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Veröffentlicht am 04.04.2023

Mord in der portugiesischen Dorfidylle

Südlich von Porto lauert der Tod
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Die junge Polizistin Ria Almeida reist in die portugiesische Heimat ihres Vaters, um ihren geliebten Großvater zu beerdigen. Doch außerdem will sie ihren Urlaub dazu nutzen, sich über ihre weitere Zukunft ...

Die junge Polizistin Ria Almeida reist in die portugiesische Heimat ihres Vaters, um ihren geliebten Großvater zu beerdigen. Doch außerdem will sie ihren Urlaub dazu nutzen, sich über ihre weitere Zukunft klarzuwerden. Eigentlich ist Ria Almeida Polizistin in Stuttgart, wo sie auch aufgewachsen ist. Doch mit den Kollegen dort und besonders mit ihrem Chef möchte sie nichts mehr zu tun haben. Eigentlich will sie mit Polizeiarbeit insgesamt nicht mehr zu tun haben.
Doch als in dem kleinen Ort Torreira eine junge Frau tot aufgefunden wird, erwacht Rias berufliche Neugier. Durch ihren Schwager João, der das Dorfrevier leitet, ist sie stets gut informiert. Zudem ist der örtliche Bestatter Nuno auch noch ihr bester Freund seit Kindertagen. Allerdings scheint der Tod der jungen Raquel nur ein tragischer Unfall gewesen zu sein. Nur Raquels Schwester, die die Tote gefunden hatte, will nicht an einen Unfall glauben.
Doch als dann plötzlich die Leiche über Nacht aus Nunos Beerdigungsinstitut verschwindet, ist allen Beteiligten klar, dass die Schwester der Toten Recht hatte: es gibt jemanden, der eine nähere Untersuchung der Leiche verhindern will. Ria Almeidas Ermittlerinstinkt ist geweckt. Zusammen mit ihrem Schwager João macht sie sich auf die Suche nach dem Täter. Dumm nur, dass sie ja eigentlich gar keine Polizistin ist, zumindest keine portugiesische. Doch das weiß der leitende Kommissar Baptista noch nicht, da weder Ria noch João es ihm bisher so genau gesagt haben. Der Ärger für Ria ist also vorprogrammiert!
Auch wenn die eigentliche Krimihandlung nicht nervenaufreibend spannend oder überraschend ist, hat mich das Buch gut unterhalten. Rias Orientierungssuche zwischen deutscher und portugiesischer Heimat, das Gefühl der sausade, der melancholischen Sehnsucht, die ganz nebenbei erzählten Besonderheiten der portugiesischen Lebensart vermitteln einen authentischen und überaus liebenswerten Eindruck. Ein richtiger Blickfang ist das sehr schön gestaltete Cover mit den farbenfrohen Fischerbooten und den weiß-blauen Fliesen.

Veröffentlicht am 06.03.2023

Einsamkeit

Der Inselmann
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Der zehnjährige Hans zieht mit seinen Eltern auf eine unbewohnte Insel, mitten in einem großen See. Gründe für diese ,,Flucht“ werden nur angedeutet. Auch genauere Orts- oder Zeitangaben werden nicht genannt, ...

Der zehnjährige Hans zieht mit seinen Eltern auf eine unbewohnte Insel, mitten in einem großen See. Gründe für diese ,,Flucht“ werden nur angedeutet. Auch genauere Orts- oder Zeitangaben werden nicht genannt, lassen sich stellenweise aber aus der Handlung erschließen. So spielt die Handlung sich vermutlich Anfang der 60er Jahre im Osten Deutschlands ab.
Für die Eltern ist der Umzug eine Flucht vor der Stadt und vor der Realität. Für Hans bedeutet die Insel trotz der harten Lebensbedingungen eine große Freiheit. In der Natur findet er ein Zuhause, das ihm die emotional sehr verkümmert wirkenden Eltern nicht bieten können. Doch als die Behörden auf den Jungen aufmerksam werden, muss Hans täglich zur Schule rudern. Dort findet sich der einzelgängerische Junge nur schwer zurecht und wird Opfer bösartiger Mitschüler und unverständiger Lehrer. Da er dann beginnt, die Schule zu schwänzen, wird er in ein Internat für schwer erziehbare Kinder eingewiesen. Das gnadenlose System dort kann er nur mit seinem Wunsch, auf seine Insel und in die Einsamkeit zurückzukehren, ertragen. Doch erst Jahre später kehrt er dorthin zurück.
Der Roman ist sehr poetisch geschrieben und wirkt, nicht nur durch die ausdrucksstarke Sprache, sondern auch aufgrund der oft nur angedeuteten Realität, märchenhaft. Dieser poetische Stil wirkt stellenweise allerdings auch etwas überladen.
Besonders die Passagen, in denen Hans in der Schule oder im Internat Unverständnis und Quälereien ausgesetzt ist, sind sehr ergreifend. Auch die Sprachlosigkeit zwischen ihm und seinen Eltern, die sich dann auch auf alle seine menschlichen Kontakte auswirkt, ist bedrückend. Hans‘ Eigensinn und Wunsch nach Einsamkeit wird durch seine Lebensgeschichte verständlich. Dennoch hinterlässt die Lektüre bei mir einen zutiefst traurigen und melancholischen Eindruck.

Veröffentlicht am 12.02.2023

Charmant und amüsant

Die Unverbesserlichen – Der große Coup des Monsieur Lipaire (Die Unverbesserlichen 1)
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Guillaume Lipaire, eigentlich Wilhelm Liebherr, hat sich in Port Grimaud gut eingerichtet. Als eine Art Hausmeister betreut er Ferienwohnungen und teilweise auch die Luxuskarossen der betuchten Besitzer ...

Guillaume Lipaire, eigentlich Wilhelm Liebherr, hat sich in Port Grimaud gut eingerichtet. Als eine Art Hausmeister betreut er Ferienwohnungen und teilweise auch die Luxuskarossen der betuchten Besitzer in dem malerischen Küstenstädtchen. Gerne genießt er auch selbst mal den einen oder anderen edlen Tropfen aus der Bar der ihm anvertrauten Wohnungen. Und immer mal wieder vermietet er die leerstehenden Feriendomizile auch selbst, was natürlich einen gewissen organisatorischen Aufwand mit sich bringt. Dabei unterstützt ihn der Wassertaxifahrer Karim.
Als die beiden aber in der Wohnung einer Adelsfamilie eine Leiche finden, wird es brenzlig. Sie müssen die Leiche verschwinden lassen, was zu ziemlich grotesken Situationen führt. Doch Lipaire sieht nun auch die Chance auf den ganz großen Coup. Offenbar hatte der Tote mit der Adelsfamilie Vicomte ein Geschäft am Laufen, das Lipaire nun zu seinen Gunsten nutzen will. Doch Port Grimaud ist so klein, dass auch andere ein Stück vom Kuchen abhaben wollen. Und so sind bald neben Karim auch noch die Eisverkäuferin Jacqueline, die außerdem Tochter des Bürgermeisters ist, der Ex-Fremdenlegionär Paul, eigentlich Lipaires Erzfeind, Delphine, die den örtlichen Handyladen betreibt und gerne auch mal die eine oder andere Kopie von Handydaten zieht, und die 84-jährige Lizzy, die Port Grimaud noch aus Gründungszeiten und den ganzen Jetset aus St Tropez kennt, mit von der Partie. Diese Chaos-Truppe träumt von einem großen Coup, stolpert allerdings mehr oder weniger dilettantisch durchs Verbrecher-Milieu. Zwar fehlt es etwas an Spannung und manche Passagen ziehen sich etwas in die Länge, insgesamt ist der Roman aber vergnüglich und unterhaltsam.
Besonders reizvoll ist es, wenn man die Gegend kennt: das ins Wasser gebaute Ferienstädtchen Port Grimaud, das immer noch hippe St. Tropez, aber auch die kleinen, pittoresken Dörfer im Hinterland, die alle Schauplatz des Geschehens sind. Und ganz nebenbei erfährt man so einiges zum historischen Hintergrund des Küstenstädtchens.

Veröffentlicht am 11.02.2023

Verschweigen und verdrängen

Verschwiegen
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In der kleinen isländischen Stadt Akranes kennt jeder jeden. Viele sind nie weggezogen, und so manchen zieht es nach einer gewissen Zeit in Reykjavik oder anderswo wieder zurück ins Kleinstadtidyll. Hier ...

In der kleinen isländischen Stadt Akranes kennt jeder jeden. Viele sind nie weggezogen, und so manchen zieht es nach einer gewissen Zeit in Reykjavik oder anderswo wieder zurück ins Kleinstadtidyll. Hier verläuft das Leben in ruhigeren, aber auch langweiligeren Bahnen. Auch die Polizistin Elma ist in den Ort ihrer Kindheit zurückgekehrt. Die Gründe dafür erfährt der Leser erst sehr viel später.
Da es in Akranes kaum zu schweren Verbrechen kommt, gibt es einen umso größeren Wirbel, als die Leiche einer jungen Frau am Leuchtturm gefunden wird. Elma übernimmt zusammen mit ihrem Kollegen Saevar und ihrem Vorgesetzten Hördur die Ermittlungen. Bald stellt sich heraus, dass die Tote, Elisabeth, ihre frühe Kindheit in Akranes verbracht hat und ihr Tod damit in Zusammenhang steht. Elisabeth hatte kurz vor ihrem Tod Kontakt zu einigen Personen in Akranes gesucht und wollte lange Verdrängtes aus ihrer schwierigen Kindheit offenlegen. Offenbar ist sie damit für manche zu einer Gefahr geworden, die beseitigt werden musste…..
Während Elma noch mit ihrer Rückkehr nach Akranes hadert, deckt sie zusammen mit ihrem Kollegen Saevar eine Reihe lang verschwiegener Verbrechen auf. Ihr Chef Hördur hingegen versucht, möglichst wenig Staub aufzuwirbeln, um das gesellschaftliche Netz in der Kleinstadt nicht zu gefährden.
,,Verschwiegen“ ist ein sehr passender Titel. Es stellt sich heraus, dass so mancher Bewohner der Kleinstadt sehr wohl über bestimmte Vorgänge Bescheid wusste, diese aber aus Eigennutz oder zum Schutz ihrer Familie unter den Teppich gekehrt hat.
Der Krimi ist spannend, aber eher ruhig erzählt. Die Handlung ist schlüssig konstruiert, allerdings bleiben am Ende doch einige Fragen ungeklärt. Eventuell werden diese aber im 2. Band, der bald erscheinen soll, geklärt.

Veröffentlicht am 06.02.2023

Mord-Kunst

In tiefen Seen
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Der 8. Fall für Commissario Grauner führt ihn und seine Kollegen ins Passeiertal. Dort wurde ein verarmter Maler tot aufgefunden. Seine Leiche ist grausam zugerichtet und der Tatort wirkt seltsam inszeniert, ...



Der 8. Fall für Commissario Grauner führt ihn und seine Kollegen ins Passeiertal. Dort wurde ein verarmter Maler tot aufgefunden. Seine Leiche ist grausam zugerichtet und der Tatort wirkt seltsam inszeniert, fast wie ein Gemälde. Commissario Grauner und sein neapolitanischer Kollege Saltapepe stoßen bei den Dorfbewohnern auf eine Wand des Schweigens. Niemand will etwas gesehen oder gehört haben.
Als ein Kunstexperte den Hinweis gibt, dass die Inszenierung der Leiche wie ein Gemälde Botticellis wirkt, das aber seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs als verschollen gilt, macht sich Saltapepe auf in die Uffizien nach Florenz. Dort will er mehr über die Geschichte des Gemäldes herausfinden. Dabei stößt er auf Hinweise zu verschwundenen, aber auch zum Handel mit gefälschten Kunstwerken.
Währenddessen ermitteln Grauner und Silvia Tappeiner im Tal, jedoch jeder von ihnen auf eigenen Spuren, was verhängnisvoll wird. Grauners Ermittlungen führen ihn in die Stollen des ehemaligen Bergwerks, in dem vermutlich Beutekunst nach dem Zweiten Weltkrieg versteckt wurde. Bald wird deutlich, dass die Dorfbewohner sehr viel mehr wissen und sehr viel stärker involviert sind in das Verbrechen, dessen Ursprung in der Vergangenheit liegt.
,,In tiefen Seen“ ist wieder ein spannender und möglicherweise der letzte Fall für den kauzigen Kommissar Grauner, der eigentlich am liebsten bei seinen Kühen im Stall steht. Auch wenn am Schluss ein paar Fragen offen bleiben, wäre das Ende der Reihe sehr schade!