

Kurzweiliger Thriller

Die Herzchirurgin
2

Was machen all die fremden Leute hier? Und wo ist Zack? Als die Herzchirurgin Anna Jones nach einem langen Arbeitstag endlich heimkommt, ist nichts mehr so, wie es war. Die Erkenntnis, dass sie ihren Sohn ...

Was machen all die fremden Leute hier? Und wo ist Zack? Als die Herzchirurgin Anna Jones nach einem langen Arbeitstag endlich heimkommt, ist nichts mehr so, wie es war. Die Erkenntnis, dass sie ihren Sohn nur dann wieder in ihre Arme schließen kann, wenn sie während einer alsbald anstehenden OP einen Politiker sterben lässt, erschüttert sie bis ins Mark. Währenddessen hat die Krankenschwester Margot existenzielle Sorgen, welche sie mit immer dreisteren Diebstählen auszugleichen versucht. Und Rachel Conaty von der örtlichen Polizei kann ihr privates Schicksal nicht verarbeiten, sie vermengt dieses mit einem nicht geklärten Todesfall.

Um diese drei Frauen rankt sich der Thriller. Drei Frauen, ganz und gar unterschiedlich und doch eint sie ihr Schicksal irgendwie, auch wenn die Verbindungen zunächst ziemlich verworren und oberflächlich scheinen.

Allen voran kämpft Anna um das Leben ihres Kindes und dafür muss sie ihre Moral über Bord werfen, ihren ethischen Richtlinien als Ärztin abschwören. Wie wird sie sich entscheiden? Annas Weg habe ich atemlos und mit viel Herzklopfen verfolgt. Was ist richtig, was darf man, was darf eine Mutter, eine Ärztin? Selbst wenn sie ihren vermeintlich richtigen Weg eingeschlagen hat, so ist es noch lange nicht vorbei.

Und da ist Margot, ein ganz und gar anderer Typ. Sie ist für sich alleine verantwortlich, auch wenn es zwischendurch anders scheint. Sie ist nicht unbedingt ein Sympathieträger, eher das Gegenteil. Und hat sie einmal eine lukrative Quelle aufgetan, agiert sie unbescheiden und gierig bis zum Abwinken. Egoismus pur, so würde ich sie kurz beschreiben wollen. Erst handeln, später, meist zu spät, fängt sie an zu denken. Das kann nur schief gehen, sie schliddert gefühlt von einer Katastrophe in die nächste.

Wäre noch Rachel zu erwähnen, die sich in einen Fall verbissen hat und sich von nichts und niemandem von ihrem Vorhaben abhalten lässt. Sie mochte ich so gar nicht, beinahe hätte sie in Sachen Antipathie Margot den Rang abgelaufen.

Jack Jordan hat drei unterschiedliche Charaktere erdacht, die jede für sich nicht zu knapp über Ecken und Kanten verfügen. Um das Ausgangsszenario ranken sich die Nebenstränge, Annas schwerwiegende Entscheidung zieht vieles nach sich, was zunächst nicht vorhersehbar ist. Von Kindesentführung und Lügen bis hin zu Mord ist alles dabei, was einen spannenden Thriller ausmacht. Nach dem rasanten Einstieg mit viel Action plätschert die Handlung eher dahin, schon fesselnd, aber ein wenig um sich kreisend, um dann wieder an Fahrt aufzunehmen. Das Ende habe ich kaum erwarten können, auch wenn so manche Szene mit der Wirklichkeit nichts zu tun hat. Hier drücke ich aber gerne ein Auge zu angesichts dieses kurzweiligen Thrillers, der mich gut unterhalten hat.

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Veröffentlicht am 07.02.2023

Was geschah damals?

Das College – In der Nacht kommt der Tod
2

Es geschah vor zehn Jahren. April, die sehr exaltierte College-Freundin von Hannah, wird ermordet und schnell kann der Täter dingfest gemacht werden. Nun ist dieser verurteilte Mörder tot. Hannah, mittlerweile ...

Es geschah vor zehn Jahren. April, die sehr exaltierte College-Freundin von Hannah, wird ermordet und schnell kann der Täter dingfest gemacht werden. Nun ist dieser verurteilte Mörder tot. Hannah, mittlerweile verheiratet, erwartet ihr erstes Baby und erst jetzt, viel zu spät, kommen ihr Zweifel. Ist der Falsche weggesperrt worden? Eine nervenaufreibende Suche nach der Wahrheit beginnt.

Aus Hannahs Sicht erfahre ich, was Gestern geschah und bin mit ihr im Heute unterwegs. Ihre Zerrissenheit ist nachvollziehbar, wenn auch nicht in dieser alles verschlingenden Gänze. Abwechselnd auf zwei Zeitebenen spielt das wendungsreiche Psychodrama. Hannah könnte ihr Leben genießen, sie lebt in einer glücklichen Beziehung, die Zukunft sieht rosig aus. Und doch plagen sie Schuldgefühle. Neville wurde aufgrund ihrer Aussage verurteilt – hat sie sein Leben, hat sie seinen Ruf zerstört? Sie gräbt immer tiefer. Versucht, mithilfe der damaligen Clique den Ablauf der Tat zu rekonstruieren. Darf Gerechtigkeit alles? Oder sollte sie die Vergangenheit ruhen lassen?

Schon bald mache ich mir ein Bild von ihnen allen, lerne April als nette Person kennen, ihre düstere Seite zeigt sie ganz anders. Ihre makabren Scherze machen vor nichts und niemandem halt, sie kennt weder Grenzen noch hat sie ein Schuldbewusstsein. Und da ist auch die andere, die reizende, hilfsbereite und sehr unterhaltsame April. Die Charaktere sind allesamt gut ausgearbeitet, ich bin gefühlt bei ihnen und frage mich des Öfteren, warum Hannah ihre Nachforschungen nicht einstellt. Vieles deutet darauf hin, dass sie sich letztendlich selbst am meisten schadet. Aber ist das auch wirklich so?

Ruth Ware schafft eine düstere Atmosphäre, legt zuhauf falsche Fährten und lässt ihre Leser bis zuletzt im Unklaren. Ich mag es, wenn es sich lange nicht abzeichnet, wer der wahre Täter ist, wie es sich denn wirklich zugetragen hat. Denn jeder könnte es hier gewesen sein. Zuweilen scheint es, als ob dies für ewig im Dunkeln bleiben müsste. Ja, alles beginnt gemächlich, zunächst vermute ich eher eine Erzählung über den College-Alltag. Die Einführung ist etwas langatmig geraten, nimmt aber zunehmend Fahrt auf.

Die stimmlich sehr wandelbare Julia Nachtmann hat das Hörbuch eingelesen, sie gibt jeder Figur ihre individuelle Wesensart. Die lebendigen Dialoge sind authentisch und gewinnen mit ihrem Vortrag zusätzlich, die Sogwirkung ist enorm. Schon allein deshalb würde ich dem Hörbuch den Vorzug gegenüber dem gedruckten Exemplar geben. Es war eine spannende, sehr hörenswerte Suche nach dem wahren Mörder.

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Veröffentlicht am 04.02.2023

Rassismus

Salomés Zorn
2

In einem kleinen Ort in den Niederlanden lebt die 16jährige Salomé mit ihrer Familie. Das nächste halbe Jahr jedoch verbringt sie im Donat, so nennen sie aufgrund der Bauweise die Jugendstrafanstalt. Wenn ...

In einem kleinen Ort in den Niederlanden lebt die 16jährige Salomé mit ihrer Familie. Das nächste halbe Jahr jedoch verbringt sie im Donat, so nennen sie aufgrund der Bauweise die Jugendstrafanstalt. Wenn alles glatt läuft, kann sie telefonieren. Hast sie Mist gebaut, muss sie darauf verzichten. Wie kommt sie hierher? Was hat sie getan? Als Tochter eines Kameruners und einer Niederländerin wird sie seit jeher ausgegrenzt und nicht nur das, sie wird gemobbt, das Gefühl, weniger als die anderen wert zu sein, kennt sie nur zu gut. „Es ist wichtig, dass du dich nicht zum Opfer machen lässt, sagt Papa, während er zeigt, wie sie zuschlagen muss.“ Schon von klein auf muss sie sich verteidigen, ihre dunkle Hautfarbe macht sie angreifbar.

Rassismus und die einhergehende Diskriminierung zieht Gewalt nach sich, Simone Atangana Bekono beschreibt dies eindringlich. Salomés Zorn spürt man in jeder Zeile. Sie ist intelligent, stößt aber immer wieder an ihre Grenzen. Irgendwann wird sie vom Opfer zum Täter, eins kommt zum anderen, sie kann nicht anders. Und so landet sie in dieser Jugendstrafanstalt, auch hier steht nicht alles zum Besten. Sie hat Zeit, nachzudenken, sie reflektiert ihr bisheriges Leben.

Je besser ich Salomé kennenlerne, je mehr ich von ihr weiß, desto eher kann ich sie verstehen. Die Sprache ist zuweilen derb, es ist die Ausdrucksweise der Heranwachsenden und passt perfekt in das Bild, das sich mir von ihr erschließt. Sie trägt sehr viel Wut in sich, ihr Vater stachelt diese zusätzlich an. Seine Ratschläge, mittendurch zu schlagen, schnell und stark zu sein, sich nie zu beklagen, sind eher kontraproduktiv. Solche Denkweisen befördern Gewalt, auch wenn er eher damit meint, dass sie sich nicht zu ducken braucht, so ist sie doch in einer Phase der Selbstfindung. Gewalt mit Gegengewalt zu vertreiben, ist der absolut falsche Weg.

In Bekonos Debütroman habe ich mich erst einlesen müssen. Ihre Titelheldin träumt sich weg, erinnert sich zwischendurch an die Schulzeiten, an ihre Tante Céleste und ihre Familie. Frits, ihr Therapeut, fordert sie heraus, ihre Gespräche machen sie zornig. Salomé erzählt von ihrem Vater, der sie lehrt, sich auch gegen Menschen wie ihn zu verteidigen. Ausgerechnet Frits hat in einer, wie er es jetzt herunterspielt, spaßigen Show mitgemacht, in der der Rassismus die entscheidende Rolle spielt.

Simone Atangana Bekono macht „Salomés Zorn“, macht Rassismus und die damit einhergehende Ausgrenzung, greif- und begreifbar. Auf die Geschichte dieses Mädchens sollte man sich einlassen, die sprunghafte Erzählweise macht es jedoch nicht gerade einfach, im Buch zu bleiben. So einiges wird angedeutet, jedoch nicht explizit weitergeführt, was verwirrend ist und doch auch nachdenklich stimmt. „Du musst deiner Faust folgen“ ist niemals ein Mittel, Rassismus zurückzudrängen.

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Veröffentlicht am 31.01.2023

Unterhaltsames Hörbuch

Ostfriesengier
2

Ihre Amtseinführung hat sich Elisabeth Schwarz, ihres Zeichens neue Polizeidirektorin, auch anders vorgestellt. Kaum hat sie ihre Rede begonnen, explodiert das Auto des BKA-Beamten Dirk Klatt. Ein neuer ...

Ihre Amtseinführung hat sich Elisabeth Schwarz, ihres Zeichens neue Polizeidirektorin, auch anders vorgestellt. Kaum hat sie ihre Rede begonnen, explodiert das Auto des BKA-Beamten Dirk Klatt. Ein neuer Fall steht an für Ann Kathrin Klaasen und für Klaus-Peter Wolf ist es der 17. Ostfriesen-Krimi.

Das ungekürzte Hörbuch wird vom Autor gesprochen – besser geht´s nicht. Seine angenehme Stimme hat mich gleich mal für ihn und seine Romanfiguren eingenommen. Er kennt sie natürlich alle in- und auswendig, weiß, was hervorgehoben, was betont werden muss. Schon allein sein Vortrag macht das Hörbuch zum Genuss.

Ein brisanter Fall für die Hauptkommissarin Ann Kathrin Klaasen. Nicht alle Ostfriesen-Krimis, aber so etliche, habe ich gelesen, diese „OstfriesenGIER“ ist mein erstes Hörbuch hierzu, es wird aber bestimmt nicht das letzte in dieser Reihe sein, sie wird fortgesetzt und ich bin auf den Hör-Geschmack gekommen. Klaus-Peter Wolf unterhält nicht nur schreibend, auch seinen Vortrag kann ich sehr empfehlen. Schon der Anfang stimmt auf die Lokalität ein, das Meer höre und sehe ich direkt vor mir.

Den Mord erlebe ich hautnah, auch aus Sicht des Mörders. Es passiert eine ganze Menge, es wird garantiert nicht langweilig. Ein Möchtegern-Gigolo ist gar nicht so nett, wie es den Anschein hat. Auch gilt es zu klären, warum Ann Kathrin Klaasen auf den Aufstieg zur Polizeidirektorin verzichtet hat. Es gibt so manch zwielichtige Gestalt, der man nicht unbedingt begegnen möchte. Trotz Mord ist die Story unterhaltend, wenn auch teilweise überzeichnet. Vor allem das devote Gebaren passt nicht in ein Frauenbild, wie es heute gang und gäbe ist. Abgesehen davon hat mich der neue Ostfriesen-Krimi wieder gut und spannend unterhalten. Ein kurzweiliges Hörvergnügen.

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Veröffentlicht am 31.01.2023

Fantasy-Auftakt

Die Tausend Leben des Ardor Benn
2

Nichts ist unmöglich, kein Abenteuer zu gewagt für Ardor Benn, den Meister von List und Tücke. Der außergewöhnliche Gentleman-Gauner, wie er sich selbst bezeichnet, ist nicht nur risikofreudig und gewitzt, ...

Nichts ist unmöglich, kein Abenteuer zu gewagt für Ardor Benn, den Meister von List und Tücke. Der außergewöhnliche Gentleman-Gauner, wie er sich selbst bezeichnet, ist nicht nur risikofreudig und gewitzt, er hat auch einen messerscharfen Verstand. Eines Tages erhält er von dem Eiland Halavend, einem Priester, einen Auftrag, der fast nicht durchführbar scheint. Zusammen mit Raek, seinem guten Freund und Mitstreiter sowie Quarra, ihres Zeichens Diebin, ersinnt Ard einen genialen Plan.

Die ersten Seiten musste ich direkt nochmal lesen, zum Hineinfinden war dies zwingend notwendig. Es war ein Hineintasten ins Buch, in ein für mich nicht alltägliches Genre. Dies ging erstaunlich schnell, auch war die Karte anfangs hilfreich, ich hab da immer mal wieder vorgeblättert, um auch räumlich den Überblick nicht zu verlieren. Auch die Charaktere waren zunächst ungewohnt, aber gut beschrieben, sodass ich mir zu jedem ein Bild machen konnte. Gewitzte Figuren wie etwa die Verkleidungsschöpfer Elbig und Cinza sind lebendig beschrieben, die Besten ihres Fachs, auch wenn sie zuweilen direkt unheimlich scheinen.

"Glimmer und Granit". Malm in seiner Vielfalt kann alles wie etwa Heilungsmalm, der den Körper kuriert. Flüstermalm, der nichts nach draußen dringen lässt oder den oftmals hilfreichen Barrieremalm, der die einen einsperrt und die anderen nicht eindringen lässt. Die Drachen sind hierfür vonnöten, sie drohen auszusterben.

Ja, Ardor Benn hat viele Leben, er muss sich immer wieder beweisen, sich mit List und Tücke aus so manch auswegloser Situation heraus manövrieren und zudem seinen Auftrag erfüllen. Der 800-Seiten-Fantasy-Schmöker hat es in sich – der einnehmende Schreibstil ist gut lesbar, die Story spannend und wendungsreich. Dem Gentleman-Gauner bin ich gerne gefolgt.

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